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Covered with blood

von Sonny-B
GeschichteDrama, Krimi / P16
Abigail "Abby" Sciuto Anthony "Tony" DiNozzo Dr.Donald "Ducky" Mallard Leroy "Jethro" Gibbs Timothy "Tim" McGee Ziva David
23.08.2020
29.11.2020
27
85.578
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 5.301
 
***


Mittlerweile war es tiefe Nacht und das Büro ausgestorben. Bis auf die Beleuchtung an ihren Plätzen war nur noch die im Gang und die Notbeleuchtung eingeschaltet. Tony hatte sich vor einigen Stunden das Jackett ausgezogen und über seinen Stuhl gehängt. Gerade rieb er sich angestrengt über die Augen. Die Listen mit den bereits identifizierten Opfern und gerade die mit all den Vermissten schien kein Ende zu nehmen als er die Zulassungen dazu prüfte.
"Gott, ich brauche einen Kaffee." Stellte er fest als er merkte wie seine Konzentration litt.
"Bring mir Einen mit..." Tim war ebenso geschlaucht von den Unmengen an Bildern der Überwachungskameras. Trotz der digitalen Suche des Programms im Hintergrund war er es gerade Leid. "Wenn ich noch einen weißen Truck prüfe der keinen Treffer liefert, dann schlafe ich ein."
"Die Liste seiner Bestellungen und Abholungen ist auch nicht gerade spannend..." Ziva legte ihr Kinn auf den Händen ab und zog die Unterlippe etwas vor. Auch wenn sie geschuldet ihrer Ausbildung mit dem Schlafentzug wohl besser umgehen konnte, sie war geschlaucht und müde, lies die Schwere in ihren Gliedern gerade zu.
"Eine Runde Kaffee für alle..." DiNozzo griff seine Jacke und warf einen scharfen Blick aus der großen Fensterfront des Büros hinaus in die Nacht. Die Beleuchtung der Stadt mit all den kleinen erleuchteten Fenstern, signalgebenden Blinklichtern sowie Brems- und Scheinwerferlichtern der Wagen auf den Straßen, sie wurden unterbrochen als es nun wieder begonnen hatte zu regnen.

"Macht Pause!" Kam es von Gibbs, der sich zwar nicht anmerken ließ das er ebenso müde war, sich aber erlaubte nun aufzustehen und den Rücken zu strecken.
Tony verschwand leise und das Geräusch des Fahrstuhls hallte im Büro nach als nur einer der Reinigungskräfte am anderen Ende seiner Arbeit nachging.

Unerwartet ging die Tür des Fahrstuhls wieder auf. Die Zeit war zu kurz gewesen als das Tony wirklich für einen Koffeinnachschub hätte sorgen können, also ging Zivas Blick über ihre Trennwand hinweg auf die Tür.
"Seht was ich unten gefunden habe..." Tony legte die Jacke wieder ab und Tobias trat grinsend neben ihn. Der Sechserträger in seiner Hand verhieß ebenso wie der Duft daraus, dass er die gleiche Idee gehabt hatte und verteilte den Kaffee.
Aus der etwas durchweichten Papiertüte in seiner linken Hand, zog er ebenso ein Paar inzwischen zwar kalte aber hungerstillende Burritos hervor.
"Ich hätte nie gedacht, dass ich dies mal sagen würde, aber sie retten mir die Nacht Fornell." Tony zog sich einen Becher heran und leckte sich ebenso unbewusst über die Lippen wie Tim es tat.
"Danke Tobias." Grummelte Jethro in seine Richtung und Fornell wusste ein Steak wäre ihm lieber gewesen. Aber das wäre definitiv bei dem Wetter nicht ansatzweise genießbar angekommen.
Der FBI Agent zog sich einen Stuhl heran und es herrschte fast eine Art Lagerfeuerromantik als sich alle etwas entspannten.
"Ich habe Agents in die Häuser von Meyers in Missouri geschickt. Sie haben was gefunden. Die Bilder bekommt ihr in den nächsten zwei Stunden. Ich fliege in drei Stunden mit einer Maschine hin und sehe mir das persönlich an."
"Was interessantes also..." Gibbs kaute auf dem zusammengerollten Teigling herum was seine Stimme gerade dämpfte.
"Es sieht so aus als hätten wir zumindest einen weiteren Hobbyraum von Stone gefunden. Ebenfalls mit einem Autopsietisch, allerlei Gerät und Planen. Wir werden das Gelände auf den Kopf stellen. Leichenspürhunde und alle Agenten die ich auf die Schnelle abziehen konnte, werden kurz nach mir eintreffen." Ein kleiner Unterton in seiner Stimme blitzte hervor, wartete ab ob Gibbs das lieber selbst übernehmen wollte.
Alle Agenten im Raum wussten es, stoppten das Essen und sahen ihn zeitgleich gespannt an. Doch Jethro beschäftigte sich amüsiert darüber mit dem Burrito in seiner Hand der gerade dabei war sich in seine Bestandteile aufzulösen. "Gut. Schick uns dann die Ergebnisse."
DiNozzo grinste ebenso breit wie Tim und warf einen Blick zu Ziva. Sie waren also gerade um einen unbequemen Nachtflug nach Missouri mit anschließender Ermittlung in einem weiteren dieser schauerlichen Räume herumgekommen - zumindest für den Moment.
Zufrieden hatte Fornell ihn nicht angesehen, beäugte nun ebenso sein Essen.
"Hattet ihr schon Erfolge mit den Wagen?"
"Nein, bisher nicht. Aber sind auch nicht durch." Tony warf gerade das Papier welches um den Snack geschlungen gewesen war in den Mülleimer an seinem Platz und stützte sich dann auf dem Tisch ab, genoss das warme Gefühl des Bechers zwischen seinen Fingern.
"Ok. Ich werde mich auf den Weg machen. Ich hoffe der Flug wird nicht allzu ruppig." Tobias strich sich ein paar Krümel vom Hemd und stand auf. "Der Wetterbericht sagt massiver Stürme voraus, bisher liegt alles eher Richtung Kanada, aber man kann nie wissen. Ich halte euch auf dem Laufenden."
Jethro nickte ihm zu als er seinen Schreibtisch passierte und Ziva hob dankbar den Becher hoch als er ihr einen Blick zuwarf.

Gibbs Haus
Jethro schlug die Augen auf als er realisierte wie sein Telefon klingelte. Behände griff er den kleinen Gegenstand und richtete sich auf.
"Ja, Gibbs..." Er schwang die Beine über die Kante und legte den freien Ellenbogen auf dem Knie ab bis er entschied sich über das Gesicht zu reiben.
"Was?" Mit einem Schlag war er hellwach. "Ruf McGee und Ziva an, ich gebe DiNozzo Bescheid, sie sollen Klamotten mitnehmen. Wir treffen uns in 1,5 Stunden am Flughafen." Damit beendete er gewohnt das Gespräch und tippte die Schnellwahltaste.
'DiNozzo' erschien auf dem kleinen, blauen Display zwischen seinen Fingern und er wartete das Tuten ab.
Gerade war er froh, sie alle kurz nachdem Tobias gestern gegangen war, nach Hause geschickt zu haben. Die Ruhe würden sie sonst nun vermissen und die Kraft ebenso brauchen.
Das auffordernde Geräusch am anderen Ende verstummte wurde ersetzt von einem Rascheln.
"Ja, Boss?" Kam es verschlafen durch den Hörer.
"Pack ein paar Sachen, wir treffen uns in 1,5 Stunden am Flughafen."
"Wo geht es hin?"
"Minneapolis. John Lincoln wurde gefunden." Ebenso ruckartig war Tony wach, auch wenn er sich gerade am Liebsten noch einmal umdrehen wollte. Das Bett war gerade so schön warm und behaglich, stand ganz im Kontrast zum Wetter nachts und auch dem jetzigen als er einen flüchtigen Blick hinaus warf.
"Können Sie ihn nicht zu Ducky schicken?" Fragte er verknittert und Jethro hörte wie er wohl die Decke wieder etwas fester um seinen Körper zog. Ein Schmunzeln wollte sich bilden, bei der Vorstellung, dass Tony sich wieder einrollen wollte wie ein Teenager der morgens noch um fünf Minuten bat bevor er aufstehen musste. Doch dieses Gefühl hielt er aus seinen nächsten Worten heraus.
"Nein, er liegt auf der Intensivstation des Krankenhauses." Jegliches Bestreben die Ruhe des Schlafes weiter zu genießen wich aus DiNozzo und er schlug die Decke beiseite, stellte die Füße fest auf den Boden und richtete sich trotz der Kühle die ihn nun umgab, auf.
"Bin auf dem Weg."

Der Grauhaarige betrachtete kurz das kleine Gerät in seinen Fingern das er nun zuschlug und neben sich ablegte. Beide Hände wurden kurz ums Gesicht geschlungen und er rieb dann darüber bevor er sich aufrichtete, im Bad verschwand.
Es würde ein paar Stunden dauern bis sie vor Ort wären, aber es machte einen großen Unterschied ob sie in ein Leichenschauhaus oder ein Krankenhaus gerufen wurden.
Zudem war die Aussicht, den bisher wohl einzigen Überlebenden von Stone verhören zu können mehr als anspornend.

Krankenhaus in Minneapolis
Sie hatten den Flug über bereits allerlei Szenarien gewälzt. Die ersten Infos welche sie über seinen Zustand erhalten hatten waren dünn gewesen. Bisher noch ohne Bewusstsein, war der Arzt am anderen Ende zunächst nicht gesprächig gewesen was seinen Zustand anging. Dafür war die Wahrscheinlichkeit, dass John ansprechbar sein würde wenn sie ankamen gut.

Nach dem unruhigen Flug, der McGee ein wenig mehr als allen Andern abverlangt hatte, waren sie froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Einige heftige Turbulenzen hatten den Flieger durchgeschüttelt und sie das ein oder andere Mal ruckartig aufsehen lassen - außer Gibbs, der sich seelenruhig schlafend in den Sitz gedrückt hatte. Ohne Boardservice fühlte es sich zwar etwas weniger nach als einem Economie Flug an, aber es war besser als in einer Militärmaschine zu sitzen. In einer Transportmaschine wäre der Flug wohl noch unbequemer gewesen und sie waren froh das kein zeitnaher Flug möglich gewesen war, ihnen so den Linienflug beschert hatte.

Neben den dichten Wolken am Himmel war es hier noch deutlich unangenehmer gewesen als in DC. Die Luft war feuchtigkeitsschwanger und die Kälte kroch über die freiliegenden Hautpartien der Finger und der Gesichter.
Ein Vertreter der örtlichen Polizei hatte sie abgeholt und in Richtung der Klinik chauffiert. Wenigstens war der Wagen dafür angenehm temperiert und die Farbe kam wieder zurück in Tims Gesicht.

Nun gingen sie die kargen Gänge des Krankenhauses hinunter. Es war immer wieder bedrückend, diese sterilen Wände mit den gewollt auflockernden Bildern an den Wänden, der Geruch nach Chemie, Desinfektionsmitteln und Hoffnung sowie Bangen.
Geschäftig wuselte das Personal herum und in einem der hintern Zimmer piepte irgendetwas hektisch was sofort zwei Pfleger zu einem Spurt anspornte.
Eine ältere Ärztin lief an ihnen vorbei und Tim machte schnell Platz um sie passieren zu lassen und ihr dann kurz nachsah wie sie in dem Zimmer verschwand.
Sie liefen unbeirrt weiter, erreichten endlich die Intensivstation und Jethro stellte sich an den Tresen. Ein junger Mann in typisch grüner Arbeitskleidung aus dem asiatischen Raum sah von seinen Akten auf und setzte den Stift ab mit dem er gerade die letzten Eintragungen in die vor ihm gemacht hatte.
"Wie kann ich Ihnen helfen?" Offen und freundlich sah er in die blauen Augen des Älteren auf der anderen Seite.
"Special Agent Gibbs, NCIS. Meine Kollegen und ich sind wegen Petty Officer John Lincoln hier." Der Mann nickte schon wissend.
"Wir haben Sie schon erwartet. Ich rufe den behandelnden Arzt." Routiniert tippte er auf das Telefon ein während die Besucher ihn beobachteten.
"Die NCIS Ermittler sind wegen Mister Lincoln da." Das Gespräch war kurz und er legte direkt wieder auf.
"Einen Moment bitte, Doktor Sparrow ist gleich bei Ihnen."
Tony lehnte sich plötzlich breit grinsend vor und damit dichter zu Tim.
"Vielleicht Doktor Jack Sparrow?!" Tony betonte die Silben extra und feigste bereits über die Sprüche die ihm noch einfallen würden mit einem breiten DiNozzo Grinsen.
"Wie aus Fluch der Karibik, Tony?" McGee verzog ebenso die Mundwinkel amüsiert und DiNozzo sah ihn verwundert an.
"Sehr gut Elfenkönig!" Anthony legte ihm eine Hand auf die linke Schulter und drückte sie irgendwie stolz. "Ich hoffe nur er ist nicht ganz so schwierig..."
Der Pfleger warf ihm einen Blick zu, auch wenn er den genauen Inhalt der leisen Unterhaltung wohl nicht verstanden, aber erahnt hatte. Doch er kam zu keinem Kommentar als einer der Monitore vor ihm piepte und blinkte.
"Bitte warten Sie einfach hier, ich muss kurz..." Er sprang auf und rannte zügig aus dem kleinen Raum in Richtung eines Zimmers, das wohl die hektischen Töne verursacht hatte.

Ein paar Schritte neben ihnen schloss sich ein kleiner Wartebereich an in dessen Richtung Tim nickte und seine Kollegen ihm folgten.
Die typisch unbequemen Stühle aus hellem Holz, bezogen mit einem dunkelgrünen Sitzpolster wurden von ein paar Grünpflanzen flankiert, die dem Ort wohl etwas den bedrückenden Charakter nehmen sollten. Stehlampen mit beigen Schirmen verströmen ein warmes Licht und warfen Schatten auf eine kleine, gerade unbenutzte Spielecke für Kinder. Auf den kleinen Tischen, welche die Sitzplätze separierten, lagen ein paar Zeitschriften und einen Kanne Wasser auf dem Tisch neben ein paar Bechern, sollten die Wartenden wohl beschäftigen. Ziva ließ sich auf die wohlige Couch fallen, die an der Wand stand und sie sofort weich empfing.
Tony blieb stehen und die Frau sah zu ihm auf. "Setzt dich Tony." Forderte sie ihren Kollegen auf, doch der schob eine Hand in die Hosentaschen. Seine Körpersprache wurde aufgewühlt und er griff sich unnötigerweise an den Hemdkragen, zog trotz des lockeren Sitzes daran.
"Nein lass mal, ich bin immer froh wenn ich aus Krankenhäusern wieder schnell wegkomme." Er schloss die Lippen als sie den Kopf leicht auf die Seite wog und ihn musterte.
"Willst du darüber reden?" Es war ähnlich der Situation zuvor. Vielleicht würde er ja aber nun das Angebot annehmen, darüber zu reden. Tony sah wie der Chefermittler sich an dem Kaffeeautomaten zu schaffen machte und Tim sich auf einen der Stühle gesetzt hatte. Sie wussten, hier könnte es eine Weile dauern. Aber es war egal, die Aussicht Antworten zu bekommen war treibend genug.
Also setzte er sich zu ihr auf die Couch, faltete die Hände ineinander, stützte die Ellenbogen auf den Knien auf während er sich vorlehnte.
"Ich kann Krankenhäuser nicht ausstehen. Kurz bevor du damals zum NCIS kamst, hab ich unfreiwillig einige Zeit im Bethesda verbringen müssen." Er schluckte und Tim, der mehr oder weniger neben ihnen saß, übernahm als Tony stockte.
"Eine ziemlich durchgeknallte Mutter, die dachte ihre Tochter wurde Opfer einer Vergewaltigung hat aus ihrer Firma genetisch veränderte Pestviren per Post an den NCIS geschickt, weil der Verdächtige zu Recht entlastet worden war."
"Und ich Depp hab den Brief aufgemacht und war infiziert." Er konnte sie gerade nur schwer ansehen, drehte den Kopf wieder und fuhr dann die so bekannte Mauer hoch. Tony lehnte in der Couch zurück, faltete die Hände nun hocherhoben hinter dem Kopf.
"Aber selbst so ein paar Lungepestviren haben es nicht geschafft einen DiNozzo in die Knie zu zwingen."
"Du bist fast gestorben Tony!" Kam es fast harsch von McGee und Tony bemerkte den bewertenden Blick seines Chefs auf ihm als dieser dem Gespräch gefolgt war.
"Fast, Bambino!" Er sah McGee mahnend an und schnalzte mit der Zunge.
Er holte ein paar einmal tief Luft und schlug ein Bein locker über das Andere. "Seitdem fühle ich mich in Krankenhäusern nicht wirklich wohl." Hoffentlich war das genug um das Thema zu wechseln. Ziva erinnerte sich an McGees Andeutung damals, als Tonys Wagen explodiert war als er Undercover wegen dem Waffenhändler La Grenouille gewesen war und es erklärte auch Tonys Abneigung etwas besser als Stone ihn angeschossen hatte sich in eines zu begeben.
"Das ist verständlich." Ihre warmen Augen sahen ihn an, traf nur kurz seinen Blick bevor er diesen wieder abwandte.
Tony zwang sich Jethro nicht anzusehen, dessen Blick er noch immer auf sich spürte.
Als dieser in die Isolierzelle gestürmt war, war Tony so sehr mit sich beschäftigt gewesen, dass er sich erst nach einer kleinen Kopfnuss auf die Stirn hatte halbwegs konzentrieren können. Aber er erinnerte sich an jedes Wort und vor allem den unglaublich überzeugten, vertrauten Tonfall von Jethros Stimme, als er ihm gesagt hatte er würde nicht sterben.
Da hatte er bereits gezweifelt, aber noch nicht aufgegeben gehabt. Jeder Atemzug hatte ihn von innen verbrannt und der Husten war die Hölle gewesen, trotz der Medikamente die Brad ihm gegeben hatte. Noch heute wühlte es ihn auf und so vermied er es wo es nur ging darüber zu reden.
Ablenkend griff er eine Zeitung vom Tischchen und blätterte darin um den Blicken zu entgehen.
Alle bemerkten es und ließen es gut sein.

Sie warteten gut 20 Minuten bis in ihren Augenwinkeln eine Gestalt auftauchte.
Gibbs sah sich um als der Schatten hinter ihm die Ankunft verkündete.
Eine kleine Frau, attraktiv und kaum älter als Ziva stand im Zugangsbereich.
Sie hatte ihr dunkles Haar in einen modischen Kurzhaarschnitt verpackt und ihre hohen Wangenknochen wurden von einem dezenten Makeup begleitet.
"Sie sind vom NCIS?" Fragte sie mit einer lieblichen Stimme und Jethro trat auf sie zu als der Rest sich gerade erhob.
"Ja, Special Agents Gibbs, DiNozzo, David und McGee."
Er zeigte ihr kurz seinen Ausweis und sie schob die Hände in ihren Kittel den sie über dem blauen, typischen OP Shirt trug.
"Ich bin Doktor Jane Sparrow." Sie sah das Grinsen auf Tonys Gesicht und kommentierte es prompt. "Und ja, ich kenne vermutlich jede Anspielung, sowie nein ich fahre nicht gerne Boot." Tony grinste noch breiter als sein Blick auf sie fiel und sah schelmisch zu McGee der aber gerade nicht darauf einstieg.
Dann sah sie auf den Ausweis, nickte kurz.
"Wie ist sein Zustand?" Gibbs Stimme war ruhiger als sonst, fast zurückhaltend wenn man ihn kannte.
"Mister Lincoln wurde von einem Autofahrer an der Straße gefunden. Er war wohl mehrere Kilometer durch das Unterholz geirrt, war desorientiert und ist dann zusammengebrochen, war ohne Bewusstsein als ihn die Rettungskräfte her brachten. Seine Kleidung, oder das was da von übrig ist, haben wir wie üblich aufbewahrt. Ich lasse sie Ihnen aushändigen." Sie sah kurz zu Boden merkte der auffordernde Gesichtsausdruck vor ihr war eindeutig. "Er hatte multiple Verletzungen, einen Schock und hat viel Blut verloren."
Gibbs kniff die Augen leicht zusammen, nutzte die Pause die sie gerade zum tiefen Luftholen machte.
"Wurde das Blut entnommen, oder gab es offensichtliche Verletzungen?"
Sie sah verwundert schneller hoch als gewollt, die Aussage traf also irgendwie zu.
"Beides. Er hat Einstiche in den großen Armvenen und am Hals. Beides wurde zwar sauber gesetzt aber nicht fachgerecht wieder entfernt. Wir wissen nicht, ob er es selbst war. Abgesehen davon hat er noch immer einen Schock, zwei amputierte Finger an der linken Hand, eine ältere Verletzung am Kopf und einige saubere Schnitte am Oberkörper. Er war noch nicht ansprechbar, aber seine Medikamente konnten wir schon etwas reduzieren."
"Wann können wir mit ihm sprechen?" Gibbs Blick ging fester in ihre Augen, vermittelten die Aufforderung.
Sie sah Gibbs verkniffen an, haderte offensichtlich mit der Antwort.
"Wir werden rücksichtsvoll vorgehen, Doktor. Aber er ist gerade die einzige Verbindung zu anderen Fällen bei denen es ein ähnliches Vorgehen gab - ohne die Möglichkeit einer Vernehmung."
Ihre Augen wurden betrübt als sie verstand, dass er nicht mehr sagen konnte und würde. Aber sie verstand, dass John bisher der einzige Überlebende war, mehr Leben auf dem Spiel standen.
"Also gut, kommen Sie mit, Einer kann mit ihm reden."
Sie sah die Gruppe an und machte klar, dass sie aufpassen würde das ihr Patient nicht überfordert wurde. Ein abschließender, strenger Blick und sie drehte sich um.

Sie gingen nur ein paar Türen weiter, stoppten vor einer großen, gläsernen Schiebetür, welche die Blicke von innen mit einem hellen Lamellenvorhang abschirmte.
Leise trat die Gruppe in den hellen Raum.

Neben allerlei Gerät stand ein Bett mit dem Kopfteil an der Wand in dem ein Körper versunken zu erkennen war.
Leise Geräusche eines EKG, das stetig ein Piepen in den Raum gab und allerlei beleuchtete kleine Displays von Monitoren zur Messung von Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Temperatur durchdrangen den Raum.
John war offensichtlich noch nicht wach, lag ruhig im Bett. Die muskulöse Statur hatte gelitten, denn diese war eingefallen und die Muskeln hatten sich bereits etwas abgebaut. Die fahle, blasse Haut hob sich gerade so von der grün gestreiften Bettwäsche ab und bildete einen seltsamen Kontrast zu seinen tief dunklen Augenringen und der verfärbten Wunde an der Stirn.
Wenn man wusste woher diese kam, konnte man das Lenkrad direkt vor sich sehen. Der Aufprall hatte seine Stirn gegen das runde Steuerelement gedrückt, einen länglichen nun lila und blau schillernden Abdruck sowie einen Riss hinterlassen, der sich quer über die Stirn zog, auch unter den Tapes und Pflastern noch gut zu sehen war.
"Er war anämisch und kreislaufinstabil als er hier ankam. Inzwischen haben wir seinen Kreislauf soweit stabilisiert, dass er unter der Gabe von Volumen wieder ansprechbar sein sollte." Sie kontrollierte kurz den kleinen Ausdruck den sie dem EKG auf Knopfdruck entlockt hatte und griff dann das Stethoskope welches um ihren Hals hing.

Die linke Hand des Patienten war in einen dicken Verband gehüllt und lag erhöht auf einem zusätzlichen Kissen. Zivas Blick ging über ihn. Ein kleiner Schlauch der hinter die Ohren geklemmt war, verschwand in seiner Nase und von dem kleinen Plastikschuh der an seinem Zeigefinger saß, ging ein warmes Licht aus als dieser die Sauerstoffsättigung meldete. Neben ihm waren allerlei Infusionen aufgehängt, die tropfend Flüssigkeiten in den Körper gaben, ebenso wie die Kupplungen die an den Apparat der Spritzenpumpe ging. Fünf große Spritzen waren horizontal darin eingespannt, unterschiedlich gefüllt mit verschiedenen Lösungen konnten sie über ein angeschlossenes Kontrollpanel zur Abgabe überredet werden.
Er sah irgendwie zerbrechlich aus, schwach - sogar nicht wie auf den starken Fotos aus seiner Akte. Das spitze Kinn zeigte einen Bluterguss ebenso wie die versorgte Stirn auf der ein Tape den Riss zusammenhielt. Sein militärisch geprägter Kurzhaarschnitt lies die Kopfhaut leicht hindurch scheinen und ließ ihn gerade noch zarter wirken.

Die Ärztin lauschte auf die Brust als sie das Instrument in den Ausschnitt des Hemdes geschoben hatte und drückte nun auf die Armatur der Spritzenpumpe ein, um die Medikamente nach zu dosieren.
"Er ist stabil." Kam es als leise Freigabe.
"McGee, Identifizierung über die Fingerabdrücke." Sie hatten gerade keinen Zweifel daran aber dennoch war es nötig.
Tim zog den kleinen Computer aus seinem Rucksack und trat auf den Liegenden zu. Er griff unter die rechte Hand und platzierte den Zeigefinger auf der Scannerfläche.
"Es ist Petty Officer John Lincoln, Boss." Er zeigte ihm das Bild auf dem kleinen Handheld Computer und trat dann wieder zurück. Dieses Verhör würde Jethro wohl allein führen, wenn auch deutlich sanfter als normalerweise.

"Petty Officer? Hören Sie mich?" Er hatte sich leicht vorgelehnt, immer noch unter den Argus Augen der Ärztin.

Vorsichtig gingen zunächst die Augen unter den Lidern bevor sich der Kopf leicht bewegte. Ein schwaches Stöhnen drang durch die Lippen und die Augen sowie die Atmung wurden schlagartig hektisch.
Unfokussiert riss John die Augen auf, versuchte sofort sich von den Infusionen und Kabeln auf seiner Brust und den Armen zu befreien.
"Ganz ruhig! Sie im Krankenhaus!" Die Medizinerin drückte gegen die linke Schulter und griff ebenso an die Stirn um ihn still zu halten.
"Loslassen!" John begann fast panisch um sich zu schlagen, schob die Ärztin unsanft mit einem Ruck vom Bett weg, sodass sie zurücktaumelte.
Doch Gibbs war schneller, packte ihn an den Schultern.
"Still halten Soldat!" Befahl er fest und laut, doch genau das zeigte Wirkung.
Der Mann im Bett hielt plötzlich inne und blinzelte mehrfach um sich endlich zu orientieren.

Schnellatmend fixierte er die Augen des Mannes über ihm.
"Gut so, Petty Officer." Die für ihn unbekannte Stimme wurde ruhiger, einfühlsamer und er beruhigte sich tatsächlich also lockerte sich der Griff. Er schloss die Augen, holte tief Luft und begann leicht zu husten.
Doktor Sparrow betrachtete die Werte, lies aber weiter zu, dass die Befragung weiterging.
"Es ist alles in Ordnung Petty Officer. Darf ich John sagen?"
Wieder schien er sich gerade orientieren zu müssen bevor er dann nickte und sich merklich entspannte.
"Es ist alles in Ordnung. Sie sind im Krankenhaus." Gab die Ärztin ebenso sanft hinterher und kontrollierte kurz die Augen. Die Reaktionen wurden ruhiger und nachdem sie sich etwas zurückgezogen hatte legte John den Kopf wieder ab, atmete kontrolliert durch. Dann sah er den Grauhaarigen an seiner Seite an.
"Gut John. Ich bin Special Agent Gibbs vom NCIS. Können Sie ein paar Fragen beantworten?"
"Ja, Sir." Seine Stimme war noch brüchig aber die Überzeugung darin schwang fest darin.
"Wissen Sie was passiert ist?"
John nickte und schloss kurz die Augen, versuchte dann die linke Hand etwas zu heben. Ein kurzer Schmerz schien ihn inne halten zu lassen als er die Brauen zusammenzog.
"Ich war in Einsätzen, aus denen ich besser rausgekommen bin." Stellte er bitter fest bevor er auf den Teil einging den der Mann vor ihm wohl hören wollte.
"Ist meine Frau in Ordnung?" Betrübt musste er erst diese Information verarbeiten bevor er sich auf sich selbst konzentrieren konnte.
"Ja. Wir haben mit ihr gesprochen, auch über die Misshandlungen. Sie ist mit einer Freundin in DC in Sicherheit." Jethro sah zu Ziva und mehr als der kurze Blick war nicht nötig, damit sie nach ihren Telefon griff und aus dem Zimmer verschwand.
"Wir geben ihr Bescheid und sorgen dafür, dass sie her kommt." Der so starke Mann im Bett presste die Lippen zusammen und drückte den Kopf erleichtert ins Kissen als eine einsame Träne erlösend aus dem Augenwinkel rann.
Still trat die Israelin weniger Sekunden später wieder ins Zimmer, hielt sich aber im Hintergrund.

"Erzählen Sie mir von dem Abend an dem Sie von zu Hause weggefahren sind." Jethro sah die Schwäche in den Augen, versuchte gerade keinen Druck aufzubauen.
"Wir haben gestritten. Mindy und ich..." Er seufzte und setzte erneut langsam an.
"Als ich aus dem Einsatz zurückkam verhielt sie sich seltsam und dann diese blauen Flecke die sie versteckt hat. Ich war nach der Verletzung auch nicht einfach, aber… den letzten Abend den ich bei Mindy war, habe ich auf sie eingeredet sie solle mir sagen, wer ihr das angetan hat. Aber sie hat nur geweint, sagte immer wieder damit würde sie es nur noch schlimmer machen. Gott ich war so gekränkt und habe Dinge gesagt..." Seine Augen rollten an die Decke und er schnalzte mit der Zunge. "Mein Misstrauen war aber wohl begründet. Ich habe ihr Handy durchstöbert und sie beobachtet wie ein Ziel, einen Verbrecher." Er brach ab, gestand auch sein Fehlverhalten ein. "Sie hatte eine Affäre während ich in Übersee war. Zunächst hatte ich es nur vermutet, aber nun weiss ich es." Nun suchte er fest die Augen des Ermittlers vor ihm, der ihn hatte geduldig erzählen lassen. "Bevor ich etwas getan hätte, was ich bereut hätte bin ich den Abend einfach in mein Auto gestiegen um den Kopf freizukriegen." Er sprach langsam und die Anstrenung war deutlich in der Stimme, aber aufhören kam gerade nicht in Frage. "Ich vermute da hat mich schon beobachtet, wohl bei uns zu Hause gewartet, aber wissen tue ich es nicht. Ich war kaum 20 Minuten unterwegs da bekam ich einen anonymen Anruf mit einem Treffpunkt am Highway 33. Er sagte er wolle mit mir reden, über Mindy." Wieder holte er tief Luft und die Ärztin erhöhte die Sauerstoffzufuhr.
"Sagen Sie, wenn es zu viel wird..." Sie gab ihm einen Ausweg, aber er schüttelte den Kopf, wusste genau wie wichtig das hier war.
"Auf dem Weg wurde mein Wagen abgedrängt und ich kam von der Straße ab bis mich ein Baum gestoppt hat. Ich war wohl einige Sekunden bewusstlos, aber als ich zu mir kam wollte ich aussteigen, da hat mich jemand gepackt und mir etwas auf den Mund gedrückt - hat mich betäubt." Die nächsten Worte waren dünner, betrübter und forderten ihm offensichtlich mehr ab.
"Als ich wieder zu mir kam, da lag ich auf einem Seziertisch und konnte mich nicht bewegen. Da habe ich ihn das erstmal richtig gesehen - den irre Will Stone."
"Sie kannten ihn?"
"Klar, seine ebenso verrückte Schwester ist stadtbekannt und ihn kennt auch jeder - versucht ihm aus dem Weg zu gehen."
Jethro sah ihn weiter an, verstand genau was er meinte. "Was passierte dann?"
"Er beugte sich über mich, sah mich seltsam an. Dann hat mir erzählt wie er die letzten Monate und Wochen mit Mindy zusammen war, bis er dann begann zu erzählen wie er sie geschlagen und gewürgt hat. Wie er es genossen hat. Gott! Er war berauscht davon sie leblos unter sich liegen zu haben..." Nun rannen mehrere bittere Tränen über sein fast angestrengt vor Wut zitterndes Gesicht. "Er ist krank!" Sein Gesichtsausdruck war unumstößlich und hart.
"Wir haben eine Vorstellung davon, was er gemacht hat." Versuchte Gibbs es ihm leichter zu machen und forderte wortlos die nächsten Schilderungen.
"Er hat angefangen mir das Blut zu entziehen und wenn ich bewusstlos wurde, hat er es wohl verlangsamt... aber es dauerte eine Weile bis er irgendwann anfing mit einem Skalpell die Rippen nachzufahren..." Das erklärte wo er die Schnittverletzungen her hatte und Jethro schluckte ebenso wie die Agenten im Hintergrund. "Irgendwann fing er an mir die Finger abzuschneiden..." Die Worte kamen immer stockender aber aufhören konnte und wollte er nicht.
"Ich war nicht der Erste, dass hat er mir sehr plastisch zu verstehen gegeben... Er murmelte immer wieder etwas davon, er würde mich wach halten, damit ich es auch wirklich fühlen kann, sein Werk, so nannte er es. Ich würde ihn nicht aufhalten können, niemand würde das." John holte wieder tiefer Luft um den Ekel der sich gerade in seinem Inneren ausbreitete abzuschütteln. "So toll wie er sein wollte, war er aber nicht, hat wohl einen Fehler gemacht..." Ein sarkastisches Grinsen ging an die Decke bevor er die Erklärung lieferte. "Die Aufputschmittel und Infusionen die er mir gegeben hat... irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich wieder bewegen kann. Als ich das nächste Mal zu mir gekommen bin, bin ich geflüchtet. Nur raus in die Nacht, mir war es egal."
Sie ließen ihm einen Moment in dem er sich fangen konnte und sollte.
"War Stone da bei ihnen?" Gibbs sah ihn noch immer an und Tim notierte alles in seinen Unterlagen. Vielleicht hatte er den Mann ja schon überwältigen, vielleicht sogar umbringen können - bei seiner Ausbildung.
"Nein. Er war zwischendurch immer mal wieder weg. Stunden- oder tageweise, ich weiss es nicht genau..." Er hatte immer wieder das Bewusstsein verloren, hatte jegliches Zeitgefühl verloren und eigentlich auch schon aufgegeben. Jethro schluckte als ihm genau das klar wurde. Aber der Mann vor ihm war ein Kämpfer, das war ihm ebenso klar.
"Erinnern Sie sich wo er sie festgehalten hat?" Nun wurde es spannend, wenn sie Stone finden wollten.
Der zuvor leidende, gequälte Ausdruck wandelte sich im Bruchteil einer Sekunde.
"Oh ja, Sir!" Seine Augen blitzen auf und die Entschlossenheit darin war überwältigend.
"Mister Lincoln braucht Ruhe, wäre es möglich das später zu machen?" Die Sorge schwang in den Worten der Ärztin aber es war mehr eine Proformafrage, auch sie hatte gespürt wie entschlossen ihr Patient war und sie konnte gerade vertreten wenn er einwilligen würde. Die Schilderung seiner Folter sie hatte sie bewegt.
"Nein, bitte ich kann mich später ausruhen. Ich will das Sie das Schwein kriegen, Agent Gibbs!" Er würde alles dafür tun was er konnte und nötig war um Stone zu kriegen.
"Gut. McGee, nimm seine Aussage auf und suche den Standort." Jethro sah noch immer fest in die müden Augen im Bett, aber McGee rückte bereits näher.
"Klar Boss." Er trat als Bett als sein Chef dort etwas abrückte und baute seinen Laptop aus dem Rucksack auf.
"Gut gemacht, Petty Officer! Sie kommen wieder in Ordnung." Aufmunternd nickte er John zu und verließ dann den Raum, gab Tony mit dem Zeigefinger einen Wink ihm zu folgen.
Beide traten an Ziva vorbei, die sich noch kurz einen Schritt auf den Patienten zubewegte.
"Ihre Frau ist auf dem Weg hierher und freut sich sie lebend zu sehen." Sie grinste schmal wissend um den Umstand, dass diese ihm den Streit wohl nicht mehr nachtragen würde. John holte hörbar erleichtert Luft. "Sie beide bekommen das schon wieder hin, versuchen sie es einfach." Er nickte und widmete sich nun Tim als auch die Agentin aus dem Zimmer trat.
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