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Sommergewitter

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Conan Edogawa / Shinichi Kudo Kaito Kid / Kaito Kuroba Ran Mori Shiho Miyano / Ai Haibara
20.08.2020
04.05.2021
8
7.323
2
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04.05.2021 1.011
 
Happy Birthday, Shinichi Kudo!

Zu seinen Ehren gibt es heute gleich zwei Kapitel. Warum? Nun, ich will euch nichts verraten, lest selbst. =)

***

Die Tage zogen vorbei, ohne dass sich etwas veränderte. Ich fühlte mich zunehmend unwohl in meiner Haut und einkaufen sollte ich auch mal wieder. So erhob ich mich von meiner Couch, auf der ich in den letzten Tagen viele Stunden verbracht hatte und ging ins Badezimmer. Meine Freunde hatten Recht gehabt. Ich sah wirklich furchtbar aus. Seufzend entledigte ich mich meinen Sachen und duschte erst einmal ausgiebig. Das lauwarme Wasser tat mir gut und brachte meinen Kreislauf wieder in Gang. Plötzlich drangen Bilder in meine Gedanken. Shinichi und ich unter der Dusche. Zunächst hatten wir uns ganz harmlos eingeseift, bevor unsere Lippen sehnsüchtig zusammenfanden und unsere Hände auf Reisen gingen …

„Verdammt!“ Ich schlug mit der Faust gegen die Fliesen und konnte es nicht verhindern, dass mir schwindlig wurde und sich neue Tränen anbahnten. Ich vermisste ihn so sehr. Es tat so unendlich weh, dass ich ihn nie wieder sehen würde. Zumindest glaubte ich das zu diesem Zeitpunkt. In meiner Brust breitete sich ein brennender Schmerz aus. Erschrocken legte ich eine Hand auf meinen Brustkorb, doch ein Herzinfarkt fühlte sich anders an, wie ich mal gelesen hatte. Oder hatte Shinichi es mir gesagt? Ich wollte es dennoch abklären.

Frisch geduscht und rasiert trocknete ich mich gründlich ab und schlüpfte in frische Klamotten. Mein Spiegelbild grinste mich schief an, wirkte jedoch mehr wie eine Grimasse als ein Grinsen. Schnell wählte ich die Nummer meines Arztes, um einen Termin zu machen.

***

Nach dem Arztbesuch wollte ich eigentlich nach Hause laufen, doch ich versank in Gedanken, sodass meine Füße wie automatisch den Weg zu Haibara und Agasa liefen. Ich stand vor dem seltsamen Haus und schluckte. Nicht nur mein Herz brannte, auch meine Augen taten es. Ich schniefte und wischte hastig über meine Augenwinkel. Sollte ich wirklich da rein…? Vielleicht gab es einen Grund, aus dem ich unbewusst hierher gekommen war?

Agasa öffnete die Tür und lächelte freundlich, doch überrascht.
„Hallo Kaito, was machst du denn hier? Mit dir habe ich ja gar nicht gerechnet.“
„Ich schon. Komm rein“, rief es von etwas weiter weg. Ich nickte ihm zu und trat vorsichtig ein, während ich hoffte, dass mein Pokerface gut saß.
„Hallo Ai“, grüßte ich das Mädchen, was gerade die Treppe hinauf kam.
„Hallo. Kaffee?“
„Ja, gerne.“
Wir setzten uns ins Wohnzimmer, der Professor meinte jedoch, dringend an einer neuen Erfindung werkeln zu müssen. So waren wir beide allein.
„Ich dachte mir schon, dass du kommst.“
„Warum?“
„Du wusstest es. Dass es etwas gibt, das du noch nicht weißt“, antwortete Haibara, doch schwieg dann abwartend.
„Und das wäre?“
„Hast du schon sein Grab besucht?“ Sie versuchte abzulenken.
„Nein. Ich will auch nicht.“
„Warum nicht?“
„Ich will einfach nicht.“
„Weil?“
„Hör auf zu fragen“, gab ich schlecht gelaunt zurück. Ihre Fragerei ging mir wirklich auf die Nerven und ich wunderte mich wirklich, was ich hier wollte.
„Ich sag es dir, wenn du seine Ruhestätte ansiehst.“
„Wozu?“
„Es hat seinen Grund. Und es ist gesund für dich, wenn du richtig Abschied nimmst.“
„…“
„Dir geht es nicht gut.“
„Woher weißt du das?“
„Du legst immer wieder unbewusst die Hand auf deine Herzgegend. Ich vermute, dass du Schmerzen hast.“
„Ich war schon beim Arzt“, murmelte ich, „es ist aber nichts Schlimmes.“
„Was hat er gesagt?“
„Die Schmerzen sind psychosomatisch.“
„Von deiner Trauer. Also echte Herzschmerzen.“
„Ja“, grummelte ich.
„Du ziehst dich immer noch zurück. Das ist eine ungesunde Art zu trauern, Kaito.“
„Sagt die, die Tag und Nacht im Labor verbringt.“
„Ich habe meine Gründe.“

Wir schwiegen und lieferten uns ein Blickduell. Ai seufzte schließlich und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee, ich tat es ihr gleich.
„Wenn ich schon zum Grab muss“, murmelte ich genervt, „dann sag mir, was los ist.“
„Kommst du da nicht selber drauf?“
Ich wollte etwas sagen, doch stockte. Ai hatte für einen kurzen Moment so verletzlich ausgesehen, wie als wäre sie wirklich noch ein Kind, das mit der Situation maßlos überfordert war.
„Ai, wir…“
„Komm, lass uns gehen.“
Sie stand auf und ging zur Tür, ohne sich noch einmal umzudrehen. Ich trank meinen Kaffee aus und folgte ihr kopfschüttelnd.

Wir liefen schweigend nebeneinander. Dunkle Wolken schoben sich vor die Sonne und ein kühler Wind kam auf. Mich fröstelte es ein wenig, was ich darauf schob, dass ich bald wirklich vor seinem Grab stehen würde … Wir betraten den Friedhof und gingen durch das eiserne Tor, vorbei an geschmückten Urnengräbern und Grabsteinen. Der Schmerz in meiner Brust fühlte sich stärker an als zuvor, wie als würde eine Hand mein Herz umschließen und zudrücken.
„Sind wir bald da?“ Ich schaute mich kaum um, aus Angst, sein Grab zu entdecken.

Plitsch, Platsch

Dicke Regentropfen prallten auf uns herab. Ai nahm meine Hand und dirigierte mich in Richtung eines Baumes. Vermutlich wollte sie sich dort unterstellen. Der Regen wurde stärker und stärker, doch wir hatten Glück und standen trocken unter den Ästen des Baumes.
„Und nun warten wir hier?“
„Wir sind da.“
„Oh“, meinte ich nur, und mein Blick fiel auf das reich geschmückte Grab, auf dem ein schwarz gerahmtes Foto von meinem Schatz stand.

Ich schluckte. Dann trat ich näher heran und ging in die Hocke. Dass der Regen meine Haare und Sachen durchnässte, störte mich kaum noch.
„Shinichi…“, murmelte ich leise. Ai stand neben mir und schwieg. Außer uns war keiner weiter anwesend. Vielleicht war auch das ein Grund, dass Ai ihre Maske fallen ließ.

Ich hörte ihr Schluchzen, was immer lauter wurde.

„Ai…“

„Sag nichts“, brachte sie mühsam hervor.
„Du hast ihn auch geliebt …“

Sie nickte nur.

Schweigend knieten wir nebeneinander und gaben unserer Trauer den Raum, den sie brauchte. Das Wasser lief nur so über unsere Gesichter und mischte sich mit unseren Tränen. Ich legte meinen Arm um Ais Schultern und zog sie leicht an mich heran. So konnte ich sie ein wenig trösten, hoffte ich zumindest.

„Morgen bringe ich dir auch etwas Schönes…“, murmelte ich leise, mit dem Blick fest auf Shinichis Foto gerichtet.


Fortsetzung folgt im letzten Kapitel...
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