Black & White

von Semi89
GeschichteThriller, Übernatürlich / P16
Lorenor Zorro Vinsmoke Sanji
18.08.2020
16.10.2020
16
45.158
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18.08.2020 2.264
 
Kapitel 1: Begegnungen


Wut pulsierte durch ihre Adern, ließ ihre Hände zittern. Ihre Muskeln waren bis aufs Äußerste angespannt, ihr Herz raste. Die Luft flirrte um ihren erhitzten Körper und ihr Blick wanderte über das Schlachtfeld. Überall war Blut. Leblose Körper lagen in der roten, dampfenden Flüssigkeit, die sich langsam aber sicher ausbreitete und den staubigen Boden unter sich bedeckte.

Der Wind wehte durch ihr schulterlanges Haar, das mit seiner weißen, silbernen Farbe einen so großen Kontrast zu ihren dunklen Kleidern hergab. Sie weinte nicht. Dafür war sie zu abgehärtet, zu selten hatte sie solche Gefühle zugelassen. Sie starrte zu ihrer Schwester und sah über ihr Gesicht eine einzelne Träne rinnen, die auf ihr strahlend weißes Oberteil tropfte.

Wortlos, ohne Gegenwehr ließen sie sich abführen. Die Marinesoldaten packten sie grob an den Schultern, legten ihnen Fesseln aus Seestein an. Neben all den aufschäumenden Gefühlen machte sich nun der Gedanke breit, dass es vorbei war. Sie waren alle tot. Wie eine eiserne, schwere Decke legte sich diese Gewissheit um die junge Frau, als sie von einem Soldaten vorwärts geschubst wurde.

Wie in Trance sah sie ein letztes Mal die toten Blicke ihrer Mannschaftskameraden, die nun nie wieder lachen würden. Die nie wieder reden würden, oder kämpfen. Oder atmen.

Sie brauchten nicht weit gehen, die Schiffe der Marine ankerten direkt neben ihrem Schiff. Ihrem kleinen, geliebten Schiff. Es sah mit dem abgeschossenen Mast nicht mehr so erhaben aus wie zuvor. Wasser sammelte sich bereits auf dem Deck und in wenigen Stunden würden die Wassermassen es verschlungen haben.

Auf dem Schiff kam ihnen ein breit lächelnder Mann entgegen und sagte mit langgezogener Stimme:

„Na, wen haben wir denn da? Hmm? Okami Timber und Okami Arctura, wie schön, dass ihr uns beehrt.“

Schweigend sah Arctura ihn an, sah in das Gesicht, sah den Mann, der den Tod all ihrer Männer befohlen hatte. Doch das war jetzt egal. Sie konnte nichts machen. Und wollte auch nichts machen. Alles umsonst.

„Bringt sie hinunter und schließt sie ein. Am besten getrennt. Dann fahren wir nach Pandemonium. Auf auf.“

Admiral Kizaru drehte sich zur Seite und ließ die beiden jungen Frauen mit ihren Aufpassern passieren. Sie wurden eine Treppe hinab durch einen langen Flur bis in einen kleinen Raum gebracht.

„Ich denke, wir sollen sie in getrennten Räumen unterbringen?“

„Ist doch egal. Abhauen können sie eh nicht.“

Hinter ihnen schloss sich die Tür und man hörte ein lautes Klicken, als der Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Arctura setzte sich auf eine der drei vorhandenen Pritschen und starrte gegen die Wand. Timber setzte sich ihr gegenüber, ihre Tränen waren versiegt.

Sie spürten, wie sich das Schiff in Bewegung setzte, Befehle drangen bis zu ihnen herab. Erst als sie eine ganze Strecke hinter sich gebracht hatten, setzte die Schwarzhaarige zum Sprechen an.

„Sie … haben alle getötet, Ari.“

Arctura nickte langsam. Ihr in die Ferne gerichteter Blick fokussierte nun auf ihre Zwillingsschwester, die so verschieden von ihr und doch so gleich war. Nach diesen Worten erschienen auch die salzigen Tränen wieder auf Timbers Gesicht und sie ließ ihren Kopf gen Boden sinken. Arctura blieb sitzen. Was hätte sie auch machen sollen?

Schließlich ergriff sie das Wort.

„Jetzt sind sie frei.“

Wut blitzte in Timbers Augen auf und sie erwiderte impulsiv:

„Das waren sie auch vorher!“

„Es gibt immer einen, der Gewalt über dich hat. Nicht zuletzt wir beide, denn sie haben sich uns untergeordnet.“

Ihre Stimme hatte den selben monotonen, fast schon gleichgültigen Tonfall wie immer und wie immer brachte es ihre Schwester nahezu zur Weißglut.

„Sie haben es freiwillig getan! Wir haben sie befreit und sie sind bei uns geblieben.“

Stille senkte sich auf die beiden Personen in dem kleinen Raum, jede hing ihren Gedanken nach. Arctura seufzte innerlich. Natürlich hatte Timber halbwegs Recht. Die Menschen, die sie aus der Sklaverei befreit hatten, waren freiwillig bei ihnen geblieben. Und doch hatten die beiden Schwestern sie in ihr Verderben gerissen.

„Und … was machen wir jetzt?“

Sie sah hoch in Timbers Gesicht.

„Sie bringen uns nach Pandemonium“, redete sie weiter. „Ich habe gehört, dass das neue Gefängnis der Weltregierung noch besser bewacht sein soll als Impel Down damals.“

„Uns wird schon etwas einfallen.“

Damit schloss sie das Gespräch. Arctura lehnte sich zurück und versuchte eine halbwegs bequeme Haltung auf der Pritsche zu finden, ohne, dass ihre gefesselten Hände einschliefen oder zu sehr schmerzten.

Nur, weil sie mit Seestein gefesselt waren und somit ihre Teufelskräfte nicht einsetzen konnten, hieß das nicht, sie waren hilflos. Die beiden besaßen trotzdem eine große Kraft in sich und wenn die Zeit käme, würden sie sich auch wieder befreien.

In der Nacht konnte Arctura nicht schlafen. Während sie auf die tiefen Atemzüge Timbers hörte, lag sie still da und dachte nach. Die Marine hatte sie stellen können, weil der Admiral sie ausfindig gemacht hatte. Dass sie den Befehl hatten, alle ihre Männer zu beseitigen, hätte Arctura nie gedacht. Doch wenn man es im Nachhinein betrachtete, war es die einzige Art und Weise, wie man sie hatte besiegen können.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis einer der klügeren Menschen bei der Marine auf diese Idee kommen würde. Sie mussten gewusst haben, dass sie genau an diesem Tag auf genau dieser Insel sein würden. Sie würde schon noch dahinter kommen, wer den Soldaten den Auftrag gegeben hatte, sich an Arcturas und Timbers Mannschaftskameraden zu vergreifen, während die Geschwister nicht anwesend waren.

Sie würde ihn töten. Danach konnten sie sich Gedanken darüber machen, wie sie aus Pandemonium fliehen würden.

Nach drei Tagen waren sie angekommen. Nur wenig Worte waren zwischen den Zwillingen in dieser Zeit gefallen, doch das war nichts Abnormales. Timber war immer schon ruhig gewesen. Arctura behielt ihre Gefühle lieber für sich.

Die Soldaten führten sie aus ihrem kleinen Zimmer die Treppe hinauf und zum ersten Mal seit drei Tagen sahen sie die Sonne. Sie schien warm auf die beiden herab, doch in Arctura war es kalt. So kalt wie es immer schon war.

Vor ihnen erhob sich ein großes Gebäude. Es starrte nur so von Bewaffnungen und Katapulten. Hinter den Fenstern konnte man Soldaten erkennen, mit Gewehren im Anschlag. Arctura fragte sich, ob dieses Gefängnis tatsächlich noch schlimmer als Impel Down sein konnte. Glücklicherweise war sie niemals in das alte Gefängnis geraten, doch sie hatte viele Dinge gehört.

Vor einem riesigen Tor blieben sie stehen. Nach einigen Minuten ertönte ein lautes Dröhnen und die beiden Flügel öffneten sich. Hinter dem Tor war ein großer Innenhof, auf dem emsige Soldaten umher liefen. Arctura beachtete sie nicht. Stattdessen schnellten ihre Augen umher und sie kundschaftete ihren möglichen Fluchtweg aus.

Sie überquerten den Hof und gelangten in eine Vorhalle, von der aus einige Türen und Gänge abgingen. Die Soldaten schoben sie in Richtung einer weiteren großen Tür, die ebenfalls nach einigen Minuten erst geöffnet wurde. Ein langer, dunkler Gang lag vor ihnen. Licht flammte auf, als sie einen Fuß hinein setzten.

Es war kein Ende zu sehen. Ein Schubs brachte Arctura dazu, ganz in den Gang hinein zu treten. Hinter ihnen schloss sich die Tür mit einem Ruck und sie waren allein.

„Was soll das denn?“

Timber sah sich mit ihren großen Augen um und warf dann einen fragenden Blick auf ihre Schwester, die jedoch schwieg. Ein leises Geräusch drang an ihr Ohr. Arcturas Blick fixierte den Gang und ließ ihre Sinne wandern. Da kam jemand auf sie zu. Auch Timber schien es bemerkt zu haben, denn sie versteifte sich nahezu unmerklich.

Ein Mann kam auf sie zu. Er hatte ein breites Gesicht und breite Schultern, eigentlich war alles an ihm breit. Auch sein gehässiges Grinsen. Arctura spürte, dass er sehr stark war. In ihrer jetzigen Verfassung hatte sie keine Chance gegen ihn. Aber selbst wenn, das war gerade nicht wichtig.

„Mitkommen.“

Schweigend folgten sie ihm. Der Gang zog sich ins Unermessliche. Es ging bergab, so viel konnte Arctura sagen. Und immer geradeaus. Ihr fiel noch etwas ins Auge: An den Wänden waren kleine Löcher und sie vermutete, dass dadurch eine Art Abwehrsystem in Gang gesetzt werden konnte. Vielleicht Stacheln, die heraus schossen. Oder Gift. Oder einfach nur ein starkes Schlafmittel. Sie würden es vielleicht bald heraus finden.

Als sie sich fragte, wie lang der Quatsch noch so weiter gehen sollte, sah sie das Ende des Tunnels: eine schwarze Tür. Der Mann öffnete sie und sie folgten ihm in einen kleinen Raum, von dem erneut drei Türen abgingen.

Er brachte sie durch die linke Tür in einen dunklen, feuchten Gang. Links und rechts waren Kerkertüren, manche mit Fenster, manche ohne. Stimmen drangen an ihr Ohr, Schreie, Wimmern. Ihr Führer begann auf einmal zu reden, man konnte die Vorfreude in seiner Stimme deutlich hören.

„Das ist Ebene A. Hier kommen alle Gefangenen hin, die noch auf ein Urteil der Geschworenen warten. Auch wenn klar ist, wie das Urteil ausfällt.“

Er lachte dröhnend, seine Stimme wurde von den dunklen Wänden zurück geworfen.

„Bis dahin darf ich euch ein kleines bisschen foltern.“

Wieder dieses nervige Lachen. Arctura spürte Wut in sich züngeln, doch sie atmete einmal tief durch. Endlich blieb der Wärter stehen und holte einen Schlüsselbund aus seiner Tasche.

„Keine Sorge, ihr habt Gesellschaft. Mal sehen, wann der Geschworenen euch sehen wollen. Vielleicht morgen, vielleicht in einer Woche. Oder doch in einem Monat? Hoffentlich vergesse ich nicht, euch bis dahin was zu Essen vorbei zu bringen.“

Sein Lachen dröhnte laut und übertönten das Klicken, mit dem er die Tür aufschloss. Bevor er sie aufstieß, drückte er auf einen Knopf, der draußen befestigt war. Ein seltsames Rauschen und Dröhnen erklang von hinter der Tür und unterdrücktes Stöhnen drang an Arcturas Ohr.

Das Dröhnen verstummte, ebenso die menschlichen Geräusche. Der Wärter öffnete die Tür und stieß die beiden Gefangenen hinein. Die Tür knallte mit einem Schlag hinter ihnen zu und die hörten die gedämpfte Stimme des Mannes.

„Damit ihr euch schon einmal dran gewöhnt.“

Sein Lachen hallte laut, doch ein Dröhnen übertönte es. Die Wände erhellten sich, dann traf Arctura etwas mit solcher Wucht, dass sie stöhnend zu Boden ging. Schmerzen zuckten durch ihren Körper, ihre Muskeln kontrahierten, alles brannte.

Dann war es vorbei. Ihr Herz raste, sie war schweißnass. Als sich ihr Atme halbwegs beruhigt hatte, ertönte eine andere Stimme.

„Hey, Wärter. Hast du heute mal eine Kippe für mich?“

Doch anstelle des Wächters ertönte eine tiefere, sichtlich genervte Stimme:

„Halts Maul, Schnitzelklopfer.“

„Halt doch selber dein Maul, Spinatfratze!“

Da es komplett dunkel in dem Raum war, wusste Arctura nichts mit den Stimmen anzufangen, doch sie rappelte sich hoch und ließ ihre Sinne wandern. Es befanden sich noch zwei weitere Menschen in diesem Raum. Sehr starke Menschen.

„Kommt ruhig näher, meine Hübschen. Wir tun euch nichts. Ihr könnt gerne meinen Platz auf der Pritsche haben, wenn ihr wollt.“

Die Stimme des Ersteren hatte stark die Tonlage verändert. Sie klang nun freundlich und ein wenig zu herzlich. Kurzum: Arctura war jetzt schon genervt von ihm.

„Danke.“

Timber. Natürlich ging sie darauf ein. Arctura spürte, wie sich ihre Schwester von ihrer Seite begab und sich zu dem fremden Mann tastete. Ihre Schwester war schon immer empfänglich für jegliche Art von Freundlichkeit gewesen. Doch konnte man sich sicher sein, dass ihre Sinne scharf genug waren, um Freund von Feind unterscheiden zu können. Auf dieser theatralischen Ebene war Arctura nie gut gewesen und hatte auch immer gerne darauf verzichtet.

Sie vertraute lieber ihrem Bauchgefühl und das sagte ihr momentan, dass sie vorsichtig sein sollten. Die Stimme des Zweiten ertönte.

„Musst du dich immer an alle Mädels ran machen, Blondie?“

„Sei still, Schwertheini.“

Bekloppte Leute. Arctura setzte sich neben der Tür auf den Boden in den Schneidersitz und starrte ins Dunkle. Die beiden Fremden mussten sie kurz im Licht der Fackel gesehen haben, mit denen der Wärter den Gang beleuchtet hatte. Es wurmte sie, dass sie nicht auch einen Blick auf die Zwei hatte werfen können. Damit hatten sie einen Vorteil.

„Und wer seid ihr zwei Hübschen?“

„Ich heiße Okami Timber und sie ist meine Zwillingsschwester, Okami Arctura.“

„Freut mich, dich kennen zu lernen, Timber. Ich heiße Sanji. Und der da ist Zorro.“

Etwas störte Arctura, sie wusste nur nicht was. Ihre Alarmglocken schrillten leise, als sie die Namen der beiden hörte. Aber woher kannte sie die? Wie sie ihre Schwester kannte, würde sie das alles eh schneller erfahren, als ihr lieb war.

Wie Recht sie doch hatte.

„Wann hat euch die Marine erwischt?“

Der erste Mann antwortete:

„Vor ein paar Tagen. Ich weiß nicht genau, wie lange es her ist. Hier unten verliert man schnell seine innere Uhr.“

„Pff, du vielleicht“, hörte man den anderen murmeln. Sofort kam die Antwort:

„Wer hat sich denn schnappen lassen, weil er sich verlaufen hat?“

Wütend kam die Antwort des Zweiten, es musste Zorro sein.

„Ich wurde wenigstens nicht von einer gut aussehenden Frau überrumpelt, die einem Schlafpillen ins Getränk mischt. Blinde Kuh.“

„Schnauze, Idiot.“

„Was ...“

„Seid doch endlich still!“

Schweigen legte sich tatsächlich über die vier Insassen. Wahrscheinlich fragten sich die beiden Männer gerade, wer da gesprochen hatte. Arctura war es leid, den Streitereien der Zwei zu zu hören. Ihr Kopf begann zu schmerzen und sie wollte ihre Ruhe haben.

„Wer bist du denn, dass du mir Befehle erteilen kannst?“

Dieser Zorro! Sie konnte ihn jetzt schon nicht leiden. Okay, den Schnösel namens Sanji noch weniger. Das konnte ja noch was werden … Arctura schnaubte innerlich und verwünschte ihr Schicksal.


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Hallo Zusammen,

eine Geschichte über zwei OCs, die auf Zorro und Sanji treffen und mit ihnen gemeinsam an Bord der Strohhüte gelangen. Intrigen, Familiengeschichten und ein wenig Liebe darf auch nicht fehlen.

Überarbeitete Version einer Story, die hier vor einigen Jahren bereits hochgeladen worden ist.

Viel Spaß!
LG Semi