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Dreizehn Mädchen

GeschichteThriller, Übernatürlich / P16 / Gen
25.08.2020
22.01.2021
32
70.225
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25.08.2020 2.859
 
Wenn ich an Beerdigungen dachte, waren sie immer trüb. Düsteres Wetter, Wolken, vielleicht auch Regen. Welke, trockene Pflanzen, kahle Bäume. Ganz gewiss brachte ich Beerdigungen nicht mit Sonnenschein, fröhlichem Vogelgezwitscher und bunten Frühlingsblumen in Verbindung.

Doch genauso war das Begräbnis meiner besten Freundin Kira.

Ich konnte es immer noch nicht glauben, auch nicht in dem Moment, als ich eine rosa Orchidee auf das frische Grab legte. Kira hatte Orchideen geliebt und rosa war bei diesen Blumen ihre Lieblingsfarbe gewesen. Auch ihr Sarg war mit rosa Orchideen und weißen Lilien geschmückt gewesen. Es hätte ihr gefallen.

Der Gedanke trieb mir die Tränen in die Augen. Kira würde nie wieder etwas gefallen. Ich wischte mir über die Wangen und blickte mich um. Die anderen Trauergäste waren bereits fort, ich sah noch zwei Mädchen um eine Ecke biegen. Außer Kiras Familie und ihren engsten Freunden waren auch noch viele Mitschüler hier gewesen. Die Nachricht ihres Todes hatte uns alle geschockt und die meisten konnten gar nicht glauben, dass Kira sich selber das Leben genommen haben sollte.

Ich glaubte es auch nicht.

Kira war so glücklich gewesen in den letzten Wochen. Wir standen kurz vor dem Abi, ihre Noten waren prima und seit kurzem war sie mit ihrem neuen Freund Jonathan zusammen gewesen, der sie regelrecht auf Händen trug. Warum hätte sie sich in dieser Situation umbringen sollen? Zudem gab es noch etwas, was mich an einem Selbstmord zweifeln ließ. Unwillkürlich wanderte meine Hand zu meiner schwarzen Tasche, die ich heute mitgenommen hatte und in der mein Handy ruhte. Als mir Kiras Mutter erzählt hatte, dass man Kira tot aufgefunden hatte, waren mir die letzten Nachrichten meiner besten Freundin sofort eingefallen und ich hatte sie erst Kiras Eltern und dann auch der Polizei gezeigt.

Kira hatte sich verfolgt gefühlt.

Sie hatte mir das auch geschrieben, aber ich hatte alles nur auf den Prüfungsstress geschoben. Zwar war Kira schon immer eine gute Schülerin gewesen, aber hier ging es nicht mehr nur um eine einfache Klassenarbeit, hier ging es um unser Abi. Natürlich wollten wir da beide besonders gut abschneiden und ich hatte einfach gedacht, dass sie nervös war und sich ihre Sorgen so bemerkbar machten.

Mittlerweile machte ich mir Vorwürfe, dass ich ihre Ängste nicht ernster genommen hatte. Warum hatte ich bloß alles so abgewiegelt? Wir hätten mit ihren Eltern und der Polizei reden müssen, sicher hätten die doch etwas tun können. Vielleicht war es ein Stalker gewesen, der Kira für sich wollte und sie aus Eifersucht umgebracht hatte, weil sie mit Jonathan zusammen war. Möglicherweise hatte ich zu viele Krimis gelesen und schaute zu viele Nachrichten, aber ausschließen konnte man so etwas nun auch nicht. Immerhin war es doch ein sehr seltsamer Zufall, dass sie mir diese Nachrichten schickte und nur wenige Tage später tot war.

Ich verabschiedete mich leise von Kira und machte mich auf den Heimweg. Kiras Eltern hatten keine große Trauerfeier nach der eigentlichen Beerdigung geplant, sie wollten den Tag mit der Familie verbringen, was ich auch verstehen konnte. Ich hätte es wohl nicht anders gewollt, wäre ich an ihrer Stelle gewesen. Am Haupttor erwartete mich eine Überraschung. Jonathan stand dort, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben und den Blick auf den Friedhof gerichtet. Als er mich erblickte, nahm er die Hände aus den Taschen und machte einen Schritt auf mich zu.

"Hey", begrüßte er mich, als ich ihn erreicht hatte.

"Hey." Einen Moment standen wir schweigend da, bis er auf die Straße wies.

"Soll ich dich mitnehmen?"

"Hast du hier extra auf mich gewartet?" stellte ich eine Gegenfrage, setzte mich aber auch direkt wieder in Bewegung. Jonathan steckte die Hände zurück in seine Jackentaschen und zuckte kurz mit den Schultern.

"Ich ... vielleicht." Gesprächig schien er nicht zu sein, aber das konnte ich verstehen, an diesem Tag auf jeden Fall. Seine Freundin war vor wenigen Tagen tot aufgefunden worden und heute war ihre Beerdigung gewesen. Ich war auch nicht sehr gesprächig heute, zu viel ging mir im Kopf rum. Zu all diesen Gedanken kam nun auch noch die Frage, warum Jonathan auf mich gewartet hatte. Aber eigentlich konnte ich es mir fast denken. Sicher wollte er über Kira sprechen und ich war immerhin ihre beste Freundin gewesen. Allerdings war mir gerade nicht danach mich mit irgendwem über Kira zu unterhalten. Wir erreichten seinen Wagen und er öffnete die Beifahrertür für mich.

"Danke", murmelte ich, bevor ich einstieg und mich anschnallte. Jonathan nahm auf dem Fahrersitz Platz und startete den Wagen, schnallte sich aber erst an, als er bereits angefahren war. Er vergaß das Anschnallen gerne mal, erinnerte ich mich an eine von Kiras vielen Erzählungen über ihn. Wieder begannen meine Augen zu brennen. Kira fehlte mir, ich konnte immer noch nicht so richtig realisieren, dass sie tot war und ich sie nie wieder sehen würde. Ich drehte den Kopf zur Seite und blinzelte ein paar Mal, da ich nicht vor Jonathan weinen wollte. Wobei es in dieser Situation wohl verständlich gewesen wäre, wenn ich weinte.

Anweisungen für den Weg brauchte Jonathan nicht, immerhin hatten Kira und ich in der gleichen Straße gewohnt. Als wir an Kiras Elternhaus vorbeikamen, wanderte mein Blick direkt nach oben. Kiras Zimmer lag im oberen Stockwerk, aber auf der Rückseite des Hauses, sodass ich ihr Fenster nicht sehen konnte. Jonathan hielt schließlich vor unserem Haus und ich schnallte mich ab.

"Danke", sagte ich leise und er nickte leicht.

"Gerne", entgegnete er genauso leise. Dann griff er in seine Hosentasche und holte einen kleinen Zettel hervor, den er mir reichte. "Falls du magst ... vielleicht hilft es uns, wenn wir uns ein wenig unterhalten." Ich nahm den Zettel entgegen, auf dem in klarer, sauberer Handschrift sein Name und seine Handynummer standen.

"Okay", murmelte ich. "Aber nicht heute. Es ist ... einfach zu frisch."

"Das kann ich verstehen", versicherte er und musterte mich aus blauen Augen, von denen Kira so viel geschwärmt hatte. "Aber wenn dir danach ist, ruf einfach an."

"Okay. Dann bis bald", verabschiedete ich mich. Er erwiderte den Gruß und ich stieg aus, um zum Haus zu gehen. Dort schaute ich noch einmal zu Jonathan und hob kurz die Hand. Er winkte zurück und fuhr dann wieder los, während ich ins Haus ging. Meine Eltern waren mit meiner kleinen Schwester auch bei Kiras Beerdigung gewesen, doch ich hatte nicht mit ihnen gehen, sondern noch etwas bleiben wollen. Daher waren sie auch schon da, Lena saß in der Wohnküche und malte, während Mama das Essen vorbereitete.

"Paula, hallo", begrüßte sie mich und umarmte mich kurz.

"Hey ..." Ich lächelte schwach und nickte in Richtung der Treppe. "Ich zieh mich eben um, dann helf ich dir."

"Ach, ich bin schon fast fertig, danke, Liebes", winkte meine Mutter ab. Sorge lag in ihren Augen, wohl kein Wunder, immerhin war meine beste Freundin von wenigen Tagen gestorben und Mama machte sich sicher einfach Gedanken, wie es mir ging.

"Okay. Bis gleich." Ich ging nach oben und hing meine Tasche an einen der Haken, die an meiner Tür angebracht waren, dann schlüpfte ich aus dem schwarzen Kleid und der Strumpfhose, die ich angezogen hatte. Es war warm genug heute, dass ich keine Jacke gebraucht hatte, was auch gut so war, denn ich hatte tatsächlich keine schwarzen Jacken. Eine dunkelgraue Jeansjacke hatte ich, aber die fand ich wenig passend für eine Beerdigung.

Rasch zog ich mir eine Jeans und ein schlichtes Shirt an und trat danach an meinen Schreibtisch. Das Foto von Kira und mir, das ich hier stehen hatte, war mir wieder ins Auge gefallen. Wir hatten es bei der letzten Klassenfahrt aufgenommen und trugen beide bunte Strohhüte, die wir am Strand des italienischen Ortes gekauft hatten, in dem wir gewesen waren. Mein Strohhut hing neben der riesigen Weltkarte, die ich an der Wand am Kopfende meines Bettes aufgehängt hatte. Kleine Pins mit weißen Köpfen steckten in der Karte und zeigten die Orte an, die Kira und ich nach der Schule hatten besuchen wollen. Italien steckte voll mit diesen Pins, wir liebten beide das Land, das Essen, die Sprache, einfach alles. Wir hatten auch beide in der Schule Italienisch gewählt und würden darin geprüft werden.

Nein.

Ich würde darin geprüft werden. Kira nicht.

Mir schossen Tränen in die Augen und ich setzte mich in meinen Schreibtischstuhl, um ihnen dieses Mal freien Lauf zu lassen. Als ich plötzlich eine Berührung auf meiner Schulter spürte, zuckte ich etwas zusammen, aber ein Blick zur Seite verriet mir, dass es Lena war. Sie legte die Arme um mich und ihren Kopf auf meine Schulter.

"Sei doch nicht mehr traurig. Kira ist doch nicht ganz weg. Sie wartet mit Oma und Tante Sophie auf uns und passt auf uns auf", sagte sie und ich lächelte schwach. Lena war schon süß, aber ich konnte ihre Überzeugung nicht wirklich teilen. Anders als sie glaubte ich aber auch nicht an Gott, das hatte ich noch nie. Wir waren beide getauft, aber ich hatte nie in die Kindergottesdienste oder den Religionsunterricht gewollt, im Gegensatz zu meiner kleinen Schwester, die dies alles liebte. Abgesehen von diesem Unterschied waren wir uns aber recht ähnlich und ich hätte Lena um Nichts auf der Welt eingetauscht.

"Ich komm gleich runter, Kleine", versprach ich und Lena zog einen Schmollmund bei dieser Betitelung.

"Ich bin nicht klein!"

"Kleiner als ich ..."

"Aber die größte in meiner Klasse!"

"Dennoch kleiner als ich!"

"Und ich bin größer als Pia und die ist älter als ich!"

"Die zwei Monate machen nicht viel aus", meinte ich und musste tatsächlich leise lachen. Es gab eigentlich nur einen Grund, warum Lena unbedingt groß sein wollte: Sie wollte wie ich die großen Pferde auf dem Reiterhof reiten, auf dem wir angemeldet waren. Kira und ich hatten mit sechs Jahren gemeinsam das Reiten begonnen und Lena hatte es vor ein paar Jahren auch unbedingt ausprobieren wollen. Eigene Pferde hatten wir nicht, aber Kira und ich hatten beide Pflegepferde.

Kurz fragte ich mich, wer sich nun um Philomena, Kiras Pflegepferd, kümmern würde. Ihre Besitzerin Meike wohl nicht, sie arbeitete in einer anderen Stadt und kam nur selten zu ihren Eltern hier zu Besuch. Sie war immer völlig zufrieden mit Kira gewesen und hatte auch schon mal im Scherz gesagt, dass Philomena eigentlich schon Kiras Pferd war. Sie war auch völlig geschockt gewesen, als ich ihr von Kiras Tod erzählt hatte. Ich hatte es Katja, Kiras Mutter, angeboten auf dem Reiterhof Bescheid zu geben und mich um Philomena zu kümmern, bis Meike jemanden gefunden hatte.

"Irgendwann bin ich größer als du", meinte Lena und ich fuhr ihr durch die Haare.

"Bestimmt. Geh schon mal runter, ich muss noch mal ins Bad", sagte ich und Lena nickte, bevor sie mein Zimmer verließ und die Treppe runterpolterte. Ich ging ins Bad, das am Ende des Ganges lag, um mir kurz das Gesicht zu waschen. Mimi, eine unserer Katzen, thronte auf der Heizung und beobachtete mich, nur um mir in die Arme zu springen, als ich fertig war. "Hallo, Süße", murmelte ich und vergrub das Gesicht in ihrem braungrau getigerten Fell. Sie begann leise zu schnurren und ich hielt sie einfach eine Weile so im Arm, bevor ich mich in Bewegung setzte und nach unten ging.

Brina, unsere älteste Katze, schloss sich uns an und maunzte lauthals in der Küche, um auf sich aufmerksam zu machen. Lena kümmerte sich gleich um sie und ich ließ Mimi auch runter, die gleich leise maunzend zu meiner Schwester wuselte, um sich ebenfalls ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Sie kuschelte von unseren vier Katzen am liebsten und war eigentlich immer bei jemanden von uns zu finden. Besonders gerne saß sie abends auf dem Bauch meines Vaters, während er einen Film schaute. Ihm folgte sie schon immer auf Schritt und Tritt. Dass sie jetzt nicht bei ihm war, sprach dafür, dass er im Garten war. Unsere Katzen konnten alle rausgehen, aber Mimi setzte nie einen Fuß vor die Tür. Höchstens saß sie an der offenen Terrassentür und blickte raus.

"Paula, holst du Papa? Er ist im Garten", bestätigte Mama meine unausgesprochene Vermutung und ich nickte, bevor ich durch das Wohnzimmer zur Terrasse ging. Die Tür war offen und ich sah auch direkt meinen Vater, der sich an einigen Beeten zu schaffen machte.

"Papa, Essen ist fertig", sprach ich ihn an und er erhob sich.

"Ich komm schon", sagte er und klopfte sich etwas Erde von den Händen ab.

"Die musst du aber noch waschen", meinte ich und er lächelte leicht.

"Okay, überredet", erwiderte er. Gemeinsam gingen wir wieder rein und ich schloss die Terrassentür hinter uns. Zwar konnten wir von der Wohnküche aus auch direkt ins Wohnzimmer schauen, aber sicher war sicher. In unserem Stadtteil war in den letzten Wochen vermehrt eingebrochen worden, daher hatten unsere Eltern uns eingetrichtert, dass wir Türen und Fenster verschlossen halten sollten, wenn wir nicht im Raum waren oder gar das Haus verließen. Wir aßen schweigend und ich kehrte danach auch direkt in mein Zimmer zurück. Heute war mir einfach nicht nach Gesellschaft. Ich setzte mich in meinen Schreibtischsessel und schaltete meinen Laptop ein, um ein wenig Musik zu hören. Mein Kater Vino sprang mir auf den Schoß und rieb sein Köpfchen an meinem Bauch, was mich lächeln ließ.

"Hey, mein Süßer ..." Ich begann ihn hinter den Ohren zu kraulen, was er mit einem leisen Schnurren quittierte. Er rollte sich auf meinem Schoß ein und ich fuhr mit dem Kraulen fort, mit der freien Hand schaltete ich eine meiner Playlists ein. Danach lehnte ich mich zurück und schloss die Augen. Die ganzen Ereignisse der letzten Tage gingen mir durch den Kopf. Die Nachricht von Kiras Tod, der Besuch danach bei ihren Eltern, das Gespräch mit ihnen und der Polizei, die Beerdigung ... Wieder fragte ich mich, ob ich etwas hätte tun können, was Kiras Tod verhindert hätte. Warum hatte ich sie bloß nicht überredet mit ihren Eltern zu reden? Vielleicht würde sie dann jetzt noch leben und dieser irre Stalker wäre nun im Gefängnis.

Wer es wohl gewesen war?

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Kira sich selbst umgebracht hatte. Doch das hieß auch, dass jemand anderes es gewesen war. Vielleicht sogar jemand, den wir kannten. Vor diesem Gedankengang schreckte ich jedoch zurück. Ich wollte mir nicht vorstellen, dass jemand, den wir kannten, ein Mörder war. Früher oder später würde ich es wohl eh erfahren, immerhin ermittelte die Polizei noch immer. Auch das war eine Bestätigung für mich, dass ich Recht hatte und es kein Selbstmord gewesen war. Wenn sie sich sicher wären, dass es Selbstmord gewesen war, hätten die Polizisten doch ihre Ermittlungen schon abgeschlossen. Ob sie schon jemanden in Verdacht hatten?

Kira hatte nur von einem Gefühl gesprochen, sie hatte nie Nachrichten oder Briefe erhalten oder jemanden gesehen, somit gab es da auch nichts, was die Polizei hätte prüfen oder verfolgen können. Ich überlegte, ob sich jemand komisch verhalten hatte in letzter Zeit. Kiras Exfreund fiel mir wieder als erstes ein, aber da er ja selber mit Kira Schluss gemacht hatte, war er vermutlich nicht eifersüchtig und hatte ihr nachgestellt. Dennoch hatte ich ihn der Polizei genannt, als ich ihnen von Kiras Nachrichten erzählt hatte. Sonst fiel mir da auch einfach niemand ein. Niemand hatte sich irgendwie seltsam oder anders verhalten als sonst, Kira hatte mit niemandem Streit gehabt, nichts. Auch sie selber war wie immer gewesen, bis sie eines Tages plötzlich damit herausplatzte, dass sie sich verfolgt fühlte.

Ich griff mit einer Hand nach meinem Handy, um mir die letzten Nachrichten meiner besten Freundin anzusehen. Vino gab ein leises schnaufendes Brummen von sich, er war eingeschlafen. Ich musste lächeln und schoss erst einmal ein Foto von ihm, bevor ich mich den Nachrichten widmete und sie mir noch einmal durchlas. Den einen Tag schwärmte Kira noch von Jonathan, wie lieb und fürsorglich er doch war, und schon am nächsten Tag schrieb sie mir, dass sie sich schon den ganzen Tag verfolgt fühlte. Auch wenn ich die Nachrichten fast schon auswendig kannte, las ich sie mir alle noch einmal durch in der Hoffnung, irgendwo etwas zu erkennen, was mir bisher entgangen war, doch da war nichts. Kira hatte nie jemanden gesehen und es gab niemanden, den sie verdächtigt hätte.

Leise seufzend wechselte ich von den Nachrichten zu meinen Bildern. Dort waren auch viele Aufnahmen von Kira. Die letzten Bilder, die ich von ihr aufgenommen hatte, waren auf dem Reiterhof entstanden, zwei Tage vor ihrem Tod. Sie hatte von Meike Geld überwiesen bekommen, um einen neuen Sattel für Philomena zu kaufen, und diesen hatten wir Meike präsentieren wollen. Kira sah einfach nur glücklich aus, wie sie neben der gescheckten Stute stand und sich als Model versuchte. Nein. Sie hatte sich definitiv nicht selbst umgebracht. Ich schluckte und schaute in Kiras strahlende Augen auf dem letzten Bild, welches sie auf Philomenas Rücken zeigte. Irgendwer hatte meine beste Freundin umgebracht.

Und ich hoffte, dass derjenige schon bald im Gefängnis landen würde.
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