The Forgotten World

von Redfaye
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Loki OC (Own Character)
22.08.2020
17.10.2020
8
26.849
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17.10.2020 3.622
 
Callie sah mit an wie der bewusstlose Dr. Holmberg von den Agenten aus der Gasse geschleppt und in einen davor geparkten schwarzen Geländewagen verfrachtet wurde. Die beiden verletzten Männer wurden ebenfalls in den Wagen gehievt und einer ihrer Kollegen setzte sich hinters Steuer. Dann fuhr das Auto davon. Die restlichen blieben zurück und umzingelten sie. „Ich komme ganz bestimmt nicht mit Ihnen mit! Ich habe überhaupt nichts mit Was-auch-immer zu tun!“
Langsam ging sie mit erhobenen Händen rückwärts. Die drei Agenten folgten ihr. In was für eine Sekte war sie hier nur reingeraten? Ausgerechnet jetzt, wo Dr. Holmberg ihr ihre Fragen beantworten wollte, mussten diese Typen auftauchen.
„Es tut mir leid, aber wenn Sie nicht freiwillig mitkommen, dann müssen wir Sie dazu zwingen, Miss Evans“, sagte der Agent rechts von ihr.
„Warum kennt eigentlich jeder meinen Namen?!“, stieß sie hervor.
„Weil wir schon länger hinter Ihnen her sind“, antwortete der Mann mit dem Maschinengewehr ruhig. Callie lachte. Es klang leicht hysterisch.
„Noch mehr Stalker! Aber ich hab doch gar nichts getan!“
„Noch nicht. Aber wir sind in der Annahme, dass eine große Gefahr von Ihnen ausgeht.“
Sie wusste nicht, was hier abging. Vielleicht war sie auch nur in eine dieser TV-Shows mit einer versteckten Kamera geraten. Egal, auf alle Fälle reichte es ihr. „Ich glaube sie verwechseln mich. Ich werde jetzt nach Hause gehen und wir tun alle so, als hätte es diesen Vorfall nie gegeben.“ Langsam nahm sie die Hände runter, drehte sich um und machte Anstalten zu verschwinden, da erklang ein angsteinflößendes Klicken hinter ihr.
„Ich fürchte, das können wir nicht zulassen, Ma’am.“

Gerade als Callie abwog, ob sie sich erschießen lassen oder vielleicht doch mit diesen S.H.I.E.L.D.-Beamten mitgehen sollte, tauchte wie aus dem Nichts eine Gestalt am Ende der Gasse auf. Sie kam mit schnellen Schritten näher und Callie erkannte im spärlichen Schein der Straßenlaternen, dass es der Typ aus dem Diner war. Der nervige, dem sie ihre Gehaltserhöhung zu verdanken hatte. Er grinste sie an. „So hab ich mir unser Wiedersehen nicht vorgestellt, Prinzessin.“
Callie stöhnte. Der hatte ihr gerade noch gefehlt. „Was tun Sie denn hier?“
„Dich retten“, antwortete er knapp und stellte sich zwischen sie und den Agenten. Diese richteten sofort ihre Waffen auf ihn. Jetzt erst bemerkte Callie, dass ihr unerwünschter Retter eigenartig gekleidet war. Er trug eine schwarz-grüne Leder-Montur. Ähnlich wie bei einem Krieger. Ich bin hier tatsächlich bei einer Sekte gelandet, schoss es ihr durch den Kopf. Zu ihrem Entsetzen erschienen wie durch Zauberei zwei lange Dolche in seiner Hand.
Callie überlegte gerade wie sie sich unbemerkt aus dem Staub machen konnte, als einer der Agenten rief: „Nicht du schon wieder!“
Ihr Retter grinste daraufhin bösartig. „Wie es aussieht, bin ich in Erinnerung geblieben.“
Dann ging plötzlich alles ganz schnell.
Einer der Agenten feuerte eine Kugel auf den fremden Mann ab, doch dieser war so schnell ausgewichen, dass Callie ihm kaum folgen konnte. Ehe sie reagieren konnte, hatte er sie gepackt und hinter eine Mülltonne gestoßen.
„Du bleibst hier. Ich regle das“, zischte er ihr zu. Sie wagte nicht zu widersprechen. Ängstlich umklammerte sie ihre Handtasche und musste mit Entsetzen mitansehen, wie dieser Typ einen Agenten nach dem anderen ausschaltete. Diese kamen nicht mal dazu zu feuern, da hatte er ihnen bereits die Messer in den Bauch gerammt oder die Kehle aufgeschlitzt. Er bewegte sich unglaublich schnell und geschmeidig und Callie traute sich nicht ihr Versteck zu verlassen. Wo sollte sie hin? Sie hatte keine Chance gegen ihn.

Wenige Minuten später lagen alle Agenten tot am Boden. Der Fremde wischte mit seinem Umhang das Blut von den Klingen und ließ sie mit einer schnellen Handbewegung verschwinden. Dann wandte er sich zu ihr um. Callie war wie erstarrt. Sie würde er als nächstes töten. Langsam ging er auf sie zu.
„So, jetzt können wir uns in Ruhe unterhalten“, meinte er mit einem leichten Lächeln. Doch sie war unfähig zu antworten. Sie zwang ihre Beine sich aufzurichten, damit sie wenigstens auf gleicher Augenhöhe mit ihm war, wenn er sie erdolchte. Er blieb mit etwas Abstand vor ihr stehen und betrachtete sie abschätzig.
„Ich weiß ja nicht, was du denen getan hast. Aber sonderlich gefährlich siehst du nicht aus.“ Wieder grinste er. Callie erinnerte sich, dass sie sein arrogantes Gegrinse schon bei der ersten Begegnung gehasst hatte. Er machte einen weiteren Schritt auf sie zu.
Callie wich zurück. „B-bleib ja weg von mir oder ich …“
„Oder was?“, unterbrach er sie. „Willst du mir drohen?“ Es klang amüsiert. Sie durchforstete ihr Gehirn nach Verteidigungsmaßnahmen, die sie von Karate kannte. „Ich will nur wissen, was du den Männern getan hast. Warum ist S.H.I.E.L.D. hinter dir her?“
„Ich weiß es nicht!“, stieß sie hervor und ihre Stimme überschlug sich vor Panik.
Der Fremde hob die Handflächen. „Beruhige dich, Prinzessin. Ich will dir helfen.“
„Mir helfen?“, kreischte Callie hysterisch. „Hast du mir geholfen, um mich dann auch abzuschlachten? So wie du es mit denen getan hast!“ Sie zeigte auf die toten Männer. Dann machte sie auf den Absatz kehrt und fing an zu rennen.

Sie kam gerade mal fünf Meter, da packte er ihren Arm und wirbelte sie zu sich herum. „Wir können das auch später bespr...“ Weiter kam er nicht. Callie hat ihm mit einem gekonnten Karate Kick in den Magen getreten. Überrascht ließ er sie los und die junge Frau ergriff sogleich wieder die Flucht.
„Uff!“ Loki hielt sich den Bauch und sah ihr nach. „Ganz schön gewalttätig, diese Midgard-Frauen“, murmelte er.

Callie rannte um ihr Leben. Sie wollte nur weg. Keine Ahnung, wo sie da hineingeraten war. Sie warf einen Blick über die Schulter. Zu ihrem Entsetzen war der Mann nicht mehr da. Dunkel und leer lag die verlassene Gasse hinter ihr. Gerade als sie sich panisch fragte wo er war, prallte sie gegen etwas hartem.
„Ich bevorzuge ja eher schlagfertige Frauen, nicht schlagkräftig“, bemerkte er und hielt sie an den Armen fest. Callie versuchte sich zu wehren, aber sein Griff war stärker.
„Lass mich los!“
„Nicht, wenn du ständig wegläufst!“
Sie lachte hysterisch auf. „Du hast drei Männer mit zwei Messern ermordet. Wer würde da nicht weglaufen?“
„Hm, gutes Argument“, erwiderte er. „Aber das war nur um dir zu helfen. Und aus Notwehr.“
„Notwehr?“
„Ja, wir sind uns vor ein paar Jahren schon mal begegnet und sind nicht gerade Freunde geworden“, erklärte er gedehnt.
„Warum das?“, fragte Callie nach. Sie musste ihn ablenken. Um ihm dann ihr Knie zwischen die Beine zu rammen.
„Ich glaube, das ist keine Geschichte für unsere zweite Begegnung … hey!“ Seine Augen verengten sich. „Solltest du gerade darüber nachdenken, mich wieder zu treten, schlage ich dich davor k. o.“
Konnte er jetzt auch noch Gedanken lesen?
„Man schlägt keine Frauen!“
„Wenn sie Hiebe wie Kriegerinnen austeilen, dann schon.“ Dann kam er ihr gefährlich nahe. Callie schluckte und ihr Herz fing an zu rasen. „An deiner Stelle würde ich kooperieren oder dir ergeht es wie deinen Freunden.“ Er machte eine Kopfbewegung zu den toten Männern. Ein paar endlose Sekunden starrten sie sich an, dann nickte sie langsam. Was blieb ihr auch anderes übrig? Er war viel schneller und stärker als sie. Und sie wollte heute noch nicht sterben. Sie konnte Stan und Lucy nicht im Stich lassen. Er schien zu merken, dass ihr Widerstand bröckelte. Langsam ließ er sie los und ging einen Schritt rückwärts. Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken und betrachtete sie. „Warum sind die S.H.I.E.L.D.-Agenten hinter dir her?“, wiederholte er seine Frage von vorhin.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte Callie abermals. „Dr. Holmberg wollte mir gerade etwas über meine Eltern erzählen und dann haben sie uns überfallen und ihn mitgenommen.“ Sie hoffte, dass der Doktor noch am Leben war.
„Dr. Holmberg?“, fragte ihr Gegenüber nach. Seine schwarzen Augenbrauen hoben sich. „Dieser kleine verwirrt wirkende Mann mit dem beigen Trenchcoat und der schlechten Frisur?“ Callie musste zugeben, diese Beschreibung traf ziemlich gut auf den Doktor. Sie nickte. Erkenntnis machte sich auf dem Gesicht des Fremden breit. „Ich denke, dann weiß ich, worum es hier geht“, sagte er und es klang beinahe ehrfürchtig. Langsam begann er sie zu umrunden.
„Ach ja?“, erwiderte sie schnippisch und ließ ihn nicht aus den Augen. Sie hatte allmählich die Nase voll davon, dass jeder glaubte etwas über sie zu wissen. „Schön für dich! Schön, dass jeder über mich Bescheid weiß. Ich weiß ja noch nicht einmal, wer du überhaupt bist!“ Sie verschränkte trotzig die Arme. Er hielt inne und betrachtete sie amüsiert. Irgendwie schien es ihn zu erheitern, wenn sie wütend wurde.
Dann machte er eine tiefe Verbeugung. „Oh verzeih, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt: Ich bin Loki, König von Asgard. Stets zu Euren Diensten, Ma’am.“

Asgard? Das kam ihr doch irgendwie bekannt vor … Callies Augen weiteten sich. Plötzlich wusste sie mit wem sie es zu tun hatte. Und plötzlich wusste sie auch, warum ihn die S.H.I.E.L.D.-Agenten kannten. Loki hatte sich noch nicht richtig aufgerichtet, da hatte sie ihm schon eine geklebt. „Jetzt weiß ich, woher ich dich kenne! Du bist der Bruder von Thor. Du bist dieser Vollidiot, der vor vier Jahren halb New York zerstört hat!“
„Was?“ Loki griff sich an die Wange. Er sah mehr als verwirrt aus.
„Tu nicht so! Du bist doch dieser außerirdische Möchtegern-Gott, der die ganzen Aliens auf unsere Stadt losgelassen hat.“ Callie schäumte vor Wut. Ehe Loki es sich versah, hatte sie ihm auf der anderen Wange eine geschallert.
„Uff!“ Loki ächzte. Callie spürte den Zorn regelrecht durch ihre Adern strömen. Es fühlte sich wie ein Adrenalinstoß an. Dasselbe Gefühl wie zuvor bei Davies. Verschwunden war ihre Angst.
„Wegen dir habe ich meinen Traumjob verloren und muss nun in diesem blöden Diner arbeiten.“ Musste. Davies würde sie nach dem Vorfall sicher kündigen. Aber das wusste dieser blöde Außerirdische ja nicht. Callies nächster Schlag ging ins Leere. Loki war verschwunden. Ehe sie reagieren konnte, hatte jemand ihr die Arme auf den Rücken gedreht und hielt sie fest im Griff. Sie stöhnte vor Schmerz.
„Du hast einen ganz schön festen Schlag für eine vermeintliche Sterbliche“, raunte er ihr ins Ohr. Es klang beeindruckt. Callie versuchte nach ihm zu treten, aber er verfestigte seinen Griff und sie keuchte gequält. „Ich lass dich los, Prinzessin. Wenn du mir versprichst, dich zu benehmen.“
„Das kann ich nicht!“ Wieder versuchte sie nach ihm zu treten. Loki wich ihr aus. Dann ließ er sie so abrupt los, dass sie nach vorne stolperte. Eilig brachte er ein paar Schritte Abstand zwischen sich und ihr, während sich Callie die schmerzenden Arme rieb. Zu ihrer Befriedigung stellte sie fest, dass seine Wangen gerötet waren.
Er betrachtete sie fasziniert und rieb sich über das schmerzende Gesicht. „Ich bin beeindruckt. Wer war dein Kampftrainer?“
„Keine Ahnung, was du meinst. Aber du hast es verdient!“
Loki hob die Hände, als würde er sich ergeben. „Bitte nicht mehr schlagen. Ich entschuldige mich auch für alles, was ich in New York getan habe.“ Callie musterte ihn argwöhnisch. Irgendwie nahm sie ihm das nicht ganz ab. „Ich würde trotzdem gerne wissen, warum dich das deinen Traum-Job gekostet hat, Prinzessin.“
„Nenn mich nicht so!“
„Wie denn? Prinzessin? Okay, ich gebe zu, Hulk würde besser passen.“ Sie verengte die Augen. Er sah sie erwartungsvoll mit immer noch erhobenen Händen an.
„Du hast mit deinen Alien-Monstern das Bürogebäude zerstört, in dem die Zeitungs-Redaktion ansässig war, bei der ich gerade ein Praktikum machte. Die meisten – mich eingeschlossen – konnten sich rechtzeitig retten. Zwei meiner damaligen Kollegen mussten den Angriff jedoch mit ihrem Leben bezahlen.“ Sie stockte. Noch immer schmerzte sie der Verlust dieser beiden Menschen, auch wenn sie sie nicht gut gekannt hatte. „Da die Redaktion keine neuen bezahlbaren Räume fand und kein Geld hatte um das zerstörte Mobiliar sowie sämtliche Dateien und Dokumente ersetzen zu können, wurde das Unternehmen schließlich geschlossen. Und ich verlor meinen Job“, schloss sie knapp ihre Erzählung und verschränkte abwehrend die Arme.

Doch Loki schien ihr gar nicht mehr zu zuhören. Er musterte sie interessiert. Jetzt erst fiel ihm auf, dass ihr Haar in einem ungewöhnlichen Rotbraun strahlte. Zuvor hatte es eine eher schlammige Farbe. Am auffälligsten jedoch waren ihre unnatürlich blauen Augen. So als würde man auf das Meer blicken mit verschieden farbigen Sprenkeln darin. Er war sich sicher, dass diese bei ihrer ersten Begegnung noch grau waren. Sie war ihm da schon in Erinnerung geblieben. Und obwohl sie nach wie vor keine klassische Schönheit war, gefiel sie ihm jetzt noch besser.
„Gibt es einen Grund für dein verändertes Aussehen?“, fragte er daher. Daraufhin sah sie ihn wieder wütend an. Dabei zog sie die Nase kraus, was sie mit den Sommersprossen darauf eher niedlich aussehen ließ. Loki konnte seine Erheiterung darüber nicht ganz verbergen.
„Das ist alles was dir dazu einfällt?“, schimpfte sie. „Ich erzähle dir, dass du mein Leben zerstört hast und dir fällt nur auf, dass ich anders aussehe?“
Ihr Gegenüber zuckte die Schultern. „Du hättest schon wieder eine neue Arbeitsstätte gefunden.“ Dann fügte er frech grinsend hinzu: „Ich kenne mich ja mit Midgard-Frauen nicht so aus … Aber hört es für gewöhnlich nicht jedes weibliche Wesen gerne, wenn man ihre neue Haarfarbe bemerkt?“
„Ich bin nicht jede“, erwiderte sie pampig.
„Das stimmt. Das bist du tatsächlich nicht.“ Sie sah ihn argwöhnisch an, aber er meinte seine Worte ernst. Wenn ihn nicht alles täuschte, dann hatte er die geheimnisvolle Prinzessin vor sich. Doch auch wenn er ihr Temperament bewunderte, so konnte er sich nicht vorstellen, inwieweit sie Chaos auf die Erde bringen sollte. Außerdem machte sie den Eindruck, als hätte sie wirklich keine Ahnung warum S.H.I.E.L.D. hinter ihr her war. Irrte er sich mit seinen Vermutungen oder wusste sie nichts von ihrer Bestimmung?
Loki beschloss dies herauszufinden. „Wenn du willst, helfe ich dir deinen kleinen Freund zu befreien“, bot er großzügig an.
„Was?“ Callie hatte Dr. Holmberg kurzzeitig verdrängt.
Er zuckte die Schultern. „Oder auch nicht. Ich hatte den Eindruck dieser langweilige Mensch sei wichtig für dich.“
„Das ist er auch! Er soll mir endlich meine Fragen beantworten!“
„Welche Fragen?“
„Die Fragen, warum mir die letzten Tage so seltsame Dinge passieren.“
Nun hatte sie Lokis Interesse geweckt. „Dir passieren seltsame Dinge?“
„Jaa!“ Callie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Es erschöpfte sie schon, wenn sie nur daran dachte. „Mein Aussehen ist nicht das einzige, was sich geändert hat. Plötzlich kann ich meinen Chef durch die Gegend schleudern, hab ungewöhnliche Reflexe und Pflanzen scheinen nun das Bedürfnis zu haben, mich zu beschützen. Würde es nicht so albern klingen, würde ich fast behaupten, dass ich Superkräfte habe. Oder einfach nur den Verstand verliere. Und Schuld an allem ist Dr. Holmberg. Dieser Freak, der noch dazu ein ehemaliger Bekannter meiner toten Eltern ist, hat mir irgendetwas injiziert und seitdem spielt mein Leben verrückt.“ Sie warf verzweifelt die Arme in die Luft. Sie wusste nicht, warum sie diesem unheimlichen König alles erzählte, aber irgendwie erhoffte sie sich von ihm Verständnis.

Und tatsächlich schlug Lokis Interesse bei ihren Worten in reine Faszination um. Wenn es stimmte, was die Prinzessin sagte, dann schlummerten einige Kräfte in ihr. Auch für ihn klang es so, als ob Dr. Holmberg der Schlüssel zu ihrem Dilemma war. Loki sah seinen Plan bereits vor sich. Sollte Callie tatsächlich so viel Macht haben, wie S.H.I.E.L.D. behauptete, wäre sie die Geheimwaffe, die er so dringend brauchte. Mit ihrer Hilfe würde er vielleicht nicht nur weiter über Asgard herrschen, sondern auch endlich Midgard dazu erobern. Er legte ihr fürsorglich einen Arm um die Schultern und sie sah etwas bekümmert zu ihm hoch. „Ich werde dir helfen Dr. Holmberg zu befreien, damit du deine Antworten bekommst“, versprach er aufrichtig.
Ihre Augen verengten sich, dann wand sie sich schnell aus seinen Armen. „Oh nein, auf deine Hilfe kann ich getrost verzichten. Ich will nicht noch mehr Tote.“ Sie schauderte als sie zu den leblosen Körpern am Boden blickte. „Vielleicht gibt S.H.I.E.L.D. Dr. Holmberg frei, wenn ich sie höflich frage“, überlegte sie.
Loki schnaubte über so viel Naivität. „S.H.I.E.L.D. gibt niemanden einfach so frei. Außerdem sind diese Agenten hinter dir her, falls du es noch nicht bemerkt hast. Die werden dich kaum gehen lassen.“
Dieses Argument zog. Callie schürzte die Lippen. „Und wenn ich zur Polizei gehe?“
Ihr Gegenüber verdrehte genervt die Augen. „Deine sterblichen Wächter werden dir da kaum helfen können.“
„Aber deine Hilfe will ich auch nicht!“
„Warum nicht? Ich habe dich doch gerade gerettet. Habe ich mir somit nicht dein Vertrauen verdient?“
„Du hast Menschen umgebracht!“
„Die ansonsten dich umgebracht hätten!“
„Ach ja? Und was ist mit den Opfern deines New-York-Anschlags?“
„Die zählen nicht.“
Callie schnappte entsetzt nach Luft, dann machte sie auf dem Absatz kehrt und verließ wütend die dunkle Gasse. Loki sah ihr fassungslos nach. Er konnte über soviel Sturheit nur den Kopf schütteln. Seufzend nahm er ihre Verfolgung auf. Vermutlich musste er seine Strategie bei der Prinzessin ändern.
„Hör mir zu! Du wirst mich brauchen!“, sagte er, als er sie eingeholt hatte. New Yorks Straßen waren mittlerweile ziemlich ausgestorben. Nur ein paar späte Pub-Besucher waren noch unterwegs.
„Lass mich in Ruhe!“, knurrte sie ihn an und beschleunigte ihren Gang. Er hielt mühelos Schritt.
„Es ist nicht gerade empfehlenswert, als junge Frau alleine durch die dunkle Stadt zu laufen.“
„Dir ist die Ironie deiner Worte schon bewusst, oder? Ich laufe gerade mit einem Mörder an meiner Seite durch die Stadt!“
„Vor mir hast du nichts zu befürchten.“
„Das beweise erst mal!“

Loki hatte nun endgültig genug von dem starrsinnigen Weib. Er überholte sie kurzerhand und baute sich vor ihr auf. Callie konnte gerade noch bremsen, ehe sie in ihn gerannt wäre. Hektisch sah sie sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Er verdrehte über ihre Theatralik nur die Augen. „Versuch‘ erst gar nicht wegzulaufen. Ich bin schneller als du.“ Zu dem Entschluss kam sie anscheinend selbst, denn sie verschränkte nun die Arme vor der Brust und funkelte ihn im Schein der Straßenlaterne wütend an. Loki unterdrückte ein Grinsen. Wenn er ihr Vertrauen wollte, durfte er sie jetzt keinesfalls verärgern.
„Ich gebe dir zwei Minuten mich zu überzeugen, warum ich deine Hilfe annehmen soll.“
„Ich werde sie weise nutzen“, versprach er. Callie schnaubte nur.
„Die Sache ist einfach: Ich habe nichts zu verlieren, wenn ich dir helfe. Meine Eltern sind beide tot. Gestorben an einem gebrochenen Herzen wegen meiner furchtbaren Taten. Ich bedauere dies zutiefst“, bekümmert legte er eine Hand auf seine Brust. Sie nahm ihm diese Show nicht ab.
„Das hörte sich vorhin nicht so an!“
„Hör mir zu! Ich bedauere ihren Tod, nicht meine Taten. Diese kann ich nun nicht mehr rückgängig machen. Das schlimmste ist, dass sich auch mein Bruder Thor nach New York von mir abgewendet hat.“
„Verständlicherweise“, brummte Callie.
Loki überging das. „Er hat mich ganz alleine in Asgard zurückgelassen, um bei seiner sterblichen Geliebten zu sein. Die Bürde des Throns fiel nun auf mich. Ich habe nie darum gebeten und war überhaupt nicht vorbereitet. Verstehst du, worauf ich hinauswill?“, fragte er als Callie ihn immer noch skeptisch ansah. Er ging einen Schritt auf sie zu und berührte leicht ihre Arme. Ihm entging ihre kurze Irritation nicht. „Ich weiß, wie es ist, wenn man mit Dingen, auf die man nicht vorbereitet war, alleine gelassen wird. Da ist nicht nur das Zerwürfnis mit meiner Familie, sondern auch diese gewaltige Verantwortung gegenüber meinem Volk, die nun auf meinen Schultern liegt. Daher will ich dir helfen, herauszufinden wer du bist“, schloss er und seine Stimme war gegen Ende samtweich.
Callie war wie gefesselt von seinen grünen Augen. Seine Erzählungen machten tatsächlich irgendwie Sinn. „Du willst mir also wirklich nur wegen guter Absichten helfen?“
„Wegen den besten Absichten.“
„Und niemandem würde dabei etwas geschehen? Wir würden Dr. Holmberg aus den Fängen von S.H.I.E.L.D. befreien und sogleich verschwinden?“
„Ich würde keine Minute länger in deren Gesellschaft verbringen wollen.“
„Und das ist auch keine List von dir um ein Massaker zu veranstalten?“, fragte sie argwöhnisch.
Oh, das Massaker wirst hoffentlich du veranstalten, dachte er voller Genugtuung, sagte aber: „Nur, wenn es dich beschützen würde.“
Das schien Callie zu überzeugen. Sie nickte leicht mit dem Kopf, während sie nochmal über seine Worte nachdachte. „Nun gut, ich werde dir vertrauen“, sagte sie schließlich.
„Du wirst es nicht bereuen“, versprach er.
„Und was tun wir jetzt als nächstes?“ Sie wirkte hilflos und leicht überfordert.
Loki grinste diabolisch. „Wir schmieden einen Plan.“


Sie verhörten ihn nun schon seit mehreren Stunden. Er war müde und erschöpft. Und wie beim ersten Mal gab er ihnen keine Auskunft über die Prinzessin. Aus ihren Fragen schloss er, dass Callie die Flucht gelungen war. Er wusste nicht, wie sie das geschafft hatte, aber sie war ein kluges Mädchen. Er wollte S.H.I.E.L.D. eigentlich nur von ihr ablenken. Dass ihn die Agenten jedoch außer Gefecht setzten und mitnahmen, war so nicht geplant. Er seufzte. Seine Kondition und seine kämpferischen Fertigkeiten hatten in den letzten Jahren stark nachgelassen. Trotzdem sah er eine Chance seinen Entführern zu entkommen. Es ärgerte ihn nur, dass sie ihm das Amulett abgenommen hatten. Aber auch das würde er sich zurückholen.
Agent Cooper gähnte bereits ausgiebig und er glaubte, dass das Verhör bald beendet sei. Er rechnete nicht damit, dass sie ihn nochmal auf freien Fuß setzten. Vor allem da Direktor Fury ihn noch nicht mit seiner Anwesenheit beehrt hatte. Er musste seinen Fluchtversuch daher starten, bevor sie ihn in eine Zelle wegsperrten. In Gedanken ging er seine Strategie durch. Es würde funktionieren. Er hoffte nur, dass Callie keine Dummheiten machte und auf die Idee kam ihn befreien zu wollen.
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