RISK

OneshotDrama, Romanze / P12
Gabriela Dawson Matthew Casey
25.08.2020
25.08.2020
1
2.929
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Dieses Kapitel
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25.08.2020 2.929
 
TITEL: RISK
INSPIRATION: Chicago Fire
PAIRING: Gabriela Dawson x Matthew Casey
COVER: coming soon
DANKE AN: Meinen Korrekturzauberer @Nikomanistik und meine gute und treue Freundin @Leyla1
STATUS: abgeschlossen, Korrektur am 25.08.2020

Herzlich willkommen zu einem weiteren Nebenprojekt von mir meine lieben Leserinnen und Leser! Dieses Projekt hat sich in meinem Kopf entwickelt, während ich in den letzten Wochen grübelnd meine Abende im Büro verbracht habe.

Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne bei meinen anderen Projekten "FOOTSPEPS", "BITTERSWEET" und "LOVER" aus dem Chicago Fire und PD Universum vorbei schauen.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen dieses emotionalen Abenteuers und ich bin super gespannt wie euch das offene Ende gefällt. Ich habe mich von der Musik leiten lassen und hoffe, euch gefällt mein kreatives und zusammengewürfeltes Drama. Persönlich bin ich ganz zufrieden mit dem One Shot.
Ich freue mich über eure Meinungen, Ideen, Verbesserungsvorschläge und Inspirationen für weitere Projekte in den Kommentaren!

Viele Grüße, Aliana Trapp

M A T T

Obwohl die Doppelschicht seit zwei Stunden vorbei ist, sitze ich noch immer in meinem kleinen Büro auf der Feuerwache 51 und verfasse seitenlange Einsatzberichte, weil es nun Mal zu meinen Pflichten gehört Papierkram zu erledigen. Alle anderen sind bereits nach Hause gefahren, Hermann zu Cindy und seinen Kindern, Mouch zu Trudy und Gaby ganz alleine, weil ich noch immer hier sitze und nicht vorankomme. Seit einigen Wochen, vielleicht sogar seit über einem Monat kann ich mich nicht mehr vollkommen entspannen, weil mich diese enorme Verantwortung an manchen Tagen erschlägt und wie eine brechende Welle des Ozeans im Sturm unter sich begräbt, mit Salzwasser bedeckt und mich erstickt an den feuchten Sandstrand heran spült. Mit trägen Handbewegungen streiche ich mir durch die dunkelblonden Haare und kreise mit dem Kopf, weil jeder einzelne Muskel in meinem Körper zum Zerreißen angespannt ist und ich keine Zeit finde, mich zu erholen. Seit der Beförderung verbringe ich mehr Zeit mit Formularen und Personalfragen als auf der Drehleiter.

In manchen Lebensmomenten, in letzter Zeit häufiger, als ich möchte, glaube ich, dass die Beförderung ein Fehler war, weil ich es nicht schaffe, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Unglücklicherweise sehe ich Gabby nur noch selten, an manchen Tagen fühlt es sich zwanghaft an zu ihr nach Hause zu fahren, weil es sich nicht mehr wie eine liebevolle Ehe anfühlt und genau das bedauere ich am meisten seit der Beförderung. Ich sehe sie selten, zu selten, und ich vermisse sie. Sie, ihre vertraute Stimme und das frohe, freie Lachen, wenn wir Zeit für uns finden. Ganz besonders vermisse ich ihre körperliche Nähe, nicht nur den Sex, aber es fehlt mir sie in die Arme zu schließen und festzuhalten, so lange, wie wir Zeit haben.

Als ich Stunden später den Wagen am Straßenrand parke, den brummenden Motor abstelle, verstummt das Radio augenblicklich und ich lehne den Kopf erschöpft an das Kopfteil des Fahrersitzes. Mein Herzschlag pocht vor träger Müdigkeit in meinen Ohren. Durch die Verzögerungen und missverständlichen Schlüsse beim letzten Einsatz musste ich jedes einzelne Detail zu Papier bringen und es mit Chief Boden besprechen, weil es möglicherweise Befragungen in den nächsten Wochen geben könnte. Aktuell verbringe ich so viel Zeit alleine auf der Feuerwache, weswegen ich und Gaby uns kaum noch sehen und die unsichtbare Distanz zwischen uns weiter wächst. Ich verliere Zeit, die ich mit Gaby, meiner Frau, verbringen könnte und sollte. Zeit, in der ich Gaby mit sanften Worten und leidenschaftlichen Küssen besänftigen könnte. Zeit, mich mit ihr gemeinsam in zerknitterten und samtweichen Bettlaken zu wälzen, um ihr zu zeigen, wie sehr sie mir fehlt. Stattdessen sitze ich nach jeder Schicht in den vergangenen Wochen auf der Feuerwache und fülle Formulare aus, bearbeite Personalfragen und schreibe Einsatzberichte.

Mit brennenden Augen steige ich gähnend aus dem Wagen und greife mir die Tasche vom Rücksitz. Obwohl es ein sonniger, wolkenloser Frühlingsmorgen ist, fahren nur wenige Autos auf der Straße und es ist auf merkwürdigste Weise still in Chicago, sodass das Zuschlagen der Autotür in meinen Ohren dröhnt. Ich muss dringend Ruhe finden und Zeit, mich mit Gaby auszusprechen und zu versöhnen. Trotz der drängenden Müdigkeit überschlagen sich meine ruhelosen Gedanken in meinem Kopf und diskutieren lautstark, wie an einem Konferenztisch der Wall Street. Je länger und intensiver ich über die vergangenen Wochen nachdenklich, umso bewusster wird mir, dass ich meine Pflichten als Captain zwar erfülle, die als Ehemann aber vernachlässige.

Mit einem leisen Klirren stecke ich den Haustürschlüssel ins Schloss und drehe bis es klickt. Ich schiebe die Tür nur soweit auf, bis ich mühelos in den Tageslicht durchfluteten Flur treten kann. Als mir das flüchtig wärmende Sonnenlicht ins Gesicht fällt, schließe ich die Augen, um einem Moment der Ruhe zu finden. Aus dem offenen Wohnbereich klingen Gitarrenklänge zu mir durch, während eine samtige Frauenstimme über endlose Liebe singt. Es klingt so unfassbar weit weg, weil Gabby und ich uns soweit von diesem Glück entfernt haben in den letzten Monaten. Augenblicklich breitet sich ein krampfartiges Druckgefühl in meiner Brust aus, was pochend gegen meinen Rippenbogen drückt, weswegen ich mit der Hand darüber fahre, um es zu verscheuchen und aufzulösen, doch es wird noch ein wenig drängender, als ich zwei, vielleicht drei Schritte gehe und Gabby an der Küchentheke entdecke. Sie sitzt mit verschränkten Beinen auf einem der Drehstühle und blickt konzentriert auf den Laptop, tippt hin und wieder einige Tasten. Ihre geschwungenen Lippen sind zu einer geraden Linie zusammen gepresst und sie wirkt nachdenklich, vielleicht sogar ein wenig melancholisch. Oh, Schatz.

Gabbys mokkabraunes Haar ist zu einem wilden Knoten zusammengebunden, aus dem einzelne Haarsträhnen fallen und ihre zarten Gesichtszüge umrunden. Sie trägt Bluejeans und eines meiner Shirts, was ihr viel zu groß ist und doch passt es perfekt. Ich habe in den vergangenen Monaten jedes kleine Zeitfenster ausgenutzt, um mich mit den Aufgabenbereichen eines Captains zu beschäftigten, anstatt mich um meine Frau zu kümmern, sie zu küssen und sie vielleicht einfach im Schlaf zu beobachten und ihre atemberaubende Schönheit zu bewundern.

Während ich sie eingehend betrachte und ihre unfassbare, natürliche Schönheit nach all den Jahren noch immer nicht begreifen kann, hebt sie den Kopf und sieht mich mit ihren haselnussbraunen Augen an. Ihr Anblick verschlägt mir den Atem, sodass ich für einige Wimpernschläge Schwierigkeiten habe, tief ein und auszuatmen, weswegen ich den Tragriemen meiner Tasche fester umschließe, sodass meine Handinnenfläche zu brennen beginnt. Doch ich ignoriere den kleinen, vielleicht sogar bittersüßen Schmerz, weil ich so erschöpft bin, und schließe kurz die Augen, in der Hoffnung, das beklemmende Gefühl in meiner Brust wieder zu zerstreuen. Doch ich weiß es besser, denn seit meiner ersten Begegnung mit Gabby, verspüre ich diese elektrisierende körperliche Anspannung und gleichzeitige Sprachlosigkeit viel zu intensiv, was mich jedes Mals auf neue fasziniert und zeitgleich überwältigt.

Trotz der dunklen, beinahe mitternachtsschwarzen Schatten unter ihren Augen sieht sie wunderschön aus. Das ist sie immer für mich. Sie hat die vergangen Stunden alleine auf mich gewartet und geweint, und ich bin daran schuld. Du bist ein Mistkerl. Ein schlechter Ehemann!, schimpft mein Unterbewusstsein wutentbrannt mit verschränkten Armen, während es sekündlich mit seinen kleinen Füßen auf den Boden tippt. Es funkelt feurig und enttäuscht, weil ich die vergangenen Monate so einiges vernachlässigt habe, ganz besonders Gabby, meine Ehefrau, die Liebe meines Lebens.

"Hey, du bist hier." Gabbys Stimme klingt leise, fast flüsternd und doch so zärtlich, beinahe himmlisch, aber ich höre den Frust und die Enttäuschung, ihre aufgewühlten Gefühle und die Sehnsucht aus ihren Worten heraus.

"Hi", entgegne ich murmelnd und mustere sie intensiv, während ich die Tasche mit einem dumpfen Geräusch von meiner Schulter auf den Boden gleiten lasse und einen Schritt auf sie zu gehe.

Gabby streicht sich mit der Hand eine lose Haarsträhne hinters Ohr und dreht sich auf den Stuhl vollständig zu mir um. "Du warst lange weg, Matt."

Ich weiß. "Es tut mir leid, Gabby. Der Papierkram...er ist nicht auf meiner Seite", antworte ich und dränge mein schlechtes und wütendes Unterbewusstsein in die Ecke, um es zum Schweigen zu bringen, wenigstens für einen kurzen Augenblick. Mit einem einzigen großen Schritt überwinde ich den letzten Abstand zwischen uns, lege meine kühlen Hände an ihre Wangen und senke die Stirn gegen ihre. Ich nehme ihren einzigartigen Geruch aus Shampoo, Parfüm und ihr selbst wahr, schließe kurzzeitig die Augen und in dem Moment schweigt das Chaos draußen auf den Straßen und vor allem in meinen Gedanken. Das Parfüm, was sie schon seit so langer Zeit, seit Jahren, trägt, vernebelt mir noch immer die Sinne. Es lässt meine Nase kribbeln und mein Herz schneller schlagen, weil es sich so sehr nach Hause anfühlt. Ihre Handgelenke umfassen meine und ich spüre ihren warmen, vertrauten Atem auf meiner Wange, bevor sie über meine Unterarme hinauf zu meinen Schultern streicht. Ihre Fingerspitzen tanzen so sanft über meine bedeckte Haut, dass es trotz des Jackenstoffs, ein kribbeliges Knistern in mir auslöst.

"Der Papierkram ist in letzter Zeit nie auf deiner Seite." Sie hebt eine perfekt gezupfte Augenbraue und presst die Lippen kurzzeitig aufeinander und weil ich weiß, dass sie recht hat, halte ich den Mund und zeichne mit dem Daumen die schwungvolle Kurve ihrer Unterlippe nach, ehe ich mich vorbeuge und sie zärtlich und langsam, aber dennoch intensiv küsse. Als sich unsere Lippen berühren, kann ich nicht anders, als zu seufzen. Gabby schlingt ihre Arme um meinen Hals, vergräbt ihre Hände in meinem Haaransatz und hält mich ganz nah bei ihr, so als fürchte sie, dass ich sofort wieder verschwinden würde. Sie stöhnt leise, als ich den Kuss intensiviere und eine Hand in ihr Haar schiebe. Ihr Mund öffnet sich nur so weit, dass meine Zunge ihren Mund erforschen kann. Meine Zunge gleitet vorsichtig über ihre und verwickelt sie in einen langsamen und erotischen Tanz. Ich neige ihren Kopf ein wenig und halte sie fest, nachdem ich mich atemlos von ihr gelöst habe. In ihren Augen funkeln jetzt dunkle Begierden und verheißungsvolle Erwartungen. Beinahe bin ich dazu verleitet, sie sofort wieder zu küssen, doch ich halte mich zurück und zeichne erneut ihre Unterlippe nach.

"Das hat mir gefehlt", gestehe ich, immer noch etwas atemlos und drücke meine Nase gegen ihre Halsbeuge. Das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit kann ich mich wieder ansatzweise entspannen. Während sie mir zärtlich über die Rücken streichelt, schlinge ich die Arme um sie und genieße die ungestörte Ruhe, die so viel wärmer und tröstlicher, als die Frühlingssonne auf meinen müden Körper wirkt.

"Du hast mir gefehlt, Matt." Gabby legt ihre Hände an meine Wangen und zwingt mich sanft, aber bestimmt den Kopf zu heben, um ihr in die Augen zusehen. Für einen einsamen, fast flüchtigen Augenblick flackert so etwas wie wutentbrannte Enttäuschung in ihren Augen auf. Doch ehe ich mich der wutentbrannten Enttäuschung versichern kann, schließt sie die Augen und seufzt leise auf. Gabby hält die Augen für zwei, vielleicht sogar drei Atemzüge geschlossen, bevor sie mich wieder ansieht und aufsteht.

"Frühstück?", fragt sie und umrundet die Theke, holt zwei Tassen aus dem Hängeschrank und stellt sie unter die Kaffeemaschine, wo die Bohnen frisch zu mahlen beginnen.

"Ja, bitte", antworte ich und lehne mich an die Theke, stütze mich mit den Armen auf der kühlen Platte ab und beobachte sie eingehend. Während sie den Kühlschrank öffnet, klappe ich den Laptop auf, um die E-Mails zu lesen. Bevor ich jedoch das E-Mailfenster öffnen kann, entdecke ich eine unvollendete Recherche über Kinderwunschkliniken und Befurchtungstherapien auf dem hell leuchtenden Display.

Innerhalb eines Atemzuges fühlt es sich so an, als hätte mir jemand einen unerwarteten Schlag in die Magengrube und gegen den Rippenbogen versetzt. Mir bleibt die Luft im Hals stecken, mein Brustkorb zieht sich krampfartig zusammen, während mein gesamter Körper von einer eisigen Gänsehaut überrannt wird. Ich hebe die linke Hand und streiche mir über den Rippenbogen, zuerst sanft, dann fester, weil das Druckgefühl in meiner Brust drängender wird, anstatt sich wieder aufzulösen. Mein Unterbewusstsein hebt seinen Blick über den Rand der Chicago Daily News und presst die Lippen zu einer geraden Linie zusammen. In seinem Blick liegt brodelnde Wut, doch diese wird von liebevoller Sorge und keuchender Furcht überschattet.Dieses Risiko steht nicht zur Debatte!, schimpft es und faltet die Zeitung im Schoss zusammen. Das kommt nicht in Frage. Wir werden dieses Risiko nicht noch einmal eingehen, brummt es und läuft von Ecke zu Ecke, streicht sich durch die Haare und hebt wiederholt aufgewühlt den Blick.

"Was ist das, Gabby?" Meine Stimme klingt ruhig und gefasst, als ich den Laptop auf der Theke zu ihr herumdrehe, sodass sie jetzt den Display und die geöffnete Recherche sehen kann. Sie hält in der Bewegung inne, stellt die eben gefassten Tassen wieder auf die Arbeitsplatte und hebt den Blick.

Für einige Wimpernschläge sehen wir uns einfach nur an, beobachten uns und schweigen, während unsere Blicke sprechen. Gabby, aufgewühlt, sehnsüchtig und flehend. Während ich mit mir selbst und der Stimme in meinem Kopf, die jetzt alarmierend laut flucht und fleht, ringe. Ich weiß, dass Gaby sich Kinder wünscht, und verflucht, das möchte ich auch, aber ich kann dieses hohe Risiko nicht eingehen. Nicht, wenn ich sie dafür verlieren könnte. Beim letzten Mal, als wir es versucht haben, freuten wir uns so sehr auf ein Baby, dass die bittere Enttäuschung über die Eileiterschwangerschaft uns Monate lang hat trauern lassen. Außerdem hat es Gaby und mich auseinander gebracht, eine unsichtbare Distanz zwischen uns wachsen lassen und das ertrage ich nicht noch mal, auch wenn es bedeutet, keine eigenen Kinder zu haben.

"Lass es mich erklären, Matt", bittet Gabby murmelnd, ohne den Blick von mir zu lösen.

"Das gibt es nichts zu erklären, Gabby. Du weißt, was der Arzt uns gesagt hat", versuche ich sie zu besänftigen und diese endlose Diskussion zu ersticken, weil wir in der Vergangenheit zu oft darüber gesprochen haben.

"Was er uns geraten hat, Matt", antwortet sie und seufzt, als ich die Lippen noch ein wenig fester zusammenpresse und entschlossen den Kopf schüttele. Gabby öffnet den Mund, schließt ihn jedoch stumm wieder, sucht nach den passenden Worten und stützt die Hände in die Hüften, während sie mich mit einem fehlenden Funkeln in den Augen ansieht. Erneut sehen wir uns stumm in die Augen, wobei in uns beiden ein unaufhaltsamer Gefühlssturm wütet.

"Matt", murmelt sie leise. "Es war eine Empfehlung und ich finde, wir sollten es wieder versuchen", fügt sie schließlich hinzu, was mir einen weiteren Schlag gegen die Rippen versetzt.

In ihren Worten liegen unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche, was mich zum Zögern und Zweifeln bringt. Doch bevor ich über ihre Worte nachdenken kann, mischt sich mein tobendes Unterbewusstsein ein. Es schimpft fassungslos und schreit, schreit seine Furcht und seine Sorgen heraus. Es kreischt Sorgestiraden und kettenlange Gründe, es nicht wieder zu versuchen, weil es der sicherere Weg wäre. Der sichere Weg für Gabby und mich.

Für die Zeitspanne eines Atemzuges frage ich mich, wann ich so vorsichtig und zögerlich geworden bin. Du weiß, wann, murmelt mein Unterbewusstsein mit ruhiger Stimme und niedergeschlagenen Blick, wobei es sich über die Brust, übers Herz, reibt und die salzigen Tränen hinfort blinzelt. Augenblick denke ich an alle Kollegen und Freunde, die ich, die wir auf der Feuerwache 51 verloren habe. Ich denke an Andy Darden, Leslie Shay und daran, dass ich Gabby nicht auch noch verlieren kann. Ich ertrage diesen erdrückenden, lähmenden Schmerz nicht noch einmal und vielleicht klingt es egoistisch, aber ich kann mein Glück mit Gabby nicht wegen eines Babys riskieren. Nicht, nach allem, was wir gemeinsam erlebt haben.

"Es tut mir leid, aber ich bin nicht bereit, dieses hohe Risiko einzugehen und dich wegen eines Babys zu verlieren. Es besteht eine neunzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass es eine komplizierte Schwangerschaft wird und das es dich das Leben kosten könnte", entgegne ich mit bebender Stimme.

"Aber es gibt auch eine zehnprozentige Chance auf eine komplikationsfreie Schwangerschaft und gesundes Baby, Matt. Du wolltest immer Vater werden und wir sollten diese Möglichkeit in Betracht ziehen." Sie klingt entschlossen, bereit, sich diesem enormen Risiko aufzusetzen, um ihren und meinen Familienwunsch zu erfüllen.

"Es tut mir leid, Gabby. Ich werde dich nicht wegen eines Babys in Gefahr bringen", widerspreche ich ihr erneut, ernst und besorgt.

"Du triffst diese Entscheidung nicht alleine, Matt...", sie zögert und kneift die Augen zusammen, atmet hörbar ein und wieder aus. "Eine Adoption ist keine Option für mich. Man hat uns Louis weggenommen, weil sein leiblicher Vater meinte, Anspruch auf ihn zu haben. Das ertrage ich nicht noch einmal."

"Nein, Gabby. Was willst du mir erklären, was wir nicht schon einmal besprochen hätten." Ich hebe die Arme und zucke mit den Schultern. Im Anschluss streiche ich mir mit beiden Händen übers Gesicht, soll heißen doppelt verzweifelt. In meinem Bauch bereitet sich ein unangenehmes Gefühl aus, die zähe Wut wächst rasend schnell in meinem Inneren.
"Besprochen?", zischt sie und verschränkt die Arme vor der Brust. Ihre sonst so sanften Augen funkeln jetzt finster und enttäuscht. "Du hast im Alleingang entschieden, dass wir keine Kinder bekommen sollten. Das es besser wäre..."

"Das stimmt so nicht", widerspreche ich und trete einen halben Schritt auf sie zu. Fast augenblicklich weicht Gabby zurück und presst die Lippen zusammen. Ihre plötzliche Zurückweisung droht mich in Kombination mit dem krampfartigen Druckgefühl in meiner Brust beinahe zu ersticken, weshalb ich nur resigniert den Kopf senke und die Augen zusammenkneife. "Es wäre sicherer, Gabby...nicht besser", füge ich heiser hinzu.

"Sicherer für wen, Matt?, fragt sie mit bebender Stimme.
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