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Twist of fate

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Finn General Hux Kylo Ren Rey
25.08.2020
14.04.2021
31
125.506
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08.04.2021 4.770
 
Als der Millennium Falke das Ileenium-System erreichte, konnte Leia fühlen, dass ihr Sohn näher kam. Für Sekunden war ihr ganz übel vor Aufregung. Armitage saß neben ihr, berechnete Flugrouten, welche am optimalsten wären, falls die Finalizer über D’Qar auftauchen würde. Das wird immer wahrscheinlicher, hatte Hux heute Morgen noch zu ihr gesagt. Hux hatte die taktischen Einheiten neu koordiniert, so dass die operative Reichweite viel größer war, als bisher. Sein Einsatzplan war perfekt und exakt ausgearbeitet. Leia war bewusst, welch großartiges Talent dieser Mann hatte. Hux auf der anderen Seite, wäre eine schwer zu knackende Nuss gewesen, auch wenn er immense Schwächen hatte. Aber jetzt war er hier und ließ seine klugen Gedanken für sie spielen. Leider war Perfektion nicht alles. Nicht immer ließ sich alles berechnen und manche Dinge entzogen sich schneller einer Kontrolle, als einem lieb sein konnte.

Besorgt beobachtete sie den Rothaarigen. Er war immer noch blass und still. Aber er aß und schlief, wie Finn ihr berichtete. Seine Augen waren jedoch meist leer und abwesend. Die Zeit, die sie mit Armitage verbracht hatte, war nicht annähernd lang genug, um ihn wirklich kennenzulernen, zumal er nur wenig über sich sprach. Sie hatte nur eine Art Fühlung zu ihm aufgenommen, die es ihr erlaubte ein rein emotionales Urteil abzugeben. Und das lautete, dass sie diesen Mann trotz seiner Eigenarten und seines schwierigen, undurchdringlichen Charakters, lieb gewonnen hatte. So wie es vielleicht auch ihrem Sohn gegangen war. Scheinbar hatten Ben und sie einen Hang zu störrischen Menschen, die es einem wirklich schwer machten sie gern zu haben. Und vielleicht war gerade das die Herausforderung für einen Skywalker. Der Funk-Offizier gab wenig später durch, dass sich der Frachter D’Qar näherte. Armitage tat so, als wenn er es nicht hörte, aber sie wusste, dass er es zur Kenntnis nahm. Mit allem, was er bis dahin getan hatte, hatte er aufgehört und war wie erstarrt. Am liebsten hätte Leia ihn schon in diesem Augenblick um Vergebung angefleht.

Als der Falke gelandet war, rannten alle nach draußen. Leia selbst, ging würdevoll nach draußen. Aus dem Augenwinkel sah sie noch, wie Armitage langsam aufstand und ihr folgte. Würde es zu einem Eklat kommen? Wie gut hatte sie Hux einschätzen können? Wie wertvoll war er? Das würde sie gleich merken.



*****




Armitage konnte kaum Luft holen. Der Kummer schnürte ihm wieder die Kehle zu, aber irgendwie musste er auch Rey sehen und persönlich von ihr erfahren, was mit Ben geschehen war. Wie gern würde er reine, schwarze Wut empfinden und vielleicht mit einem Blaster Amok laufen. Leias Zuneigung hatte diesen sowieso nur vagen Wunsch vollkommen verschwinden lassen. Eigentlich lief er wieder wie auf Watte nach draußen. Weder hörte er besonders viel, noch konnten seine Augen einen Fixpunkt ausmachen. Sein Verstand war nur damit beschäftigt einen Fuß vor den anderen zu setzen. Schritt für Schritt.

Als er Ben auf sich zukommen sah (wobei er nicht gerade sanft Poe Dameron aus dem Weg schubste), dachte er an einen fiebrigen Wunschtraum, den der Verlustschmerz in ihm verursachte. Als sich Bens kräftige Arme um ihn legten, glaubte er an eine Halluzination. Seine Beine gaben unter ihm nach, aber Ben hielt ihn fest. Erst nach und nach drangen die Worte zu ihm durch.

„Ich war kein Jahr weg, Hux … stellt dich nicht so an. Die anderen beobachten uns …“, flüsterte Ben ihm rau ins Ohr.

„Nein … du warst … tot“, konnte er nach Ewigkeiten antworten. Ben küsste ihn vor allen und er wollte am liebsten sterben, weil er nicht begriff, was geschah.

„Du erzählst Schwachsinn, Liebster. Aber dir geht es gut und wie ich sehe, hat meine Mutter dich freigelassen. Komm, ich habe dir eine Menge zu erzählen.“ Resolut zerrte der Schwarzhaarige ihn hinter sich her und er hatte große Mühe nicht zu fallen oder zu stolpern. Sein letzter Blick galt Leia, die alles beobachtet hatte. Ihr Gesicht war eine einzige reuevolle Schuldbezeugung.

Armitage wusste nicht, was er davon halten sollte. Ben brachte ihn in seine eigene Unterkunft, umarmte ihn wieder fest und er begann hemmungslos zu weinen. Das alles, war ihm gerade viel zu viel. Ben drängte ihn zu seinem Bett, bis er drauf fiel. Dann legte er sich zu ihm und ließ ihn eine lange Zeit weinen.



*****




Ben war verwirrt von Armitages emotionalem Zusammenbruch. Er hatte ihn ja auch vermisst, doch so wie er den Rothaarigen gerade erlebte, macht es ihm ein wenig Sorge.

„Was ist passiert? Rede mit mir, Hux!“, forderte er nach einer Weile streng. Mit seiner Handfläche rieb er Hux‘ Tränen von seinen Wangen, packte sein Kinn und zwang ihn dazu ihn anzusehen. Niemals hatte er diesen Mann aufgelöster und zerbrechlicher gesehen. Und sie hatten schon eine Menge komplizierter Momente zusammen gehabt.

„Ich liebe dich, Ben!“, flüsterte Armitage mit belegter, weicher Stimme.

„Ich weiß …“ Er gab ihm einen kleinen Kuss, fügte aber gleich darauf an: „Und jetzt erzähle mir, was passiert ist!“ Hux konnte nicht. Mehrmals setzte er an, aber seine Stimme spielte nicht mit. Er kam nicht weiter als bis zu „Leia … hat … deine Mutter …“

Stattdessen schob er seine heißen Hände in Bens Nacken und begann ihn auf eine so verzweifelte Art zu küssen, dass Ben selbst die Tränen kamen.

„Schon gut … ich bin doch da …“, konnte er ihm nur zuflüstern. Diese Hitzigkeit, diese ungehemmte Gier, diese ängstliche Leidenschaft kannte er nicht von Armitage. Etwas muss in der Zeit passiert sein, als er bei Luke gewesen war. Er würde herausfinden, was es war, doch jetzt konnte er keine Sekunde länger widerstehen. Aus Armitages Tränen, war ein sehnsuchtsvolles Keuchen geworden, was ihm tief bis in den Unterleib ging und ihn auf eine nicht sehr lang zu ertragende Weise hart machte.

„Und ich liebe dich, Armitage“, raunte er in sein Ohr, während er ihn und sich auszog. Sie beide bewegten sich wie im Traum. Armitages Gesicht bestand aus purer Lust, seine Augen leuchteten, noch immer gerötet und feucht. Trotz seines ziehenden Verlangens so schnell es ging in Hux zu sein, begann er seinen schlanken, weißen Körper zu küssen.

Unter seinen Lippen wurden die rosa Brustwarzen hart. Hux hatte seine Hände in seinen Haaren und keuchte verzückt. Seine Erektion drückte sich ihm entgegen und als er sie in den Mund nahm, stöhnte der Rothaarige so haltlos, dass er beinah die Selbstbeherrschung verloren hätte. In Ben zitterte es wie verrückt. Das waren seine Muskeln, sein Blut, was rauschte, seine Machtfähigkeit, die erregt prickelte, seine Liebe zu diesem Mann, von dem er in den ersten Moment geglaubt hatte, dass es niemand Hassenswerteren geben könnte. Jetzt liebte er ihn mit allen Sinnen. Irgendwann lag Armitage unter ihm und er war ganz trunken vor Lust und Ekstase in ihm. Zumal auch Hux heute so hemmungslos wie nie war. Langsam und tief bewegte er sich in ihm, hatte dabei sein Gesicht an seinem und teilte mit Hux die wenige Luft zwischen ihren erhitzten Gesichtern. Es war viel mehr als Sex, verstand Ben, als er sich mit rauem Stöhnen in ihm ergoss. Sie teilten, wo sie früher jeder für sich verbittert und einsam gewesen waren. Mit seinem Mund brachte er es bei Armitage zu Ende, der anschließend noch lange um Luft rang.

Wortlos schauten sie sich an. Noch immer lief hin und wieder ein sanftes Zittern durch Hux‘ Augen und seinen Körper. Plötzlich hob er seine Hand und strich sacht über die Narbe auf seiner Wange.

„Luke Skywalker?“, fragte er flüsternd.

„Nein, Rey.“ Seine hübschen Augen wurden schmal.

„Erzähl mir davon, Ben.“

„Das werde ich, doch zuvor will ich wissen, was mit dir los ist!“ Es dauerte eine Weile, aber dann sprach Armitage und erzählte ihm von der Finte seiner Mutter, um ihn zu einer Mitarbeit zu überreden. Was Ben hörte, machte ihn sehr wütend. Armitage hatte Mühe ihn zurückzuhalten.

„Beruhige dich, Ben und hör mir kurz zu!“

„Wozu? Ich weiß alles! Was sie getan hat, ist … ist … “ Tatsächlich fehlten ihm die Worte, um seine Abscheu auszudrücken.

„Sie hat nur taktisch wie ein General einer Armee gedacht, der sie auch ist!“

„Sie ist meine verdammte Mutter!“, schrie Ben aufgebracht.

„Ja, das ist sie und sie … war … leg dich wieder hin, Ben!“ Unwillig gehorchte er Hux, obwohl er am liebsten seine Mutter zur Rede stellen wollte und sie fragen wollte, wo ihr hochgelobtes Mitgefühl geblieben war.

„Ich bin sicher, es war furchtbar für sie und sie hat sich wirklich gut um mich gekümmert. Leia ist eine gute Frau und ich verstehe, warum sie es getan hat.“

„Das entschuldigt nichts, gar nichts!“ Ben war nicht zu besänftigen. Warum war es immer so schwer mit seiner Familie? Warum geschah immer etwas Furchtbares, wenn es doch mal ausnahmsweise gut lief.

„Wenn ich ihr vergeben kann, dann solltest du das auch tun, Ben!“ Armitages Stimme war fest.

„Vergeben liegt mir nicht so. Frag mal Luke!“

„Ben, bitte!“

„Nein, tut mir leid, Hux. Alles hat Grenzen. Mein Vater kann ein oberflächlicher Idiot sein, der nur seinen eigenen Kram im Kopf hat und Ärger nahezu magisch anzieht. Dem kann man viele Sachen verzeihen. Meine Mutter sollte es besser wissen. Sie hat genug Empathie und ist immer so stolz auf ihre Menschenliebe und dann tut sie dir so was an, wo sie weiß, dass ich dich liebe. Und lüg nicht, Hux, ich sehe, dass es dich fertig gemacht hat.“

„Das streite ich nicht ab. Aber ihrer Taktik hat funktioniert und auch wenn du das nicht hören willst, Ben. Wir sind in einem Krieg und man gewinnt nur Kriege, in dem man Risiken eingeht, schlau agiert und Dinge vorhersehen kann. Leia wusste, du kommst zurück und mein Kummer wäre nur ein vorübergehender Zustand. In dieser schrecklichen Zeit, wo ich annehmen musste, dass du tot bist, habe ich mich zum ersten Mal gedanklich anderen Dingen zugewandt, der Seite des Feindes. Vielleicht wolltest du das gar nicht, aber ich arbeite jetzt für deine Mutter!“

Verstört sah Ben Armitage an.

„Du hast deinen Widerstand für den Widerstand aufgegeben? Ist das ein Paradoxon oder eine berühmt-berüchtigte Ironie des Schicksals?“ Seine Stimme klang unwillentlich gereizt.

„Ich habe mich überzeugen lassen.“

„Durch was, Hux? Durch was?!“ Er begriff es einfach nicht. Nicht mal er selbst hatte etwas für die Sache seiner Mutter übrig. Wie hatte sie Hux dazu gebracht ihr zu folgen?

„Durch die Liebe einer Mutter, Ben.“ Armitage zog ihn in seine Arme. Sie schwiegen eine Weile, bis der Andere murmelte:

„Ich werde mit Leia sprechen. Du kannst ihr gern deine Meinung sagen, aber mach es nicht schlimmer, als es ist. Am Ende bist du am Leben und ich bin glücklich dich wieder zu haben.“

Für jetzt gab Ben nach und ließ Hux seinen Willen. Sie sprachen nicht mehr darüber, sattdessen liebten sie sich ein weiteres Mal. Anschließend schlief er unverzüglich ein und merkte nicht, wie Hux aufstand, ihn vorsichtig zudeckte und nach draußen ging.



*****




Leia und Han Solo waren allein in der Kommandozentrale, als er dazu kam.

Han kam augenblicklich auf ihn zu, legte ihm warnend eine Hand gegen die Brust, sah ihm direkt in die Augen und sagte scharf:

„Du bist doch nicht auf Ärger aus, oder Bürschchen?!“

„Lass ihn, Han. Lass … uns allein, bitte!“, hörte er Leia. Han zögerte, nahm die Hand dann weg und sah fragend zu Leia.

„Bitte, Han. Es ist in Ordnung. Armitage wird mir nichts tun.“

„Ich bin gleich vor …“

„Ja, verschwinde schon, Han!“ Leias Stimme war angespannt aber nicht ängstlich. Sie war sich ihre Stärke, ihrer Macht und ihrer Einschätzung seiner Person sehr bewusst und auch sicher.

Ein paar Augenblicke schauten sie sich still an.

„Respekt, Leia. Das war ein wirklich kluger Schachzug von dir.“ Leia nickte, wirkte aber nicht glücklich über sein Kompliment.

„Es tut … mir wirklich leid, Armitage. Aber ich würde es wieder tun. Diese furchtbare Bedrohung durch die Erste Ordnung muss enden und ich werde alle Mittel in Betracht ziehen. Was ich dir angetan habe, war schrecklich, aber es hat mir auch gezeigt, wer du bist. Nein, eigentlich weiß ich nun, wer du sein kannst. Willst du das auch?“ Wirklich böse konnte er ihr nicht sein und er hatte ihr in Gedanken längst vergeben.

„Das werde ich noch herausfinden. Ich bin nur hier, um dir zu sagen, dass ich dein Handeln nachvollziehen kann und es vielleicht sogar bei Gelegenheit ebenso getan hätte. Aber dein Sohn … ist wütend.“

„Ach, das ist er doch immer. Irgendwie war es mit Ben immer schwierig, in guten wie in schlechten Zeiten. Das wird sich wohl auch nie ändern. Umso glücklicher bin ich, dass er dich hat. Du tust ihm gut, Armitage.“ Leia war näher gekommen und betrachtete ihn wieder auf diese mitfühlende und freundliche Art der letzten Zeit.

„Ich werde dem Widerstand weiterhin helfen. Das wollte ich dich wissen lassen.“ Sie lächelte, griff seine Hand und er ließ sie ihr, weil es sich gut anfühlte geliebt zu werden.

„Das freut mich sehr. Kannst du mir … vergeben, Armitage?“ Er schluckte schwer, weil Tränen nach oben kamen.

„Ja, das tue ich, Leia!“ Sie umarmte ihn und er legte nach ein paar Momenten behutsam seine Arme um ihre Schultern. Bens hitzige, ungestüme Liebe, die ihn unter Druck setzte und zwang, war eine Sache. Diese sanfte Liebe einer Frau, die seine Mutter sein könnte und die sich für ihn verantwortlich fühlte und ihn mochte, war etwas anderes. Es war wie eine Erlösung, nach der er sich ein ganzes Leben lang gesehnt hatte.

Han warf ihm seltsame Blicke zu, als er ging. Das forderte ihn zu den Worten heraus:

„Keine Sorge, Leia ist klüger als du aussiehst …“

Han grummelte ihm ein paar nicht ganz ernstgemeinten Drohungen nach und er hörte ihn sogar leise lachen.



Ben erwachte, als er sich zu ihm ins Bett legte.

„Wo warst du?“

„Bei deiner Mutter. Es ist alles in Ordnung zwischen uns und es wäre gut, wenn du die Sache einfach auf sich beruhen lässt. Was sie getan hat, war für die Sache, es war allein eine Strategie, keine Böswilligkeit.“

„Du und deine Strategien!“, grummelte Ben und zog ihn in seine Arme. Seine eine Hand schob sich besitzergreifend in seine Haare, während er über die Narbe an Bens Wange strich. Endlich erzählte Ben ihm leise, was auf Ahch-To geschehen war. Am Ende sagte Armitage leise:

„Siehst du, Ben. Wenn ich wie du reagieren würde, wäre ich jetzt sehr wütend auf Rey, die dir das angetan hat. Dabei hat sie nur getan, was notwendig gewesen war.“

„Hmmm“, brummte Ben und küsste ihn kurz.

„Hast du nicht richtig zugehört, Hux? Ich war für ein paar Augenblicke das, was du dir sehnlichst gewünscht hast. Hat es keine Bedeutung mehr?“

„Nein und auch, wenn es dir nicht gefällt, so liegt es nur zum Teil an dem, was wir beide teilen. Es liegt … an viel mehr. An den Umständen, dem, was wir erlebt haben, an Finn und sogar an Rey, und es liegt an Leia …“ Seine Stimme war leise geworden. Ben gab ihm auch keine Antwort mehr. Solange sie wach bleiben konnten, berührten sie sich auf die zärtlichste Weise, die noch vor Wochen in keinem Gedanken der beiden Männer vorhanden gewesen war. Sie sprachen auch nicht mehr, weil es nicht notwendig war. Sie liebten sich auf eine so komplexe Weise, dass es im Grunde keine Beschreibung dafür gab. Sie hatten genau einen Tag, um ihr Wiedersehen zu feiern.



Armitage war mit Leia und noch ein paar ihrer Offiziere dabei eine grundlegende Neustrukturierung der wenigen Jäger durchzusprechen, als ein Mann namens Lefrog aufgeregt rief:

„Da ist etwas am Rande des Radars, was die Größe eines Sternzerstörers hat.“ Armitage trat hinzu. Es war eher ein Gefühl, als ein sicheres Wissen, was ihn sagen ließ:

„Die Finalizer!“

Leia übernahm das Kommando. Der Ernstfall war nun da und alles musste ordnungsgemäß ablaufen, um überhaupt eine Chance zu haben. Jemand holte Ben und Rey. Finn kam ebenfalls zu ihnen.

Leia sah ihn an und er nickte ihr leicht zu. Ohne die anderen darüber zu informieren, hatten er und sie in den letzten zwei Stunden über einen konkreten Plan gesprochen. Armitage war sich sicher, dass Phasma sie vorher anfunken würde, bevor sie sich die Blamage gab, sich mit einer Übermacht anzulegen. Außerdem war er sich sicher, dass Snoke Kylo Ren lebend wiederhaben wollte und das war verhandelbar, bzw. zu unterwandern und auszunutzen.

Die Jäger standen unter Tarnnetzen abflugbereit, um einen eventuellen Angriff der TIE’s abzuwehren.

Ben warf seiner Mutter immer wieder finstere Blicke zu, schwieg aber gehorsam. Rey hatte ihn doch tatsächlich kurz umarmt, was ihm ein wenig unangenehm war. Finn hatte ununterbrochen gegrinst, was ihm sagte, dass die beiden in irgendeiner Form auch die Nacht zusammen verbracht hatten.

„Bist du bereit Kylo Ren zu sein?“, fragte er Ben, der seine Maske dabei aber noch nicht auf hatte.

„Unbedingt, mein Hübscher!“

„Rey? Bereit die Geisel zu spielen? Ich war ja ein hoffentlich gutes Vorbild.“ Sie lächelte ihm aufrichtig zu und er merkte, dass er sie nicht mehr hasste, wenn es überhaupt mal so gewesen war.

„Gut, dann werde ich Phasma anfunken, wenn sie nahe genug ist, um ihr zuvorzukommen. Sie wird mit Rens Kommandoshuttle nach unten kommen, wahrscheinlich mit einer Staffel TIE’s. Lasst unbedingt mich mit ihr sprechen! Finn, du verschwindest und lässt dich auf gar keinen Fall blicken!“ Finn nickte gehorsam.



*****




D’Qar.

Endlich. Phasma war widernatürlich aufgeregt. Etwas in ihr sagte, dass sie ihr Ziel erreicht hatte. Das war gut, denn Snoke war mehr als ungeduldig, zornig und fordernd. Wenn sie Hux und Ren hier nicht aufspüren würde, hätte sie keine Idee mehr. Dann wäre es besser den Selbstzerstörungsmechanismus der Finalizer in Gang zu setzen, wenn es den gäbe.

Sie erreichten die Umlaufbahn des Planeten, der hauptsächlich aus Grasland und Dschungel bestand. Wenn sie ein Rebell wäre, würde sie sich selbstverständlich im Dschungel verstecken. Mit der Finalizer konnte sie hier nicht viel mehr ausrichten, als planlos in den Dschungel zu feuern. So dumm war sie nicht. Sie würde einen Erkundungstrupp nach unten schicken. In dem Moment, als sie die Befehle geben wollte, kam ein Funkspruch rein.

Ihr Herz raste, als sie ihn annahm.

„General Hux an die Finalizer, Phasma?“

„Immer noch Captain, für dich“, knurrte sie und wiederholte lauter.

„Captain Phasma hier. Was ist los, General?“

„Wir warten schon recht lange auf eine Mitfahrgelegenheit. Hat ganz schön lange gedauert Captain Phasma!“ Verdammt, er hatte sie gehört.

„Wir hatten ein paar größere und kleinere Probleme, wurden am Ende nach D’Qar entführt, aber nun ist alles bereinigt. Hol uns ab. Das Kommandoshuttle von Ren reicht aus. Wir sind zu dritt.“

„Moment! Wer sagt, dass ich dir trauen kann. Wer ist bei dir?“

„Bei mir ist Kylo Ren und ein Mädchen namens Rey. Sie ist eine Machtnutzerin und ich wette der Oberste Anführer wird hellauf begeistert von ihr sein. Selbst Ren hatte so einige Probleme sie in seine Gewalt zu bringen.“ Phasma runzelte die Augenbrauen.

„Gib mir Ren!“, forderte sie respektlos, obwohl sie sich der Blicke aller Offiziere auf der Brücke bewusst war.

„Jetzt hol uns hoch, Phasma, ich habe diesen Mist hier wirklich satt! Wenn Snoke einen verdammten Kniefall von mir will, wird er ihn bekommen“, knurrte sie Ren mit verzerrter Stimme an.

„Und wenn das eine Falle ist, hm?“, merkte sie an.

„Das würde ich auch denken, insofern Glückwunsch, Phasma, du hast gut auf mein Schiff geachtet.“

„Eine Frage, wo ist der blinde Passagier, der sich in euerm Shuttle versteckt gehalten hat, als ihr auf dem Weg nach Janara gewesen ward?“ Ihr Gefühl bei dieser Frage war mieser als mies und sie fühlte sich auch gleich bestätigt, als Hux sagte (und dabei fast schon verständnisvoll klang).

„Wenn du den Sturmtruppen-Deserteur meinst, der ist leider auf Takodana bei der ersten Gelegenheit geflüchtet. Es hätte sich nicht gelohnt ihn zu verfolgen! Hast du zugehört? Wir haben einen mächtigen Machtnutzer! Aber falls du es genau wissen willst, die Nummer des Soldaten war …“, hörte sie Hux‘ gleichgültige Stimme.

„Ich weiß, welche Nummer er hatte!“, fauchte sie ihn an. Hux schwieg einen Moment und als nächsten hörte sie wieder Ren.

„Holst du uns jetzt ab, oder müssen wir bitte, bitte sagen!“

„Gebt mir die Koordinaten durch. In zwei Stunden werde ich dort sein. Wenn ihr … mir eine Falle stellt, werdet ihr es bitter bereuen. Verstanden?!“ Tränen brannten hinter ihren Augen. Sie wollte nicht glauben, was sie gehört hatte. Hux gab die Koordinaten durch und sie hörte kaum zu. FN-2187 sollte geflohen sein?

„Warum sollten wir dir eine Falle stellen. Wir sind froh, dass du uns gefunden hast, Glaubst du in der Galaxis gibt es gute Schiffe wie Sand am Meer?“

„Was ist mit dem Frachter und Han Solo?“

„Der hat uns hier abgeliefert, ist verschwunden und wir mussten uns mit einer lächerlichen Bande von unfähigen Rebellen herumschlagen. Wie ich sagte, Problem bereinigt.“

„Heißt das, es gibt hier keine Basis des Widerstandes auf D‘Qar?“

„Das war nie eine Basis. Himmel, es war ein winziger, chaotischer Haufen, deren Jäger nicht mal richtig fliegen, weil sie kaum Treibstoff haben. Können wir das von Angesicht zu Angesicht besprechen, Phasma? Bring von mir aus ein Squad mit, aber hol uns endlich nach Hause!“ Hux Stimme war unüberhörbar scharf und genervt. Wenn seine und Rens Odyssee stimmte, hatte er auch allen Grund ungeduldig und missgelaunt zu sein. Alles, was Phasma gesehen, gehört und erlebt hatte, hatte sie versucht wie ein Puzzle zusammenzusetzen.

Kylo Ren war nicht zu trauen. Sie kannte ihn viel zu wenig, um ihn sicher einschätzen zu können. Sie wusste nur, dass Snoke ihn lebend wollte. Ihn und das Mädchen.

Aber sie kannte Hux ziemlich gut. Seine Stimme war angespannt, befehlend und doch sonderbar weich. Das konnte an Kylo Ren liegen. Vielleicht hatten sie nur fortgeführt, was auf der Finalizer begonnen hatte. Das hieß nicht, dass sie nicht mehr für die Sache, die Erste Ordnung arbeiteten. Trotzdem war und blieb sie misstrauisch. Sie hatte die beiden schon so lange gejagt und einiges an Informationen sprach dafür, dass mindestens Ren ein Verräter war, wenn nicht sogar auch Hux.

Andererseits wollten die beiden an Bord zurück und sie könnte sie holen. Um ihr eigenes Leben machte sie sich dabei keine Gedanken, auch nicht um das Squad oder das Kommandoshuttle. Phasma dachte an zwei Dinge. Das eine war, was geschehen würde, wenn sie sich irrte und die beiden Hochverräter waren und sie sie an Bord ließ. Kylo Ren war ein machtvoller Zerstörer und wer wusste schon, was das Mädchen konnte. Andererseits wollte Snoke die beiden lebend haben und mehr würde sie im Grunde ja nicht tun. Snoke könnte sie also nicht dafür bestrafen, dass sie tat, was er wollte. Hux war schnell erschossen, das würde sie sogar selbst übernehmen, wenn es sein musste.

Die andere Sache, an die sie unablässig dachte, war der entkommene Soldat. Der vermutlich irgendwo frei auf Takodana herumlief, wenn Hux‘ Informationen richtig waren. Gab es eine Möglichkeit ihn zu finden, ihn einzufangen und zurück zur Finalizer zu bringen? Zurück in ihre liebenden Arme?

Diese ganz persönlichen Überlegungen zerstreuten ein wenig ihre Bedenken. Hux hatte recht, sie würde mit einem ganzen Squad anrücken und auch noch ein paar TIE-Jäger als Luftunterstützung mitbringen. Sicher war sicher.

Phasma hoffte, dass sie erkannte, was Sache war, wenn sie Hux und Ren von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen würde.

„Gut, in zwei Stunden bei den angegebenen Koordinaten! Verarsch mich nicht, Hux!“

„Sprich nicht so mit mir, Phasma. Ich bin noch immer dein Vorgesetzter!“

Wo er recht hat, hat er recht, dachte sie grummelnd und antwortete ihm nicht mehr.



*****




Armitage holte tief Luft, als er den Funkkontakt beendete. Ben riss sich den Helm runter. Seine dunklen Augen hatten einen seltsamen, hysterischen Ausdruck.

„Scheint zu funktionieren“, sagte Leia aufmunternd und berührte ihn sanft an der Schulter.

„Ja, ich hoffe es. Die Koordinaten sind mitten im Dschungel. Ich habe den Ort schon vor einer Weile ins Auge gefasst. Wir müssen los, um rechtzeitig da zu sein. Aktiviert die Schilde. Alles muss gut getarnt sein, kontrolliert das besser nochmal. Ich will nicht, dass die TIE-Jäger beim Überfliegen etwas entdecken können.“

„Der Störsender ist wieder aktiv!“, rief ihm ein Mann zu und er nickte.

Die Verabschiedung verlief auch recht schnell und emotionslos. Absurderweise waren sich alle sicher, dass sie sich bald wiedersehen würden. Finn und Rey umarmten sich sehr lange und flüsterten sich Sachen ins Ohr, die er lieber gar nicht wissen wollte. Sein Abschied von Leia war herzlich und tat unerwartet weh. Han Solo und Chewie schlugen ihm jeweils hart auf die Schulter. Hans Worte waren typisch:

„Bau keinen Scheiß, mein Junge, sonst komme ich dich holen.“ Eine Antwort gab er Bens Vater besser nicht, ehe sie wieder aneinander gerieten. Poe Dameron übersah er großzügig, was dessen Eitelkeit einen Dämpfer versetzte. Finn gab ihm die Hand und er fühlte sich genötigt etwas zu ihm zu sagen:

„Mach etwas aus deiner Freiheit, FN-2187!“ Finn lächelte ihn aufrichtig an und erwiderte:

„Zu Befehl, Armitage, mein Freund.“ Diese Worte rührten ihn überraschend und so wandte er sich ab. Er hörte so nur, wie sich Ben von Finn und allen anderen verabschiedet. Seine Worte zu seiner Mutter waren noch immer durchdrungen von einem tiefgehenden Ärger über das, was sie getan hatte.

„Das, was du ihm angetan hast, war unverzeihlich, Mutter. Deine Entschuldigung kann nur sein, dass dieses Verhalten in der Familie Skywalker liegt und wir alle nicht davor gefeit sind, denen weh zu tun, die wir gern haben.“

Leias Antwort war:

„Vergib mir irgendwann, Ben. Bis dahin pass gut auf euch beide auf!“



*****




Finns Gedanken, als er den drei Menschen nachsah, die er wirklich jeden für sich lieb gewonnen hatte, waren trüb.

Letzte Nacht war die schönste, die er jemals hatte. Rey und er waren sich nahe gekommen und sie hatte ihm gestanden, dass sie wohl verliebt in ihn war, auch wenn sie angefügt hat, dass sie keine Ahnung von solchen Dingen hatte. Aus ihrer Sicht erzählte sie alles, was auf Ahch-To geschehen war. Bens Verwandlung beschrieb sie sehr eindrucksvoll und auch seinen Kampf mit Luke, den sie beendet hat.

„Etwas ist in ihm, was sehr schnell, sehr schwarz wird. Ben kann es weder steuern noch aufhalten. Aber ich weiß, dass er es nicht will. Er will nicht mehr dieses Monster sein und das ist alles, was zählt. Weil er es nicht mehr will, habe ich ihn überhaupt zurückholen können. Armitage hilft ihm dabei ein guter Mensch zu sein, auch wenn das sicher nicht seine Intension war, als er sich damals auf ihn eingelassen hat. Inzwischen glaube ich sogar, dass das genau das Gegenteil bewirkt hat. Zum Glück für Ben.“

„Ach, ich glaube, inzwischen findet Hux es gar nicht so übel. Zumindest hat auch er sich positiv geändert, auch wenn es viel an Leias List gelegen hat, dass er gewillt war sich zu ändern.“

„Ja, das ist gut. Ich hoffe nur, beide werden nicht wieder rückfällig und unser Plan funktioniert!“

„Ich werde mir Sorgen um dich machen, Rey …“, flüsterte er auf ihre Lippen und küsste sie. Rey schmunzelte.

„Das musst du nicht. Ben und ich sind unschlagbar zusammen, das sagte sogar Luke, als sein Neffe nicht anwesend war. Snoke soll sich warm anziehen.“

„Ich glaube, es geht nicht nur um Snoke. Phasma ist nicht zu unterschätzen und wir alle wissen nicht, was mit Hux passiert, wenn er zurück ist und wieder die Macht übernimmt.“

„Wir müssen Hux vertrauen, Finn.“

„Na, ich vertraue lieber Ben …“, grinste er, bevor er sie erneut und länger diesmal küsste.





Jetzt sah der Gruppe traurig nach und wünschte sich, dass sie sich alle bald wiedersehen würden. Lebendig und unverletzt an Leib und Seele. Leias Hand berührte einfühlsam seine Schulter und er ahnte, dass auch sie traurig war.



*****




Dabei war Leia nicht traurig. Sie war eher positiv angespannt. Rey war ein gutes Mädchen und würde das Richtige tun. Armitage Hux hatte seinen großen Wert bewiesen. Indem sie ihm etwas gab, was er sich verzweifelt ersehnte, fühlte er sich ihr verpflichtet. Wenn, sorgte sie sich um ihren eigenen Sohn und dessen unstetigen Charakter. Dabei wünschte sie ihm, wie allen anderen auch, dass sie in Frieden glücklich sein konnte. Aber soweit sie sich erinnerte, gab es in der Galaxis immer irgendwelche Konflikte. Irgendwer erhob immer einen größenwahnsinnigen Anspruch auf Macht. Würde Snoke und die Erste Ordnung verschwinden, würde ein neues Imperium geschaffen werden. Rey und Ben müssten es bekämpfen, denn die beiden waren die neue Generation. Rey war überaus machtvoll und vernünftig. Ben war wild und impulsiv, aber sehr schlagkräftig. Und wenn Hux die Beiden ein wenig moderierte. Nein, Leia hör besser auf zu träumen, ermahnte sie sich. Han ergriff ihre Hand und flüsterte ihr zu:

„Keine Sorge, Ben wird unbeschadet zurückkehren, Rey ganz sicher auch. Sie ist eine taffe Göre!“

„Ich will aber auch, dass Armitage unversehrt zurückkehrt!“ Hans Arm drückte sie an sich und er küsste ihren Scheitel.

„Sie werden alle zurückkommen, keine Sorge, Prinzessin!“ Chewie stimmt zu, wie allem, was Han von sich gab. Manchmal argwöhnte sie, dass der Wookiee Han Solo überhaupt nicht verstand.
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