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Dennis Silberstein 4 - Das gefallene Königreich

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Kobolde & Feen Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
22.08.2020
06.03.2021
30
40.962
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03.10.2020 1.786
 
Die Fahrt mit dem Luftschiff dauerte ganze fünf Tage. Die Versorgung war mehr als dürftig. Die Soldaten warfen lachend einige Laibe Brot in die Masse der Gefangenen und erfreuten sich daran, wie sie sich auf die karge Mahlzeit stürzten. Das war nicht selten lebensgefährlich. Die Gefangenen fielen übereinander her und prügelten sich. Andere hielten sich raus und hungerten lieber. Jeden Morgen kamen die Soldaten nach unten und holten die Leichen rauf, um sie über Bord zu werfen. Dennis selbst hielt sich raus blieb einfach im Schneidersitz sitzen. Er wusste nicht, wie er geschafft hatte, aber er hielt eine Art Winterschlaf. Vor seinem geistigen Auge kam immer wieder dieser Traum. Der achtzehnjährige Theodor Lenz, der zu seinem Alter Ego Ignis wurde. Wo war sein alter Freund gerade?
Das Luftschiff landete und Gefangenen wurden nach draußen geführt. Dennis hätte schwören können, dass er in der Masse Celes gefunden hatte. Sie wurden vor die Tore einer riesigen Mauer geführt, die mindestens 20 Meter hoch war. Dennis versuchte stur nach vorne, konnte aber dann doch nicht widerstehen. So konnte er einige Gebäude mit Säulen und flachen, dreieckigen Dächern. Andere wiederum waren schlicht quaderförmig. Die bedeutenden Gebäude sind mit Statuen und Brunnen ausgeschmückt und besaßen goldene Inschriften. Die Bewohner der Stadt waren allesamt gut gekleidet. Selten sah man jemanden in Lumpen. Die Menschen sahen sie herablassend an, als sie vorbeizogen. Die Kinder warfen mit Steinen nach ihnen, zogen Grimassen oder machten wüsste Handzeichen und Gesten. An einem großen Platz wurden sie aufgeteilt und nach Größe, Geschlecht, ungefährem Alter und Spezies geordnet. Ein Mann neben Dennis hatte einen leeren Blick und starrte auf den Boden. Ein anderer zitterte am ganzen Leib.
Am anderen Ende des Platzes konnte Dennis einen gut gekleideten Mann mit einer Toga sehen, welcher die Gruppen lang ging. Neben ihm stand eine Frau mit kastanienbraunen Haaren, kunstvoll frisierten waren. Schritte näherten sich seiner Gruppe. Ein Soldat in einer silbernen Rüstung kam auf sie zu. Neben ihm standen Soldaten, die auf einen Kobold und einen Faun, ein Wesen, das den Oberkörper eines Menschen und den Unterkörper eine Ziege hatte, wobei er nur zwei Beine besaß. >> Das sind die jungen Burschen, Herr Claudius Magnus.<<, stellte sie ein Soldat vor. >> Suchen sie etwas bestimmtes?<<, fragte er und seine Stimme triefte vor Schleim bei diesen Worten. Claudius Magnus stand nun vor dem zitternden Mann und schlug ihn mit aller Kraft in den Bauch. Der Geschlagene krümmte sich vor Schmerz und presste seine Hände auf den Bauch. >> Jämmerlich!<<, murmelte er und ging weiter. Vor Dennis blieb er stehen und sah ihn in die Augen. Der General holte aus und wollte zuschlagen, doch Dennis ging instinktiv zur Seite und ehe er etwas tun konnte, hatten ihn die Soldaten gepackt und zielten mit ihren Waffen auf seine Kehle. Claudius sah ihn herablassend an und grinste zufrieden. >> Den nehme ich. Dieser Mann soll in der Arena seiner Hoheit kämpfen!<< Die Soldaten starrten ihren Vorgesetzten ungläubig an. >> Wie ihr wünscht Claudius!<<, sagte der Bewacher krampfhaft lächelnd und Dennis wurde hinter Magnus, dem Kobold und dem Faun eingereiht. Sie legten ihm Ketten an und er folgte seinem neuen Herrn brav. Die Worte des Claudius Magnus bereiteten ihm sorgen. Er soll in einer Arena kämpfen!
Der General schlenderte mit seinen neuen Sklaven über den großen Platz und murmelte noch etwas davon, das sich seine Frau eine Haussklavin wünsche. Dennis konnte Vektor entdecken, der von zwei Soldaten gerade ausgepeitscht wurde. Der Halbelde bewunderte ihn für seine eiserne Disziplin. Der General steuerte geradewegs auf sie zu. >> Was ist hier los?<<, fragte Magnus interessiert. >> Nur einige disziplinarische Ergänzungen, Sir!<<, sagte einer von ihnen und schlug erneut zu. >>Aufhören!<<, sagte Magnus kurz und die Soldaten stellten ihre "disziplinarische Ergänzung" ein. Claudius ging in die Hocke und begutachtete er Vektor. Dieser sah ihn hasserfüllt an und spuckte ihm ins Gesicht. Sofort rissen die Soldaten den jungen Mann nach hinten und prügelten auf ihn ein. Dennis konnte das Brechen von Knochen hören und ein leises Wimmern von Vektor. >> Hört auf!<< Die Soldaten folgten der Anweisung des Generals. >> Den nehme ich! Die Arena wird dieser Missgeburt Disziplin beibringen! <<
Mit wackligen Beinen stand Vektor auf und stellte sich hinter Dennis.
Am Ende des Tages umfasste ihre Schlange zehn Sklaven, die Claudius Magnus auserkoren hatte in der Arena seines Meisters zu kämpfen. Die Arena erinnerte ihn ganz klar an das Kolosseum in Rom. Die Arena war rund und aus Marmor gefertigt worden. Mehrere Bögen waren zusehen. In jeder von ihnen stand eine bronzene Statue. Vier große Säulen ragten in den Himmel. Diese Säulen bildeten die Ein- und Ausgänge in die Arena. In goldenen Buchstaben stand an ihrem Eingang "Dem Stärkeren zu dienen ist die Aufgabe des Schwächeren!<< Im Inneren konnte man Mosaike von Kämpfen sehen. Kämpfe von Mann gegen Mann, gegen gefährliche Bestien und gegen Roboter? Dennis hoffte inständig, dass dies nicht der Fall sein würde. Der General ging mit ihnen eine Treppe hinunter. Sie standen vor einer schweren eisernen Tür. Sie öffneten sich fast sofort und der Offizier ging mit seinem Gefolge hinein. Dennis konnte an den Seiten Trolle sehen, die in Reih und Glied dastanden. Jeder von ihnen besaß eine Menge Verletzungen in Form von Schnitten und Spuren von Krallen. Es wurde hier nun deutlich kälter und dunkler. Einige Fackeln erhellten diesen Ort. Hier gab es Zellen, die von eisernen Türen verschlossen wurden.
Sie wurden alle in eine riesige Zelle gesteckt, die für sie ausreichend Platz bot. Müde sackte sie alle zusammen. Einige stöhnten. Drei Soldat kamen herein, die Brot und eine Flasche Wasser für jeden verteilten. >>Morgen werdet ihr euren ersten Trainingstag haben. Da müsst ihr bei Kräften sein!<<, lachte er höhnisch und verließ mit den Soldaten ihre Zelle. Dennis kaute auf dem trockenen Brot und versuchte sich seine Wasserflasche so gut es ging einzuteilen, was nicht ganz einfach war, denn er kriegte das Brot nicht richtig runter. Vektor schien keine allzu großen Schwierigkeiten damit zu haben. Düster kaute er darauf rum.
Dennis legte sich nach dem Essen hin und schlief sofort ein.
Am nächsten Morgen wurde die Tür lautstark geöffnet. >> Aufstehen ihr Ratten!<<, rief ein Soldat und Dennis stand sofort auf. Er ging zu dem Soldaten und fragte nach einer Möglichkeit auf Klo zu gehen. Der Soldat sah belustigt auf und deutete auf den hinteren Teil des Ganges. Dennis nickte und ging dorthin. In einer kleinen Kammer befand sich ein rundes Loch im Boden. Na gut, er war ein Gefangener und musste das Nehmen, was er zur Verfügung hatte.
Als er fertig war ging er zurück und folgte seinen Mitgefangen nach oben die Arena. Sie gingen durch ein Tor, das mit einem Eisengitter bestückt ist. Draußen wurde bereits fleißig trainiert. Alle Kämpfer trugen leichte Rüstungen, die viel Haut zeigten. Viele dieser Krieger hatten muskulöse Arme und viele Narben. >> Das sind die neuen Gladiatoren, Morris.<<, sagte ein Soldat zu einem glatzköpfigen, hochgewachsenen Mann mit einer Peitsche in der Hand. Sein Gesicht war stark vernarbt und teilweise entstellt. >> Schön, schön. <<, erwiderte Morris nur und deutete in eine Ecke in der vier Ständer mit Waffen standen. Schwerter, Speere, Äxte und einige beschädigte Panzerhandschuhe. Sie gingen nach drüben und suchten sich ihre Waffen aus. Dennis nahm sich ein Schwert und einen Panzerhandschuh und begab sich dann wieder nach drüben. Als sie sich alle eingedeckt hatten, musterte Morris sie kurz. >>Ihr findet euch nun in zweier Gruppen zusammen und kämpft nun gegeneinander.<<
Und so machten sie es auch. Dennis hatte den Faun als Partner erhalten. Sie stellten sich gegenüber auf und machten sich kampfbereit. Der Faun stieß einen Kampfschrei aus und stürmte auf Dennis los. Der Halbelde warf sein Schwert auf den Boden, ging leicht in die Hocke und fing mit bloßen Händen, den Schlag des Faunes. Mit aller Kraft riss er es zur Seite und sein Gegner verlor sein Schwert. Blitzschnell hob Dennis sein Schwert auf und zielte mit den Klingen auf die Kehle seines Gegners. Und so ging es die ganze Zeit über weiter. Dennis musste sein Schwert nicht einmal benutzen. >> Hey du da. Komm her!<<, rief Morris ihn zu und Dennis ging zu ihm hinüber. >> Du kämpfst nun gegen Arktos!<<, sagte der Trainer und deutete auf einen Krieger mit kurzen, blonden Haaren und grauen Augen. Seine Arme besaßen einen Ansatz an Muskeln. >> Training einstellen! Ihr seht euch nun das hier an!<<, sagte Morris und alle anderen stellten sich im Kreis um sie herum auf. Dennis und Arktos machten sich kampfbereit und beäugten sich argwöhnisch. Jede noch so kleine Bewegung, jedes Zucken wurde analysiert. Sie gingen aufeinander los und ihre Schwerter schlugen gegeneinander. In schneller Abfolge schlugen die Klingen gegeneinander. Beide Kämpfer versuchten sich mit ihrer hohen Geschwindigkeit auszuspielen. Dennis trat nach Arktos, doch dieser fing seinen Angriff mit seinem Arm ab. Dennis wich zurück und blockte Arktos Schwerthieb ab, der ihn fast den Schädel gespaltet hätte. Nun sollte sie beide aus und drückte ihre Hände gegen die Luft. Blitze und Eisstrahlen trafen aufeinander. Der Druck verstärkte sich und die Energie entlud sich. Dennis und Arktos flogen nach hinten und landeten hart auf den Boden. Morris klatschte in die Hand und einige der Gladiatoren jubelten. >> Sehr gut. Sehr gut. Macht das gleich nochmal!<<



Am Abend fiel Dennis müde auf sein Bett aus Heu. Er war fix und fertig! Morris hatte sie mehrfach gegeneinander kämpfen lassen. Die beiden Krieger hatten sich einen wirklich heftigen Kampf geliefert und ihr gesamtes Repertoire benutzt, um den anderen zu besiegen. Dennis war klar, dass ihr Kampf vor dem Herrscher dieses Volkes blutig enden wird. Seine Gedanken schweiften zu Lichtbringer. Ob die Waffe noch im See beim Tempel lag? Oder ist sie ganz woanders gelandet als er? In ihm kann sich das Schwert nicht befinden, das hätte er gemerkt. Dennis schloss die Augen und schlief sofort ein.
Um ihn herum gab es nichts Dunkelheit. Er hatte keine Ahnung, wo er sich befand, doch dort hinten in der Ferne ist ein Licht erschienen. >>Hallo?<<, rief eine weibliche Stimme. >>Hallo, ist dort hinten jemand?<<
>>Ich bin hier!<<, antwortete Dennis. >> Mein Name ist Dennis Silberstein!<<
>>Wer ist da?<<, rief die Stimme ganz leise und sagte noch etwas, doch Dennis konnte nicht verstehen, was sie sagte. Das Licht erlosch und Dennis war wieder von Dunkelheit umgeben.
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