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2020 08 18: Umgeben von Freunden - Ein Sonettkranz [by Eiche]

GedichtPoesie / P12 / Gen
18.08.2020
18.08.2020
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Tag der Veröffentlichung: 18.8.
Zitat: Ich habe den größten Teil meines Lebens umgeben von Feinden gelebt. Es wäre mir eine Ehre umgeben von Freunden zu sterben (Guardians of the Galaxy)
Titel der Geschichte: Umgeben von Freunden – Ein Sonettkranz
Autor: Eiche
Kommentar des Autors: Dieses Mal ein Gedicht von mir. Vom Aufbau her ist es ein Sonettkranz. Ich weiß, der Rhythmus ist alles andere als einheitlich und auch die Reime sind nicht die reinsten, aber ich finde, es passt so am besten zum Thema. Damit es Sinn ergibt, habe ich den letzten Vers im 15. Sonett etwas umgewandelt. Es ist übrigens das erste mal, dass ich mit einem Gedicht eine richtige Geschichte erzähle.


Umgeben von Freunden



I.

Ja, ich möchte umgeben von Freunden sterben
Doch gibt es leider keine hier
Nicht für mich, erkenn ich, wenn ich ins Leere stier
An Bäumen fast entstehen Kerben

Nicht alt, ich alles vor mir habe
Doch Hoffnung seh ich nicht für mich
Um ehrlich zu sein, hier ist’s fürchterlich
Und niemandem kann ich meine Sorgen klagen

Doch jammern möchte ich eigentlich nicht
Denn nur Schönes ist in meiner Sicht
Wolken über der Sonne nur dann und wann

Bin so glücklich wie es möglich ist
Die Welt alles andere als trist
Hab alles, was ich brauchen kann


II.

Hab alles, was ich brauchen kann
Doch eine tiefe Leere bleibt
Ja, sie mich in den Wahnsinn treibt
Denn von ihr aus wird mir ganz klamm

Eine Kälte, woher sie auch immer kam
Lässt mich verzweifeln, was soll sie hier nur
Sie überwältigt mich, von Zuversicht keine Spur
Sollt zufrieden sein, ich zergehe vor Scham

Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll
Find all das gar nicht mehr so toll
Ich will einfach nur meine Ruh

Weiß doch, wo das Problem hier liegt
Alles in meine Arme fliegt
Und doch gehör ich nicht dazu


III.

Und doch gehör ich nicht dazu
Ja, wie nur kam es dazu bloß?
Könnt ich das Gefühl nur werden los
Weiß nicht woher es kommt, das Drücken am Schuh

War immer anders als die andren all
Nicht äußerlich, doch von Gedanken her schon
Muss mir für Standpunkte oft einholen Hohn
Und all die Bemerkungen bringen mich zu Fall

Will einfach nur in Frieden leben
Doch wer könnt mir das „einfach“ geben
Bis ich besiegt bin, wird keiner ruhn

So schreien und streiten sie immer weiter
Und stellen mich dar als den Bösen der Streiter
Könnt ich nur was dagegen tun


IV.

Könnt ich nur was dagegen tun
Doch der Mut dazu ist mir nicht zuteil
So ich weiter unter all dem Hass verweil
Schließe in mir alle Türen zu

Die Gründe ich nicht kann nachvollziehn
Sieht man mir wirklich an, was ich so denke
Sieht man so sehr, was für ein Ziel ich ihnen schenke?
Und warum sie nur alle an einem Strang ziehn?

Meine Gedanken doch ganz anders als ihre
So stürzen sie auf mich, wie wilde Tiere
Ich weiß nicht wie ich das ertragen kann

So anders schein ich mir gar nicht zu sein
Doch sie sehen es anders und machen mich klein
So sitze ich einsam unter der Tann


V.

So sitze ich einsam unter der Tann
Weiß nicht, was mit mir anzufangen
Zu Hause alles wolkenverhangen
Wenn ich es überhaupt Zuhause nennen kann

Ich versteh nicht, was ich habe falsch gemacht?
Mein Denken ist anders und auch meine Werte
Wie Wölfe folgten sie nur dieser Fährte
Wie konnten sie so schnell bekommen die Macht?

Bin mittlerweile viel älter geworden
Doch immer noch verfolgen mich all diese Horden
Gemeinheiten, doch in andrem Gewand

Hab keine Freunde, bin ganz allein
Wünscht doch all das würde ganz anders sein
Da kommt er und reicht mir seine Hand


VI.

Da kommt er und reicht mir seine Hand
Ein Mann, muss sein so alt wie ich
Doch ist er fremd, ich kenne ihn nicht
Wie aus dem Nichts er plötzlich vor mir stand

„Was ist los, dass du sitzt hier ganz allein?
Scheinst bei den anderen nicht sehr beliebt
Sie verstehn nicht, dass es auch andere gibt
Sie sind die Besten, doch das ist nur Schien

Alle denken gleich, ja so es doch scheint
Doch manch einer sich deshalb in den Schlafe weint
Es gibt auch Andersdenker, ja Menschen wie dich

Du gehörst nicht zu ihnen, doch das ist nicht schlecht
Darfst doch sein wie du willst, ja das ist dein Recht.“
So weise Worte er zu mir spricht


VII.

So weise Worte er zu mir spricht
Doch ein wenig bin ich nun verwirrt
Wie kann es sein, dass er sich hat zu mir verirrt
All diese Fragen vernebeln mir die Sicht

„Wer bist du, dass du mich zu kennen vermagst?
Du weißt, was ich erlitten habe?
Gibt doch niemanden, dem ich meine Sorgen klage
Wie nur, dass du nicht hinfort von mir jagst?

Wie kannst du mich nur so gut verstehen?
Als würden wir den gleichen Weg im Leben gehen.“
Tränen in den Augen, meine Stimme bricht

Ich kann nicht mehr sprechen hab doch so viele Fragen
Doch Angst er wird mich gleich doch noch schlagen
Blicke starr in das sonnenbeschienene Gesicht


VIII.

Blicke starr in das sonnenbeschienene Gesicht
Ein Lächeln sich auf seine Lippen schleicht
Ohne Zögern er wieder seine Hand mir reicht
Als will er mich ziehen gradwegs ins Licht

„Weiß du bist verwirrt, ich kann es erklären
Seh dir doch an, was los mit dir ist
Seh, deine Welt erscheint dir so trist
Seh in deinen Augen unendliche Leere

Beobachtet hab ich dich lange Zeit
Bis du endlich schienst für ein Treffen bereit
Hab in dir mich doch sehr schnell erkannt

Ich wir dir helfen, vertraue mir nur
Von Zweifeln sollt bleiben keine Spur
Ich führe dich aus diesem schrecklichen Land!“


IX.

„Ich führe dich aus diesem schrecklichen Land!“
Kein leeres Versprechen dieser Satz war
Schon im ersten Moment war mir das klar
Dadurch ich endlich wieder Hoffnung fand

Doch viel älter als damals bin ich jetzt
Einen Freund gefunden habe ich doch
Doch bei den andern bin ich leider noch
Doch der Traum von Frieden hat sich festgesetzt

Hab einen Freund und viele Feinde
Nur ein einziger bei mir, darunter ich leide
Alle andern haben mich immer angeschrien

Zu lang dieses Leid dieser Schmerz, dieser Hass
Längst Zeit, dass ich all das hinter mir lass
Zu lang war ich hier, ich muss endlich fliehen


X.

Zu lang war ich hier, ich muss endlich fliehen
Schwer wird mir dieser Abschied nicht fallen
Bin froh, endlich entgehe ich ihren Krallen
Ja, all den Tränen, die ihretwegen fielen

Ins Unbekannte wollen wir reisen
Ein Abenteuer, der Anfang ist neu
Ich kann nicht beschreiben wie sehr ich mich freu
In die Zukunft uns dieser Weg wird weisen

Nun kann ich endlich Hoffnung sehen
Hell Sterne und Mond am Himmel stehen
Wie unsre Möglichkeiten, es sind unendlich viele

Erhellen den Wald, zeigen uns den Weg
Als hätt Gott persönlich ihnen das auferlegt
So wir endlich in unsere Zukunft ziehen


XI.

So wir endlich in unsere Zukunft ziehen
So lange habe ich das erwartet
Die große Reise endlich startet
All die Erinnerungen sind zurückgeblieben

Wohin wir gehen, ist nicht gewiss
Unendlich vor uns liegt die Welt
Nichts gibt es, was mich hier noch hält
Das Netz, das mich fing, es endlich riss

So fliehe ich nun vor all dem Schlechten
Der Vergangenheit, die nichts tat als mich zu knechten
Nur schlechte Erinnerungen kann ich von ihr erben

Doch vergessen will ich, ja es ist vorbei
Ich bin jetzt ich selbst, ich bin endlich frei
All meine Träume endlich wahr werden


XII.

All meine Träume endlich wahr werden
Denn neue Freunde habe ich gefunden
Getroffen hab ich sie, nach endlosen Stunden
Meine Freude, mein Glück kann ich nicht verbergen

Sie alle denken so wie ich
Verstehen alles, was ich sage
Will bei ihnen bleiben für alle Tage
Doch die gehen zu Ende, es versetzt mir nen Stich

Denn lang leb ich nicht mehr, ich kann es schon spüren
Wen wird mein Tod zu Tränen rühren?
Alles egal, solang ich unter Freunden bin

Sie sind für mich da, bringen mir Freude
Hätt früher gehen müssen, ich das jetzt bereue
Mit Freunden fand ich einen Lebenssinn


XIII.

Mit Freunden fand ich einen Lebenssinn
Und diesen möchte ich nicht mehr verlieren
Ohne ihn ging es mir wie unter Tieren
Doch jetzt hier ich endlich glücklich bin

Ja, ich sterbe, doch das ist mir egal
Denn Glück konnt ich finden schlussendlich doch
Nichts ich suchen muss im Leben noch
Bin froh, dass vorbei ist diese Qual

Sie sorgen sich fragen, ob ich das auch will
Doch auf ein Handzeichen sind sie alle still
Denn den nahenden Tod find ich nicht schlimm

Und doch fragen sie, ob ich bleiben mag
Ich kann nicht verstehen, warum einer das fragt
Fragen, ob ich nicht lieber zu Hause bin


XIV.

Fragen, ob ich nicht lieber zu Hause bin
Doch ein Zuhause konnt ich nie kennenlernen
Bis ich hier herkam, geleitet von Sternen
Egal, dass mir Zeit wie Sand durch die Finger rinnt

Denn glücklicher als jetzt könnt ich nicht sein
Auch, wenn mein Leben ist vorüber
Früher war das Wasser immer trüber
Und nur hier ist es endlich wirklich rein

Lieg hier im Sterben, von Freunden umgeben
Bin froh nicht mehr bei meinen Feinden zu leben
Nun hier meine Wangen sich langsam grau färben

Nun kann ich in endlosen Schlafe sinken
Umgeben von Menschen, die mir zum Abschied winken
Ja, ich möchte umgeben von Freunden sterben.



XV.

Hab alles, was ich brauchen kann
Und doch gehör ich nicht dazu
Könnt ich nur was dagegen tun
So sitze ich einsam unter der Tann

Da kommt und reicht mir seine Hand
So weise Worte er zu mir spricht
Blick starr in das sonnenbeschienene Gesicht
„Ich führe dich aus diesem schrecklichen Land!“

Zu lang war ich hier, ich muss endlich fliehen
So wir endlich in unsere Zukunft ziehen
All meine Träume endlich wahr werden

Mit Freunden fand ich einen Lebenssinn
Fragen, ob ich nicht lieber zu Hause bin
Doch ich möchte umgeben von Freunde sterben





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Wieder ein Gedicht. Diesmal sogar ein ganzer Kreis. Insgesamt zwölf Gedichte, die zusammen eine einzige ganze Geschichte erzählen, deren Anfang und Schluss von dem selben Wunsch sprechen.
Eiche hat das heutige Zitat auf eine wundervolle und sehr besondere Weise umgesetzt. Das ist wirklich beeindruckend.

Eure lula-chan
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