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Die Geküsste von Venus

von Calypsoo
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Kagome Sesshoumaru
25.08.2020
08.11.2020
7
35.327
6
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25.08.2020 614
 
Es war ganz still im Zimmer.

Sie saß kerzengerade vor einem runden Tisch und starrte ihr eigenes Gesicht im Spiegel an. Sie wartete geduldig und genoss ihre Einsamkeit.
Auf einmal hörte sie, wie eine Tür leise geöffnet und geschlossen wurde. Lautlos stellte sich ihre Dienerin neben ihr und verbeugte sich leicht. Die sitzende Frau schenkte ihr zunächst keine Aufmerksamkeit.
Es war die schwierigste Zeit am Tag für sie.
Die junge Zofe seufzte leise. Sie hatte sich an diese Routine schon lange gewöhnt.
Die andere junge Frau nahm ein Geräusch einer sich öffnenden Truhe wahr. Die Bedienstete strich sich die hellbraunen Strähnen aus dem Gesicht und erschien wieder neben ihrer Herrin.

Sachte trug die Dienerin eine Schicht Puder auf das Gesicht der Dame. Sie brauchte nicht viel, da ihre Haut ohnehin so rein wie Porzellan war. Ihre helle Haut glänzte, als ein paar Sonnenstrahlen auf ihr Gesicht fielen.
Die Braunhaarige bemerkte, wie die Hände der anderen Anwesenden leicht zitterten, bevor sie diese zu Fäusten schloss.
Etwas Rouge wurde auf ihre rosigen Wangen aufgetragen, sogar auf ihre zierliche Nase, wodurch ihr fein geschnittenes Gesicht jünger aussah. Ihre hohen Wangenknochen wurden dadurch dezent betont.
Ihre perfekt geschwungenen Augenbrauen wurden mit etwas Kohle, sogar noch dunkler gemacht.
Mit einem Lippenstift wurde vorsichtig die dunkelrote Farbe auf ihre vollen Lippen aufgetragen.
Nun wandte sich das Dienstmädchen den hüftlangen Haaren zu. Sie entnahm der Truhe einen mit Blumen verzierten Kamm. Sanft kämmte die Frau die dunklen Wellen. Im Sonnenlicht nahmen die Haare fast schon einen dunkelblauen Ton an. Einige Zeit verstrich, bevor die Dienerin die gesunden Haare fertig gekämmt hatte und zufrieden durch Löwenmähne mit ihren zarten Fingern strich. Mit einem weißen Band band die Zofe die Haare zusammen.
Behutsam nahm sie die Hand ihrer Herrin und führte sie in die Mitte des Raumes, wo es eine kleine Erhöhung gab mit einem großen Spiegel davor. Die junge Frau stieg auf den kleinen Podest und wartete bis die Dienerin sie anzog.
Sie hob ihre Arme, damit es der kleinen Frau leichter fiel ihr ein weißes Unterkimono anzulegen. Das Kleidungsstück schmiegte sich an ihre perfekten Kurven. Die junge Herrin betrachtete sich erwartungsvoll im Spiegel. Fuhr mit ihren Augen ihren runden Po, die breiten Hüfte und der Wespentaille nach. Nachdem der Unterkimono richtig saß, wurde ein edles, dunkelrotes Kimono angelegt. Das Motiv zeigte zwei weiße Schwalben, die auf einem Ast saßen. Weiße Kirschblüten verzierten die Vögel und das restliche Gewand. Ein Kennzeichen ihres hohen Standes. Ein weißer Obi wurde mehrmals um ihre Taille gelegt und mit einem Kordel fixiert.
Nun kniete sich ihre Dienerin hin und zog der schwarzhaarigen Frau dunkelrote Getas an. Ringe, Ketten und Armbänder aus Gold zierten die Körperteile der Herrin, wo kein Stoff angebracht war.
Die junge Frau stieg vom kleinen Podest und schritt selbstbewusst zum großen Spiegel und musterte sich. Sie war wunderschön. Sie war die schönste Frau der Welt. Sie blickte zu ihrer Dienerin auf und sah das dunkelrote Tuch in ihren Händen. Es war ein Segen und ein Fluch. Unsicher trat die Zofe auf ihre Herrin zu und flüsterte leise: „Verzeih mir.“
Die schwarzhaarige Dame wandte ihren Blick wieder ab, atmete tief durch und schwieg. Sie sah entschlossen in den Spiegel.
Zwei verschiedenfarbige Augen starrten zurück.

Das rechte Auge war azurblau. Ein Attribut der Göttin Venus.
Das linke Auge war rehbraun. Ein Attribut ihrer Mutter.

Auf einmal wurde ihre Sicht durch den dunkelroten Stoff eingeschränkt, der ihr vor das Gesicht fiel.
Sie sah die Umrisse ihrer Dienerin, die mit ihrem gesenkten Kopf hinter ihr stand.
Sie sah ihre eigene Gestalt, die hinter diesem Tuch verborgen blieb.
Aber sie sah trotz des Tuches das Leuchten ihrer Augen.

Ja. Ihre Schönheit war ein Segen und ein Fluch.
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