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Eine tollkühne Mission

GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
30.08.2020
01.06.2021
20
23.960
2
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26.01.2021 1.422
 
Eine Woche später

Die Hobbits und Edennil folgten schweigend der Straße. Das weiße Gebirge entfernte sich nun von dem Weg, doch nur ein wenig. Im Süden zwischen der Großen Weststraße und den hohen, weißen Bergen befand sich eine zerklüftete Felslandschaft. Freundlicher war der Blick in den Norden. Dort erstreckte sich bis zum Horizont ein Meer aus saftigem Gras, welches sanft im Wind wogte. Hin und wieder sah man Pferdeherden die, bewacht von berittenen Hirten, über das Land liefen.
Das Wetter war nun wieder freundlich. Sie hatten noch einen weiteren Tag in dem Gasthaus warten müssen ehe der Regen nach lies. Die Zeit war jedoch schnell vergangen, denn sie lasen und diskutierten viel. Die Gaststube war vom frühen Morgen bis in den späten Abend gut gefüllt gewesen. Die Menschen des Dorfes hatten den beiden Hobbits gespannt gelauscht als sie über den wundersamen Tom Bombadil, das Dorf Bree und schließlich die Reise durch die Wildnis berichteten. Als der Waldläufer seinen richtigen Namen nannte schnappten einige Ältere nach Luft. „König Elessar!“, murmelten sie und die Menschen lauschten nun noch gespannter. Als letztes Kapitel, es war bereits später Abend, lasen sie die Ereignisse auf der Wetterspitze, während draußen der Sturm heulte und der Regen auf das Dach des Gasthauses prasselte. Die Menschen schnappten nach Luft als Frodo in der Erzählung verwundet zu Boden fiel. Maxarion musste die Zuhörer mit der Zusicherung beruhigen, dass der tapfere Hobbit den Angriff des Hexenkönigs überleben würde, damit der Abend ein Ende finden konnte. Als der folgende Morgen einen klaren Himmel und Sonnenschein brachte, schickten die drei Gäste sich an weiter zu reisen. Darüber waren viele mehr als betrübt. Maxarion gab ihnen kurz bevor sie abreisten, außerhalb der Hörweite Ramondils, eine kurze Zusammenfassung der weiteren Handlung. Was für ihre Zuhörer aber nur ein leiser Trost war.
Vier Tage folgten sie nun schon der Straße, nach den vielen Stunden im Gasthaus des Lesens müde. Die Berge sprangen vor ihnen nach Norden vor, die Straße folgte diesem Vorsprung in einer langgezogenen Kurve um, an dem nördlichsten Berg vorbei, wieder nach Westen zu biegen. An diesem Tag war es sehr warm, die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel. Den beiden Hobbits fiel das Wandern über die schattenlose Straße in der Hitze schwer. Als es Abend wurde klopften sie an die Tür eines Gehöfts nahe der Straße und bekamen die Erlaubnis im Heuschober ihr Lager einzurichten. Die Hobbits waren damit zufrieden, denn sie waren sehr müde. Die Hausherrin lud sie zudem ein mit ihnen zu essen, was die Hobbits nicht ablehnten. Sie versorgten Edennils Pferd, legten das Gepäck ab, erfrischten sich mit kaltem Brunnenwasser und setzten sich dann gemeinsam an einen grob gezimmerten Holztisch im Hof, zwischen Wohnhaus und Pferdestall. Das Abendessen bestand aus Brot, Gänseschmalz, Karotten, Äpfeln, Käse und einem guten Bier, welches die Hausherrin selbst braute. Edennil blieb schweigsam während die Hobbits schnell begannen mit den Bewohnern des Gehöfts zu scherzen. Er stand bald auf, hüllte sich in seinen Mantel und lehnte sich abseits an einen der großen Holzpfähle des Hauses. Dort sah er in den Himmel, wo langsam die Sterne aufleuchteten. Als es dunkel war verebbte das Gespräch. Nun erst wandte der Elb sich ihnen wieder zu.
„Möchtet ihr die Gastfreundschaft dieser Leute nicht mit einem Kapitel aus dem roten Buch vergelten?“, fragte er leise.
Die Neugier der Menschen war durch diese Worte geweckt und die beiden Hobbits holten bereitwillig das Buch herbei. Edennil lieh seinen Weggefährten für diesen Abend erneut sein Licht. Zunächst benötigten sie eine ganze Weile um die vorherigen Geschehnisse zusammenzufassen, dann schlug Ramondil das Buch auf und sie lasen von der Flucht Frodos vor den schwarzen Reitern. Edennil schmunzelte als ein Elb namens Glorfindel die Reisenden aus höchster Not rettete und half den Hobbit Frodo, schwer verletzt, aus der Reichweite der Nazgul zu bringen.
Die Menschen saßen mit offenen Mündern da und sahen die Hobbits gespannt an. Der Glanz der Sterne spiegelte sich in ihren Augen und durch das Licht der Phiole schimmerten ihre blonden Haare silbern. Ein wenig erinnerten sie Edennil an Elbenkinder, die neugierig den Geschichten lauschten. Doch nur ein wenig. Denn in ihren Augen flackerte schwach das unstillbare Verlangen nach Neuem, die Unruhe der Menschen die niemals zu besänftigen war. Er seufzte und sah wieder hinauf zu den Sternen.
Ramondil und Maxarion sprachen noch lange über Glorfindel und die Flut des Bruinen. Doch sie waren müde und merkten irgendwann, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen konnten. So verabschiedeten sie sich von ihren Gastgebern und legten sich in das weiche Stroh. Kaum zwei Minuten später hörte man sie leise schnarchen.
Am nächsten Morgen brachen sie schon in der Morgendämmerung auf. Noch war es kühl, das wollten sie nutzen. Sie kamen wirklich besser voran als am Vortag. In der Mittagszeit hatten sie den nördlichsten Berg des Gebirgsausläufers beinah umrundet. Maxarion sah sich noch einmal um. Sie standen etwas erhöht und die Luft war klar. Ganz weit im Südosten meinte er noch schwach die dunklen Bäume des Firienwaldes zu sehen, doch vielleicht täuschten seine Augen ihn. Die Große Weststraße zog sich wie ein scheinbar endloses Band zwischen den Wiesen und dem Gebirge durch das Land. Hier und dort bewegten sich langsam dunkle Punkte auf dem Band. Seine Füße kribbelten bei dem Gedanken, dass er diese ganze Strecke und noch mehr in den letzten Tagen bewältigt hatte. Dann drehte er sich wieder um und ging weiter. Bald schoben sich die hohen Berge zwischen sie und die Länder im Südosten. Doch nach Norden und Westen eröffnete sich ein weites Land. Es waren ebenfalls grüne Wiesen. Durchzogen von sanften Hügeln und vereinzelten Gehöften. Ein Fluss bahnte sich seinen Weg durch das Grün und nährte sich der Straße. Als seine Ufer nur wenige Schritte abseits der Straße war machten sie Rast und kühlten ihre Füße in dem klaren Wasser. Einige Birken standen hier und spendeten dürftigen Schatten. Sie bemerkten nun, dass die Straße hier belebter war und die Menschen sprachen von einer großen Stadt. Edoras, der Hauptstadt des Königreichs Rohan.
„Wenn ich mich nicht irre, dann führt uns die Große Weststraße direkt an die Stadttore von Edoras. Sollen wir die Stadt betreten? Oder weiter nach Westen und dann nach Norden gehen?“, fragte Maxarion nachdenklich.
„Ich hätte nichts gegen eine kleine Rast und die Annehmlichkeiten eines richtigen Gasthauses.“ Meinte Ramondil sofort.
Edennil blickte nach Norden und dann nach Westen. „Geht ihr in die Stadt und rastet. Ich denke ich werde euch dort für eine Weile allein lassen. Nicht lange.“ Versicherte er schnell.
Sie gingen weiter. Edennil hielt zwei Mal andere Reisende auf und fragte sie leise nach etwas. Doch die Hobbits hörten die Worte nicht. Die Straße bog nun immer weiter nach Süden ab und schließlich gaben die Berge den Blick auf ein Tal frei. In diesem Tal stand ein einzelner Hügel. Dieser war umgeben von einem tiefen Graben und einem hohen Erdwall welcher von Dornen gekrönt wurde. Hinter dem Wall, auf den sanften Hängen des Hügels, erhoben sich unzählige Häuser der Menschen. Die Spitze des Hügels war abgeflacht, dort stand das größte Haus. Es trug ein goldenes Dach, welches in der tief stehenden Sonne rot leuchtete, während auf die Häuser darunter schon der Schatten der Berge gefallen war. Der Fluss dem die Straße aufwärts folgte floss westlich an dem Wall entlang und verschwand im Gebirge dahinter, wo seine Quelle sein musste. Sie gingen weiter und erreichten die Abzweigung welche vorbei an den Hügelgräbern zu den Stadttoren führte als das letzte Licht der Sonne verblasste und die Sterne zu funkeln begannen. Die Straße führte weiter über eine große Holzbrücke nach Westen.
„Hier werde ich mich von euch verabschieden. Erwartet mich in vier Tagen wieder hier an der Brücke. Rastet gut, melda Periannath!“, sagte Edennil. Er winkte ihnen noch einmal und schritt dann auf die Holzbrücke zu.
Maxarion und Ramondil wandten sich nach Süden und grinsten als sie die einladenden Lichter der Stadt sahen. „Was meinst du? Ob wir ein gutes Gasthaus in dieser kleinen Stadt finden werden?“, fragte Ramondil neckisch.
„Da bin ich mir sicher. Gasthäuser gibt es überall. Hoffentlich haben sie dort auch anständige Kost und gutes Bier.“
Die Mägen beider Hobbits begannen zu knurren. So schritten sie noch einmal weit aus. Die Hügelgräber verbreiteten eine unheimliche Stille mit den gespenstischen weißen Blumen welche im fahlen Licht des eben aufgegangenen Mondes leuchteten. Doch die Aussicht auf Speis, Trank und ein gemütliches Bett ließen die Hobbits kaum darauf achten. Sie pochten schließlich an das Tor und wurden nach einer kurzen Erklärung ihrer Absichten eingelassen.
Kaum waren die Hobbits in den Gassen der Stadt verschwunden erreichten zwei schwarz gekleidete Reiter das Tor.
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