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Dennis Silberstein 4 - Das gefallene Königreich

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Kobolde & Feen Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
22.08.2020
06.03.2021
30
40.962
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26.09.2020 1.755
 
Lucina wachte an diesem Morgen sehr früh auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Die Vögel sangen ihre Lieder und fütterten ihre Jungen. >>Gut das du wach bist!<<, rief Kaeldori, die gerade mit einem Bündel Holz ankam. >> Du kannst ja schon mal ein Feuer machen!<< Die Koboldin drückte Lucina das Holz in die Hand und ging wieder davon. Und was nun? Ihre umfangreiche Ausbildung hatte so etwas nur kurz angeschnitten. Was jetzt bräuchte wäre die Sonne und eine Glasscherbe. Nur leider war die Sonne noch nicht aufgegangen und eine Glasscherbe hatte sie auch nicht. Sie durchwühlte ihre Taschen und fand eine kleine rote Perle. Eigentlich war sie nicht dazu gedacht ein Feuer zu machen, aber das ist egal, denn viel Zeit hatte sie nicht. Sie legte ein wenig Holz und die Kugel in Kaeldoris Kamin und sagte >> Kalzifer! << Die Kugel fing an zu brennen und das Holz fing ebenfalls Feuer.
>>Bist du schon so weit?<<, fragte Kaeldori, als sie zurück war. Nun hatte sie einen Korb mit lauter Früchten dabei. Lucina nickte nur als Antwort. Nach dem Frühstück packten sie sich einige Vorräte ein und machten sich auf den Weg Kaeldori hatte eine riesige Tasche dabei. Aus der schauten ein Bogen und zwei Köcher voller Pfeile raus.
>> Kaeldori, kann ich dich um etwas bitten?<<, fragte Lucina etwas zaghaft.
>> Und was wäre das?<<, erwiderte die Koboldin locker.
>> Kannst du mir beibringen wie man ohne Hilfsmittel Feuer macht?<<
Kaeldori blieb stehen und sah sie verwirrt an. >> Hast du keine Zündbüchse?<<
>>Was ist das denn?<<, fragte Lucina und sah nun ihrerseits vollkommen verwirrt aus.
>>Eine kleine Box aus Metall, aus der kleine Flammen kommen.<<
>>Meinst du ein Feuerzeug?<<
>>Was zur Hölle soll das denn sein?<<
Lucina sah die Koboldin schuldbewusst an und sagte dann, >> Ich glaube, ich erzähle dir am besten von wo ich herkomme.<<
Und so erzählte Lucina Kaeldori alles, was ihr spontan aus ihrer Welt einfiel. Das sie selbst Teil des Freibundes ist, war, wer ihre Familie und Freunde sind, waren und viele Dinge aus ihrer Welt.
>>Und diese Wolkenkratzer reichen dann also wirklich bis in den Himmel?<<, fragte Kaeldori erstaunt und Lucina konnte genau erkennen, wie sich die Koboldin eines dieser riesigen Gebäude vorstellte. >> Und ihr habt wirklich die Welt jenseits des Himmels erforscht?<<
>>Nun wir erforschen noch den Weltraum.<<, erwiderte Lucina lächelnd. Die Koboldin wirkte in diesem Moment wie ein kleines Kind, dem man gerade die beste Geschichte seines Lebens erzählt hat.
>>Wegen des Feuers muss es dir nicht peinlich sein!<<, sagte Kaeldori nach einer kurzen Pause. >> Ich selbst benutze meine Feuermagie dafür, aber sag es nicht den anderen!<<
Lucina zwinkerte ihr nur zu und nun begann Kaeldori damit über ihre Familie und diese Welt zu berichten. >> Wir Kobolde sind ein handwerklich begabtes Volk. Früher, also lange vor meiner Geburt, sollen Kobolde eng mit den Zwergen befreundet gewesen sein. Das ist aber schon 200 Jahre her. Vor knapp 400 Jahren gab es einen großen Krieg der über 30 Jahre andauerte. Man nennt ihn in unserer Sprache "Infertras", den großen Brand. Damals sollen alle Völker dieser Welt in diesem Krieg gekämpft haben. Es ging um Einfluss und Reichtum.<<
>> Wie in jedem Krieg<<, fügte Lucina hinzu und Kaeldori nickte.
>> In den letzten drei Kriegsjahren, so sagen es die Alten, soll es eine unbekannte Fraktion geschafft haben eine Insel in den Himmel schweben zu lassen.<<
>> Hat das was mit den anderen fliegenden Inseln zu tun?<<, fragte Lucina neugierig.
>> Nein, hat es nicht! Die Legende ist zudem sehr ungenau. Manche reden von einer Insel, andere über eine Festung. Na ja jedenfalls, soll dieses fliegende Ding eine Waffe besessen haben, wodurch die anderen gezwungen waren zusammenzuarbeiten. Nach drei Jahren sollen sie es geschafft haben, doch die Welt war nur noch ein großes Trümmerfeld. Die Länder selbst konnten den Krieg nicht mehr weiterführen und so zogen sie sich alle zurück und seitdem sind die "wilden Bewohner" an der Macht.<<
>> Und wer sind sie?<<
>>Naturgeister, Erdgeborene, Golems, Bäume kurz gesagt, alle Kinder Mutternaturs.<<
Lucina nickte nur. Sie hatte mit diesen Wesen nie wirklich zu tun gehabt. Sie kannte sie aus Märchen, die ihr Jenana vorgelesene hatte als sie ein kleines Kind war, aber sonst. >>Wir sind in der Nähe ihres Sammelplatzes! <<, sagte Kaeldori. >> Wir verstecken uns hinter den Büschen, nahe am Fluss und warten auf das Luftschiff, das die Nachzügler einsammelt. Diese sind recht klein und haben nicht viel Besatzung. Wir schleichen uns nun nah ran und sagen am besten gar nichts! <<
Vorsichtig schlichen sie sich an den Fluss heran und versteckten sich hinter den Büschen. Lucina legte sich ins weiche Gras und schloss die Augen. Rufe von Soldaten und die Hiebe von Peitschen drangen an ihr Ohr. In ihrem Kopf erschienen Bilder aus ihrem Geschichtsbuch. Römer, die Sklaven auf riesigen Märkten verkauften und die Schiffe, in denen die Europäer afrikanische Ureinwohner nach Amerika brachten. Sie versuchte an etwas anderes zu denken, was nicht besonders einfach war. Mit einem Mal spürte sie ein starkes Pochen an ihrem Bein. Es kam von Königsklinge! Das Schwert schien etwas mitteilen zu wollen. Lucina konzentrierte sich und für einen Moment wurde die Welt um sie herum bedeutungslos. Es gab nur sie, das Pochen und diese angenehme Aura. Ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Und da war noch etwas. Sie konnte nicht genau sagen, was es war, aber es kam ihr vertraut vor.
Das Pochen verstummte und das Gefühl verschwand. Lucina öffnete ihre Augen. Am Himmel konnte sie nun die Luftschiffe der Crutier sehen, die ihre Ladung fortbrachten. >> Bald müssten die Nachzügler eintreffen. <<, murmelte Kaeldori kam kurzzeitig aus ihrer Deckung und duckte sich schnell wieder. >> Sind nur noch einige Wachen da, die drei kleinere Schiffe bewachen! Wir können das schaffen! <<
Lucina stand vorsichtig auf und ging in die Hocke. Die beiden erhoben sich ein wenig. Eine kleinere Gruppe wurde zu den Schiffen gebracht. Von den drei Schiffen erhoben sich zwei in die Luft und flogen davon. Jetzt war nur noch ein Schiff da, welches von zwei übellaunigen Männern bewacht wurde. Kaeldori holte Pfeile und Bogen raus und machte sich bereit zum Schießen. Eine kleine Gruppe von drei Personen kam aus dem Wald. Zwei Crutier und ein zwei Meter großer Tiermensch.
Tiermenschen sind eine Art Fusion aus Menschen und Tieren. Äußerlich besitzen sie fast dieselben Eigenschaften von Tieren. Sie haben Fell, Federn oder Schuppen, Tatzen, Krallen oder Flügeln, die den Ansatz von menschlichen Händen besitzen und ihre Füße ähneln an dieser Stelle wieder eher ihrem tierischen Anteil. Dinge wie ein Schwanz, Hörner oder dergleichen besitzen sie auch. Affen bilden an dieser Stelle eine Ausnahme, da sie den Menschen sehr ähnlich sind. In Lucina Heimatwelt gibt es auch Tiermenschen, doch diese leben in ihren eigenen kleinen Gemeinden und Städten und bleiben für sich, wie fast alle magischen Wesen.
Der Tiermensch, der von den Crutier gefangen genommen wurde, war ein Tiger mit komplett weißem Fell und schwarzen Streifen. Seine Augen waren blau, wie der Himmel. Ein Oberteil hatte er keines an, wodurch man seine herrlich muskulösen Arme sehen konnte. Von seinem trainierten Oberkörper ganz zu schweigen, an dem es die ein oder andere Narbe gab. Lucina schloss die Augen und sammelte ihre Kräfte, um sich einen zusätzlichen Temposchub zu geben. Sie stand auf und ging ein paar Meter zurück, um Anlauf zu nehmen. Kaeldori schoss ihren Pfeil ab und Lucina folgte ihm. Sie sprang über den Fluss und stand mit einem Mal vor der einen Wache, die den Tiermensch zum Schiff brachte. Sein Kamerad lag tot auf der anderen Seite des Tigers. Mit einem schnellen Schnitt war auch dieser Gegner eliminiert. Kaeldori feuerte noch einige Pfeile ab, um die Wachen zu töten, die sie aufhalten wollten. Lucina versuchte in das Luftschiff zu gelangen, um es zu kapern, doch die Piloten hatten ihren Plan durchschaut und flogen einfach los. Ein Soldat trat aus der offenen Luke und schoss mit Pfeilen auf sie. Lucina wich aus und Kaeldori erwiderte das Feuer. Als das Luftschiff weit genug weg war, kam Kaeldori aus ihrem Versteck. Sie warf Lucina ihre Tasche zu, die ihr beinahe ins Wasser gefallen wäre. Verdammt war das Ding schwer! Kaeldori zog sich zudem aus, band diese zu einem Bündel zusammen und warf dieses ebenfalls zu Lucina. Nun sprang die Koboldin ins Wasser und schwamm auf das andere Ufer. Sie zog sich nun nur ihren Mantel an und ging mit Lucina zu dem befreiten Gefangenen. >> Danke.<<, murmelte der Tiermensch als die Frauen die Wachen nach den Schlüssel durchsuchten. Sie fanden ihn und befreiten den Tiger von seinen Ketten. >> Hast du auch einen Namen, Fellknäuel? <<, fragte Kaeldori frech und der Tiger lächelte. >> Tora Korshak! Ich komme aus dem Reich Glacoul.<<
>> Dem Reich des ewigen Eises?<<, fragte Kaeldori. >> Ist es dir hier nicht etwas zu warm?<<
>> Mach dir darum keine Sorgen, kleine Lady.<<, sagte Korshak lachend.
>> Ich will euch ja nur ungern unterbrechen, aber wie sollen wir nun nach Crutus kommen?<<, fragte Lucina und reichte der Koboldin ihre Kleidung.
>> Was wollt ihr denn in Crutus?<<, fragte Korshak und sah sie interessiert an.
>> Sie sucht einen Weg nach Hause und ich will meine Freunde und Familie befreien<<, sagte Kaeldori und zog sich gerade ihr Oberteil wieder an.
>>Klingt interessant und zu eurem Glück möchte ich ebenfalls nach Crutus. Ich suche ebenfalls jemanden und kenne einen zügigen Weg dorthin.<<
Die beiden Frauen sahen sich an. Sie hatten nicht viele Möglichkeiten und die Zeit drängte. >> Willkommen im Klub!<<, sagte Lucina lässig und der Tiger lachte.
>> Was ist eigentlich ein Klub?<<, fragte Kaeldori als sie sich auf den Weg machten.
Königsklinge pulsierte wieder und Lucina spürte erneut dieses Gefühl, der Wärme und Geborgenheit. Woher kommt es nur?
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