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The Witches of Iridaceae

GeschichteDrama, Thriller / P16 Slash
OC (Own Character)
25.08.2020
14.10.2020
2
5.685
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25.08.2020 2.079
 
Um mich herum war alles schwarz.
Meine Umgebung fühlte sich warm an. So, als wäre ich in eine schwere, kuschelige Decke gehüllt worden. Mein Körper fühlte sich jedoch leicht und schwerelos an. Ich hatte keinen Boden unter den Füßen, sondern schwebte durch diese lauschige Dunkelheit.
Es war eine Schwerelosigkeit, die mich an das Treiben oder eher Sinken Unterwasser erinnerte.
Oder als wäre auf einem Schiff die Schwerkraft ausgefallen.
Im Hintergrund dieser wohligen Wärme erklang eine mir vertraute Musik. Der zarte Klang einer Spieluhr durchbrach die Dunkelheit…meiner Spieluhr. Ich erinnerte mich an das hübsche Schmuckkästchen, das mich seit meiner Kindheit begleitete. Es war ein schwarzes Kästchen mit goldenen Ecken und einer Aquila auf dem Deckel. Wenn man es öffnete, offenbarte man ein mit Samt ausgekleidetes Inneres, mit abgetrennten Fächern und einer Ebene zum Herausnehmen. Im Deckel war ein Spiegel eingelassen und eine Ballerina, die sich zur Musik drehte. Sie trug ein goldenes Kleid und war detailliert gearbeitet.
Es war mein größter Schatz.
Die Musik wurde immer leiser und ich spürte, wie etwas mich herunterzog. Es war kein Sog, sondern mehr ein sanftes Ziehen am Fuß.
„Eleanor…“, rief mich eine dunkle, sehr angenehm klingende Stimme. „Eleanor…komm zur mir.“
Selbst wenn ich es nicht wollte, so wurde ich in Richtung der Stimme gezogen. Um mich herum tauchten Regale mit unzähligen Büchern auf. Ein riesiger Raum erhob sich aus der Dunkelheit, die Regale erstreckten sich schier endlos und sie waren in mehrere Etagen unterteilt, wurden mit Wendeltreppen verbunden. Erhellt wurde alles durch Kerzen, die regelmäßig verteilt auf den Balustraden standen. Obwohl das Wachs dick und sehr großzügig geschmolzen war, schienen die Flammen die Kerzen nicht zu verzehren. Dieser Ort war nicht normal und das machte ich nicht nur daran fest, dass manche der Kerzenflammen blau leuchteten und ein kaltes Licht verteilten. Während ich zu Boden schwebte, konnte ich meinen Blick nicht von den Regalen abwenden. Und je näher ich dem Boden kam, desto wärmer wurde das Licht der Kerzen und ich war fasziniert von alledem. Schlussendlich kamen meine Füße auf dem hölzernen Boden auf und ich drehte mich erstaunt einmal im Kreis.
Ich stand in einem mächtigen Saal. Die Regale hier unten waren aus dunklem, massiven Holz und alles war mit goldenen und kristallenen Ornamenten verziert. Hier und da standen Tische mit Buchstapeln und vereinzelnd aufgeschlagenen Büchern. Hierunten standen die Kerzen nicht offen herum, sondern waren in wunderschönen Leuchtern und Ständern platziert. Die, die nahe der kostbaren Schriften platziert waren, waren geschützt hinter Glas- oder Kristallscheiben. Diese Bibliothek war mystisch beleuchtet und ich hatte das Bedürfnis sie zu durchstöbern. Ich wollte die mächtige, elegante Treppe hinaufschlendern und mich in den Alkoven verkriechen und jedes Buch lesen, dass sich in diesem Gebäude befand. Doch mein Bedürfnis wurde durch die Stimme gezügelt. „Eleanor, komm zu mir.“ Sie fesselte mich, mein Körper und Geist regierte darauf und zog mich zu ihr. Selbst wenn ich es nicht gewollt hätte, so wurde ich von ihr angezogen. Ich lief an der Treppe vorbei, meine Schritte halten leise auf dem Boden wieder und ich suchte nach der Stimme. Meine Füße trugen mich einen Gang entlang, links und rechts von mir zweigten sich ein paar Gänge ab. Der Gang war dunkel und wenn ich an diesen Abzweigungen vorbei lief, entzündeten sich die Lampen. Das Besondere war, dass auch diese Lampen in anderen Farben erstrahlten als normale Kerzen. Das Farbschema war jedoch von grün, über blau zu lila und violett. Unter normalen Umständen wäre das für mich pure Häresie gewesen und ich würde alles tun, damit dieser Ort verbrannte. Aber ich wusste, dass das hier kein normaler Umstand war. Irgendetwas hier war anders. Sehr anders.
Der Gang ersteckte sich schier endlos vor mir her, doch irgendwann erreichte ich das Ende und spähte in den deutlich kleineren Raum. Hier standen zwar keine Regale, doch auch hier stapelten sich die Bücher. Die Fenster waren mit schweren Samtvorhängen verhangen, sodass kein Licht nach innen drang. An einer Wand hing ein riesiger Gobelin, welcher eine Siegesszene einer Astartestruppe zeigte. Ich hatte noch nie eine so filigrane Arbeit gesehen, auch wenn die Astartes darauf die Thousand Sons waren. Ich erkannte sie an den Rüstungen und dem Siegesbanner. Leicht legte ich den Kopf zur Seite, wollte näher treten, doch die Stimme riss mich aus den Gedanken. „Gefällt er dir? Wir haben ihn als Dank bekommen, nachdem wir eine Stadt auf einer Feudalwelt gerettet haben. Damals, vor vielen, vielen Jahrzehnten.“ In der Stimme schwang etwas Melancholie mit. Ich drehte mich von dem Gobelin weg und sah in Richtung der Stimme, erkannte vor einem Kamin den Umriss eines Astartes. Er war von mir abgewandt, wurde vom schein eines normalen Feuers beschienen und ein Schatten tanzte über den Boden. Ein heller Umhang hing von seinen Schultern, sein Helm hatte eine schöne Zierde. Er hatte sich mit einer Hand an der Wand über dem Kamin abgestützt, mit der anderen auf einem Stab. Einem wunderschönen Stab, wie ich mir eingestehen musste. Im Ornament an der Spitze war ein Kristall eingelassen, der in Lila und Blau glitzerte und erstrahlte. Wie es aussah, strahlte er von selbst und nicht vom Feuerschein. Als habe er meinen Blick bemerkt, drehte sich der Marine vor mir um und sah mich an. Instinktiv zog ich meine Boltpistole, eine reichlich verzierte Garm-Schema Dienstpistole wie sie für Kommissare üblich war, und schoss auf den Verräter, doch dieser hob nur müde die Hand und anstatt eines tödlichen Geschosses kamen Seifenblasen aus dem Lauf. Verdutzt stand ich da, starrte meine Waffe an und dann den Space Marine vor mir. „Ich kann verstehen, wenn dich mein Anblick schockt, aber sei dir bitte bewusst, dass ich dir nichts tue. Ich will dir auch nichts tun, im Gegenteil. Ich möchte dich beschützen.“
„Wer seid Ihr?“, fragte ich, meine Stimme klang leiser als ich wollte. Dies war normalerweise nicht meine Art, denn obwohl ich von der Körpergröße eher klein war und zu dem auch noch weiblich, so konnte ich auch autoritär und sehr streng werden. Musste ich, denn ich musste mich in dieser von Männern dominierten Welt behaupten. Doch jetzt in diesem Moment schien es, als wäre meiner ganzen Art ein Riegel vorgeschoben worden.
„Mein Name ist Sepharo.“, antwortete er mir ruhig, blieb auf Abstand. Er spürte meine plötzliche Anspannung und sah zu, wie ich meine Waffe wieder wegpackte.
„Wo bin ich?“
„In meinem Zuhause. Meiner privaten Bibliothek um genau zu sein. Und bevor du fragst, ich habe dich vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt.“
Ich legte den Kopf leicht schief, sah ihn aus meinen dunklen Augen an. „Einem schrecklichen Schicksal? Was kann so schrecklich sein, dass ich von einem…einem Mann wie euch gerettet werden muss?“ Sobald ich diese Wort ausgesprochen hatte, bäumten sich die schweren Samtvorhänge auf, die Fenster schlugen auf und ein eiskalter Wind wehte durch sie hindurch. Begleitet wurde alles mit Schnee und Eis. Sofort schlang ich die Arme um meinen Oberkörper und es wurde schlagartig eisig. Ich zitterte und spürte, wie sich meine Lippen blau verfärbten, spürte wie sich Eiskristalle in meinen Wimpern bildeten und wie mein Körper steif wurde. Der Astartes namens Sepharo blickte auf, stieß dreimal mit seinem Stab auf dem Boden auf die Fenster schlossen sich automatisch, die Vorhänge schoben sich wieder vor die Fenster und der Raum wurde wieder lauschig. Doch mir war furchtbar kalt und Bilder tanzten vor meinen Augen. Bilder eines Schneesturms, eines Kampfes und vieler Toter.
Sepharo kam zu mir, legte mir eine Hand behutsam auf die Schulter und führte mich zu dem Kamin, half mir mich auf den schweren Sessel vor dem Feuer zu setzten und schürte das Feuer etwas mehr an. Ich spürte, wie die Wärme wieder in meine Glieder zurückkehrte. Dankbar und verwirrt sah ich auf. „Ich habe deine Seele davor bewahrt sich von dieser Ebene zu lösen und habe dich zu mir geholt. In eine Zwischenwelt.“
„Ins Chaos des Warps?“
„Nicht ganz, aber eine Randerscheinung davon.“
„Soll das heißen, dass ich tot bin?“
„Nein, ich habe dich davor bewahrt. Dein Geist ist hier bei mir und ich kann dich beschützen, während man sich um deinen Körper kümmert. Sobald ich mir sicher bin, dass er wieder stabil ist, werde ich dich zurückschicken.“
„Wieso beschützt du mich?“ Ich ließ meinen Kopf schwer in den Ohrensessel fallen und schaute ihn an, wischte mir das Schmelzwasser aus den Augen.
„Eleanor…ich habe dich lange beobachtet und studiert. Du bist jemand besonderes und ich habe mir vorgenommen über dich zu wachen. Du musst wissen, ich habe etwas in deiner Zukunft gesehen. Ein Schicksalsknoten, den nur du lösen kannst.“
„Was meint Ihr damit?“, fragte ich. Diese ganze Situation überforderte mich und ich musste meine Gedanken ordnen. Ein Psioniker der Thousand Sons, ein Chaos Marine, wachte über mich, hatte mich vor dem Tod bewahrt.
„Es gibt einen Ort, an dem du hinkommen wirst. Sehr bald sogar. Und dort wird ein mächtiger Dämon sein, jemand der diesem Planeten gefährlich werden kann und ihn versklaven wird. Du bist die Einzige, die ihn aufhalten kann.“
„Wieso stört es einem Verräter, ob ein Planet von einem anderen Verräter versklavt wird? Ihr Häretiker seid doch alle gleich, wieso sollte es einen Unterschied machen, welcher wo ist?“
„Eleanor.“, seine Stimme klang nun scharf und ich spürte seine Autorität. „Du bist sehr undankbar momentan. Ich habe dir schließlich das Leben gerettet. Hör mir zu, auch wir haben Rivalitäten und es gibt ein paar von uns, die nicht durch und durch schlecht sind. Ein paar von uns haben gute Absichten und es ist zum Wohler aller. Ich kann dir nicht viel sagen, aber eines kann ich dir verraten: Nur du wirst diese Aufgabe lösen können. Nur du wirst diesen Schicksalsknoten lösen können, damit alles wieder seinen gewohnten Weg geht.“
Mein Blick hing an ihm, er war vor mir auf die Knie gegangen um auf derselben Höhe mit mir zu sein und erst jetzt spürte, ich dass er meine Hände hielt. Ich hatte mir diese schweren, gepanzerten Handschuhe viel kälter vorgestellt, aber sie waren warm. „Eleanor…ich kann nichts ausrichten von hier wo ich bin…aber du kannst es. Ich habe dich lange begleitet, seit du ein kleines Mädchen warst. Ich weiß alles über dich, ich weiß über deine Fähigkeiten Bescheid und ich vertraue dir.“
„Wieso sollte ich dir vertrauen?“
„Weil ich keine schlechten Absichten habe. Eleanor…bitte. Ich offenbare mich selten jemanden, aber dies ist Wichtig.“
„Habe ich eine Wahl?“
„Nun, solltest du Zusagen, werde ich dich wieder in deinen Körper schicken. Solltest du Ablehnen, werde ich dich leider in die andere Welt begleiten müssen. Ich kann dich dann nicht mehr zurückschicken. Nicht ohne Aufgabe.“
Ich murrte, sah weg und überlegte es mir. Sollte ich einfach Sterben? Oder sollte ich tatsächlich dieses Schicksal annehmen? Wieder murrte ich, sah ihn an und nickte. „Na schön, Sepharo.“, stimmte ich ihm zu. „Ich werde Euch helfen.“
Er neigte den Kopf, fast schon respektvoll. „Eine gute Entscheidung.“, stimmte er zu und erhob sich wieder. Ich starrte ihn an, zuckte kurz zurück als sich seine Hand mir näherte. „Ich werde weiterhin über sich wachen, aber enttäusche mich nicht. Ich zähle auf dich.“ Bevor ich etwas erwidern konnte, berührte er meine Stirn mit zwei Fingern und ein heller Blitz durchzuckte den Raum, erhellte alles in einem grellen Weiß.

Tief holte ich Luft, riss meine Augen auf und starrte in eine grelle, weiße Lampe die direkt über mir platziert war und mich anstrahlte. Ich spürte etwas in meinem Hals und ein sehr unangenehmes Teil über meinem Mund und meiner Nase. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr und versuchte an dem Fremdteil zu zerren. Ich sah verschwommen, hörte alles wie durch Watte und erkannte, wie sich jemand über mich beugte. Ich musste ein paarmal Blinzeln, ehe ich erkannte das es ein Mann mit einer klobigen Brille über der Nase war, in einem weißen Kittel und dunklen Gummihandschuhen. Er war über mich gebeugt, ich erkannte den Schock in seinen Augen und sah dann wie er jemanden anbrüllte, hörte aber nur Wortfetzen. „…verdammt…zu wenig Narkotika…jetzt!...Beeilung, sonst….verlieren…beim Imperator!“ Ich spürte Schmerzen, doch kurz darauf fühlte ich, wie eine kalte Flüssigkeit in meine Adern gepumpt wurde und mein Körper wieder schwer und taub wurde. Meine Augen flatterten, das Adrenalin nahm ab und ich wurde wieder ruhig. Die Welt um mich herum verstummte wieder und wurde langsam Schwarz. „Ich lasse nicht zu, dass du stirbt mein Kind.“, hörte ich die vertraute Stimme in meinen Ohren. „Nicht jetzt.“ Dann erklang wieder die Musik der Spieluhr und ich tauchte wieder in die Dunkelheit, die mich schweben ließ. Doch dieses Mal blieb ich dort.
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