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GeschichteDrama, Romanze / P12
Nymphadora Tonks Remus "Moony" Lupin
30.08.2020
23.09.2020
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16.09.2020 2.876
 
Als der Zug in die Kurve bog und verschwand, standen alle ruhig da und warteten auf Sirius, der kurz darauf mit hängender Zunge zu ihnen zurückgetrabt kam.

„Ganz toll, Sirius“, zischte Molly leise. „Jetzt hat dich wirklich jeder bemerkt, der heute hier war.“

„Molly, er muss auch mal ein wenig Luft schnappen“, sagte Tonks und wurde zum Dank von dem großen schwarzen Hund angesprungen.

„Hey, runter“, sagte sie lachend, „du bist zu schwer.“
Sirius landete wieder auf allen vier Pfoten, legte den Kopf schief und sah sie an. Tonks streichelte seinen Kopf und richtete sich wieder auf.

„Dumbledore wird jedenfalls nicht begeistert sein“, bemerkte Molly streng.

„Ich werde jetzt zu ihm gehen und die Sache mit Sturgis melden“, knurrte Mad-Eye, verabschiedete sich und ging. Arthur entschuldigte sich, da er zur Arbeit musste, und Molly hatte, wie immer, einen Haufen Besorgungen zu machen. Noch einmal blickte Molly in die Richtung, in der der Zug verschwunden war. Tonks dachte daran, dass das Haus am Grimmauldplatz ohne die Kinder und bald wahrscheinlich auch ohne Molly und Arthur seltsam leer sein würde.

„Ich muss dann jetzt los“, sagte Molly zerstreut. „Kümmert ihr beide euch darum, dass Schnuffel sicher nach Hause kommt?“

„Aber klar.“
Remus und Tonks nickten.

Als sie zu dritt zurückblieben und einander ansahen, unterdrückte Remus ein Lachen. „Tolle Verkleidung übrigens“, meinte er. „Ich habe dich vorhin nur an den Augen erkannt.“

„Oh, fast vergessen! Ich bin gleich zurück.“
Tonks verschwand in einem der Wartehäuschen, das wegen des schönen Wetters leer war, und verriegelte die Tür. Zwei Sekunden später sah sie wieder aus wie immer. Kurzerhand entschied sie sich für einen gelockten, kinnlangen Bob, verstaute den langen Omarock in der Tasche und krempelte die Jeans hinunter, die sie darunter getragen hatte. Sie schlüpfte in ihre Turnschuhe und stopfte die Pumps, das Tweedjacket und den schrulligen Hut ebenfalls in die Tasche, die jetzt das einzige war, das von ihrer Verkleidung noch übrigblieb. Sie warf einen letzten Blick in einen fleckigen Spiegel, der an der Wand hang, ordnete ihr Haar und zupfte ihr T-Shirt zurecht.

„Du bist gut vorbereitet“, bemerkte Remus anerkennend, als sie wieder zu ihm trat.

„Natürlich“, erwiderte sie. „Länger als nötig lauf ich garantiert nicht als alte Schrulle rum.“  
Sie verließen Gleis 9 ¾ und das Bahnhofsgebäude.

„Du brauchst übrigens nicht den ganzen Weg zu Fuß zurückzukommen, wenn du was zu tun hast“, sagte Remus, als sie über den Platz gingen.

„Nein, ich komme gerne mit“, erwiderte sie. „Ich hab heute nämlich - ich traue mich kaum, es sagen - frei.“

„Ist das ein Irrtum im Büro?“, fragte Remus amüsiert. „Seit ich dich kenne, musstest du immer irgendwo hin.“

„Ja, ich glaube auch, dass die mich diesmal einfach vergessen haben“, sagte sie glücklich. „Ich werde mich jedenfalls nicht beschweren. Also dann. Bringen wir mal unseren Hund nach Hause.“
Sirius bellte.
Es war zuerst seltsam, sich zu unterhalten, wenn Sirius nicht mitredete. Doch mit der Zeit vergaßen sie, dass er ihnen wahrscheinlich zuhörte, und redeten ganz normal.

„Das mit Sturgis ist schon komisch, oder?“, sagte sie.

„Ja, vor allem, dass er schon das zweite Mal für eine ganze Woche abgetaucht ist. Es wundert mich fast, dass Mad-Eye erst jetzt misstrauisch wird.“

„Stimmt, sonst ist er ja deutlich schneller dabei. Na, hoffentlich hat es nichts zu bedeuten und Sturgis ist einfach nur überlastet oder was weiß ich. Obwohl man natürlich auch Bescheid sagen kann, wenn das so ist.“

„Ja, hoffentlich ist nichts passiert.“

Sirius rannte vor ihnen her und scheuchte Tauben und Katzen auf. Tonks lachte.

„Pass auf, Schnuffel, sonst kommst du noch unter ein Auto!“

Sirius machte kehrt, trottete zu ihnen zurück, stupste sie beide mit seiner feuchten Hundenase an und sauste wieder los.

„Echt blöd, dass er als Hund so groß ist“, bemerkte Tonks. „Zwanzig Zentimeter weniger und es wäre überhaupt kein Problem, dass er das Haus verlässt. Ich meine, es wäre ja nicht der einzige schwarze Hund in London. Aber so ist er ja mehr ein Bär als alles andere.“

„Ja, das ist eine wirklich vertrackte Situation“, sagte Remus.

„Schrecklich“, meinte Tonks. „Ich würde, glaube ich, spätestens nach einer Woche die Krise kriegen, wenn ich nicht raus dürfte. Und Sirius ist ja nun echt nicht der Typ, der gerne zu Hause rumhockt.“

Remus brummte zustimmend. Sie schwiegen eine Weile. Als sie um die Ecke bogen, hinter der der Grimmauldplatz lag, sagte er: „Hör mal, du hast vor einer Weile gesagt, dass du bei Gelegenheit gerne an deinem Patronus arbeiten würdest. Ich verstehe natürlich, wenn du heute mal nicht arbeiten willst, aber ansonsten - wie wäre es jetzt?“

„Ja, sehr gerne“, sagte Tonks und lächelte. Es freute sie, dass er es nicht vergessen hatte, obwohl dieses Gespräch jetzt schon einige Wochen zurücklag. „Heute passt gut. Wer weiß, wann wir wieder Gelegenheit haben.“
Im Hausflur verwandelte sich Sirius sofort zurück.

„Am besten geht ihr zum Arbeiten in den Salon“, schlug er vor. „Da stinkt‘s zwar immer noch nach diesem Doxy-Gift, aber immerhin habt ihr genug Platz und ich kann halbwegs garantieren, dass ihr nicht von irgendwelchem Viehzeug oder Schnupftabakdosen gebissen werdet.“

„Danke, gute Idee“, sagte Remus.

„Vielleicht kommt ihr ja später zum Tee runter“, sagte Sirius beiläufig, doch Tonks merkte ihm an, dass ihm Harrys Abreise jetzt schon auf die Stimmung schlug. Sie verstand ihn gut. Auch ihr kam das Haus jetzt, ohne den ganzen Trubel, viel düsterer und kälter vor.

„Machen wir ganz bestimmt“, sagte sie und lächelte ihn aufmunternd an.



Sie traten in den Salon und Remus schloss die Tür hinter ihnen. Er durchmaß den großen Raum mit langen Schritten und zog vor jedem zweiten Fenster die Vorhänge zu, sodass ein schummeriges Licht entstand.

„So sieht man die Unterschiede besser“, erklärte er und trat zu ihr. „Ich würde vorschlagen, du probierst es einfach einmal. Dann weiß ich, wie wir am besten weitermachen.“

Ein bisschen unsicher nahm Tonks ihren Zauberstab und konzentrierte sich. Einen Moment später schoss ein blasssilberner Hase mit riesigen Ohren hektisch hakenschlagend durch den Salon. Er wurde immer schneller und schneller und zerstob schließlich an einer Wand.

„Siehst du, was ich meine?“, sagte Tonks. „Erstens ist er nicht so kräftig wie andere, ich hatte da schon reichlich Gelegenheit zum Vergleich. Wenn ich‘s überhaupt hinkriege, dann ist er genau so blass, wie du eben gesehen hast. Und er verhält sich total hektisch, ich kann das nicht wirklich kontrollieren. Ich komm einfach nicht drauf, was ich falsch mache.“

„Ja, ich verstehe“, sagte Remus. „Wollen wir uns kurz setzen?“

„So schlimm?“, fragte sie lachend, als sie sich einander zugewandt auf dem Sofa niederließen, das trotz Mollys beherztem Putzeinsatz immer noch staubte.  

„Gar nicht schlimm“, antwortete Remus freundlich. „Technisch machst du alles richtig. Ich glaube, dein Problem mit dem Zauber liegt woanders. Ist auch kein Wunder, wenn das in deiner Ausbildung nie ein Schwerpunkt war.“ Er machte eine kurze Pause. „Sicher weißt du, dass sich der Patronus-Zauber aus einer ganz anderen Quelle nährt als die meisten anderen Verteidigungszauber, die du wahrscheinlich bis zum Erbrechen üben musstest.“
Sie nickte verdrießlich.
„Normale Verteidigungszauber wirken oft stärker, wenn der Zauberer Wut oder Angst empfindet. Viele stärken ihre Energie, indem sie sich in einer gefährlichen Situation bewusst wütend halten. Wie ist das bei dir?“

„Ich merke das gar nicht mehr richtig“, gestand sie. „Aber wir wurden immer dazu angehalten, möglichst viel Wut mit reinzulegen, damit die Zauber stärker ausfallen. Wahrscheinlich ist das inzwischen für mich normal geworden.“
Remus nickte.

„Das ist der konservative Weg. Das Problem dabei ist, dass es dich mit der Zeit ausbrennt. Und die Art von Magie, die du auf diese Art erzeugst, ist der, die die dunkle Seite benutzt, zu ähnlich. Sie haben es also leichter damit, deinen Schutzwall zu durchbrechen.“

„Du willst sagen, das Problem ist nicht das Zaubern selbst, sondern eher die Quelle, aus der ich meine Kraft nehme?“, sagte sie.

„So ist es“, antwortete Remus. „Es ist also etwas Grundsätzliches. Die Arten von Magie sind so vielfältig wie die Menschen, die sie bewirken. Jeder Zauberer und jede Hexe hat eine ganz eigene Urquelle der Kraft, nicht vergleichbar mit anderen. Wer weit genug auf dem Weg der eigenen Entwicklung geht und diese Quelle findet, kann sein ganzes magisches Schaffen auf ein ganz neues Niveau bringen.“

„Okay“, sagte Tonks langsam.

„Das ist alles nur für den Hintergrund“, fügte Remus rasch hinzu, „wir kommen gleich zurück zum Thema. Also, die herkömmlichen Zauber zum Angriff oder zur Verteidigung haben ihren Ursprung sowohl innen als auch außen. Du kannst aus eigener Kraft angreifen oder die Energie deines Angreifers abfangen, umwandeln und zu ihm zurückschicken. Der Patronus allerdings kann von nirgendwo anders herkommen als aus dir selbst. Er wird stärker, je besser es dir gelingt, dich von der Außenwelt abzuschirmen und ganz in deiner eigenen Kraft zu stehen, unabhängig von deiner Umgebung. Er nährt sich nicht von Angst oder Wut, sondern allein von positiven Emotionen.“

„Weißt du, genau das habe ich nie verstanden“, sagte Tonks. „Wie soll ich in einer Situation der akuten Bedrohung positive Emotionen haben?“

„Das ist die Herausforderung und genau der Punkt, an dem die meisten scheitern“, sagte Remus. „Aber wenn es dir gelingt, dann kannst du einen Schutz heraufbeschwören, der für ein dunkles Wesen wie einen Dementor fast unmöglich zu durchbrechen ist, weil das gute Prinzip das böse einfach absorbiert, verstehst du?“
Tonks nickte.
„Und wenn die Emotionen, mit deren Hilfe du den Zauber wirkst, rein, positiv und stark sind, wird dein Patronus umso stärker sein.“

Sie nickte wieder. „Alles klar. Theoretisch habe ich das verstanden.“

„Ich weiß, was du meinst“, sagte Remus. „Und jetzt hab ich auch erstmal genug erklärt, glaube ich. Also: Wenn du den Zauber wirkst, wie genau machst du das?“

Tonks überlegte. „Ich versuche es immer mit einer möglichst glücklichen Erinnerung, so wie es damals in den Schulbüchern stand.“

Remus nickte. „Ja, diese Anleitungen richten sich natürlich an Jugendliche, so dass sie es am besten verstehen können. Für einen Erwachsenen ist eine einzige glückliche Erinnerung aber meistens nicht genug. Pass auf -“ Er zögerte. „Wenn du an etwas denkst, das dich glücklich macht - was empfindest du?“

„Was soll ich darauf antworten? Ich bin keine Dichterin“, sagte Tonks.

„Nein, nein, du brauchst es mir nicht zu beschreiben“, erklärte Remus. „Du musst es nur selbst fühlen. Kannst du das?“

„Nicht auf Anhieb.“

„In Ordnung, versuchen wir es anders“, sagte Remus. „Wir haben Zeit. Lehn dich zurück, entspann dich. Du kannst dich auch anders hinsetzen, wenn du willst. Es ist ganz egal, wie es aussieht. Du sollst dich nur wohlfühlen.“

Tonks lachte verlegen. „Ich kann das nicht. Ich war noch nie entspannt, wenn ich versuche, etwas hinzukriegen.“

„Zeit, damit anzufangen“, sagte Remus lächelnd.

„Na gut“, sagte sie, setzte sich in die Ecke des Sofas und zog die Beine an. „Ich bin jetzt bequem. Was soll ich machen?“

„Mach die Augen zu“, sagte er.

„Willst du mich hypnotisieren?“, fragte Tonks amüsiert.

„Nein, keine Sorge“, sagte Remus lächelnd, „du sollst nur mal kurz vergessen, wo du bist und dich einfach konzentrieren.“
Zögernd tat Tonks, wie geheißen.

„Ich kann auf keinen Fall vergessen, wo ich bin“, sagte sie mit geschlossenen Augen.

„Versuch es. Versuch einfach mal, nicht daran zu denken, warum wir hier sind, was du heute noch vorhast und was du schon erlebt hast. Das alles ist gerade nicht wichtig. Hör nur auf dich selbst. Ohne Absicht, ohne Ziel.“

Schon nach etwa einer halben Minute war Tonks dieser Zustand unerträglich. Wie unter Strom, unfähig sich zu entspannen, hob sie ein wenig die Lider.

„Augen zulassen“, mahnte Remus freundlich. Tonks seufzte und schloss die Augen wieder.

„Dieses Doxy-Gift riecht wirklich furchtbar. Da kriegt man ja Kopfschmerzen“, sagte sie.  Remus antwortete nicht, doch sie hörte, wie er aufstand, durch den Raum ging und auf der Innenhofseite zwei Fenster öffnete. Ein angenehmer Luftzug wehte durchs Zimmer und Vogelgezwitscher war zu hören. Im Hintergrund waren leise die Geräusche der Stadt zu vernehmen. Sie hörte ihn zurückkommen und spürte an den Federn in den Sitzpolstern, dass er sich wieder ans andere Ende des Sofas gesetzt hatte.

„Atme mal richtig tief durch“, sagte er. „Nicht nur in die Brust, sondern bis in den Bauch, sodass sich deine Schultern möglichst wenig bewegen.“

Tonks versuchte es und sofort fühlte sie sich gelassener. Bald hörte sie auf, die Sekunden zu zählen, und es fiel ihr nicht mehr schwer, die Augen geschlossen zu halten. Remus war ganz still. Tonks fragte sich, ob er sie wohl die ganze Zeit ansah.
Mit der Zeit wurden ihre Gedanken immer ruhiger und klarer. Ihr wurde bewusst, dass sie in den letzten Wochen nur von einem Termin zum nächsten gehetzt war und kaum Zeit für sich gehabt hatte. Nach und nach fiel sie in eine tiefe Entspannung, die ihr bis dahin ganz unbekannt gewesen war; höchstens vergleichbar mit dem Zustand, in man sich befand, wenn man nach einer gut durchgeschlafenen Nacht von selbst aufwachte und erst einmal überlegen musste, wer und wo man war. Sie wollte fragen, wie lange sie noch so sitzen sollte, doch ihre Zunge gehorchte ihr nicht. Inzwischen war ihr dieser Zustand so angenehm, dass er gern noch etwas länger andauern konnte. Sie war ganz ruhig, aber gleichzeitig hellwach und verlor allmählich das Zeitgefühl. Ob nun fünf Minuten oder zwanzig vergangen waren, konnte sie nicht mehr sagen.  

„Und jetzt“, hörte sie Remus leise sagen, „versuch an das zu denken, was dich wirklich glücklich macht. An die Menschen, die du liebst - für die du alles tun würdest.“

Augenblicklich erschien vor ihrem inneren Auge das Bild ihrer Eltern, die zusammen über irgendetwas Albernes lachten, wie es oft geschah. Sie sah sich selbst zwischen ihnen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene - es spielte keine Rolle. Sie empfand ganz echt und klar das Gefühl, das sie in guten Momenten mit ihrer Familie immer gefühlt hatte: Dass die beiden einander und sie sehr liebten, dass diese Liebe sie in jedem Moment ihres Lebens umgab wie ein starker Schutzmantel, der nichts Schlechtes hindurchließ. Sie empfand Mad-Eyes starke, zähe Präsens. Mad-Eye, der seit Jahren an ihrer Seite stand, sie unterstützte und lehrte, der nicht zulassen würde, dass ihr etwas zustieß. Und dann entstand vor ihr das Bild ihres Großvaters väterlicherseits so klar und deutlich, als hätte sie ihn gestern das letzte Mal gesehen, dabei war sie gerade neun Jahre alt gewesen, als er starb. Sie sah die klugen Augen ihrer Großmutter, ihr eisengraues Haar und ihre kühlen, faltigen Hände, die ihre tröstend umfassten, nur waren es diesmal nicht die Hände eines dreizehnjährigen Mädchens, das um eine verlorene Freundin weinte. Es war, als wäre ihre Großmutter von den Toten zurückgekehrt, würde jetzt gerade ihre Hände halten und sie über allen Schmerz des Lebens trösten. Von innen heraus begann Tonks zu lächeln und stumme Tränen liefen ihr übers Gesicht.

„Das ist es“, sagte Remus leise. „Wenn du willst, kannst du die Augen wieder aufmachen. Lass dir so viel Zeit, wie du möchtest.“

„Was war denn das?“, sagte Tonks und wischte sich verlegen die Tränen vom Gesicht.

„Meditation“, antwortete Remus.

„Heult man da immer?“

„Das kann passieren, vor allem am Anfang. Erinnerst du dich an das Gefühl von eben?“

„Ich glaube, das vergesse ich nie wieder“, sagte Tonks bewegt.

„Das ist gut“, sagte Remus. „Denn genau dieses Gefühl brauchst du. Wie du sicher bemerkt hast, ist es mehr als eine bloße Erinnerung, es ist etwas viel Größeres - eine sehr starke Verbindung zu geliebten Menschen, die Tod und Zeit überdauert und dir Antrieb im Leben gibt. Wenn du das einmal erkannt hast, dann weißt du auch, dass es keine Rolle spielt, ob die Betreffenden noch bei dir oder schon lange tot sind, denn diese Verbindung, einmal geschmiedet, ist unauflöslich.“
Tonks dachte darüber nach.
„Und wenn du darüber Sicherheit gewonnen hast, dass diese Liebe, die dich mit manchen Menschen verbindet, niemals einfach enden wird, ganz gleich, was passiert, dann kann es dir  gelingen, dieses Gefühl auch in einer gefährlichen Situation mit genau dieser Intensität zu erleben. Wenn du das schaffst, bist du optimal geschützt.“

„Ich verstehe“, sagte Tonks.

„Willst du es jetzt nochmal versuchen?“

Sie nickte, stand auf und nahm ihren Zauberstab vom Couchtisch. Remus erhob sich ebenfalls. Sie schloss die Augen und ließ sich von dem Gefühl durchströmen, dass sie eben empfunden hatte, und es gelang. Als sie wieder hinsah, war ihr Hase zurück, aber unendlich viel heller und deutlicher als jemals zuvor. Er hoppelte entspannt im Zimmer umher und beschnüffelte die Möbel.

„Sehr gut“, sagte Remus. „Großartig. Kein Vergleich zu vorher.“
Tonks ließ den Hasen wieder verschwinden und sah ihn glücklich an.

„Danke“, sagte sie. „Hab nicht gedacht, dass das so schnell gehen würde.“

„Ich auch nicht. Du bist begabt“, erwiderte Remus. „Und es ist mir ein Vergnügen“, fügte er rasch hinzu. Sie lächelte.

„Dein Hase sieht anders aus als die, die wir hier haben“, bemerkte er.

„Ja, das ist ein Eselhase“, antwortete Tonks. „Die leben in Amerika. Keine Ahnung, warum es gerade dieses Tier ist.“

„Das weiß keiner“, sagte Remus und sah auf die Uhr. „Schon wieder so spät… Ich denke, es ist Zeit für Tee und was zu essen? Was meinst du?“
Tonks nickte dankbar.

„Gute Idee. Suchen wir Sirius.“

„Ja. Und danach können wir mit dem sprechenden Patronus anfangen, wenn du möchtest“, sagte Remus im Hinausgehen. „Dumbledore will, dass alle Ordensmitglieder das so bald wie möglich lernen. Wir könnten dir einen Vorsprung verschaffen.“

„Na, da hab ich mir ja was eingebrockt“, sagte Tonks augenzwinkernd. Remus lächelte.
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