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Ein besonderer Anlass

von CUtopia
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers Renate Küppers
30.08.2020
30.08.2020
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Inspiriert von Folge 309 - Große Erwartungen, wo Reginas Dienstjubiläum erwähnt wird, und lose verbunden mit meinem Oneshot “Strafe muss sein” ;)

Ich warne euch jetzt schon, ich habe vielleicht eeetwas tiefer in die Schublade mit dem Kitsch gegriffen, aber da müsst ihr jetzt durch :D

Ich hoffe es gefällt euch, viel Spaß beim Lesen!

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Ein besonderer Anlass



Der schwarze Mercedes Oldtimer von Dirk Matthies schob sich durch den Hamburger Feierabendverkehr und das Schneckentempo, in dem er sich auf der Straße fort bewegte, half ihm bei der Aufregung, die in seinem Magen brodelte, nicht wirklich weiter.

Er war auf dem Weg zu dem Empfang den der Polizeipräsident für Frau Küppers 25. Dienstjubiläum gab und war sich noch nicht so sicher, ob er ihre Einladung wirklich wahrnehmen wollte - was sollte er dort, zwischen all den feinen Pinkeln?

Aber er konnte sie auch nicht einfach im Stich lassen; er hatte zugesagt und nun würde er sie nicht dort alleine lassen, egal wie unangenehm es für ihn werden würde.

Jetzt musste er nur noch hoffen dass er nicht zu spät kommen würde...

Dirk fühlte sich augenblicklich fehl am Platz als er das schicke Restaurant betrat, in dem der Empfang stattfand. Sein Mercedes stand auf dem Parkplatz zwischen einer Menge teurer Autos, und er hatte das Gefühl dass der Portier, der seinen Namen auf der Gästeliste abhakte, einen teureren Anzug trug als er. Nervös fummelte er an seiner Krawatte herum - wie sehr er diese Dinger doch hasste - und versuchte seine Nervosität zu verbergen als er den Saal betrat.

Sein Herz klopfte etwas härter in seiner Brust als er seinen Blick schweifen ließ; es waren schon einige Gäste da, und so manches Gesicht erkannte er. Ihm war natürlich bewusst gewesen dass so manche namhafte Persönlichkeit aus der Hamburger Politik da sein würde, aber die schier unglaubliche Zahl an Senatoren, die hier auf einem Haufen standen, ließ ihn beinahe schwindelig werden. Es war so einfach zu vergessen wie gut Regina Küppers doch vernetzt war, und er wunderte sich was er hier sollte.

Warum hatte sie ihn, von allen Menschen die sie kannte, heute Abend eingeladen? Er war nur ein einfacher Schutzpolizist, und sie… sie war in einer ganz anderen Liga.

Wenigstens würde er genug Zeit haben, unbeachtet in einer Ecke zu stehen und darüber nachzudenken, wie pathetisch seine Gefühle für sie doch waren…

“Herr Matthies, wie schön sie zu sehen!”

Dirk zuckte zusammen und blinzelte verwirrt als der Polizeipräsident plötzlich vor ihm stand und ihm mit einem ehrlich freundlichen Lächeln die Hand entgegen hielt. Für einen Moment war er zu geschockt davon, dass der oberste Chef aller Polizisten in Hamburg seinen Namen kannte, um irgendetwas zu tun, doch dann reagierte er schnell und schüttelte die angebotene Hand. “Herr Polizeipräsident.”

“Es freut mich dass Sie die Einladung angenommen haben, Frau Küppers hat mir erzählt dass sie ein altes Feuerlöschboot besitzen und ich schwärme so für historische Boote,” plauderte der Polizeipräsident munter, dann lehnte er sich etwas näher zu Dirk. “Aber mal unter uns, die meisten hier wollen von einem Boot nur, dass es teuer und beeindruckend ist.”

Ein Teil von Dirks Gehirn war noch damit beschäftigt die Tatsache zu verarbeiten, dass Regina dem Polizeipräsidenten Dinge über ihn erzählte, dennoch schaffte er es, leicht zu schmunzeln. Er konnte sich durchaus denken, dass diese Klappstühle alle keine Ahnung hatten. “Joa, nur wenige wissen sowas zu schätzen. Was… was hat Frau Küppers denn so erzählt?”

“Sie hat von ihrer kleinen Probefahrt geschwärmt, da bin ich beinahe etwas eifersüchtig geworden. Herr Matthies, ich würde mich freuen, wenn wir uns im Laufe des Abends mal unterhalten können. Aber jetzt will ich Sie nicht weiter aufhalten, Sie suchen sicher nach unserem Ehrengast.”

Dirk nickte, noch immer nicht sicher ob dies gerade wirklich geschah, und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, auf der Suche nach einem bestimmten Gesicht. Wie viel hatte sie dem Polizeipräsidenten von der Probefahrt im Sommer erzählt? Wusste er, dass die beiden alleine unterwegs gewesen waren? Es erschien ihm zwar nicht wahrscheinlich, dass sie ihm sowas auf die Nase binden würde - es sprach nichts dagegen wenn man außerhalb der Dienstzeit gemeinsam Zeit verbrachte - aber Regina Küppers war immer so auf die Außenwirkung bedacht, dass sie wohl kaum die komplette Wahrheit erzählt hatte.

"Herr Matthies, dort drüben," sagte der Polizeipräsident und deutete mit einem Zwinkern zur anderen Seite des Raumes bevor er Dirk auf die Schulter klopfte und ein verschwörerisches Lächeln aufsetzte. "Wir unterhalten uns später."

Wieder war Dirk kurz zu verwirrt um viel zu sagen, doch dann riss er sich zusammen und machte sich daran, den sich weiter füllenden Raum zu durchqueren, auch wenn er Regina noch nicht entdeckt hatte. Überall nur unbekannte Gesichter, keine Spur von ihr…

Er war kurz davor umzukehren, als sich plötzlich eine Person umwandte; ihre Blicke trafen sich als würden sie sich magnetisch anziehen, und Dirk schluckte schwer während er wie angewurzelt stehen blieb.

Er hatte eigentlich nicht gedacht dass Regina Küppers zu ihrem Dienstjubiläum einen der Anzüge tragen würde, die sie im Büro trug, und dennoch traf ihr Anblick ihn sehr unvorbereitet.

Sein Kopf war plötzlich wie leer gefegt und sein Herzschlag beschleunigte verdächtig als er sie ansah. Ihre lockigen Haare waren nicht so streng hochgesteckt wie sonst, sondern wurden nur von einigen silbernen Spangen aus ihrem Gesicht gehalten, ansonsten fielen sie frei auf ihre Schultern.
Aber was ihm wirklich den Atem raubte war das dunkelblaue Cocktailkleid, das sich perfekt an ihre Kurven schmiegte ohne für diesen Anlass unpassend zu wirken.

Ein einziger Gedanke schoss Dirk durch den Kopf, als sie ihm ein sanftes Lächeln gab, das ihre Augen zum Leuchten brachte - er hatte es schon oft gesagt, meist eher scherzhaft, aber heute hätte er es absolut ernst gemeint: sie war eine Königin.

oOo


Regina hätte es nie zugegeben, aber sie war selten so nervös gewesen wie an diesem Abend. Und was sie sich noch weniger eingestanden hätte war, dass dies rein gar nichts mit der Veranstaltung selbst zu tun hatte sondern einzig und allein mit der Tatsache, dass sie Dirk Matthies eingeladen hatte. Es war ihr irgendwie wichtig gewesen, sie arbeiteten schon so lange zusammen… aber als sie an ihrem Champagner nippte und versuchte den Erzählungen des Bausenators über seinen letzten Urlaub zu folgen und die Nervosität ihren Magen schwer machte wusste sie, dass sie ihn nicht aus reiner Kollegialität eingeladen hatte. Er war immerhin nicht der einzige Kollege vom PK14, mit dem sie schon lange zusammen arbeitete.

Nein… sie wollte ihn dabei haben weil sie diesen Abend mit Menschen feiern wollte, die ihr wichtig waren. Davon gab es nicht viele, aber Dirk Matthies gehörte dazu, auch wenn sie ihm das nie so gesagt hätte.

Und nun war er noch immer nicht aufgetaucht.

Was wenn er doch keine Lust auf einen Empfang mit Champagner, exklusiven Schnittchen und vielen hohen Tieren gehabt hatte und sich dazu entschlossen hatte, zu Hause zu bleiben?

Regina warf unauffällig einen Blick auf ihr Handy, aber da waren keine neuen Nachrichten oder verpasste Anrufe. Würde er ihr überhaupt Bescheid geben, wenn er es sich anders überlegt hätte?

Sie nahm gerade einen weiteren Schluck Champagner um sich abzulenken, als sie das Gefühl bekam dass jemand sie beobachtete.

Hoffnung stieg in ihr auf als sie ihren Kopf suchend drehte und ihr Herz machte einen Satz als sie den Blick von Dirk Matthies traf. Er war hier, er war tatsächlich gekommen…

Vor Erleichterung und Freude fing sie an zu lächeln, und ohne groß nachzudenken wandte sie sich schnell an den Bausenator. "Entschuldigung, wir sprechen später weiter."

Ohne wirklich eine Antwort abzuwarten ging sie davon, und ihr Herz schlug noch ein wenig schneller als sie Dirk musterte. Sie hatte nicht damit gerechnet, aber er trug tatsächlich einen schwarzen Anzug, samt blütenweißem Hemd und passender schwarzer Krawatte. Er sah wirklich gut aus, aber Regina musste zugeben dass das Outfit, auch wenn es ihm wirklich stand, gleichzeitig nicht zu dem Dirk Matthies passte, den sie kannte. Der Dirk Matthies den sie über die Jahre schätzen gelernt hatte trug sein Uniformhemd immer zu weit offen, holte die Dienstkrawatte vielleicht drei Mal im Jahr aus dem Schrank und trug privat am liebsten immer nur seinen alten Ledermantel.

Aber offensichtlich war sich dieser Dirk Matthies auch nicht zu schade, sich für sie in einen Anzug zu schmeißen.

Ihre Wangen glühten heißer je näher sie ihm kam, und das lag nicht an dem Champagner, den sie bereits getrunken hatte. Sie nahm wahr wie sein Blick langsam über ihr Kleid glitt und sie stolperte beinahe über ihre eigenen Füße, fing sich aber rechtzeitig wieder und schaffte es einigermaßen, ihre Reaktion zu überspielen.

“Herr Matthies, wie immer überpünktlich, wie ich sehe,” sagte sie und machte sich keine Mühe ihren Sarkasmus zu verstecken - immerhin überdeckte er, wie unglaublich erleichtert sie war dass er sie nicht im Stich gelassen hatte.

“Sind Sie nervös ohne mich?”

Er zwinkerte ihr zu und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer als er sich räusperte und ein klein wenig näher kam. “Sie sehen wundervoll aus.”

Natürlich würde sie ihm nicht auf die Nase binden, dass sie tatsächlich ruhiger wurde nun, da er bei ihr war. Auch wenn sie eine absolute Karrierefrau war, sie hasste es zu sehr im Rampenlicht zu stehen, und dieser Abend war natürlich so eine Gelegenheit. Alle wollten ihr gratulieren und sich mit ihr unterhalten… es war wirklich etwas zu viel Wirbel, und Dirks ruhige Art war wie ein Anker für sie.

Auch wenn sein Kompliment ein stärkeres Kribbeln in ihrem Bauch auslöste als sie sich eingestehen wollte.

“Danke, Herr Matthies. Sie sehen auch gut aus, der Anzug… das ist mal was anderes.”

Ohne darüber nachzudenken hob sie ihre freie Hand und strich leicht über das Revers seiner Anzugjacke, ein leichtes Lächeln auf den Lippen bei dem Gedanken dass er sich nur wegen ihr so in Schale geworfen hatte, dann fiel ihr Blick auf seine Krawatte. “Die hätten sie nicht umbinden brauchen, das hatte ich doch gesagt.”

Er lächelte schief und zuckte mit den Schultern. “So zur Feier des Tages… ich wollte Sie ja nicht vor den ganzen feinen Leuten blamieren.”

Regina schüttelte den Kopf und drückte ihm kurzentschlossen ihr Champagnerglas in die Hand. Es war wirklich liebenswert dass er das wirklich für sie gemacht hatte, aber sie wusste wie ungern er Krawatten trug und sie wollte nicht dass er nur wegen ihr den ganzen Abend in einem Outfit rumlief, in dem er sich unwohl fühlte.

Ihre Blicke trafen sich als sie nah an ihn herantrat, und Regina vergaß komplett dass sie mitten in einem Raum voller Menschen standen - in diesem Moment gab es nur noch Dirk und sie. Es war eine unschuldige, aber dennoch sehr intime Geste als sie mit sanften Fingern den Knoten seiner Krawatte löste und das Stück Stoff langsam unter seinem Hemdkragen hervorzog bevor sie den obersten Knopf seines Hemdes öffnete.

“Besser?” fragte sie leise und er sah leicht enttäuscht aus als sie die Hände zurückzog.

Seine Stimme war noch rauer als sonst und ließ einen wohligen Schauer durch sie fahren als er antwortete: “Ja, sehr viel besser, danke. Ich…”

“Rübchen! Da bist du ja!”

Die kleine Blase, die dieser private Moment um sie herum gebildet hatte, platzte augenblicklich und Regina trat einen Schritt zurück während Renate Küppers mit einem breiten Lächeln auf sie zu kam. “Oh Dirk, wie schön! Gut siehst du aus. Jetzt schau doch mal was für ein stattlicher Mann Dirk ist, Rübchen. Und du wolltest ihn nicht!”

Renate küsste ihre Tochter auf die Wange und wandte sich dann zu Dirk um ihn ebenso herzlich zu begrüßen; Regina trat peinlich berührt von einem Fuß auf den anderen und wich jeglichen Blicken aus während sie nicht so recht wusste, was sie mit Dirks Krawatte anfangen sollte, die sie noch immer in der Hand hielt. Wieso schaffte ihre Mutter es immer wieder, in den unpassendsten Momenten aufzutauchen und sie zu blamieren?

Zum Glück hatte sie nicht allzu viel Zeit um darüber nachzudenken wie Dirk auf den Kommentar ihrer Mutter reagieren würde, da in diesem Moment der Polizeipräsident auf die kleine Bühne am Ende des Raumes trat und um Ruhe bat. Kellner liefen umher um alle Gäste mit Champagner zu versorgen und Regina fummelte mit der Krawatte herum bevor sie sie, mangels Alternativen, in ihre kleine Handtasche schob und hektisch ein Glas entgegen nahm.

Während der Rede des Polizeipräsidenten, die nur so vor Lob strotzte, konnte sie sich kaum konzentrieren - sie war viel zu abgelenkt davon, dass Dirk Matthies ihr immer wieder Blicke zuwarf, und dass seine braunen Augen vor Stolz zu leuchten schienen machte es nicht viel besser. Dass ihre Mutter Dirk genau beobachtete und wissend in sich hinein schmunzelte war dann der Supergau, aber sie würde da wohl heute Abend durch müssen.

“Und nun bleibt mir nichts anderes übrig als Polizeioberrätin Küppers nochmal meine tiefsten Glückwünsche auszusprechen und ihr im Namen der Hansestadt Hamburg für 25 Dienstjahre zu danken. Erheben Sie ihr Glas auf unseren Ehrengast, meine Damen und Herren. Auf Frau Küppers.”

“Auf Frau Küppers,” echote es im Raum und Regina lächelte verlegen während sie einen Schluck von dem Champagner nahm… und wieder traf sie Dirks Blick. Er lächelte leicht und hob sein Glas nochmal in ihre Richtung, doch bevor sie wieder näher an ihn herantreten konnte, wurde sie von zahlreichen Gratulanten umschwärmt und mit jedem neuen Gesprächspartner entfernte sie sich weiter von ihm. Hin und wieder nahm sie aus dem Augenwinkel wahr dass er sich hauptsächlich mit ihrer Mutter unterhielt, doch sie hatte nicht viel Zeit um darüber nervös zu sein, dafür nahmen die Gespräche sie leider viel zu sehr in Beschlag.

Es verging sehr viel Zeit bevor sie endlich wieder einen Moment hatte um durchzuatmen, und Enttäuschung machte sich in ihr breit als sie ihn nirgendwo entdecken konnte. Aber was hatte sie auch erwartet? Solche Veranstaltungen waren für sie schon sehr anstrengend, aber für ihn musste dieser Empfang und diese Art Gäste sterbenslangweilig sein… bestimmt war er schon nach Hause gefahren.

Da sie auch ihre Mutter nirgendwo entdecken konnte beschloss Regina, sich für ein paar Momente zurückzuziehen - sie war nicht das erste Mal in diesem Saal und fand so zielstrebig den Weg hinaus auf die Terrasse, die einen wunderbaren Blick über die Alster bot. Die Lichter der Stadt und der zahlreichen Laternen am Geländer spiegelten sich im dunklen Wasser und der Lärm der Feier drinnen wurde leiser als sie langsam bis zum Geländer ging und sich auf einen Stuhl fallen ließ.

So langsam wurde sie müde von den ganzen Gesprächen, während derer sie immerzu professionell und auf gute Kontakte bedacht sein musste. Sowas war zwar Teil ihres Jobs, dennoch hatte sie ein Limit, und dieses war für den heutigen Abend mal wieder erreicht.

Ein Seufzer entkam ihr als sie die High Heels von den Füßen streifte und wackelte befreit mit den Zehen bevor sie die Beine ausstreckte und sich zurücklehnte. Die kühle Nachtluft war eine willkommene Erfrischung nach den Stunden in dem vollen Saal, sie wünschte nur sie hätte noch etwas zu trinken mit nach draußen genommen…

“Champagner?”

Regina setzte sich erschrocken auf und blickte nach oben; ihr Herz machte einen Satz als sie direkt in die braunen Augen von Dirk Matthies sah. Er hielt zwei Gläser Champagner in den Händen und sie fragte sich, durchaus nicht zum ersten Mal, ob er ihre Gedanken lesen konnte.

“Oh, danke. Sehr gerne.”

Sie lächelte, nahm das Glas entgegen und während sie an dem Champagner nippte um ihre Gedanken zu ordnen, zog Dirk einen Stuhl näher heran und setzte sich. Dass er immer noch da war ließ ihr Herz mal wieder schneller schlagen und sie fragte sich wie er das immer wieder hin bekam - es gab wenig was sie wirklich aus der Ruhe bringen konnte, aber Dirk Matthies wusste genau wie er sie aus der Fassung bringen konnte.

Regina nahm einen weiteren Schluck Champagner bevor sie ihn anschaute, den Kopf ein wenig schief gelegt. “Ich dachte Sie wären schon gegangen.”

“Oh nein, ich habe Ihre Mutter nur sicher in ein Taxi gesetzt, weil sie gerne nach Hause wollte. Und dann hat der Polizeipräsident mich abgefangen und wir haben uns ziemlich lange über alte Boote unterhalten.”

Ein wissendes Schmunzeln spielte um ihre Lippen als sie sich daran erinnerte wie sie dem Polizeipräsidenten während einer harmlosen Plauderei ausversehen von Dirk, seiner Repsold und der Probefahrt erzählt hatte - die Sekunden bis er absolut positiv reagiert hatte waren die schlimmsten in ihrem Leben gewesen. Man wusste ja nie, wie manche Vorgesetzte auf so eine Geschichte reagieren würden… sie hatte wirklich Glück gehabt dass der Polizeipräsident scheinbar durch die Repsold einen Narren an Dirk gefressen hatte. Wann immer sie gesprochen hatten, hatte er sich immer auch nach Dirk erkundigt, und da sie sich sicher war dass dies weder ihr noch ihm sonderlich schaden konnte, hatte sie nichts weiter unternommen.

Dirk hob eine Augenbraue und lehnte sich etwas zu ihr hinüber. “Sie reden also mit dem Polizeipräsidenten über mein Privatleben. Sollte mir das Sorgen bereiten?”

Sie lachte auf und schüttelte den Kopf. “Nicht mehr als sonst auch. Im Gegenteil - eines Tages könnte es durchaus von Nutzen sein, wenn man sich so gut mit dem höchsten Tier versteht.”

“Aber ich verstehe mich doch schon gut mit meiner Leitwölfin, das reicht doch.”

Regina’s Wangen fingen mal wieder an leicht zu glühen und sie war froh dass er das in dem schummrigen Schein der Lichterketten nicht würde erkennen können - dieses schiefe Grinsen würde sie noch eines Tages um den Verstand bringen.

“Ich dachte Sie wären ein einsamer Wolf der sich keinem unterordnen möchte,” antwortete sie betont locker und versank in seinen braunen Augen als er sie für einen langen Moment einfach nur anblickte.

Er lehnte sich wieder etwas näher an sie heran und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. “Frau Küppers… ich würde eher sagen dass wir beide gemeinsam auf das Rudel aufpassen, als Leitduo.”

Ihre Augenbrauen zuckten nach oben und sie schmunzelten sich an, kamen sich immer näher… Regina konnte seinen warmen Atem auf ihren Lippen spüren und in ihrem Bauch kribbelte es so wunderbar...

Im letzten Moment meldete sich eine Stimme des Zweifels in Reginas Hinterkopf und sie räusperte sich laut während sie sich mit glühenden Wangen in ihrem Stuhl zurückfallen ließ. “Also… ja… wir… wir halten alle auf Kurs. Zusammen. Als Team. Professionell…”

Bedauern über ihren Rückzug und den kläglichen Versuch, ihn wieder auf Abstand zu bringen, schoß durch sie und sie konnte in seinen Augen sehen dass er genauso fühlte. Wie lange tänzelten sie schon umeinander herum, kamen sich näher und dann bekam sie, wie immer, in der letzten Sekunde Muffensausen. Es war ein stetiger Kreislauf, aus dem sie nicht ausbrechen konnten, obwohl sie es beide wollten.

Selbst Regina wollte hatte inzwischen genug davon, sich zu verstecken, ihre Gefühle für Dirk zu verbergen, auch wenn sie nicht wusste, was es im Endeffekt für ihre Karriere bedeuten würde, wenn sie sich zueinander bekannten…

“Ich… ich glaube es ist Zeit für mich nach Hause zu fahren,” sagte sie nach einem langen Moment der Stille und setzte sich auf, während sie sich fröstelnd über die Arme rieb. Es war recht schnell kalt geworden, seit sie nach draußen gekommen war, und sie hatte keinen Mantel mitgenommen…

Sie zuckte leicht zusammen als Dirk ihr sanft sein Sakko um die Schultern legte und sie anlächelte, als hätte sie nicht vor wenigen Minuten einen Rückzieher gemacht. “Ich kann Ihnen ein Taxi besorgen.”

Dirk stand von seinem Stuhl auf und bot ihr ohne zu zögern seinen Arm an. “Wollen Sie nochmal rein um sich zu verabschieden?”

Regina schüttelte ihren Kopf und las ihre Schuhe vom Boden auf bevor sie aufstand und sich bei ihm einhakte. “Nein, schon gut. Wir können außen rum gehen.”

“Wie die Dame wünscht.”

Während sie schweigend durch den kleinen Garten des Restaurants wanderten hing eine leichte Spannung zwischen ihnen - die Nachwehen des Beinahe-Kusses. Da dies bei weitem nicht das erste Mal gewesen war, dass sie in so einer Situation waren wussten sie beide, dass das Gefühl bald verfliegen und alles zwischen ihnen wieder normal sein würde; jedoch schien es mit jedem Mal schwerer zu werden, mit diesen Rückziehern und den vielen Dingen, die sie nicht ansprachen, fertig zu werden.

Beide suchten nach den richtigen Worten, doch viel zu schnell waren sie am Taxistand angekommen und die Chance war verflogen. Dirk öffnete ihr die Tür und Regina drehte sich noch einmal zu ihm um bevor sie einstieg. “Danke dass Sie heute Abend da waren. Es hat mich wirklich gefreut.”

“Hab ich gerne gemacht,” antwortete er sanft und Regina verfluchte ihr Herz als es wieder etwas schneller schlug - wieso musste er sie denn so ansehen als würde er alles für sie tun, wenn sie nur fragen würde?? “Oh, übrigens, kleine Vorwarnung für morgen - Krabbe hat eine Überraschungsparty für morgen geplant, also nicht erschrecken wenn Sie zur Arbeit kommen und sich alle im Aufenthaltsraum versteckt haben.”

Ein schwerer Seufzer entfuhr ihr und sie schüttelte den Kopf - da nahm sie sich extra an ihrem Dienstjubiläum frei um peinlichen, überschwänglichen Gesten der Kollegen des PK14 zu entgehen und es brachte noch immer nichts. Sie musste wirklich damit aufhören die Hartnäckigkeit von Hannes Krabbe zu unterschätzen. “Danke für die Vorwarnung, Herr Matthies. Oh, ihr Sakko…”

Regina wollte sein Sakko von ihren Schultern ziehen um es seinem Besitzer zurückzugeben, doch Dirk war schneller und rückte es wieder zurecht, den Kopf schüttelnd. “Wir wollen ja nicht dass Sie sich erkälten. Geben Sie es mir einfach wann anders zurück.”

Ihre Wangen glühten als sie ihre Arme durch die viel zu großen Ärmel schob und wisperte: “Danke. Also… gute Nacht.”

“Gute Nacht.”

Er lächelte sie an und es war auf einmal unheimlich schwer für Regina in das Taxi zu steigen; etwas in ihr wollte nicht weg. Der Gedanke, mit ihm noch länger an der Alster zu sitzen war natürlich verlockend, doch sie erinnerte sich selbst wieder daran dass es zwischen ihnen Grenzen gab, die sie nicht überschreiten konnten, nicht überschreiten durften.

Und so zwang sie sich, auf ihren Kopf zu hören, setzte sich ins Taxi und nannte dem Fahrer die Adresse ihres Hotels, doch als das Taxi losfuhr und sie sich beim zurücklehnen in das Sakko kuschelte, das so sehr nach Dirk Matthies roch, meldete sich eine leise Stimme des Zweifels in ihr, die sich nicht mehr so einfach in den Hintergrund drängen ließ.

Eine leichte Gänsehaut überzog ihre Arme, trotz der wärmenden Jacke, und Regina wurde schlagartig klar dass es in Zukunft nur noch schwieriger werden würde, ihren Widerstand aufrecht zu erhalten.

ENDE
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