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Bemerkenswerte Begebenheiten

von - Lemmy -
Kurzbeschreibung
OneshotAbenteuer / P12 / Gen
28.08.2020
10.12.2021
7
20.494
3
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Dieses Kapitel
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28.08.2020 2.746
 
Dieser Oneshot wurde für die Wochen-Challenge von Sira-la geschrieben, und zwar zur Vorgabe für die 35. Kalenderwoche:
Hänsel und Gretel folgten noch Spuren aus Steinen und Brotkrumen. Doch die Spur, die sich vor dir auftut, besteht aus etwas völlig anderem. Und du hättest nie gedacht, dass du solchen Dingen einmal folgen würdest.
Vielleicht folgen noch mehr Oneshots, wenn mich noch weitere Vorgaben inspirieren ;-).


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Eine Spur der Hoffnung


„Ich kann's nicht mehr halten!“

Eddie schaffte es gerade noch, die große Einkaufstüte, die er wie einen geliebten Teddy umklammerte, vor dem Absturz zu bewahren. Mit einiger Geschicklichkeit bugsierte er sie wieder in eine bequemere Position, griff beherzt zu, um die gerade eben eingekauften Lebensmittel vor einem unschönen Schicksal zu bewahren, und pustete sich eine braune Haarsträhne aus der Stirn. „Wer ist eigentlich auf die grandiose Idee gekommen, dass wir ausgerechnet hier einkaufen gehen?“

„Tracy“, antwortete Jake, der auch eine schwere Tüte trug, und warf dem stattlichen Gorilla, der neben ihm ging, einen Blick zu.

Tracy zuckte mit den Schultern. Er hielt gleich zwei volle Einkaufstüten in seinen mächtigen Armen und trug sie so mühelos, als enthielten sie nur Federn. „Unser Supermarkt hat zu“, erwiderte er. „Eine Woche Inventur.“

„Und ausgerechnet jetzt haben wir fast nichts mehr im Kühlschrank und auch kaum noch Vorräte. Tolles Timing“, ächzte Eddie. Großeinkauf für ein paar Tage und für drei Leute, und das in einem Supermarkt, den die Ghostbuster noch überhaupt nicht kannten und der zudem in einer Gegend lag, die man als ländlich bezeichnen konnte, obwohl sie in der Stadt lag. Es war ein kleiner Supermarkt, und die beiden Jungs und der Gorilla hatten das Gefühl gehabt, ihn halb leerzukaufen. Der ebenfalls nur kleine Parkplatz war um diese Uhrzeit rappelvoll gewesen, so dass die Geisterjäger ihren Ghostbuggy in einiger Entfernung abgestellt hatten, was sich nun rächte. Der Weg zu ihrem Wagen erschien ihnen endlos.

Eddie lehnte sich schnaufend an eine Hauswand. „Und dann mussten wir unbedingt hierher kommen, Tracy?“ brummte er. Der Affe hatte den Laden vorgeschlagen.

„Gibt hier diese Woche Bananen im Angebot“, lautete die prompte Antwort, und der Gorilla lächelte charmant. „Die Gelegenheit musste ich nutzen.“ Was er auch getan hatte, denn eine seiner beiden Tüten war nur mit dem gelben, krummen Obst gefüllt.

„Na, Hauptsache, du hast deinen Spaß, Trace“, Jake seufzte tief. „Kommt, lasst uns das hier zu Ende bringen. Mir fangen allmählich die Knie an zu zittern.“ Er umklammerte die Tüte fester. Verflixt, war die schwer!

Sie gingen weiter. Ihr Weg führte sie an einigen Häuschen vorbei, einer kleinen Bäckerei, einer Boutique, einer Reihe wildwachsender Büsche und ansonsten viel Grün. Hier gab es nicht viel, und hier war auch nicht viel los. Genau genommen waren sie die einzigen, die zu dieser Zeit in dieser Ecke unterwegs waren, zumal es auch schon Abend war und die Läden bereits geschlossen hatten. Sie waren kurzerhand mit GB geflogen, als sie bei der Anfahrt gemerkt hatten, dass der Parkplatz des kleinen Supermarkts voll war, und hatten sich dafür entschieden, im Grünen zu landen, in einer Ecke, wo nur wenige Häuser waren. So konnte sich der Wagen, während er auf die Ghostbuster wartete, ein bisschen entspannen.

Eddie konzentrierte sich darauf, das kostbare Gut, das er trug, nicht doch noch fallen zu lassen und schwor sich, zuhause im Ghost Command erst einmal Schokolade zu essen, um sich für seinen Einsatz zu belohnen. Ein Kakao wäre auch nicht schlecht. Und Kuchen hatten sie dank ihres Einkaufs nun auch wieder ... ja, das klang nach einem Plan.

Seine Füße schlurften über den Gehweg, während er gedankenverloren seinen Blick schweifen ließ. „Da liegt 'ne Note rum“, merkte er an. „Und da noch eine.“

„Wie, eine Note? Was für eine Note?“ fragte Jake verständnislos.

„Na, eine Musiknote“, erklärte Eddie. „Da ist 'ne ganze Spur auf dem Weg.“ Er blieb abrupt stehen, als ihm klar wurde, was er da sah.

Tracy und Jake hielten ebenfalls an, und nun sahen sie es auch. Auf dem Gehweg zog sich eine Spur von Musiknoten entlang, Viertelnoten, Achtelnoten, Notenschlüssel, in unregelmäßigem Abstand, wie achtlos hingeworfen. Dadurch, dass sie schwarz waren, bildeten sie einen deutlichen Kontrast zum helleren Untergrund.

„Was ist das denn?“ Schwungvoll setzte Jake seine Einkaufstüte ab, und seine Freunde taten es ihm gleich. „Sieht aus, als hätte die jemand ohne es zu merken fallengelassen.“ Er besah sich das Kuriosum einen Moment, dann blickte er den Weg vor ihnen entlang. Weiter hinten war GB bereits zu erkennen. „Sagt mal, waren die Noten schon da, als wir vorhin hier lang zum Supermarkt gegangen sind?“ fragte er.

Seine Freunde wechselten einen Blick und überlegten. „Nein“, erwiderten dann beide übereinstimmend. „Sonst wäre uns das ja aufgefallen“, fügte Eddie schulterzuckend hinzu. „Wer kommt denn auf die Idee, Musiknoten irgendwo zu verteilen?“

„Keine Ahnung“, brummte Tracy. Dem Gesicht des Gorillas merkte man jedoch an, dass ihn das Ganze interessierte. Er ging in die Hocke und berührte eine der Noten. „Sind nicht aus Papier oder Pappe ausgeschnitten“, berichtete er. „Fühlen sich stabil und ganz glatt an.“

Als seien echte Noten aus einem Notenblatt herausgefallen ...

„Wollen wir der Spur folgen?“ fragte Jake, nun offenkundig auch interessiert. „So was sieht man ja nicht alle Tage.“ Er folgte der seltsamen Spur mit den Augen. „Dahinten biegt sie um eine Ecke.“

„Okay. Aber wir sollten unsere Einkäufe erstmal zu GB bringen, denn die schleppe ich nicht noch länger mit als nötig. Außerdem werden meine Arme immer länger“, mit diesen Worten setzte sich Eddie wieder in Bewegung, und seine Freunde folgten ihm.


Nachdem die Geisterjäger ihre Tüten in ihrem Ghostbuggy verstaut hatten, erklärten sie GB kurz, was sie entdeckt hatten und dass er noch einen Moment warten musste, und gingen dann zurück zu der sonderbaren Spur. Sie war noch da.

„Vielleicht ist das ein Werbegag“, Jake fuhr sich durch seinen blonden Haarschopf. Insgeheim hoffte der junge Mann jedoch, dass ein bisschen mehr dahintersteckte als nur das. Mindestens war da jemand ziemlich kreativ gewesen. „Kommt, lasst uns der Sache auf den Grund gehen.“

Die beiden jungen Leute und der Gorilla gingen neben der Notenspur entlang, die nach etwa fünfzig Metern rechts um eine Ecke führte. Genau genommen ging dort ein Weg ab.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einer Spur von Musiknoten folge“, Eddie lächelte versonnen. „Das muss ich später unbedingt Dad erzählen.“

Der Weg, auf dem sie nun waren, führte noch eine Weile geradeaus, wurde dann zu einem Kiesweg und verlief sich schließlich in einer großen Wiese. Eigentlich war es hier richtig idyllisch. Die Ghostbuster gingen noch an ein paar Läden entlang, die sich hier befanden, jedoch alle um diese Uhrzeit schon geschlossen hatten, und sahen schließlich, dass die Spur eine weitere Rechtskurve beschrieb. Zwischen zwei kleinen Läden, einer Schneiderei und einem Geschäft für Musikinstrumente, gab es dort einen Durchgang.

„Jetzt wird’s spannend“, obwohl er sich nicht auf einem Auftrag befand, klopfte Jakes Herz nun doch etwas stärker.

Der kleine Weg mündete in einen adretten Hinterhof, und da endete die Spur. Kaum dort angekommen, blieben die drei Geisterjäger wie angewurzelt stehen. Sie waren nicht allein hier, es war noch jemand da! Und dieser Jemand hockte auf dem Boden, an der Rückseite des kleinen Musikinstrumenteladens, der auch auf der Rückseite ein Schaufenster besaß, und hatte ihnen den Rücken zugewandt. Jedoch war die Gestalt unverkennbar.

Jake spürte, wie er erstarrte. „Floatzart!“

Eddie erstarrte und erbleichte gleichzeitig. Der Spaß war vorbei. Dass sie hier einem Geist begegnen würden, noch dazu aus dem Gefolge ihres Erzfeindes Prime Evil, damit hatte niemand gerechnet. Und was noch schlimmer war: Sie hatten ihre Waffen nicht dabei! Ihre Ersatz-Ghostpacks befanden sich in GBs Kofferraum und nützten ihnen hier herzlich wenig. Lediglich Tracy, der immer seinen Rucksack dabei hatte, konnte jetzt ihr Joker sein, denn bestimmt bewahrte er darin zumindest einen Mini-Dematerialisator auf.

Als er Jakes Ausruf hörte, fuhr der kleine lilahäutige Geist mit den orangeroten Haaren und dem blauen Frack aus seiner Bewegungslosigkeit auf, wirbelte herum und erstarrte nun seinerseits beim Anblick seiner Feinde. Sein ebenfalls orangefarbener Schnauzbart zitterte. „Ihr!“ rief er aus und schwebte ein Stück in die Luft empor.

Tracy fackelte nicht lange, griff hinter sich und beförderte den Mini-Dematerialisator zutage, den er sofort auf den Kapellmeister der Angst richtete. „Keine Bewegung! Mach keine Dummheiten!“

„Ja, genau“, fügte Eddie hinzu. „Sonst pustet Tracy dich weg!“

„Gemach, gemach“, Floatzart machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Ich tue euch nichts.“

„Das wäre ja auch noch schöner“, Tracy nahm sein Ziel genau ins Visier. „Was tust du hier?“

„Gar nichts. Ich will nur meine Ruhe haben“, erwiderte Floatzart mit seinem charakteristischen Wiener Akzent. Es hatte nicht den Anschein, dass er zum Angriff übergehen wollte.

„Hast du die Noten hier überall verteilt?“ forschte Jake.

Der kleine Geist sah sich um. „Oh, ich hatte gar nicht bemerkt, dass das passiert ist.“ Er konzentrierte sich kurz, und die Noten verschwanden. „Das passiert mir manchmal, wenn ich deprimiert bin und nicht aufpasse. Und heute bleibt mir offenbar auch nichts erspart. Was für ein schlimmer Tag.“ Er seufzte und wirkte mit einem Mal ganz niedergeschlagen. So hatten die Ghostbuster ihn noch nie erlebt. Ob das ein Trick war?

Die beiden Jungs und der Affe wechselten einen Blick. Floatzart schien wegen irgendetwas betrübt zu sein, sein ganzes Verhalten war völlig anders als sonst. Er wirkte traurig, kraftlos und passiv. Selbst die kaum sichtbare Aura, die ihn umgab, schimmerte schwächer als sonst. Und warum hatte er sich ausgerechnet hier, bei einem Laden für Musikinstrumente, hingesetzt, um allein zu sein?

Tracy ließ die Waffe sinken, als er merkte, dass ihr Gegner keine Anstalten machte, anzugreifen. „Was ist los?“ fragte er geradeheraus.

„Ich will einfach nur allein sein“, unschlüssig schwebte Floatzart in der Luft. „Ich mag diesen Laden. Ich bin öfter hier. Hier fühle ich mich wohl. Gerade heute.“

Mit dieser Erklärung hätten die Geisterjäger sich zufrieden geben und wieder gehen können, doch aus irgendeinem Grund waren sie in diesem Moment alle drei neugierig zu erfahren, was mit Floatzart los war. Jake formulierte eine entsprechende Frage und schob gleich noch die Vermutung hinterher, ob es in Hauntquarters, Prime Evils Palast, heute nicht gut gelaufen sei. Er kannte den Herrn des Bösen sehr gut und wusste, wie dieser mit den ihm untergebenen Geistern bisweilen umsprang.

Floatzart schwieg und überlegte. Das letzte, was er heute wollte, war Stress mit den Ghostbustern. Er hoffte, dass, wenn er ihnen nichts tat, sie ihm auch nichts tun würden. Sollte er Jakes Frage beantworten? Vielleicht tat es gut, über das, was ihm heute passiert war, zu reden.

„Prime Evil ist ein musikalischer Banause“, begann der Kapellmeister der Angst. „Noch nie hat er mein musikalisches Können erkannt, geschweige denn anerkannt! Er braucht meine Dienste nur, wenn es darum geht, einen seiner bösen Pläne auszuführen. Dann muss ich ihm mit meinen magischen Instrumenten und den Geistern, die ich damit beschwören kann, behilflich sein. Für Musik interessiert er sich nicht. Das geht so weit, dass ich häufig Musizierverbot in Hauntquarters habe. Eigentlich darf ich nur in meinem Zimmer musizieren, und dann auch nur so, dass es Prime Evil nicht stört.“

„Ja, das klingt nach ihm“, flüsterte Eddie und stupste Jake in die Rippen.

„Dann hatte ich die Idee, eine Hymne für Prime Evil zu schreiben, und als ich ihm mein Werk präsentiert habe, hat er mir rundheraus gesagt, wie schrecklich und ohrenbeleidigend er es findet, und mich aus dem Bonetroller-Saal geworfen.“ Floatzart verschränkte die Arme vor der Brust und schwieg ergrimmt. „Ich war tief getroffen. Ich musste einfach raus und hierher kommen. Warum habe ich mich diesem Geist nur angeschlossen? Nie werde ich gewertschätzt, und dann wird mein musikalisches Schaffen auch noch niedergemacht.“ Sein Zorn wich auf einmal Traurigkeit, und er senkte den Blick und ließ die Schultern hängen. „Es ist lange her, dass ich tosenden, ehrlichen Applaus von meinem Publikum bekommen habe, damals, als ich mit meinem Orchester auf der Bühne gestanden habe und bei stehenden Ovationen Gänsehaut am ganzen Körper hatte.“

„Als du noch lebtest?“ wollte Eddie wissen. Als Floatzart nickte, fragte er: „Da warst du Dirigent?“

„Dirigent und Musiker. Mit Leib und Seele. Ich war gut darin. Ich war berühmt. Musik war mein Leben ... ist mein Leben.“ Floatzart schwieg und seufzte tief.

Die Geisterjäger sahen sich an, und sie wussten, dass sie denselben Gedanken hatten.

„Willst du uns das Stück vielleicht mal vorspielen?“ fragte Jake, der, ebenso wie seine Freunde, spürte, dass sich ihnen ihr Gegner auf eine völlig ungewohnte Weise zeigte und ihnen einen winzigen Einblick in seine Seele gewährte. „Wir hören gerne zu.“

Floatzarts Miene erhellte sich wieder. Was hatte er schon zu verlieren? Mit einem Schwenk seines Taktstocks, den er wie durch Zauberei plötzlich in der Hand hielt, ließ er seine Instrumente um sich herum erscheinen. Sie schwebten in der Luft, geführt wie von unsichtbaren Musikern, und auf sein Zeichen hin begannen sie zu spielen. Musik erklang und erfüllte den kleinen Hinterhof. Erst majestätisch, dann getragen, dann fröhlich und wunderschön, zog sie Jake, Eddie und Tracy in ihren Bann.

Als sie endete, applaudierten die Ghostbuster begeistert. Floatzart hatte wirklich Talent, und hier hatten sie es zum ersten Mal erlebt. Sein Musikstück war großartig, das Werk eines Künstlers, und ein solcher war er nicht nur im Leben gewesen, sondern auch jetzt noch, als Geist.

Floatzart verneigte sich. „Danke, vielen Dank.“

„Das war fantastisch, ehrlich“, Jake lächelte. „Prime Evil ist ein Idiot, wenn er das nicht erkennt. Aber auf seine Meinung würde ich sowieso nichts geben.“

„Genau. Wenn er das nächste Mal meckert, komm zu uns“, die Worte waren aus Eddies Mund, bevor er überhaupt ihre Bedeutung erkannte. „Na ja, ich meinte ... ich weiß, dass wir eigentlich Feinde sind“, druckste er. „Eigentlich.“

„Musik verbindet“, sagte Tracy schlicht. Den Mini-Dematerialisator hatte er längst wieder im Ghostpack verschwinden lassen. „Hast großes Talent. Solltest mehr daraus machen. Dich von Prime Evil lösen. Bist mehr wert, als sein Handlanger zu sein.“

„Danke“, entfuhr es nun Floatzart. Mit einem Wink seines Dirigentenstabes ließ er die Instrumente wieder verschwinden. „Vielleicht habt ihr Recht.“ Er glitt zu Boden, nahm dort erneut Platz und richtete den Blick auf die Auslagen des Musikinstrumenteladens. „Manchmal wünsche ich mir die gute alte Zeit zurück“, sagte er leise.

Das war der Punkt, an dem die Ghostbuster nicht wussten, ob sie Floatzart noch mehr fragen konnten und ob er ihnen ihre Fragen überhaupt beantworten würde. Er hatte ihnen schon mehr erzählt, als sie bislang über ihn gewusst hatten. Da sie die Situation nicht überstrapazieren wollten, fragte Jake, nachdem das Schweigen einige Minuten lang angedauert hatte, behutsam: „Möchtest du, dass wir gehen?“

Floatzart nickte. „Bitte. Ich möchte einfach noch ein bisschen allein sein.“ Zum ersten Mal erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht. „Ich habe mich gefreut, dass ihr meiner Musik gelauscht habt und ich euch damit begeistern konnte. Das werde ich euch nicht vergessen.“ Und dann sagte er nichts mehr, sondern wandte den beiden Menschen und dem Gorilla wieder den Rücken zu.

Jake winkte seinen beiden Freunden, dass sie ihm folgen sollten, und gemeinsam verließen sie den Hinterhof wieder.


„Meinst du, wir haben Floatzart die ganze Zeit über falsch eingeschätzt?“ fragte Eddie, als sie auf den Ghostbuggy zusteuerten.

„Ich glaube, wir haben ihn bislang nicht wirklich gekannt“, entgegnete Jake. „Und ich glaube, dass er gar nicht böse ist, sondern nur unter der Fuchtel von Prime Evil steht. Er ist kein schlechter Kerl, er ist nur an die falschen Freunde geraten.“

„Müsste sich von Prime Evil lösen“, bei GB angekommen, öffnete Tracy die Fahrertür. „Keine Ahnung, ob er das schaffen könnte. Besser wäre es für ihn.“

Eddie stieg in das rote Auto und ließ sich auf den Rücksitz plumpsen. „Das Schlimme ist nur, wenn wir Floatzart das nächste Mal begegnen, wird es wieder in irgendeinem Kampf sein. Dann will er uns wieder fertigmachen.“

„Abwarten“, erwiderte Tracy nur und nahm auf dem Fahrersitz Platz, während Jake sich, wie gewohnt, auf den Beifahrersitz setzte. „Lassen wir uns überraschen. GB, Flugmodus“, wies er den Oldtimer an, und dieser folgte der Bitte des Gorillas.

Auf dem Heimweg grübelte jeder von ihnen über das Erlebnis nach. Eddie beschloss,  zu Hause eine Extraportion Schokolade zu essen, ungeachtet seines Gewichts, und seinem Dad die Geschichte auf jeden Fall zu erzählen.

Auch Floatzart, der noch immer in dem Hinterhof hockte, hing seinen Gedanken nach. Ein Gefühl, das er lange nicht erlebt hatte, wärmte ihn. Das Gefühl, anerkannt und gewertschätzt zu werden, das Gefühl, willkommen zu sein. Die Erkenntnis, die er aus dieser unerwarteten Begegnung mitnahm, war, dass er seine Feinde falsch eingeschätzt hatte. Und dass er bei Prime Evil vielleicht wirklich an der falschen Stelle war.

Ein Lächeln zog über das Gesicht des kleinen Geistes.
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