Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Black and Ginger

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Het
Patricia Rakepick Severus Snape
20.08.2020
31.12.2020
23
52.570
3
Alle Kapitel
54 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.12.2020 2.661
 
Guten Morgen ihr Lieben,

heute kommt wieder einmal ein Kapitel und dies wird das vorletzte sein, bevor es am kommenden Donnerstag mit der Geschichte zu Ende geht.  Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eine Rückmeldung zu dem Kapitel geben würdet!

Hoffentlich seid ihr auch am Donnerstag zu dem großen Finale dabei. Ich freue mich darauf!

Liebe Grüße
RedQueen0010


~~~♕~~~


Kapitel 22: Verlorene Lieben



Donnerstag, 04. März 1976
Hogwarts, Krankenflügel


Severus konnte vor Müdigkeit kaum noch die Augen offenhalten. Er wusste nicht, wie spät es war, doch er war sich sicher, dass Mitternacht bereits vergangen und ein neuer Tag angebrochen war.
Madam Pomfrey hatte sich über die Gryffindor gebeugt, um ihre Verletzungen zu versorgen. Neben ihrem Bett standen Dumbledore sowie McGonagall und Severus selbst hielt sich eher etwas abseits vom Geschehen.

„Wird sie wieder gesund werden, Poppy?“, fragte McGonagall besorgt.

Sie hatte die Hände unter dem Kinn gefaltet und blickte die Heilerin mit einem sorgenvollen Blick an. Madam Pomfrey wandte sich für einen Augenblick von der Verletzten ab und sah zu dem Schulleiter und seiner Stellvertreterin.

„Davon gehe ich aus“, meinte sie. „Sie wird allerdings einige Zeit brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen.“

Die Hauslehrerin Gryffindors nickte verstehend. Dann wandte sie sich an Severus. Dieser stand wie angewurzelt da, als sie und Dumbledore ihn mit einem forschen Blick ansahen.

„Mr. Snape“, begann McGonagall mit einer beherrschten Stimme. „Sie müssen uns so detailreich wie möglich erzählen, was heute Nacht-“

„Minerva“, sprach die beruhigende und gelassene Stimme des Schulleiters und er hob eine Hand, um ihr zu signalisieren, dass sie still sein sollte. „Ich denke, unser junger Severus braucht erst einmal eine ruhige Nacht nach diesem aufwühlenden Ereignis. Morgen werden wir alles bereden, aber zunächst sollten Sie sich in die Kerker begeben und sich ausruhen.“

Severus nickte dem Schulleiter etwas zögerlich zu und bevor McGonagall noch einmal den Mund öffnen konnte, verließ er auch schon mit eiligen Schritten den Krankenflügel.
Er hatte den Moment, an dem Dumbledore ihn gehen lassen würde, sehnsüchtig erwartet, denn er hatte es nicht länger ertragen können, in Anwesenheit der Lehrer sowie Rakepicks zu sein. Rakepick…

Severus wusste nicht, ob er richtig gehandelt hatte, als er sich dazu entschieden hatte, die Hexe in den Krankenflügel zu bringen. Er wusste, dass die andere Alternative ihr Tod gewesen wäre und dies war ebenso nicht zufriedenstellend, wie die Entscheidung, die er getroffen hatte. Er hatte das Gefühl, dass er sich mit keiner Entscheidung gut gefühlt hätte, denn letztendlich hätte alles seinen Preis gehabt.
Severus seufzte erschöpft, als er sich auf den Weg in die Kerker machte. Das Schloss war unheimlich still, sodass nur Severus‘ Schritte zu hören waren, die in den Gängen widerhallten. Doch noch bevor er die Treppen, die in die Kerker führten, erreicht hatten, hörte er plötzlich das Geräusch von weiteren Schritten.
Der Slytherin hielt den Atem an, als er sich umdrehte und zwei Gestalten auf sich zugehen sah. Wegen ihrer Größe musste es sich um Schüler halten, wie Severus dachte und er hatte schon eine böse Vorahnung, um welche Schüler es sich dabei handelte.

Im Schein der Fackeln wurden ihre Gesichter nun sichtbar und Severus hätte am liebsten auf der Stelle kehrtgemacht und sich aus dem Staub gemacht, doch hatte er nicht kurze Zeit zuvor zu Rakepick gesagt, dass er nicht mehr weglaufen würde?
Wie konnte er die Hexe so übel zurichten und in den Krankenflügel bringen und daraufhin vor den Rumtreibern den Schwanz einziehen und wie ein Feigling weglaufen?

„Schniefelus“, hörte er plötzlich Potters Stimme rufen.

Er und Black kamen ihm immer näher, bevor sie nur wenige Schritte vor ihm stehenblieben. Severus stellte verwirrt fest, dass sie ihre Zauberstäbe nicht auf ihn gerichtet, sondern lediglich ihre Hände zu Fäusten geballt hatten.

„Lasst mich in Ruhe“, zischte Severus entnervt, doch bevor er sich überhaupt umdrehen konnte, ergriff Potter erneut das Wort.

„Wir haben mitgekriegt, dass du dich heute Nacht mit Rakepick auf dem Schlossgelände getroffen hast.“

Severus schluckte schwer. Er dachte daran, dass sie der Hexe vielleicht gefolgt waren und das Geschehen und seine Tat somit beobachtet hatten. Wäre dies der Fall, war Severus ein toter Zauberer, denn die Rumtreiber wollten sich sicher für das rächen, was er Rakepick angetan hatte.

„Sie schien ziemlich aufgebracht zu sein“, sagte nun Black mit einer Spur von Neugier. „Was hast du angestellt, dass du sie so verärgert hast?“

Severus schlussfolgerte daraus, dass die Rumtreiber nichts von den Geschehnissen auf dem Schlossgelände wussten, sondern sie lediglich davon Wind bekommen hatten, dass Rakepick sich dort mit ihm hatte treffen wollen. Innerlich atmete er tief aus. Doch die Gefahr war noch nicht vorüber, denn schließlich war er in der Anwesenheit niemals sicher.

„Was geht euch das an?“, entgegnete Severus waghalsig.

Potter hob überrascht die Augenbrauen, doch konnte sich schnell wieder fassen.

„Seit wann dieser Ton, Schniefelus?“, fragte er drohend.

Doch Severus reagierte gar nicht darauf und hob nur das Kinn. Vielleicht hatte es doch auch etwas Gutes gehabt, so viel Zeit mit Rakepick zu verbringen, denn dadurch hatte er tatsächlich gelernt, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen und selbstsicherer zu werden.
Vermutlich war es aber auch noch die Wut und der Hass auf Rakepick, dass sie seine und Lilys Beziehung nun endgültig zerstört hatte, was sein Blut zum Kochen brachte und ihn somit waghalsiger werden ließ.

„Ich habe keine Angst vor euch“, sagte Severus ernst. „Nicht mehr.“

Potter stieß ein freudloses Lachen aus und Black machte fast schon einen fassungslosen Gesichtsausdruck.

„Dass ich nicht lache“, rief Potter.

Er wechselte einen kurzen Blick mit seinem Freund und konzentrierte sich dann wieder ganz auf Severus. Das breite Grinsen auf seinem Gesicht war verschwunden und er sah nun wieder aus, wie Severus es gewohnt war: angriffslustig und streitsuchend.

„Du nimmst den Mund für jemanden, der bisher immer nur weggelaufen ist und sich nicht gewehrt hat, ganz schön voll“, sagte er.

Severus fragte sich bereits, wann die beiden ihre Zauberstäbe zücken würden, doch er wartete vergebens. Stattdessen begann Potter die Ärmel seines Hemdes hochzukrempeln und kurz darauf tat Black es ihm gleich.
Severus wusste nicht, was er tun sollte. Wenn sie mit bloßen Fäusten kämpfen würden, wären die Rumtreiber ihm eindeutig überlegen, doch er konnte sich vorstellen, dass, wenn er seinen Zauberstab auf sie richten würde, sie es ihm gleichtun würden.

„Sehen wir doch mal, ob du immer noch so eine freche Zunge haben wirst, wenn du bekommt hast, was du verdient hast“, drohte Potter und machte einen Schritt auf Severus zu.

Der Schwarzhaarige rührte sich nicht und blickte nur auf einen Punkt hinter den Rumtreibern. Er glaubte dort einen Schatten gesehen zu haben, der ihm in diesem Moment sogar das Leben retten konnte.

„Was machen Sie denn alle hier?“

Die Rumtreiber fuhren zusammen und wurden plötzlich kreidebleich im Gesicht. Severus konnte ein kleines Lächeln auf den Lippen nicht verbergen. Die Urheberin dieser herrischen Stimme trat aus dem Schatten und musterte die drei Schüler genau. McGonagall hob eine Augenbraue.

„Also?“

Severus fiel auf, dass sie hauptsächlich die Schüler ihres Hauses ansah. Er dachte, dass sie wahrscheinlich davon ausging, dass die Rumtreiber ihn auf dem Weg zu seinem Gemeinschaftsraum aufgehalten hatten.

„W-Wir haben nur nach Rakepick gesucht, Professor“, antwortete Black etwas zögerlich. „Sie war letzten Abend nicht im Gemeinschaftsraum.“

Severus wusste, dass es keine Rolle spielte, ob McGonagall den Rumtreibern glaubte oder nicht, dass sie sie so oder so zu ihrem Gemeinschaftsraum schicken würde.

„Ich werde Sie morgenfrüh in Ihrem Gemeinschaftsraum besuchen und Ihnen Auskunft über Miss Rakepicks derzeitige Befindlichkeit geben“, entgegnete McGonagall und sie schien kein weiteres Wort mehr darüber hören zu wollen. „Nun gehen Sie aber sofort und ohne Umwege in Ihren Gemeinschaftsraum.“

Black nickte seiner Hauslehrerin zu, doch Potter zeigte keinerlei Reaktion. Nachdem die Rumtreiber verschwunden waren, blickte McGonagall streng zu Severus.

„Und für Sie gilt das gleiche.“

Severus sah sie einen Moment schweigend an.

„Gute Nacht, Professor“, sagte er und wandte sich von ihr ab.

Er konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie die Gryffindors es wohl aufnehmen würden, dass ihre beliebte Mitschülerin so übel zugerichtet im Krankenflügel lag. Und besonders fragte er sich, wie die Rumtreiber wohl darauf reagieren würden.
Doch bevor er sich damit beschäftigen konnte, musste er sich eine Ausrede für diese Nacht ausdenken. Denn er würde Dumbledore niemals die Wahrheit über seinen erfundenen Fluch erzählen und damit seinen Schulverweis unterzeichnen.


*******


Severus hatte das Gefühl, nur etwa eine Stunde geschlafen zu haben, als bereits die Sonnenstrahlen durch die Vorhänge in das Zimmer hineinschienen und den Morgen ankündigten. Seine Zimmergenossen hatten zu seinem Glück bereits geschlafen, als er den Schlafsaal betreten hatte und somit hatten sie auch nichts von seinem nächtlichen Ausflug mitbekommen.
Langsam richtete er sich in seinem Bett auf und gähnte ausgiebig. Die letzte Nacht war lang und hart gewesen und er wusste, dass er sich an dem heutigen Tag überhaupt nicht auf den Unterricht konzentrieren würde.

Als er gerade mit mühseligen Bewegungen die Bettdecke zur Seite schlug und sich auf den Bettrand setzte, vernahm er plötzlich den Schrei einer Eule. Severus zuckte unwillkürlich zusammen und versuchte die Ursache für dieses Geräusch ausfindig zu machen.
Er blickte hinauf zur Decke und erschrak als er eine dunkelgraue Eule erblickte, die mit sanften und kaum hörbaren Flügelschlägen über seinem Kopf umherflog.

„Bring diese verdammte Eule zum Schweigen!“, murrte einer seiner Zimmergenossen und drückte sein Kopfkissen auf seinen Kopf, um das Krächzen der Eule nicht mehr hören zu müssen.

Severus wartete bis die Eule sich neben ihm niedergelassen hatte und ihn neugierig und mit funkelnden Augen anblickte. Der Slytherin konnte erst nach wenigen Sekunden wahrnehmen, dass die Eule ein gerolltes Stück Pergament an den Krallen trug, da er sich fühlte, als wäre er noch im Halbschlaf.
Er nahm der Eule ihre Lieferung ab und sah zu, wie sie sich wieder in die Lüfte erhob und aus dem Schlafsaal flog. Severus konnte es überhaupt nicht leiden, wenn Eulen in seinem Schlafsaal waren. Es war laut und manchmal wurde es sogar dreckig. Doch da die Schüler die Post von ihren Familien immer zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Großen Halle bekamen, wusste Severus, dass dieser Brief von jemandem aus Hogwarts kommen musste.

Nachdem Severus das Stück Pergament entrollt und überflogen hatte, seufzte er schwer.
Er hatte bereits geahnt, dass Dumbledore ihn noch vor dem Frühstück in seinem Büro sehen wollte, um die nächtlichen Ereignisse zu klären.
Schnell zog sich Severus seine Uniform an und griff sich seine Schultasche, damit er nach dem Gespräch sofort zum Unterricht gehen konnte. Das Frühstück würde an diesem Morgen wahrscheinlich wieder einmal ausfallen, doch da Severus eh keinen Appetit hatte, war ihm das nur Recht.
Ohne ein Wort an seine Zimmergenossen zu richten, verließ er den Schlafsaal. Im Gemeinschaftsraum saßen bereits einige Schüler, die völlig übermüdet noch die Hausaufgaben für den Tag nachholten. Severus erhaschte einen kurzen Seitenblick auf Lucius Malfoy und sein Gefolge, wie sie es sich in einer Ecke des Raumes bequem gemacht hatten.

„Snape“, rief Malfoy, doch der Schwarzhaarige ignorierte ihn und lief aus dem Gemeinschaftsraum.

Er konnte sich vorstellen, dass die Sache mit Rakepick sich bereits in der Schule rumgesprochen hatte und das Malfoy ihn nun darauf ansprechen und mehr erfahren wollte. Doch Severus hatte nicht vorgehabt, irgendwem auch nur ein Wort über die vergangene Nacht zu erzählen.

Als er den sich zum Frühstück begebenden Grüppchen von Schülern erfolgreich aus dem Weg gegangen war, erreichte Severus den Eingang des Büros des Schulleiters. Wie immer hatte Dumbledore das Passwort auf dem Brief vermerkt, sodass Severus ohne Umstände den Eingang passieren konnte und nun tief einatmend vor der Bürotür stand.
Er hatte sich zwar ein wenig Gedanken darum gemacht, was er Dumbledore sagen würde, doch manchmal hatte er das Gefühl, dass der Schulleiter die Wahrheit immer bereits kannte und dass es eigentlich überhaupt keine Rolle spielte, was er sagte.
Doch wie sollte er dieses Mal darauf kommen, dass Severus einen eigenen, gefährlichen Fluch erfunden und ihn auf Rakepick angewandt hatte?

Nachdem er geklopft hatte und die Tür sich auf magische Weise öffnete, betrat Severus das Büro des Schulleiters.

„Guten Morgen, Severus“, begrüßte ihn Dumbledore.

Er saß hinter seinem Schreibtisch und hatte Berge von Pergamentrollen sowie eine Feder vor sich liegen. Für einen Moment war Severus beeindruckt von seinem Schulleiter, dass er so früh am Morgen sich schon mit Papierkram beschäftigte.

„Bitte setzen Sie sich.“

Dumbledore wies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch, auf dem Severus zögerlich Platz nahm. Der Schulleiter faltete seine Hände auf dem Tisch und blickte Severus über seine Halbmondbrille hinweg an.

„Bitte erzählen Sie mir, was letzte Nacht vorgefallen ist und wie Miss Rakepick diese Verletzungen zugefügt wurden“, sagte er ruhig.

„Ich habe keine Ahnung, Professor“, antwortete Severus. „Ich war letzte Nacht noch ein wenig auf dem Schulgelände spazieren und habe deswegen vergessen, dass Professor McGonagall mich gebeten hatte, in ihrem Büro zu erscheinen. Auf dem Schlossgelände habe ich dann Rakepick entdeckt. Sie hat sich nicht gerührt und ich dachte bereits, dass sie tot ist.“

Er machte eine Pause und atmete tief ein. Anhand von Dumbledores Blick versuchte er zu erkennen, ob er ihm glaubte, doch Dumbledores Ausdruck war unergründlich. In diesem Moment hätte er alles denken können.

„Ich habe sie zu Madam Pomfrey gebracht und dann kamen Sie und Professor McGonagall dazu. Ich schwöre Ihnen, dass ich keine Ahnung habe, was Rakepick passiert ist.“

Dumbledore lehnte sich in seinem Stuhl zurück und musterte Severus aufmerksam. Der Slytherin spürte, wie stark sein Herz gegen seine Brust klopfte und seine Hände schwitzig wurden. Er wartete gespannt darauf, was Dumbledore als Nächstes sagen würde.

Der Schulleiter seufzte und sagte: „Nun, wenn Miss Rakepick sich etwas erholt hat, wird sie uns sicher erzählen können, was passiert ist.“

Severus nickte zustimmend, allerdings waren seine Gedanken alarmiert. Wenn Dumbledore mit Rakepick sprechen würde, würde sie sicherlich keine Sekunde zögern, um die Wahrheit zu sagen. Dann wäre es für ihn vorbei gewesen.

„Sind Sie sich sicher, dass Sie sonst nichts gesehen oder gehört haben?“, fragte der Schulleiter und Severus schüttelte zur Antwort mit dem Kopf.

„Nein, Professor.“

Dumbledore schwieg für einen Moment, als wartete er darauf, dass Severus doch noch die Wahrheit sagte, doch der Schwarzhaarige hatte nicht vorgehabt, dies zu tun. Er würde sich irgendetwas einfallen lassen müssen, damit Rakepick nicht der ganzen Schule erzählte, dass er sie so zugerichtet hatte.

„Nun gut“, sagte Dumbledore zögerlich. „20 Punkte Abzug für Slytherin! Dafür, dass Sie sich nachts auf dem Schulgelände und nicht in ihrem Schlafsaal aufgehalten haben.“

Severus machte einen leicht beschämten Gesichtsausdruck, nur um Dumbledore in dem Glauben zu lassen, ihm bedeuteten die Hauspunkte etwas. Doch in seinem Inneren hatte er eine völlig gleichgültige Haltung gegenüber der Hauspunkte, da sie für ihn kein Können oder Macht bewiesen. Sie zeigten lediglich, ob man sich an Regeln hielt und wie leicht man doch zu kontrollieren war.

„Ich hoffe sehr, dass Miss Rakepick sich bald erholen wird und sie uns erzählen kann, was ihr widerfahren ist“, sagte Dumbledore, den Blick weiterhin auf Severus gerichtet.

„Das hoffe ich auch, Professor“, stimmte er ihm zu.

Dumbledore nickte leicht.

„Vor dem nächsten Unterricht sollten Sie unbedingt noch etwas essen. Sie sehen aus, als hätten Sie eine Woche gehungert.“

Severus nickte, hatte allerdings nicht vor, in die Große Halle zum Frühstück zu gehen. Zum einen hatte er keinen Hunger und zum anderen würden alle Blicke auf ihn gerichtet sein, da er derjenige war, der Rakepick gefunden und in den Krankenflügel gebracht hatte. Vielleicht würden einige Schüler ihn sogar mit Fragen zuschütten.

„Haben Sie einen angenehmen Tag, Mr. Snape!“, rief Dumbledore zum Abschied, nachdem Severus sich bereits erhoben hatte.

„Vielen Dank! Sie auch, Professor Dumbledore“, erwiderte Severus.

Er drehte sich um und lief mit schnellen Schritten durch das Büro.

Bevor er allerdings die Tür erreicht hatte, rief Dumbledore: „Severus?“

Der Angesprochene blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich auf dem Absatz um. Der Schulleiter lächelte ihm entgegen.

„Sie wissen doch, dass jeder Zaubertrank seine Zeit braucht, um am Ende seine volle Wirkung zu entfalten. Die Frage ist nur, ob er auch richtig gebraut wurde.“

Severus runzelte die Stirn.

„Sie sprechen von Rakepicks Genesung, oder?“

Das Lächeln auf Dumbledores Gesicht dauerte weiterhin an.

„Natürlich.“

Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast