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Versöhnung

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
24.08.2020
20.10.2020
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20.10.2020 4.022
 
Hallo meine lieben Lesenden,

nun ist es soweit. Das Ende von Versöhnung ist nun fertig, zwar mit ein wenig Verzögerung, aber wann läuft das Leben schon so wie man es plant?
Auf jeden fall freut es mich, dass ich euch mit dieser kleinen Geschichte doch etwas begeistern konnte. Danke für die bisherigen Favoeinträge und die Empfehlung, das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Und nun viel Spaß mit dem letzten Kapitel :-)

Liebe Grüße
Venja Prime

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30. Mai 2040
17:42:26 Uhr

Der Schritt nach draußen war für Aleyna an diesem Tag schwerer als sonst. Innerhalb eines halben Jahres stand sie erneut ohne Dach über dem Kopf da. Damit sie diese Tatsache nicht vergaß, erinnerten sie ihre Magenschmerzen minütlich daran. Martha konnte ihre Laune ebenfalls nicht sonderlich erhöhen. Denn wie jedes Mal, wenn Aleyna ein Tief hatte, gab sie Geschichten ihrer Kleinen zum Besten. Diesmal entlockte es ihr jedoch nur ein Schmunzeln.
Warum genau ihre Stimmung auf dem Tiefpunkt war, hatte sie ihr bewusst verschwiegen. Dem frisch gebackenen Singelmann würde sich Martha noch früh genug um den Hals werfen können. Nach dem gestrigen Abend wollte Aleyna ihn ohnehin nicht allzu schnell wiedersehen. Darum konnte ihre Kollegin ihn ruhig umwerben, falls ihr das Interesse nicht doch verginge, wenn sie den Hintergrund erführe.

Tief durchatmend machte sich die Schwarzhaarige auf den Weg zur Bushaltestelle. Um wenigstens den Anschein eines derzeit normalen Lebens zu zeigen, brachte sie ihre zwei vollgepackten Koffer in einem kleinen Self Storage Laden in der Church Street, etwas außerhalb der Innenstadt unter. Diesen Weg würde sie nun bestreiten.

Zu ihrem Bedauern tauchte der Bus recht schnell auf, weshalb sie seufzend einstieg. Die Koffer abholen bedeutete, der Realität ins Auge zu schauen und somit der Obdachlosigkeit.
Damals kam sie bei einer Bekannten unter, bis Marc sie aufnahm. Diesmal wollte sie die Gastfreundlichkeit dieser Frau nicht noch einmal ausreizen. Natürlich war dieser Gedanke absurd. Immerhin arbeiteten sie nicht umsonst bei AnAH. Dennoch gefiel ihr die Vorstellung nicht, an ihre Tür zu klopfen, um nach Asyl zu bitten. Erneut.

Also kramte sie ihr Smartphone aus der Manteltasche. Das gebrochene Display erinnerte sie schmerzhaft an den Ausgang des gestrigen Abends. Höhnisch schien ihr dieses entgegenzublicken. Spiegelte es doch genau ihr Innerstes wider.
Das Aktivieren des Displays, bohrte zusätzlich in die vorhandene Wunde ihres Herzens, als sie verpasste Anrufe und Nachrichten von Connor erblickte. Ihn um Asyl zu bitten wagte sie ebenfalls nicht. Durch sein Auftauchen war sie mehr oder minder überhaupt in diese Lage geraten.
Also tat sie das Einzige, was ihr übrig blieb: Sie suchte nach einer Unterkunft in der Nähe des Self Storage Ladens. Wenige Sekunden später wurde sie mit dem Crest Motel fündig und beschloss zumindest eine Nacht dort zu verbringen, bis sie einen ordentlichen Plan hatte.

So stand sie innerhalb von 40 Minuten vor dem heruntergekommenen Crest Motel. Die abblätternde Fassade ließ auf einst rosigere Zeiten schließen, die wohl mit dem vermehrten Einsatz von Androiden und dadurch mangelnden Wanderarbeitern in den letzten Jahren abgenommen hatte.
Nach diesem Anblick schwand der Wunsch, ein Bett darin zu nutzen, schlagartig. Ein kurzer Rundumblick und Aleynas Beine setzten sich von allein in Bewegung. Der Riverside Park lag nur ein paar Gehminuten entfernt, was sie selbst mit zwei Koffern schaffen würde.
Nahe am Flussufer, mit einem perfekten Blick auf die Ambassador Bridge, ließ sich die soziale Aktivistin auf einer Parkbank nieder. Die beiden Koffer rechts und links neben sich abgestellt, warf sie den Kopf in den Nacken. Der bewölkte Himmel drückte zusätzlich auf ihre Stimmung, weshalb sie die Augen einfach schloss. Kopfschüttelnd beugte sie sich nach vorne, die Hände vorm Gesicht und die Ellenbogen auf den Oberschenkeln abgestützt.

Ihre derzeitige Situation konnte sie niemandem in die Schuhe schieben. Sie hätte vor Marc von Anfang an mit offenen Karten spielen sollen. Nun steckte sie in dem Schlamassel. Ein weiteres Mal verlassen worden, einmal mehr ohne zuhause. Paradoxerweise bereitete ihr Ersteres dieses Mal weniger Sorge. Das Wahrhaben ihrer Gefühle ihrem jetzigen Ex gegenüber, machte es erträglicher.
Dazu kam das neu entdeckte aufbrausende Wesen, welches ihn in einem komplett anderen Licht darstellte. Dieses Verhalten bestätigte Aleyna nur in ihrer inneren Entscheidung, ihn nicht mehr zu lieben. Dennoch tat es weh. Es tat weh, sich so in einem Menschen getäuscht zu haben. Beleidigt zu werden von jemandem, den man einst liebte.

Ein vorbeilaufender Jogger schreckte sie auf. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet, dass es kurz vor sieben war. Langsam musste sie eine Entscheidung treffen, doch dies fiel schwerer als gedacht. Einerseits sträubte es sie in dieser Absteige von Motel zu übernachten, andererseits blieb ihr nichts anderes übrig. Sie könnte am morgigen Arbeitstag nach freien Wohnungen suchen, die auch bezahlbar waren. Zusätzlich kam das körperliche Bedürfnis zu essen. Dieses untermauerte das ungute Gefühl in ihrer Magengegend allerdings nicht. Sie glaubte, bereits nach einem Bissen wieder alles erbrechen zu müssen. Allein der Gedanke an eine spärliche Suppe brachte die Schwarzhaarige zum Würgen.
Folglich blieb sie schlicht und einfach auf der Bank sitzen und starrte betrübt auf den Detroit-River, welcher, schmutzig wie er war, den St. Clair- sowie den Eriesee miteinander verband.
Selbst die ersten Regentropfen, die durch das Blätterdach über ihr, ihren Weg fanden, konnten Aleyna nicht zum Gehen bewegen. Wie erstarrt beobachtete sie die andere Seite des Flusses. Mit jedem weiteren Tropfen erleuchtete Windsor mehr. Dass sie zunehmend fror, ignorierte die junge Frau geflissentlich. Ein enger gezogener Mantel musste reichen.

Selbst als der Regen stärker wurde, schienen sich ihre Gedanken nicht zu entwirren. Die Beine angezogen, um die Restwärme zu erhalten, starrte Aleyna weiterhin auf die vielen Lichter der gegenüberliegenden Stadt. Die Tropfen mischten sich mit Tränen, sodass nur ihre geröteten Augen verrieten, dass sie weinte. Sie fühlte sich seltsam verloren und eine Leere schien sich in ihr auszubreiten. Eigentlich hatte sie geglaubt, gut darüber hinweg zu kommen, doch Aleyna wurde eines Besseren belehrt. Die Erinnerung auf dem Dach überwältigten sie, vermischten sich mit dem gestern erlebten. Die innere Leere breitete sich aus. Schluchzer wurden vom Rauschen des Regens erstickt.
Wie in Zeitlupe kippte sie auf die Seite, die Beine immer noch angezogen. Ihre schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht und beschränkten so die Sicht auf den Fluss. Warum musste ihr so etwas passieren? Das zweite Mal innerhalb eines halben Jahres. Alles, was sie wollte war doch nur ein normales Leben, eine normale Beziehung. Aber wie konnte es ein normales Leben werden, wenn sie einen Androiden liebte?

Ihr ganzer Körper zitterte, teils durch die Kälte des nicht enden wollenden Regens, teils durch ihre Schluchzer. Das Hungergefühl überschattete nun die Übelkeit oder war ihr nur schlecht? Sie konnte es nicht sagen.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis eine willkommene Schwärze sie umgab und sie endlich nichts mehr fühlte.



31. Mai 2040
15:57:01 Uhr

Sie spürte etwas Weiches unter sich. Ihre Augenlider waren jedoch zu schwer, um sie zu öffnen. Wärme durchzog ihren gesamten Körper, ließ sie sich tiefer in die Decke kuscheln.
Die weiche Unterlage wurde links neben ihrem Bein heruntergedrückt und etwas sagte ihr, dass dies eigentlich nicht sein konnte. Dann kam ihr wieder die Parkbank in den Sinn, auf welcher sie ursprünglich gelegen hatte. Unweigerlich beschleunigte sich ihre Atmung. Sie sollte nicht hier sein.

Panisch öffnete sie die Augen. Das erste, was sie sah, war ein großer Flatscreen, darüber zwei Bücherregale. Ihr Blick wanderte an der Wand entlang, bis eine Gestalt in ihrem Sichtfeld auftauchte.
„Connor“, stellte sie erschrocken fest.
Besagter begutachtete sie mit einem sanften Lächeln.
„Wie“, begann Aleyna, doch der Android unterbrach sie.
„Du hast nicht auf meine Anrufe oder Nachrichten reagiert. Ich machte mir sorgen, also bin ich zu eurer Wohnung gefahren, um mich nach dir zu erkundigen. Marc machte mir unmissverständlich klar, dass er mich und auch dich nicht mehr wiedersehen wollte. Also dachte ich mir, dass entweder du freiwillig gegangen bist oder er dich rausgeworfen hatte. Ich ortete dein Smartphone, fand dich auf dieser Parkbank und brachte dich hierher“, erklärte er prägnant.

Nur langsam sickerten die Worte bis zu ihrem Bewusstsein durch. Eine Erleichterung machte sich danach breit. Darüber, dass sie nicht die ganze Nacht über in diesem Park gelegen hatte, nicht allein war.
„Wie lange habe ich geschlafen?“, wollte sie wissen und streckte sich ausgiebig.
Der Zeitraum auf dieser unbequemen Bank machte sich deutlich bemerkbar.
„Seit ich dich fand, genau 16 Stunden, 11 Minuten und 27 Sekunden.“
Geschockt richtete Aleyna sich auf.
„Mr. Richards!“, rief sie panisch aus und war schon dabei, sich aus der Decke zu strampeln, als Connor beruhigend seine Hände auf ihre legte.
„Ich habe deinen Arbeitgeber bereits heute Morgen informiert“, klärte er sie auf, was sie erleichtert zurückfallen ließ.
„Möchtest du mir erzählen, was passiert ist?“
Die junge Frau atmete durch. Ihm jetzt zu sagen, weshalb Marc sie rausgeworfen hatte, glich einem Liebesgeständnis ihm gegenüber.

„Er weiß alles. Wer du bist, warum wir uns kennen“, sie machte eine kurze Pause, in der sie tief Luft holte, „Er hat deine Textnachricht gestern Abend gelesen.“
„Ich verstehe“, erwiderte er knapp und zog die Augenbrauen leicht zusammen.
Aleyna wusste, dass er das Geschehene noch einmal im Nachhinein analysierte. Mit dem neuen Wissen verknüpft ergaben sich für ihn andere Wege, Gefühle und Emotionen zu interpretieren. Es brachte sie jedes Mal zum Lächeln. Dann erzählte sie Connor den kompletten Verlauf des Abends.

„Und jetzt bin ich hier, weil mein Herz sich über meinen Verstand hinweg gesetzt hat“, endete sie ohne den Androiden dabei anzusehen.
Es dauerte einige Augenblicke, ehe er zu einem neuen Satz ansetzte.
„Bereust du es?“
Die Schwarzhaarige legten ihren Kopf schief. Auch wenn in ihrem innersten ein Kampf der Gefühle tobte, Reue war nicht dabei.
Sie schüttelte eben diesen, was ihn erneut lächeln ließ.

„Warum bist du nicht direkt zu mir gekommen?“, wollte er dann mit einem ernsteren Ton wissen.
Aleyna mied seinen Blick. Im Nachhinein war es töricht gewesen, nicht um Hilfe zu bitten. Der Detective wäre einer der Letzten, der sie weggeschickt hätte.
„Ich wollte dir oder Hank nicht zur Last fallen“, nuschelte sie und zog ihre Beine näher an ihren Körper.
„Und er ist damit einverstanden, dass ich hier bin?“
Ein Nicken versicherte ihr das Einverständnis des Lieutenants. Dann verfielen beide in Schweigen. Aleyna musste die Ereignisse verarbeiten, alles ordnen. Jetzt hier mit Connor zu sein, gehörte zwar nicht zu ihren Absichten, dennoch war sie ungemein erleichtert. Darüber, dass sie nun geborgen war, ein Dach über dem Kopf hatte und sich bei der Person befand, die sie noch immer liebte.

Erst ihr knurrender Magen erinnerte die Schwarzhaarige daran, wann ihre letzte Mahlzeit gewesen war. Entschuldigend blickte sie zu Connor auf, der verstehend nickte und aufstand. In der angrenzenden Küche begann er zu werkeln, eher er ein paar Minuten später mit Sandwiches zurückkam. Sie bedankte sich, nur um anschließend gierig darüber herzufallen.
Nach einer halben Stunde ließ Aleyna sich gesättigt in die Kissen zurücksinken. Trotz ihres beachtlich langen Schlafes entfuhr ihr ein herzhaftes Gähnen. Darum stand sie wieder auf, um ihre Badutensilien aus einem der Koffer zu fischen. Connor sah ihr amüsiert dabei zu, wie ein Stück nach dem andren den Weg auf dem Boden fand. Als sie gesuchten Kulturbeutel und frische Schlafsachen in Händen hielt, tappste Aleyna schnurstracks ins Bad.

Ein paar Minuten später setzte sie sich wieder neben den Androiden, der sie weiterhin musterte.
„Danke“, sagte sie, „dass ich hier sein darf.“
Er nahm ihre Hand.
„Du kannst so lange bleiben wie du möchtest. Vorausgesetzt die Couch und du versteht euch“, bot er an, was ihr ein Lachen entlockte.
„Vorausgesetzt es ist für dich in Ordnung,“ entgegnete sie stattdessen und warf einen flüchtigen Blick auf ihre Koffer.
„Ab jetzt werde ich dich nie wieder versuchen fortzuschicken“, sagte er mit diesem Hundeblick, der einen Widerstand zwecklos machte.
Die soziale Aktivistin konnte ihm nur mit einem Lächeln antworten. Erneut schlug ihr das Herz bis zum Hals, nur durch seine Anwesenheit. Eigentlich wollte sie weiterhin sauer auf ihn sein, aber die Wut war verraucht. Wich stattdessen diesem alt bekannten kribbeln. Am liebsten würde sie sich nun an Connor kuscheln, doch sie hielt sich zurück. Wollte ihm nicht direkt ein Gefühl des Triumphs vermitteln.

„Gibst du mir eine Chance, damit ich die Zukunft besser gestalten kann?“
Da war der Bezug zur Zukunft und schlagartig kamen ihr alle Gedanken dazu wieder in den Sinn. Zweifel über ihr Hierbleiben drängten sich in den Vordergrund.
„Connor“, begann sie zaghaft und knete ihre Hände in ihrem Schoß, „ich will nicht unhöflich sein, aber ich denke, ich möchte das alles nicht überstürzen.“
Er nickte langsam und in seinen Augen sah sie so etwas wie Verständnis. Doch wusste sie um sein Bedürfnis, ihr Wohlergehen zu erhalten. Sie konnte nicht von ihm verlangen, auf sie zu warten. Dennoch begehrte ihr Herz nichts anderes, als mit ihm zusammenzusein.

„Du hast die Zeit, die du brauchst“, erfüllte er ihre Befürchtung und doch war dieser Satz seltsam erleichternd.
Aleyna lächelte, denn eine verbale Antwort war sie nicht imstande zu geben. Sie fühlte sich bei ihm zuhause, geborgen. Eben das genaue Gegenteil ihrer Beziehung mit Marc, wie sie mit bedauern feststellen musste.
Ihre Bedenken die Zukunft betreffend verblassten mit jeder weiteren Minute, welche sie darüber nachdachte. War sie denn nicht zu jung, um nur auf ihren Verstand zu hören?




01. Juni 2040
06:11:49 Uhr

Ihre Hand war warm und seltsamerweise auch leicht feucht. Im Halbschlaf blinzelte sie verdutzt in die Richtung und erschrak, als ein haariges Ungetüm im Begriff war ihre Linke zu fressen. Hektisch drückte Aleyna sich in die Kissen. Bei genauerem Hinsehen fiel ihr jedoch ein Stein vom Herzen.
„Mensch Sumo! Erschreck mich nie wieder so“, sagte sie dem Bernhardiner, das Haustier des Lieutenant.
Der Hund hingegen platzierte sich direkt vor sie, sodass sich durch sein Hecheln ein unangenehmer Geruch nach Hundefutter ausbreitete. Kopfschüttelnd wuschelte ihm die Schwarzhaarige über den Kopf, weshalb er diesen auf die Couch sinken ließ. Das Sprichwort „Der Hund ähnelt dem Herrchen“ konnte man in Sumos und Lt. Andersons Fall durchaus wörtlich nehmen. Die beiden passten in ihrer Art einfach perfekt zusammen, denn Bewegung und gesunde Ernährung schien für Mensch sowie Tier ein Fremdwort zu sein.

„Er sollte dich nicht wecken, entschuldige, aber er ist mir einfach entwischt.“
Aleyna hob den Kopf. Connor stand neben Sumo, was den Hund nicht sonderlich beeindruckte. Nur das Licht in der Küche war angeschaltet, sodass der Rest des Wohnzimmers weiterhin im Halbdunkeln lag.
„Schon okay“, sagte sie schläfrig und ließ sich wieder in die Kissen fallen, „er kann ruhig hier bleiben.“
„Er stört dich nicht?“, stellte der Android sicher, woraufhin Aleyna den Kopf schüttelte.
Sumo würde sowieso den halben Tag verschlafen.
„Ich bin heute Abend wieder zurück, dann bringe ich etwas zu Essen für dich mit. Hank hat sich mit Ben Collins verabredet, es kann also ein langer Abend werden. Schlaf einfach noch ein bisschen“, sagte er, beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf die Stirn.
Ein Lächeln huschte Aleyna über die Lippen. Während sie sich in die Decke kuschelte, machte sich Connor auf zur Tür. Hank würde sicherlich schon im Wagen auf ihn warten.




Sonnenstrahlen kitzelten sie um die Nase herum, weshalb die Rechtsanwaltsfachangestellte sich missmutig auf die andere Seite drehte. Doch die Sonne brachte auch die Wärme mit sich und so wurde es unter der Decke langsam unerträglich. Also strampelte sie sich frei, nur um erneut ihre Liegeposition zu wechseln.
Ihr Rücken schmerzte noch immer durch die unbequeme Bank in der Vornacht, dennoch waren diese auszuhalten. Aber es half alles nichts. Sie war nun wach, weshalb aufstehen als eine bessere Option schien.

Zu ihrem Glück war der Lieutenant kein Freund von großen Umstellungen, wodurch sich der Kaffee noch immer im selben Küchenschrank befand. Während Aleyna sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte, tappste Sumo langsam zu ihr in die Küche. Seine Hoffnung lag wohl darauf, etwas Essbares zu ergattern.
„Na mein dicker?“
Die Begrüßung beeindruckte den Hund nur minder. Mit heraushängender Zunge sah er sie mit schiefem Kopf an. Sie seufzte.
„Tut mir leid Sumo, du hattest schon Frühstück“, sie sah auf die Küchenuhr, „und für Mittag ist es noch zu früh. Du wirst dich gedulden müssen.“
Ein bedrücktes Bellen entfuhr ihm, doch er wich ihr nicht von der Seite. Sogar als sie mit dem Kaffee längst fertig war, folgte er ihr auf Schritt und Tritt. Ins Badezimmer, zu ihren Koffern. Solange bis es endlich Zeit fürs Mittagessen wurde.

Nach dem Mahl, auch Aleyna gönnte sich noch ein übrig gebliebenes Sandwich, machte Sumo es sich wieder in seinem Körbchen gemütlich. Die Schwarzhaarige hingegen versuchte, etwas dem Fernsehprogramm abzugewinnen. Doch nach endlosem gezappe entschloss sie sich, das Gerät auszuschalten.
Eigentlich war sie nicht krank, könnte also durchaus arbeiten. Allerdings sei ihr ein zusätzlicher freier Tag nach einer halben Nacht auf einer Parkbank gegönnt. Und zu ihrem Glück waren ihre Arbeitgeber im Gegensatz zu anderen noch richtig human.

Erneut überfiel Aleyna ihre Koffer. In einem der beiden lagen ein paar ihrer Bücher, welche sie sich neu zugelegt hatte. Nach ein wenig kramen und herumwühlen fand sie eines, machte sich damit wieder zu Couch und kuschelte sich in die weichen Kissen.
Das eintauchen in einen Krimi befreite ihren Kopf von unschönen Gedanken an Marc. Eine solche Befreiung tat ihr nach den letzten Tagen besonders gut. Sich sammeln, nur auf sich selbst konzentrieren. Den eigenen Weg finden, der sich echt anfühlt. Ein bisschen Lesen würde sie hoffentlich in die richtige Bahn lenken.





Ein Bellen ließ Aleyna hochschrecken. Verschlafen blickte sie in die Richtung der Geräuschquelle und wurde sogleich von zwei braunen Augen begrüßt.
„Tut mir leid, dass er dich geweckt hat, aber Sumo hat wohl das Essen gerochen“, entschuldigte Connor ihr abruptes aufwachen.
Zu seiner Bestätigung gab der Bernhardiner ein weiteres Bellen von sich.
„Verfressener Hund“, nuschelte Aleyna und streckte sich.
Sie musste wohl während des Lesens erneut eingeschlafen sein. Das Buch lag aufgeklappt auf dem Boden, der Titel stand auf dem Kopf. Die Schwarzhaarige schnappte es sich, nur um es gleich darauf ordentlich auf dem Wohnzimmertisch abzulegen.

„Ich nehme an, du hast ihn schon gefüttert?“, stellte Connor die Frage, während er zwei Tüten auf dem Esszimmertisch abstellte.
„Mehr als genug, denke ich“, antwortete sie und gesellte sich zu den beiden in die Küche.
Der Android kraulte Sumo mit einem Lächeln hinterm Ohr, worauf er freudig zu hecheln begann.
„Und Streicheleinheiten hatte er auch mehr als genug“, sagte sie und wollte die mitgebrachten Tüten ausräumen.
Ganz so wie früher. Wie seltsam es war, dass man sich einfach so in einen einstmaligen Abschnitt seines Lebens wieder einfinden konnte.

„Warte, ich mache das“, ging Connor dazwischen.
„Ich schaffe das schon“, verteidigte sie ihr Handeln, doch der Android ließ ihr keine Chance.
Schnell schnappte er die Tüten, nur um sie gleich darauf selbst auszuräumen. Schweigend sah sie ihm dabei zu, verschränkte jedoch die Arme. Unsicher seines Verhaltens wollte sie lieber einen Moment abwarten, um dieses weiter einordnen zu können. Doch Connor schien den Trotz in ihrer Stimme erkannt zu haben.
„Es ist eine Überraschung.“
Er drehte sich mit einer Schachtel in Händen zu ihr um. Sie zierte kein Logo, weshalb die Schwarzhaarige ihn nur fragend ansah.
„Ich dachte du würdest dich über Essen von deinem Lieblings-Italiener freuen.“
Ein trauriger Ton schwang in seiner Stimme, während seine Arme leicht nach unten sanken. Aleynas Augen indes wurden groß und auf ihrem Mund breitete sich ein Lächeln aus. Ihm um den Hals fallen schien ihr in diesem Moment zwar eine angemessene Reaktion, jedoch vereinbarte sie sich nicht mit ihrem Vorhaben der Zurückhaltung.

„Der existiert noch?“, entschied sie sich für eine dezente Erwiderung, „ich dachte das Restaurant wurde zerstört.“
Connors Mine erhellte sich, sodass er den Inhalt der Box umgehend auf einem Teller anrichtete.
„Das wurde er auch“, erklärte er, „zu deinem Glück hat er einen neuen Laden gefunden.“
Und Connor setzte natürlich alles daran genau dieses Restaurant zu finden, nur um ihr eine Freude zu bereiten. In den paar Wochen, in denen sie mit Marc zusammen war, blieben solche Einfälle eher ein Wunschtraum. Wieder ein Beweis dafür, dass sich Androiden als die besseren Menschen herausstellten.

„Guten Appetit“, sagte er, stellte den Teller auf den Küchentisch und legte eine Gabel daneben.
Mit knurrendem Magen setzte Aleyna sich an den Tisch. Spaghetti Carbonara nach Familienrezeptur. Ihm war sogar noch ihr Lieblingsessen bekannt. Logischerweise.
„Danke“, lächelte sie, während Connor sich ihr gegenüber setzte.
Sie aß und der Android erzählte von seinem Tag. Wie weit sie in ihrem derzeitigen Mordfall waren und welche Spitzen Hank wieder zum Besten gegeben hatte. Erst jetzt wurde der jungen Frau bewusst, wie sehr sie diese Art von Zusammensein vermisste. Unbefangen und ohne Hintergedanken. Einfaches beisammensitzen, dem anderen zuhören. Ein Lächeln huschte ihr dabei über die Lippen.
Das leckere Essen, erfüllte sie zusätzlich mit Glück. Diese Art von Beziehung war es, die sie wollte.

Später am Abend saßen die beiden auf der Couch und sahen sich einen Film an. Hank war immer noch auf Achse und Sumo schnarchte sachte in seinem Korb. Zwischen ihnen hätte der Bernhardiner locker einen Platz gefunden. Doch er bevorzugte es alleine zu schlafen.
Für Aleyna wäre die andere Variante hilfreicher. Vor allem mit dem Hintergrund, dass sie es als seltsam empfand, auf so einer Distanz zu Connor zu sitzen. Ein selbst auferlegter Abstand, um nichts zu überstürzen.
Vor nicht ganz zwei Tagen wurde sie verlassen und nun teilte sie mit ihrem letzten Exfreund die Couch. Von einer kritischen Situation zur nächsten. Sie musste etwas tun.

„Morgen werde ich auf Wohnungssuche gehen“, begann Aleyna leise.
Connors Kopf drehte sich in ihre Richtung, jedoch mied sie seinen Blick.
„Ich helfe dir, wenn es dir nichts ausmacht.“
Sie lächelte. Natürlich machte es ihr nichts aus. Eine momentane Unterstützung würde sogar recht hilfreich sein, dafür, dass alles, was sie besaß, in zwei Koffer passte. Ein eigenes Dach über dem Kopf war mehr als nur überfällig, da bereits ihr Zusammenzug mit Marc im Nachhinein verfrüht war.

„Das wäre sehr nett“, entgegnete sie deshalb mit einem ehrlichen Lächeln.
Dann rutschte der Detective näher zu ihr, nahm ihre Hand in die seine.
„Es wäre noch schöner, wenn wir zusammen nach einer Wohnung suchen würden“, sagte er.
Erschrocken entzog sie ihm ihre Hand. Mit geweiteten Augen und rasendem Herzen, sah sie ihn an. Die junge Frau wusste nicht damit umzugehen. Ihr wurde heiß und kalt zugleich.
Connors Blick wechselte von erfreut zu besorgt, denn er nahm natürlich ihren veränderten Herzschlag wahr.
„Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist“, wisperte sie wahrheitsgemäß, versuchte erneut, seinem Blick auszuweichen.
Auch wenn eine Seite in ihr diesen Vorschlag begrüßte, so musste sie sich dagegen entscheiden. Sie brauchte Zeit für sich, um wirklich sicher zu sein, was ihr Herz wollte. Momentan sehnte es sich nach dem Androiden.

„Dann werde ich noch ein wenig warten“, sagte er, nahm erneut ihre Hand und küsste deren Rücken.
Wie gebannt beobachtete sie ihn dabei, konnte ihm ihre Rechte nicht entziehen. Sie schluckte, um ihren trockenen Hals zu befeuchten, doch es half nur mäßig. Erneut veränderte sich ihr Herzschlag, was Connor mit einem Mundwinkelzucken quittierte. Ihm war vollkommen klar, was genau in ihr vorging, jedoch war er Gentleman genug, dies nicht auszunutzen. Und Aleynas Verstand gebot ihr, die Sache langsam anzugehen.

Er ließ ihre Hand los, nur um eine verirrte Strähne ihres schwarzen Haares hinter ihr Ohr zu streichen. Eine sanfte Geste, die zeitgleich so viel Gefühl ausstrahlt.
„Ich würde alles für dich tun, Aleyna, denn ich liebe dich“, sagte er, beugte sich zu ihr und küsste sie.
Ein Feuerwerk entzündete sich in ihrem Innersten, entfachte das Verlangen nach mehr. Noch ehe sie sich selbst zurückhalten musste, löste sich Connor von ihr. Sie biss sich kaum merklich auf die Lippe, um sich zu zügeln. Atmete ein paar Mal tief durch die Nase. Sie wollte mit ihm zusammen sein, mehr als alles andere. Doch dieses Mal, sollte es richtig ablaufen.

„Ich sagte doch, ich möchte es gerne langsam angehen“, meinte sie und tippte ihm dabei auf die Brust.
Ein verschmitztes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Ein Lächeln, welches er wohl erst in den letzten Monaten einstudiert hatte. Ein Lächeln, welches ihm unheimlich gut stand.
„Dann eben einen langsamen Kuss“, grinste Connor und kam ihr erneut näher.
Viel zögernder als zuvor versiegelte er ihr Lippen mit seinen. Diesmal sperrte Aleyna ihre kritischen Gedanken in die hinterste Ecke und genoss einfach diesen Moment. Ein schöner Augenblick von hoffentlich etlichen weiteren.
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