I love u more than drugs {teenlock; deutsch/german}

GeschichteKrimi, Romanze / P12
Dr. John Watson James "Jim" Moriarty Mycroft Holmes Philipp Anderson Sherlock Holmes
27.08.2020
13.09.2020
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27.08.2020 2.274
 
Ich betrat die Eingangshalle. Es waren noch nicht viele da und ich entschied mich, mich in eine hinterere Ecke, wo wenig los war, auf meinen Koffer zu setzen. Ich holte mein Krimibuch heraus und begann zu lesen. Im Moment war es sogar sehr spannend und ich konnte mich selbst schwer davon abhalten, weiterzulesen. Ein Betreuer kam auf mich zu. „Hey. Wie heißt du?" Ich blickte nur leicht von meinem Buch hoch und nuschelte etwas sogar für mich unverständliches. „Entschuldigung, wie bitte?" Er lehnte sich etwas nach vorne um auf meiner Augenhöhe zu sein und ich setzte mich gerade hin, klappte mein Buch mit Lesezeichen zusammen und legte es auf meinen Schoß. Ich schwieg kurz und antwortete dann: „Sherlock Holmes." Der Betreuer stellte sich wieder gerade hin. „Also Sherlock, was hälst du davon, du gehst mal zu den anderen und redest mit denen." „Nichts", antwortete ich schnell. Er sah verwirrt aus, also wiederholte ich es nochmal. „Ich halte nichts davon. Ich bin unfreiwillig hier." Mit diesen Worten klappte ich mein Buch erneut auf und vergrub mein Gesicht darin. Der Betreuer wirkte nicht erfreut über mein Verhalten, aber ich würde mich nicht für ihn ändern.

Ein erneuter Schwung von mehrern Jugendlichen betrat den Raum. Es waren deutlich mehr als mein Schwung. Ich blickte von meinem Buch hoch und betrachtete einen Jungen, der sich ebenfalls von der Menge mitreißen lies. Er lief ohne Gruppe, aber setzte sich zu anderen hin, als sie sich in einen Kreis setzten. Er hatte etwas Bekanntes an sich. Als würde ich ihn schon länger kennen. Der Betreuer, der vorhin noch mit mir gesprochen hatte, setzte sich zu ihnen und sprach mit ihnen. Der Junge wirkte nicht in die Gruppe integriert. Nein, im Gegenteil, die anderen schienen ihn nicht zu beachten. Idiot. Er hätte sich allein wohin setzen sollen und irgendjemand, der auch allein ist, hätte sich zu ihm gesetzt und sie wären Freunde geworden. Nein, er setzt sich zu einer Gruppe und sieht so aus, als würde er dazugehören. Ich starrte ihn an, bis er ebenfalls zu mir schaute und ich mein Blick wieder die Zeilen des Buches traf. Aber ich spürte, was er durch seinen Blick dachte. Ein Junge, der seine Locken nicht bändigen kann und abgeschottet vom Rest der Menschheit lebt. Ich brauchte keinen Freund. Keinen besten Freund. Ich wusste was mit dem anderen passiert ist und ich würde es nicht nochmal so weit kommen lassen.

„So Kinder. Setzt euch alle hin", rief eine Betreuerin. „Wir stellen uns jetzt erstmal alle vor. Soll ich anfangen? Ähm, also mein Name ist Mary." Die Mann neben ihr machte weiter. „Ich heiße Ajay" „Ich bin Gabriel." Alle lachten, aber ich verstand nicht, was daran so witzig sein sollte. „Und ich bin Alex" „Wir freuen uns, dass ihr alle gekommen seid", machte Mary weiter, „Und wir erklären euch zuerst den Plan für heute. Also, wir werden jetzt erstmal unten zusammen etwas essen, dann kommen wir alle wieder hier hoch und machen die Zimmeraufteilung. Dann dürft ihr in eure Zimmer gehen, eure Betten beziehen und euch einleben. Was dann passiert erklären wir danach." Bevor wir runter gingen wurden noch Sicherheitsvorkehrungen besprochen und wie wir uns an der Essensvergabe verhalten sollten. Sofort stürmten alle nach unten um sich einen Platz mit ihren besten Freunden zu sichern, aber das war mir ehrlich gesagt relativ egal. Kennenlernen würde ich sowieso alle, also machte das für mich keinen großen Unterschied. Ich nahm mir etwas zu essen, es gab Möhren mit Erbsen, Kartoffelbrei und Bratwurst. Es war ein deutsches Gericht meiner Meinung nach. Als ich mit meinem Tablett einen Platz suchte, war fast keiner mehr frei. Schlussendlich saß ich dann an einer Tafel mit Gabriel, dem Betreuer, und der Gruppe mit dem einsamen Jungen. Ich erkannte auch, dass es Gabriel war, der mich vorhin angesprochen hatte. Alle unterhielten sich, nur ich blieb still. Und obwohl ich leise und unauffällig war, bekam ich die meiste Aufmerksamkeit. Höchstwahrscheinlich wegen meinen Haaren, die Locken, die zu allen Seiten abstanden, oder doch weil vielleicht schon ein paar Gerüchte herum gingen.

„Hey! Wie heißt du?", fragte ein Junge und ich schrak leicht aus meinem Gedächtnispalast auf. „Wie bitte?", fragte ich ihn. „Wie du heißt?" „Sherlock Holmes." Alle schauten, als wäre es der komischste Name der Welt, aber ich war der Meinung, dass es schlimmere Namen gab. Ich wollte gerade wieder meinem Gedächtnispalast betreten, bis der Junge sagte: „Ich bin Greg Lestrade. Und das sind Philip Anderson, Sally Donovan, Molly Hooper, James Sholto und Mycroft... Holmes." Ich blickte auf. Das durfte nicht wahr sein! Ich hatte ihn vorher nicht gesehen, aber er war tatsächlich hier. „Mycroft?! Was tust du hier?", rief ich empört über den Tisch. „Ich möchte einfach nur zwei Wochen mit anderen Leuten verbringen, Bruderherz", grinste er. Wir wussten beide genau, dass das nicht stimmte. Wir hassten Menschen und er sogar noch mehr als ich. Ich bemerkte, wie Greg auf alle gezeigt hatte, nur nicht auf den ruhigen Jungen mit den haselnussbrauenen Haaren, der schon früher meine Aufmerksamkeit auf sich zog. „Und wie heißt du?" fragte ich ihn. Er schien ganz überrascht, dass ihn jemand angesprochen hatte und antwortete hastig: „John. Ich bin John Watson." John also. Interessant. Höchst interessant. Ich spürte, wie in mir etwas klick machte, konnte aber beim besten Willen nicht erklären, was. Ich kannte John. Ich kannte ihn. Ich wusste nur nicht, woher.

Er sah mir lange in die Augen. Es war ein recht merkwürdig, aber ich hatte das Gefühl, dass sich zwischen uns eine Art Spannung aufbaut. Als ich ihn zurück ansah merkte er kurze Zeit später, wie komisch das gerade war und blickte auf seinen Teller. „Wie alt bist du?", fragte Greg und ich antwortete: „16." Die anderen waren etwa in meinem Alter. John war 17. Ich wusste nicht, was es war, aber er hatte etwas an sich, was ich nicht beschreiben konnte. Ihm ging es ähnlich, denke ich. Er schaute mich die ganze Zeit mit diesem vielsagendem Blick an. Als spürte er dasselbe wie ich. Als würden wir uns kennen.

Nach dem Essen begaben wir uns wieder oben in die Eingangshalle, die sich später als Gemeinschaftsraum entpuppte. „So. Wir haben jetzt 14.00 Uhr. Ihr habt dann bis 17.00 Uhr Zeit euch richtig kennen zu lernen und dann machen wir mit der ganzen Gruppe auch noch Kennenlernspiele." Das klang sehr langeweilig und ich begann mich zu fragen, warum ich eigentlich eingewilligt habe, mitzukommen. Geldverschwendung hoch 10 und dann noch Kennenlernspiele! Als ob ich in diesem Sommer nichts besseres zu tun hätte. „Es gibt Zweier-, Vierer- und Sechserzimmer." Na toll. Ich sah schon, wie ich mit verrückten Zehnjährigen mir ein Zimmer teilen musste. Und das verdammte zwei Wochen lang. Zwei Wochen! Es wurden Namen aufgerufen und Jugendliche und Kinder traten nach vorne. Dann wurde die Sechsergruppe - ohne John - aufgerufen und in ihr Zimmer gebracht. Und dann fiel mein Name. Als letztes, natürlich. Jetzt saßen nur noch Mädchen bei uns. „Sherlock Holmes und... wer bleibt da noch übrig... John Watson!" Ich stand unter Mädchengelächter auf. Wer bleibt da noch übrig. Na danke! Als wäre ich ein Junge ohne Integration. Ja gut, vielleicht war ich das. Aber schämen tat ich mich trotzdem ein bisschen. Der erste Eindruck ist immer am wichtigsten und den habe ich wohl offenkundig verkackt.

Ich und John schauten uns in die Augen. Er wirkte, als wäre es sein größter und schlimmster Albtraum mit mir sich ein Zimmer teilen zu müssen, aber er wurde rot, als er mich ansah. Wir gingen schweigend aus dem Raum heraus und den Gang entlang. Wir stiegen Treppen hoch und liefen Gänge entlang. Auf den Fluren begegneten wir keiner Menschen Seele und irgendwann fragte John: „Wie war noch gleich die Zimmernummer?" Ich schaute ihn nicht an, aber ich spürte, dass er es tat. Da ich vorher in meinem Gedächtnispalast schon erwas gelöscht hatte, um die Zimmernummer zu speichern, konnte ich sie ihm getrost sagen. „2 2 1." Er schaute weiter hoch zu mir und murmelte etwas unverständliches vor sich hin. Ich öffnete die Tür zu dem Zimmer. Es war relativ groß für ein Zweierzimmer. Wenn man die Tür öffnete, war links ein Badezimmer mit Dusche und einem Ständer für Handtücher. Auf der rechten Seite war ein etwas kleinereres Badezimmer mit Toilette und Waschbecken und einer Ablage für die Sachen aus einem Kulturbeutel. Zwei getrennte Badezimmer kannte ich von Jugendherbergen nicht, gefiel mir aber gut. Geradeaus war ein sehr großes Fenster. Die Betten standen neben dem Fenster, auf jeder Fensterseite eines. Trennen taten sie nur die kleinen Nachttische. Am Fuße jedes Bettes stand ein Regal, wo man auf einer Seite etwas aufhängen und auf der anderen Seite etwas hinlegen konnte. Die Wände waren in einem hellen grün angestrichen, was dem Raum nochmal den letzten Schliff gab.

„Ja, ja das könnte ganz schön werden", sagte John. „Ja das dachte ich auch gerade", meinte ich. Ich ging vor. John blieb an der Tür und schloss sie. „Welches Bett willst du?", fragte ich ihn. „Ist mir egal." „Sag einfach." „Nein, entscheid du." Ich schwieg kurz und die merkwürdige Spannung zwischen uns kam wieder. Ich blickte ihm tief in seine Haselnussbraunen Augen, die perfekt zu seinen Haaren und seinem Hautton passten. Wir schwiegen beide und es fühlte sich an wie eine Schockstarre. „Na gut. Ich... würde dann das Bett nehmen...", sagte ich, aber sehr leise, nur das er mich hören konnte. Es fühlte sich alles geradezu merkwürdig an. John stand da wie angewurzelt und blickte mir in die Augen. Er schien sehr fasziniert von ihnen. Wir wussten beide nicht, was hier vor sich ging, aber wir wollten auch nicht, dass es aufhört. Dann unterbrach er den Augenkontakt und es fühlte sich an, als hätten wir uns gerade 10 Minuten lang nur in die Augen gestarrt, aber es waren höchstens 10 Sekunden. „Ich nehme dann dieses hier...", flüsterte er. Er legte seine Tasche auf das vom Eingang aus rechte Bett und ich legte meine auf das linke. Wir bezogen beide in Stille unser eigenes Bett und auch unseren Schrank räumten wir schweigend ein. Es fühlte sich auf alle Weise komisch an und wir beide konnten uns nicht erklären, was genau da eben eigentlich passiert ist. Nachdem ich im Bad meinen Kulturbeutel ausgepackt und in der Dusche meine zwei dunkelblauen Handtücher hingehongen hatte, legte ich mich aufs Bett. John war gerade noch dabei, seinen Schrank einzuräumen, aber er hatte auch mit Handtüchern und Kulturbeutel angefangen.

Ich schaute ihn von hinten an und spürte den leichten Schauer, der mir über den Rücken fuhr. Ich machte es wieder. Ich betrachtete ihn und sah, wie perfekt er war. Von seinen Haaren, die perfekt gestylt waren, über seinen geraden Rücken zu seinen schlanken Beinen. Ich wusste nicht was ich jetzt sagen sollte, also nahm ich meinen leeren Koffer, der noch immer mitten im Zimmer lag und legte ihn auf den Schrank. Meine Schuhe zog ich aus und legte sie in das unterste Fach des Schranks. Ich würdigte meinem Handy jetzt den ersten Blick. Es war 15.07 Uhr. Wir hatten also noch knapp 2 Stunden Zeit alleine und ich hatte immer mehr das komische Gefühl, mich nicht mehr länger beherrschen zu können. Was war nur los mit mir? Ich packte also mein Krimibuch und versuchte weiterzulesen, aber bekam eigentlich nur wenig von dem Buch mit, denn ich dachte die ganze Zeit nur an John und betrachtete ihn, während er seinen Klamotten faltete und perfekt in den Schrank legte. Wie konnte das sein? Wir haben vielleicht 3 Sätze gemeinsam gesprochen und ich musste mir wohl oder übel jetzt eingestehen, dass ich tatsächlich Gefühle entwickelte! Ich hatte schon öfter darüber nachgedacht, ob ich hetero-, homo-, oder asexuell wäre, war aber eigentlich immer davon überzeugt gewesen, dass ich asexuell bin. Und dann kam John. Vielleicht war das aber auch nur alles eine Phase, was ich tief in mir doch hoffte. Ich konnte nicht schwul sein. Ich... durfte nicht.

John beendete seine Arbeit kurz danach und ich blickte schnell in mein Buch, als er sich zu mir umdrehte. Er durfte nicht wissen, dass ich ihn die ganze Zeit nur angestarrt hatte. Er setzte sich auf sein Bett und musterte mich sehr genau. Ich versuchte mich möglichst gut hinzulegen. „Hast du... eine Freundin?", fragte er. Ich schaute ihn an und legte das Buch aus der Hand, was ich die letzten 10 Minuten gelesen hatte. „Nein. Nicht so... mein Terrain", antwortete ich. Ich sah ihm an wie er etwas deduzierte. „Und einen Freund? Was ok wäre." „Ja natürlich wäre es okay." „Ah. Du bist ungebunden. Genau wie ich." Ich war etwas sprachlos und deutete die offenkundigen Zeichen. John flirtete mit mir. Ich durfte das jetzt also auf keinen Fall versauen, denn wenn ich das tat, würde er sich ganz sicher nicht auf mich einlassen. In keinster Weise. „Ähm... mir schmeichelt dein Flirting wirklich sehr und-" „Nein, nein, ich hab gar nicht- Ich wollte nicht- Ich wollte nur sagen, es ist gut so wie es ist." Ich schaute ihn verwirrt an. Er hat offenkundig mit mit mir geflirtet, also warum machte er jetzt einen Rückzieher? „Ich denke, ich werde jetzt duschen gehen. Wir haben ja noch etwas Zeit und es ist so warm, ich bin sehr verschwitzt...", flüsterte er. Ich sah, wie er versuchte, der Situation zu entfliehen. Ich musste etwas unternehmen, sodass er sah, dass ich dasselbe fühlte. Und ich hatte auch schon einen Plan, aber wenn er nicht auf mich stand, durfte ich mich nie wieder in seiner Nähe blicken lassen.