Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine tollkühne Mission

GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
30.08.2020
09.04.2021
17
20.212
2
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
13.01.2021 1.103
 
Minas Anor zur selben Zeit

Andreth saß in einer kleinen Kammer und sah besorgt aus dem Fensterschlitz. Draußen war es finster, die Nacht war hereingebrochen, und leichter Regen fiel lautlos auf das glatte Kopfsteinpflaster. Seit dem Mittag war Bregil nun schon in der Zitadelle. Ein Bote war gekommen und hatte ihren Bruder gebeten ihn dorthin zu begleiten. Wer ihn zu treffen wünschte wollte der Mann nicht verraten.
Die Kerze flackerte. Graue Schatten und goldenes Licht spielten auf der mit Lehm verputzen Wand. Die Zeit verstrich. Andreth versuchte sich auf ihre Handarbeit zu konzentrieren. Doch es gelang ihr nicht. Immerzu unterliefen ihr Fehler. Ihre Hände wollten nicht gehorchen und ihre Augen begannen bald zu tränen. Schließlich gab sie es auf, zog sich ein Wolltuch fest um die Schultern und starrte in die Flamme der Kerze während ihre Gedanken wanderten.
Sie dachte an die furchtbare Nacht, in welcher das Haus ihrer Eltern niedergebrannt war. Sie hatten selten genug darin gewohnt, der Verlust war nicht zu schmerzlich. Doch die vielen Stunden in denen sie daran gedacht hatte, dass die beiden freundlichen Hobbits in den Flammen einen grausamen Tod gefunden haben mussten nagten noch immer an ihr. Der Brief, welcher sie am Abend des Tages nach dem Brand erreicht hatte, war eine Erlösung gewesen. Sie glaubte sofort fest daran, dass die beiden entkommen konnten und nun außerhalb der Stadt in Sicherheit waren. Bregil hatte sich bei den Angehörigen vergewissert, war danach aber immer noch sehr besorgt gewesen. Zwei unerfahrene Hobbits allein auf den Straßen waren alles andere als sicher. Das Land war zwar friedlich, doch die Herzen vieler Menschen von Selbstsucht getrübt und einige Landstriche immer noch recht unwegsam. Diese Sorge hatte Edennil ihnen genommen. Der Elbenfürst hatte erklärt, dass ihn nichts mehr in der Weißen Stadt hielt. Er wollte weiter reisen um den Auftrag, über den er nicht sprach, zu erfüllen. Bregil und vor allem Andreth hatte er versprochen die Hobbits zu suchen um, soweit es ihm möglich war, für ihre Sicherheit zu sorgen.
Zwei Wochen waren seitdem vergangen. Bregil hatte eine winzige Wohnung angemietet, die beste Unterkunft welche er in so kurzer Zeit hatte finden können. Es waren zwei Schlafräume in denen wenig mehr als ein schmales Bett Platz fand und ein wenig größerer Raum welcher diese verband, direkt hinter der Zugangstür, mit einem kleinen Holzofen und einer Sitzecke. Die Verpflegung wurde von der Hausherrin gestellt. Eine alte Frau, die Witwe eines Kapitäns der unter ihrem Vater gedient hatte, deren Kochkünste eher rudimentär waren. Doch sie war freundlich und hilfsbereit. Bis auf zwei Versuche Andreth mit ihrem Neffen bekannt zu machen drängte sie sich den Geschwistern nicht auf.
Kurz nach Mitternacht hörte Andreth endlich ein Geräusch an der Tür. Sie sah erwartungsvoll auf und tatsächlich trat kurz darauf Bregil ein. Sein Gesicht war sehr ernst, er sah traurig aus und müde. Als er Andreth sah weiteten seine Augen sich erstaunt. „Du bist noch wach?“.
Sie nickte. „Ich habe auf dich gewartet. Bitte, erzähl mir was geschehen ist. Ich fühle mich wie ein Fisch, gefangen in einem winzigen Glas.“
Eilig trat Bregil zu ihr und schloss sie in seine Arme. „Verzeih mir, liebe Schwester. Du wirst bald mehr Platz haben. Wir werden Minas Anor verlassen.“
„Aber du wolltest hier deine Studien fortsetzen und ich weiß, dass du sie noch lange nicht beendet hast.“
„Du hast Recht, doch uns bleibt keine Wahl. Ich habe in der Zitadelle den König getroffen und er persönlich gab mir den Befehl zurück nach Pelargir zu gehen. Ich war ebenso überrascht wie du es jetzt bist, aber er hat seine Gründe darauf zu bestehen. Ich kann es dir nicht erklären. Nur so viel, dass er es verlangt um uns zu schützen. Morgen früh treffen wir einen Händler mit dem wir reisen können. Gepäck haben wir kaum noch, das macht alles einfacher.“
„Bregil! Bitte erkläre es mir!“, rief Andreth verzweifelt aus. „Ich folge dir, wohin auch immer du gehst. Aber ich möchte es verstehen.“
„Ich kann innerhalb der Stadtmauern nicht darüber sprechen. Bitte, hab Geduld und lass uns noch ein paar Stunden schlafen, wir werden unsere Kräfte auf der Reise brauchen.“

In der gleichen Nacht trafen sich neun schwarz gekleidete Männer in einem dunklen Gewölbe irgendwo tief im Herzen der Stadt. Nur eine Fackel erleuchtete den feuchten, zugigen Ort. Es war kalt. Das nackte Gemäuer der Wände war nass an vielen Stellen mit Flechten überzogen. In den Ecken lagen Steintrümmer. Lang vergessene, stille Zeugen eines vergangenen Krieges. Die Gestalten hatten ihre Kapuzen so tief ins Gesicht gezogen, dass Unbekannte sie nicht erkennen konnten. Sie unterhielten sich leise.
„Bruder, dies sind schwere Zeiten, doch wir erheben uns um die Menschheit zu retten. Die Macht Herumors wächst, er wird uns erlösen. Konntest du erfahren welche Pläne der Tyrann auf dem Thron gegen unsere gerechte Mission hegt?“, fragte einer der Männer mit einer tiefen, dunklen Stimme.
„Ja, Meister.“ Erwiderte der Angesprochene, mit der Stimme eines jungen Mannes. „Er hat sich mit dem Abgesandten des Fürsten getroffen und schickt ihn aus der Stadt. Ich konnte leider nur wenig des Gesagten hören. Aber sie sprachen über die Halblinge, die der Abgesandte bei sich versteckt hielt. Sie konnten entkommen, Meister.“
„Herumors Fluch möge sie treffen. Es ist nun also sicher, dass sie den reinigenden Flammen entkommen konnten. Ich bekam heute ebenfalls eine Nachricht. Man sah sie auf der großen Weststraße.“
„Auf der Weststraße? Dann haben wir nichts mehr von ihnen zu befürchten.“ Warf ein weiterer Mann ein.
Erzürnt ließ der erste Sprecher die Knöchel seiner Hand knacken. „So leicht lassen wir unsere Feinde nicht entkommen. Herumor fordert ihren Tod und er wird ihn bekommen. Niemals darf er um ein Opfer betrogen werden.“
„Aber sie werden längst in Rohan sein und die Menschen dort sind zu ungebildet um die Wahrheit zu erkennen. Sie interessieren sich nur für ihre Pferde.“
„Dummkopf! Die Lehren Herumors finden überall gehört.“ Schimpfte der Mann mit der dunklen Stimme, dann begann er leise zu lachen. Den beiden anwesenden jungen Männern, die erst vor kurzen zu der Gruppe gekommen waren lief es kalt den Rücken hinunter. „Ihr beide werdet gehen. Gleich morgen früh bekommt ihr von einem unserer Brüder zwei schnelle Pferde. Ihr reitet in die Mark und findet die Halblinge. Die Straßen sind gefährlich und so mancher naive Reisende erreicht sein Ziel nicht.“
Einer der beiden Männer zögerte, doch der andere sagte sofort: „Ganz wie ihr wünscht, Meister. Die Halblinge werden Herumors große Dunkelheit kennenlernen und sie werden sie so sehr lieben, dass sie diese nie wieder verlassen wollen.“
„Gut.“ Erklang es zufrieden unter der Kapuze des großen Mannes und mit einer Handbewegung löste er die Versammlung auf. Lautlos verschwanden die Gestalten in der Dunkelheit.

***
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast