Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Strip-Poker und seine Folgen

KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
19.08.2020
02.11.2020
2
8.422
8
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
19.08.2020 8.392
 
... nicht meine Schuld, siehe Beschreibung. Aber mein Gott, es gab schon anno 2016 das gewisse Potenzial, also schaut mich nicht so an :D Und, ja: es ist etwas ausgeartet, ich weiß das.
Viel Spaß beim Lesen!
parva


Titel der Geschichte: Strip-Poker
Kaps: [1/Ja, was weiß denn ich?!]
Rating: P16/Slash
Genre: Romanze, Humor
Pairing: Ringsy (Richard ›Ringo‹ Beckmann/Ingo ›Easy‹ Winter)

Teil I - Ein verlockendes Angebot

»– noch jemand Glühwein?«, grinste Kay-C und schmiss ihre Poker-Hand umgekehrt auf den Couchtisch. Unter den allgemeinen Begeisterungsrufen ihrer Mitbewohner langte sie nach dem großen Edelstahltopf neben sich. Sie wollte Pacos Einwegbecher gerade mit dem Heißgetränk füllen, als sich die Wohnungstür öffnete.
»Hallo«, perplex starrte Easy seine Freunde an. »– w-was macht ihr denn da?«
»Strip-Poker«, antwortete Paco und ließ ein breites Grinsen aufblitzen. Er saß, den Oberkörper frei, neben Kay-C auf der Couch und schien im Gegensatz zu den anderen noch recht nüchtern zu sein.
»Willst du nicht mitmachen –«, schlug Elli selig lächelnd vor.
»Bloß nicht!«, fuhr Kay-C dazwischen und warf Easy einen hektischen Blick zu. Prompt brachen Ringo, Elli und Paco in ungläubiges Gelächter aus. »Sehr diplomatisch, vielen Dank auch«, spottete Easy. Die Hände in den Gesäßtaschen seiner Jeans vergraben, stand er neben der Couch. Hilfesuchend sah Kay-C in die Runde, ehe sie sich zu Easy umdrehte und ihn fast entschuldigend ansah: »Ja, guck mal, willst du wirklich blankziehen, wenn Ringo und Paco hier mit durchtrainierten Oberkörpern sitzen?«
Elli, die im Schneidersitz auf einer Seite des Tisches saß, strahlte sie an. »Also ich finde nicht, dass Easy sich schämen muss, Kay-C!« Während Paco seiner Freundin beipflichtete, trat Easy nervös auf der Stelle.
»Gut, dass wir das jetzt geklärt haben –«,
»Mensch, Easy«, beklagte Kay-C mit weinerlicher Stimme. »So war das gar nicht gemeint!«
»Doch, war es«, meinte Ringo trocken und schob die Schale mit den Erdnüssen in die Mitte des Tisches. »Aber lieber ein paar Kilos zu viel als ein paar Gehirnzellen zu wenig.«
Kay-C streckte ihm die Zunge raus: »Witzig!«
Ringo feixte. »Find‘ ich auch. Und du –«, fuhr er mit Blick auf Easy fort. »– setz‘ dich endlich hin.« Der Dunkelhaarige stand noch immer etwas unschlüssig neben der Couch. »Ich weiß nicht –«
»Ach, komm –«, unterbrach Ringo ihn und hob provokativ eine Augenbraue. »Willst du das echt auf dir sitzen lassen?« Kurz verengten sich Easys Augen zu Schlitzen, dann ließ er sich in einer einzigen fließenden Bewegung neben dem Blonden nieder.
»I'm all in«, entschlossen wartete er, bis Ringo ihm seine Karten austeilte. »Draw, du kennst die Regeln?«, fragte er und schob seinem Sitznachbarn fünf verdeckte Karten zu. Easy nickte knapp. »Gut«, fuhr Ringo fort. »Drunk Winner. Schmuck ablegen zählt, Unterwäsche ist Limit.« Aufmerksam sah Ringo den Älteren an. »Was legst du als erstes ab?«
»Mein Armband«, Easy verzog den Mund zu einem selbstbewussten Grinsen. »Wir woll‘n ja klein anfangen.« Ringo hielt seinem herausfordernden Blick stand.
»Na, das kann ja spannend werden.« Easys Mundwinkel zuckten verräterisch. »Unterschätz mich nicht«, sagte er leise.
Ringo öffnete gerade den Mund, um darauf etwas zu erwidern, als Kay-C genervt aufstöhnte und sich nach hinten gegen die Sofalehne fallen ließ. »Macht ihr euch jetzt den ganzen Abend schöne Augen oder spiel‘n wir heute auch noch mal?«


Gesagt, getan und bald hatte auch Elli einen beschwipsten Striptease hingelegt. Mit der Geringschätzigkeit einer selbsternannten Fashion-Ikone deutete Kay-C auf den entblößten Sport-BH. »Was ist das?!«
Etwas abwesend strich Elli sich eine Haarsträhne hinters Ohr. »Ja, konnt‘ ich ahnen, dass mein gemütlicher Couchabend beim Strip-Poker endet, nein«, fast liebevoll streichelte sie über das bunte Hai-Motiv.
»Touché«, kommentierte Easy und verbiss sich ein Grinsen.
»S-siehst du –«, fahrig deutete Elli auf ihre Cousine. »Easy v-versteht das!« Sie lallte bereits leicht, was aber wahrscheinlich eher an der aufkommenden Müdigkeit lag. Zugegeben, sie hatte den halben Glühwein alleine getrunken, aber wer an Billerbecker Brombeerschnaps gewöhnt war, den haute so schnell nichts um.
Kay-C zog pikiert die Nase kraus. »Der ist Punk, modisch sind für den auch deplatzierte Nieten und Sicherheitsnadeln.« Während Easy ihr einen leicht empörten Blick zuwarf, gab Ringo ein abfälliges Schnauben von sich. »Sagt die, deren erstes Attribut für Easy ›cool‹ war. Und jetzt hör auf, mich wie ein toter Fisch anzuglotzen –«, wie beiläufig nahm er Easys leeren Trinkbecher entgegen und hielt ihn Kay-C, ohne mit der Wimper zu zucken, unter die Nase.  »Mach‘ dich lieber nützlich, dich erträgt man nur besoffen.« Bei diesen Worten zwinkerte er Easy flüchtig zu.
Nach zwei weiteren Runden war Paco endgültig raus, und Elli half ihrem Freund giggelnd und unter den anfeuernden Rufen der anderen aus der Jeans. Jauchzend riss sie schließlich den Arm in die Höhe, verlor dabei das Gleichgewicht und plumpste geradewegs zwischen Kay-C und Paco aufs Sofa. Einen Augenblick hockte sie völlig perplex da, dann ließ sie sich gegen Pacos Schulter fallen und kuschelte sich an ihn. »I-ich glaub‘, es ‘s Zeit fürs Bettchen«, murmelte sie undeutlich und versteckte das Gesicht an Pacos Hals. »J-ja, das denk‘ ich auch, Prinzessin –«, lächelte der nur und blickte wissend auf sie hinab. Minuten später hatte Ringo ihm mit dem Rollstuhl geholfen, und Paco manövrierte sich mit seiner Freundin auf dem Schoß durch den Essbereich. »Also, gute Nacht, ihr drei«, verabschiedete er sich noch über die Schulter, danach schloss er die Zimmertür hinter sich. Das Türschloss klickte leise, und wie auf ein geheimes Signal stand Kay-C auf und zupfte ihren Rock zurecht. »Ich geh‘ dann auch nach oben«, meinte sie schnippisch, woraufhin Ringo und Easy einen verständnislosen Blick wechselten. Bitte, war nicht so, dass sie Kay-C unbedingt aufhalten wollten. »Gut«, sagte die dann auch schon spitz und warf sich die blonden Locken auf die Schulter. »Gute Nacht, und räumt auf, wenn ihr geht.«
»Aber sicher –«, brummte Ringo leise. Sein Blick glitt über den fast leeren Glühweintopf, verstreute Spielkarten und Chips-Krümel. Bloß keinen Finger krumm machen. Und wäre das nicht schon genug, machte auch Easy Anstalten zu gehen, sobald Kay-C außer Sicht war. »Bleib‘ doch noch –«, sagte Ringo schnell. Easy blieb an der Wohnungstür stehen, die Hand an der Klinke. Zweifelnd sah er Ringo an.
»Jetzt hab‘ dich nicht so, das Büdchen kannst du morgen auch von Tim aufschließen lassen«, versuchte Ringo ihn zu überreden. Easy Winter hin oder her, er war noch kein bisschen müde. Abgesehen davon verspürte er nicht die geringste Lust, dieses Chaos später – mal wieder – alleine zu beseitigen. Easy schien noch immer nicht so ganz zu wissen, was er von Ringos Angebot halten sollte.
»Du fragst mich, ob ich bleibe –«, er hob die Augenbrauen. »– freiwillig?« Ringo zuckte gleichgültig die Achseln. »Ist ja kein anderer mehr da, ne«, bemerkte er nüchtern und angelte sich sein gelbes Sweatshirt von der Sofalehne. Während er es sich über den Kopf zog, starrte Easy ihn nur kopfschüttelnd an. »Also, was ist jetzt?«, herausfordernd sah Ringo ihn an. »– oder hast du Angst, diesmal nicht nur Armband und Socken zu verlieren?«
Easy prustete kurz. »Wieso sollte ich? Das Auffälligste was du mit an den Tisch bringen kannst, ist dein aufgeblähtes Ego«, frotzelte er. Ohne eine weitere Bemerkung setzte er sich, diesmal an den Esstisch und beobachtete Ringo grinsend. »Echt ‘ne nette Abwechslung, dich für mich rennen zu sehen«, meinte er und streckte die Beine unterm Tisch aus.
»Dann präg’s dir mal gut ein«, erwiderte Ringo nüchtern. »In den Genuss wirst du so schnell nämlich nicht mehr kommen.« Die Getränke und Karten im Arm, kam er zu Easy herüber, und stellte alles vor ihm auf dem Tisch ab. »Schade«, demonstrativ schob Easy die Unterlippe vor, dann kam sein berüchtigtes Grübchengrinsen zum Vorschein.
Ringo, der die letzten kläglichen Überbleibsel des Glühweins auf ihre Becher verteilte, sah ihn durch seine Wimpern hindurch an. »Netter Versuch, aber glaub‘ ja nicht das dieser Dackelblick bei mir was bringt«, er mischte die Karten ein letztes Mal, dann legte er aus. »Ich zieh‘ dich sowas von ab.«
Easy schob sich die Zunge zwischen die Zähne. »Das werden wir ja sehen.«


Tatsächlich hatten sie beide eine gute Zeit. Lachend und scherzend forderten sie sich immer wieder neu heraus, versuchten den anderen zu bluffen. Doch so tapfer er sich auch schlug, irgendwann verließ Easy das Glück und er musste das erste Kleidungsstück wieder fallen zu lassen. Während Ringo theatralisch den Atem anhielt, kickte der Fotograf sich albernd grinsend die Schuhe von den Füßen. Das Ganze geschah so langsam und aufreizend, als hätte er nie etwas Erotischeres getan. Ein Moment der absoluten Stille verging, dann brachen sie in haltloses Gelächter aus – bis sich plötzlich eine ziemlich übellaunige Elli vor ihnen aufbaute.
Hustend und sich betreten räuspernd, sahen die beiden Männer sie an. »Ich bin müde«, begann Elli mit bedrohlicher Ruhe. »– und in meinem Schädel tanzen die Schweine Samba, also wenn ihr nicht wollt, dass ich gleich ziemlich ungemütlich werde, räumt ihr jetzt den Mist hier zusammen und wir sehen uns morgen alle erst wieder zum Frühstück.«
»Elli, schuldige, wir wollten nicht –«
»– ist mir egal«, fiel sie Ringo ungerührt ins Wort. »– wir wollen schlafen. Wenn ihr unbedingt weiterspielen wollt, bitte, macht das oben, aber seid verdammt noch mal leise!« Unter ihren mürrischen Blicken klaubten Ringo und Easy in Rekordzeit Spielkarten, Getränke und Klamotten zusammen und stolperten die Wendeltreppe hinauf. Ihr beschwipstes Kichern konnten sie dabei allerdings nur mühsam unterdrücken. Am oberen Treppenabsatz angekommen, hörten sie noch wie Ellis Zimmertür unsanft ins Schloss fiel. Easy schlug sich lachend die Hand vor den Mund. »N-noch ein Mucks, und wir werden vom Blitz getroffen«, presste er zwischen den Fingern hervor. »Deswegen lass‘ uns lieber verschwinden«, antwortete Ringo mit Flüsterstimme. »– bevor der Billerbecker-Fluch zuschlägt, und uns die tote Tante Trude auf den Hals hetzt.« Mit diesen Worten drängte Ringo den noch immer gickelnden Easy dazu, ihm zu folgen. Gemeinsam und so leise wie es ihr leicht alkoholisierter Zustand zuließ, schlichen sie über den dunklen Flur, vorbei an Kay-Cs Zimmer und dem Abstellraum.
»Da wär’n wir –«, mit einer Geste als hätten sie gerade die Rub al-Chali-Wüste durchquert, öffnete Richard eine Tür am Ende des Flurs. »Warte hier –«, sagte er mit gedämpfter Stimme zu Easy, streifte kurz seinen Rücken und verschwand im Türrahmen. Unkoordiniert tastete Ringo sich im Dunkeln an der Wand entlang, und kurz darauf wurde sein Schlafzimmer von dem matten Licht der einflammigen Stehleuchte erhellt. Auf unsicheren Füßen betrat nun auch Easy den Raum. »Krass, was ist das hier … Die Kulisse für das nächste Homestory-Shooting?!« Mit spöttisch hochgezogener Augenbraue beobachtete Ringo ihn dabei, wie er sich langsam und mit großen Augen um die eigene Achse drehte. »Was hast du denn erwartet, ‘ne miefige Mafia-Spelunke?«
Easy zuckte ratlos mit den Schultern und ging mit geruhsamen Schritten durch den Raum, bewunderte insgeheim die hochwertigen Möbel, die ausgewählten Accessoires und vollen Bücherregale. Sein Zeigefinger glitt die Buchrücken entlang, neben den obligatorischen Wirtschaftsbüchern fand sich auch eine Reihe dänischer Krimis, darunter Olsen und Madsen. Angenehm überrascht sah er über die Schulter zu Ringo. »Darf ich –?«
Von Easys Frage irritiert, sah Ringo auf. Er saß mit unterschlagenen Beinen auf dem Bett und war gerade dabei, das Kartendeck für eine neue Pokerpartie zu mischen. Als er Easys begeisterte Miene bemerkte, ließ er die Hände in den Schoß sinken. »Tu‘ dir keinen Zwang an –«, sagte er in betont gleichgültigem Tonfall. Vorsichtig zog Easy eines der Bücher aus dem Regal und strich mit leuchtenden Augen darüber. »So wie deine Romane aussehen, sammelst du glatt ‘n paar Pluspunkte«, scherzte er und hielt den makellosen Einband in die Höhe. Ringo schnaubte, aber es klang nicht halb so herablassend wie beabsichtigt. »Ein gestiegener Habensaldo auf Ingo Winters Sympathiekonto, ich hab‘ mein Lebensziel erreicht.«
»Ha-ha«, intonierte Easy und grinste spitzbübisch. Ringo schenkte ihm einen abschätzenden Blick: »Was ist jetzt, willst du ‘nen Buchclub gründen oder pokern?« Easy tippte sich dreimal leicht gegen das Kinn, als würde er tatsächlich darüber nachdenken wollen. Dann schob er Das Puppenkind sorgsam zurück an seinen Platz, und kam auf Ringo zu.
»So –«, sagte dieser konzentriert und achtete darauf, nichts von dem Rum-Cola-Gemisch zu verschütten, während er zwei Pappbecher auf seinem Nachtschrank abstellte. »Neue Runde, neues Glück.«
»– und ein paar nackte Tatsachen«, grinsend machte Easy es sich neben dem Jüngeren bequem.


Mehrere Runden später, johlte Ringo triumphierend auf und trank den Rest seines Rums in einem Zug leer. »Mein Beileid, Freundchen, du hast aber auch gar kein Glück!«
»Du mogelst doch!«, rief Easy aus und ließ seine Karten fallen. Fassungslos sah er zu, wie sich sein Gegenüber lässig zurücklehnte. »Du hast doch nur kein‘ Bock mehr, hier als einziger alle Hüllen fallen zu lassen«, antwortete Ringo. Sein Blick fiel dabei auf den Fußboden, wo Easys Schmuck, der Gürtel und seine Jeans lagen. Easy verdrehte nur lachend die Augen und warf ein Kissen nach dem Jüngeren. Es traf ihn mitten im Gesicht.
»Wenigstens sind meine Reflexe noch vorhanden, Captain Jack«, schadenfroh verschränkte Easy die Arme vor der Brust. Murrend fuhr Ringo sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar. »Ganz schon hinterhältiges Manöver für Everybody’s Darling.«
»Hab‘ vom Besten gelernt«, konterte Easy schlagfertig. Ein kaum merkliches Grinsen huschte über Ringos Gesicht. »Verstehe –«, murmelte er grüblerisch und griff sich in die Hosentasche. Verwirrt beobachtete Easy, wie der Blonde mit wenigen Klicks den Audio-Streaming-Dienst auf seinem Smartphone öffnete. Kurz darauf ertönte die mitreißende Melodie von Joe Cockers You Can Leave Your Hat On aus den Lausprechern und Easy hatte Mühe, seinen hysterischen Lachflash zu unterdrücken.
»W-was wird ‘nn das?«, japsend hielt er sich den Bauch.
»Das Trostpflaster für gute Verlierer«, erwiderte Ringo in verführerischem Ton. Easy verschluckte sich und sein Lachen ging in einen heftigen Hustenanfall über. »B-bitte?!«
Ringo ignorierte ihn, und begann langsam, sich im Takt der Musik zu bewegen. Baby take off your dress. Er trat langsam ans Bett, fiel in einer geschmeidigen Bewegung vor Easy auf die Knie. Yes, yes, yes.
»Fuck –«, mit spielerischem Entsetzen versuchte der Fotograf, ihn von sich wegzudrücken. »– du bist doch völlig übergeschnappt.« Einen Wimpernschlag lang zuckten Ringos Mundwinkel verräterisch, doch dann war seine Miene wieder ausdruckslos und er versetzte Easy einen leichten Stoß gegen die Brust.
Der Dunkelhaarige fiel mit einem überrumpelten Keuchen auf die Ellbogen und sah hinauf in Ringos unbewegtes Gesicht. Stand on this chair. Wieder schob Ringo sich über Easys Schoß und plötzlich erkannte der den Schalk in seinem Blick. That's right, raise your arms up into the air. Ringo stützte seine Hände auf Easys Schultern und bewegte seine Hüften rhythmisch zur Musik. Suspicious minds keep talkin', tryin‘ to tear us apart. Ringos Hände glitten verspielt über seinen Rücken und Easy schnappte lautlos nach Luft. Urplötzlich schien sich alles um ihn herum zu verlangsamen; alles was er wahrnahm, war der junge Mann vor ihm. They don't believe in this love of mine. They don't know I love you. Schelmisch grinsend lehnte Ringo sich ihm entgegen, sodass Easy reflexartig nach seinen Hüften griff, um ihn mehr schlecht und recht auf Abstand zu halten. Sweet darling.
Unvermittelt verlor Ringo den Halt, wodurch er halb auf Easy landete. Auge in Auge lagen sie da, und konnten den Atem des anderen auf ihrem Gesicht spüren. Leicht neigte Easy den Kopf nach vorn, wusste nicht was er tat. Fast im selben Atemzug bemerkte Ringo, wie Easy unter ihm erstarrte und ihn etwas geschockt ansah. Verdattert legte Ringo die Stirn in Falten, wollte schon fragen, was mit ihm los war. Doch es verging keine Sekunde, da traf es ihn wie ein Schlag. War das wirklich – »Na, da s-steht aber jemand wie ‘ne Eins«, spöttelte er und überspielte so das leichte Zittern in seiner Stimme nahezu perfekt. Easy schluckte schwer, dann stieß er den Blonden plötzlich und mit ungeahnter Kraft von sich. Sichtlich kopflos klaubte er seine Kleidung vom Boden, und ehe Ringo sich’s versah, war er schon in seine Jeans geschlüpft und stürzte geradewegs zur Tür. Fuck, nein, nein, nein –
»Hey, jetzt warte doch mal!«, mit einem Satz war Ringo aufgesprungen und packte Easy am Handgelenk. Dieser hielt abrupt in seiner Bewegung inne, starrte mit leerem Blick auf die geschlossene Zimmertür. »Bitte bleib«, hörte er Richard sagen, »– e-es tut mir leid.« Von der Aufrichtigkeit dieser Worte überrascht, sah Easy auf.
»Na also«, schmunzelnd trat Ringo einen Schritt vor. Easys Handgelenk hielt er dabei immer noch umklammert; der Dunkelhaarige spürte wie die Wärme der Fingerspitzen seinen Arm hinaufkroch. »I-ich –«, setzte er an, doch ihm brach die Stimme weg und er schluckte mühsam.
»Komm –«, fast behutsam zog Ringo den anderen zurück zum Bett. Eine Weile hockten sie schweigend nebeneinander an der Bettkante, das Pokerspiel längst vergessen. Unwichtig. Easys Gedanken schwirrten ziellos umher und er versuchte zwanghaft, Ringo nicht in die Augen zu sehen. Der legte ihm schließlich etwas zögernd eine Hand auf den Rücken.
»Easy, es ist okay, wirklich –«, begann er. »Das kann mal passieren, ich meine … I-ich weiß, wir beide gelten jetzt nicht unbedingt als die besten Freunde, aber ich würde das hier nie gegen dich verwenden.« Etwas verlegen blickte er Easy an. »Ich meine, wenn jemand weiß, wie es ist, wenn man – also nicht, dass das jetzt unbedingt ‘was bedeuten muss, aber … ich weiß wie … sehr einen das verwirren kann. Und wenn du reden willst –« Angespannt wartete Ringo auf eine Reaktion, doch als diese ausblieb ließ er seine Hand seufzend auf die Matratze fallen.
»Es bedeutet aber etwas«, murmelte Easy plötzlich und rutschte unruhig hin und her. »Das... das hat es immer.«
Verwundert kräuselte Ringo die Stirn. »Was meinst du damit?«
Easy atmete hörbar auf, sah Ringo direkt an. Hilflosigkeit, Gewissheit und Zweifel spiegelten sich in seinen Augen wider. »Kannst du dir das nicht denken?« Seine Stimme klang seltsam ruhig, wodurch Ringo bewusst wurde, dass für Easy nicht Selbsthass und Verdrängung das Problem waren. Es war etwas anderes, dass ihm die Sprache raubte. Davon neugierig geworden, legte Ringo den Kopf schief. »Du hast es einfach ignoriert«, stellte er staunend fest.
»Irgendwie schon«, schulterzuckend warf Easy sich auf den Rücken und starrte zur Zimmerdecke hinauf. »E-es war immer ein Teil von mir und... i-ich hab' das auch nie hinterfragt.«
Intuitiv streckte Ringo die Hand nach Easy aus und legte sie ihm beschwichtigend auf den Arm. »Hey«, sagte er ungewohnt einfühlsam. »– lass dir Zeit, du musst nichts... überstürzen.« Easy drehte den Kopf und schenkte ihm ein schwaches Lächeln. »Schon okay«, sagte er leise. »Tut gut, mal … darüber zu reden.« Er stieß einen lautlosen Seufzer aus. »Hübsch war hübsch, verstehst du?« Er lachte leise. »I-ich wusste immer, dass ich Männer attraktiv finde ..., dass ich das offen zugeben kann... aber der Rest; das mehr dahinter steckt –«, er leckte sich über die spröden Lippen. »… das hat sich einfach nicht ergeben.«
»Hättest du denn nie, nun –«, Richard zögerte kurz.
»– die Möglichkeit gehabt?«, ergänzte Easy belustigt und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. »Vielleicht, vielleicht nicht, keine Ahnung. Irgendwie hab‘ ich das Ganze irgendwann abgehakt«, er legte eine vielsagende Pause ein. »Es ist halt nie was passiert, weil – weil mir keiner so offensiv die Chance dazu gegeben hat wie heute.« Die Bedeutung dieses Satzes sickerte zäh und langsam in Richards Verstand, und ihm rauschte das Blut in den Ohren. »Ach so …«, aufgewühlt kaute er auf seiner Unterlippe herum und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihn Easys Geständnis reizte.
Der Ältere fuhr sich mit der Hand durchs Haar; der Ausdruck auf seinem Gesicht war für Ringo nicht zu deuten. »Und Ringo, ich … bin dankbar dafür«, räumte er nach einem Moment des Schweigens ein. »Auch, wenn’s für dich nur ein Spiel war.« Darauf wusste Ringo nichts zu sagen, er schluckte.
Schließlich suchte er Easys Blick, streckte wortlos eine Hand nach ihm aus. »›Wir spielen alle‹«, zitierte er leise. »– ›wer das weiß, ist klug.‹« Fasziniert vom Ausdruck von Neugier und Interesse in Richards Augen, ließ Easy die Berührung zu. Fast schüchtern streiften die Finger des Blonden Easys Handrücken. »Ist das okay –?«
Easy brachte keinen Ton heraus, nickte aber. Davon ermutigt, ließ der andere seine Hände langsam höher und über Easys Oberarme und Schultern wandern. Der Dunkelhaarige zog scharf die Luft ein, als Ringo die Konturen seines Schlüsselbeins nachzeichnete. Sofort zog Richard die Hände zurück, grub sie nervös im Stoff der Bettdecke. »Nein, schon gut«, versicherte Easy schnell, ein aufmunterndes Lächeln im Mundwinkel. Skeptisch erwiderte Ringo seinen Blick. »Wirklich, ich mein’s ernst –«, mit diesen Worten rutschte Easy zu ihm auf und ergriff seine Hände. Bedächtig führte er sie über seine Brust, konnte die Wärme durch den Stoff seines T-Shirts fühlen. Wie gebannt sahen sie sich in die Augen, Ringo spürte den Herzschlag des Älteren unter seinen Fingern. Ohne nachzudenken, lehnte er sich ein wenig vor und stieß mit der Nasenspitze sanft gegen Easys Wange.
»Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber i-ich würd‘ dich gerne küssen«, raunte er nah an seinem Ohr, was dem Dunkelhaarigen einen Schauer über den Rücken jagte. »Dann tu’s doch«, antwortete er tonlos und spürte, wie sich die Hände des anderen in seinen Nacken schoben, ihn sacht näherzogen.
»Wir gehen nur so weit wie du möchtest, okay?«, aufmerksam verfolgte Richard jede Regung auf Easys Gesicht. Dann überbrückte er das letzte Stück zwischen ihnen, küsste ihn vorsichtig auf den Mund. Kurz schreckte Easy zurück, zu überwältigt von der unbekannten Euphorie, die durch jede Faser seines Körpers schoss. Schwer atmend saß er da, während Ringo ihn leicht verunsichert beobachtete. »Easy, sorry, echt, ich –«, weiter kam er jedoch nicht, da er sich im nächsten Augenblick unter dem anderen Mann wiederfand.
»Halt die Klappe«, flüsterte Easy rauchig und fing Ringos Lippen zu einem weiteren, mutigeren Kuss ein. Und während sie einander auf diese Weise entdeckten, setzte Easys Verstand nach und nach aus. Er genoss es, Ringo so nah zu sein – auch wenn diese Situation vollkommen unwirklich, geradezu absurd war. Daher gab er auch einen mehr als unwilligen Laut von sich, als der Jüngere ihren Kuss irgendwann unterbrach. Atemlos und mit glänzenden Augen, lächelte dieser zu ihm hoch und strich sich eine verirrte Strähne aus der Stirn. Der Anblick von Easys fast schon enttäuschter Miene entlockte ihm allerdings ein aufrichtiges Lachen. »Jetzt guck‘ nicht so –«, unbewusst strich er mit der Hand über Easys Oberschenkel. »I-ich brauch‘ einfach kurz ‘ne Pause, sonst –«, er brach ab und drehte ertappt den Kopf zur Seite.
Erstaunt über diese Reaktion blickte Easy ihn an, eine Hand auf Richards Brust: »Hey, was ist los, habe i-ich ‘was falsch gemacht?« Von plötzlicher Unsicherheit gepackt, wollte er sich schon von Ringo lösen als dieser ihn festhielt. »Nein«, sagte er mit einer Ernsthaftigkeit, die sofort alle Anspannung von Easy abfallen ließ.
»Es ist nur –«, fuhr er fort und biss sich auf die Unterlippe. Es war, als suche er händeringend nach den richtigen Worten. »– wenn wir so weitermachen, kann ich dir nicht garantieren, dass mich das hier diesmal k-kalt lässt.« Er sah den Älteren eindringlich an. »U-und ich werde dich zu nichts drängen, wozu du noch nicht bereit bist«, er kam ins Stocken. »– ich werde dich hierfür nicht ausnutzen – ganz egal, was war...«
Diese Worte berührten etwas in Easy, ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. »Das weiß ich«, beteuerte er. Nur zu gut konnte er sich an Richards Wut und Verzweiflung erinnern, nachdem vor drei Jahren ganz unverhofft Yannick in Köln aufgetaucht war und das Gefühlsleben des Jungen auf den Kopf gestellt hatte.
»Es fühlt sich gut an, Ringo«, sagte er leise und tatsächlich schien Richard dies ein wenig zu beruhigen. »Und ich bin neugierig auf das, was noch passiert –«, während Easy sprach, fuhr er langsam über Richards Sweatshirt und nahm eine der weißen Kapuzenkordeln zwischen seine Finger.
»A-aber du sagst ›Stopp‹, wenn es dir zu viel wird, ja?«
»Natürlich«, lächelnd beugte Easy sich zum Jüngeren hinab und drückte ihm einen unschuldigen Kuss auf die Lippen.
»Gut«, murmelte Richard noch zwischen zwei weiteren Küssen, dann spürte er wie Easys Hände anfingen, seinen Körper zu erkunden. Ganz gemächlich bahnten sie sich ihren Weg über den Oberkörper, über die Brust, den Bauch und schließlich strichen sie an Ringos Seiten auf und ab, was diesem ein leises Keuchen entlockte. Grinsend leckte Easy über Ringos Unterlippe und wartete, bis der Blonde sich darauf einließ und ihn in ein leidenschaftliches Zungenspiel verwickelte. Wie im Rausch gaben sie sich diesem Moment hin, und Ringo schlang seufzend die Arme um Easys Rücken. Dem Fotografen knickten daraufhin die Arme weg und er brach lachend über Richard zusammen. »Idiot!«, nach einem halbherzigen Schlag gegen Ringos Oberarm, rollte Easy sich zur Seite. Glucksend beobachtete er Ringo, der den Mund zu einem spöttischen Grinsen verzog und den Kopf auf einen Arm stützte. Ohne ein Wort ließ er die freie Hand nach vorn fallen, suchte nach Easys Fingern und als er sie fand, verhakte er sie einem Impuls folgend mit seinen eigenen. Ungläubig erwiderte Easy die Geste, hob langsam dem Kopf. Ihm war als müsste er unter den ausdrucksstarken Blicken seines Gegenübers vergehen, und er schnappte unhörbar nach Luft. Beide hielten ihren Blicken schweigend stand, bis Ringo ihn in einer einzigen Bewegung in seine Arme zog und das Gesicht in Easys Halsbeuge vergrub. Der herbe Duft des Aftershaves kitzelte ihm in der Nase.
Wie von selbst fanden seine Lippen den Weg zurück zu Easys Mund, hinterließen eine unsichtbare, prickelnde Spur auf Easys Kiefer. Bereitwillig erwiderte der Ältere die Zärtlichkeiten, ließ zu, dass Ringo in den Stoff seines T-Shirts griff und ihn so noch mehr an sich zog. Plötzlich streiften Ringos Fingerkuppen den schmalen Streifen freier Haut über dem Bund von Easys Jeans. Sofort zuckte der junge Student zurück, sah Easy direkt an und dieser glaubte so etwas wie echte Sorge in diesen graublauen Irden zu entdecken.
Wieder war es Easy, der den Bann zwischen ihnen brach, indem er Ringos Hand ergriff und sie ein wenig unter den Saum seines T-Shirts schob. »Du kannst mich da ruhig anfassen«, murmelte er. Beinahe wäre er in albernes Kichern ausgebrochen, weil alles um ihn herum so unglaublich surreal erschien. Es war Richard Fucking Beckmann, zu dem er das gerade sagte und er fühlte sich verdammt gut dabei.
»O-okay«, Richards Stimme war nur ein warmer Hauch auf Easys Haut. Die folgenden Berührungen waren zurückhaltend, nahezu zärtlich– Easy spürte kaum wie sich sein Oberteil weiter nach oben schob. Sanft kratzte Richard über die warme, weiche Haut des Fotografen. Er sah, wie sich Easys Atmung beschleunigte und als er seinen Rippenbogen streifte, presste Easy seinen Mund in einem erlösenden Stöhnen auf den von Ringo.
»Verdammtes Arschloch«, noch ein Kuss. – was machst du nur mit mir? Ein Gedanke, der unausgesprochen blieb und zwischen ihnen schwebte wie die letzte Bastion. Das letzte bisschen Restverstand, das allmählich verstummte. Ringo stöhnte unwillkürlich auf, während Easy ihm sanft in die Unterlippe biss. Das dunkle Geräusch ging dem Älteren durch Mark und Bein; es war die erste starke Welle der Erregung, die über ihm hereinbrach. Für Sekundenbruchteile löste Easy sich aus der Umarmung, starrte Ringo an und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Schließlich nahm er das Gesicht des Jüngeren in seine Hände, küsste ihn gefühlvoll. Trotzdem, oder gerade deshalb seufzte Richard ergeben. Er konnte sich nicht erinnern, wann ihn jemand zuletzt mit so viel Hingabe und Vorsicht berührt hatte. Vielleicht hatte er es auch schlicht nicht zugelassen, aber wen interessierte das schon. Das hier war kein unbedeutender One-Night-Stand, es war ein Kennenlernen und das Bewusstsein darüber rüttelte an etwas, dass Richard ganz tief und gut verschlossen unter seiner Fassade verbarg.
Er hatte Easy aufgehalten, um für ihn da zu sein. Um ihn aufzufangen, so wie Tobias es damals für ihn getan hatte. Schlagartig war da ein tiefgreifendes Verständnis zwischen ihnen gewesen, etwas das Ringo dazu trieb, Easy seine verständnisvolle Seite zu zeigen. Doch als er daran dachte, musste Ringo sich eingestehen, dass Easy seine Verletzlichkeit längst kannte. Er hatte die Angst, den Abscheu über sich selbst in Ringos Augen gesehen. Nur für den Bruchteil von Sekunden, aber er hatte es gewusst. Und insgeheim bewunderte Richard den anderen tatsächlich dafür, nicht nur eine Wahrheit hinter den Dingen zu sehen. Easy hatte hin und wieder tatsächlich versucht, ihn zu erreichen. Als wäre da die leise Hoffnung, dass er nicht nur ein rücksichtsloser Zahlen-Nerd mit delinquenten Tendenzen war.
»Woran denkst du?«
Verwirrt blinzelnd sah Ringo Easy an. »Huh?«
Der Dunkelhaarige schüttelte amüsiert den Kopf, seine Augen funkelten verschmitzt. »Wo du mit deinen Gedanken bist, will ich wissen«, versonnen und ohne es zu merken malte Easy unsichtbare Kreise auf Ringos Brustkorb.
»Bei uns«, antwortete der Student unbedacht. In der gleichen Sekunde wäre er am liebsten im Boden versunken. Gott, wie dämlich hörte sich das bitte an?!
»– so?«, fragte Easy mit scheinbarer Unschuld. »Aber ich bin doch direkt hier …«, dabei hatte er ein so hinreißend offenes Grinsen im Gesicht, dass Ringo ihm gern einen Stoß versetzt hätte. Aber er kam nicht mal dazu, dies in Erwägung zu ziehen, denn als Easy ihn wieder küsste, war jeder weitere Gedanke wie ausgelöscht. Er konnte nur da liegen und Easy zurückküssen, die Hände an seiner Taille.
»Findest du nicht, dass das Hier und Jetzt viel interessanter ist?«, murmelte der Ältere nach einem langen, hingebungsvollen Kuss. Ringo fehlten die Worte, er fühlte sich seltsam schwerelos. Doch sein tranceartiger Zustand schien Easy Antwort genug zu sein. Zufrieden lächelnd beugte er sich über Ringo und küsste sich von seinen Lippen über seine Wange und das Kinn. Seine Augen hielt er dabei nur halbgeschlossen, als wolle er keine Regung des anderen verpassen. Als wolle er wissen, was ihm gefiel. Seufzend krallte Ringo die Finger in Easys Haut – »Hey, das kitzelt«, kichernd und ohne ihren Kuss zu stoppen, drängte Easy sich ihm entgegen. »Sorry«, nuschelte Ringo und wollte gerade die Arme von Easy lösen, als dieser ihn mit sanfter Gewalt daran hinderte.
»Ich hab‘ nicht gesagt, dass es mich stört«, stellte er verschmitzt klar und strich Ringo intuitiv durchs Haar. Der Blonde schluckte trocken, konnte nicht mehr leugnen, dass ihn dieser Mann gerade unfassbar betörte.
»Darf ich ‘was ausprobieren?« Richard nickte ergeben und war beinahe unfähig sich zu rühren, als Easy sich ihm strahlend näherte. In gespannter Erwartung schloss er die Augen, doch als er Easys Lippen an seinem Hals spürte, zuckte er merklich zurück. Easy sah ihn sofort besorgt an, weshalb Richard beinahe in hysterisches Lachen ausgebrochen wäre. »Sorry«, hörte er Easy undeutlich sagen und spürte eine raue Hand an seiner Wange. »– also, wenn du das nicht magst, dann kann ich auch –« Richard unterbrach ihn, indem er ihm einen Finger an die Lippen legte. (Etwas, dass er bislang bei niemandem getan hatte.) Und dann, nach einem letzten Blick in diese fürchterlich aufrichtigen Rehaugen, drehte er den Kopf zur Seite.
Easy verstand die stumme Aufforderung sofort, trotzdem zögerte er. »Sag‘ mir, wenn ich aufhören soll –«, bat er leise, dann erst setzte er einen besonders sanften Kuss auf Ringos Hals. Weitere, seichte Küsse folgten, und Easy blieb dabei, bis er merkte, dass Ringo sich allmählich entspannte. Zärtlich zupfte Easy mit den Zähnen an der empfindlichen Haut hinter Ringos Ohr und saugte sich daran fest. Die Reaktion darauf war ein einziges heiseres Stöhnen. Erregt nahm Easy wahr, wie sich der Jüngere unter ihm aufbäumte. Niemals mehr hatte er damit gerechnet, diese Erfahrung überhaupt zu machen, allen voran nicht mit Richard Beckmann. Doch es war neu, und absolut aufregend. Stück für Stück schob er seine Hand unter das Sweatshirt des anderen, fühlte wie sich die Bauchdecke hektisch hob und senkte. »Easy –«, der Jüngere ließ ihn nicht aus den Augen, während Easy sich weiter nach oben tastete. Die Hand fühlte sich warm und schwitzig an, trotzdem stolperte Ringos Herz heftig in seiner Brust. Gott –, Ringo ließ seufzend den Kopf in den Nacken fallen. Der Typ machte ihn fertig.
»Richard –«
Beim Klang seines Namens erschauderte der Blonde, öffnete flatternd die Augen und sah geradewegs in Easys Gesicht. »– küss mich.« Und er tat es, einfach so. Glücklich lächelte Easy gegen seine Lippen, was Ringo vollends außer Gefecht setzte. Was auch immer sich gerade zwischen ihnen entlud, er konnte es nicht mehr stoppen; wollte es auch gar nicht. Fieberhaft erwiderte der junge Student Easys Küsse; gab ihm das und so viel wie er wollte.
Im Taumel der Leidenschaft hob er schließlich die Arme über den Kopf, sodass Easy ihm problemlos das Oberteil ausziehen konnte. Er fühlte Easys ungläubigen Blick auf sich, fast so als könne der noch immer nicht begreifen, was hier gerade geschah. Kurzentschlossen setzte sich Ringo vor ihm auf, legte die Hände locker in den Schoß. Seine Stimme klang ruhig und bedacht, als er sprach: »Easy, bist du sicher, dass du das hier noch willst?«
Verstört sah Easy ihn an. »Natürlich –«, antwortete er langsam, doch plötzlich schien er zu verstehen und schenkte dem Jüngeren ein herzliches Lächeln. »Natürlich bin ich mir sicher«, fuhr er fort. »– i-ich weiß nur nicht, w-wie, also…«, seine Stimme verlor sich und er wandte sich peinlich berührt ab.
Seltsam erleichtert atmete Ringo auf, griff Easy unters Kinn, zwang ihn so ihn anzusehen. »Was möchtest du?« In Easys Augen spiegelte sich ein Widerstreit der Gefühle, den Ringo nicht zu deuten wusste. Doch er wartete geduldig, bis der Dunkelhaarige seine Stimme wiedergefunden hatte. »K-könntest du, also –« Verdammt, wieso fühlte er sich auf einmal wie in der Fragen-an-Doktor-Sommer-Sparte. Ringo lächelte stumm, wodurch Easy neuen Mut fasste. Schon merkwürdig, wie einfühlsam der Blonde sein konnte, wenn er wollte. »K-könntest du m-mich, also könntest mich…«, der Rest des Satzes ging in einem verlegenen Lachen unter.
»Möchtest du, dass ich dich anfasse?«
Easy schwieg, doch der Blick, mit dem er Ringo ansah, sprach Bände. »O-okay«, antwortete Ringo und fühlte sich mit einem Mal selbst furchtbar nervös. Allerdings versuchte er, sich dies nicht anmerken zu lassen und breitete die Arme ein wenig aus. Easy zögerte einen Augenblick, dann ließ er sich in die Umarmung sinken. Seufzend schloss er die Augen, spürte wie Ringos Hände sanft über seinen Rücken strichen – nein, streichelten – und hörte auf das regelmäßige Pochen seines Herzens. Was geschah hier, und warum fühlte es sich so furchtbar vertraut an. So, als hätten sie nie etwas anderes getan als das. Allmählich beruhigten sich Easys Gedanken wieder, und er registrierte, dass Ringos Finger mittlerweile unter seinem T-Shirt lagen.
»Das ist schön«, flüsterte er leise gegen Richards nackte Brust. Ringo gab ein zustimmendes Brummen von sich. Warum sollte er sich auch noch wehren. Es brachte ohnehin nichts, es noch zu leugnen. Wortlos zerrte er sanft an Easys Oberteil, drehte den Kopf, um ihn ansehen zu können. Erst schien Ringos Vorhaben für den Fotografen okay zu sein, aus leuchtenden Augen sah er ihn an. Doch gerade, als Ringo einen verheißungsvollen Blick auf Easys Oberkörper erhaschte, saß der plötzlich stocksteif da. »Was ist los –?«, ratlos hielt der Blonde seine Hände in der Schwebe. »Soll ich aufhören?« Easy schien mit sich zu hadern, doch dann nickte er jäh. Sofort ließ Ringo von ihm ab, blieb aber in seiner Nähe.
»Tut mir leid.«
»Was?«, perplex berührte Ringo ihm am Arm. »– wieso, is‘ doch okay.« Kaum hatte er es ausgesprochen, merkte er, wie hohl und unpassend seine Worte in Easys Ohren klingen mussten.
Doch wider Erwarten war es Dankbarkeit, die ihm aus Easys Augen entgegensah. »I-ich, i-ich will einfach nicht, dass –« Insgeheim fragte Ringo sich, woher diese Beklommenheit kam. Doch dann fiel sein Blick auf Easys Hände, die unbewusst das Oberteil nach unten zogen und dort festhielten. Und er begriff.
»Geht’s hier um Kay-C?«, hakte er behutsam nach. »– um das, was sie gesagt hat?« Das beharrliche Schweigen, das sich auf seine Frage hin im Raum ausbreitete, bestätigte seinen Verdacht. Er gab einen tiefen, schweren Seufzer von sich. »Hör zu –«, dabei nahm er unbewusst Easys Hand in seine. »Erinnerst du dich, wie Elli reagiert hat, als ihr anstelle der geliebten Cousine dieses Möchtegern-It-Girl ›Kay-C‹ vorgesetzt wurde? – Genau. Und ja, vielleicht hat sie inzwischen Idealmaß …« Er drückte Easys Finger, es war ein stiller Zuspruch. »… aber für ihre ganzen Klicks und Likes hat sie das verkauft, wofür Elli die dicke Trina abgöttisch geliebt hat.«
»Ihre Seele!?«, spöttisch verzog Easy den Mund.
»Fast«, grinste Ringo, froh darüber, dass die Unbeschwertheit langsam in Easys Blick zurückkehrte. Seit wann bist du so ein sentimentaler Trottel, Beckmann – der Blonde verdrängte den flüchtigen Gedanken und fuhr stattdessen damit fort, Easy gut zuzureden. »Was ich meine, ist ihr Charme. Das ist nämlich der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann… Verstehst du, was ich dir sagen will?«
Sanft stieß Ringo dem Älteren gegen die Schulter. Easys Mundwinkel zuckten. »Bin mir nicht sicher –«, murmelte er. »K-könntest du das wiederholen, so als Vorrat für schlechte Zeiten?« Ringo lachte auf.
»Vergiss es«, scherzte er und legte kurz eine Hand an Easys Wange, strich mit dem Daumen darüber. »Du hast mich sehr gut verstanden, darum werde ich‘s auch nicht wiederholen.«
»Hmh, kann sein –«, erwiderte Easy neckisch und reckte sich dem Jüngeren wieder merklich entgegen. Ihre Lippen fanden sich zu einem neuen, keuschen Kuss. »Kann nicht sein, ist so«, Ringo war kaum zu verstehen, aber Easy wusste auch so, was er von sich gab. Grinsend drückte er den Blonden nach unten, nahm erneut seinen Hals in Beschlag und schlang die Arme um Ringos Nacken. Dieser seufzte lautlos, schob die Zunge vorsichtig in Easys Mund. Er hörte Easy seinen Namen flüstern, sah wie der Ältere sich aufrichtete und kurz darauf flog sein Oberteil auf die Fensterseite des Bettes. Beinahe andächtig ließ Ringo seine Hände nach oben über die warme Haut gleiten, sah in diese lustvollen Augen.
»Easy –«, er wollte etwas sagen, doch seine Stimme gehorchte ihm nicht. Perfekt. Doch das würde er ihm niemals sagen können. Nicht so, dass es nicht vollkommen falsch und unehrlich klang. Nicht jetzt. Easy sah ihn unverwandt an, fuhr mit den Händen über Ringos Brust und verharrte schließlich oberhalb der Jeans. »Hey –«, ein sanftes Lächeln spielte um Ringos Lippen. »– du musst nicht …« Easy lachte leise, begann langsam die Hüften zu bewegen und als sich ihre Blicke trafen, setzte Ringos Herz einen Schlaglang aus. Himmel, plötzlich war Easy wieder über ihm. »Fass mich an –«, raunte er nah an Richards Ohr, und stahl ihm einen feurigen Kuss von den Lippen. Ringo legte die Arme um Easys Rücken und drehte sie mit einem Ruck herum, sodass der Ältere überrascht auflachte. »Pscht –«, rasch legte Ringo ihm eine Hand über den Mund und blickte aufgeschreckt über die Schulter. Nichts zu hören, ein Glück. Eines der Dinge, die Richard Beckmann wirklich fürchtete war eine übernächtigte Elli Schneider mit Rachegelüsten.
Easys gedämpftes Kichern holte Ringo zurück in den Moment, und schon waren ihre Mitbewohner und Freunde wieder vergessen. Es gab Wichtigeres. Ringo nahm sich noch einen Augenblick Zeit, um den anderen zu betrachten. Das dunkle Haar stand wirr von Easys Kopf ab, und im Schein der Lampe funkelten seine Augen erwartungsvoll. So unglaublich schön. Nein, was dachte er da. Verärgert über sich selbst, schüttelte Ringo den Gedanken ab und küsste Easy stattdessen ein letztes Mal. »Du bestimmst, hörst du?«
Easy nickte, und dies war das Einverständnis, das Ringo brauchte. Mit geübten Handgriffen öffnete er die Hose des anderen, schob sie ein wenig tiefer, wodurch die Boxershorts hervorblitzten. Der Blonde schluckte, als er Easys Erregung bemerkte. Der Anblick ließ ein unbekanntes Verlangen durch seinen Körper strömen. Bis vor ein paar Stunden hätte er niemals für möglich gehalten, dass er Easy Winter einmal auf diese Weise berühren würde. Berühren wollte. Langsam, damit der andere jede Bewegung wahrnahm, hob Richard die Hand und legte sie auf Easys Körpermitte. Mehr nicht, und dennoch drängte sich ihm der Ältere prompt etwas entgegen. Die Art wie er sich auf die Unterlippe biss, und ihn ansah – Richard wusste nicht mehr, ob er jemals etwas attraktiveres gesehen hatte. »Ringo, bitte –«, keuchte Easy heiser. »I-ich …« Bei diesen Worten schob der Blonde seine Finger unter den Bund der Unterwäsche, tastete sich Stück für Stück vor, bis er Easys Mitte mit festem Griff umschloss.
Dem Dunkelhaarigen entwich ein kehliges Stöhnen – allerdings klang es etwas abgehackt. Ganz so, als würde er sich mit letzter Zurückhaltung darum bemühen, keinen verräterischen Laut von sich zu geben.
»Gut so?«, fragend sah Ringo ihn an, während er seine Hand gleichmäßig bewegte.
Easy nickte schnell, unfähig zu sprechen. Endorphine jagten durch seine Blutbahn, und er bäumte sich unwillkürlich auf, als Ringo seinen Rhythmus erhöhte. »D-das, das ist W-wahnsinn«, brachte er irgendwann außer Atem heraus, sah das unscheinbare Lächeln auf Ringos Gesicht. Hätte man den Blonden darauf angesprochen, er hätte es mit Sicherheit geleugnet. Suchend tastete Easy über die Bettdecke und als er die freie Hand des Jüngeren fand, umschloss er sie fest mit seiner. Richard ließ es zu; er wehrte sich auch nicht, als Easy ihre Finger miteinander verschränkte. Diesmal ging es nicht darum, selbst auf seine Kosten zu kommen. Alles was zählte, war, dass Easy sich wohlfühlte. Denn unabhängig davon wie kaltherzig Richard auf die Außenwelt wirken mochte, er war sich seiner Verantwortung mehr als bewusst. Das war auch der Grund, weshalb er normalerweise niemand unerfahrenes mit nach Hause nahm. Die Sache mit Easy allerdings, die hatte sich irgendwie verselbstständigt. They’d crossed the line, und Richard hätte nicht einmal rückblickend sagen können, ab wann es an diesem Abend kein Zurück mehr gegeben hatte. Derart gedankenversunken, registrierte Ringo Easys Hände erst als sie ihn ruckartig nach unten zogen. Sein Keuchen ging in einer heftigen Knutscherei unter, und ihre Münder trennten sich kein einziges Mal. Solange, bis Easy sich plötzlich reflexartig aufbäumte und mit einem überwältigten Stöhnen kam.
»W-wow«, erschöpft fiel er in die Kissen zurück, sein Atem ging schnell und unkontrolliert.


Einige Zeit später lagen sie dicht nebeneinander auf dem Bett. Irgendwann drehte Easy den Kopf, sah nachdenklich in Ringos Richtung. Der hatte sich vorhin eher widerwillig von Easy gelöst, und ohne ein einziges Wort die klebrigen Spuren auf dessen Bauch beseitigt. Der Fotograf hatte ihm nur sprachlos dabei zugesehen; wusste irgendwie, dass Ringo so etwas sonst nicht einfach so tat. Nachdem der Jüngere das benutzte Taschentuch dann in den Abfall befördert hatte, war er zurück ins Bett gekrochen. Seither war er beunruhigend schweigsam, weshalb Easy ihn nun doch sanft den Ellbogen in die Seite stieß.. »Hey, – bereust du’s?«
Ringos Blick flackerte zu ihm herüber, leiser Spott lag darin. »Die Frage sollt‘ ich lieber dir stellen«, bemerkte er und seine Stimme klang dabei erschreckend sachlich. »– dein ›erstes Mal‹ mit einem Mann hast du dir sicher anders vorgestellt, nehme ich an … mit jemand anders.« Easy hob verständnislos eine Augenbraue, wusste nichts darauf zu sagen. Dann entschied er sich einfach dazu, ehrlich zu sein.
»N-natürlich war das so nicht geplant«, begann er langsam. Richard zuckte bei dieser Wortwahl kaum merklich zusammen, was Easy nicht verstand. Dennoch beeilte er sich daraufhin, fortzufahren. »– aber das war’s ja für keinen von uns«, erklärte er mit Nachdruck und legte seine Hand auf Ringos Bauch. Der Student selbst rührte sich nicht, die Arme stocksteif neben sich liegend. Easy schluckte, wusste plötzlich nicht mehr, wie er mit dieser unerwarteten Anspannung umgehen sollte.
»Ich hab‘ ja nicht mal geplant, auf Männer zu stehen«, versuchte er es schließlich auf anderem Wege. »Aber so ist‘s nun mal, und dass ich dem heute erst nachgegeben hab‘, hat ja nichts mit dir zu tun. Also, doch, schon –« Innerlich verfluchte Easy sich; suchte nach den passenden Worten, um die Situation zu retten. »Was ich meine, ist, du hast mich ja zu nichts gezwungen.« Er zwinkerte Ringo frech an. Dessen Gesichtszüge wurden augenblicklich weicher, und er schien tatsächlich aufzuatmen.
»Irgendwie is‘ gerade einfach Chaos in meinem Kopf«, gab er kleinlaut preis. »Ich kann so was eigentlich nicht, diese Nähe und so ...«  Na bitte, dachte er trotzig. Er war nicht mal in der Lage, es vernünftig zu umschreiben. Dabei verdrängte er, dass genau diese Einstellung ihn daran hinderte, sich Easy zu öffnen. Er war nicht naiv; er wusste, dass der andere nicht in sein übliches Beuteschema passte und das war genau der Punkt, den er bis vorhin erfolgreich ignoriert hatte. Easy Winter war die Schwachstelle im System, immer gewesen. Er war derjenige, der sich trotz seiner manchmal viel zu großen Gutmütigkeit nicht täuschen ließ. Zumindest nicht von Ringo, und das war, was dieser wirklich an ihm hasste. Es behagte ihm nicht, dass ihn jemand wie Easy so mühelos durchschaute, besser noch als seine Familie oder sonst jemand.
In diesem Moment riss in Easys sanfte Stimme aus seinen Gedanken: »I-ich würde wieder so entscheiden, weißt du ...«
»Würdest du, ja?«
Na endlich. Befreit lächelnd fasste Easy nach der anderen Hand, hielt sie fest. »Denke schon«, erwiderte er neckend, sah das amüsierte Funkeln in Ringos Blick. Der Blonde war wieder wie ausgewechselt, als hätte sich in seinem Inneren ein Schalter umgelegt. »Wird es denn ein zweites Mal geben?«, stellte Richard die Frage in den Raum, mit der sie sich insgeheim schon eine ganze Weile beschäftigten.
»Sag du’s mir –«, forderte Easy mit leiser Stimme, sah Ringo aus großen braunen Augen an.
»Weiß nicht, w-willst du denn?«, fragte Ringo unsicher. Rhetorische Meisterklasse, Beckmann. Großartig.
Mit einem Schmunzeln rollte Easy sich auf den Bauch, sodass sich ihre Gesichter wieder ganz nah waren. »Sagen wir so …«, grinsend saugte er sich kurz an Ringos Hals fest. »Ich wär‘ nicht abgeneigt.« Seine Hand rutschte tiefer, und Ringos rasendes Herz explodierte förmlich. Was war das –, wieso bloß machte ihn der Büdchenbesitzer plötzlich so machtlos. »Zeig mir, was ich machen muss, ich will mich revanchier‘n … «, Easys Zähne gruben sich leicht in sein Ohrläppchen, und Ringo stöhnte erregt.
»Mach‘ einfach –«, fast grob zog er den anderen Mann in einen Kuss. Dieser schien sich daran jedoch keineswegs zu stören, kratzte sogar forsch über Ringos empfindliche Haut. Dem wurden die Knie weich, und er schlang mit einem Stöhnen die Beine um Easys Hüfte. Derart ineinander verschlungen, fiel es dem Dunkelhaarigen zunächst etwas schwer, Richard die Jeans von den Hüften zu ziehen. Doch nach einer endlos kleinen Weile, nach süßen Küssen und leisem Kichern, hatte er es geschafft. Staunend betrachtete er den Blonden, berührte ihn anfangs nur sacht. Richard gab einen erstickten Laut von sich, und krallte die Finger in Easys Unterarm. »Okay so –?«, Easy hoffte inständig, dass er sich nicht allzu dämlich anstellte. Zur Antwort hob Ringo das Becken ein wenig an, bedeutete dem anderen so, dass er weitermachen sollte. Davon geradezu angespornt, packte Easy fester zu. Erst zaghaft, dann immer sicherer bewegte er seine Hand und ließ Ringo dabei keine Sekunde aus den Augen. Wenn er es schaffte, den Jüngeren auch nur halb so sehr um den Verstand zu bringen wie umgekehrt, hatte er sein Ziel erreicht. Die Minuten verstrichen endlos, und schließlich gaben Easys Kräfte ein wenig nach. Um sich besser abstützen zu können, rückte er näher zu Ringo heran und betrachtete fasziniert dessen erhitztes Gesicht. Er würde nicht mehr lange aushalten. Vom Irrsinn getrieben, lehnte Easy sich vor, spürte das immer heftigere Zucken zwischen seinen Fingern. »Komm für mich –«, raunte er, und diese Worte genügten, damit Ringo endgültig kapitulierte. Easy erstickte sein Stöhnen mit einem langen, tiefen Kuss, trieb ihn ungerührt weiter durch die Wogen des Höhepunkts. »Fuck –«, aus glasigen Augen sah Ringo ihn an.
»Sicher, dass du das zum ersten Mal gemacht hast?«, grinste er matt. Er war immer noch außer Atem, und nicht ganz in der Realität angekommen. Etwas verlegen, aber sichtlich stolz, nickte Easy und griff nun ebenfalls nach den Taschentüchern, um den Jüngeren zu säubern. Genau, wie der es vorhin für ihn getan hatte.
»Gott«, seufzte Ringo erneut. »Das war echt… W-wow.«
»So sprachlos, Herr Beckmann?«, schmunzelte Easy. Ihm gefiel es sichtlich, dass der andere nur seinetwegen so neben sich stand.
»Grins nicht so blöd. Komm lieber wieder her«, erwiderte Ringo. Seine Wangen waren nach wie vor gerötet, die Lippen leicht geschwollen und in seinem Blick lag der letzte Hauch des Verlangens, das sich vorhin so deutlich in seinen Augen gespiegelt hatte. Easy war sich sicher, noch nie etwas gesehen zu haben, was so schön und gleichzeitig so sexy war wie Richard Beckmann, wenn er sich so vollkommen und bedingungslos fallen ließ. Easy gluckste bei dem Gedanken.
»Was?«, fragte Ringo mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Nun ja … Ich hätt‘ nie gedacht, dass ich dich – also, dass du mich mal so …«
»Anmachst?«, fragte Ringo und zog den Älteren wieder zu sich aufs Bett. »Geht mir genauso«, flüsterte er.
»Ich mach‘ dich an?«, erwiderte Easy und wackelte übertrieben mit den Augenbrauen. Der Gedanke, dass ein Mann – dass Ringo ihn auf diese Weise anziehend fand, löste ein aufgeregtes Kribbeln in seiner Magengegend aus.
»Ich glaub‘, der Beweis liegt vor dir«, grinste Ringo vielsagend.
»Mhm… nette Aussicht«, raunte Easy, bevor er sich über den anderen beugte und dessen Lippen zu einem weiteren Kuss einfing. Träge, fast schläfrig bewegten sich ihre Lippen aufeinander und es verspürte auch keiner der beiden das Bedürfnis, dies zu ändern. Dafür fühlte es sich viel zu gut an, viel zu vertraut. Spontan zog Richard den Älteren enger an sich; stupste mit der Zungenspitze sanft gegen Easys Unterlippe. Seufzend öffnete der den Mund, genoss das feine Prickeln im Nacken.
»Du machst mich fertig«, murmelte er undeutlich an Ringos Lippen. Er hörte den Blonden leise lachen, hob verwundert den Kopf. »Was –?« Woher sollte er auch ahnen, dass Richard in dieser Nacht bereits ähnliche Gedanken gehegt hatte. »Nichts, nichts –«, murmelte Richard nur ausweichend und vergrub lächelnd die Nase in Easys kurzen Haaren.  
»Maaann, Ringoo«, halbherzig knuffte Easy ihm in die Seite.
»Ey -«, wehrte dieser lachend ab. Dabei bekam er Easys Handgelenke zu fassen, und Sekunden später fanden sich die beiden in einer spielerischen Rauferei wieder. »Na, warte«, irgendwann saß Easy rittlings auf Ringos Schoß, während der sich noch fragte, wie der Dunkelhaarige so schnell die Kontrolle zurückgewonnen hatte.
»Gibst du auf?«, selbst nach Atem ringend sah Easy ihn an. Die Hände hätte er dabei links und rechts neben Ringo abgestützt. Der schüttelte wie in Zeitlupe den Kopf; dabei war er dem anderen ab dieser Sekunde emotional vollkommen ausgeliefert. Diese Augen.
»Ich hab‘ doch längst gewonnen –«, wisperte Easy plötzlich nah vor seinem Gesicht, und küsste den Blonden verlangend auf den Mund. Sofort gab Ringo nach, viel zu süchtig war er nach diesem berauschenden Gefühl, das der Ältere in ihm auslöste. Sein Herz machte einen Hüpfer, als Easy anfing, sich seinen Oberkörper hinab zu küssen. Quälend lange, und doch so furchtbar erregend, knabberte der Ältere mal hier, mal dort an der überreizten Haut. Schließlich tauchte er die Zunge in Ringos Bauchnabel, sah dann von schräg unten und mit einem mehr als eindeutigen Grinsen zu Ringo hinauf. Der konnte nur atemlos lachen. »Ernsthaft, noch mal?!«


tbc - bedankt euch bei Persephone. (Ich hasse dich, mein Hase!)
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast