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Frühlingstraum

von Ellesmera
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn der große böse Wolf Grimalkin OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
26.08.2020
02.09.2020
2
10.018
3
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Dieses Kapitel
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26.08.2020 7.324
 
Anmerkung des Autors:
Hallo hallo! Ich habe euch ja erzählt, dass ich einige Accounts zusammengelegt habe, also Wattpad und hier FF.de und nun alle Geschichten hier veröffentliche. So auch diese Geschichte. Das erste Kapitel ist ein sehr langes, was hauptsächlich daran liegt, dass diese Geschichte schon fünf Jahre alt ist und ich damals einen anderen Schreibstil habe als jetzt. Ich hatte richtige Cringe-Momente beim Lesen, doch wollte ich es nicht neu schrieben, weil es ja doch Teil des Prozesses ist. Das zweite Kapitel wird also kürzer werden, dafür - und so denke ich fest - ein bisschen schöner geschrieben und angenehmer zu lesen. Ich habe doch viel gelernt in der Zeit :) Nun wünsche ich euch viel Spaß bei der neuen Frühlingsnachtreise von Ash, Puck und Estel :)




Ans Ende der Welt

1.     Kapitel
Die Schlacht war verzweifelter, als alle, in denen er schon das Schwert erhoben hatte. Er fand sich in einer Art organisiertem Chaos vor. Er selber, als Bogenschütze, war auf der großen Burg im Zentrum der Felder der Ewigen Ernte postiert. Neben ihm weitere Feen, Dunkle und Lichte an seiner Seite, die gemeinsam den gleichen Feind bekämpften.
Von dieser Anhöhe hatte man eine fabelhafte Aussicht auf das sich weit erstreckende Nimmernie, bis es an einigen Hängen in weiter Ferne an den Wilden Wald grenzte und der mit seinen gewaltigen, uralten Bäumen die Sichtweite erheblich einschränkte. Die Burg war von den Eisernen Feen an der Basis besetzt worden, Ritter der Eisengarde erklommen die Ruinen und wurden alle paar Sekunden von Pfeilhageln zurückgeworfen, doch es waren einfach zu viele. Immer weiter kletterten sie die wettergegerbten Steine hinauf, bis zu den Zinnen, wo sich die besten Schützen des Landes befanden. Estels Arm zuckte nach hinten, die Hand ergriff einen Pfeil und führte ihn elegant nach vorne. Mit einer Bewegung, die er schon etliche tausend Male durchgeführt hatte, legte er den Pfeil präzise auf die Sehne und zog sie bis zu seinem Ohr nach hinten. Seine Augen fixierten einen Eisernen Ritter und suchten eine wunde Stelle in der metallischen Rüstung, die seinen Körper vor eben diesen Angriffen schützte. Wild huschten die Pupillen hin und her, doch sie fanden nichts. „Verfluchte Eiserne Feen“, murmelte er wütend und fixierte ein neues Ziel.
Hinter ihm schossen andere Sommer- und Winterfeen ihre Pfeile auf die Gegner und trotzdem fielen unsagbar viele in dieser Schlacht. Denn sie war verzweifelt, alle kämpften nicht allein um ihr Überleben, sondern um das ihrer Freunde, Verbündeten und dem ganzem Nimmernie. Hier galt Nächstenliebe. Denn wer seine eigene Haut zu retten versucht, war hier falsch.
Bald war die komplette Festung umringt, und das Heer der Eisernen Feen drängte die Altblütler immer weiter zurück.
Estel richtete die Spitze des Pfeils auf die Kniekehlen des Eisernen Ritters, als er sah, wie der eine angestürmte Gottesanbeterin enthauptete und sich dementsprechend drehte. Schnell sprang ihm die ungeschützte graue Haut in die Sicht und er zögerte nicht lange. Mit einem Zischen schoss die Waffe voran. Die Fee stürzte zu Boden und wurde sogleich von einem wild ausschlagendem Wyvern erledigt.
Estel drehte sich kurz um, erhaschte einen Blick auf die Lage hier auf dem höchsten Punkt der Ebene. Wind peitschte ihm um die Ohren und beeinflusste den Flug seiner Pfeile sehr zur Ärgernis Estels. Der rothaarige Goodfellow schätzte die Umgebung um sich herum mit einem Wimpernschlag ab. Über ihm tobten düstere Gewitter und veranstalteten Kämpfe mit Donner und Blitz. Dunkle Wolken zogen am Himmel um her und verstärkten die Verzweiflung auf den Felder der Ewigen Ernte.
Auf den Zinnen des Turmes konnte er keinen Anhänger der feindlichen Armee erkennen. Und er hatte Glück, dass kein Regen auf sie niederprasselte. Er bückte sich unter einen halb zerstörten Torbogen und legte zwei Pfeile auf die Tierhaarsehne. Hinterhältig lächelnd visierte er einen Panzerkäfer an, auf dessen Rücken wild umherfeuernde Musketenelfen saßen, ihre Bolzen schossen sie in alle Richtungen. Estel lenkte den Blick von dem Gemetzel ab und suchte den Himmel ab. Ein Sommerdrache flog dicht über ihn, gefolgt von lästigen Wanzen. Da kam Estel eine Idee. Er wollte nach hinten greifen, um weitere Pfeile zu zücken, doch seine Hand griff ins Leere. Verschreckt suchte er weiter, doch es war kein Pfeil mehr vorhanden. Der Köcher war leer. Seufzend schnitt er das Lederband durch, dass ihn auf den Rücken hielt und zog unter dem Cape einen weiteren prallgefüllten Köcher hervor und schnürte das Band enger. Gute Hundert Pfeile füllten ihn, und warteten nicht lange, in den Herzen der Gegner zu landen. Schnell zog Estel einen hervor und drehte sich um. Hinter ihnen befand sich ein Eimer voller Öl. Daneben an der steinernen Wand eine Fackel. Estel kniff die Augen zusammen, schnell tunkte er die Pfeilspitze in die schwarze Dickflüssigkeit ein und hielt ihn an die Fackel. Sofort entzündete sich das Öl und die Feenstahlspitze ging in lodernden Flammen auf. Blitzschnell setzte er den Pfeil auf die Sehne des Sarazenenbogens und ließ die daraufhin zurückschnellende Sehne los. Sie sauste in die Menge der fliegenden Wanzen ein und traf ein Ziel. Sofort explodierte der Körper und riss alle umstehenden Körper mit. Ein Hagel aus Wanzen besiedelte den Boden. Doch in dem Moment, wo die Massen am Boden anfingen sich unter den Metallobjekten zu winden, ergriffen die Eisernen Feen die Chance, die zurückhaltende Verteidigung zu vernichten und den Turm zu erklimmen. Estel tauchte zwei weitere Pfeile in das Benzin und diesmal explodierte die gesamte Front der Ritter, die die Ruine begann zu stürmen.
Estel sah, nein wusste, dass die Lage aussichtslos war. Vielmehr Silber und Grau war auf dem Feld zusammen, als Schwarz, Rot, Blau, Grün, Braun und Gold zusammen.
Und dann sah Estel auf. An der Westfront wurden die Eisernen Feen niedergerannt von - Estel stockte. Er traute seinen Augen kaum. Ein Schwall weiterer Feen stürzte zu ihnen und schwappte über sie her, wie eine gewaltige Welle auf hoher See. Sie ritten den Hang hinunter und Estel kniff die Augen zusammen, um zu erkennen, unter welcher Flagge sie ritten. Dass sie aber das feindliche Heer attackierten, könnte nur darauf schließen, dass sie auf des Altblütlers Seite kämpften. Doch es verwirrte ihn zusätzlich, dass sie Eiserne Feen waren. Er zog die Stirn kraus, während er weiter Pfeile abfeuerte. Und dann erkannte er die führenden Reiter. Einen Prinzen, der allzu berühmt wurde durch seinen Verrat, und ein Mädchen mit blondem langem, schimmerndem Haar.
Und seinen Bruder. Er sah anders aus, als er ihn das letzte Mal gesehen hatte, er ritt auf seinem Eisenpferd voller Eifer und hatte wahren Kampfesmut. Doch sofort konnte er erkennen, wie Erschöpfung in seinen Zügen dominierte und er wohl weit gereist sein musste.
Sofort flammte in der Menge neue Hoffnung auf. Mit der neu gewonnen Stärke wurden die Eisernen Feen um viele Dutzende verkleinert. Die Rebellen, dachte Estel und lächelte. Dann kämpfte er weiter.
Unzählige Feen fielen. Diese Nacht, dieser Abend, dieser Tag würde sich in die Gedächtnisse einbrennen, würde bis in die spätere Zukunft in Erinnerungen bleiben. Das Schicksal des Feenreichs war besiegelt und es gab keine Chance es wiederherzustellen.

Estel lächelte, als er seinen Bruder wiedersah. Er glaubte zwar nicht, dass sie sich noch besonders gleich aussahen, aber dass Pucks Charakter derselbe ward.  
Nachdem er seinen Blick von der Schlacht unten gerichtet hatte, sah er empor zum Himmel. Noch immer zogen tiefe dunkle Wolken über ihm her und verdüsterten alles. Eine fast melancholische Stimmung herrschte über dem Feld. Der Zwilling suchte nach einem Angriffspunkt, doch fand er vergebens keinen.
Dann spürte er, wie hinter ihm jemand näher rückte. Reflexartig drehte er sich um und schlug den Bogen demjenigen ins Gesicht, der es gewagt hatte, Estel näher zu kommen. Ein Zischlaut war zu vernehmen, und ohne, dass er sich´s versah, sauste ein Schwert auf ihn hinab. Blitzschnell drehte Estel sich unter dem Metall weg und zog das Kurzschwert vom Rücken. Da holte der Ritter schon aus, bevor der Rothaarige eine Chance hatte, sich aufzurichten. So rollte er sich unter dem Schlag weg und sprang auf, als sein Gegner wieder ausholte. Der Angriff jetzt war stark gewesen, mit vollem Mut und Eifer ihn zu töten. Estel blockte geschickt ab, umtänzelte ihn und holte aus, um dem Eisernen Ritter den Kopf abzuschlagen. Doch der bückte sich und schleuderte eine Streitaxt auf ihn zu. Mit einem Hechtsprung zur Seite entkam er dem Unglück und nahm Anlauf. Geschickt stieß er sich an der Wand ab und sprang von oben auf den Ritter zu. Völlig verblüfft wandte er sich und versuchte vor Estel wegzutauchen; doch da hatte der Rothaarige schon die Klinge in seinen Hals am Nacken gedrückt. Mit einem Ölregen zog er das Schwert heraus und rümpfte angewidert die Nase. Er beugte sich über einen toten Bruder des Kampfes unweit neben ihm und wischte da die Schneide und Parierstange des Schwertes am Wams ab. "Sorry, Bruder.", murmelte er sarkastisch und wandte sich dann wieder seiner Gefechtsstation zu. Und wieder Bogen raus, zielen und treffen. Mal einen Pfeil, mal zwei...mal drei. Doch irgendwann erklommen die Ritter die Burg und kamen in Windeseile näher. Estel konzentrierte sich immer auf den nächstgelegenen. Pfeil um Pfeil verließ seinen Köcher und immer angestrengter reagierte der Junge.
Ein Ritter kam ihm nah, Estel sprang nach hinten und riss den Bogen hoch. Der Pfeil verließ die Sehne und traf den Ritter zwischen die Augen. Er brach zusammen und wurde zu einer öligen Pfütze. Der Rothaarige verlor keine Sekunde, er sprang auf und hastete zu den Zinnen der Ruine und sah hinab. Sofort erkannte er das kleine Trio, seinen Bruder und den Verbannten, die Meghan Chase von außen herum beschützen. Keiner der drei war mehr zu Pferden, obschon genug Tiere in der Menge reiterlos umherirrten. Estel steckte den Bogen nach hinten und zog sein Schwert aus der Scheide an der Hüfte. Er nahm Anlauf,- und sprang über die Festung in die Tiefe auf die Fronten zu. Das Schwert hielt er vor sich, und im Flug mähte er noch ein oder zwei andere Feen ab, die leblos zu Boden sanken. Bei der Landung rollte er sich geschickt ab, riss sofort sein Schwert hoch, als eine Eiserne Fee versuchte auf ihn einzuschlagen. Estel biss die Zähne zusammen und mit einem kampfesmutigen Schrei kamen Wurzeln hervor und schleuderten den Angreifer zurück.
Weiter im Schlachtfeld sprang er irgendwann auf ein Pferd, das ohne Reiter an ihm vorbei galoppierte. Die Zügel lagen schwer in der Hand und waren leicht warm. Er trieb das Pferd zur rechten Flanke, da, wo er das Trio zuletzt gesehen hatte. Wild schwang er sein Schwert; um ihn herum der wild pulsierende Schein von Sommer, Winter und Eisen. Er konnte spüren, wie es allen drei Reichen neue Kraft gab, denn viele verborgene Emotionen schwirrten umher. Zu seiner Selbstverteidigung wuchsen mal hier Ranken in die Höh', mal da, und enthaupteten einen nach dem anderen. Und dann wehte eine Böe über die Schlachtfelder. Da erschienen am Waldrand über tausend kleine blauen Eiserne Feen. Ihre Augen zwinkerten synchron und das Lächeln ihrer unmenschlichen Fratzen ließen einem die Nackenhaare hochstellen. Und dann griffen sie an. Zur Verwunderung aller attackierten sie den Feind. Sofort wurde neuer Mut gefasst und die Heere kämpften mit neuem Eifer und Flamme.
Estel ritt quer durch die Menge. Die Hufe des Tieres donnerten über den Boden. Sein Schwert wirbelte er umher, wie eine bebende Keule. Und dann erkannte er ihn. Nur noch ein paar Hundert Schritt entfernt, neben dem Verbannten und Meghan Chase.
Doch plötzlich knickte sein Pferd zur Seite, und ein Pferdebein flog fort. Estel biss sich auf die Lippe, sprang aus dem Sattel und hechtete vorwärts zu seinem Bruder. Allerdings sprach der gerade mit der Winterkönigin und die Fee näherte sich schnell, immer noch links und rechts die seiner Haut verteidigen. Und dann, auf den letzten Metern, bevor er vor Puck stoppen konnte, traf ihn ein Pfeil im Bein. Sofort spürte er das Brennen des Metalls. Er strauchelte, und fiel prompt von hinten in Puck rein. Und riss ihn wie eine gewaltige Welle zu Boden und begrub ihn unter sich...

Puck schrie erschreckt auf und rollte sich rum, um seinem Niederdrücker das Messer an die Kehle zu halten, doch hielt er inne, als feuerrote Haare neben ihm auftauchten, und das Gewicht von ihm verschwand. Er setzte sich auf und rieb sich den Staub von den Klamotten.
"Wie elegant von dir, Bruder", kam es neckend von Puck und Estel nickte keuchend. "Immer wieder gerne."
Der ältere streckte Estel die Hand hin und zog ihn hoch. "Lang nicht mehr gesehen, was?", fragte er und musterte ihn. Sein Blick blieb an dem Pfeil in seinem Bein stecken. "Und wieder blutest du, wenn wir uns treffen. Lass dir das nicht zur Gewohnheit werden", meinte er und klopfte ihm auf die Schulter. Der Junge drehte sich weg, und zog mit einem Ruck den Pfeil aus seinem Fleisch. Dann wandte er sich zu den anderen. Man sah, wie Meghan verwirrt zwischen ihnen hin und her blickte. Ash seufzte. "Was soll das, Goodfellow?", fragte er und raufte sich mit dem Lederhandschuh durch die Haare. "Was?", kam die blöde dumme Antwort von beiden - gleichzeitig. "Prinzessin, ich habe dir noch nicht von meinem Bruder erzählt“, begann er und deutete auf ihn. "Estel. Zu Euren Diensten, Prinzessin", sagte Estel und machte eine belustigte Verbeugung. Meghan lächelte freundlich. Ash sah zu Mab.
"Dann geht jetzt." Der ehemalige Winterprinz nahm Meghan an die Hand und zog sie durch die Bresche, die Mab geschaffen hatte. Puck rannte ihnen nach. Und ohne zu fragen, folgte der jüngere Goodfellow einfach. Doch rannte er etwas geknickt den Weg entlang.
Bald schon erreichten sie die Rollende Festung. Geschickt sprang Estel ihnen hinterher auf die Zitadelle und kletterte die ersten Zentimeter auf die untere Kante zu.
Estel verzog das Gesicht. Überall stank es nach verbranntem Fleisch und Ozon. Hinter den Vier fielen immer mehr tote Gremlins zu Boden, schwarz und verkohlt.
"Da", sagte Ash und deutete auf einen Balkon, der einige Meter über ihnen in der Luft ragte. Estel seufzte, und erklomm die ersten Meter der Mauer mit Klettern. Dicht hinter ihm folgten Ash, Meghan und als Nachhut Puck.
Die Festung war unter der Belagerung der Gremlins stehen geblieben und setzte sich nun wieder in Bewegung.
Meghan erkannte von weit her eine Balkontür und rannte darauf zu, Ash folgte ihr.
Estel warf einen unsicheren Blick zu Puck.
"Geh! Ich mache einen Weg frei!", rief er und hangelte sich auf einer Empore zwei Meter neben dem Balkon hoch. Puck war den dreien hinterher gesprungen.
Sobald er einigermaßen auf der sich jetzt bewegenden Festung stand, zog er den Bogen hervor und tötete von dort oben aus Eiserne Ritter. Nichtsdestotrotz erreichten die meisten Pfeile ihr Ziel, obschon der weiten Entfernung. Im Hintergrund hörte er Puck aufschreien. Schnell warf er einen Blick auf ihn, da schlug neben seinem Bruder ein gelbglühender Blitz ein. Estel sah, wie Meghan etwas in die Tür steckte, und sich dann dagegen warf. Diesmal ging sie auf. Estel vergeudete keine Sekunde, nahm Anlauf und hechtete hinter ihnen in die Festung. Direkt hinter ihm flog die Tür krachend zu, und fesselte die Vier in der Dunkelheit der Festung des falschen Königs.

Estel rollte sich geschickt auf dem Boden ab nach dem Aufprall. Sofort stieg ihm der widerliche Gestank des Eisens in die Nase und er keuchte angeekelt auf. Während er mit den Beinen und einem ausgestreckten Arm das Gleichgewicht auf der sich immer bewegenden Festung suchte, hielt er sich die andere vor den Mund. Die Festung hüpfte mal, mal erzitterte sie und dann begann sie wieder im gleichmäßigen Rhythmus sich zu bewegen. Über den Sinn, wie diese Festung zusammengeschustert war, zerbrach er sich lieber nicht den Kopf; er könnte explodieren, um einen Sinn an dem Gebauten zu finden. Treppen endeten an Wenden, Türen hingen an der Decke, und Wendeltreppen führten ins Nichts. Estel hob eine Augenbraue. "Erinnert an einen Kaninchenbau", meinte er halb scherzhaft und stieß sich von der Wand ab. Sein Blick glitt zu Meghan: sie hatte die Augen geschlossen. Verwirrt sah er zu seinem Bruder. Da entdeckte er das Amulett an seiner Brust. "Seit wann trägst du Schmuck, Brüderchen?", fragte er und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Puck lachte auf. "Im Gegensatz zu dir werde ich nicht so früh abkratzen." Dass dieser Satz versteckte Logik im Petto hatte, blieb Estel jedoch verborgen. Schulterzuckend sah er sich um.
Da bemerkte Meghan, dass der Eiserne König sich im tiefsten Inneren befinden musste. Ash erwiderte etwas, was Estel nicht ganz akustisch verstehen konnte, und zog dann sein Schwert. Pucks Dolche blitzten auf, und der Rothaarige nahm die zwei kleinen Macheten aus der Scheide am Rücken. "Möge die Macht mit euch sein!", murmelte er, hängte den Bogen um die Schulter und ging grinsend auf den einen kleinen Gang zu, der sich dunkel auf der rechten Seite erhob und sich im Dunkeln verlor. Überall hingen Kabel von den Decken und elektrische Funken sprühten auf und erhellten den düsteren Gang. Estel fühlte sich mehr denn je eingeengt und das Eisen drückte auf seinen Schultern, wie eine schwere Last.
Er spürte den dumpfen Schmerz in seinem Bein und das Brennen der versengten Haut um die Wunde herum. Die flammende Wärme in der Festung vermischte sich mit dem stinkenden Geruch des rostenden Metalls. Seine Atmung ging schwerer und rasselte bald schon, als er nicht genug Luft in seine Lungen bekam. Er ging als Nachhut, rückwärts zu seinem Bruder, der vor ihm ging, und hielt Ausschau nach möglichen Verfolgern.
Da gab sein Bein plötzlich und unerwartet nach. Keuchend ging er zu Boden und riss Puck mit runter, der sich Halt suchend an Ash festhielt: auch der Dunkle Prinz konnte sein Gleichgewicht nicht mehr halten: der Boden unter ihnen führte steil nach unten und war rutschig. So purzelten die Drei den kleinen eisernen Tunnelgang entlang und blieben im Dunkeln am Ende liegen. Meghan war zur Seite gesprungen und rannte ihnen nach. Während Estel sich das laute Fluchen von Ash anhören musste, sah Puck es optimistisch: er hatte diesen Spaß mal wieder gebraucht. Estel jedoch hörte keinem von beidem richtig zu. Das Pochen in seinem Bein hatte sich verstärkt und er spürte das warme Blut, das an seinem Bein runterrann und den Leinenstoff blutrot tränkte.
Gerade erreichte Meghan die drei und sah sie geschockt an, während sie nach Atem rang. Dann richtete sich ihr Blick ruckartig auf die freie Fläche vor ihnen, Estels folgte. Schwarze Rohre stützten die metallische Decke und ein weit erstreckender Saal breitete sich vor ihnen aus. Gelbe Neonlampen flackerten an der Decke und gaben die Wirkung, man befände sich in einem Labor. Mit der Aussicht, dass der Boden aus roten gerosteten Lamitplatten bestand und überall sich Öl in den Löchern sammelte.
Im Zentrum stand ein Thron. Majestätisch funkelte er in dem polierten Metall, was ihn ganz in Silber getaucht wirken ließ. Estel stieß einen Pfiff durch die Zähne aus. Und dann konnte man die Gestalt auf dem Thron entdecken. Neben ihm keuchte Meghan auf und schlug sich die Hand vor den Mund.
„Du?“, keuchte sie.
Da erschienen rechts und links Eiserne Wachen und synchron sprangen Ash und Puck auf. Der jüngere Goodfellow kam etwas langsamer hoch, sein Bein fühlte sich an wie Wackelpudding. Ein kleiner Schweißfilm prangte auf seiner Stirn und nasse rote Strähnen hingen ihm im Gesicht.
Er erkannte, wie Puck ihm einen Blick zuwarf, und dass ein leichter Hauch Besorgtheit in seinen Zügen lag. Eine Miene, die er bei ihm noch nie zuvor gesehen hatte, sie war ihm völlig fremd. Dass die Zwillinge doch so gleich aussahen, war jetzt weniger zu vermuten. Estel stand gekrümmt da, stützte sich an der Wand ab und holte gequält Luft, während sein Bruder aufrecht war und Wagemut ausstrahlte. In dem Moment fragte sich der Jüngere, ob diese Unverletztheit und Immunität von dem Amulett stammen könnte, gerade wollte er ihn fragen - als die Wachen zum Angriff übergingen. Ihm blieb nicht groß Zeit darüber nachzudenken, wo Meghan jetzt war, da sie nicht mehr bei ihnen stand, oder wen er zuerst erstechen würde. Oder gar wie er sich retten könnte, hatte sein lädiertes Bein nicht mal richtig beim Gehen standgehalten.
Doch der ausgeprägte Instinkt war ihm immer eine Rettung. Selbst jetzt, denn der Junge hatte einen Meisterkämpfer als Bruder... Da ist was abgefärbt.
Er wirbelte in einer einzigen flüssigen Bewegung die Macheten herum und das ohrenbetäubende Kreischen von Stahl auf Metall war niederringend, wie Fingernägel, die über eine Schiefertafel kratzten...
Er wehrte geschickt den ersten Schlag ab, dann stach er zu. Der Ritter vor ihm ging zu Boden. Blut spritzte aus der Wunde an der Rüstung, und die weitaufgerissenen Augen des Ritters starrten für einen Augenblick ins Leere,- bis er zu schwarzem glänzendem Öl zerfloss.
Neben ihm hörte er Puck und Ash kämpfen. Sein Bruder, der immer wahnwitzige Sprüche riss, wann immer sich die Gelegenheit dazu erbot. Und Ash, der in bitterer Stelle gegen seinen eigenen Bruder kämpfte. Estel könnte sich nie vorstellen, gegen Puck zu kämpfen. Er würde verlieren, der Kampf würde sich zwar hinziehen, doch letzten Endes wäre er der Verlierer. Es musste grausam sein, gegen sein eigenes Geschlecht zu kämpfen, waren die beiden Winterfeen doch nur noch die einzigen Nachkommen Mabs.
Da spürte Estel, während er kämpfte, einen Schimmer von Schein. Verwirrt sah er sich um, um zu sehen, woher dieser Magieeinsatz kam, und er erkannte schließlich Meghan, die sich jedoch sehr schwertat... Er seufzte. Wo lag das Problem? Er schüttelte den Kopf.
Da sah er die Klinge seines neuen Gegners auf ihn zu sausen. Er war merkwürdig untersetzt und Öl lief ihm aus der Nase. Wenn das überhaupt eine Nase war. Sah er so aus, wie ein Anspitzer. Estel sprang vor der Klinge weg, um sich in rettender Sicherheit zu wiegen, doch die Landung der mickrigen zwei Meter war härter als gedacht. Sein verletztes Bein gab erneut unter ihm nach, und Estel hatte nichts, um den Fall zu stoppen. So fiel er rückwärts nieder und spürte sogleich das brennende Metall an seiner Kehle, während er aus verzweifelten Augen zu seinem Bruder blickte.
Nun ist es also aus. Er hatte versagt.

Estel
Als ich wieder zu mir kam, nahm ich zu erst das lästige Dröhnen in meinem Kopf war. Fluchend stemmte ich mich auf die Unterarme und rieb mir über die Stirn. Das Pochen konnte man mit einem gewaltigen Donnerschlag vergleichen, wenn man bis dahin überhaupt noch denken konnte.
Meine Hand tastete nach dem Dolch, den ich bis vor kurzem noch in der Hand hatte, soweit ich mich daran erinnern konnte.
Mit einem Stöhnen ergriff ich den kalten Griff des Messers und meine Finger umschlossen ihn. Dann erkannte ich einen Schatten, der sich über mich beugte. Mit einem Knurren stieß ich meine Hand nach vorne und wollte ihn erstechen, bevor er mir die Kehle aufschlitzen konnte. Doch die Hand schloss sich um mein Handgelenk und drückte zu. Irgendwann verließ das Gefühl meine Finger und der Dolch fiel klirrend zu Boden.
"Verdammt, lass das.", murmelte die Stimme und ich setzte mich auf, nachdem der Druck meine Hand verlassen hatte.
(Ich wollte nur mal schauen, wie das klappt, mit ihm in Ichform zu schreiben, aber iwie ist dumm XD)
Narator:

Nachdem sich Puck von Estel weggebeugt hatte, reichte er ihm eine Hand. "Komm, Bruder", meinte er und zog ihn hoch. Der Zwilling sah ihn an. "Du wolltest mich aber nicht erstechen?"
Puck grinste. "Nö. Dann hätte ich ja keinen Spaß mehr gehabt mich über dich lustig zu machen.", murmelte er belustigt und zog behelfsmäßig Estels Arm über seine Schulter und schlang seinen eigenen um dessen Hüfte.
Estel sah müde zu ihm, ehe die beiden zu Meghan und Ash gingen.
Der Winterprinz hatte sich vor Meghan niedergelassen und hielt sie in seinen Armen. Die Brüder sahen einander an. "Würdest du das auch wollen?", fragte Estel und biss sich auf die Lippe. "Wie oft ich das schon versucht habe", murmelte er und zuckte mit den Schultern.
Als die beiden das Paar erreichten, sah keiner von ihnen auf. Ashs Blick blieb fixiert auf Meghans Gesicht, Tränen rollten ihr über die Wangen und ein Schluchzen drang über ihre Lippen. Ob Ash weinte, konnte Estel nicht erkennen. Falls er es tat, wäre es ein sehr ungeeigneter Zeitpunkt darüber zu feixen. Puck löste sich von Estel und ließ sich neben Meghan fallen.
Der jüngere Goodfellow bekam davon nicht viel mit. Er ließ sich unweit von ihnen auf den Boden fallen und beobachtete sie. In diesem Moment konnte er genau sehen, welche Gefühle die beiden untereinander hegten.
Estel musste wohl eingeschlafen sein, denn als er wieder erwachte stand Puck neben ihm und zog ihn hoch. Verwirrt blickte er drein.
Puck hatte kleine glitzernde Tränen auf den Augen.
"Ist sie...?"
"Nein.", murmelte er tränenerstickt und zog seinen Arm auf seine Schulter.
"Und was machen wir jetzt?"
Die Frage zu stellen, hatte ihm viel Überwindung gekostet. "Wir bringen dich zum Heiler und danach wartet ein Abenteuer auf uns." Estel traute sich nicht zu grinsen. So sehr er es auch gewollt hätte. Das, was gerade geschehen war, wollte er nicht hinterfragen. Er wusste, wie schmerzhaft es war, einen Geliebten zu verlieren.
Ein letztes Mal drehten sie sich zusammen zu Ash um. Der Prinz hielt das blondhaarige Mädchen in seinen Armen und war drauf und dran zu gehen. Der Schmerz stand ihm noch deutlicher im Gesicht, als man von Puck erkennen konnte. Puck gab ihm ein Kopfnicken und Ash marschierte los. Durch die Eisernen Feen, die ihre Schwerter zum Salut erhoben hatten.
Estel sah zu Puck. "Ist der König tot?" Sein Bruder nickte.
Als sie die Ritter passiert hatten, fanden die Vier schnell einen Weg nach draußen.
Draußen, auf dem Schlachtfeld war alles still. Die Reiben von Sommer, Winter und Eisen waren verstummt und Asche regnete zu Boden. Als Ash sie erreichte, teilte sich die Menge ohne eine Wort zu sagen. Die Köpfe der Feen neigten sich vor ihm nieder. Puck und Estel gingen hinter ihnen, sahen stumm zu Boden.
Irgendwann blieb das Quartett stehen. Estel hob den Kopf. Seine Sicht war verschleiert und ein Schweißfilm hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Das Gift zeigte Wirkung. Letzten Endes hing er mehr an Puck, als dass er wirklich selbst stand.
"Lebt wohl", meinte Ash.
"Pass auf sie auf", erwiderte Puck. Ein paar schweigende Sekunden vergingen, ehe sich Puck verbeugte und sich in einen Schwarm schwarzer Raben auflöste. Sekunden später war auch der zweite Goodfellow nicht mehr zu sehen. Welchen Plan Ash hatte, blieb Estel unbekannt.
Das Gift fraß sich immer weiter durch seinen Körper, und das wusste er. Irgendwann wird er dem erlegen sein, was folgen wird....

Es war ein unglaubliches Gefühl zu fliegen. Den Wind zu spüren, wie er durch die Federn sauste und die Luft in den Augen brannte. Wie man sich im Winde treiben lassen kann und alles aus einer unglaublich anderen Perspektive sieht. Wie Wälder unter dem schwarzen Gefieder vorbeifliegen, und man sah, wie weit sich das Nimmernie in den Horizont erstreckte. Die Sonne stand blutrot am Himmel, ein Zeichen dafür, dass dieser Tag ein Tag der Geschichte sein wird. Von hier oben aus konnte man auf gleicher Höhe mit der Sonne fliegen, ihr direkt zu fliegen und sich immer mehr in sie verlieren. In der Gewaltigkeit des Nimmernies, ein Reich ohne Grenzen. Der Wilde Wald erstreckte sich weit hinaus, erst ganz klein, ganz hinten, sah man die Wolkenkratzer Mag Tuiredhs und das Eiserne Reich. Ein Reich, wovon jede Fee träumen könnte immun gegen zu sein. Doch nicht allen war das vergönnt. Und das wusste Estel auch. Eisen war gefährlich, schon gar, wenn es zusätzlich vergiftet war. Und in ein paar Stunden würde er genau dem erlegen sein. Ein letzter Flug, ein letztes Lächeln und dann war nichts mehr. Er würde vergehen, könnte nicht gerettet werden, und das wusste er auch. Er spürte, wie sich das Gift durch seinen Körper fraß, rote, wunde Brandverletzungen hinterließ und sein Inneres zerstören würde. Er spürte, wie seine Kraft Flügelschlag um Flügelschlag nachließ, er spürte das vergiftete Blut durch die Gefäße auf geradem Weg seinem Herzen zu fließen. Um es dann vergiften.
Er fühlte, dass es vorbei. Dass seinem Leben nun ein Ende gesetzt wird. Manchmal tut Festhalten mehr weh als Loslassen.
Eine kleine glitzernde Träne rannte ihm das schwarze Gefieder runter. Ein Rabe, der weint. Eigentlich müsste er darüber lachen müssen, doch er konnte nicht. Es fühlt sich schrecklich an, zu wissen, dass man stirbt.
Nicht, dass er das nicht gewusst hatte, dass dieser Tag kommt, doch dass er schon so früh kommt...
Er schlug ein paar Mal mit den Flügeln, um die Höhe zu erreichen, die er am Anfang gewählt hatte. Puck flog neben ihm, den Blick gen Himmel gerichtet.
Auch er schien zu ahnen, dass Estel sterben würde.
Gerade erst gefunden. Und nun wieder getrennt.
Es war bestimmt nicht leicht, das war klar. Er würde nie das sein, was er sich wünschte. Eine große Liebe zu haben, den Ruhm zu kassieren, den sein Bruder jetzt hatte, und ein Symbol zu werden.
Feen konnten auf zwei Arten sterben. Entweder sie fallen im Kampfe oder sie schwinden.
Bald verschwamm Estels Sicht immer mehr. Krämpfe durchliefen seinen Körper, und er sackte immer weiter ab, ohne an Höhe zu gewinnen.
Ein verzweifeltes Krächzen verließ seine Kehle und er spürte, wie seine Flügel immer weiter den Dienst versagten. Und dann war es soweit. Er spürte, wie der Boden auf ihn zuraste, wie seine Gliedmaßen gelähmt waren, und dann, wie alles Schwarz wurde.

Es ist schon eine komische Sache zu sterben. Wenn der Boden auf einen zurast, und man weiß, dass man sterben wird. Wenn man keine andere Wahl hat, als zu sterben, wenn man dem Boden so nah ist, dass man nur noch eine Haaresbreite entfernt ist. Und dann setzt der Schmerz ein. Wie alle Knochen im Körper zertrümmert werden, man keine Luft zum Atmen hat, dann weiß man Ich werde sterben.  
Diese Erkenntnis jagt manchem nichts ein, man weiß, dass sein Ende gekommen ist. Doch das Adrenalin war zu kräftig, um darüber nachzudenken.
Das einzige was für Puck jetzt zählte, war seinen Bruder schnellstmöglichst zu einem Heiler zu bringen. Hatte er ihn zum Glück noch abfangen können, bevor sein lebloser Rabenkörper auf dem Boden aufgeprallt war.
Der Rothaarige lag jetzt sicher in Pucks Armen. Schweißperlen tropften von seiner Stirn und sein Atem ging rasselnd. Er war bewusstlos, doch wusste Puck, dass er in diesem Moment dem Tod näher war, als dem Leben.
Sein Abbild hing kraftlos in seinen Armen. Der Anblick machte Puck unsagbar traurig. Doch raffte sich der Goodfellow auf und machte sich auf den Weg zum nächsten Heiler.
Auf dem Weg durch den Wilden Wald erschlaffte Estels Körper plötzlich und sein Atem versiegte. Sofort blieb Puck stehen und ließ ihn auf den Boden sinken.
Ein kleines Rinnsal Blut lief an den Mundwinkeln des jüngeren Goodfellow hinab und sein Mund war leicht geöffnet. Panik erfüllte Puck und hektisch fühlte er mit dem Zeige- und Mittelfinger nach seinem Puls am Hals. Er konnte doch nicht tot sein!
Es vergingen Minuten, in denen Puck verzweifelt nach dem Herzschlag suchte, doch da sich Estel nicht auflöste, war er maßgeblich noch am Leben.
Plötzlich raschelte es hinter ihm. Erschrocken wirbelte er herum und war bereit seine Dolche nach dem Wesen zu werfen.
Doch steckte er sie sofort weg.
Eine Sommerfee stand dort, in einem blauen Kleid, und langen blonden Haaren. Ihr schüchternes Lächeln hob ihre kleine Stupsnase hervor und meerblaue Augen strahlten ihn an.
"Kann ich Euch helfen?", fragte sie an Puck gerichtet und deutete auf Estel.
Der Ältere legte den Kopf schief.
"Wer bist du?", erwiderte er und ließ sich vor Estel sinken. Das Mädchen erweckte nicht den Anschein einer Gefahr, so lächelte er sie anmutig an.
„Maeva. Du kannst mich aber auch Mae nennen. Das tun die meisten. Meinen wahren Namen sage ich dir nicht."
Puck musste grinsen. "Also braucht ihr Hilfe?", fragte sie schließlich und trat auf Puck zu.
"Nur zu. Jede Minute ist wichtig."
Sofort war sie bei Estel und achtete gar nicht darauf, dass sie Goodfellows waren, für sie waren es einfach Sommerfeen, die hilfsbedürftig waren.
"Sag mal...wieso kannst du das?", durchbrach Puck schließlich die Stille.
"Ich bin Heilerin. Naja. Nicht ganz, noch in Ausbildung.".
Sie hatte ein herzhaftes Lachen und einen schönen Mund. Puck dachte im ersten Moment, er würde vor Meghan stehen, doch war Mae weitaus wilder. Und glücklicher.
Würde er sich doch anders verlieben?
Irgendwann sah Mae auf. Sie kniete vor Estel, hatte ihm das weiße Hemd ausgezogen und nahm ihre Hände schließlich von seiner Brust.
"Soo fertig. Das Blut ist gereinigt, eigentlich müsste er jetzt gesund werden. Naja an Kraft mangelt es noch."
Puck gefiel es, wie sie redete. Welche Fröhlichkeit sie ausstrahlte, obwohl das Nimmernie im Krieg war.
"Warum warst du nicht auf der Ebene, Mä?"
"Mae, du Idiot. Und wieso sollte ich? "
"Naja, du gehörst doch dem Sommerreich an?"
"Nein, ich bin frei. Ich gehörte zu Titania. Ich bin nicht gebunden wie du und dein Bruder."
Sie lächelte und knöpfte Estel das Hemd zu.
Puck verschränkte die Arme. "Ahaaa."
Maeva schenkte ihm noch ein Lächeln, wenn ihr mich braucht, ruft einfach nach mir. Ich komme dann. Ihr seid ja beide knuffig."
Puck lachte. "Du machst mich sprachlos."
"Kommt gar...nicht so...häufig vor...was?", meldete sich eine zweite Stimme. Die beiden wirbelten herum und sahen zu Estel. Der Junge hatte sich auf die Unterarme gestemmt und versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. "Wowow Diggah.", meinte er und drückte Estel zurück. Der jedoch wagte einen Pfiff durch die Zähne. "Uhlala heiße Beute.", meinte er und zwinkerte Mae zu. Mit einem Augenverdrehen wandte sie sich ab und verschwand im Wilden Wald.

"Ich kann selbst laufen!", donnerte Estels Stimme jetzt schon zum hundertsten Mal durch den Wald. Und das ging jetzt schon die ganze Zeit so. Eine lange Zeit...
Der ältere Goodfellow trug seinen kleinen Bruder im Brautstil durch den Wald. Estel wehrte sich immer wieder, doch Puck ließ nicht locker.
Vor einer guten Stunde waren sie aufgebrochen; waren auf den Weg in die Menschenwelt, um dort Ash zu treffen, der irgendwas mit ihnen vorhatte. Die Nachricht war unvermittelt gekommen, ein kleiner Schneehase hatte es ihnen berichtet. Aber es sah schon witzig aus, wie ein schneeweißer Haase durch mitten einer grünen Landschaft hüpfte.
Doch die Nachricht war nicht das Problem, das den Wald in Aufruhr weckte. Beide Goodfellows wussten, dass sie leise sein mussten, doch interessierte sich keiner der beiden gerade dafür.
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Nachdem sie etwas verdutzt Maeva hinterher geblickt hatten, machten sie sich auf den Weg. Zuerst war Estel noch sehr wackelig auf den Beinen, doch das legte sich schnell. Irgendwann stolzierte er neben Puck her, bis plötzlich sein Körper den Tribut forderte. Völlig unvermittelt sackte Estel auf den Boden zusammen und blieb dort keuchend liegen. Sein großer Bruder war zur Stelle gewesen und hatte ihm aufgeholfen. Als jedoch Estels Beine wieder nachgaben, machte Puck einen schnellen Schluss. Ohne zu zögern hob er seinen Bruder in seine Arme und marschierte los. Erst ließ Estel sich seinem Schicksal hingeben: dann fing er an sich zu wehren und Puck zu schlagen, er solle ihn runterlassen.
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Sie waren auf den Weg ins Eiserne Reich. Naja, fast. Im Wilden Wald, sozusagen. Da alle Altblütler ja gegen Eisen 'allergisch' waren, konnten sie schlecht die ganzen Versammlungen im Eisenreich tätigen.
Und es war viel zu klären.
Neue Vereinbarung, neue Gesetze, die Grenzen, und vor allem, wo sollten die Treffen stattfinden, wenn keines der Territorien das andere betreten konnte?
Alle drei Reiche sammelten sich auf einer großen Lichtung. Zwischen verkohlten Bäumen tauchten hin und wieder schneebedeckte Äste auf und manchmal hingen sogar messerscharfe Eiszapfen von den Geästen. Insgesamt sah es ganz schön chaotisch aus, denn irgendwo steckte immer ein kleines Gänseblümchen ihren Kopf durch einen gefrorenen Teil.
Eine lange Tafel war aufbereitet worden, allerdings befand sich kein Essen auf dem Tisch. Im Gegenteil: Papier. Und zwar viel Papier. Viele Stapel an jedem Platz und Füllhalter lagen überall verstreut.
Helles Licht erleuchtete die Lichtung und ließ einige Blumen schön erstrahlen. Oberon, Titania und zur Rechten Meghan, zur Linken Königin Mab. Und alle hatte eine nicht sehr angenehme Miene aufgesetzt, dass hieß für vor allem Puck im Klartext, nicht nerven, nicht stören, nicht reizen, nicht....blaaaa....
Ob das für ihn so einfach einzuhalten war, stellte sich noch heraus.
Als die Versammlung schon begonnen hatte, und alles still wurde, wollte Oberon gerade das Wort erheben, als man von weitem das Gezänke der Goodfellows vernahm.  
Oberon fuhr sich durchs Haar und sah mitleidig zu Meghan.
"Goodfellow", seufzte er und sah erwartungsvoll zu den Wachen der Sommerfeen, die sich zwischen zwei Bäumen platziert hatten und die Überwachung des nördlichen Einganges zu übernehmen.
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Irgendwann, es war schon weit nach Sonnenaufgang, ließ Puck Estel runter. Der Jüngere seufzte, streckte sich und schnürte die Waffen nach.
Sie hatten bei einem alten Freund übernachtet, in dem Teil des Waldes, der noch nicht vergiftet war. Bis tief in die Nacht hatten sie geredet, und der kleine Rothaarige durfte keinen Schritt tun. Als er schließlich eingeschlafen war, redeten Berrit, die Nymphe, und Puck noch lange und tauschten Neuigkeiten aus. Von der Vergiftung des Nimmernies bis zu dem Krieg, vergangener Nächte.
Als sie am Morgen aufbrachen, hüpfte Estel aufgeregt rum. Heute würden sie Meghan wiedersehen: die Aufregung war groß. Doch nicht als die Meghan, die sie einst kannten. Nein, sondern als Eiserne Königin. Die Eiserne Königin.
Bald hatten sie die Versammlung erreicht. Puck war es leidig geworden, ihn zu tragen, deswegen nahm er seinen Bruder Huckepack. Estel ließ sich das ausnahmsweise gefallen, aber nur unter dem Vorwand, dass er ihn kurz vor dem Treffen runterließe.
Und dann trafen sie ein. Die patrouillierenden Ritter ließen sie vorbei, nachdem sich beide spöttisch verbeugt hatten. Laut lachend störten sie das Treffen, alle Augen richteten sich auf sie. Sommerfeen erhoben sich empört, Winterfeen setzten einen kalten, sehr kalten, Blick auf und die Eisernen Fee sahen sie doch recht gleichgültig an.
Da standen sie. Von Fuß bis Haar gleichaussehend. Allein der Langbogen auf Estels Rücken trennte sie beiden. Kniehohe Stiefel, verstrubbelte rote Haare, Lederjacken, -Hosen und mit lockeren Hemden und Schnüren bestückt. Beiden hing ein Dolch an der Hüfte, bei Estel noch ein langes Deutsches Schwert, und beide hatten ihr wahres Grinsen aufgesetzt.
"Goodfellow", stöhnte Oberon.
"Zu Euren Diensten", antworteten beide synchron und machte einen verspottenden Knicks.

"Wie dem auch sei", fuhr Mab fort. "Die Grenzen müssen strickt unterlegt sein." Säuselnd betrachtete sie ihre schwarzen Fingernägel und musterte dann die Runde.
"Und wie wollen wir sie markieren, geehrte Mab?", fragte Titania und sah Meghan jedoch erwartungsvoll an.
Es war nicht das erste Mal heute, dass sich alle außer Puck und Co. gegen sie wandten. Zumindest alle Altblütler. Glitch war ihr treu geblieben, und beriet sie.
Es musste noch viel geklärt werden, die Zwillinge hingen auf ihren Stühlen. Und es sah so aus, als ob beide schliefen...
Es wurde viel besprochen. Neue Grenzen wurde gelegt, neue Gesätze verhandelt und unterschrieben, und alles, was das Eiserne Reich haben musste, um nicht den Wilden Wald zu zerstören.
Der Vormittag war schon bald hin und zumindest Estel erwartete seelenvoll das Mittagessen.
Es war kurz nach Tagesanbruch, als sie aufbrachen. In letzter Zeit war viel passiert, sie hatten Ash gefunden, und hatten kurzfristig beschlossen, ihn ans Ende der Welt zu begleiten.
Sie waren alle Freunde, und alte Freunde halfen sich, auch wenn Estel etwas mulmig zu Mute war. Und nun waren sie direkt ins Abenteuer gerast und hatten nun eine Mission. Eine gefährliche Mission. Viele, so erzählte man sich, hätten das Ende der Welt nie gesehen, und wenn sie versucht hätten eine Seele zu erringen, sind sie nie zurückgekehrt.
Da konnte man mit noch so viel Hoffnungslosigkeit reingehen, die Goodfellows waren davon sowieso nicht abzubringen.
"Hey Eisbubi!" Pucks Nerv tötende Stimmen hallte zum x-Tausendsten Mal an Estels Ohr. Und schon wieder fragte er, ob Ash noch wusste wo es lang geht. Mit einem Seufzer pampten sie den Sumpf entlang, der als 'die Knochenmarsch' bekannt war. Und der Weg machte seinem Namen alle Ehre; überall ragten neben dem Sumpf Knochen heraus, und Nebelschwaden verdüsterten die Sache im Allgemeinen gesehen nochmal. Irgendwo tropfte Wasser herunter, und erinnerte die Drei daran, dass sie keines Falls alleine in diesem Teil des Wilden Waldes waren.
Estel kicherte, als er sah, was Puck vorhatte. Sein Bruder bückte sich, formte den Matsch zu einer Kugel und warf sie an den Baum, direkt neben Ash. Der Winterprinz blieb stehen, was den Zwillingen ein spöttisches Grinsen entnahm und beide gleichzeitig riefen: "Hey! Er lebt!"
Man merkte, dass mindestens einer von den beiden heiser war. Immerhin hielten sie es für nötig, den Prinzen mal so richtig auf den Keks zu gehen. Und das hatten sie beim Willen aller Götter geschafft. Der Blick, den der Prinz ihnen zuwarf, hätte töten können.
Sie waren auf der Suche nach dem Kater. Nicht irgendeinem Kater, nein, Grimalkin. Ein sprechendes Feenwesen und die beiden Goodfellows fanden es äußerst amüsant, den Kater immer Fellball oder Katze zu nennen. (Letzteres tat zum Beispiel Estel gerne). Und der Kater hatte ganze Arbeit geleistet. Er war einfach unauffindbar. Die drei, besonders Puck ließen sich nicht gerne von einem Ende des Nimmernies zum anderen jagen, Versprechungen geben oder Gefälligkeiten einräumen, sich von wütenden Feenkönigin zum Tode verurteilen lassen, oder sonst was. Das war hier der beinahe sechste Versuch (so kam es Puck vor) diesen verdammten Kater zu finden. Und irgendwann war mal Schluss, beinahe hatten sie schon Angst vor ihrem nächsten Ziel. Und wieder erinnerte Ash die beiden Goodfellows daran, dass sie gar nicht mitkommen brauchten. Doch auch zum leserlichen Vergnügen, hingen die beiden wie Kletten an Ash.
Die ganze Nacht lang gingen sie weiter. Es war für alle der Vorteil, dass es die Jabberwocks, die hier in den Sümpfen hausten, es nicht der Mühe wert empfanden, nachzusehen, woher der Radau kam. Und dann kamen sie endlich an ihr Ziel an. Grimalkin müsste sich wohl laut den Gerüchten in einem Haus befinden, dass auf zwei krummen Hühnerbeinen stand, und von nackten Knochen umzäunt wurde. Estel schluckte.
"Macht ja einen ganz guten Eindruck", sagte er und versuchte nicht allzu lange auf die Totenköpfe zu starren, die auf jedem Pfosten an der Wegseite hingen.
Estel betrachtete seinen Bruder mit einem sehr unsicheren Blick, als er wie ein Verrückter zu grinsen begann.
"Da wären wiiiiiiiiir", sang er und machte eine einladende Geste auf das Haus zu. "Und ich wette mit euch, das alte Mädchen ist noch genauso gruselig, wie bei unserem letzten Besuch." Ash erwiderte darauf irgendetwas, was der jüngere Goodfellow nicht verstehen konnte. Doch dachte er, dass es nichts Gutes war, denn danach hob Puck bei einem Wort merkwürdiger Weise die Stimme. Während Ash und Puck noch über irgendetwas aus der Vergangenheit diskutierten, öffnete Estel das kleine Törchen und überquerte den überwucherten Garten. Er zuckte zusammen, als die Hühner quakend die Flucht ergriffen. Puck hatte zu ihm aufgeholt und boxte ihn in die Schulter.
"Feige wie eh und je."
"Goodfellow", Ashs Stimme durchschnitt die Stille. "Ärger deinen Bruder nicht, sondern tanz an."
Schmollend schritt er die Stufen zur Veranda hoch. Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen.
"Ihr schon wieder", sagte eine wahrlich genervte Stimme.

Vor ihnen stand eine alte Frau. Sehr alt. Weiße Haare umrahmten ihr Gesicht und ihre knorrige Hand hielt einen geflochtenen Korb, aus dem noch ein Beil rausragte. Estel wollte lieber nicht wissen, wieviel Blut daran klebte...
Kurz schielte er zu dem Winterprinzen, der gelassen wirkte, doch die Kiefermuskeln spannten sich deutlich. Dann glitt sein Blick zu seinem Bruder, der lässig auf der Veranda hockte und verschränkte die Arme.
"Na?"
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