the question...

von Mrs Jane
GeschichteRomanze / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert
24.08.2020
24.08.2020
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Ein kleiner OS für zwischendurch… - hoffe er gefällt dem ein oder anderen.

Viel Spaß!

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Regentropfen prasselten unaufhörlich auf das Autodach und immer wieder erhellte ein Blitz, den vom Sommergewitter bewölkten Himmel. Die Scheibenwischer arbeiteten auf Hochtouren. Das Wetter passte zu Huberts Stimmung. Seine Laune war im Keller.

Er war gerade auf dem Weg in die Pathologie, und zwar alleine. Sein Kollege Staller musste sich angeblich, um die hübsche Frau des Opfers kümmern, wie er ihm mit seinem typischen, fast gruseligen Grinsen erklärt hatte. In so einem Zustand konnte man sie unmöglich alleine lassen.

So blieb mal wieder alles an ihm hängen. Hubert hatte nur mit dem Kopf geschüttelt und hatte sich auf den Weg zurück gemacht. Er hatte einfach keine Lust mit seinem Partner zu diskutieren, da er genau wusste, dass Hansi in dieser Hinsicht nicht mehr zu helfen war. Er wusste nicht wie sein Kollege es anstellte, dass er einfach jede Frau toll fand, aber nicht merkte, dass keine an ihm interessiert war, es war ihm aber eigentlich auch egal. Er hatte es aufgegeben, zu versuchen Frauen zu verstehen oder zu beeindrucken.

Das hatte er sowieso nur bei einer geschafft… das dachte er zumindest… damals.

Und schon wieder kehrten seine Gedanken zu ihr zurück. Anja! Allein bei dem Gedanken, sie gleich zu sehen, wurde ihm ganz anders. Einerseits freute er sich, sie zu sehen, da er sie wirklich vermisste und sie am liebsten umarmen würde, während er ihr sagte wieviel sie ihm bedeutet, wie in alten Zeiten. Andererseits hatte er Angst davor, dass sie sich wieder zofften und wie so oft, sich Sachen an den Kopf warfen, die sie (oder zumindest er) danach sofort wieder bereuten… und das würden sie, da war er sich sicher.

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er das Polizeiauto geschickt vor dem Krankenhaus zum stehen brachte. Er öffnete die Tür und stieg aus. Der Regen hatte nachgelassen. Trotzdem donnerte es noch ab und zu.

Eilig ging er nach unten in die Pathologie. Eigentlich hatte er schon Feierabend, aber Anja meinte, sie hätte schon die ersten Ergebnisse und so fuhr er eben noch zu ihr. Zuhause wartete ja sowieso niemand auf ihn, was machte dann eine halbe Stunde noch aus.

Als er zur Tür herein kam, lehnte sie gerade über ihrem Schreibtisch. Er ließ die Tür laut ins Schloss fallen und sie drehte sich erschrocken zu ihm um. „Mei, musst du dich so dermaßen blöd anschleichen!“, meckerte sie ihren Ex an. „Und wo hast`n überhaupt den Hansi g`lassen?“ Er entschied sich nicht weiter darauf einzugehen, er hatte heute wirklich keine Lust mehr, sich mit ihr zu streiten.

Deshalb fragte er gleich „Also, was is denn jetzt so wichtiges dass`d ned mehr bis morgen warten hast können?“ Genervt sah sie ihn an. „Du wenn`st so dringend heim willst, dann gehst halt. Ich kann mir nämlich a was Schöneres vorstellen als jetzt da zu sein.“ Hubsi ohrfeigte sich innerlich selber dafür, dass es jetzt schon wieder so weit gekommen ist. Es musste doch möglich sein, wie zwei erwachsene Menschen miteinander reden zu können. Also versuchte er es noch mal: „Anja bitte, … könnst mer einfach sagen was du g`funden hast?“ skeptisch sah sie ihn an, er gab sonst nicht so leicht nach. Abwartend sah er sie an, die Händen in den Hosentaschen und leicht auf den Fußballen wippend, wie es seine Art war.

Sie ging nun ein paar Schritte näher zu ihm und begann mit ihrem Bericht: „Also gut, der Herr Hartmann is 38 Jahre alt und ist an einer Überdosis Heroin g`storben, da kannst auch die Einstiche sehn.“ Sie hob das blaue Tuch hoch und hielt Hubsi den bleichen, tätowierten Arm vor die Nase.

Der wandte sich aber nur angeekelt ab. „Ich kanns ma schon vorstellen“, sagte er und warf das Tuch schnell wieder über den leblosen Körper. Anja musste wie immer ein wenig schmunzeln, da er trotz jahrelanger Erfahrung immer noch keine Leichen sehen konnte. Dann fuhr sie aber unbeirrt fort: Jetzt kommt aber des wichtige, und zwar konnte der sich des Heroin gar ned selber gespritzt haben. Der war nämlich Linkshänder und in derer Position und in dem Winkel, wär der da niemals selber hinkommen, also wars Mord.“ Endete sie.

„Aha…“ war das einzige was Hubsi dazu sagte. Sie sah ihn fragend an. Er sah aus als würde er nachdenken, was er als Nächstes sagen sollte. Sekunden vergingen, in denen er mit sich haderte. Irgendwann fragte sie nach: „Kommt da etz noch irgendwas, außer aha?“ Er hob seinen Kopf und sah ihr direkt in die Augen. Sie wurde leicht aus der Bahn geworfen als sie in diese Ozeanblauen Augen sah. Ein letztes Mal dachte er nach bevor er alles auf eine Karte setzte:

„Willst du wieder mit mir zusammen sein?“ kaum hatte er darüber nachgedacht war dieser Satz schon über seine Lippen gekommen. Ob er es bereute wusste er noch nicht, er wusste nur, dass es DIE Frage war, die Frage. die er sich so lange nicht traute ihr zu stellen.

Anja sah ihn an als könnte sie nicht bis drei zählen, wäre er selbst nicht so nervös gewesen, hätte er darüber gelacht, aber er war nervös, und wie! Er wusste nicht wie er auf die Idee gekommen war, diesen Satz gerade jetzt zu sagen und er fühlte sich lächerlich, weil er sich jetzt gleich den größten Korb seines Lebens einfangen würde, da war er sich sicher, aber konnte nicht anders, er wollte nicht so weiterleben. Jeden Tag abends nach Hause in sein großes, leeres Haus zu kommen, sich mit einem Fertiggericht aus der Dose vor den Fernseher setzen und danach alleine ins Bett gehen. Ins Bett gehen und ihr gemeinsames Hochzeitsfoto anstarren, den alten Zeiten hinterher trauern und sich selbst dafür hassen sie gehen zu lassen haben. Dann endlich nach Stunden einzuschlafen, nur um am nächsten Tag wieder in dasselbe Muster zu verfallen. Er wollte endlich wieder leben.

Anja fühlte sich überrumpelt. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Klar hatte sie gehofft, dass sie sich irgendwann wieder näher kommen, aber nie daran geglaubt. Und jetzt stand er hier, sah sie an und fragte sie einfach aus dem nichts heraus, ob sie wieder mit ihm zusammen sein will und das, obwohl sie sich vor wenigen Minuten noch gezankt haben wie zwei Streithähne.

„Hubsi, … Ich…“ fing sie an, wusste sie doch nicht was sie sagen sollte. „Wie kommst jetz da drauf?“ fragte sie deshalb. Hubsi überlegte, er war noch nie ein großer Redner, aber er durfte jetzt nichts Falsches sagen.

„Ich will nimmer streiten. Ich will einfach wieder leben. Seit der Scheidung… weißt des fühlt sich einfach an wie ein riesiger Fehler. Und ich will am Ende ned da steh`n und mir denken hätt ich nur. Deswegen hab ich des jetzt auch so spontan gefragt, weil ich mir denk, man lebt nur einmal und des is mir jetzt klar. Was hab ich scho zu verlieren, … des wichtigste in meinem Leben hab ich scho vor Jahren verloren…“ Er machte eine kurze Pause, in der er Anja mit seinem Daumen eine verirrte Träne von der Wange wischte. „Ned weinen“ flüsterte er, trat noch einen Schritt auf sie zu und sprach weiter: „Ich kann auch verstehn wenn du jetz sagst, dass es dir zu schnell geht, aber ich will das du weißt, dass ich auf dich warte, bis du soweit bist, egal wie lang, solange ich mit dir warten kann.“

Anja konnte nun einen Schluchzer nicht mehr zurückhalten. Sie überbrückte noch die letze Distanz zwischen ihnen und warf sich ihm um den Hals. Sofort schlang er seine Arme um sie. „Ich will ned warten, mir ham scho viel zu lang g`wartet.“ Nuschelte sie in seine Halsbeuge.

Hubsi der nicht mit dieser Reaktion gerechnet hatte, schob sie nun ein Stück von sie und küsste sie. Es fühlte sich an, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. So vertraut. So geborgen.

Überglücklich verließen sie ein paar Minuten später zusammen die Pathologie, um sich auf den Weg nach Hause zu machen.

Das Gewitter hatte aufgehört und die Sonne schien ihnen warm ins Gesicht, das Wetter passte zu Huberts Stimmung. Er war glücklich, genau wie Anja und beiden hatten nicht vor, das je wieder zu ändern!

THE END

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Wie findet ihr es?

Lasst es mich wissen…

LG Mrs Jane
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