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Drachenblut und Kopfgeldjägerin - die Legende von Sal

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Het
24.08.2020
08.05.2021
92
187.668
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24.08.2020 1.408
 
Prolog

Knarrend und knarzend fuhr die hölzerne Kutsche über den teilweise sehr verwitternden Weg, vorbei an meterhohen, alten Bäumen und sich im kalten Wind biegenden Büschen. Auf den Ästen lag alter Schnee, ein paar Flocken wurden von stärkeren Böen durch die Luft gewirbelt und es roch von irgendwoher nach verbranntem Holz.
„Ich glaube sie wird langsam wach“ flüsterte eine männliche Stimme und holte die junge Frau so aus ihrem traumlosen Schlaf.
Hatte sie überhaupt geschlafen?

Ein stechender Schmerz flammte hinter ihrer Stirn auf, es fühlte sich eher an als hätte man sie nieder geschlagen.
Etwas was sicher nicht zum ersten Mal passierte, und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal.
„Das wird ihr wahrscheinlich auch nichts mehr bringen... wo fahren wir überhaupt hin“ fragte eine weitere, männliche Stimme, eine die eher schnarrend klang, nicht wie die eines Kriegers.

Vorsichtig öffnete sie ihre Augen, sah auf ihre gefesselten Hände, das war schon mal kein guter Zustand, in dem sie sich gerade befand. Dazu trug sie ihre Stiefel nicht, nur ein paar Leinensandalen wie sie sich Bettler mit Harz zusammen klebten. Und wie man sie Gefangenen gab.
Ja, das waren eindeutig Lumpen, in die man sie gesteckt hatte, sicher während sie sich in der Bewusstlosigkeit befand.
„Ich weiß nicht wohin wir fahren, aber Sovngarde erwartet uns“ bestimmte die erste Stimme, sie konnte die Fellstiefel des Mannes sehen:
„Und man begegnet seinem Ende am Besten mit wachem Geist, dann wird man auch freudig in den Hallen der Krieger empfangen.“

„Sterben? Wieso sterben? Ich gehöre nicht zu euch. Und wärt ihr an der Dunkelwasserkreuzung nicht auf die Kaiserlichen getroffen, wäre ich schon längst mit dem gestohlenen Pferd in Hammerfell angekommen.“
Langsam kehrten die Erinnerungen in ihr zurück, sie kam an irgendeinem Morgen am Hafen von Windhelm an und wollte erstmal nach Weißlauf runter, aber dann dieser Kampf und...

Sie hob den Kopf und musste erstmal blinzeln, überall lag Schnee und die Sonnenstrahlen spiegelten sich in den winzigen Flocken... das war etwas was sie in der Kaiserstadt gelernt hatte, jede einzelne Schneeflocke wirkte wie ein Spiegel und ließ so das Weiß noch heller erstrahlen.
Wäre sie doch in Cyrodiil geblieben.
„Ihr seid wach“ stellte der Mann, ihr gegenüber, fest. Er war ein Nord, genau wie der andere, welcher Lumpen trug. Und da war noch einer, neben ihr, er war ebenso gefesselt und trug zudem einen Knebel. Seine Augen, blau und wach, sahen ihn fragend an, vielleicht auch staunend, dazu trug er die Kleidung eines edlen Mannes. Ebenfalls ein Nord, um sie herum ritten Kaiserliche und die Rüstung des Mannes ihr gegenüber verriet... das war mehr als nur ein Gefangenentransport.

Seit einigen Jahren herrschte Bürgerkrieg in Himmelsrand, darüber hatte sie sich vor ihrer Abreise informiert und das war auch der eigentliche Grund wieso sie sich auf das Schiff begab.
Sturmmäntel gegen Kaiserliche, wo es solche massiven Unruhen gab, da konnte jemand wie sie bestimmt auch Geld machen.
„Wie ist Euer Name“ wollte der blonde Sturmmantel, ihr gegenüber, wissen. Sie öffnete den Mund, ihre Zunge fühlte sich an als hätte man sie durch einen trockenen Stein ersetzt, der Sturmmantel und der Pferdedieb in Lumpen erschraken.
„Was ist“ hustete sie und rieb sich dann mit den gefesselten Händen über die Nase, vielleicht konnte sie... hinter ihr ritt nur ein Kaiserlicher, vor ihnen eine Kutsche mit weiteren Gefangenen.
Und sie befanden sich mitten im Wald... ein dichter Wald, mit vielen Bäumen und Felsen.
„Ihr seid keine Dunkelelfe“ fragte der Sturmmantel.
„Doch. Meine Mutter war die schönste Dunmer von ganz Cyrodiil“ verkündete sie und fing dann an, an den Fesseln zu nagen, wenn sie eines von ihrem Vater erbte, dann das kräftige Gebiss:
„Und mein Vater der stärkste Ork von ganz Orsinium.“

Es löste sich, dies sah auch der Mann ihr gegenüber. Sofort zeigte er ihr an das sie dem Mann neben sich die Knebel lösen sollte.
Warum auch immer, es schien wichtig zu sein und eventuell konnte man dadurch die Flucht sicherer machen.
„Eine sicherlich ungewöhnliche Mischung“ stellte er fest, sie nagte weiter an ihren Fesseln, die sich immer mehr lösten.
„Mein Vater war Botschafter am Hof des Kaisers“ kaute sie und dann war sie auch schon frei, tat aber noch so als würden ihre Hände gefesselt sein und der Kaiserliche hinter ihnen hatte absolut nichts davon bemerkt:
„Und meine Mutter die oberste Zofe, der Gemahlin des Kaisers. Unter solchen Umständen sind ungewöhnliche Mischungen nicht mehr so ungewöhnlich.“ Sie zeigte den drei Männern ihren Daumen, sie schwiegen, sahen aber darauf, dann Daumen und Zeigefinger, dann...

Sie fuhr herum, riss dem Mann neben ihr den Knebel runter und sprang von der fahrenden Kutsche, alle Drei folgten ihr, unter den Kaiserlichen brach Tumult aus.
Ein Schrei, etwas lautes, knallendes ertönte, ein verdammt lautes Wort, etlichen Kaiserlichen fielen die Waffen aus den Händen, dann rannten die Flüchtigen los, in den Wald hinein, sie blieb neben dem edlen Nord und dem Sturmmantel, der lumpentragende Mann lief hinter ihnen.
Ein Pfeil, der Pferdedieb brach getroffen zusammen, sie aber warfen sich in einen Busch und folgten dem Edlen.
„Hier in der Nähe ist ein verstecktes Lager“ rief er und tatsächlich, da waren plötzlich noch mehr Sturmmäntel, sie sahen sofort was zu tun waren und liefen mit gezückten Waffen an ihnen vorbei, den Kaiserlichen entgegen.
„Jarl Ulfric, Ralof“ begrüßte ein Sturmmantel die Beiden und zerschnitt dann auch deren Fesseln.
Das war Jarl Ulfric Sturmmantel?
Sie konnte es fast gar nicht glauben, aber dieser Blick, dieses selbstsichere Auftreten und diese Autorität, welche er fast schon auf natürliche Weise ausstrahlte...
Die Sturmmäntel kehrten zurück, die Kaiserlichen folgten ihnen nicht, sie waren also erstmal sicher.
„Wir waren Gefangene der Kaiserlichen und wir haben es dieser Dame hier zu verdanken das wir fliehen konnten, bevor uns der Henker mit seinem Beil den Kopf abtrennt“ verkündete der Jarl, der Anführer der Sturmmäntel, ernst und zeigte dabei auf die junge Frau:
„Bitte, verratet uns Euren Namen.“
Hieß es nicht, er würde alle hassen, außer die Nord?
Hieß es nicht auch, er würde nur Nord in seine Nähe lassen und alle anderen aus seinem Land vertreiben wollen?

„Meine Freunde nennen mich Sal“ erklärte sie nur und atmete dann tief durch, bekam von einem Sturmmantel eine Rüstung gebracht, wenigstens etwas.
„Wir müssen noch die Anderen befreien“ bestimmte Ralof nun:
„General Tullius wird sie jetzt erst recht hinrichten lassen, allein aus Wut das er uns verloren hat.“
„Wir werden sie auch befreien, denn jetzt sind wir im Vorteil. Wir werden sie zurück in unsere Reihen holen, noch bevor einer von ihnen stirbt“ bestimmte Ulfric ernst, wandte sich dann wieder an die junge Frau:
„Was können wir tun um Euch zu danken?“

Sie zog die Rüstung über und sah sich dann kurz an.
„Meine Armbrust“ erklärte sie dann ernst:
„Einer der Kaiserlichen muss meine Armbrust an sich genommen haben. Und es ist nicht nur irgendeine Armbrust, es ist die meines Vaters, geschmiedet von dessen Vater, in den Feuern der Berge von Orsinium. Sie hat mehr Schlachten miterlebt und geschlagen, als alle kaiserlichen Soldaten zusammen und sollte sie auch nur einen Kratzer haben, dann wird dieser General Tullius durch einen Bolzen in seinem Kopf sterben. Das schwöre ich hiermit.“ Sie schnappte sich ein Lederband, bändigte damit ihr langes schwarzes Haar und bekam dann von einem Sturmmantel Waffen angeboten, sie wählte Pfeil und Bogen.

„So soll es geschehen“ bestimmte Jarl Ulfric Sturmmantel:
„Ralof, Ihr geht mit Sal und besorgt die Armbrust. Ich führe diese Sturmmäntel hier an, unsere gefangenen Gefährten zu befreien“ sie sah nun, dieser Mann, dieser Jarl von Windhelm, hatte auch schon einige Schlachten gesehen und wusste, wenn er auch nur einen seiner Leute zurückließ, würde er sich das nie verzeihen können:
„Sie wurden sicher nach Helgen gebracht, und da werdet ihr auch die Armbrust finden. Trefft mich dann in Windhelm wieder. Ich warte dort auf Euch, Ralof... und auch auf Euch, Sal“ er hielt ihr seine Hand hin und die junge Frau ergriff sie, drückte sie fest:
„Ihr habt nicht nur unser Leben gerettet, nicht nur meines, sondern auch das vieler Nord. Wir können weiter für unsere Freiheit kämpfen, und dafür werden wir Euch ewig dankbar sein. Kommt, besucht mich im Palast der Könige, esst an meiner Tafel und lasst mich Euch dort noch mal so danken, wie es sich für einen Jarl gebührt.“
Er nahm sich ein Schwert, Ralof wählte eine Kriegsaxt.

„Gehen wir“ nickte der Sturmmantel und drückte noch die Hand seines Anführers kurz:
„Holen wir die Armbrust und treten dabei vielleicht sogar ein paar Kaiserlichen kräftig in den Hintern.“



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