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Feainnewedd

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
22.08.2020
04.12.2020
12
37.727
5
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
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22.08.2020 827
 
Eine Schwalbe flog der aufgehenden Sonne entgegen. Funken tanzten um ihre grazile Gestalt und während sie immer höher emporstieg, zog sie einen Schweif aus elektrisch grünem Licht hinter sich her. Staunend beobachtete Aeliana, wie der Vogel durch die Lüfte segelte – ein Gleichnis von Freiheit.

Vom Hügel aus, auf dem sie sich befand, bot sich ihr ein atemberaubendes Panorama. Sie saß auf einer Wiese unter dem Schatten eines alten Olivenbaums. Saftig grünes Gras umgab sie, der Morgentau schimmerte wie unzählige Perlen. Zu ihren Füßen schlängelte sich ein Fluss durch das Tal – im Licht der aufgehenden Sonne glitzerte er wie ein Strom silberblauer Seide. In einiger Entfernung ragten die Umrisse einer Stadt in den orangevioletten Himmel empor, die Dächer der abertausenden Türme glänzten wie Gold. Ein bittersüßes Lächeln schlich sich auf Aelianas Lippen. Wäre der Friede nur nicht so trügerisch…

Eine Hand auf ihrer Schulter ließ sie zusammenzucken. Alarmiert schoss ihr Kopf zur Seite. Neben ihr stand ein Mann. Sein Gesicht wurde von Schatten verdeckt. Obwohl sie sich alle Mühe gab seine Züge auszumachen, blieb seine Gestalt schemenhaft, als würde sie ihn durch einen Schleier hindurch betrachten. Er trug eine schwarze Rüstung, verziert mit goldenen Prägungen und Stichen, die jedoch ebenfalls vor ihren Augen verschwammen. Sein Griff um ihre Schulter war fest und auf eine seltsame Art beruhigend. Doch gleichzeitig hatte er etwas an sich, das sie erschaudern ließ.

Evellienn esse gaed, luned.“ Seine tiefe, klangvolle Stimme hallte wie ein Echo in ihrem Kopf wider. Sie versuchte sich an die Erinnerung zu klammern, den Klang seiner Stimme in ihrem Gedächtnis festzuhalten – vergebens. Das Echo verschwand und mit ihm die gesamte Szenerie.

Mit einem Mal wich die Wiese einem eisigen Marmorboden. Die schwarzen und weißen Fliesen glichen einem Schachbrett, in dessen Mitte Aeliana lag. Ein sengender Schmerz schoss durch ihre Arme, ließ sie aufheulen und sich zusammenkrümmen. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als die schwarze Haut von ihren Armen zu reißen, damit dieses Stechen endlich aufhörte. Um sie herum wütete ein Höllenfeuer, das den prachtvollen Saal, in dem sie gefangen war, vollständig zu verwüsten drohte. Oder zumindest fast vollständig. Denn wie durch ein Wunder blieb Aeliana verschont.

Langsam schritt eine Gestalt durch das Feuer auf sie zu. Es war ein weiterer Ritter – ein wesentlich Furchteinflößenderer als der, dem Aeliana auf der Wiese begegnet war. Statt goldener Ätzungen und Stiche zierte ein Rippenbogen den Brustpanzer der grässlichen Gestalt. Die Flammen wichen vor ihm zurück und gewährten einen Blick auf Berge von Knochen. Überall Knochen. Aber am schlimmsten war der Totenschädel, der sie aus leuchtend roten Augen anstarrte.

Aeliana konnte sich keinen Millimeter rühren. Sie war zu schwach. Es kostete sie schon Unmengen an Kraft, die Augen aufzubehalten, während sich die Kreatur in der Knochenrüstung neben sie kauerte. Einen Moment lang musterte er sie schweigend. Genoss er ihren Schmerz? Er wirkte auf sie wie jemand, der sich am Leid anderer ergötzte. Überraschenderweise hob er sie allerdings in seine Arme und beeilte sich, sie wegzubringen.

„Die Schwalbe – wohin ist sie geflogen?“, fragte er, während er sie eine Treppe hinuntertrug. Seine Stimme klang unmenschlich – verzerrt und knurrend. Doch letzten Endes hatte er sie aus den Flammen gerettet. Sie konnte ihm vertrauen, oder?

„Flog der Sonne entgegen“, wisperte sie.

Er nahm sich einen Moment Zeit, als musste er ihre Worte bedenken, ehe er sich erneut an sie wandte: „Denk daran, dass du mir dein Leben schuldest.“

„Natürlich.“

„Es wird der Tag kommen, an dem ich dich im Gegenzug um einen Gefallen bitten werde. Und du wirst mir meinen Wunsch erfüllen.“

„Ja…“

Dearme nawr, luned. Averreath’angén aen treise, aen va'esse deireádh aep eigean, va'esse eigh faidh'ar a'taeghane.”

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A/N: Erstmal herzlich Willkommen zu meiner ersten Witcher-FF! Freut mich, dass ihr schon mal bis hierher gelesen habt und natürlich hoffe ich, dass euch der Prolog gefallen hat :)

Bevor's mit Kapitel 1 weitergeht, eine kurze Anmerkung:
Ich hoffe ja, dass Netflix und David Peterson uns genug Material liefern, dass irgendwann mal jemand so eine Art Translator für die Ältere Rede bauen kann, idealerweise inklusive der ganzen Dialekte. Bis dahin müssen wohl die Wörterbücher im Witcher-Wiki und ein bisschen Improvisation herreichen :D Soll heißen: Ab und zu lasse ich vielleicht mal ein paar Sätze in Hen Llinge – oder Dialekten – einfließen. Leider ist das Vokabular natürlich bisschen begrenzt, aber da die Sprache ja auf Walisisch und Irisch basiert, helfe ich mir da teilweise weiter. Aber ich bin kein Linguist, also wird's jetzt natürlich nicht suuuper ausgereift oder so :'D
Falls ich Phrasen aus einer der Sprachen aus dem Witcher-Universum verwenden sollte, findet ihr die Übersetzung immer am Ende des Kapitels.

Evellienn esse gaed, luned: Alles wird gut, Mädchen.
Dearme nawr, luned. Averreath’angén aen treise, aen va'esse deireádh aep eigean, va'esse eigh faidh'ar a'taeghane.: Schlaf jetzt, Mädchen. Du wirst deine Kräfte brauchen, denn heute ist der Tag, an dem etwas endet und etwas beginnt.
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