Perspektiven

OneshotRomanze, Familie / P12
Albus Severus Potter Draco Malfoy Godric Gryffindor Lavender Brown Percy Weasley Scorpius Malfoy
29.08.2020
30.09.2020
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16.09.2020 1.554
 
Begegnungen

Draco Malfoy hatte absolut keine Lust. Seine Mutter hatte ihn wieder einmal auf so einen dummen Ball verschleppt, um ihm dort verschiedene reinblütige, junge Frauen vorzustellen. Theoretisch sollten solche Vereinigungen seit dem zweiten Krieg gegen Voldemort nicht mehr existieren, doch in der alteingesessenen Reinblütergemeinde ließen sich alte Gewohnheiten schwer ablegen. Immerhin hatten sie die schwarze Magie weitestgehend eingedämmt, worüber besonders Draco sehr froh war, der mit alldem nichts mehr am Hut haben wollte. Er wollte einfach nur sein Leben führen, so wie er es wollte und nicht wie seine Eltern, oder irgendwelche Ex-Todesser, es ihm vorschrieben. Für ihn war es schon Schande genug auf Seiten der Todesser gekämpft zu haben, obwohl es ihm nicht gefiel. Doch damals hatte sein Vater andere Pläne mit ihm gehabt. Eben dieser versuchte auch jetzt ihm irgendeine Frau anzuschwatzen, die zwar nicht wirklich hässlich war, aber ihn auch nicht sonderlich interessierte. Er war fest entschlossen nicht zu heiraten und die schändliche Blutlinie der Malfoys enden zu lassen. Seiner Meinung nach, sollte am besten die gesamte schwarzmagische, inzestuöse Gemeinde der ehemaligen Todesser enden. Aber das lag nicht in seiner Hand.
Während des ganzen Gespräches mit - er meinte verstanden zu haben, dass sie Olivia hieß - war er geistig abwesend. Olivia schien es jedoch nicht zu merken, sondern war ganz in Erzählungen über ihren Kleiderschrank und die neueste Ballrobenmode vertieft. Draco musste sich sehr zusammenreißen nicht genervt zu schnauben, denn die kleine Blondine vor ihm war nicht nur nicht sehr helle, sondern hatte auch die Zeit des Krieges schön sicher auf Durmstrang verbringen dürfen, fernab von all dem Blut, Schmerz und Verlust, den die gesamte magische Welt gesehen hatte. Auch Draco hatte viel Schlimmes angerichtet, was er heute bereute. Er war seitdem nicht mehr derselbe. Noch ein Grund nicht zu heiraten, wie er fand, denn keinen, nicht mal seinen besten Freund Blaise Zabini, wollte er mit seinen Sorgen und Albträumen belasten, die ihn nun seit vier Jahren beschäftigten und jede Nacht schreckhaft wachwerden ließen.
So vegetierte er vor sich hin, bis etwas – oder besser gesagt jemand – seine Aufmerksamkeit erregte. Eine junge Frau schritt anmutig an der Seite ihrer Mutter und einer weiteren Frau, welche einige Ähnlichkeiten mit ihr hatte, durch den Saal. Viele Männer drehten sich um und viele Frauen erdolchten sie mit ihren Blicken. Die längeren Strähnen ihres halbhochgesteckten, kastanienbraunen Haares fielen in sanften Wellen bis auf ihren Rücken, der in einem dunkelroten Ballkleid steckte. Draco merkte gar nicht, dass er sie angestarrt hatte, bis seine Mutter ihn unsanft anstieß und etwas sagte.
„Wie bitte?“, fragte er nach.
„Ich fragte dich, wie du Olivia findest. Sie ist ein wirklich tolles Mädchen aus einer angesehenen Familie.“, wiederholte Narzissa.
„Gute Familie hin oder her, sie ist nicht mein Typ. Sie ist langweilig und naiv.“, erklärte Draco seiner Mutter, die ihn daraufhin mit einem sorgenvollen Blick musterte.
„Das wird dein Vater wohl nicht so gerne hören“, sagte seine Mutter und seufzte.
Doch Draco hörte gar nicht mehr zu, denn sein Blick hatte wieder die junge Frau im roten Kleid gefunden. Er verfolgte jeden ihrer Schritte mit Argusaugen und fragte sich unablässig, woher er sie kannte und warum sie ihm nie aufgefallen war. Narzissa folgte dem Blick ihres Sohnes. „Kennst du sie?“
„Nein, aber sie kommt mir bekannt vor. Wer ist sie, Mutter?“, fragte Draco nun ernsthaft interessiert. Narzissa freute sich über die Entwicklung, die dieser Ball mit sich brachte.
„Das ist Astoria Greengrass. Du kennst vielleicht ihre Schwester Daphne, die bei dir im Jahrgang war. Die beiden Mädchen haben jetzt nur noch ihre Mutter, weil ihr Vater im Krieg gefallen ist. Wirklich traurig diese Geschichte.“, erzählte Nazissa, die nun hoffte, dass ihr Sohn endlich einmal mehr Interesse an einer Frau zeigte, die zudem auch noch reinblütig war.
Als Musik ertönte und sich alle zum Tanz aufstellten, musste Draco mit ansehen wie Marcus Flint Astoria zum Tanzen aufforderte. In ihm zog es sich zusammen. Verwundert über diese seltsame Gefühlsregung schnappte er sich Olivia, die immer noch neben ihm stand und forderte sie zum Tanzen auf. Olivia strahlte, merkte aber nicht, dass sich Draco gar nicht für sie interessierte.
Während sie tanzten, versuchte Draco näher zu Astoria und Marcus zu kommen, die sich am anderen Ende des Saals befanden. Schritt um Schritt und Drehung um Drehung tanzte sich Draco unauffällig näher. Dass seiner Tanzpartnerin dabei übel wurde, ignorierte er geflissentlich. Schließlich, als er nah genug dran war, ließ er Olivia los und nahm Astorias Hand aus Marcus’. „Darf ich ablösen? Vielen Dank“, fragte Draco ohne eine Antwort von Marcus abzuwarten und tanzte ein paar Schritte mit Astoria davon.
Diese war zuerst sehr verwirrt und dann erbost. „Sagen Sie mal, was fällt Ihnen eigentlich ein?“, echauffierte sie sich und starrte ihn böse an.
„Warum? Man darf doch wohl mit der hübschesten Frau im Raum tanzen, oder nicht?“, meinte er und lächelte charmant.
„Sind Sie dabei immer so unhöflich und rüpelhaft?“, entgegnete sie und starrte ihn mit ihren eisblauen Augen nieder.
„Mein Name ist Draco Malfoy, werte Dame, das liegt in meiner Natur“, plauderte er ohne Umschweife und verzog keine Miene. „Und Ihrer lautet?“
„Astoria Greengrass“.
„Ein wirklich schöner Name, Astoria. Sind Sie auch immer so unhöflich und rüpelhaft zu ihren Tanzpartnern?“
„Nur, wenn sie sich mir durch unangemessenes Verhalten aufzwingen“, erwiderte sie kühl und wandte den Blick ab. Draco musste Lachen. Sie war wahrlich nicht wie die anderen Frauen in dieser Gesellschaft.
„Nun, Mr. Malfoy, was führt sie auf diesen Ball, wenn ich fragen darf“, bemühte sich Astoria um Smalltalk. Ihre gute Erziehung zwang sie wohl dazu, denn ihr Blick zeigte keinerlei Interesse.
„Ehrlich gesagt haben mich meine Eltern hierher gezwungen, damit ich ‚unter Leute komme’, wie meine Mutter es ausdrücken würde, Miss Greengrass.“, erklärte er und übernahm die Höflichkeitsformel, „Aber ich denke eher, dass sie hier nach einer geeigneten Ehefrau für mich Ausschau halten. Also nehmen Sie sich besser in Acht.“ Er schaute auf sie herunter und sah sie verschwörerisch an.
„Ach, sollte ich das, ja? Was an meinem Verhalten lässt Sie glauben, dass ich mit so etwas einverstanden wäre?“
„Oh, nicht Ihr Verhalten lässt mich das glauben, sondern das meiner Eltern, die, seit ich Ihre Hand ergriffen habe, jeden unserer Schritte verfolgen“, erklärte er und nickte mit dem Kopf in Richtung seiner Eltern, die sich ebenfalls tanzend nicht weit weg befanden. Astoria seufzte.
„Dass diese hinterwäldlerische Gesellschaft einen nicht einmal in Ruhe lassen kann. Als hätten sie nicht schon genug Schaden angerichtet.“
Überrascht sah Draco sie an. Nie hätte er gedacht in diesen Kreisen jemanden zu treffen, der so dachte wie er. Während er sie drehte, sah er sich im Raum um. Offenbar hatte man Olivia an seinen unterbelichteten Kumpel Gregory Goyle übergeben, die sich gegenseitig beim Tanzen auf die Füße traten. So haben sich zumindest zwei gleiche Gemüter gefunden, dachte Draco und war erleichtert das Mädchen losgeworden zu sein. Marcus Flint war währenddessen zu Astorias Schwester Daphne übergegangen, die beide begeistert von ihrer Mutter beobachtet wurden. Offenbar hatte der Partnerwechsel allen gutgetan. Auch mir, dachte Draco und lächelte leicht.
Mit einer letzten Drehung endete das Stück und die Tänzer verneigten sich kurz voreinander.
Während die anderen Paare sich wieder zum Tanz aufstellten, gingen Draco und Astoria ein Stück zur Seite, um den Tänzern Platz zu machen. Astoria griff ein Glas Elfenwein vom Tablett eines Kellners, der gerade vorbeiging.
„Nun, Astoria, ich muss zugeben, dass mir dieser Tanz sehr gefallen hat. Bei Gelegenheit würde ich es gerne wiederholen.“, gab Draco zu.
„Es war ganz in Ordnung. Ihr Glück, dass Sie ein guter Tänzer sind, Draco“.
Ihm war aufgefallen, dass sie seinen Vornamen benutzte. Das konnte er als Erfolg verbuchen.
„Es hat mich gefreut Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben“, lächelte Draco an Astoria gewandt und nickte ihr zum Abschied zu, „Aber jetzt ist es Zeit für mich, an die Bar zu verschwinden und so viel Feuerwhisky zu trinken, bis mein Vater es merkt und mich nach Hause schickt“. Aus Erfahrung wusste er, dass sich nur so solche Abende aushalten ließen. Er wollte gerade gehen, als er eine Hand an seinem Arm spürte.
„Warte!“, hielt Astoria ihn auf, „ich möchte mich anschließen.“ Draco sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. Hatte sie etwa doch Interesse an seiner Gesellschaft?
„Du scheinst nicht wie die anderen Typen hier zu sein und in deiner Gesellschaft wird mir wenigstens kein anderer Mann aufgehalst“, meinte sie schulterzuckend. Clever, dachte Draco. Warum war er auf so eine Idee noch nie gekommen? Ach ja, weil die meisten Frauen sich dann tatsächlich eine Hochzeit ausmalen würden.
„Guter Plan. Da ich ebenfalls nicht vorhabe mich verheiraten zu lassen, kommt mir das sehr gelegen.“ Er hielt ihr den Arm hin und sie hakte sich unter. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Bar. „Komm, lass uns auf diese erfolgsversprechende Abmachung trinken“, lachte sie das erste Mal an diesem Abend und Draco war sich sicher, noch nie so etwas Schönes gehört zu haben.

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Hallöchen!
Dieses Mal wieder ein OS mit Pairing und mal wieder ein Malfoy (die sind aber auch interessant) :D
Ein Dankeschön geht wie immer an die vielen neuen Leser, besonders auch an den neuen Favoriteneintrag! Ich freu mich, dass diese Sammlung so gut ankommt, das motiviert mich immer weiterzuschreiben.
Lasst auch gerne ein Review da, falls ihr Anregungen, Lob, Kritik o.ä. habt oder teilt mir mit, wie es euch gefallen hat(das lese ich alles gerne).
Bis zum nächsten Kapitel!

MissUmbrella
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