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Eine tollkühne Mission

GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
30.08.2020
24.02.2021
16
19.132
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29.12.2020 1.288
 
Zwei Tage später

Regen ergoss sich auf das Land. Wie unzählige, lange Fäden aus Wasser floss er aus den tief hängenden Wolken auf die grünen Wiesen Rohans. Die drei Wanderer waren nicht weit ins Land hinein gekommen. Nach ihrem Abschied von Herugrim, Falda und ihrer Familie waren sie noch bis zum Mittag der Straße gefolgt. Dann begann der dichte Regen und sie kehrten in ein Gasthaus im nächstgelegenen Dorf ein. Edennil sah an diesem Tag mehrfach zum Himmel und seufzte schließlich.
„Es wird eine lange Zeit auf diese Weise weiter regnen. Ich kann bei einem solchen Wetter reisen, doch für euch kleinen Leute wird es unangenehm.“
Maxarion sah ebenfalls hinaus und schüttelte sich. „Nein, wir reisen bei einem solchen Wetter besser nicht weiter. Lasst uns den Wirt fragen ob wir in seinem Haus bleiben können.“
Der Wirt hieß sie mit Freuden so lange seine Gäste zu sein wie es ihnen beliebe. Sein Haus war nicht sehr beliebt bei Reisenden und daher seine Zimmer frei. Es war ein recht altes Holzgebäude mit Strohdach. Von außen waren die großen, hölzernen Pfeiler zu sehen aus welches es bestand. Einer stand dicht neben dem anderen, nur hier und da verjüngten sich einige kurz vor dem Dach, hier waren Schlitze durch welche Licht in das Haus fiel. Von innen war jede Ritze zwischen den Pfeilern mit einem Gemisch aus rotem Lehm und Stroh verputzt. Das Licht, welches durch die Schlitze eindrang fiel an sonnigen Tagen wie goldenen Strahlen in den Innenraum. Bei Regen und Nebel verstopfte der Wirt die Schlitze mit Tüchern um die Nässe und Kälte auszusperren. Dann herrschte im inneren Finsternis, nur erhellt von wenigen Talglampen. Der Boden bestand aus dem gleichen festgetretenen Lehm der auch die Wände bedeckte. Mit den grob gezimmerten Möbeln wäre es eine recht ärmliche Absteige gewesen, wenn die Wirtsleute ihre Gäste nicht mit einem herzlichen Lachen begrüßt hätten. In der Stube brannte immer ein warmes Feuer, von der Decke hingen zahlreiche Würste um im Rauch zu reifen und die Hobbits stellten fest, dass die Frau des Wirtes vorzüglich kochen konnte. Allein der letzte Umstand versüßte den Hobbits die unerwartete Reisepause ungemein.
Doch nachdem der erste und ein weiterer Tag vergangen waren wurden die Freunde unruhig.
„Ich würde so gern weiter in dem Buch lesen.“ Merkte Ramondil beim Frühstück an. „Doch hier drinnen ist es zu dunkel.“
„Draußen ist es nicht viel heller. Der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen, du würdest auch dort kaum etwas lesen können.“
„Ganz abgesehen davon, dass die Seiten nass werden würden.“ Brummte Ramondil.
Eine ganze Weile sah Edennil seine beiden Reisegefährten an, wandte sich dann zu den Wirtsleuten um sie zu mustern und fasste schließlich einen Entschluss.
„Ich denke, ihr solltet weiter in dem Buch lesen und den Menschen von der Geschichte um Saurons Fall berichten. Mein Herz sagt mir, dass dies eure Aufgabe ist. Ich werde euch helfen.“ Langsam griff er in eine versteckte Tasche zwischen den Falten seines Gewandes und zog ein Bündel hervor. Es erinnerte sie Hobbits an eine in mehrere Leinentücher gewickelte Birne. Vorsichtig entfernte Edennil die Tücher. „Schließ eure Augen einen Moment und wenn ihr sie wieder öffnet schaut erst auf den Boden.“ Riet er ihnen. Die Anwesenden folgten und als sie die Augen wieder öffneten staunten sie. Der Raum hatte sich verändert. Alles war in glänzendes, silbrig weißes Licht gehüllt welches keine Schatten duldete.
„Ist ein Stern vom Himmel in eure Tasche gefallen, Herr?“, fragte der Wirt erstaunt und trat zu ihnen.
Edennil schmunzelte. „Dies ist tatsächlich das Licht der Sterne. Mein Volk versteht sich auf die Kunst das Licht Vardas einzufangen und in unzerbrechlichen Phiolen einzuschließen. So können wir es auch an jene Orte tragen, welche sonst auf ewig finster wären.“
Einen Moment noch betrachtete der Wirt das Licht voll staunen, dann trat er einen Schritt zurück und fragte: „Ist dies Hexenkunst? Es scheint etwas aus den alten Sagen um eine mächtige Zauberin im Norden zu sein.“
„Selbst wenn es Zauber wäre, es ist wunderschön.“ Warf seine Frau ein und lächelte.
„Nichts daran ist Zauberei.“ Meinte Edennil und zog seine Stirn leicht in Falten. „Es ist das gleiche Licht, welches ihr an klaren Nächten am Himmel seht. Der Kristall aus dem die Phiole gemacht ist findet sich auch in den Bergen eures Landes. Einzig die Handwerkskunst der es bedarf mag euch fremd sein.“
„Wie dem auch sei, in diesem Licht werde ich ganz wundervoll lesen können!“, unterbrach Ramondil sie glücklich und stieg auf den Tisch um einen der herab hängenden Faden, am dem wohl vor kurzen noch eine Wurst hing, zu ergreifen. Edennil zögerte kurz, doch dann half er Ramondil das Licht der Noldor unter der grob gezimmerten Holzdecke festzubinden. Das Licht wurde etwas schwächer als es Edennils Hand nicht mehr berührte, doch es reichte vollkommen aus um die ganze Stube zu erhellen.
Eilig räumte die Wirtsfreu nun den Tisch frei. Dann legten die Hobbits beinahe feierlich das rote Buch darauf und begannen gemeinsam zu lesen. Sie lasen manchmal eine ganze Weile schweigen, völlig vertieft in den Text, manchmal nur wenige Sätze ehe sie anfingen angeregt über das gelesene zu diskutieren. Sie merkten dabei kaum, dass sich das Gasthaus zu füllen begann. Das silbrige Licht drang durch die Ritzen und den Türspalt hinaus und neugierig kamen immer mehr Dorfbewohner herein um zu sehen was in dem alten Gasthaus vor sich ging.
Als die Wirtsfrau die beiden Hobbits freundlich daran erinnerte, dass die Mittagszeit schon lange herangekommen war befanden sich an die vierzig Personen in der Stube. Der Wirt hatte alle Händevoll damit zu tun die unvermuteten Gäste mit Getränken und Eintopf zu versorgen. Er lachte fröhlich dabei, denn sein Beutel begann immer mehr zu klimpern. Ein Murmeln ging durch den Raum als die Hobbits das Buch zur Seite legten. Sie hatten gerade darüber gesprochen, dass zwei der vier wandernden Hobbits von einem Baum in sein Innerstes gezerrt worden waren.
„Ich habe einen Onkel im Klammtal. Als ich ein Kind war hat er mit von Bäumen erzählt sie in den Krieg zogen.“ Sagte ein älterer Mann schließlich.
„So ein Unfug!“, schnaubte ein junger Bursche neben ihm.
„Das ist kein Unfug. Im Ringkrieg halfen sie Bäume des Fangornwaldes tatsächlich den Menschen der Mark. Zumindest steht es so in diesem Buch.“ Warf Maxarion ein. „Aber dieser Baum hatte ein schwarzes Herz.“
„Mich interessieren viel mehr diese schwarzen Reiter. Woher kommen sie? Sie scheinen sehr gute Pferde zu haben.“ Warf ein anderer ungeduldig ein.
Nicht ohne Neid sah Maxarion zu seinem Freund, der begann den schmackhaften Eintopf zu löffeln, welchen die Wirtsfrau gebracht hatte. Dann sah er zum Buch, holte tief Luft und berichtete von den Ringen der Macht, wie sie geschmiedet worden waren, wer sie bekommen hatte, zu welchem Zweck und was sie bewirkt hatten. Als er verstummte war sein Eintopf kalt, doch die Augen der Zuhörer glänzten. Ramondil kam seinem Freund zur Hilfe. Mit einer Geste bat er die Wirtsfrau Maxarion mit einer frischen, warmen Schale Eintopf zu versehen. Dann berichtete er von dem was in den Kapiteln zuvor geschehen war. Es entstand schnell eine angeregte Diskussion, weilweise mit den Hobbits, aber auch unter den Rohirrim unterhielten sich viele flüsternd.
Edennil hatte sich zurückgezogen. Er saß abseits neben dem Feuer und hörte mit einem Lächeln auf den Lippen zu. Versonnen betrachtete er den Schein des Feuers. Golden flackerte er auf dem roten Lehmboden und spendete warmen Schein. Nach etwa einem Schritt begann das Gold des Feuers sich mit dem silbrigen Licht der Phiole zu mischen. Die Flammen flackerten und so schien es als würde mal das goldene Licht weiter in den Raum fließen und mal drang das silbrige Licht weiter zum Feuer vor. Doch es war kein Kampf, es floss ineinander, verschmolz und weckte in Edennil Erinnerungen in denen er gern für eine Weile versank.
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