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Die Geschichte eines Krieges

von Valerija
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Aang Katara Sokka Yue Zuko
26.08.2020
15.10.2021
40
165.565
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10. Die finale Schlacht

Die Wochen bis zum Eintreffen des Kometen vergehen wie im Flug und als der Tag der finalen Schlacht endlich da ist, fühlt sich der Avatar unvorbereitet wie immer.
Seine Bändigungskünste, wenn man mal vom Luftbändigen absieht, lassen zu wünschen übrig und so muss Aang sich auf die Kraft seiner Reinkarnationen verlassen. Die gebündelte Macht aller seiner Leben, die er bereits einmal am Nordpol in sich vereint hat, hat jedenfalls ausgereicht, um den nördlichen Wasserstamm von seinen Aggressoren zu befreien - und wenn der Avatarzustand dazu genutzt werden kann, eine ganze Armee zu besiegen, dann wird Aang es auch mit einem einzigen Feuerlord aufnehmen können!
Das redet der Luftmönch sich zumindest ein, während er die Sonne beim Aufgehen beobachtet.
Vielleicht wird es das letzte Mal sein, dass er sie aufgehen sieht.
Vielleicht kündigt dieser Sonnenaufgang, der den Himmel in glühend orangefarbenes Licht taucht, aber auch den Beginn einer neuen Ära an. Einer friedlichen Ära. Aang ist wild entschlossen, den Krieg zwischen der Feuernation und dem Rest der Welt zu beenden.
Seine einzigen Gefährten in dieser stillen Zeit sind Appa und Momo. Appa hat sich an die Seite seines menschlichen Gefährten gekauert und Momo springt aufgeregt auf Aangs Schulter herum. Beide spüren die Aufregung des Bändigers. Sie wissen, dass heute etwas Entscheidendes passieren wird. Vielleicht aber überträgt sich auch die Hektik, die im Anwesen herrscht, auf die beiden sensiblen Wesen. Alle kleiden sich an, gehen Bändigerfiguren durch, besprechen den heutigen Ablauf, scheinen wie auf glühenden Kohlen zu sitzen. Besonders Katara …
Seit Aang das Wasserstammmädchen hatte loslassen müssen, um sein siebtes Chakra zu öffnen, geht er ihr aus dem Weg. Nicht weil der Schmerz der Trennung ihn quält, sondern weil … er einfach nichts mehr für sie empfindet - und das ist eigenartig.
Aang erinnert sich noch, wie sehr er sich nach ihr verzehrt hat, doch sobald er die Verbindung zu ihr gekappt hat … es ist, als hätte er zusammen mit der Verbindung zu ihr auch die Verbindung zu seinen Gefühlen gekappt. Das macht ihm Angst. Wird er jemals so etwas wie Liebe empfinden können? Die ersten Tage nach ihrer so genannten Trennung hat der Avatar geglaubt, das alles betäubende Gefühl in seinem Inneren sei eine Schutzreaktion seines Körpers. Doch als die Tage vergingen und er nach wie vor nichts fühlte … wurde Aang unruhig. Er ging seinem Alltag nach, übte sich im Bändigen der Elemente (das Wasserbändigen übte er allerdings lieber mit seinem alten Meister Pakku, der vor knapp zwei Wochen im Anwesen angekommen ist, um sie in der finalen Schlacht und bei den Vorbereitungen auf diese zu unterstützen) und beobachtete Katara so oft es ging möglichst unauffällig. Meistens beim Essen, wenn sie so weit weg wie möglich voneinander saßen, aber immer noch in Sichtweite. Aang suchte nach irgendetwas in seinem Herzen - Wut, Schmerz, Bewunderung, Vergebung -, doch da war nichts. Katara hätte jedes andere x-beliebige Mädchen sein können. Aang befragte sogar schließlich Roku dazu, doch Roku meinte nur, dass er jetzt, da er alle sieben Chakren geöffnet hätte, auf einer spirituellen Ebene sei, auf die die wenigsten Menschen jemals gelangen. Natürlich unterscheidet sich da die Gefühlslage des neuen Aangs von der Gefühlslage des Aangs, der er noch vor der Öffnung des letzten Chakras war. Roku versicherte aber, dass Aang noch fähig zu menschlichen Empfindungen, wie der Liebe, sei, nur empfindet er diese Gefühle nun anders als viele andere Menschen.
Weitere Rätsel, weitere Unsicherheiten.
Aang, der heute Morgen am liebsten seine beigefarbene Mönchskutte angelegt hätte, die er auch vor der Ankunft in der Feuernation immer getragen hat, musste sich mit den schlichtesten, bequemsten Kleidern nach Mode der Feuernation begnügen, denn andere Kleidungsstücke gibt es hier nicht. Seine Mönchskluft ist keine Ahnung wo verloren gegangen - und selbst wenn sie hier wäre, wäre sie wohl zu zerrissen, zu mitgenommen von den Kämpfen, die bereits hinter ihnen liegen, und ihrer beschwerlichen Reise. Aang fühlt sich in diesem roten Leinen wie ein Fremder, aber er hat es sich nicht nehmen lassen, seinen Kopf zu rasieren, sodass man den blauen Pfeil auf diesem wieder sehen kann. Das Zeichen der Luftbändiger.
Als die Sonne am Himmel schon fast gänzlich aufgegangen ist, geht Aang wieder zurück ins Haus und überlässt Momo und Appa sich selbst.
Katara und Sokka (die, wie der Avatar und viele andere hier auch, aus Ermangelung von Kleiderauswahl ebenfalls die Feuernationsklamotten tragen, die man ihnen hier bereitgestellt hat) begrüßen gerade ihren Vater. Er und seine Männer stechen mit ihrer blauen Uniform in diesem roten Kleidermeer geradezu heraus. Er und seine Männer tragen robuste blaue Hosen, blaue Hemden und über den Hemden einen hellgrauen Brustpanzer, der in eine schützende Kopfbedeckung übergeht, der dem Haupt eines Wolfes frappierend ähnlich sieht. Auch Yue steht bei ihnen und Aang registriert, wie stolz Sokka auf das Mädchen zeigt, das er seinem Vater wohl gerade als seine zukünftige Frau vorstellt. Yues Wangen werden rosa und Aang muss unwillkürlich lächeln. Diese Szenerie ist so … normal. Man könnte glatt vergessen, was ihnen bevorsteht.
Sokka wird mit Suki, Toph, Iroh, Jeong-Jeong, Piandao, dem ehemaligen König des Erdkönigreichs Bumi, einigen Männern aus dem nördlichen Wasserstamm und seinem Vater und dessen Männern aus dem südlichen Wasserstamm bald schon aufbrechen. Sie werden auch Appa mitnehmen, um den Flugmaschinen des Feuerlords, von denen der Feuerregen herunterregnen soll, Einhalt zu gebieten. Yue, die zusammen mit Yagoda, Ursa und einigen weiteren Frauen die Verwundeten versorgen wird, klammert sich ängstlich an die Hand des Wasserstammkriegers.
„Kann ich Euch irgendetwas bringen?“, erkundigt der Avatar sich bei der alten Heilerin höflich, die gerade ihre Erste-Hilfe-Tasche packt.
Die Heilerinnen werden sich abseits des Schlachtfeldes aufhalten, aber dennoch nahe genug, dass die Verletzten von den gesunden Kämpfern schnell bei ihnen abgeladen werden können.
„Sehr freundlich“, antwortet Yagoda lächelnd, „aber ich bin schon fertig. Ich habe alle Kräuter, die ich werde brauchen können, schon eingepackt.“
Die alte Frau klopft auf den Koffer, den sie sich an seinem langen Riemen über die Schulter gehangen hat. „Ein gewisser junger Mann hat seine Hilfe zuerst angeboten.“
Aang folgt Yagodas Blick und erspäht Charo, der nicht begeistert darüber zu sein scheint, dass er der Einzige ist, der hier im Anwesen ausharren und nicht mitmischen wird. Genau in diesem Augenblick verabschieden sich jene Kämpfer, die den Flugmaschinen trotzen sollen. Über ihrer bequemen Kleidung tragen sie alle Rüstungen. Zumidest am Oberkörper. Sokka, der ebenfalls zu den Aufbrechenden gehört, schnallt sein Schwert um die Hüften (die letzten Wochen hat er Unterricht bei Meister Piandao genommen) und verabschiedet sich von Yue mit einem leidenschaftlichen Kuss. Katara umarmt er ein letztes Mal, ehe er sich zusammen mit Hakoda seinen Kameraden anschließt.
Katara bleibt als einziges Familienmitglied zurück, aber auch sie muss sehr bald schon aufbrechen. Sie wird nur die Männer des verstorbenen Rhinos mitnehmen, die sich im Feuerpalast auskennen. Sie sind keine große Truppe, da im Palast kaum Wachen sein werden - die meisten werden damit beschäftigt sein, das Ende der Welt einzuläuten.
„Ich … wünsche dir viel Erfolg“, springt Aang schließlich über seinen Schatten, um sich von dem Mädchen, das ihm einst so viel bedeutet hat, zu verabschieden. Er würde es bereuen, es nicht getan zu haben, sollte einer von ihnen diese Schlacht hier nicht überleben. „Pass auf dich auf und bring Zuko heil zu uns zurück.“
„Das werde ich“, verspricht die Wasserbändigerin mit tränenerstickter Stimme, als sich die beiden Bändiger zum Abschied ein letztes Mal fest umarmen. „Pass auch du gut auf dich auf, Aang.“

Azula, die erste Feuerlady, die ohne einen Mann an ihrer Seite herrschen wird, macht im Moment einen ziemlich erbärmlichen Eindruck, aber das ist schon in Ordnung. Jeder hat Momente der Schwäche. So lange keiner diese Momente mitbekommt, können diese ruhig ausgelebt werden.
Nur der Schein nach außen hin ist wichtig. Genau das versucht Azula ihrer Mutter, deren Stimme sie immerzu in ihrem Kopf hört, klar zu machen.
„Ich BIN mächtig, ich BIN stark! Das denken alle von mir, so wie alle von dir gedacht haben, dass du eine liebende Mutter bist!“, kreischt Azula, die den Kopf in den Händen vergraben hat.
Morgen schon ist ihre Krönung und jeden Augenblick könnte ihre Zofe eintreten, um sie für den heutigen historisch bedeutenden Tag fertigzumachen. Bis dahin muss sie diese penetrante Stimme ihrer Mutter zum Schweigen gebracht haben!  
„Ich BIN eine liebende Mutter“, widerspricht Ursas sanfte Stimme den Anschuldigungen ihrer Tochter, „deswegen konnte man mir meine Liebe zu meinen Kindern immer ansehen. Du hingegen bist schwach, mein Kind, das hast du selbst zugegeben.“
„Die Einzige, die schwach war, bist du! Du hattest immer Angst vor mir!“ Azula ballt eine Hand zur Faust und schmettert diese so heftig gegen die Ablage ihres Frisiertisches, dass sie für einige Momente jegliches Gefühl in den Fingern verliert. Tränen der Frustration fließen Azula über die Wangen. Mit ihren zerzausten Haaren, dem schmerzverzerrten Gesicht und noch in ihren Morgenmantel gehüllt muss sie einen bemitleidenswerten Anblick abgeben.
Wütend über sich selbst öffnet Azula die Augen, um ihr Äußeres selbst halbwegs in Ordnung zu bringen. Ihre Zofe darf ihr nicht anmerken, dass sie am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht. Der Kamm, nach dem Azula gerade gegriffen hat, fällt ihr jedoch aus der Hand vor Schreck, als sie in den Spiegel sieht - und hinter sich Ursa erblickt.
Die frühere Feuerlady sieht genauso aus, wie Azula sie in Erinnerung hat - ihre hüftlangen schwarzen Haare fließen ihr wie ein schwarzer Strom über den Rücken und ihr hochgewachsener, graziler Körper ist in ein besticktes, teuer aussehendes Gewand gehüllt, dessen aufgestellter Kragen beinahe ihre kirschroten Lippen berührt.
Sie bewegen sich, als Ursa flüstert: „Ich habe dich nie gefürchtet! Mein kleines Mädchen …“
Azulas Anlitz verzerrt sich zu einer Fratze, als sie mit ihrem Kamm den Spiegel, in dem sie Ursa sieht, zertrümmert. Das laute Klirren bringt Ursas Stimme endlich zum Verstummen.
„Lügnerin!“, beschimpft die Prinzessin der Feuernation die Erscheinung.
Sie dreht sich auf ihrem Stuhl um, um sicher zu gehen, dass sie ihre Mutter nicht nur nicht mehr hören kann, sondern hoffentlich auch nicht mehr sehen kann - anstatt Ursa erblickt Azula jedoch ihre Zofe, die unangemeldet hereingeplatzt ist. Als das junge Mädchen Azulas aufgebrachte, regelrecht animalische Miene registriert, wird sie kreidebleich.
„Ich … ich wollte Euch nicht stören, Prinzessin“, stammelt das Mädchen, das am ganzen Leib zittert. Sie dürfte nicht älter als fünfzehn sein und trägt die Bettwäsche, mit der sie Azulas Bett neu beziehen wollte, nun wie einen Schutzschild vor ihrem Körper.
„A-a-aber ich … ich h-habe den Sp-spiegel zerbrechen … h-hören und d-d-dachte …“
„Kein Krach der Welt rechtfertigt, dass du ohne ein Anklopfen das Zimmer betrittst!“ In einer einzigen fließenden Bewegung erhebt die Feuerbändigerin sich und nähert sich ihrer Zofe wie ein Raubtier sich seinem Opfer nähern würde. Tränen der Angst stehen dem Mädchen in den Augen und Azula genießt diesen Anblick. Sie genießt ihre überlegene Position der Zofe gegenüber.
„Da ich bald zur Feuerlady gekrönt werde, muss ich wohl davon ausgehen, dass du ohne Anklopfen eingetreten bist, weil du mich ausspionieren wolltest“, fährt Azula fort.
„Nein, Prinzessin“, wimmert die Zofe. „Bi-bitte!“
Azula ignoriert das Betteln geflissentlich. „Und auf Spionage steht in diesem Land der Tod!“
Die Feuerprinzessin genießt es zu sehr, sich wieder stark zu fühlen, während andere ihr gegenüber Schwäche zeigen. Sie kann aus diesem Grund das Mädchen nicht verschonen, sondern muss sich nach ihrem Schwächeanfall von eben erst einmal selbst beweisen, dass sie kein Schwächling ist. Dass sie es wert ist, zur Feuerlady gekrönt zu werden.
„Wachen!“, ruft Azula unerbittlich die Männer herbei.
Die Zofe fällt nun auf die Knie, klammert sich an Azulas Morgenmantel und fleht schreiend um Gnade, denn sie habe doch nichts Unrechtes tun wollen.
Azula lässt sich davon aber nicht erweichen, sondern halt an ihren haltlosen Anschuldigungen fest und lässt das Mädchen in den Todestrakt bringen. Morgen wird sie zusammen mit Zuko und Ty Lee sterben! Auch mit den beiden Verrätern hat Azula keinerlei Mitleid, denn Mitleid gegenüber den Feinden ist ein Zeichen der Schwäche, der Unfähigkeit. Sie würde auch Mai hinrichten lassen, hätte Ozai diese Verräterin nicht aus irgendeinem Grund begnadigt!
Von Begnadigungen hält die Feuerbändigerin nicht viel, denn sie ist stark genug, das zu tun, was getan werden muss - egal, wie schrecklich es andere finden mögen.

Es ist, als würde er ein Gemälde betrachten. Nur dass dieses Gemälde lebt.
Es stellt seine tapferen Gefährten, seine mutigen Krieger da - und nicht wenige werden heute ihr Leben lassen.
Aang, der sich mithilfe des Luftbändigens von einem Baum zum nächsten hangelt, wobei er teilweise Distanzen von zwanzig Metern zwischen zwei Bäumen mühelos überwindet, ganz so als sei er federleicht, erlaubt sich nur einen kurzen Blick auf das Schlachtfeld, das er hinter sich lassen muss. Sein Schicksal ist es, nicht als einfacher Soldat sein Leben zu geben, sondern den Feuerlord höchstpersönlich unschädlich zu machen.
Für einen kurzen Augenblick erlaubt der Avatar sich, Angst und Verzweiflung zu spüren, ehe er beide Empfindungen weit weg von sich schiebt, denn diese dürfen ihn nicht überwältigen.
Um sich von seinen Gefühlen und Gedanken abzulenken, betrachtet Aang den Wald, der unter ihm  nur als grün-braune Decke zu erkennen ist, denn er ist so schnell unterwegs, dass das Unterholz nicht von der Erde zu unterscheiden ist. Der Wind rauscht lautstark an ihm vorbei und als seine Arme vom Entlanghangeln an den Bäumen schon zu schmerzen beginnen, erkennt er endlich sein Ziel. Ozai befindet sich mehrere Kilometer weit von seinen Männern entfernt. Er steht auf dem Gebiet, das noch zur Feuernation gehört - und somit vom Feuerregen verschont bleibt.
Aang ballt vor Wut die Hände zu Fäusten.
Dieser Mann, der sich Feuerlord schimpft, will nicht nur die Welt auslöschen, womit er beweist, dass er das personifizierte Böse ist. Nein, er ist auch noch furchtbar arrogant. Er steht auf einem hohen Berg, von dem er das Chaos, das er angeordnet hat, wundervoll beobachten könnte, wenn es denn stattfinden sollte. Feuerlord Ozai ist so siegessicher, dass er keine Wachen zum Schutz bei sich hat. Stattdessen schaut er von diesem verfluchten Berg runter, als gehöre ihm schon die ganze Welt! Sobald alles Leben fernab der Feuernation abgebrannt ist, wird er sich um das verdörrte Land kümmern lassen, es wieder gedeihen lassen, so lautet zumindest sein Plan.
Aang ist fest entschlossen, Ozai den Umstand, dass er keine Leibwache bei sich hat, bereuen zu lassen. Nicht dass zwei, drei Männer - oder gar eine Armee - ihn retten könnten vor dem Avatar, wenn dieser sich im Avatarzustand mit all seinen Inkarnationen vereint.
„Sehr gut“, begrüßt Ozai Aang, als dieser so lautlos wie eine Katze hinter Ozai landet, „ich habe dich schon erwartet.“
Das bringt den Luftnomaden nun doch etwas aus dem Konzept. Er ärgert sich über seine eigene Naivität. Als würde Ozai jemals etwas nur tun, um die gute Aussicht zu genießen!
Nicht einmal, wenn der bösartigste Mann der Welt drauf und dran ist, diese auszulöschen, reicht ihm das bloße Zusehen. Nein, Ozai will Teil der Zerstörung, Teil des Untergangs sein, also hat er sich die glorreichste aller Aufgaben ausgesucht: Während die Welt in seinem Rücken brennt, wird der Avatar durch seine Hand sterben.
Ozai wusste genau, dass Aang herausfinden würde, wenn er sich abseits vom Schlachtfeld irgendwo aufhält. Hier kann der Feuerlord dem jungen, seiner Meinung nach, ganz ungestört unter vier Augen den Garaus machen.
„Tatsächlich?“ Aang nimmt die Grundstellung des Bändigens aller vier Elemente ein.
So unterschiedlich Feuer, Wasser, Erde und Luft auch sein mögen. Sie alle verlangen nach Bereitschaft und einem sicheren Stand in der Grundstellung, also achtet Aang darauf, dass seine Beine hüftbreit auseinanderstehen. Seine Arme sind erhoben, während er und der Feuerlord, der exakt dieselbe Grundstellung eingenommen hat, sich gegenseitig umkreisen.
„Wie lange ich mich auf diesen Tag vorbereitet habe“, sinniert Ozai mit erhobenen Mundwinkeln, „und dabei bist du nur ein Kind!“
Ehe Aang einen guten Konter geben kann, setzt Ozai zum Angriff an - und Aang kann dem Inferno, das ihm entgegengeschleudert wird, nur entkommen, indem er sich auf die Knie fallen lässt. Schwer atmend muss er sich eingestehen, dass er nun doch ganz froh drum ist, nur gegen Ozai und nicht gegen Ozai und eine ganze Armee anzutreten. Aang stellt nämlich fest, dass er unterschätzt hat, wie viel Macht der heute eintreffende Komet den Feuerbändigern verleiht.  
Er ist der Erde schon so nah, dass sie seine Energie problemlos nutzen können.
Das Feuerbändigen ist so leicht wie noch nie zuvor - und das bleibt es auch, bis der Komet auf der Erde eingeschlagen und abgekühlt ist. Erst wenn er nichts anderes ist als kühles Gestein, werden die Feuerbändiger kein Profit mehr aus seiner Anwesenheit ziehen können.
Aang mahnt sich zur Konzentration und als Ozai den Arm nach hinten zieht, um seinem Gegner noch mehr einzuheizen, beginnen Aangs Augen zu glühen.

Das Gemetzel lässt jeden einzelnen Kämpfer schnell abstumpfen.
Alle Gefühle, alle Gedanken, alle Ideale, alles, was einen als Menschen ausmacht - das alles rückt in den Hintergrund, denn der Überlebenstrieb lässt nicht viel Raum für mehr als den Wunsch, den morgigen Tag zu erleben.
Sokka rammt sein Schwert einem der Soldaten in die Brust. Dieser bricht mit einem schmerzerfüllten Schrei vor dem Wasserstammkrieger zusammen. Morgen wird dieser sich fragen, ob der Mann, den er eben getötet hat, vielleicht verheiratet war oder Kinder hatte.
Morgen wird Sokka sich all seinen Schuldgefühlen und der Trauer stellen, aber nicht hier und nicht jetzt. Das hochspritzende Blut seiner Opfer bedeckt seinen schweißgebadeten Körper.
Irgendwo in der Ferne hört Sokka Admiral Jeong-Jeong schreien, weil eine der Flugmaschinen, die sie mit ihrem überraschenden Angriff am Starten gehindert haben, jetzt doch aufzubrechen droht. Sokka schaut kurz auf, doch eigentlich ist ein Blick in die entsprechende Richtung nicht notwendig. Er hört die Geräusche einer riesigen Maschinerie, die nur eine sich bald in der Luft befindende Flugmaschine sein kann. Sein Hochschauen, sein kurzer Moment der Unachtsamkeit bewirkt nur eins: Wäre Suki nicht gewesen, wäre der Soldat, der es auf sein unachtsames Opfer abgesehen hat, erfolgreich gewesen und Sokka läge nun blutend am Boden.
Schwer atmend linst Sokka für den Bruchteil einer Sekunde zu seiner Retterin - mehr erlaubt er sich nicht, denn er lernt ja aus seinen Fehlern - und bemerkt, dass auch sie zerzaust und blutverschmiert ist. Die Fächer aus Metall, die bevorzugte Waffe der Kyoshi-Kriegerinnen, setzt sie mit traumwandlerischer Sicherheit ein. Sie verfehlt nie eine Kehle, auf die sie es abgesehen hat - eine zwar blutige, aber schnelle Art zu sterben. Suki, so stellt Sokka fest, gehört hierher, sie lebt für den Kampf und der damit verbundenen Ehre … wie eine Kriegsgöttin. Wunderschön und furchterregend zugleich.
„Komm schon“, fordert Suki den Wasserstammkrieger auf, sich mit ihr und Toph einen Weg zur jeweiligen Flugmaschine zu bahnen.
Sokka nickt bloß und so stellen sie sich Rücken an Rücken, um sich die Gegner vom Leib zu halten. Indessen bahnt Toph sich und ihren Kameraden mithilfe des Erdbändigens einen Weg zur Flugmaschine. Sie erschafft Erdwälle, mit denen sie viele Feinde sehr effizient begräbt, sodass sie schnell vorankommen. Angesichts der Tatsache, dass Toph ihre eigenen Männer von den Feinden unterscheiden kann, atmet Sokka erleichtert auf.
Sie haben lange überlegt, wie es ihnen gelingt, Toph in den Kampf zu integrieren, aber ohne ihr eigenes Leben durch sie zu gefährden - und dann fiel es Sokka plötzlich wie Schuppen von den Augen! Toph hat ein feines Gehör, so fein, dass es schon manchmal nicht mehr menschlich erscheint. Ein hohes Geräusch, wie etwa das Läuten eines Glöckchens, müsste die blinde Erdbändigerin also sogar im Kampfeslärm vernehmen können. Sie haben die finale Schlacht zwar probeweise mal dargestellt und Toph konnte immer zwischen den Männern mit und jenen ohne Glöckchen unterscheiden, aber erstens passieren immer mal Fehler und zweitens war es bei ihren Inszenierungen nie so laut wie jetzt und hier. Glücklicherweise scheint Toph das diskrete Bimmeln dennoch vernehmen zu können und es unterlaufen ihr keine Fehler. Immerhin etwas!
Sokka, der die letzten Wochen von Meister Piandao gelernt hat, das Schwert als Verlängerung seines Armes zu begreifen, nicht als Fremdkörper, hat kein Problem damit, mit einem gezielten Hieb das Schloss der Tür der Flugmaschine in zwei Teile zu zerschlagen. Ein metallisches Klirren, als das Schloss zu Boden fällt, signalisiert auch Toph, dass der Zugang zur ihr verhassten Flugmaschine jetzt frei ist. Es ist ihr ein Graus, den Kontakt zum Boden zu verlieren, aber was sein muss, muss wohl sein. Die Welt brennen zu lassen, ist schließlich keine Option.
Die drei Gefährten schaffen es gerade noch so, in die Maschine einzusteigen, als diese auch schon abhebt. Sie lassen die Freunde und die Feinde auf dem Schlachtfeld zurück.

Sie überlässt die wenigen Wachmänner, die ihnen auf ihrem Weg ins Verlies begegnen, Rhinos Männern. Als der Letzte zurückbleiben muss, um ihr einen Wachmann vom Hals zu halten, verrät er ihr knapp, dass sie nur noch in das Untergeschoss hinabsteigen muss. Die Tür, durch die sie in den richtigen Teil des Untergeschosses kommt (der Teil, in dem der Todestrakt untergebracht ist), ist bereits in Sichtweite.
Das Herz klopft Katara bis zum Hals, einerseits aufgrund eines schlechten Gewissens (ein Teil von ihr möchte Rhinos Männer unterstützen, nicht sie den Wachmännern überlassen) und andererseits aus der Aufregung heraus, Zuko endlich wiederzusehen. Die Wasserbändigerin macht sich bewusst, dass sie Zuko binnen weniger Minuten befreit haben wird - und im Anschluss können sie beide Rhinos Männer unterstützen. Katara muss zumindest heute mehr wie ein Soldat, ein Stratege und weniger wie ein Mensch denken.
Sie befreit Zuko nicht aufgrund ihrer Liebe zu ihm, sondern weil er der nächste Feuerlord werden muss. Rhinos Männer wissen das - und sind deswegen zurückgeblieben, damit Katara Zuko aus dem Verlies holen kann.
Die Tür quietscht, als die Wasserbändigerin diese öffnet. Ein muffiger Geruch und Kälte schlagen ihr entgegen. Hier unten, wo alles dunkel, feucht und kalt ist, könnte man glatt vergessen, dass man immer noch in der tropischen Feuernation ist. Katara läuft vorsichtig die Steinstufen herunter, die Hände zum Kampf erhoben, ihre Feldflasche mit dem Wasser zum Bändigen ist sicherheitshalber bereits geöffnet. Doch hier unten … ist keiner. Zumindest keine Wachen. Und kein Licht, was die Suche noch zusätzlich erschwert.
„Hallo?“, wispert Katara.
An der Wand gegenüber befinden sich Gitterstäbe. Sie bilden kleine Käfige. Ein Mensch ihrer Größe könnte bereits nicht aufrecht in diesem Gefängnis stehen. Die Beine im Sitzen auszustrecken dürfte sich aufgrund der geringen Breite auch als schwierig erweisen.
Katara beißt sich vor Beklemmung auf die Unterlippe. Sie hat geglaubt, den Gefangenen des nördlichen Wasserstammes dürfte es schlecht ergehen, aber verglichen mit dem, was sie hier erblickt, ist das Verlies des Nordens das reinste Luxusresort.
„Katara?“, krächzt es aus der Dunkelheit.
Verdammt, geht es Zuko durch den Kopf. Er klingt tatsächlich so, als hätte er seit Tagen nicht mehr gesprochen. Er HAT ja auch schon seit Tagen nicht mehr gesprochen, dennoch stört ihn der eingerostete Klang seiner eigenen Stimme.
„Ich … ich bin hier.“
Erst jetzt, da der Feuerprinz sich bewegt, erkennt Katara vage seine Umrisse.
Bevor er wusste, dass es Katara ist, die hier heruntergekommen ist, hat er lethargisch und bewegungslos dagesessen, die Augen geschlossen und stumm, wie der Tote, der er sehr bald auch sein soll (hier unten verlieren alle Gefangenen früher oder später den Lebensmut, was man daran merkt, dass es hier so still ist, denn um den meisten Todgeweihten auch nur ein Wort zu entlocken, braucht es mehr als nur eine Frage). Doch bei Kataras Anblick schießt das Adrenalin nur so durch Zukos Körper, belebt ihn geradezu.
„Ich … werde das Schloss einfrieren. Meinst du, du wirst es mit einem kräftigen Tritt kaputt machen können?“ Die Wasserbändigerin friemelt bereits mit zittrigen Händen an dem Schloss herum.
Sie muss jetzt tief durchatmen, um sich zu konzentrieren.
„Katara“, sagt Zuko, diesmal klingt er verändert.
Er sagt nur ihren Namen, mehr nicht - und er spricht ihn mit einem so tiefen Bedauern aus, dass Kataras Herz sich schmerzhaft zusammenzieht. Dieser Albtraum hier ist bald vorbei.
„Ich weiß. Schon gut. Erst einmal müssen wir hier raus.“ Mit einigen grazilen Bewegungen ihres Unterarmes bändigt sie etwas Wasser aus ihrer Feldflasche.
Sie fühlt in diesem Augenblick so unglaublich viele Augenpaare auf sich ruhen, doch es sagt niemand ein Wort. Sie beobachten mit so etwas wie schwarzem Humor, wie sich einer, gewiss vergeblich, denn es ist immer vergeblich, dem Todestrakt entziehen will.
Katara glaubt, dass Zuko noch ein „Es tut mir leid“ von sicht gibt - so leise, dass ein Windhauch seine Worte übertönen könnte. Gerade als Katara das Schloss einfrieren möchte, passieren jedoch mehrere Dinge auf einmal - und Katara vergisst, was Zuko da leise flüsternd über die Lippen gebracht hat.
Erstens: Die Tür zum Verlies wird so energisch und plötzlich aufgestoßen, dass sie von der dahinterliegenden Steinmauer abprallt und dabei viel Knall erzeugt. So viel Knall, dass das Herz der Gefangenen, die mit diesem Lärm nicht gerechnet haben, mindestens einen Schlag aussetzt.
Zweitens: Licht, das von einer Fackel ausgeht, erscheint im Türrahmen und entreißt ein Frauengesicht der Dunkelheit. Ein Gesicht, das immer von ordentlich zusammengebundenen und seidig glänzenden ebenholzschwarzen Haaren umgeben war, doch heute sind eben jene Haare stumpf, zerzaust und die Enden sind ungleich lang, so als hätte sich die Feuerprinzessin ihre Haare selbst mit einer rostigen Schere geschnitten.
Drittens: Beim Anblick der verzogenen Fratze - Katara hätte unmöglich sagen können, ob Azula hämisch, bösartig, oder schadenfroh ist, vielleicht ist es noch nicht einmal ein Grinsen auf ihren Lippen, sondern nur ein entstelltes Äußeres - klatscht das Wasser, das Katara aus ihrer Feldflasche gebändigt hat und mit dem sie Zukos Zellenschloss eben einfrieren wollte, zu Boden.
„Na, wen haben wir denn da?“, begrüßt Azula ihren Neuankömmling, während sie langsam die Treppen herabsteigt. Natürlich hat sie den Tumult im Schloss mitbekommen und anstatt sich mit den Verrätern herumzuschlagen, um die sich bereits die Wachen kümmerten, ist sie direkt hierhergekommen, im Wissen, dass dieser Aufstand nur wegen ihres Bruders veranstaltet werden kann - wegen wem oder was auch sonst. Azula hatte mit ihrer Vermutung wieder einmal Recht behalten.
„Die kleine Wasserbändigerin kommt, um Zuzu zu befreien. Immerhin wollen die Verräter dich noch als ihren Feuerlord.“
Die Augen der Feuerprinzessin huschen kurz von Zuko zu Katara. Ihre Pupillen sind unnatürlich groß und der Blick ihrer Augen ist merkwürdig unruhig, so wie auch ihre Gestik hektischer ist als normalerweise. Zuko bemerkt sofort, dass mit seiner Schwester irgendetwas nicht stimmt.
Sie macht den Eindruck, als hätte sie schon seit Tagen nicht geschlafen. Ob ihr die Einsamkeit, jetzt da sie nicht einmal mehr Mai und Ty Lee an ihrer Seite hat, zusetzt?
Nicht dass Azula das jemals freiwillig zugeben würde …
„Ich freue mich, dass du hier bist“, zwitschert Azula nun an Katara gewandt. „Du und deine Freunde werdet morgen alle nach meiner Krönung zur Feuerlady exekutiert. Sooo viel Unterhaltung für das Volk.“
Das Wasserstammmädchen verzieht angewidert das Gesicht aufgrund von Azulas zur Schau gestellter Verzückung. Sie spricht so verträumt, als berichte sie von ihrer anstehenden Vermählung mit ihrem absoluten Traumprinzen.
„Du tust mir leid“, entwischt es Katara.
Sofort wird ihr bewusst, was sie da getan hat und wie dumm ihre Worte gewesen sind, doch sie sind nun nicht mehr rückgängig zu machen.
„ICH tue dir leid?“, kreischt Azula auflachend, doch in Kataras Ohren klingt es wie ein Verzweiflungsschrei. „ICH bin bald die mächtigste Frau der ganzen Welt, während du und dein Geliebter“ - Azula schaut wieder zu ihrem Bruder rüber - „bald mausetot sein werdet. Agni weiß, dass du dir lieber leid tun solltest, kleine Wasserbändigerin.“
Die Feuerbändigerin macht einen Schritt auf Katara zu und automatisch weicht diese zurück, was Azula sichtlich zufrieden stimmt, dennoch lässt diese Einschüchterung Katara nicht verstummen: „Wenn ich morgen sterbe, dann im Wissen, dass ich Liebe gefühlt und für mich Liebe empfunden wurde. Sag mir, Azula, könntest du dasselbe behaupten?“
„Azula“, mischt sich nun Zuko hastig ein, denn seine Schwester macht den Eindruck, als reiße sie Katara bald den Kopf ab, wenn das hier so weitergeht. „Lass sie in Ruhe. Du bist meinetwegen runtergekommen. Du willst mich, nun hier bin ich. Ich schlage dir ein Agni Kai vor.“
„Zuko“, zischt Katara mahnend, sogar von Ty Lee in der benachbarten Zelle ist ein scharfes Einatmen zu hören.
Die letzten Wochen hat Katara auf ihre Bitte hin viel von den Feuerbändigerin, insbesondere von General Iroh, über die Gepflogenheiten in der Feuernation gelernt (schließlich wird sie Feuerlady, wenn sie den Krieg überlebt). Von General Iroh weiß Katara auch, was ein Agni Kai ist - ein Duell zwischen zwei Feuerbändigern, bei dem nur das Feuerbändigen als Waffe zulässig ist. Es endet erst mit dem Tod eines Beteiligten.
„Der Gewinner“, fährt Zuko fort, „wird morgen zum Herrscher gekrönt.“
„Bist du verrückt?“, wispert Katara aufgeregt an den Feuerprinzen gewandt, doch dieser macht nicht den Eindruck, als hätte er sie überhaupt gehört.
Für Katara klingt dieser Deal wie ein Verlustgeschäft.
Verlieren sie den Krieg und Zuko gewinnt aber das Agni Kai, wird Ozai Zukos Herrschaft über die Feuernation trotzdem nicht dulden und ihn exekutieren, denn in dem alten Feuerlord steckt nicht ein Funken Ehre.
Gewinnen sie den Krieg und Azula das Agni Kai, so haben sie möglicherweise Azula als Feuerlady, was ebenfalls nicht tragbar ist.
Die Sache könnte sehr schnell sehr unschön ausgehen, doch Zuko ist nicht verrückt. Azulas fahrigem Verhalten nach zu urteilen ist sie es aber vielleicht. Fest steht, dass sie nicht in der besten körperlichen Verfassung ist - und Zuko wäre diesmal so schlau genug, sie dennoch als Gegnerin nicht zu unterschätzen. Ein Agni Kai böte Zuko die Gelegenheit, alleine gegen Azula anzutreten - es muss kein anderer von der Feuerprinzessin verletzt werden, während er noch in einer Zelle hockt, besonders Katara nicht.  
Der Feuerbändiger appelliert an das Einzige, von dem er weiß, dass Azula es noch hat - an ihren Ehrgeiz. Er weiß, dass sie nichts lieber täte, als ihn in einem ehrenhaften Kampf zu besiegen - und anschließend guten Gewissens zu töten. Sie wollte schon immer die Überlegenere sein, die bessere Bändigerin. Niemals wird sie sich die Gelegenheit, ihm ihre Stärke zu demonstrieren, entgehen lassen.
„Ich nehme an“, willigt Azula schließlich mit einem rasiermesserscharfen Grinsen ein.

Es fällt Sokka, Suki und Toph nicht schwer, die anwesenden Soldaten zu überwältigen, da nur einer von dreien ein Feuerbändiger ist.
Es fällt ihnen auch nicht schwer, alle drei zu fesseln und zu knebeln, nur … wie sollen sie jetzt landen?
Sokka beschaut sich das Bedienungsfeld im Kapitänsraum der Flugmaschine. Hier gibt es eine Menge Knöpfe, die gedrückt, und noch mehr Hebel, die umgelegt werden können.
Tausende von Anzeigen piepen und blinken und buhlen somit um die Aufmerksamkeit des Wasserstammkriegers. Gut, dann halt anders, beschließt Sokka kurz entschlossen.
Er zieht sein Schwert aus der Scheide an seiner Hüfte und hält es einem der Männer an die Kehle. „Wie fliegt man so ein Ding? Wie kann ich es landen?“
„Mach uns los“, entgegnet jener, den Sokka mit der Waffe bedroht, „und wir haben eine Chance zu überleben.“
„Dafür aber der Rest der Welt nicht“, schnaubt Sokka verächtlich. „Seid nicht dumm. Rettet euer und unser Leben.“
„Ein Leben als Verräter ist kein lebenswertes Leben“, meint ein anderer.
Auch seine Stimme klingt dumpf, da zu ihren feuerroten Uniformen Helme gehören, die das gesamte Gesicht verdecken. Soll das vor Brandwunden schützen, die man beim Unterfangen, die Welt zu verbrennen, davontragen könnte?
Sokka, dessen Nerven blank liegen, zieht allen drei Männern die Helme herunter, um ihnen in die Augen sehen zu können. Er will die gefesselten Gefangenen einschüchtern, doch … die Augen der Männer sind so unfassbar leer, dass Sokka instinktiv zurückzuckt. Vor ihm befinden sich drei Soldaten, die mit ihrem Leben schon abgeschlossen haben. Wie bei Tui und La muss man Männer nur abrichten, damit sie zu so einem kapitulierenden Blick fähig sind?
Ein Ruckeln, das durch die gesamte Maschine geht, reißt Sokka aus seinen Gedanken.
Toph, die sich in der Luft auch ohne jegliches Geruckel, hilflos fühlt, klammert sich instinktiv an Suki und murrt: „Jetzt tu doch etwas, Sokka!“
„Wir … wir müssen von dieser Flugmaschine runter! Toph, du musst einen Felsvorsprung errichten, der hoch genug ist - und wenn wir an diesem Vorsprung vorbeikommen, springen wir“, erklärt Sokka kurz und knapp den Plan, denn sie haben nicht mehr viel Zeit.
Allein bei der Vorstellung, aus dieser Höhe zu springen und sich somit für einen Moment im freien Fall zu befinden, lässt Tophs Magen rebellieren, doch Sokkas Hand, die sich fest um ihren Unterarm legt und sie Richtung Tür dirigiert lässt keinen Zweifel daran, dass für Schwäche jetzt keine Zeit ist.
„Wie willst du mit Gefangenen irgendwo runterspringen? Wenn wir sie befreien, dann töten sie uns!“, wirft Suki ein. Sie muss schreien, um gegen den Gegenwind anzukommen, der ihre Haare durcheinander wirbelt, sobald sie in der Nähe der offenen Tür stehen.
Sokka hält einen Augenblick inne und meint lediglich: „Gar nicht“, ehe er sich voll und ganz auf Toph konzentriert. Er nimmt ihre Hände in seine und zeigt gemeinsam mit ihren Händen in die Richtung, in der er den Felsvorsprung aus der Erde hervorschießen sehen möchte. Bezüglich der Höhe müssen sie vielleicht etwas herumexperimentieren. Da Toph nichts sehen kann, muss Sokka ihr eine Rückmeldung geben, ob ihre Erschaffung zu hoch oder zu niedrig ist.
„Du kannst … du kannst doch nicht …“, setzt Suki mit ihren Protesten an, als Toph mit dem Üben beginnt. Der erste Felsvorsprung gerät zu niedrig. Noch bevor Toph einen zweiten Vorsprung hervorbändigt, verstummt Suki, denn sie merkt selbst, wie lahm und naiv sie klingt.
Natürlich können und werden sie sie zurücklassen. Sie dürfen gegenüber dem Feind, der sie töten würde, kein Mitleid haben. Sterben oder überleben. Da die Kyoshi-Kriegerin überleben möchte, versucht sie die gefangenen Männer zu vergessen - sie wollten ja nicht gerettet werden.
Dennoch fühlt sie sich nicht wohl bei der Tatsache, wehrlos gemachte Menschen ihrem Schicksal zu überlassen … das erscheint ihr ehrlos.
„Großartig, Toph! Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich dich liebe?!“ Sokka drückt die Erdbändigerin enthusiastisch an sich, die trotz ihrer Angst vor dem Sprung lachen muss.
„Du liebst mich so sehr, dass du doch noch einen Weg gefunden hast, wie ich lebend aus dieser Maschine komme, ohne zu springen?“, schlägt Toph vor.
„Nein“, entgegnet Sokka, „aber wir springen zusammen. Halt dich bereit.“
Sie quetschen sich sprungbereit in die Türöffnung, wobei sie sich leicht seitlich hinstellen müssen, damit es mit Ach und Krach noch passt.
„Auf mein Zeichen, Toph, springst du. Du hast diesen Vorsprung geschaffen. Du weißt, wo er sich befindet und wie hoch er ist!“, ermutigt der Wasserstammkrieger das blinde Mädchen.
„Na … na ja … hier in der Luft, wenn man in Bewegung ist, ist alles so verwirrend“, murmelt Toph, die das Gefühl nicht los wird, als befände sich ihr Herz mittlerweile in ihrer Kehle und nicht mehr in der Brust.
Sokka achtet jedoch nicht auf das ängstliche Geschwätz, sondern sagt an Suki gerichtet: „Wir sehen uns auf dem Vorsprung.“
Wenige Sekunden darauf brüllt Sokka an Toph gewandt: „JETZT!“
Dieser Schrei duldet keine Widersprüche. Für den Bruchteil einer Sekunde vergisst Toph all ihre Ängste und springt. Mehr ist auch gar nicht notwendig. In dem Augenblick, in dem die Furcht zurückkommt, ist sie schon längst äußerst schmerzhaft mit dem Felsen kollidiert.
Besonders in ihrem Bein fühlt sie den Schmerz intensiv, so intensiv, dass sie nicht anders kann und diesen herausschreien muss. Toph hat sich beim Sprung das Bein gebrochen, davon abgesehen sind alle drei Springer aber lediglich mit ein paar Schürfwunden davongekommen.
Für einen kurzen Moment erlaubt der Wasserstammkrieger sich, liegen zu bleiben auf dem harten Untergrund und die Tatsache zu genießen, dass sein Herz noch schlägt.
Es schlägt holprig und viel zu schnell, aber es schlägt.

Azula und Zuko tragen ihr Agni Kai dort aus, wo ihre Großväter früher so gerne Übungskämpfe veranstaltet haben. Kaum zu glauben, dass zwei Menschen mit so unterschiedlichen Idealen befreundet sein konnten.
Katara klammert sich auf dem Weg zum Heckenlabyrinth an Zukos Hand, Azula schreitet voran und die Wachmänner, die sie eskortieren, trotten wachsam hinter der Wasserbändigerin und den Geschwistern her. Es sind dieselben Wachmänner, die Rhinos Männer beschäftigt gehalten haben - jetzt sitzen Rhinos Männer aber in Verlieszellen und ihr Schicksal hängt davon ab, ob Zuko in diesem Agni Kai siegen wird.
Katara weiß, dass Zuko ein ehrenwerter Mann ist - und er hat seiner Schwester den Thron versprochen, sollte diese das Agni Kai gewinnen und ihn töten. Das wiederum würde bedeuten, dass Azula sogar in einer dank Aang friedlichen Welt herrschen würde. Zumindest wenn es nach Zuko ginge. Katara wird alleine bei der Vorstellung schon übel.
„Du weißt, dass du nicht alleine gegen sie antreten musst, oder?“, wispert Katara, als sie ihr Ziel erreichen.
„Doch, ich muss“, widerspricht Zuko jedoch. „Mach dir keine Sorgen um mich. Sie ist unkonzentriert, hektisch. Irgendwas stimmt nicht mit ihr und das mache ich mir zunutze.“
„Sei vorsichtig“, sagt Katara noch, ehe Zuko ihre Hand widerstrebend loslässt.
Für Katara ist das Loslassen jedoch schlimmer. Ob er wieder zu ihr zurückkehrt oder nicht, liegt jetzt in seiner Hand. Die Wasserbändigerin hingegen kann jetzt nur noch zusehen und Däumchen drehen. Sie fühlt sich nutzlos, weil sie nur dasteht und beobachtet, wie die Geschwister die Grundposition des Bändigens einnehmen. So hätte Iroh das sicher auch nicht gewollt. Katara sollte Zuko befreien und im Anschluss sollten sie gemeinsam gegen Azula vorgehen.
Die Feuerprinzessin ist so hinterhältig, dass sie jetzt ein unfaires Agni Kai verdient hätte.
Wenn Katara Zuko jetzt zu Hilfe eilen würde, täte sie das ohne auch nur einen Anflug von schlechtem Gewissen. Die Wasserbändigerin nimmt sich vor, einzugreifen, sollte es für Zuko schlecht laufen, egal was dieser will oder nicht will. Hierbei geht es schließlich nicht nur um ihn.
„Na, hast du dich zu Ende verabschiedet?“, höhnt Azula.
„Hast du heute nur dumme Sprüche drauf?“, erwidert Zuko, der sich diesmal nicht von seiner Schwester provozieren lassen wird.
Was hat sein Onkel Iroh immer gepredigt? In der Ruhe liegt die Kraft.
Azula jedoch ist nicht ruhig, sie schäumt vor lauter unterdrückten Gefühlen und das nimmt ihren Angriffen, die plötzlich kommen und für sie kräftezehrend sind, die Stärke. Es fällt Zuko nicht schwer, jeden einzelnen ihrer Angriffe abzuwehren. Seine Strategie dieses Mal ist, zuzulassen, dass Azula sich auslaugt - erst dann wird er in die Offensive übergehen.
Mit großen Augen beobachtet Katara, wie die Geschwister sich umkreisen, wie das Feuer ihre Leiber umspielt, aber ohne einen von ihnen zu verletzen. Das ärgert Azula, von der immerzu die Flammen ausgehen, sichtlich und ihr Atem geht kurze Zeit nach Beginn des Kampfes bereits sehr schnell, als hätte sie einen Sprint hinter sich. Zuko hingegen wirkt so entspannt wie beim sonntäglichen Kaffeekränzchen.
„Hat dir Onkel Iroh das beigebracht? Wie ein Feigling auszuweichen?“, faucht Azula.
Sie hat inzwischen mehr Ähnlichkeiten mit einem Tier, das seine Triebe nicht zügeln kann. Viel Menschliches hat sie nicht mehr an sich, weder innerlich, noch äußerlich.
Zuko antwortet der Feuerbändigerin nicht und das scheint sie nur noch mehr aufzubringen.
Schlussendlich ist sie so verzweifelt, dass sie zum Blitzbändigen übergeht.
Zuko sieht an der veränderten Körperhaltung sofort, was sie da zu tun gedenkt, doch er hält sie nicht auf. Immerhin weiß er, wie man einen Blitz ableitet - ob sie das, was er ihr in der Theorie beigebracht hat, aber auch in die Praxis wird umsetzen können, vor allem in ihrer Verfassung, bezweifelt Zuko.
Es passiert alles wie in Zeitlupe: Azula steht mit geschlossenen Beinen und hochgerecktem Kinn da, während die ersten Funken bereits an ihrer rechten Hand zu sehen sind.
Das Prinzip der Blitzerzeugnis ist dem Feuerbändigen nicht unähnlich: für beides braucht man Kraft und Energie. Aber auch Disziplin. Wer nicht diszipliniert ist, könnte die Kontrolle verlieren, was bei den Blitzen besonders gefährlich ist. Ein Kontrollverlust und es könnte tödlich enden, je nachdem wie nahe die erzeugten Blitze dem Herzen waren. Die Gefährlichkeit der Blitzerzeugung ist aber natürlich nicht mit der Gefährlichkeit der Blitzableitung zu vergleichen. Bei der Ableitung passiert der Blitz auf jeden Fall das Herz und wer da undiszipliniert ist, abgelenkt, der stirbt mit hundertprozentiger Sicherheit.
Zuko atmet tief durch, als Azula die rechte Hand hebt, an der der Blitz bis zur Schulter hochreicht. Der Feuerbändiger ist gefasst, vorsichtig, aber auch gespannt.
Er kann es nämlich nicht leugnen, dass das Gefühl, so unglaublich viel Energie im Körper zu haben, auch aufregend ist.
Azula macht einen Ausfallschritt und lässt den Blitz über ihre ausgestreckten Fingerspitzen auf eine Person los … aber es ist nicht Zuko.
Als dieser merkt, dass die verzweifelte Azula mit unfairen Tricks spielt, ist es bereits zu spät.
Er handelt, ohne nachzudenken - und hat gerade noch genug Zeit, um sich zwischen Katara und den Blitz zu werfen, aber nicht, um diesen auch vernünftig durch seinen Körper zu leiten. Die gesamte Energie trifft ihn im Brustbereich und er fällt um wie ein gefällter Baumstamm, während die Erde unter ihm sich langsam rot färbt.
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