Sternenschwur

GeschichteDrama, Thriller / P12
30.08.2020
24.09.2020
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07.09.2020 1.263
 
Kastanienschwung unterdrückte ein Gähnen. Die Müdigkeit schien ihn zu übermannen und er musste aufpassen um mit seinen Clangefährten Schritt zu halten.
Der Kater seufzte und tappte weiter hinter Falkenschwinge her.

Kastanienschwung wünschte sich, Mandarinenstern hätte jemand anderen an seiner Stelle zur großen Versammlung eingeladen. Normalerweise hätte er sich gefreut eine große Versammlung besuchen zu dürfen, aber er war so müde.

Nach dem Angriff des Windclans hatte Mandarinenstern angeordnet die Windclangrenze ununterbrochen zu bewachen. Da zu kamen noch die Grenzkontrollen welche nun vor dem Morgengrauen, Sonnenhoch und nach der Abenddämmerung stattfanden.
Und jetzt musste Kastanienschwung noch zu einer großen Versammlung, welche weiß Sternenclan wie lang dauern würde.

Ganz in Gedanken versunken wäre Kastanienschwung fast mit Falkenschwinge zusammen gestoßen. Der braune Kater zuckte verärgert mit dem Ohr.

Der Flussclan war am See angekommen. Eine Katze nach der anderen überquerte vorsichtig die Baumbrücke. Kastanienschwung kräuselte unruhig seinen Pelz. Konnten sich seine Clangefährten nicht beeilen? Endlich kam er an die Reihe.

Eilig tappte Kastanienschwung über den Baumstamm. Hinter ihm grub Farnfleck seine Krallen in das Holz. Der junge Kater war ein paar Sonnenaufgänge nach dem Überfall des Windclans zum Krieger ernannt worden.

Gefreut hatte sich aber so groß niemand. Der Tot von Weiden- und Heidenpfote steckte noch allen tief in den Knochen und durch die Bauarbeiten und Grenzkontrollen war der Flussclan dauerhaft auf Trap. Ob Farnfleck darüber traurig war? Bestimmt.

Kastanienschwung hatte das Ende der Baumbrücke erreicht und sprang in den kalten Sand der die Insel umgab. Der Flussclan war nicht der erste Abkömmling auf der großen Versammlung. Es roch nach Wind- und Schattenclan, auf der Lichtung der Insel konnte er bunte Pelze im Vollmond schimmern sehn.

Kastanienschwung folgte dem Flussclan durch das hohe Gras zu den anderen Beiden Clans. Mandarinenstern knurrte leise als er die Anführerin des Windclans erblickte. Minzstern dagegen würdigte den Flussclan keines Blickes und plauderte weiter mit Zapfenstern.

Auf der Lichtung hatte jedoch der Windclan die Flussclankatzen bemerkt. Pelze sträubten sich, das Wort "Beutediebe" wurde gezischt, hinter Kastanienschwung fauchte Pilzkralle leise.

Kastanienschwung versuchte möglichst neutral zu wirken als er sich unter die Clans mischte. Er überblickte die Lichtung und entdeckte die gesuchten Katzen am Rande der Lichtung:

Blattstreif, die große Schattenclankätzin, entdeckte ihn als Erstes und nickte Kastanienschwung freundlich zu:

"Wie wehen die Winde im Flussclan?"

"Gut", erwiderte der rotbraune Kater, "wie läuft die Bäute im Schattenclan?"

"Reichlich."

Kastanienschwung wandte sich an die zweite Kätzin, welche neben Blattstreif saß:

Amselwunsch. Eine braun getigerte Windclankatze mit weißer Brust und bernsteinfarbenen Augen. Sie war sehr klug und fand Zusammenhänge zwischen Dingen, die keine andere Katze bemerkte. Doch heute schien sie irgendwie abwesend. Ihre Augen schimmerten silbern.

"Ähm... ist alles in Ordnung mit dir Amselwunsch?" War sie etwa krank? Gab es Probleme im Windclan?

Mit einem Ruck drehte sich Amselwunsch zu dem Flussclankrieger um.

"Mein Bruder ist gestorben!" Ihre Augen blitzten.

"Was? Das wusste ich nicht! Das ist ja schrecklich. Das tut mir so furchtbar leid!", versuchte Kastanienschwung die Kätzin zu trösten.

Amselwunsch schnaubte nur wütend. "Feigenkralle hat ihn getötet. "

"Die Kriegerin aus dem Donnerclan?" Warum sollte eine Donnerclankatze Schaumklang töten? Hatte es einen Kampf zwischen dem Windclan und dem Donnerclan gegeben?

"Und das schlimmste ist,", fuhr Amselwunsch weiter fort, "dass Schneeschreiter sie dazu angestiftet hat!"

"Was?"

"Du hast dazu keine Beweise. ", mischte sich nun auch Blattstreif ein.

"Wieso sollte ein zweiter Anführer seinen eigenen Krieger umbringen wollen", fragte Kastanienschwung.

"Du weißt doch, dass Schaumklang eine Sehschwäche hat. Schneeschreiter hasst ihn deswegen. Er wollte meinen Bruder deshalb loswerden, konnte ihn aber nicht selbst töten, da dies zu offensichtlich gewesen wäre, und stiftete also Feigenkralle an, um Schaumklang umzubringen!"

"Das ist einfach absurd!", miaute Blattstreif. "Außerdem...was hätte Feigenkralle davon?"

Amselwunsch zuckte genervt mit dem Schweif, "Was weiß ich? Vielleicht wollte Feigenkralle ihm gefallen? Oder sie wollte Junge von ihm..."

"Und Igel können fliegen...", zischte Blattstreif leise.

Kastanienschwung blickte zu großen Eiche hinüber: dort unterhielt sich Schneeschreiter mit ein paar Schattenclanschülern. Hatte der weiße Kater wirklich einen Krieger ermorden lassen? Der zweite Anführer war doch ein ehrbarer Krieger? Soweit Kastanienschwung wusste, hatte der Windclankrieger eine Gefährtin und Tochter im Windclan. Aber dann schweiften Kastanienschwungs Gedanken an Weidenpfote und Heidenpfote. Plötzlich war der Flussclankater hellwach. Wenn Schneeschreiter zwei wehrlose Schüler umbringen konnte, würde er auch nicht zögern ein Clanmitglied zu töten, oder?

Doch als Kastanienschwung seine Überlegungen mit seinen Freundinnen teilen wollte, sprang Mandarinenstern auf einen Ast der großen Eiche und eröffnete die Versammlung.

"Nachdem endlich alle Clans beisammen sind", der orangefarbene Kater blickte verärgert zu Springstern (Der Wolkenclan hatte sich mal wieder verspätet), " können wir ja endlich mit der Versammlung beginnen."

Springstern trat vor ohne den Flussclananführer Anerkennung zu schenken.

"Die Beute läuft gut und meine Krieger haben erfolgreich einen Fuchs vom Wokenclanterritorium verjagt."

Fichtenstern nickte und hob sein Haupt, " Auch der Donnerclan hat ausreichend Beute und wir konnten zwei neue Schüler in unseren Rängen begrüßen. Flechtpfote und Sprenkelpfote!"

Zwei junge Kätzinnen reckten stolz ihre Köpfe, hinter Kastanienschwung knurrte Amselwunsch leise.

"Auch beim Schattenclan läuft die Beute gut!", miaute Zapfenstern laut.
"Leider wurden zwei unserer Jungen von einem Dachs gestohlen."

Mitleidiges Mauzen erfüllte die Versammlung. Auch Kastanienschwung stimmte mit ein. Es musste bestimmt schwer für die Eltern der Jungen sein.

"Nun zum Windclan!" Minzsterns Worte unterbrachen die traurige Stimmung. "Auch auf unserem Territorium gibt es zahlreiche Beute. Doch leider sind wir nicht der einzige Clan der davon profitiert. Nicht war Mandarinenstern?"

Verwundertes und verärgertes Miauen wurde laut. Felle wurden gesträubt, Knurren ertönte.  

"Unterstellst du dem Flussclan etwa wir würden Winclanbeute stehlen?" Mandarinenstern peitschte mit seinem Schweif und knurrte bedrohlich. "Dabei seid ihr doch die Gesetzesbrecher!"

Minzstern betrachtete den Flussclananführer angewidert.

"Schneeschreiter persönlich hat einen Flussclankrieger beim Beutediebstahl beobachtet.
Es ist nicht mein Problem, dass du deine Krieger nicht unter Kontrolle hast."

Wütendes Jaulen erfüllte nun die Versammlung.

Mandarinenstern verengte seine Augen zu Schlitzen. "Vielleicht hat der zweite Anführer des Windclans ein Problem mit den Augen. Deshalb hat er auch wohl zwei schutzlose Schüler kaltblütig umgebracht!"

Minzstern hob ihren Schweif und legte ihre Ohren an.

"Solche Unterstellungen lasse ich mir nicht gefallen. Windclan, wir gehen!"

Gekonnt sprang die silberne Kätzin von der Eiche und lief auf die Baumbrücke zu. Der Windclan folgte ihr, Amselwunsch verabschiedete sich schnell mit einem Nicken.

Zapfenstern rutschte unruhig auf seinem Ast hin und her.

"Das wird dem Sternenclan nicht gefallen ", sagte er leise. "Auch der Schattenclan wird die Versammlung verlassen."

Er sammelte seinen Clan mit einem Schwanzschnippen um sich und verließ die Lichtung. Auch Blattstreif ging mit ihnen, Kastanienschwung sah sie im hohen Gras verschwinden.

Springstern blickte dem Schattenclan einen Augenblick hinterher ehe sie selbst auf den Boden sprang.

"Ich denke mal die Versammlung ist somit beendet. "

Ihre Clangefährten liefen zu ihr und gemeinsam verließ der Wolkenclan die Insel. Auch der Donnerclan ging über die Baumbrücke davon, Fichtenstern zuckte zum Abschied mit dem Ohr.

Mandarinenstern stand immer noch rasend vor Wut auf dem Ast der Eiche.

"Das wird der Windclan noch bereuen!", knurrte der Kater und landete geschickt auf dem Boden.

Kastanienschwung schauderte als er seinem Clan über die Baumbrücke folgte. Er konnte nur beeten, dass es zu keinem Kampf kommen würde.

***

Ende 3. Kapitel

Dieses Kapitel hat etwas länger gedauert. Ich danke allen Aufrufen und Kommentaren! ;)
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