Let's be together tomorrow (Yeonbin)

von Neoko
GeschichteRomanze / P16 Slash
29.08.2020
25.10.2020
8
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29.08.2020 5.026
 
Willkommen zu meiner ersten Fanfiction, die das Pairing Yeonjun und Soobin von Tomorrow by Together beinhaltet. Vielen Dank, dass ihr das erste Kapitel lesen wollt. Schreibt mir ruhig später, wie ihr es gefunden habt.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen.

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Der Student Choi Yeonjun ist auf dem Campus sehr bekannt. Es ist eher verwunderlich, wenn man den Jungen nicht kennt.

Angefangen mit seinem Aussehen, man kann ihn nicht übersehen. Seine spitzen und stechenden Augen lassen ihn einschüchternd wirken. Darüber hinaus verstärken die vielen Piercings an seinen Ohren und das Tattoo, welches von seinem Rücken bis hin zu seiner unteren Hälfte des Halses übergeht, sein wildes Äußeres. Doch sein Markenzeichen, die strahlend blauen Haare und ebenso seine schwarze Lederjacke sprechen schon für seinen Bad-Boy Image.

Ebenso unterscheidet sich seine Persönlichkeit und sein Ruf nicht sehr vom Aussehen. Yeonjun ist fast immer eiskalt gegenüber jedem. Selbst bei Menschen, die mit ihm gerne reden wollen, ist er stets abweisend. Sein genervter Ausdruck ist ein Begleiter bei seinem alltäglichen Universitätsleben.

Dennoch ist er sehr begehrt bei jedem Geschlecht. Trotz seiner harschen Art finden ihn viele anziehend und möchten sein Herz erobern. Es vergeht nicht eine Woche, wo niemand Yeonjun ein Geständnis gibt oder ihm nach einem Date fragt. Leider verneint er es oft, weshalb sein Ruf Herzensbrecher die Runde im Campus macht. Als gefühllos, arrogant und gemein wird er beschrieben. Nichtsdestotrotz finden genau das ein paar Menschen an ihm attraktiv und hören nicht auf mit der Schwärmerei.

Doch das alles ist Yeonjun total egal. Schließlich ist er auf der Universität für sein Studium und nicht um Freunde und Liebschaften zu haben. Er hatte zwar zuerst nicht vor so grob rüber zukommen, aber irgendwie ist das automatisch passiert, als viele nicht nachgelassen haben, ihn zu drängen. Irgendwann hat es ihn so genervt und als er das auch gesagt hat, bekam er schon einen Bad-Boy Ruf, der niemanden an sich ranlassen will. Aber es kümmert ihn nicht, sollen die Leute denken, was sie wollen. Er ist mit seinen wenigen Freunden und mit seiner Familie zufrieden.


-


"Yeonjun."

"Für dich immer noch Hyung."

Beomgyu rollt seine Augen. "Jaja, was auch immer. Jedenfalls kommst du später zum Tanz Training?"

"Ich weiß nicht", gibt Yeonjun zu.

Momentan sitzen die beiden Freunde in der Bibliothek der Universität. Während Yeonjun versucht, für den Test in Musiktheorie zu büffeln, spielt Beomgyu dagegen auf sein Handy etwas. Obwohl Beomgyu nicht mal viel lernt, schafft er es immer wieder, akademisch hervorragend zu sein. In der Schule war es so gewesen und auch bei seinem jetzigen Kunststudium scheint er nicht allzu viele Komplikationen zu haben. Irgendwie nervt es Yeonjun, dass er lernen muss, sodass der Stoff in seinem Kopf sitzt, während Beomgyu Zeit mit Games verbringen kann.

"Wieso weißt du es nicht?", fragt Beomgyu bei der Antwort des Älteren, schaut aber nicht von seinem Handy auf.

"Wenn du dein Gehirn verwenden würdest, bemerkst du, dass ich lernen muss."

"Pff, mein Gehirn funktioniert sehr gut, vielen Dank. Aber Yeonjun-"

"Hyung."

Beomgyu übergeht diesen Vorwurf und macht weiter. "Du warst schon letztens nicht da gewesen. Die anderen werden mich heute bestimmt fragen, ob du gestorben bist. Du kommst fast immer ins Training und ohne dich ist es komisch. Schließlich bist du der Beste von uns."

"Ich würde nicht sagen, dass ich der Beste bin."

"Hör mit dieser falschen Bescheidenheit auf. Ich sehe im Augenwinkel, wie du widerlich grinst."

Yeonjun lehnt sich zu seinen Freund und tippt irgendwo auf seinem Handy, sodass Beomgyu das Level verloren hat. Dieser schaut ihn vernichtend an und schlägt Yeonjuns Schulter.

"Arschloch", bringt Beomgyu bitter hervor und legt endlich sein Handy weg. "Aber komm schon, du hast jetzt genug gelernt. Diesen Test wirst du morgen schaffen. Komm also heute zum Tanzen. Bitte, Hyung." Das letzte Wort spricht er mit einer übertriebenen hohen Stimme, die anscheinend süß sein soll.

"Ihh, hör auf, ekelhaft zu sein", sagt der Ältere angewidert und schubst den anderen weg von ihn.

"Du wolltest doch, dass ich dich so anspreche! Aber egal. Kommst du jetzt mit?"

Yeonjun weiß, dass der Jüngere nicht nachlassen wird und ihn so lange nerven wird, sodass er nicht mal in Frieden weiterlernen kann. Außerdem vermisst er wirklich das Tanzen, da er es schon seit Tagen nicht gemacht hat. Das Tanzstudio ist nämlich sehr zuvorkommend und die Leute sind auch freundlich. Es liegt in der Nähe von der Universität, weshalb dort viele Studenten sind, die aber nicht Yeonjun auf die Nerven gehen wie hier. Schließlich teilt dort jeder eine Leidenschaft und möchte diese auch verwirklichen. Yeonjun hat sogar ein paar Freunde und manchmal treffen sich alle aus seiner Tanzgruppe außerhalb des Studios und verbringen eine gute Zeit miteinander.

"Na gut, ich gehe hin."

"Na also!", sagt Beomgyu etwas zu laut und die anderen in der Bibliothek geben ihn einen tödlichen Blick, da er still sein soll. Beomgyu kümmert sich nicht darum und grinst Yeonjun an. "Wusste ich doch, dass ich dich überreden kann. Mir kann niemand widerstehen."

Sofort macht Yeonjun Kotzgeräusche, worauf Beomgyu ihn wieder eine verpasst. Eine Stunde später verlassen die beiden die Bibliothek und begeben sich zum Studio. Beomgyu redet ganze Zeit auf den Weg und obwohl Yeonjun nichts sagt, hört er dennoch seinen Freund zu. Jeder wundert sich, wieso Yeonjun und Beomgyu überhaupt so gute Freunde sind. Beomgyu ist ein gesprächiger und lauter Typ, der absolut das Gegenteil zu Yeonjun ist. Vielleicht wären die beiden wirklich nicht befreundet, wenn sie sich nicht schon mit jungen Alter kennen würden.

Obwohl Yeonjun zwei Jahre älter ist, hat er immer mit Beomgyu im Kindergarten gespielt, da dieser als Kind keine Freunde hatte. Zum Glück hat Beomgyu mit steigendem Alter mehr Freunde gewonnen und ist auch sozialer geworden, aber seine Freundschaft zu Yeonjun war weiterhin die Stärkste. Selbst als Yeonjun kurze Zeit in der USA war, haben sie nicht den Kontakt abgebrochen und blieben weiterhin Freunde. Zudem haben sie verschiedene Oberstufen besucht und jetzt ist Beomgyu in der gleichen Universität wie Yeonjun. Der Letztere ist darüber glücklich, dass Beomgyu hier ist.

Die ersten zwei Jahre waren nämlich echt unerträglich gewesen für Yeonjun. Im ersten Jahr war er vollkommen überfordert gewesen mit seinem Studium und hat sogar überlegt, es abzubrechen. Schnell hat er diese Idee verworfen, er liebt Musik zu sehr dafür. Zwar sind seine Eltern immer noch nicht zufrieden mit seinem Studiengang, doch Yeonjun ist sich sicher, dass er später etwas mit Musik machen will. Zurzeit bevorzugt er eher das Komponieren und Produzieren, aber sein Gesangsprofessor meint, dass er auch eine Karriere als Sänger in Betracht ziehen kann. Yeonjun ist talentiert genug, sodass ihn viele Wege offen stehen. Sein Professor meint sogar, dass er ein guter Kpop Idol werden könnte.

Im ersten Jahr hat Yeonjun darüber nachgedacht, aber schnell ist dieser Plan in der Mülltonne gelandet. Als er später seine Haare blau gefärbt hat, fingen viele Leute an, ihn zu bemerken. Er war ebenso im ersten Jahr mit einem populären Viertklässler befreundet und weil er mit ihm auf Partys gegangen ist, welches er stets bereut hat, hat dazu geführt, dass er bekannter wurde. Man hat ihn für attraktiv empfunden und auf einmal wollte jeder was mit ihm zu tun haben. Zuerst war Yeonjun zu jeden freundlich gewesen, doch schnell wurde er genervt. Als die Leute nicht seine Privatsphäre akzeptieren wollten und zu aufdringlich wurden, ist Yeonjun unfreundlich geworden und hat sie abgewiesen. Leider hörte es damit nicht auf, vielmehr nehmen manche seine Art als Herausforderung an. Man möchte sein kaltes Herz erobern. Als er das Beomgyu erzählt hat, konnte dieser nicht aufhören zu lachen.

Wenn man so ein Leben als Idol führen muss, mit wenig Privatsphäre, immer freundlich sein und verfolgt von Verrückten, dann will er es nicht.

Irgendwann hat er dann aufgehört, sich darüber Gedanken zu machen und wurde zu jedem abweisend, manchmal sogar richtig gemein. Im zweiten Jahr hatte er zwar ein paar Freunde, die jedoch nicht zu nahe standen. Deswegen ist er jetzt glücklich, dass er Beomgyu in seinem dritten Jahr hat. Obwohl beide sich oft gegenseitig nerven, verstehen sie sich dennoch gut und würden auf keinen Fall diese Freundschaft aufgeben. Obgleich der soziale Beomgyu viele Freunde hat, ist Yeonjun immer noch sein bester Freund.


"Wollen wir nach dem Training etwas essen gehen?", fragt Beomgyu und Yeonjun nickt als Bestätigung. Bestimmt hat er später keine Lust für sich zu kochen, deswegen klingt auswärts essen super.

Das Training verläuft prima und Yeonjun ist froh, dass er hierher gekommen ist. Außerdem verkündet man, dass die Seoul Performance Show in ein paar Monaten stattfinden wird, wo das Tanzstudio ebenso vertreten ist. Diese Show ist ein sehr bekanntes und großes Event, deswegen ist es eine Ehre, wenn man dabei ist. Eine Gruppenchoreografie ist geplant und wenn man Solo auftreten will, soll man Bescheid geben, damit man gucken kann, ob es klappen wird. Allerdings ist der Zeitplan der Show ziemlich knapp, weswegen es unwahrscheinlich ist, dass jemand aus dem Studio ein Soloauftritt bekommt.

Als man Yeonjun nach dem Training herruft, weil man mit ihm was besprechen will, schaut er Beomgyu verwirrt an.

"Geh nur, ich warte am Eingang", sagt Beomgyu, während er seine Wasserflasche holt.

Yeonjun wischt schnell seinen Schweiß mit dem Tuch weg und begibt sich dann zum Büro. Dort klopft er und nach ein paar Sekunden ruft man ihn rein. Im Raum befinden sich seine Trainer Park Jimin und Zhang Yixing, aber ebenso der Leiter des Studios, Kim Junmyeon.

"Yeonjun, mein Junge!", ruft Herr Kim erfreut aus. "Komm, setz dich. Ich habe gute Neuigkeiten für dich."

Lächelnd geht Yeonjun die Bitte nach und setzt sich. Dabei fragt er sich, was die guten Neuigkeiten denn sind. Nach ein paar Formalitäten, wie es ihm so geht, ob das Studium gut läuft und so weiter kommt Herr Kim endlich zum Punkt.

"Yeonjun, es ist kein Geheimnis, dass du zurzeit unser bester Schüler bist. Wir sind sehr stolz auf dich. Deshalb möchte ich dir einen Soloauftritt bei der Seoul Performance Show anbieten."

Etwas perplex runzelt Yeonjun die Stirn. Er hätte nicht gedacht, dass der Leiter des Studios selbst so etwas vorschlagen würde. Zudem hat sein Trainer Jimin gesagt, dass die Chance auf ein Solo sehr gering ist. Doch Herr Kim ist nicht fertig mit dem reden.

"Du musst wissen, dass an diesem Tag große Sponsoren und wichtige Personen da sein werden. Sogar bekannte Menschen aus der Musikindustrie werden kommen. Da ich weiß, dass du deine spätere Laufbahn in der Musikbranche planst und dein Tanzen auch fabelhaft ist, möchte ich dir diese Möglichkeit anbieten. Allerdings kommt etwas dazu.” Jetzt lächelt er. “Du kannst mit einem eigenen Werk auftreten und dazu eine eigene Choreografie gestalten. Das heißt, ein selbst komponiertes und geschriebenes Lied. Neben deinem Tanz kannst du deine anderen Talente vorstellen. Das ist eine große Chance für dich, da du mit diesem Auftritt dein vorhandenes Potenzial zeigen kannst. Ich bin mir sicher, dass ein paar dich interessant finden werden und dich nach dem Studium haben wollen. Wenn du Glück hast, kann man dir Angebote anbieten, die bestimmt den Einstieg für die Zukunft erleichtern werden. Du könntest sogar von einem großen Musiklabel entdeckt werden. Und, was sagst du dazu?"

Yeonjun kann den Leiter vor ihm nur sprachlos anstarren. Zu gerne will er nachfragen, ob das ernst gemeint ist, doch der begeisterte Ausdruck von Herr Kim lässt ihn nicht zweifeln. Er soll mit einen eigenen Song auftreten? Dazu noch eine eigene Choreografie? Yeonjun weiß, dass selbst entworfene Songs und Tänze sehr gerne erwünscht sind im Studio, aber das dieser Vorschlag selbst vom Leiter kommt, macht ihn fassungslos.

"Er ist überfordert.” Sein Trainer Zhang lächelt ihn warm an. "Das ist eine große Chance für dich. Zwar ist das viel Arbeit, doch ich bin mir sicher, dass es sich lohnen wird. Du bist talentiert und es ist eine Schande, wenn du es nicht zeigst. Außerdem kannst du uns immer um Hilfe bitten."

Der Trainer Jimin stimmt zu. “Ich könnte dir definitiv bei der Choreografie helfen. Allerdings ist es deine Entscheidung, ob du überhaupt auftreten willst.”

"Ja!", verkündigt Yeonjun freudig und steht sogar auf, da er zu aufgewühlt ist, um sitzen zu bleiben. "Ich mach es! Ich werde dieses Angebot annehmen! Vielen Dank für diese Chance. Danke für Ihre Unterstützung."

Am Ende verbeugt er sich tief, was Herr Kim zum Lachen bringt. "Mit dieser Reaktion habe ich gerechnet. Ich bin mir sicher, dass du uns nicht enttäuschen wirst."

"Auf keinen Fall!”

Alle anderen Details wird man nächstes Mal mit ihm besprechen, deswegen kann Yeonjun gehen. Bevor er das Büro verlässt, bedankt er sich noch einmal höflich. Als er aus dem Studio mit einem riesen Lächeln raus läuft, sieht er, wie Beomgyu sich an die Wand gelehnt hat und etwas auf seinem Handy macht. Dieser bemerkt Yeonjun und schaut verwundert.

"Wieso grinst du so hässlich?"

Selbst seine Aussage macht den Älteren nichts aus, er lächelt sogar noch breiter.

"Okay... geht es dir gut?", erkundigt sich Beomgyu besorgt. "Ich kriege gleich Angst vor dir."

Als Yeonjun ihn hastig erzählt, was eben vorgefallen ist, verändert sich ebenso der Ausdruck des Jüngeren in erfreuliche Aufregung.

"Als ob! Wow!", quietscht Beomgyu auf. "Du wirst echt alles selbst machen?"

Yeonjun nickt, allerdings fällt ihm erst jetzt auf, was das für ein großer Druck ist. Da er den Song und den Tanz selbst entwerfen wird, muss es gut gut genug sein. Dazu kommt, dass Herr Kim ihn unterstützt, er kann es sich nicht leisten, mittelmäßig oder gar schlecht zu sein. Das wäre so eine Blamage, wenn er versagen würde.

Beomgyu bemerkt die negativen Gedanken seines Freundes und legt einen Arm um Yeonjuns Schulter und drückt ihn zu sich. "Mache dir keine Sorgen! Du wirst bestimmt großartig sein. Ich kann dir auch helfen."

"Oh nee, mit deiner Hilfe wird alles noch schlimmer."

Dafür kriegt Yeonjun einen Stoß durch Beomgyus Hüfte, welchen er noch stärker zurückgibt, weshalb Beomgyu fast runtergefallen ist. Dieser schaut ihn vernichtend an, macht aber nichts. Yeonjun ist nämlich der Stärkere von beiden, da hat er sowieso keine Chance. Schließlich fangen sie an zu laufen, Beomgyus Arm immer noch um Yeonjun.

"Ich könnte dir bei der Choreografie helfen. Selbst wenn ich nicht sehr viel Ahnung von Musik machen habe, kann ich immer noch beurteilen, ob ein Lied gut klingt."

Danach fängt Beomgyu unverzüglich an, ein paar Ideen zu Yeonjuns Auftritt vorzuschlagen. Jedoch hört Yeonjun nur mit halbem Ohr zu, immer noch in Gedanken versunken. Er hat ab heute ein paar Monate Zeit, bis die Show stattfindet. Zuerst muss er definitiv ein Konzept finden. Welche Genre soll das Lied überhaupt besitzen? Soll er dazu auch singen? Damit kann er zeigen, dass er ebenso eine ganz akzeptable Singstimme hat und diese zum Einsetzen weiß. Dennoch darf er die Choreographie nicht außer Acht lassen, schließlich vertritt er immer noch sein Tanzstudio.

"Wo wollen wir essen?" Plötzlich reißt Beomgyu ihn aus seinen Überlegungen raus.

"Mir egal, entscheide du."

"Hmm, wie wäre es mit dem Chicken House, welches in der Nähe von meiner Wohnung liegt? Ich war dort einmal mit Freunden und das Fleisch schmeckt gut. Danach kannst du zu mir kommen und übernachten."

"In Ordnung. Du lädst mich aber ein."

Augenblicklich protestiert Beomgyu. "Wieso ich? Du bist der Ältere, du solltest mich einladen!"

"Wer von uns ist hier reich?", widerspricht Yeonjun rasch. "Außerdem muss ich immer bezahlen, obwohl ich an der Existenzgrenze lebe, während du im Geld schwimmst."

"Übertreibe gleich, Yeonjun."

"Hyung!"

"Ist doch egal", meint Beomgyu und zuckt mit seinen Schultern. "Aber gut, ich lade dich mal ein. Als Feier für deinen bestimmt hervorragenden Auftritt."


-


Beide genießen das Essen und weil Yeonjun diesmal nicht bezahlen muss, greift er ordentlich zu. Leider isst er zu viel, was direkt zu Bauchschmerzen führt. Beomgyu sagt, dass er es verdient.

Nach einer Stunde verlassen sie das Restaurant und die frische Nachtbrise schlägt gegen ihre Haut. Obwohl es September ist, herrscht dennoch gutes Wetter, weshalb Yeonjun nur ein T-Shirt an hat. Jedoch bereut er seine Entscheidung, da ihm allmählich kalt wird. Weil Beomgyu zudem kein Gentleman ist, gibt er nicht seine Jacke her.

"Meine Wohnung ist sowieso in der Nähe, ertrag einfach die Kälte." Ein sehr toller Freund findet Yeonjun.

"Ich denke, ich gehe eher zum Wohnheim", äußert sich Yeonjun und umarmt sich selbst, sodass er ein wenig Wärme abbekommt. "Ich werde noch ein bisschen lernen. Bei dir spielen wir sowieso Spiele."

"Alles klar. Ich möchte ja nicht schuld sein für deine schlechten Noten." Als Abschied stellt Beomgyu seine Hand auf Yeonjuns Schulter und wendet sich dann um. "Dann friere schön auf dem Weg." Damit lacht er auf und geht weg.

"Arschloch", nuschelt der Ältere und läuft schließlich in Richtung Wohnheim. Während Beomgyu wegen dem Geld seiner Eltern eine eigene Wohnung besitzt, die sogar in der Nähe der Uni ist, wohnt Yeonjun im Studentenwohnheim seiner Universität. Im ersten Jahr war er nervös gewesen, da er sehr viele neue Leute kennenlernen wird, die ebenso im Wohnheim sind. Zwar hat er genug Leute getroffen, doch meistens sind diese nervig gewesen.

Sein erster Mitbewohner war unerträglich gewesen. Ganze Zeit hat er fremde Leute in ihrer Wohnung eingeladen und kleine Partys organisiert. Nicht mal einen Monat ertrug Yeonjun es und schon hat er sich im Büro gemeldet, um ein neues Zimmer zu bekommen. Zum Glück konnte er wechseln, allerdings war sein zweiter Bewohner auch nicht gerade der Beste. Dieser wusste nicht, was Sauberkeit ist, seine dreckigen Unterwäschen lagen überall. Einmal ist es sogar vorgekommen, dass Chipskrümel auf Yeonjuns Bett waren. Darüber hat er sich aufgeregt beschwert und sein Bewohner hat aufgehört, Yeonjuns Zimmer zu betreten. Danach hat er seinen Abschluss gemacht und der dritte Mitbewohner kam. Sein Name ist Lee Jeno und er wohnt immer noch mit Yeonjun zusammen, obendrein sind beide Freunde geworden.

Jeno ist einer der wenigen Leute, die Yeonjun ertragen kann. Der Zweitklässler ist nett, urteilt nicht schnell und sehr fleißig. Weil er Medizin studiert, versteht er ganz genau, wenn Yeonjun seine Ruhe zum Lernen braucht und nicht gestört werden will. Beide respektieren die Privatsphäre des anderen und leben dennoch friedlich miteinander.

Obwohl der Weg zu dem Wohnheim nur fünfzehn Minuten dauert, kommt es Yeonjun länger vor. Erst jetzt stellt er fest, wie erschöpft er von den ganzen Kursen, dem Lernen und vom Tanztraining ist. Wahrscheinlich wird er nur den Stoff für den Test morgen wiederholen, schnell duschen gehen und dann schlafen. Eigentlich schläft Yeonjun nicht so früh, aber heute ist er extrem müde und er möchte nur noch ins Bett. Deswegen läuft er eilig, damit er schneller ankommt und auch der Kälte entweichen kann.

Als er schon sein Wohnheim sieht, seufzt er zufrieden auf und beeilt sich nochmal. Jedoch erblickt er vor dem Eingang ein paar Jungs, die schlecht zu sehen sind wegen der Entfernung und dem schwachen Laternenlicht. Dennoch erkennt er, wie plötzlich jemand einen anderen Jungen heftig schubst, sodass derjenige runterfällt und die Bücher aus den Händen fallen. Als die anderen Jungs zuschauen und ihn sogar umkreisen, rennt Yeonjun los.


"Hey, was macht ihr da!"

Erwischt drehen sich die Jungs um und als sie Yeonjun entdecken, erweitern sich die Augen von ihnen.

"Oh Shit, ist das nicht dieser Choi Yeonjun?", keucht einer auf und sofort ist fast jeder bereit zu flüchten. Jedoch bleibt derjenige, der geschubst hat, standhaft und wagt es auch noch zu lächeln.

"Yeonjun Sunbaenim, hallo. Mein Name ist Geon und-"

"Mich interessiert es einen Scheiß, wer du bist", giftet Yeonjun ihn an und schaut alle missbilligend an. Yeonjun weiß, dass Gerüchte umhergehen, die besagen, dass er in vielen Schlägereien beteiligt ist und diese auch gewinnt. Deswegen haben diese Jungs beinahe Angst vor ihm, da sie sich nicht mit ihm anlegen wollen. Obwohl diese Gerüchte natürlich nicht stimmen, ist Yeonjun in dem Moment froh darüber, da er viel furchteinflössender rüberkommt. "Verpisst euch sofort."

Die Ersten gehen schon und einer zieht Geon an dem Arm, dieser jedoch bewegt sich nicht, obwohl jetzt ein unsicherer Ausdruck auf seinem Gesicht ist.

"Es ist nicht so, wie du es denkst. Du musst wissen, dass er-"

"Bist du taub? Ich habe gesagt, verpiss dich", faucht Yeonjun und gerade ist er wirklich bereit, vor dem Wohnheim einen Streit anzufangen. Das stellt dieser Geon ebenso fest und rasch verschwindet er mit seinen Freunden. Somit lässt er Yeonjun und den Jungen auf den Boden alleine.

Erst jetzt schaut Yeonjun zu ihn und merkt, dass der Junge sich kein Stück bewegt hat und den Kopf hängen lässt. In der USA gab es auch genug Momente, wo Yeonjun von seinen Mitschülern angegriffen wurde, da sein Englisch nicht so gut war. Es war einer der schlimmsten Erlebnisse für ihn, niemand hat ihn geholfen und alle haben gelacht, als er einmal angefangen hat zu weinen. Danach wollte er nicht zu Schule, er wollte nur zu Hause bleiben. Als ein Schüler von der Mittelstufe und als Ausländer hat er sich nicht getraut, etwas dagegen zu sagen oder zu unternehmen. Er weiß also, dass Mobbing schlimm ist, deshalb möchte er es verhindern, soweit es geht.

Yeonjun knickt sich zu den Jungen und sammelt die Bücher auf, die herumliegen. Erst dann schaut der Junge auf und als sich sein Blick mit Yeonjun kreuzt, stockt Yeonjuns Atem. Der Junge hat runde, große Augen, die ihn ängstlich anschauen. Seine Lippen sind zu einem süßen Schmollmund verzogen und auch seine kleine Nase vergisst Yeonjun nicht. Die reine Haut lässt ihn fast neidisch, nirgendwo hat der Junge einen Pickel oder Unreinheiten. Selbst seine Wangen sehen so weich aus, am liebsten will Yeonjun die anfassen. Seine schwarzen Haare umrahmen noch sein Gesicht perfekt.

Er ist hübsch. Sehr sogar.


Bevor Yeonjun ihn noch mehr anstarren kann, entdeckt er, wie sich seine schönen Augen mit Tränen füllen. Sofort bekommt Yeonjun Panik.

"Hey, hey, nicht weinen. Sie sind weg, alles ist gut", versucht er den Jungen besänftigt einzureden. "Hier sind deine Bücher, alle heil. Nichts ist passiert, komm, steh auf. Ich helfe dir."

Yeonjun packt sich den Arm von den anderen und zieht ihn mit sich hoch. Dabei stellt er fest, dass seine Arme recht dünn sind und der große Pullover ihn breiter wirken lässt. Doch der Junge überragt ihn definitiv in der Größe, als dieser aufrecht steht. Dennoch lässt er seinen Kopf hängen und auch ist ein leichtes Schniefen zu hören. Yeonjuns Herz zerbricht fast, am liebsten würde er den Jungen durch eine Umarmung oder andere Berührung trösten. Er weiß aber, dass es zu viel ist. Schließlich sind beide Fremde und normalerweise ist er nicht der Typ, der Körperkontakt mag. Nur bei den Jungen vor ihn hat er plötzlich dieses unerklärte Bedürfnis.

"Wein doch nicht. Nun ist alles gut."

Leider passiert genau das Gegenteil, ihn fließen sogar noch mehr Tränen die Wangen herunter. Zögerlich steht Yeonjun da und überlegt, was er machen soll. Er kann den Jungen nicht alleine lassen, aber helfen tut er im Moment auch nicht wirklich. Letztendlich versucht er, ihn etwas abzulenken.

"Wie heißt du denn? Bist du im ersten Jahr, ich habe dich noch nie hier gesehen." Zwar merkt sich Yeonjun fast nie die Gesichter der Studenten, doch das muss der andere nicht wissen. "Was studierst du denn? Wie alt bist du?"

Der Größere erwidert nichts und langsam wird Yeonjun planlos. Er weiß, dass er nicht unbedingt der Meister ist, Unterhaltungen zu führen, aber das er so schlimm ist?

Plötzlich piepst eine leise und sanfte Stimme, die trotzdem eine tiefe Tonlage besitzt.

"Soobin… Choi Soobin."

"Ah, ich heiße auch Choi", meint Yeonjun, erleichtert darüber, dass der andere endlich spricht. "Mein Name ist Choi Yeonjun, ich bin im dritten Jahr. Du?"

"Zweites Jahr… Studium Film", murmelt Soobin in kargen Worten, trotzdem findet Yeonjun diese Stimme so melodisch. Obwohl Soobin bis jetzt nicht sehr viel gesagt hat, weiß Yeonjun, dass er ihn stundenlang zuhören kann. Er bemerkt auch, wie allmählich die Tränen aufhören, dafür haben sich die Wangen von Soobin rötlich gefärbt, wahrscheinlich durch das Weinen.

Süß. Es sieht süß aus.

"Dann bin ich der Ältere von uns beiden", gibt Yeonjun von sich. Soobin nickt und endlich wagt er es aufzuschauen. Er guckt Yeonjun unsicher an und der Ältere bekommt mit, wie sein Blick an die blauen Haare hängen bleibt. "Ich wollte schon immer mal meine Haare färben und habe mich schließlich getraut. Ich denke, blau steht mir, deswegen habe ich es gelassen."

Soobin schaut bei dieser Bemerkung rasch wieder runter, als sei er bei einer Straftat erwischt worden. Trotzdem hat er jetzt endgültig aufgehört zu weinen und beruhigt kann Yeonjun aufatmen.

"Wer waren diese Typen?", fragt er nach.

Wieder bleibt Soobin still und benimmt sich so, als ist der dreckige Boden viel interessanter. Ein bisschen frustriert darüber, dass Soobin nichts sagt, tritt Yeonjun einen Schritt näher an ihn. Der Körper des Jüngeren versteift sich.

"Machen sie das oft? Sich so scheiße zu benehmen?" Ohne großartig nachzudenken, spricht Yeonjun die nächsten Worte aus "Sag mir die Namen. Ich kümmere mich um die."

"Nein!"

Zum ersten Mal erhebt Soobin seine Stimme und diesmal lässt es Yeonjun zusammenzucken. Soobin schaut ihn panisch an, seine Augen sind weit aufgerissen.

"Bitte, mach nichts."

"Wieso nicht? Sie greifen dich ganz klar an-"

"Bitte", fleht Soobin ihn an. Irgendwie wird Yeonjun bei seinen großen Augen schwach und obwohl er was sagen will, schließt er seinen Mund. Das sieht der Größere als ein Zeichen zum weiterreden, seine Stimme wieder etwas sanfter. "Ich muss mit ihnen an einem Projekt arbeiten. Wir sind eine Gruppe. Ich habe keine Wahl."

"Natürlich hast du eine Wahl", widerspricht Yeonjun. "Wehr dich, sag was. Du bist viel größer als die, die sind nur Winzlinge. Mit einem Fußtritt und die sind schon alle platt."

Zum ersten Mal lächelt Soobin und oh Gott, er hat Grübchen. Dabei sind seine Wangen immer noch etwas rot. Er sieht niedlich aus mit dem Lächeln und den Grübchen.

Natürlich muss der hübsche Junge noch perfekter werden.


Bevor Yeonjun noch mehr Soobins Lächeln anglotzen kann, versucht er sich wieder auf das wesentliche zu konzentrieren. "Wieso haben die dich dann überhaupt angegriffen? Ist es davor schon mal passiert?"

"Also… ich hatte gemeint, dass sie mehr machen müssen", verkündigt Soobin, etwas beschämend. Anscheinend ist es ihm peinlich, das zu erzählen. "Ich habe oft die ganze Arbeit gemacht… deswegen habe ich mich beklagt. Aber die sind sofort wütend geworden. Haben gemeint, dass sie genau so viel tun wie ich. Als ich es weiter klären wollte, haben sie mich unterbrochen und irgendwie... haben die angefangen, mich zu beleidigen. Ich habe meinen Mund nicht aufbekommen und das haben sie dann ausgenutzt… " Er legt seine Hände vor seinem Gesicht. "Das ist so peinlich, wieso bin ich so? Ich hätte nichts sagen sollen!"

"Nein, nein", versichert Yeonjun ihn sofort mit fester Stimme. Soobin kann nicht ernsthaft glauben, dass der ganze Vorfall seine Schuld ist? "Du hast das Richtige getan, die können nicht die ganze Arbeit auf dich abwälzen. Das Problem anzusprechen war gut gewesen. Nur sind die solche Arschlöcher. Die sind keine Kinder, wie können sie so unreif sein? Und dich dann noch fertig zu machen. Scheiß Wichser."

Langsam merkt Yeonjun, wie zornig er auf diese Typen wird. Soobin sieht so unschuldig und freundlich aus, wie können die es wagen, ihn zu attackieren? Ganz klar nutzen die Soobin aus, damit sie nichts machen müssen. Und Soobin ist auch noch zu nett und lässt es zuerst zu. Wo er endlich den Mut aufgefasst hat, sich dagegen zu wehren, mussten diese Jungs solche Arschlöcher sein. Yeonjun ist gerade so bereit, eine Prügelei mit ihnen anzufangen.

Soobin sieht, wie angespannt der Ältere ist, und lächelt dann unsicher. "Schon okay. Morgen mache ich alleine die Arbeit. Dann mache ich eben alles."

"Auf keinen Fall. Wie heißen die? Ich regle es mit ihnen."

"Bitte nicht", quietscht er. "Es ist meine Sache… bitte… also bitte, lass es."

Yeonjun weiß ganz genau, dass er kein Recht hat, sich einzumischen. Himmel, er ist immer derjenige, der es abgrundtief hasst, wenn jemand bei ihm sowas macht. Aber irgendwie möchte er den schüchternen Jungen helfen. Er möchte ihn fast schon beschützen.

"Aber", fängt Soobin mit einem ehrlichen Lächeln an. Wieder kann Yeonjun seine Augen nicht von ihm lassen. "Vielen Dank. Du hast mir geholfen… wirklich, danke. Ohne dich… wäre es bestimmt ausgeartet."

Jetzt muss Yeonjun darauf achten, dass er nicht rot wird. Zwar kriegt er oft Komplimente und positive Sachen gesagt, aber bei Soobin klingt es so… aufrichtig. Er bedankt sich, weil Yeonjun eine Tat begangen hat, die ihm weitergeholfen hat. Es freut Yeonjun, dass er für ihn da sein konnte.

"Ist selbstverständlich." Yeonjun probiert dabei so selbstsicher und locker wie möglich zu klingeln, dennoch wackelt seine Stimme leicht.

"Kann ich Hyung zu dir sagen?", erkundigt sich Soobin plötzlich. Der überraschende Themenwechsel überrumpelt Yeonjun und er nickt nur.

"Danke, Yeonjun Hyung. Ich stehe in deiner Schuld." Dabei lächelt Soobin, sodass seine Zähne und Grübchen stark zu sehen sind. Vielleicht wird Yeonjun doch rot. "Ich muss dann mal gehen. Ich hoffe, wir sehen uns noch einmal."

Er schaut Yeonjun zum letzten Mal mit seinem blendenden Lächeln an, bevor er sich umdreht und ins Wohnheim rein marschiert.

Yeonjuns Herz klopft so hart, er hat Angst, dass es gleich aus seiner Brust springen und Soobin nachjagen wird. Er legt seine Hand auf die Brust und versucht, sich zu beruhigen.


Doch egal, wie lange er es versucht, Soobin verlässt einfach nicht mehr seine Gedanken.
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