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Sommergewitter

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Conan Edogawa / Shinichi Kudo Kaito Kid / Kaito Kuroba Ran Mori Shiho Miyano / Ai Haibara
20.08.2020
04.05.2021
8
7.323
2
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04.05.2021 1.365
 
Die darauffolgenden Wochen waren geprägt von einem Gefühl der inneren Leere. Ich versuchte für Ai da zu sein, wie sie es für mich getan hatte. Auch meldete ich mich bei Aoko, ging mit ihr einkaufen, und auf Shoppingtouren. Sie wollte mich damit ablenken und ins Leben zurückholen, doch ich funktionierte nur noch mechanisch. Mein Herz fühlte sich ausgebrannt und leer an. Irgendwie schaffte ich dennoch kleinere Auftritte.

Wenn ich allein zuhause war, saß ich meist da und grübelte.

Was hätte ich anders machen können?
Wie hätte ich meinen Partner umstimmen können? Hätte er vielleicht doch auf mich gehört, und das Gegengift nicht genommen?
Wie hätten wir unsere gemeinsame Zeit intensiver nutzen können?

Diese und weitere Fragen gingen mir immer wieder durch den Kopf. Wie ein verdammtes Gedankenkarussell.
Ich war ein wenig dankbar, als mein Handy klingelte.

„Hallo Aoko.“
„Hey, Kaito. Du …“
„Nun sag schon, was ist los?“ Ich hatte meine beste Freundin selten so zögerlich erlebt.
„Ran ist bei mir, sie würde gerne mit dir über Conan sprechen.“
Nun war ich es, der überrumpelt schwieg.
„Kaito?“
„Ich bin noch da. Wenns sein muss, kommt vorbei“, hörte ich mich sagen und verfluchte mich im selben Moment dafür.
„Okay“, kam es ein wenig fröhlicher von meiner besten Freundin, und schon legte sie auf.
Ich seufzte und begann ein wenig Ordnung in meiner Wohnung zu schaffen, etwas, das ich in den letzten Wochen vernachlässigt hatte. Außerdem setzte ich Kaffee auf.

Wenig später klingelte es und die beiden jungen Frauen standen vor der Tür. Ran verbeugte sich leicht und lächelte tapfer. Auch ihr sah man den Schmerz an, den sie fühlen musste …
„Kommt rein. Willst du Kaffee, Ran?“
„Ja, gerne, danke.“
„Ich mit Milch und Zucker“, rief Aoko aus dem Wohnzimmer.
„Weiß ich doch“, gab ich zurück.

Die beiden saßen auf der Couch, während ich es mir im Sessel bequem machte. Wir nippten schweigend an unseren Tassen. Als mir die Stille zu laut wurde, ergriff ich das Wort.
„Du wolltest etwas über Conan wissen?“ Mein Pokerface saß perfekt, so hoffte ich. Nicht, dass es mich mal wieder im Stich ließ …
Rans trauriger Blick traf auf meinen. Ich wich ihr sicherheitshalber aus.
„Er war wie ein kleiner Bruder für mich. Wir haben uns so gut verstanden. Und nun ist er ohne ein Wort zu sagen wieder abgereist“, murmelte sie traurig.
„Seine Eltern haben ihn von der Schule abgeholt, richtig?“
„Ja … Ich hoffe nur, dass es wirklich seine Eltern waren. Nicht, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.“ Ran wischte sich Tränen aus den Augenwinkeln. Aoko griff nach ihrer Hand und drückte sie mitfühlend.
„Das denke ich nicht“, sagte ich mit fester Stimme. Ran schaute überrascht auf. Ich biss mir auf die Zunge. Sollte ich, oder sollte ich es nicht verraten?
„Ich glaube, dass es ihm gut geht.“
„Aber warum meldet er sich nicht mal? Er ist Shinichi so ähnlich …“
Ich schluckte meinen Kloß im Hals herunter, doch je mehr ich mich anstrengte, so größer wurde er.
„Hat er sich bei dir verabschiedet, Kaito?“
„Nein, auch nicht.“ Es stimmte sogar. Wir hatten uns nicht wirklich voneinander verabschieden können. Ran schaute zu Boden und nickte leicht.
„Hast du versucht, ihn anzurufen?“ Ich wusste jedoch, dass sein Handy aus war.
„Ich habe ihn nicht erreichen können.“
„Das ist blöd..“, meinte ich nur.

Wir schwiegen eine Weile voller Trauer. Ich fing Aokos Blick auf und bemerkte, dass Ran nun ihr Weinen nicht mehr zurückhalten konnte.
„Aber hey. Er wird uns sicher in seinem Herzen behalten“, versuchte ich die Stimmung etwas zu heben.
„Auch wenn er nun seine alten Freunde wieder hat. Er ist bestimmt froh darüber und wird sich irgendwann melden.“
Ran schaute auf und lächelte sanft.
„Danke“, meinte sie und schien es ehrlich zu meinen.
„Auch wenn es nicht leicht ist, ihr schafft das schon“, meinte Aoko nun und lächelte aufmunternd.
Ich versuchte mich ebenfalls an einem Lächeln und merkte, wie sich auch meine Stimmung etwas hob.

Es war wirklich nicht leicht, mit Shinichis Verlust umzugehen. Doch ich hatte meine Freunde um mich und wir würden es schaffen.


~~~ 1 Jahr später ~~~

Es war ein wunderbar warmer, sonniger Abend im September, das weiß ich noch. Ich hatte gerade einen Auftritt hinter mich gebracht und verspürte Freude in mir, ein Gefühl, dass ich noch immer nur selten fühlte. Shinichi fehlte mir wahnsinnig. So beschloss ich, mal wieder sein Grab zu besuchen.

Ich lenkte mein Auto sicher durch die Straßen, und parkte unweit des Friedhofs. Elegant wich ich den Pfützen aus, die der Sommerregen gefüllt hatte. Mit einem bitteren Gefühl dachte ich an die Gewitter von vor einem Jahr zurück. Waren sie ein böses Omen gewesen?

Doch jetzt strahlte die Sonne noch knapp über dem Horizont und ließ mich Hoffnung schöpfen. Ich hatte seinen Tod mittlerweile akzeptiert. Der Platz in meinem Herzen war jedoch noch immer nicht gefüllt. Ich war nicht bereit dafür und würde es wohl auch nie sein, dachte ich mir.

Haibara kam mir in den Sinn. Sie war nun bald zwölf Jahre alt und wuchs zu einer jungen Frau heran. Sie machte es richtig, wollte ihr neues Leben genießen, seit dem Neustart als kleines Mädchen.

Doch ich machte ihm keine Vorwürfe mehr.

Lächelnd stand ich vor seinem Grab und betrachtete sein Bild.
„Hallo, Shinichi.“
Ein leichter Wind kam auf. Ob er das wohl war? Ich wartete gespannt, doch mehr tat sich nicht. Dennoch kam in mir ein Gefühl tiefen Friedens auf. Wie als würde Shinichi nah bei mir sein. Ich genoss es in tiefen Zügen. Es war, als würde mein Herz sich langsam von den vergangenen Qualen erholen und heilen.

In Gedanken versunken schwelgte ich in Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit. Unser Kennenlernen am Glockenturm kam mir in den Sinn. Meine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Schon damals wusste ich, dass Shinichi etwas ganz Besonderes war. Er war ein würdiger Gegner und ein wundervoller Partner. Auch wenn er die meiste Zeit als Steppke herumlaufen musste, so schätzte ich doch immer seine Gesellschaft.



Eine Träne lief meine Wange hinab, doch ich wischte sie nicht weg. Irgendwie wusste ich, dass ich nun gehen sollte. Ich lief den Weg zurück und stieg in mein Auto. Rückwärts lenkte ich es aus der Parklücke heraus und wollte auf die Straße fahren.

Der heranrasende Wagen war viel zu schnell, sodass ich ihn erst im letzten Moment bemerkte.



Das nächste was ich sah, war mein völlig verbeultes Auto, welches zwischen zwei anderen Wagen eingequetscht war. Doch ich war nicht drin, nein, ich stand daneben und fühlte keinerlei Schmerzen. Das einzige was ich fühlte, war Verwunderung.

Wie konnte das sein?

„Hallo, Kaito“, sagte eine vertraute Stimme neben mir. Nein, er hatte nicht direkt gesprochen, viel mehr fühlte ich seine Stimme in mir.

Ich traute meinen Ohren kaum. Konnte das wirklich wahr sein? Langsam drehte ich mich herum.

„Shinichi …! Bist du das?!“
„Ich bin es“, sagte er lächelnd.
„Aber wie …“ Sein Blick wanderte zu meinem kaputten Auto und verdunkelte sich.
„Du hattest einen Unfall, Kaito. Der Krankenwagen wird gleich hier sein, aber es ist zu spät.“
„Dann bin ich…“
„Tot, ja.“
Ich schwieg einen Moment in Fassungslosigkeit.

„Der große Kaito Kuroba stirbt bei einem Autounfall“, sagte ich, und lachte bitter.
„Und nun?“ Ich blickte meinen Schatz ratlos an.
„Komm mit. Es gibt da einen schönen Ort. Eine andere Welt, zu der du jetzt auch gehörst.“
Er lächelte sanft und tiefe Liebe lag in seinem Blick, als er mir die Hand reichte. Einen Moment lang dachte ich an meine Freunde, die ich zurücklassen würde.
„Sie würden mich eh nicht wahrnehmen, oder?“ Ich dachte mir schon, dass Shinichi mich verstehen würde, und er tat es.
„Ja. Die Verstorbenen sind für die meisten Lebenden unsichtbar.“

Ich warf einen Blick auf die Autos und die Menschen, die inzwischen gekommen waren. Sie wollten wohl Hilfe leisten und hatten den Mann aus dem Wagen geholt. Ich fühlte jedoch keine Wut auf den Unfallverursacher.

„Dann… lass uns gehen!“ Ich war bereit.
Ich ergriff die Hand meines Freundes und wir schritten, wieder vereint, dem goldenen Licht der Sonne entgegen.


~ Ende  ~

So~ und damit ist auch diese FF nun beendet. Hat sie euch gefallen? Was sagt ihr zum letzten Kapitel? *neugierig ist* Schreibt mir gerne einen Kommentar oder eine Mail. ~ Mondscheindieb <3
 
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