Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine tollkühne Mission

GeschichteFantasy, Freundschaft / P6 / Gen
30.08.2020
09.04.2021
17
20.212
2
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.12.2020 1.573
 
Neun Tage später

Die drei Wanderer hatten sich nicht beeilt auf ihrem Weg. Sie waren der Großen Weststraße immer weiter gefolgt. Als sie den Amon Din hinter sich ließen und mit der Straße nach Westen abbogen, kamen sie durch das Land der Druadan. Doch sie sahen dort keinen der Bewohner dieses seltsamen, waldreichen Landes. Ramondil bemerkte, dass er sich zuvor nicht hatte vorstellen können, dass es so viel Wald geben könnte. Edennil lachte darauf hin und erzählte ihnen Geschichten von den endlosen Wäldern Beleriands, welche nun schon vor langer Zeit in den Fluten des Meeres versunken waren.
Die Straße führte sie aus dem Wald heraus durch das liebliche Land Anoriens. Zu ihrer Rechten breiteten sich seinen vielen goldenen Kornfelder aus, zahllose kleine Höfe lagen weitläufig verteilt zwischen den Äckern. Sie begegneten einigen Bauern, welche sie freundlich grüßten. Hin und wieder lag ein Hof so nah am Weg, dass die dort eine Nacht im Heu der Scheune verbringen konnten. An diesen Tagen war das Frühstück deutlich besser. Zu ihrer Linken blieb stets das Weiße Gebirge zu dem immer wieder Wege führten welche die Wächter der Leuchtfeuer nutzten.
Maxarion las während ihrer Reise bei jeder Gelegenheit in dem roten Buch. Als sie den Firienwald erreichten, zehn Tage nachdem sie Minas Tirith verlassen hatten, rasteten sie unter den ersten dichter stehenden Bäumen. Dort las er die letzte Seite und schloss das Buch dann ganz vorsichtig. Minuten lang saß er schweigend da und starrte auf den roten Einband. Edennil und Ramondil beobachteten ihn neugierig. Maxarion hatte in den vergangen Tagen oft geschwiegen und war tief in Gedanken versunken gewesen. Einige Male hatte er versucht Ramondil zu erklären was ihn beschäftigte, doch da sein Freund eher zu Späßen aufgelegt war hatte er es nach einer Weile aufgegeben. Nun sah er seinen Freund ernst an und meinte: „Du musst dieses Buch lesen, Ramondil! Es ist wundervoll.“
Sein Freund seufzte, dann streckte er jedoch die Hand aus und nahm das Buch an sich. Edennil sah zum Himmel. „Die Sonne wird in zwei Stunden untergehen. Wir werden keinen besseren Rastplatz finden. Dieser Wald wird uns nicht willkommen heißen. Lies nur.“
So schlug Ramondil das Buch auf und las eine Weile. Dann sah er auf. „Du, Maxarion, ich weiß warum du ins Auenland reisen möchtest. Das klingt noch fantastischer als Großvaters Erzählungen.“
„Das Buch wurde vor fast dreihundert Jahre geschrieben, es werde sich einige Dinge verändert haben. Aber lies weiter.“
Ramondil nickte zögernd und las bis das Licht zu schwinden begann. „Das sind wirklich viele Landschaftsbeschreibungen.“ Meinte er, als er das Buch schließlich zuklappte.
„Ja, ich weiß. Aber sie sind schön. Ich habe das Auenland vor mir gesehen, wenn ich die Augen geschlossen habe. Geht es dir nicht auch so?“.
Dem musste Ramondil zustimmen. Sie bereiteten sich zusammen mit dem Elben ein Abendessen zu und diskutierten über die Beschreibungen in dem Buch. Die geschickte Sprache des Autors und wie wundervoll das Leben der Hobbits, ihre Gewohnheiten und Sitten dargestellt wurden lobten sie sehr. Maxarion schmunzelte wenn Ramondil hin und wieder klagte, dass auf den vielen Seiten die er bisher gelesen hatte recht wenig geschehen war.
Edennil schwieg, hörte ihnen jedoch aufmerksam zu während er zu den funkelnden Sternen sah, bis sie spät in der Nacht schließlich verstummten und einschliefen.
Am nächsten Tag brachen sie nach einem für Hobbits unzureichendem Frühstück auf und betraten den Wald. Den ganzen Tag folgten sie der Straße, welche immerzu anstieg. Sie schwiegen, denn der Wald schien ihnen nicht der richtige Ort zum Scherzen und Singen zu sein. Wenn sie sprachen, dann flüsterten sie. Die Bäume neigten sich über den Weg und überschatteten ihn. Edennil sah sich aufmerksam um. Als sie am Mittag rasteten fragte Maxarion den Elben leise: „Dieser Wald ist voller Geheimnisse, ich fühle mich wie in einem grünen Grab. Könnt ihr es spüren?“.
Edennil nickte leicht. „Viel Wahrheit liegt in deinen Worten. Dieser Wald steht auf einem Hügel und das Land sagt mir, dass dort ein großer König der Menschen ruht. Es ist niemandem erlaub seinen Frieden zu stören bis sein Name aus dem Gedächtnis der Menschen getilgt ist und die Zeit das Land verändert.“
Die Hobbits sahen sich bedrückt um, als würden sie erwarten zwischen den Stämmen ein Grab zu erkennen. Doch für ihre Augen sah der Firienwald aus wie ein gewöhnlicher Wald. Sie gingen bald weiter und erreichten nach einer Stunde den höchsten Punkt des Firienhügels. Hier bog ein Weg nach links ab zum Halifirien, dem letzten Leuchtfeuerturm Gondors. Die drei Wanderer hielten sich rechts und gingen nun bergab. Sie kamen viel schneller voran und erreichten am frühen Abend einen kleinen Fluss welcher vom Gebirge herab in schnellem Fluss durch den Wald eilte. Es gab eine breite Holzbrücke an der Stelle wo der Weg auf den Fluss traf. Sie gingen hinüber und atmeten erleichtert auf. Diesseits des Flusses erschien der Wald nicht mehr so drückend. Die Hobbits begannen wieder zu lachen und Scherze zu treiben. Sie setzen sich ans Ufer und badeten ihre müden Füße in dem kalten, klaren Wasser. Edennil tat es ihnen nach und als sie ihn dreimal darum baten begann er ein Lied in der Sprache der Elben zu singen. Die Klänge berührten das Herz und füllten es mit einer unbestimmten Sehnsucht. Es schien als würden selbst das Gras, die Bäume und sogar das Wasser einen Moment innehalten um zu lauschen.
„Das war sehr schön!“, sagte eine helle Stimme hinter ihnen als Edennils Lied verklang. Die drei drehten sich überrascht um und sahen zwei Kinder auf dem Weg stehen. Sie waren in Leinen gekleidet, einfach aber ordentlich. Ihre Gesichter waren freundlich, ihre Augen von einem klaren Blau und ihr goldenes Haar zu Zöpfen geflochten.
„Wer seid ihr und was macht ihr allein in diesem Wald?“, fragte Ramondil überrascht und stand auf.
„Ich bin Herugrim und das ist meine Schwester Falda. Wie suche im Wald nach Essbarem. Das Haus unserer Eltern ist nicht weit entfernt. Seid ihr Reisende aus Mundburg?“. Der Junge musterte die Hobbits mit unverhohlener Neugier. „Ich dachte erst, dass ihr Kinder seid, aber das stimmt nicht.“
„Nein, wir sind Hobbits. Oder Halblinge wie ihr vielleicht sagt.“ Antwortete Maxarion, der ebenfalls aufgestanden war. „Wir reisen in den Norden.“
„Zwei Halblinge und ein Großer der gut singen kann.“ Fasste der Junge zusammen und grinste seiner jüngeren Schwester zu. „Gefallen sie dir?“.
Das Mädchen nickte. „Ja, ich finde wir sollten sie einladen.“
Herugrim lächelte. „Das ist eine große Ehre, Falda ist sehr wählerisch. Es wird bald dunkel und ihr werdet das nächste Dorf bis dahin nicht mehr erreichen. Wenn ihr möchtet könnt ihr in unserem Haus übernachten.“
„Das kannst du entscheiden? Du bist noch sehr jung. Wie alt bist du?“.
„Ich bin zehn und bald ein Mann. Zumindest bin ich der Mann in unserem Haus. Vater stürzte vor zwei Jahren von einem Pferd und brach sich den Hals. Deshalb kann ich das sehr wohl entscheiden. Kommt, es ist nicht weit.“
Die beiden Hobbits sahen zu Edennil und erst als dieser nickte folgten sie den beiden Kindern. Sie mussten noch eine gute Stunde gehen ehe sie das Haus der Familie am Rand des Waldes erreichten. Dort trafen sie auf die Mutter und die Großmutter der Kinder. Beide Frauen waren gebeugt von harter Arbeit, doch ihre Gesichter waren freundlich und wie ihre Kinder es getan hatten, lud die Frau die drei Reisenden in ihr Haus ein.
„Wie haben nicht viel, aber was wir haben teilen wir gern mit euch. Hier an den Grenzen unseres Landes kann man nicht viel verdienen. Die großen Pferde Herden sind auf den Wiesen im Norden und die fruchtbaren Äcker nahe des großen Flusses. Dort gibt es immer Arbeit. Hier gibt es nur den Firienwald und den Grenzfluss. Reisende halten hier nur noch selten, sie gehen lieber in das Gasthaus im nächsten Dorf. Aber kommt herein, wir wollen sehen was die Kinder im Wald gefunden haben.“
Zur Freude der Hobbits war Faldas Korb gefüllt mit Braunkappen und Steinpilzen. Die Großmutter schmorte die Pilze mit Zwiebeln in einer Pfanne an und streute etwas Salz darüber. Dazu reichte Herugrim ihnen frisch gebackenes Brot und eingelegte gewürzte Wurzeln.
Die Hobbits aßen mit Herzenslust und lobten die Köchin bis sie rote Wangen bekam, allerdings zügelten sie ihren Hunger, da sie es nicht über sich brachten die Familie um ihre wenigen Vorräte zu bringen. Dafür brachten sie die Frauen und die beiden Kinder mit ihren Scherzen herzlich zum Lachen.
Nach dem Essen wurde das Feuer in der Wohnstube geschürt. Die Bewohner des Hauses setzen sich mit ihren Gästen in seinen Schein und fragten nach Neuigkeiten aus dem südlichen Königreich. Doch die Hobbits wollten und konnten nicht viel berichten. Edennil zog sich in eine Ecke zurück und beschränkte sich darauf zuzuhören. Maxarion erzählte aus Höflichkeit von dem Leben der Hobbits in Minas Anor. Doch Ramondil rutschte bald unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Schließlich stand er auf, ging zu seinem Rucksack, der in einer Ecke stand, und zog das rote Buch hervor. Er setzte sich wieder und blätterte bis zu der Stelle an welcher er zuletzt gelesen hatte um fortzufahren.
„Was ist das für ein Buch?“, fragte Herugrim neugierig.
„Das Buch eines Hobbits, der vor vielen Jahren im Auenland lebte. Er machte sich mit seinen Freunden auf den Weg um den einen Ring des bösen Herrschers Sauron zu vernichten.“ Bei diesem Namen zuckte die Großmutter kurz zusammen und richtete ihren Blick dann aufmerksam auf die Hobbits. Beide begannen nun die ersten Kapitel des Buches zu besprechen und zogen die Familie in ihren Bann.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast