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Dennis Silberstein 4 - Das gefallene Königreich

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Engel & Dämonen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Kobolde & Feen Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
22.08.2020
06.03.2021
30
40.962
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05.09.2020 1.954
 
Dennis holte weit aus und zerschlug das Holzscheit in zwei Hälften. Danach nahm er die halbierten Teile und halbierte sie ein weiteres Mal. Die Sonne brannte hinab auf die Erde. Es war Sommer und das merkte man überall. Alle Bewohner des Tempels die nicht mit weben, backen oder anderweitigen Arbeiten zu tun hatten, bewässerten die Felder und den Wald. Dabei hoben sie, mit Hilfe von besonderen Kräften, das Wasser aus dem See und ließen es wie Regen über das Gebiet fallen. Diese Prozedur wiederholten sie mehrfach am Tag, um Waldbrände vorzubeugen.
Dennis hätte ihnen sehr gerne geholfen, doch zu seinem Pech konnte er nicht auf seine Luftkräfte zurückgreifen. Er hatte es bereits mehrfach versucht, aber nie irgendwas bewirkt und das frustrierte ihn. Da er sich aber irgendwie nützlich machen wollte, widmete er sich anderen Tätigkeiten, wie waschen, weben oder backen. Aufgrund seiner Unerfahrenheit in diesen Tätigkeiten, mussten sie ihm alles erst vorzeigen, bevor er es dann selbst machen konnte. Celes war, im Gegensatz zu Vektor, eine sehr geduldige Lehrerin. Aber auch etwas verunsichert. Kurzerhand hatte man ihn dann einfachere, aber körperlich anstrengendere Aufgaben zugewiesen und ihm war das auch recht so.
Dennis entschied sich kurz einen Schluck Wasser aus dem See zu trinken. Seine Kehle war wie ausgetrocknet. Er legte die Hände so dicht beieinander, dass sie einen Krug formten, füllte sich Wasser ein und trank es mit einem Schluck. Dieses Vorgehen wiederholte er dreimal. Danach stand er auf, verbeugte sich und bedankte sich bei dem See für diese Erfrischung.
>>Na, sind wir beim Faulenzen?<< Vektor kam gerade aus Dickicht und sah Dennis herausfordernd an. >> Nur eine kleine Pause<<, erwiderte Dennis kurz und ging zurück zu seinem Arbeitsplatz, wo er seine Aufgabe augenblicklich wieder aufnahm. Vektor sammelte in der Zwischenzeit das Holz auf, welches Dennis bereits in vier Teile geschlagen hat. Keiner von den Beiden sagte ein Wort. Dennis hatte bereits entschieden, dass er Vektor nicht leiden konnte, aber hassen konnte er ihn nicht. Letztendlich wollte Vektor nur seine Heimat beschützen, was alles andere als falsch ist. Er hatte schon seit jenem Traum von letzter Nacht, das Gefühl, dass er so schnell wie möglich aufbrechen. Er musste einen Weg zurückfinden. Seine Aufgaben zu Hause sind noch längst nicht fertig. Der Patriarch, Hagen Großberg, hält immer noch Cordelia Eccher gefangen. Hatten seine Kameraden überlebt? Rian Jackson, Iwanow, Kajewski, Guinevere und Lucina.
Gedankenverloren setzte er seine Tätigkeit fort, ohne zu merken, dass es langsam dämmerte. >> Dennis? Dennis Schluss für heute! Es gibt nun Abendessen, << sagte Celes von ganz weit her. >> Warte, ich helfe dir beim Zusammenpacken<<, sagte Celes und packte die Axt und die Schleifsteine in einem leeren Korb. Dennis sammelte die Holzscheite ein und legte sie ebenfalls in leere Körbe, die man auf dem Rücken tragen konnte. >> Du hast das Mittagessen, das ich dir gemacht habe, ja gar nicht gegessen<<, tadelte Celes und riss Dennis erneut aus seinen Gedanken. Er musste immer wieder an sein Zuhause denken. >>Ich hatte keinen Hunger<<, sagte der junge Mann kurz und brachte das Holz in das Lager, wo Vektor schon auf ihn wartete. >> Beeil dich mit dem Einlagern, sonst ist das Essen weg<<, sagte Vektor genervt.
>> Ich helfe dir Dennis, << sagte Celes, doch Vektor hielt sie auf. >> Nein lass nur Celes. Gehe doch schon mal vor. Wir kommen gleich nach<<, sagte Vektor freundlich, schnappte sich einen leeren Korb und ging mit Dennis das restliche Holz holen. >> Ich dachte, ich hätte dir gestern etwas gesagt<< begann Vektor, als sie weit genug weg waren.
>> Und ich werde mich daran halten<<, erwiderte Dennis. >> Ich werde so schnell wie möglich von hier fortgehen. Sobald ich weiß wo ich hin muss<<, erwiderte Dennis gelassen.
>> Beeil dich lieber damit<<, knurrte Vektor und zusammen sammelten sie das restliche Holz ein.


Nach getaner Arbeit gingen die beiden Männer in die große Halle. Diese befand sich im Zentrum des Tempels und war reich geschmückt mit bunten Stoffen. Celes saß an einem Tisch, der sich am Rand befand. Dort befanden sich Brot, Käse und verschiedene Obstsorten. Vektor setzte sich direkt neben Celes, während Dennis sich so weit weg, wie möglich setzte. Alle Bewohner des Tempels lachten oder erzählten sich etwas. Die Stimmung war sehr locker. Dennis nahm sich etwas Brot und Käse und aß etwas davon. >>Dennis, ich habe tolle Neuigkeiten. Wenn du willst kannst du hier bei uns bleiben. Die Priesterin hat nichts dagegen einzuwenden. Du müsstest nur unseren Glauben annehmen. Was sagst du dazu?<<
Dennis sagt nichts dazu. Still aß er sein Brot weiter.
>> Du musst unseren Glauben ja nicht so ernst ausleben, wie es andere Leute hier tun<<, fuhr Celes fort. >> Du musst lediglich an den Gebeten teilnehmen und der Natur den Teil, den du ihr wegnimmst, zurückzahlen! In unserem Glauben geht es um das Gleichgewicht der Welt. Wir sind der Ansicht, dass es sowohl Licht als auch Finsternis geben muss. Die Priesterin sagt immer, das die Welt ohne Licht oder Schatten unvollkommen wäre.<<
Dennis überlegte kurz. An dieser Religion gibt es viele Dinge die wahr sind. Die Natur an sich sorgt für Leben, das stirbt und aus den Toten entsteht neues Leben. Und der Schatten spendet im Sommer zumindest etwas Schutz vor der unerträglichen Hitze der Sonne. Alles was von der Natur geschaffen wurde, hat seinen Sinn und Zweck und besitzt ein Gegenstück.
Dennis sah zu Celes, die ihn erwartungsvoll ansah. Ihr Lächeln verschwand, als er mit dem Kopf schüttelte. >> Danke für das Angebot, Celes, doch ich habe irgendwo da draußen eine Familie. Menschen, die mir etwas bedeuten und denen ich etwas bedeute. Ich würde sehr gerne bei euch bleiben, doch leider habe ich noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. << Mit diesen Worten stand Dennis auf, brachte sein Geschirr weg und ging auf sein Zimmer.

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Ein Klopfen riss ihn aus dem Schlaf. Die Sonne erhellte den Raum und blendete ihn. Als Dennis wieder klarer sehen konnte, bemerkte er einen kleinen Vogel, der mit einem kleinen Stein gegen sein Fenster klopfte. Dennis stand auf und öffnete das Fenster. Sofort flog der Vogel herein und flog einige Male im Kreis. Dann flog er hinaus durch das Fenster. Dennis hielt kurz inne. Er kletterte aus dem Fenster und rannte dem Vogel hinterher. Dieser kreißte über eine Stelle am See. Als Dennis näher kam landete er auf einem Felsen und starrte auf eine Stelle, die sich etwas weiter hinten im See befand. Danach erhob sich der Vogel erneut in die Luft und flog Richtung Süden. Er zog sich seine Kleider aus und sprang in den See. Das Wasser war herrlich warm und angenehm. Er schwamm zu der Stelle auf, die der Vogel starrte, holte tief Luft und tauchte hinab. Die Kälte des Wassers umgab ihn vollständig und zerrte an seinem Körper, welcher bereits fror. Er gelangt auf den sandigen Grund des Sees und entdeckte eine Kette mit einem Amulett. Dennis wollte gerade wieder nach oben schwimmen, als ihn plötzlich ein halbes Dutzend Hände packten und zurückzogen. Unter ihm öffnete sich ein schwarzes Portal. Die Hände zogen ihn hinein und die Finsternis verschlang ihn vollständig.

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Dennis öffnete langsam seine Augen. Er lag immer noch in seinem Bett. Es war wieder nur einer dieser Träume, die er einfach nicht verstand. Was war deren Sinn und Zweck? Der junge Mann stand auf, zog sich an und verließ sein Zimmer. Vor dem Frühstück wollte er sich die Stelle ansehen, die er in seinem Traum sah. Was hatte es damit auf sich?
Es war an diesem Morgen sehr warm. Nur der Wind war noch recht kühl. An dem Ufer des Sees war man bereits mit dem Waschen der Wäsche beschäftigt. Dennis ging zu der Stelle, zu der der Vogel in seinem Traum flog und entschied sich im Gebüsch umzuziehen, um nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Bevor er komplett hineinging, übergoss er sich kurz mit Wasser, damit sich sein Körper an die Temperatur gewöhnte. Langsam ging er in das kühle Wasser, holte noch einmal tief Luft und tauchte hinab in die Tiefe. Die Kälte umschloss seinen Körper und zerrte an ihm. Wie tief es war konnte er nicht sagen. Drei Meter? Oder auch vier Meter? Genau wie in seinem Traum erreichte Dennis den sandigen Grund. In den Pflanzen hatte sich etwas Leuchtendes verfangen. Es handelte sich um eine Medaille mit einem Wappen. Welches genau konnte er nicht sagen. Dennis legte es um seinen Hals und wollte gerade zurückschwimmen, als ihn plötzlich die Pflanzen an seinen Füßen packten. Der junge Mann versuchte sich loszureißen, doch immer mehr Pflanzen packten ihn. Bei seinen Befreiungsversuchen flogen kleine Bläschen nach oben, die an den Pflanzen hingen. >> Erinnere dich an das, was du gelernt hast. Nutze deine Kräfte<<, flüsterte eine weibliche Stimme. Verzweifelt, ja geradezu hoffnungslos, griff er nach den Bläschen und drückte sie mit Mittel- und Zeigefinger nach unten. Ein kleines sichelförmiges Geschoss hatte sich gebildet und einen kleinen Strang zerschnitt. Das könnte ihn retten? Zu seiner linken Seite war eine Pflanze voller Luftbläschen. Dennis glitt mit Mittel- und Zeigefinger durch diese und sofort schossen Dutzende kleine Geschosse hervor und zerschnitten seine Fesseln. Natürlich! Es gab auch im See O2, also Sauerstoff, den er nutzen könnte, wenn er sich ausreichend konzentrierte. Doch leider ging ihm die Luft aus. Verzweifelt sammelte er den übrigen Sauerstoff in seiner Umgebung unter seinen Füßen und sprang los. Wie eine Kanonenkugel schoss Dennis aus dem Wasser und flog dabei noch einmal einen Meter hoch. Mit einem lauten Platsch landete er im See und schleppte sich mit letzter Kraft an das sichere Ufer, wo sich bereits eine kleine Menge gebildet hatte. >> Du kommst sofort mit mir!<<, sagte die Priesterin, die sich ebenfalls unter den Schaulustigen befand. Dennis schleppte sich hoch, holte seine Sachen aus dem Gebüsch und folgte ihr. Aus dem Augenwinkel konnte er Celes sehen, die ihn unsicher ansah. Vektor, der neben seiner Schwester stand, sah ihn hingegen abweisend an.
Dennis folgte der Priesterin in die Beichtkammer. Ein zweigeteilter kleiner Raum. Die Priesterin saß auf der einen Seite der Trennwand, während sich Dennis auf die andere Seite setzte. >> Was hast du am Grund des Sees gesucht?<<, erkundigte sich Inferia.
Dennis überlegte kurz und erzählte ihr dann von seinen Träumen und seinem Erlebnis im See.
>> Also möchtest du uns verlassen?<<, sagte Inferia nachdenklich.
>> Hohe Priesterin, ich möchte mich auf eine Reise gehen! Ich bin der Ansicht, dass mir in meinem Traum ein Hinweis gegeben wurde, wo ich hinmuss. Der Vogel in meinem Traum flog nach Süden. Dort will ich hin, Richtung Süden!<<
>> Ich werde dich nicht aufhalten, aber verabschiede dich angemessen von Celes! Sie hat sich sehr um dich gesorgt und dich gepflegt.<<
Dennis nickte. >> Ich sage es ihr heute Abend.<<
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