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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
4
Alle Kapitel
35 Reviews
Dieses Kapitel
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31.08.2020 1.663
 
Hey, du! :) Schön, dass du auf diese Geschichte gestoßen bist! Es ist meine erste Geschichte hier auf FanFiction.de; ich schaue einfach mal, was daraus wird. Warum der Prolog und das erste Kapitel namens "Ein interessantes Gespräch" in einem Kapitel stehen? Das liegt daran, dass der Prolog sehr kurz ist (selbst für einen Prolog) und es sich komisch anfühlt, dieses kurze Textchen allein hochzuladen. Ach, noch was: Wie war das nochmal? Was da manchmal am Anfang eines Buches steht? Ach ja, genau:
"Alle Charaktere dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt."
Oder so ähnlich ...
Auf jeden Fall wünsche ich dir jetzt viel Spaß beim Lesen! :D



Prolog


Ich sah die Leitplanke auf mich zurasen. Mein Opa versuchte vergeblich, das Auto unter Kontrolle zu bekommen. Ich saß wie festgefroren auf dem Beifahrersitz. Der Straßenrand kam näher und näher. Es konnte sich nur noch um den Bruchteil einer Sekunde handeln. Ich wollte schreien, brachte aber keinen Ton heraus. Mein Herz schlug wie verrückt. Ich wusste, dass mein Leben gleich Vergangenheit sein würde. Das Letzte, was ich sah, war das entsetzte Gesicht meines Opas. Dann hörte ich ein ohrenbetäubendes Krachen und alles wurde schwarz.


1. Kapitel: Ein interessantes Gespräch


Eine Papierkugel traf mich von hinten am Kopf und landete auf meinem Tisch. Nicht schon wieder! Zögernd faltete ich das zusammengeknüllte Papier auf.
„Verpiss dich, Narbengesicht!“, stand darauf.
Ich konnte mir ein Luftschnappen nicht verkneifen. Meine Mathe- und Klassenlehrerin Frau Eckert, die Ohren wie ein Luchs hatte, drehte sich zu mir um.
„Möchtest du etwas sagen, Celina?“, fragte sie mich streng.
„Ähm, ich wollte fragen, ob ich auf die Toilette gehen darf“, antwortete ich schnell.
Frau Eckert musterte mich von oben bis unten. „Na gut, dann geh!“, sagte sie schließlich.
Ich war so dankbar, aus dem Klassenzimmer zu kommen, dass ich etwas zu eilig aufstand und so meinen Tisch dazu brachte, nach vorne zu kippen. Er knallte laut auf dem Boden auf und alle meine Hefte, die auf dem Tisch gelegen hatten, rutschen hinunter. Außerdem hatte der Tisch mein Schienbein erwischt. Das würde einen großen blauen Fleck geben!
Ich murmelte leise: „Entschuldigung“ und begann damit, meine Hefte aufzusammeln. Niemand bot mir Hilfe an. Schließlich stellte ich den Tisch wieder auf und ging mit zügigen Schritten aus dem Raum. Kaum fiel die Tür hinter mir zu, rannte ich los, den Blick auf den Boden gerichtet, in Richtung Mädchentoilette. Auf dem Flur kamen mir ein paar jüngere Schüler entgegen. Ich achtete nicht auf sie. Nur nicht auffallen und niemandem ins Gesicht schauen! Da waren die Toiletten! Ich hastete an der Jungentoilette vorbei und riss die Tür zur Mädchentoilette auf. Schnell in eine der Kabinen und abschließen! Ich war in Sicherheit! Ich atmete erst einmal tief durch. Dann kroch der Zorn in mir hoch. Wieso taten sie das? Was war an mir anders?
Deine Narben, sagte eine Stimme in mir.
Ja, die Narben. Früher war alles anders gewesen. Da hatte ich noch Spaß an der Schule gehabt. Und dann, vor einem halben Jahr, war der Unfall passiert. Ich war zwar am Leben, hatte aber Narben davongetragen. Und wie das Schicksal es so wollte, waren sie nicht etwa am Oberschenkel, wo man sie mit Rock oder einigermaßen langen Hosen selbst im Sommer nicht gesehen hätte. Nein, sie mussten sich ja unbedingt mitten in meinem Gesicht präsentieren. Auf der Nase, auf der rechten Wange und auf der Stirn, wo sie meistens wenigstens durch meine Haare verdeckt wurden. Alle aus meiner Familie, die ich darauf ansprach, sagten nur, dass ich froh sein sollte, dass ich überhaupt noch lebte. Freunde hatte ich keine und das lag auch an den Narben. Schon vor dem Unfall hatte ich nicht so übertrieben viele Freunde gehabt. Eigentlich nur Anna. Und sie hatte längst nicht immer zu mir gehalten. Nach dem Unfall waren wir umgezogen, da niemand aus unserer Familie nahe an dem Ort leben wollte, an dem der Unfall geschehen war, denn das hätte uns alle täglich daran erinnert.
An der neuen Schule hatte ich überhaupt keine Freunde. Im Gegenteil: Alle ärgerten mich. Als ich meinen Eltern davon erzählte, sagten sie nur, ich müsse mich einfach eingewöhnen und ich solle den Klassenkameraden doch von dem Unfall erzählen, dann hätten sie bestimmt Verständnis. Mal abgesehen davon, dass das mit dem Unfall nicht so leicht zu erzählen war und ich mir auch nicht sicher war, ob ich das überhaupt erzählen wollte, kam ich nicht mal dazu, ihnen überhaupt irgendetwas zu sagen, denn sie gingen mir wortwörtlich aus dem Weg. Wenn ich nach dem Unterricht aus der Schule ging, bildete sich vor mir fast eine Gasse. Und wenn ich mal zu dem Basketballkorb ging, hatte ich ihn für mich allein, da alle, die dort gespielt hatten, abrupt ihr Spiel beendeten und sich verdrückten. Seit einem halben Jahr ging das nun schon so.
   
Der Gong ertönte und riss mich damit aus meinen Gedanken. So ein Mist, ich hatte ganze 25 Minuten auf der Toilette verbracht! Das würde Ärger geben! Da sich das wohl nicht vermeiden ließ, konnte ich auch noch weitere zehn Minuten hier verbringen, das würde jetzt auch keinen Unterschied mehr machen. Dann konnte ich zumindest keinem Schüler auf dem Gang mehr begegnen. Nach der sechsten Stunde wollten alle immer möglichst schnell aus der Schule raus und nach Hause. Den Bus konnte ich auch nicht verpassen, denn da ich nicht weit von der Schule entfernt wohnte, ging ich fast immer zu Fuß. Nur wenn es mal ganz stark stürmte, wurde ich von meiner Mutter gefahren. Ich hatte also eigentlich Zeit.
Zehn Minuten später schloss ich leise die Tür der Kabine auf, in der ich die ganze Zeit gesessen hatte, öffnete die Tür der Mädchentoilette und schlich mich in Richtung des Eingangs der Schule. Am Ende des Flurs spähte ich vorsichtig um die Ecke. Ich bekam einen Riesenschreck, als ich keine zehn Meter von mir entfernt meine Klassenlehrerin Frau Eckert mit Herrn Schmidt, unserem Schulleiter, reden sah. Solange sie dort standen, konnte ich sowieso nicht durch, ich würde mächtig Ärger kriegen, wenn sie mich jetzt noch in der Schule sahen. Also verhielt ich mich leise und lauschte ihrem Gespräch, da ich nichts besseres zu tun hatte.
Meine Eltern hatten mir zwar schon ziemlich früh beigebracht, dass man nicht lauschte, aber ich konnte nicht widerstehen.
„Eine meiner Schülerinnen, Celina Buchwald, verhält sich in letzter Zeit etwas merkwürdig“, erläuterte Frau Eckert gerade Herrn Schmidt.
Du meine Güte, es ging um mich! Vermutlich war dieses Gespräch interessanter, als ich gedacht hatte.
„Ich mache mir Sorgen um sie“, fuhr Frau Eckert fort.
Sorgen? Um mich? Das hatte ich wirklich nicht von meiner eher strengen Mathelehrerin erwartet. Außer meiner Familie hatte sich eigentlich noch nie jemand Sorgen um mich gemacht. Zumindest nicht ernsthaft. Und dass Frau Eckert es ernst meinte, das war deutlich an ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen.
„Was meinen Sie mit merkwürdig?“, fragte nun unser Schulleiter.
„Sie meidet ihre Mitschüler und es hat den Anschein, als ob sie sich in der Klasse nicht wohlfühlt. Heute ist sie auf die Toilette gegangen und ist bis zum Ende der Stunde dort geblieben“, erklärte Frau Eckert.
Nicht ich meide die Mitschüler, sondern die Mitschüler meiden mich, dachte ich grimmig.
„Vielleicht sollten wir ein Gespräch mit ihren Eltern organisieren“, schlug Herr Schmidt vor.
„Das habe ich bereits zweimal getan und war nicht sonderlich erfolgreich“, hörte ich meine Lehrerin antworten.
Moment mal, wie bitte? Meine Eltern hatten schon zweimal ein Gespräch mit Frau Eckert und ich wusste von nichts? Warum hatte mir nie jemand davon erzählt?
„Wir haben es vor Celina geheimgehalten, weil wir nicht wussten, ob es sie verletzen würde. Ihre Eltern hatten den Gedanken, dass sie vielleicht traumatisiert ist und ihr davon zu erzählen, könnte alte Wunden aufreißen“, bekam ich prompt meine Antwort.
„Das ist jetzt ein halbes Jahr her“, sagte Herr Schmidt. „Ich schlage vor, dass wir anfangen, mit offenen Karten zu spielen. Wir sollten mit Celina persönlich sprechen.“
„Na, wenn Sie meinen“, willigte Frau Eckert ein. „Dann schlage ich ihr morgen einen Termin für ein Gespräch vor.“
Ich hörte Schritte, die sich entfernten und spähte vorsichtig um die Ecke. Die Luft war rein! Dann nichts wie raus hier! Als ich auf dem Weg zum Eingang bei der Fundkiste unserer Schule vorbeikam, in der alles gelagert wurde, was irgendwer liegengelassen hatte, sah ich meine Schultasche dort stehen. Die hatte ich ja völlig vergessen! Gut, dass ich sie noch bemerkt hatte, sonst wäre zuhause alles aufgeflogen! Schnell schnappte ich sie mir und rannte durch den Eingang der Schule nach draußen und am Ende des Schulhofes nach rechts. Dann noch einmal rechts und eine Straße weiter nach links. Am Ende der Straße stand unser Haus. Als ich darauf zu rannte, fiel mein Blick auf das Haus nebenan, die Nummer 14, in das gestern die neuen Mieter, eine vierköpfige Familie, eingezogen waren. Ich hatte unsere neuen Nachbarn noch nie gesehen, seit sie hier wohnten. Keine Ahnung, was die so lange im Haus trieben. Als ich hier eingezogen war, wollte ich unbedingt möglichst schnell die Umgebung kennenlernen und Freunde finden (was irgendwie in die Hose gegangen war).
Ich war bei unserem Haus angelangt und zog den Schlüssel aus der Tasche, um aufzuschließen. Mein Kater Leo kam mir entgegen, als ich die Tür öffnete, und strich mir um die Beine.
„Hallo!“, rief ich in das Haus hinein. „Ist jemand da?“
Da niemand antwortete, nahm ich an, dass niemand zuhause war. Ich ging in die Küche und machte mir ein Toastbrot-Sandwich. Dabei bemerkte ich einen Zettel auf dem Esstisch.

Hallo Celina,
im Kühlschrank steht ein Apfelkuchen. Bitte bring den
zu unseren Nachbarn in Haus Nummer 14, die, die gestern
eingezogen sind. Es soll ein Willkommensgeschenk sein.
Mama



Gut, das würde ich gleich machen. Irgendwie war ich neugierig, wie sie aussehen mochten, da sie sich bisher ja noch nicht hatten blicken lassen. Ich aß mein Sandwich auf, dann machte ich mich mit dem Kuchen in der Hand auf den Weg hinüber zu Haus Nummer 14.
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