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Die Wärme des Herzens

von Sunny 78
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
Sophie Brown Titus Kralle
23.08.2020
20.12.2020
7
13.354
2
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05.09.2020 1.780
 
Keuchend stapfte Titus durch den meterhohen Schnee. Den riesigen Heizkörper hinter sich herziehend bahnte er sich seinen Weg in Richtung Gipfel. Das war jedoch leichter gesagt als getan. Das Wetter verschlimmerte sich mit jeden Meter, den er mühsam zurücklegte. Trotz der vollen Montur aus Winterklamotten, zu der Titus sich schlussendlich doch noch durchgedrungen hatte, bohrte sich der schneidende Winde durch seine Kleidung und pfiff ihm wild um die Ohren. Der Schneesturm mag sich zwar inzwischen etwas gelegt haben, doch um den Rest des Weges mit seinen praktischen wie stylischen Flugstiefeln zu bewältigen, würde es noch nicht reichen. Am liebsten täte Titus seinem Onkel diese blöde Maschine um die Nase hauen und nie wieder zu ihm zurückkehren. Als hätte er ihm diesen Gedanken übermittelt, piepte plötzlich das Armband des jungen MAD-Agenten. Augenrollend klickte er darauf, schon ahnend wer sich mal wieder nach der Umsetzung des Plans erkundigen wollte. ,,Was gibt's, Onkelchen?" ,,Titus! Beginnt der Schnee schon zu schmelzen? Kann ich mich schon an den Leiden der Skifahrer erfreuen?" Zögerlich rieb sich Titus den Nacken. ,,Na jaaa, ich arbeite noch dran..." Dr. Kralle schien alles andere als erfreut über diese unklare Aussage. ,,Was soll das heißen? Alber nicht rum!" Titus stöhnte. ,,Ach, komm schon, Onkelchen. Lass jemand anders die Mission übernehmen. Das Wetter hier ist der reinste Horror! Der Wind zerstört meine Frisur! Ich fühle mich elendig!" Eindringlich betrachtete Titus den Körper seines Onkels, der seine ernst gemeinten Aussagen mit lächerlichen Gesten überspielte. ,,Oh, buhu, mein armer kleiner Titus. Mir kommen gleich die Tränen. Reiß dich gefälligst zusammen! Je eher du meinen perfekt ausgearbeiteten Plan ausführst, desto eher wird dieser Schnee Geschichte sein, buahaha! Bevor mein Plan nicht in die Tat umgesetzt wurde, brauchst du mir nicht unter die Nase zu treten!" Seine Krallenhand schnellte mit solch einer Geschwindigkeit auf die Tischplatte, dass MAD-Katze mit einem überraschten Miauen von eben dieser herunterfiel. Schmollend rollte Titus mit den Augen. ,,Ist ja gut. Ich mach mich an die Ar-har-ha-hatschü!" Angewidert hob Dr. Kralle seine Hände. ,,Und bleib mir mit deinen Bazillen bloß vom Leib!" Mit diesen Worten unterbrach er die Kommunikationsverbindung. Fassungslos ließ sich Titus gegen die Heizmaschine sinken. Mag sein, dass sein Onkel das einzig verbliebene Familienmitglied von ihm war, doch er verhielt sich mit keiner Faser seines Körpers dementsprechend. Für ihn war Titus wahrscheinlich nur ein Spielzeug. Eine Puppe, die er nach Belieben steuern und rumkommandieren kann bis sie eben irgendwann kaputt gehen würde! Wutentbrannt hämmerte Titus mit seiner Faust gegen die Maschine an der er gerade lehnte. Mit einem Ruck und lauten Quietschen setzte sie sich unverhofft in Bewegung. Schlagartig riss der Lilahaarige seine Augen auf, doch noch bevor er die Chance zum Handeln bekam, fiel er rücklings in den Schnee und musste mit ansehen wie der überdimensionale Heizkörper mehr und mehr beschleunigte und Stück für Stück den hart erarbeiteten Weg zurücksauste. Einem Nervenzusammenbruch nahe, erhob sich Titus und jagte der Maschine fluchend hinterher. ,,Nein! Komm schon, das ist jetzt nicht wahr?! Halt aaaaan!"

Kreischend prallte Sophie gegen die geschlossene Beifahrertür des Gadgetmobils während Fino unkontrolliert auf dem Rücksitz hin und her schlitterte und sein Bestes gab, sein Frühstück bei sich zu behalten. Gadget hatte derweil den Kopf weit aus dem Fenster gestreckt, die Landschaft nach den Schneemenschen absuchend. Sophie gab den Versuch ihren Onkel von der Nichtexistenz solcher Wesen aufzuklären nach etlichen Fehlschlägen auf. Sie fokussierte sich lieber darauf, die Fahrt in einem Stück zu überleben. ,,Onkel Gadget, Augen nach vorne!" In letzter Sekunde reagierte Angesprochener und umging somit knapp einer Kollision mit einem Eisberg. ,,Donnerlitchen, der tauchte aber plötzlich auf. Keine Sorge, Sophie. Ich habe alles unter Kontrolle!" Diese stieß einen erleichterten Seufzer aus ehe sie sich an ihren Onkel wendete, dessen Aufmerksamkeit mal wieder der Landschaft galt. ,,Onkel Gadget, wie wäre es, wenn ich nach den Yetis Ausschau halte, während du dich aufs Auto fliegen konzentrierst?" Schlagartig fuhr Gadget seinen gestreckten Hals ein und hielt sein Augenmerk auf die Umgebung vor ihm. ,,Exzellente Idee, Sophie! Aber gib gut Acht, sie sind Meister im Verstecken! Deshalb findet sie ja auch keiner!" Augenrollend richtete Gadgets Nichte ihren Blick aus dem Fenster. ,,Natürlich, Onkel." Fino kämpfte weiterhin gegen seinen protestierenden Magen während Sophie aufmerksam die Umgebung observierte. Nicht etwa nach jenem Fabelwesen sondern viel mehr nach ihrem aufgeblasenen, arroganten und selbstverliebten Rivalen oder einem anderen M.A.D. Agenten. Kurze Zeit später sah Sophie durch das Schneegestöber hindurch etwas metallisches hervorstechen. Um sicherzugehen, dass ihre Augen sie nicht trügten, rieb sie sich diese und warf einen erneuten Blick gen Boden. Ihre Augen täuschten sie nicht. ,,Onkel Gadget, wir müssen landen!" Neugierig wandte Gadget sich unverzüglich an seine Nichte. ,,Hast du etwa einen Yeti entdeckt?" Sophie winkte ab. ,,Nein, aber womöglich einen M.A.D. Agenten!" ,,Donnerlittchen, sicherlich hält M.A.D. einen von ihnen gefangen! Go-go-Gadgeto-Notlandung!" Ohne Vorwarnung riss Gadget das Steuer nach unten und ließ das Gadgetmobil unsanft gegen den Boden prallen. Etwas schwindlig rieb sich Sophie den Hinterkopf und versuchte ihre durch die Turbulenzen des Fluges verwuschelte Frisur einigermaßen in Form zu bringen. Fino stieß währenddessen glücklich jauchzend die Autotür auf und ließ sich in den Schnee fallen. Dabei rechnete Sophies treuer Begleiter allerdings nicht damit, metertief zu versinken. Kaum das Fino sich aufrichtete, trat auch Gadget aus dem Auto. Sein Augenmerk fiel dabei sofort auf den von Kopf bis Fuß mit Schnee bedeckten Hund. ,,Aha, da ist ja ein Yeti! Siehst du Sophie, man sollte niemals voreilige Schlüsse ziehen!" Angesprochener sah verwundert an sich herab und realisierte, dass sein Herrchen mal wieder falsche Schlüsse zog. Hastig probierte der intelligente Hund Gadget davon zu überzeugen, dass er keines der Fabelwesen war, doch dieser ließ ihm keine Zeit für Erklärungen. ,,Keine Sorge, ich weiß, dass du vermutlich Angst vor den bösen M.A.D.-Agenten hast aber ich werde sie aufhalten, so wahr mein Name Yetifreund Gadget ist. Go-go-Gadgeto-Yetibeschützer!" Allerlei Folterinstrumente, unter anderem ein Baseballschläger sowie ein Hammer traten aus Gadgets Hut hervor und wirbelten ziellos durch die Gegend. Fino entfuhr ein von Grauen erfüllter Jauchzer ehe er panisch die Flucht ergriff. Keine Sekunde später eilte Gadger ihm hinterher. ,,Warte, bleib stehen! Ich bin gekommen um deine Art zu beschützen." Kopfschüttelnd wandte sich Sophie von ihrem beschäftigten Onkel ab und ließ Gadget in Finos Obhut. Sie musste derweil dem metallischen Glänzen, welches sie auf der Fahrt wahrnahm nachgehen. Sie schätzte in etwa die Richtung ab und machte sich anschließend auf die Suche. Durch den heftigen Schneefall und die eher spärliche Sicht kam sie nur schleppend voran. Gerade als sie beschloss den Rückweg anzutreten, stach die Silhouette einer Maschine in ihr Sichtfeld. Bedächtig und auf alles vorbereitet näherte sich die junge Agentin der unbekannten Gefahr. Ein nur allzu bekannter Duft nach billigen Haargel stieg ihr trotz des mäßigen Windes in die Nase. Eindeutig Titus! Den Gedanken, dass es schon seltsam war, dass sie die Fähigkeit besaß ihren Rivalen zu erschnüffeln, schob sie vorerst beiseite. Die Ruhe erschien trügerisch und mit jedem Meter, den sich Sophie der Maschine näherte, stieg ihr Misstrauen. Als sie sich nur noch wenige Meter von dem überdimensionalen Heizkörper entfernt befand, eröffnete sich Sophie ein Anblick, der ihr die Kinnlade aushakte.

Wie erwartet fand sie den arroganten Neffen von Dr. Kralle persönlich vor, doch ihre Begegnung hatte sie sich anders vorgestellt. Titus lag ausgestreckt mitten auf dem riesigen Heizkörper...und schlief. Vollkommen weggetreten durchbrach er mit seinem lauten Schnarchen die Stille. Für einen Moment war Sophie sichtbar überfordert mit der Situation. Wie kam ihr Feind dazu in dieser Umgebung ein Nickerchen zu machen? Bei diesen Temperaturen! Kurzzeitig spielte Sophie mit den Gedanken Titus einfach während er nichts ahnend schlummerte festzunehmen und ins Hauptquartier zu bringen, entschied sich allerdings dagegen, da ihr diese Aktion feige und langweilig vorkam. Wo bliebe da der Reiz? Stattdessen kam ihr die Idee Titus auf ,,sanfte" Art zu wecken. Mithilfe ihrer technischen Handschuhe schoss sie gnadenlos auf die friedlich schlummernde Statur, die kurz darauf kreischend von der Aparatur fiel.

Ruckartig stieß es Titus von der Maschine und er sank in den Schnee ein. Irritiert verweilte er dort und rieb sich seinen pochenden Schädel. Wer zum Teufel war das? Dabei war der erschöpfte M.A.D. Agent gerade erst in den wohltuenden Schlaf gesunken. Nachdem er eine gefühlte Ewigkeit der Maschine hinterherrannte und sie schließlich zum Stillstand kam, erkannte er erst, welch gewaltige Wärme die Maschine selbst wenn sie noch nicht in Betrieb war, ausstrahlte. So kam es, dass er sich entkräftet auf die Maschine schleppte um sich auszuruhen, einen Moment dort verweilte und schließlich vom Schlaf übermannt wurde. Der Schlaf tat gut. Im Traum waren all seine Grippesymptome wie weggeblasen. Dafür trafen sie ihn jetzt umso mehr. Seine Schläfen pochten, seine Glieder schmerzten, seine Nase lief und sein Hals brannte. Er sah sicher grausam aus. Am liebsten täte Titus keine Faser seines Körpers rühren. Trotzdem gewann schlussendlich seine Neugierde. Er wollte wissen, wer ihn so freundlich weckte und sich revanchieren. Stöhnend stützte er sich auf seine Unterarme. Der Anblick seines Gegenübers versetzte ihn sprachlos. ,,Nein. Nicht sie. Warum sie? Warum gerade jetzt? Ich sehe schrecklich aus! Was tut sie hier?", fragte er sich gedanklich abermals. Er blickte geradewegs in den spöttischen Blick seiner Rivalin und Nichte des Erzfeindes seines Onkels, Sophie. Jeden Moment würde ein provozierender Spruch aus ihrem Mund entweichen. ,,Na Dornröschen, haben wir ausgeschlafen?" Da war er. Hastig quälte sich Titus in eine stehende Position und zwang sich ein keckes Lächeln auf während er sich den Schnee von der Kleidung klopfte. ,,Du hast mich solange warten lassen, was sollte ich da anderes tun? Du warst schonmal schneller.", erwiderte Titus spontan. Allerdings klang seine Stimme schwach und kratzig. Er war sich nicht einmal sicher ob Sophie ihn überhaupt verstand. Dem schien allerdings so, da sie sogleich konterte: ,,Ich dachte du hättest es bereits bis zum Gipfel geschafft mit deiner komischen Maschine. Tja, du warst auch schonmal schneller." Titus setzte gerade zu einem weiteren Konter an als ihn eine Hustenattacke davon abhielt. Sophie riet Titus mit einer Mischung aus Spott und echter Besorgnis: ,,Du solltest lieber ins Warme gehen und dich schonen, Angeschlagener." Dieser gab sein Bestes um das Bedürfnis zu husten zu unterdrücken und das letzte bisschen seiner Coolness zu bewahren. ,,Pff, um dich zu besiegen habe ich noch mehr als genug Kraft!" Mit einem selbstsicheren Blick begab sich Sophie in Kampfstellung. ,,Dann komm doch, wenn du dich traust!"

Endlich treffen die Rivalen aufeinander. Im nächsten Kapitel liefern sie sich einen feurigen Kampf! Seid gespannt!

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