NewBlood presents: Legacy Of The Fairy

von illeiza
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18
Claude Crane Eric Northman OC (Own Character) Pamela "Pam" Swynford De Beaufort Sookie Stackhouse Willa Burrell
23.08.2020
17.10.2020
9
29.220
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17.10.2020 3.784
 
8. Legacy Of The Fairy

Hatte es bei Will nicht länger gedauert, bis der Milcheinschuss kam? Himmel, kein Wunder, dass ich mich erhitzt gefühlt hatte, wenn mein Körper dieses Wunder vollbrachte. Ich fragte mich, ob Liv über die Milch auch das Vampirblut aufnahm, schließlich war es in meinem Magen gelandet, oder?
Ich hoffte nicht.
Nicht, dass Erics Blut nicht eine weitreichende Wirkung gehabt hatte, für die ich auch ziemlich dankbar war. Von den üblichen Verletzungen nach einer Geburt war nämlich nichts mehr zu spüren, alles bis auf das Fett an meinem Bauch schien sich zurückgebildet zu haben.
Eric war gegangen, ohne mir zu sagen wohin er wollte, aber ich hatte jetzt auch wirklich andere Probleme und konnte mich nicht noch mit seinen verrückten Liebeserklärungen und Ideen beschäftigen. Ich war also in sein Schlafzimmer gegangen und stillte Liv, was wieder ziemlich weh tat, mich erst schrecklich durstig und dann irre hungrig machte. Ich war froh, dass Erica da war, die mir Wasser und eine Banane brachte. Und während meine winzige, zarte Tochter an mich angedockt war, dachte ich über ihren Vater nach.
Ich hatte mir nie erklären können, warum seine Gedanken mir zuerst zugänglich gewesen waren – obwohl ich versucht hatte diese möglichst auszublenden – und er nach dem dritten Date plötzlich von einer Stille umgeben war, die mir richtiggehend unheimlich vorgekommen war.
Ich hatte es für ein kleines Wunder gehalten. Ein Geschenk von Niall, meinem Feen-Urgroßvater oder meiner Gran vielleicht. Mein Leben hatte plötzlich eine gewisse Chance auf Normalität. Natürlich gab es immer noch Supernaturale in meinem Leben.
Jessica Fortenberry, Bills Tochter, war mit dem besten Freund meines Bruders verheiratet, und auch irgendwie so etwas wie eine kleine Schwester, die mich dann und wann um Rat fragte. Arlene Bellefleur war mit ihrem Jüngsten bei ihrem Vampirfreund Keith eingezogen, als Lisa beschlossen hatte an eine Universität nach Frankreich zu gehen und Coby zu seiner Freundin gezogen war. Lafayette und James waren tatsächlich auch immer noch zusammen und Sheriff Andy Bellefleur war als Vater einer Halbfee irgendwie immer in der Krise. Momentan, weil Holly und seine Tochter Adilyn gleichzeitig schwanger waren. Holly fand sie war für alt für ein Kind und Andy fand, dass seine Tochter zu jung war.
So war ich zwar von Supras umgeben, und auch, wenn sie meine Freunde waren, so waren sie in erster Linie doch die Partner oder Kinder meiner Freunde.
Bis auf Sam, der mit Nicole und seinen drei Töchtern allerdings nur noch selten in Bon Temps war.
Es war damals hart ihn gehen zu sehen, aber ich konnte Nicole gut verstehen. Die Welt war zwar verrückt, aber meine Stadt schien dem Ganzen irgendwie die Krone aufzusetzen.
Außerdem war dann ja Nick in mein Leben getreten.
Mit Bill hatte ich meine seltsame Freundschaft zu Eric begraben und auch Pam verschwand von meinem Radar. Natürlich hatte ich einen Fernseher und konnte nicht umhin die beiden gelegentlich auf diese Weise zu Gesicht zu bekommen, aber ansonsten hatten wir keinen Kontakt.
Nur dieses eine Mal.
Ich schüttelte den Kopf. Nicht das. Nicht heute. Nicht irgendwann. Keine Gedanken an die Bachlorette-Party von Jess. Es war ja auch nichts passiert - und nichts anderes würde ich jemals behaupten.
Meine Tochter machte seltsame Töne und ich musste lächeln, als sie mich mit ihren kleinen Fingern kniff.
„Du bist auch ein kleiner Vampir, huh?“, scherzte ich und strich über ihre weiche Wange, bevor ich meinen kleinen Milchsauger nochmal auf der anderen Seite anlegte. Es tat wirklich weh, war aber besser als ein Milchstau. Und, ohne es gewollt zu haben, wanderten meine Gedanken von dem kleinen, perfekten Menschen vor mir, zu dem großen, gänzlich unperfekten Vampir, der mir mal wieder das Leben gerettet und dann heillos durcheinandergebracht hatte.
Was hatte er mir sagen wollen? Dass er eine Beziehung mit mir wollte? Inklusive der Kinder?!
Eric erschien mir nicht unbedingt der Kinder aufziehende Typ zu sein.
Die Vorstellung war geradezu verrückt. Ich stellte mir vor, wie der Wikinger Pam von diesen Zukunftsplänen berichtete und wie sie reagieren würde. Das brachte mich glatt zum Lachen.
Wie außerordentlich absurd, in der Tat.
Es überraschte mich nicht, als sich meine Gedanken plötzlich scheinbar manifestierten und Eric in der Tür stand. Sein vor seinem Weggehen akkurat nach hinten frisiertes Haar war vom Wind zerzaust und er lächelte mich vorsichtig an, trat näher und setzte sich wortlos neben mich, als ich das Lächeln geschlagen erwiderte. Seit Wills Geburt war ich viel nachgiebiger geworden.
Doch nicht seine verwirrenden Intentionen waren jetzt wichtig. Darüber konnten wir später immer noch reden.
„Auf dem Nachttisch liegt die Kette von Niall. Kannst Du mal gucken, ob man die irgendwie aufmachen kann?“
Den Anhänger musste Eric mir abgenommen und auf den Nachttisch gelegt haben, da ich mich ziemlich genau daran erinnern konnte, wie ich mir die Kette umgebunden hatte, nachdem wir Will gefunden hatten. Ich musste unbedingt herausfinden, warum die Feen hinter diesem Schmuckstück her waren, und ob sich darin wirklich eine Art Vermächtnis befand.
Eric griff nach der Kette mit dem Amulett, dass nicht wirklich so wirkte, als könne man es öffnen. Es war eine silberne Platte mit einem Edelstein darauf. Dieser war flach und aus einem wunderbar, milchig-weißen und gleichzeitig in allen Spektren schimmerndem Material und in Form einer nach unten offenen Mondsichel auf der Platte befestigt. In der Mitte war ein Stern mit einem gelb glänzenden Stein und am Rand waren Worte in einer mir nicht bekannten Sprache eingraviert.
„Ich denke nicht, dass man da etwas öffnen kann“, wiederholte Eric leise meinen eigenen Gedanken und sah dann irgendwie sehnsüchtig an meinen Hals hinab, der in einem sehr offenherzigen Ausschnitt endete, an dessen gewagtestem Punkt gerade mein Baby eingeschlafen war. Ich folgte seinem Blick, ohne mich dabei unwohl zu fühlen, was irgendwie seltsam war, sah hinab auf das zufriedene kleine Gesicht des Säuglings und lächelte, als ich sie versuchte abzudocken und sie daraufhin noch fester saugte. Sie würde wohl einen Schnuller brauchen.
Als ich den Blick wieder hob, lagen plötzlich Erics Lippen auf meinen und ich quietschte überrascht, als er mich mit einem leidenschaftlichen Spiel verführte, bei dem ich mich wie sein Lieblingsnachtisch fühlte, und das mich einen Moment danach mit einem völlig unerwarteten Hunger zurückließ. Ich starrte ihn vermutlich geschockt an.
„Eric“, hauchte ich nur wie eine Ermahnung das nicht mehr zu tun. Oder nicht damit aufzuhören?
Ich war mir keineswegs sicher. Seine Hände glitten an meinem Hals entlang und ich spürte das kühle Material des Amulettes und der Kette an meiner Haut, als sie darüber glitt.
Er verschloss die Kette hinten in meinem Nacken.
„Du solltest sie umbinden“, murmelte er und strich mit den Fingern über die Kette nach vorne, während sein Blick auf den Anhänger gerichtet war. „Und wir sollten jemanden finden, der lesen kann, was da drauf steht.“
„Claude“, sagte ich, ohne darüber nachzudenken und wusste, dass es keine gute Idee war. Aber welche anderen Optionen hatte ich denn? Mir fielen keine ein, aber das konnte auch daran liegen, dass ich mich immer noch etwas atemlos und kribbelig fühlte von seinem Kuss.
Eric schüttelte den Kopf und meine Augen konnten sich nicht von seinen Lippen lösen.
Himmel.
„Das halte ich für keine gute Idee.“
Mit einem Plopp und dem damit verbundenen ziehenden Schmerz zog ich mein kleines Milchmonster ab, um diesen verführerischen Bann zu durchbrechen, unter dem ich stand, richtete meine Kleidung wieder und sah erst danach wieder zu ihm auf.
„Ich habe keine andere Wahl. Oder kennst Du irgendwelche weiteren Feen? Mein Großvater und Claudine sind beide tot und ich vermute, dass weder der Google-Translator noch die städtische Bibliothek Ergebnisse hierzu liefern können. Vermutlich ist es die gleiche alte Feensprache wie… wie...“, begann ich, stockte und dachte an ein anderes Dokument. Den Vertrag, den Maurella mit ihrem Licht erweckt hatte. Vielleicht...
„Hier“, sagte ich abgelenkt und drückte Eric die schlafende Liv auf den Arm, bevor ich den Anhänger in meine Hand nahm, die Augen schloss, um mich besser konzentrieren zu können und mein Licht in den Anhänger sandte.
Kaum berührte mein Licht die Feenmagie, gab es eine Antwort. Energie floss wie eine Schockwelle in mich und mit ihr die Stimme meines Großvaters.
Eine Lawine von Bildern, Stimmen und Emotionen wurde ausgelöst. Wie ein Strom durchspülte sie mein Sein, dehnte meinen Geist und hinterließ Myriaden von Erinnerungen. All diese Worte und Bilder und Feen. All diese Jahrhunderte. Ich konnte kaum atmen und diese Wärme brannte sich durch meinen Geist.
Aus der Ferne hörte ich meinen Namen, doch ich war zu sehr vereinnahmt von diesem Strudel der Vergangenheit, der mich durchflutete.
Ich konnte nicht sagen, wie lange es dauerte, bis die neuen Bilder verebbten und ich meine Augen öffnen konnte.
Atemlos.
Fassungslos.
Ein Vermächtnis, fürwahr.
Vor mir saß immer noch Eric, der meine Tochter in seinen Armen hielt.
Seine Haut sah aus, als hätte er einen ziemlich üblen Sonnenbrand und er starrte mich mit großen Augen an, aber gleichzeitig auch wissend.
„Was hast Du gesehen?“, fragte er und ich hob die Hand, um entgeistert über seine verbrannte Wange zu streichen. „Ich hab Dich verbrannt.“
„Ja, macht nichts“, winkte er ab und wirkte ungeduldig, „Du hast geleuchtet!“
Er heilte nicht richtig, weil er mir zuvor offenbar ein wenig zu viel Blut gegeben hatte, also hielt ich ihm schulterzuckend mein Handgelenk hin. Er starrte es an, als hätte er keine Ahnung, was ich von ihm wollte.
„Nur ein bisschen natürlich“, lächelte ich unsicher, denn ehrlich gesagt hatte ich eine begeisterte Zustimmung erwartet. Mein Blut war besonders. In der Vergangenheit hätte sich Eric so ein Angebot sicherlich nicht entgehen lassen. Doch jetzt sah er mich nur stirnrunzelnd an.
„Ich will Dein Blut nicht trinken.“
O-kay.
Es war völlig krank und psychologisch eine bedenkliche Reaktion, aber ich war wirklich ein klein wenig beleidigt, dass er das Angebot nicht annahm, sondern lieber auf den Anhänger starrte. Beziehungsweise auf meine Hand, die den Anhänger immer noch umklammerte.
„Ist das Dein Ernst?“
Der Wikinger wirkte überrascht, als er mich endlich ansah und lächelte bei dem was er fand. Was ich so gar nicht witzig fand. Doch ehe ich ihn anfahren konnte, griff er nach meiner freien Hand und drückte sie sanft mit seinen sonst so kühlen Fingern. Sogar die waren verbrannt.
„Ich will nicht, dass Du denkst, ich würde Dich nur wegen Deines Blutes hier haben wollen.“
Mein Kiefer klappte herunter und meine Augen wurden groß.
Wollen, huh?
Interessant.
Aber auch unnötig kompliziert gedacht von meinem Wikinger.
Was war so ein bisschen Blut?
„Sei nicht albern. Über so etwas sind wir doch schon längst hinaus. Wir sind Freunde und pragmatisch, oder nicht?“
Eric wirkte etwas verwirrt und schüttelte schließlich den Kopf, wie um einen Gedankengang abzuschütteln.
„Wir sind mehr als Freunde, aber jetzt sag mir doch erst mal, was eben gerade passiert ist.“
Ich starrte ihn sekundenlang abwartend an und seufzte, weil er natürlich recht hatte. Auch wenn ich nicht genau wusste was wir waren.
Mich sammelnd atmete ich ein und aus. Wie sollte ich ihm erklären, was gerade passiert war?
„Mir… wurde das Vermächtnis von Niall… zuteil. Alles…“, begann ich und stockte, als ich mich fragte, ob es eine gute Idee war, Eric hiervon zu berichten. Er war ein Vampir. Jemand, der magisch angezogen wurde von dem Geruch und dem Blut der Feen. Der von deren Wissen profitieren würde. Oder ihren...
Ein plötzlicher Gedanke ließ mich aufgeregt die Hand heben.
„Warte mal“, sagte ich atemlos und schloss konzentriert die Augen, weil mich ein plötzlicher Impuls überfiel.
Würde, wenn ich mich konzentrierte und auf einen Gedanken fokussierte… würde ich… ich schnipste mit den Fingern.
Woah!
Ein Swoosh wie ein kleiner Wirbelwind trug mich auf meinen Gedanken fort und ich landete mit einem „Uff!“ auf meinem Hintern. In meinem Haus.
Ungläubig strich ich mit meinen Fingern über die Holzmaserung meiner Dielen.
Das war echt! Ich war wirklich hier. In meinem Haus!
Ich horchte sehr aufmerksam in das Haus hinein, hievte mich hoch, als ich keinen Mucks hörte, ging in Richtung Diele und strich im Vorbeigehen über das kleine Deckchen, das meine Gran gehäkelt hatte. Es war total still.
In der Diele war es ziemlich dreckig.
Ich schloss die offenstehende Tür und wollte den Teppich zurechtrücken, als mir der Gedanke kam, dass ich hier vermutlich verschwinden sollte, auch wenn keiner im Haus war.
Nathrach war zwar entkommen, aber durchaus fähig eine Andragius-Falle zu spinnen. Die könnte ich allerdings durchaus erkennen, wenn ich...
Mir stockte der Atem.
Woher wusste ich, wie die verwundete, geflohene Fee hieß?
Warum kannte ich Bezeichnungen für magische Fallen?
Vermutlich aus dem gleichen Grund, warum ich von einer Sekunde zur nächsten plötzlich in meinem Haus gelandet war.
„Motherfucker!“, sagte ich verärgert und wusste natürlich, was passiert war und warum. Weil es meinem nächsten Feennachkommen ebenso passieren würde, wenn ich irgendwann starb. Was noch lange dauern würde. Dafür hatte Niall gesorgt.
Mit seinem Tod hatte er alles, was er war, jede Erinnerung, all sein Wissen und sogar seine Fähigkeiten durch den Zauber an mich weitergegeben, der in dem Amulett gesteckt hatte. Und Claude hatte nicht mal geahnt, dass die Nachricht, die er hatte weitergeben sollte, einzig dazu diente, mich auf die Idee zu bringen dieses Amulett zu suchen und zu öffnen. Niall hatte ihm sogar Magie eingeflößt, damit Claude besonders hartnäckig werden würde. Ein bisschen zu viel vielleicht.
Dabei wäre mein schöner Cousin nie an das Vermächtnis des ältesten Prinzen unserer Blutlinie herangekommen, da nur mein Licht das Wunder dieser Übertragung geschehen lassen konnte, denn es war so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Und das alles nur, damit Nialls Neffe Breandan nicht an das kam, was nun in mir schlummerte.
Wenn er nicht wollte, dass sich Feen mit Menschen fortpflanzten war klar, dass mich das nun zum neuen Ziel machte. Und Will.
Aber ich war jetzt in der Lage die Kinder und mich zu schützen. Und sogar das Haus konnte ich mit einer Macht umgeben, so dass nur jemand passieren konnte, der gute Absichten hatte. Ich war unabhängig von Eric. Ich könnte allein mit meiner dezimierten Familie leben.
Und beim Gedanken an Familie wurde mir etwas anderes klar.
Claudes Zuneigung WAR echt gewesen, denn meine war es auch.
Vielleicht war auch das etwas von Niall, aber es war jetzt so sehr ein Teil von mir, dass es keine Rolle spielte.
Ich fragte mich, wie ich angesichts diesem ungefragten Eingriffs in mein privatestes Innerstes so ruhig bleiben konnte. Viel des Wissens und der politischen Ränge war nichts, was mein einfaches Gemüt jemals gekannt hatte, aber ich fühlte mich auch unglaublich bereichert.
Diese Akzeptanz dieses Zustandes war etwas, das nicht meiner Persönlichkeit entsprach.
Vielleicht nicht der menschlichen…
Schon Eric hatte festgestellt, dass zwei Sookie Stackhouses in mir schlummerten, oder? Die menschliche und die Feen-Sookie.
Ich schloss die Augen und versuchte zu erforschen, ob ich mich noch wie ich selbst fühlte. Und das tat ich. Nur war da mehr. Das Wissen, die Namen, die Fertigkeiten – aber auch ein paar magische Überraschungseier. Kleine Zauber, die sich erst öffnen würden, wenn ich sie brauchte. Noch ein kleines Geschenk von Niall.
Konzentriert konnte ich spüren, dass eines davon sich geöffnet hatte, als ich mich gefragt hatte, was mein Urgroßvater mir da alles vermacht hatte – es war der Impuls gewesen, auszuprobieren, ob seine Magie auch in dem Feen-Paket mit dabei gewesen war. Und die Erkenntnis, dass Claude meine Familie war. Das war das zweite Überraschungsei.
Die Uhr im Wohnzimmer schlug zur halben Stunde und ich zuckte zusammen vor Schreck.
Wie lange war ich schon hier?
Ich musste zurück! Meine Kinder waren allein mit Eric, der vermutlich bereits das Vampir-Äquivalent von Homeland Security eingeschaltet hatte. (Also Pam...)
Als ich mich wieder konzentrierte, stellte ich mir Erics Schlafzimmer in der Blockhütte vor und schnipste wieder mit dem Finger. Ich hatte keine Ahnung, ob das wirklich notwendig war, aber etwas zu haben, das den Zeitpunkt des Übergangs markierte erschien mir hilfreich zu sein.
Ich stand in der einen Sekunde auf Erics Bett, als ich ankam und in der nächsten lag ich unter ihm, während er in seinem sehr beängstigenden Kampfmodus war und mir der Atem aus den Lungen gepresst wurde.
Als er mich erkannte, ließ er mir sofort etwas Platz, stützte sich auf den Ellbogen ab und die Zähne ploppten zurück, aber sein Blick war völlig verstört.
„Was ist geschehen? Wohin bist Du verschwunden?“
Es war zwecklos diesen Part vor ihm geheim zu halten, da er mich ja gerade hatte verschwinden sehen. Irgendwie schien ich alles verlernt zu haben, was man im Umgang mit Vampiren zu beachten hatte. Aber aus irgendeinem verrückten Grund vertraute ich ihm wirklich. Außerdem lenkte es mich ungemein ab, dass sein Körper auf meinem lag und er mir so unglaublich nah war.
„Niall hat mir ein paar Dinge hinterlassen.“
Eric starrte mich voller Verwirrung an.
„Seine... Magie?“
Ich bewegte den Kopf abwägend hin und her.
„Es scheint so. Aber… ich weiß auch einige Dinge.“
Untertreibung des Jahrtausends.
„Und ich werde wohl etwas älter als geplant.“
So ungefähr ein paar Tausend Jahre…
Eric starrte auf mich herab und lächelte dann.
„So alt wie ich?“
Ich zuckte die Schultern und senkte den Blick auf seine Lippen.
„Keine Ahnung. Rieche ich anders?“
Er schüttelte langsam den Kopf, senkte ihn jedoch dann stirnrunzelnd in meine Halsbeuge, was mir eine Gänsehaut bescherte, weil seine Nase dabei sehr verführerisch über meine Haut strich.
„Ich... rieche Dich gar nicht mehr.“
Huh… ich konnte also auch meinen Geruch maskieren.
„Wo ist Liv?“, fragte ich etwas atemlos und versuchte zu ignorieren, was er mit mir machte.
„Beide Kinder schlafen?“, murmelte er mit einer Frage, was mich lächeln ließ. Ach, scheiß drauf. Meine Hände fuhren an seinen Armen hinauf, was er mit leichter Irritation beobachtete, doch dann strichen meine Finger über seine Schultern in seinen Nacken, bevor ich ihn zu mir hinabzog und meine Lippen hungrig auf seine legte.
„Was… machst Du, Liebste?“, fragte er zwischen den Küssen und mit jedem Wort so umwerfend hilflos, dass ich ein Stöhnen nicht unterdrücken konnte.
„Dich küssen.“
Ich fragte mich langsam, was mit ihm los war, weil er sich so zurückhielt und zwar ein bisschen mitmachte, aber ganz offensichtlich versuchte es nicht zu tun. Da kam ich zu der schockierenden Erkenntnis, dass er mich vielleicht ja nicht küssen wollte. Sein Körper wollte zwar ganz offensichtlich mehr als das, aber auch der Wikinger war nur ein Mann und hatte durchaus Gefühle. Oder Hintergedanken.
Ich war jedenfalls etwas beschämt, als ich mich von ihm löste.
„Entschuldige?“
Das brachte mich völlig aus dem Gleichgewicht. Wenn es eine Konstante in unserer Beziehung gab, dann doch die, dass Eric gerne Sex mit mir haben wollte und nicht müde wurde, mir dies mitzuteilen.
Und er hatte mich doch auch mehrfach geküsst. Er sah mich auch so sehnsüchtig an, als würde er gerne weitermachen, doch irgendwas hielt ihn ab.
„Was ist los?“
Eric schüttelte den Kopf und wirkte so zerrissen, wie ich ihn noch nie gesehen hatte.
„Sei mein?“, fragte er und strich mit seinem Daumen seufzend über meine Unterlippe.
War das sein Ernst? Er dachte immer noch, dass ich Hilfe brauchte?
Jetzt seufzte ich.
„Ich denke, ich kann mich mit meinen neuen Extras durchaus ganz gut allein behaupten, Eric.“
Die Augen verdrehend nahm er eine meiner Hände von sich und küsste meine Handinnenfläche.
„Ich weiß“, murmelte er und schien unzufrieden darüber zu sein, was mich wiederum zum Lächeln brachte. Er sah mich bedeutungsvoll an.
„Sei trotzdem mein.“
Meine Hand legte sich um seine Wange und ich lächelte.
„Nein.“
Diese Antwort schien er überhaupt nicht zu verstehen.
„Warum nicht? Du hast mich geküsst.“
Lachend schüttelte ich den Kopf.
„Warum denn? Ich bin nicht Dein Besitz – auch wenn ich den Gefallen mit dem Kuss erwidert habe.“
Stirnrunzelnd ließ er sich neben mir auf das Bett plumpsen und ließ den Unterarm auf seiner Stirn liegen. Ich drehte mich halb und stützte den Kopf auf meinen Ellbogen, um auf ihn herabsehen zu können. Meine verruchte Stimmung war durch seine Forderung etwas gedämpft worden, aber das hieß nicht, dass ich die breiten Schultern oder seine vollen Lippen nicht bewundern konnte.
„Weißt Du noch, als Du mich gezappt hast und ich meine Erinnerungen zurückbekommen habe?“, fragte er dann leise und hörte sich dabei irgendwie weit weg an.
Wie sollte man so etwas vergessen?
„Klar“, sagte ich sanft und lächelte, weil er mit einem Mal auch so verletzlich wirkte wie in der Zeit, als er dieser Erinnerungen beraubt gewesen war. Verletzlich und verloren.
„Wärst Du mit mir gekommen?“
Etwas irritiert versuchte ich zu verstehen, was er meinte, aber dann dämmerte es mir.
„Eric, alles, was Dich zu Dir gemacht hat, alles was Du bist… all das fehlte Dir. Du wärst doch so nie zufrieden gewesen.“
„Ich wollte nur Dich, Liebste.“
Puh…
„Hätte ich das getan, wäre es nur der Beweis gewesen, dass ich Dich nicht richtig geliebt…“, sagte ich und brach ab, als ich das zufriedene Glitzern in seinen blauen Augen sah, „habe.“
Oh-oh.
„Aber Du hast mich geliebt.“
Wie ein verschrecktes Reh starrte ich ihn an und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass ich mich gerade fragte, ob man diese Aussage wirklich in die Vergangenheitsform stecken musste.
„Ja, das habe ich“, sagte ich daher etwas abgelenkt und fragte mich außerdem worauf er hinauswollte. Hatte das alles etwas mit seiner verwirrenden Liebeserklärung zu tun?
„Was meinst Du?“
Er wandte sich mir zu und strich sehr zärtlich über den Rand meines Gesichtes.
„Du warst mein. Ich will, dass Du wieder mein bist.“
Aufstöhnend schloss ich die Augen.
„Okay, pass auf“, sagte ich und stand vom Bett auf.
„Erstens: Ich will diesen Satz – Sei mein oder Du bist mein - nicht noch einmal hören.“
Eric erhob sich und schwang die Beine aus dem Bett, um mit verschränkten Armen und einer angesäuerten Miene vor mir sitzen zu bleiben.
„Zweitens: Ich werde in mein Haus zurückgehen, allein. Und Claude werde ich mitnehmen. Wenn er will.“
Ich legte ihm meinen Zeigefinger auf die Lippen, als er ganz offensichtlich protestieren wollte.
„Er gehört zur Familie – das werde ich nicht mit Dir diskutieren.“
Der Ausdruck in seinem Gesicht wurde nun richtig grimmig.
„Drittens: Wenn sich alles beruhigt hat und… wenn Du dann willst… können wir Ausgehen.“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.
„Ausgehen?“
Nickend trat ich ihm einen Schritt entgegen, beugte mich zu ihm und küsste seine Wange, bevor ich mich wieder gerade machte.
„Und gucken wie es läuft.“
Ich legte meine Arme um ihn, als er mich auf seinen Schoß zog.
„Wie es läuft…?“, wiederholte er tonlos und sah mich an, als wäre völlig verrückt. Ich grinste und küsste sein stures Kinn.
„21. Jahrhundert, Baby. Take it or leave it.“
Er starrte mich an und sagte dann mit zusammengekniffenen Augen.
„Die Fee schläft aber nicht in Deinem Bett.“
Ich grinste. Verdammt, ich hatte ihn vermisst.
„Deal.“

The End.
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Hach… das war es leider!

Ich hoffe es hat Euch gefallen. Lasst mir doch ein Review da <3

Bleibt gesund und LG
Eure Nadine
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