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Der Kraken und der Haken

KurzgeschichteAllgemein / P12
28.08.2020
13.09.2020
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Gefangen in vollkommener Dunkelheit fanden sich einige leichter zu recht als andere. Um sich zu orientieren musste er für gewöhnlich nur seinen Blick nach oben richten. Gab es jetzt aber nichts zu sehen außer der Nacht. Der Himmel wolkenverhangen war schwarz. Was für ein Pech.

Dabei schien es im Moment nicht so wichtig zu wissen WO er war. Captain Jones hatte ganz andere Probleme. An Deck der Jolly Roger versuchte der Pirat angestrengt die Balance zu halten. Das Meer tobte aufgebracht wie selten. Das Schiff war seiner rohen Gewalt gnadenlos ausgeliefert. Wie aus dem Nichts hatte sich der Sternenhimmel verfinstert. Ebenso rasch riss die Wolkendecke stellenweise wieder auf. Das Schimmern des Mondes gab den Blick auf das unwirkliche Szenario frei. Wellen klatschten warnend gegen den Rumpf. Der Regen peitschte aus allen Richtungen hart gegen die Segel. Die lauten Rufe seiner Crew, ein heilloses Durcheinander unterbrochen vom tiefen Donnergrollen über ihren Köpfen. Wilde Blitze zuckten durch die Wolken und von ihnen hinab. Hook hatte schon etliche Stürme erlebt, dieser hier war anders.

Wie war er hierher gelangt? Wohin war er unterwegs? Und warum stellte er sich all diese Fragen? Noch bevor der Captain eine Antwort darauf fand, prallte etwas gegen seine Brust. Er hatte es nicht kommen sehen. Durch die Wucht von Beinen gerissen, wurde der Pirat gegen den Mast geschleudert und dadurch sämtliche Luft aus seinen Lungen gepresst. Sterne tanzten bedrohlich vor seinen Augen. Eine aufkommende Ohnmacht zerrte ihn in die Dunkelheit, doch Killian kämpfte sie in seinem Inneren nieder. Konzentration, schallt er sich. Von wo kam der Angriff? Hatten die Crew und er ein feindliches Schiff übersehen? Hook presste die Finger seiner rechten Hand zur Faust. Niemand überfiel einfach so seine Jolly Roger.  Niemand.

Es dauerte einen Moment bis er sich gesammelt hatte und durch den dichten Regenschauer etwas erkannte. Es war etwas Großes, Unheilvolles und es war schon sehr nah. In seinem Kopf ratterte es. Hook ging sämtliche Schiffe, die er dieses Ausmaßes kannte, durch.

Killians Nackenhaare stellten sich auf und ein Schauer jagte über seinen Körper als er sah - nicht wer, sondern - was ihn angegriffen hatte. Es war ein Monster aus seiner Vergangenheit, dessen massiger Tentakel suchend nach dem Piraten über das Deck schlängelte. Der Kraken hatte ihn gefunden.

„HOOOOOOOOOK!“, dröhnte seine tiefe Stimme bedrohlich über das schaukelnde Schiff. Weitere Tentakel schoben sich unaufhaltsam über die Reling. Holz splitterte überall wo der Kraken seine unbändige Kraft demonstrierte. Mit der Erinnerung an seinen ersten Kampf gegen das Monster erhob Hook sich leicht lächelnd und zog seinen Entersäbel.

„Bist du gekommen um mich zu töten, Kraken? Du bist schon einmal gescheitert. Was lässt dich glauben, du würdest es diesmal schaffen?“ Mit einem gezielten Hieb konterte Killian den nächsten Schlag des Monsters.

„Wehr dich nicht“ - „Sonst was?!“, spie Hook dem Kraken mit erhobener Augenbraue entgegen.
„Sonst zerquetsche ich alles an dem dir etwas liegt“

Holzplanken krachten an Bug und Heck. Der Kraken schlug um sich, der Mast zerbarst hinter Hook, ein anderer der acht Tentakel schoss kreischend in die Höhe. Nein. Sämtliche Körperspannung wich aus dem Piraten, nur im Nachfassen behielt er seinen Entersäbel sonst wäre die Waffe aus seiner Hand außer Reichweite über das Deck gerutscht. Jegliche Siegessicherheit schien Killian mit einem Schlag verlassen zu haben. Das konnte nicht wahr sein.

Emma Swan klemmte eingerollt zwischen dem massigen glitschigen Muskel und ihr Schrei ging Hook durch Mark und Bein. Was machte sie hier?

„Eeemmmmaaaa!“, schrie Hook.

Mit einem Wimpernschlag umgab ihn Dunkelheit. Der Lärm, das Meer, das Unwetter, sein Schiff, das Monster. Es war alles weg. Stille. Ein leises Atemgeräusch erhob sich daraus. Sein Verstand kam langsam in der Realität an. Da war das weiche Kissen unter seinem Kopf, ihr Geruch, der jeden Zentimeter davon bedeckte. Der Pirat atmete auf. Er war in Storybrooke, in Emmas Bett und seine Liebste nicht in Gefahr. Seine blonde Freundin rekelte sich verschlafen, Killian musste sie aus Versehen geweckt haben. Ihre Hand tastete sich suchend seinen Arm entlang.
„Killian? Alles in Ordnung?“, gähnte Emma schläfrig.

Hook nahm schnell ihre Hand in seine bevor sie seine Brust erreichte und küsste ihre Handinnenfläche. Er wollte nicht dass Emma fühlte, wie schnell sein Herz schlug, dass es etwas gab vor dem sich der Pirat mehr als alles andere fürchtete. Emmas Tod. Für Killian Jones gab es keine schlimmere Vorstellung als die Frau, die er liebte zu verlieren. Emma seufzte leise unter der Berührung seiner Lippen.
"Schlaf weiter, Liebste", flüsterte Killian leicht atemlos und hielt ihre Hand bis er sich beruhigt hatte. Erholsamen Schlaf fand er keinen mehr und so starrte er an die dunkle Zimmerdecke und lauschte Emmas gleichmäßigem Atem bis der Morgen dämmerte.

Killian schlich sich aus Emmas Bett, der Wohnung und durch die Stadt bis zum Hafen. Das Meer plätscherte ruhig vor sich hin ohne das kleinste Anzeichen, das sich dieser Zustand in den nächsten Stunden ändern würde. Tief sog Killian die kalte salzige Seeluft in seine Lungen und ließ seine Anspannung heraus. Das Meer hatte schon immer eine ganz besondere Wirkung auf ihn gehabt.

Lächelnd blickte er zum Anleger herüber. Die Jolly Roger wartete dort geduldig mit eingerollten Segeln auf ihren Captain. In letzter Zeit war er nicht oft hier gewesen, die meiste Zeit hatte er mit Emma verbracht. So zog es ihn an diesem Morgen, dessen aufgehende Sonne einen herrlichen Tag versprach, auf den Steg zu seinem Schiff. Was für eine Schönheit sie doch war.

„Was sehen meine müden Augen? Ein Trugbild?“, brüllte Smee enthusiastisch Killian entgegen als der Captain an Bord kam. Das Meer vor Augen, Holz unter den Füssen. Was hatte er es vermisst.
„Deine Augen täuschen dich nicht, mein Freund“, grinste Hook seinen ersten Maat an.

Stolz berichtete Smee vom exzellenten Zustand der Jolly Roger. Killian folgte Smee über das Deck und hörte nur bedingt zu, seine Gedanken kreisten um seinen Traum, den Angriff durch das Monster. Als er das Steuerrad anfasste und seine Finger sich geschmeidig um vertrautes Holz legten, spürte er, es war mehr als das. Dieser Traum war eine Warnung. Der Sturm würde kommen und der Kraken ihn finden.

„Jederzeit bereit Segel zu setzen, Captain“, beendete Smee energiegeladen seinen Vortrag.
„Das hoffe ich, Smee. Ich werde dich bald beim Wort nehmen“, Hook legte seinen Zeigefinger an seine Lippen und zwinkerte Smee zu, der erfreut seine Augenbrauen hob. „Ein neues Abenteuer?“, flüsterte Smee. „Aye“, hauchte ihm Killian geheimnisvoll entgegen. Der Pirat konnte es spüren. Es lag irgendwo weit hinter dem Horizont und kam mit jedem Augenblick näher.
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