Find Me, Help Me, Love Me

GeschichteDrama, Romanze / P16
17.08.2020
27.09.2020
31
44.266
 
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16.09.2020 869
 
Nicks Sicht

Inzwischen war Weihnachten. Ich saß mit meiner Familie an einem großen Tisch, der reichlich gedeckt war. Gerade waren wir aus der Kirche gekommen und nun gab es das Festessen. Hildegard, unsere Haushälterin hatte soeben den letzten Topf mit dem Braten auf den Tisch gestellt und setzte sich. Und dann hieß es essen. Ich liebte Weihnachten, die ganze Familie kam zusammen und man feierte in Ruhe. Es war ein ruhiger Tag, wo man an seine Liebsten dachte und Friede herrschte. Weihnachten, das Fest der Liebe.

Und während ich um unseren Tisch herum sah, merkte ich was fehlte. Liebe. Ich liebte meine Mutter, ja, aber ich hatte niemanden, den ich liebte, mit dem ich mir vorstellen könnte eines Tages eine Familie zu gründen. Ich war allein und das war Leilas Schuld, sie spukte durch meinen Kopf und ließ mich nicht frei. Egal welche Frau ich ansah, fragte ich mich, ob sie genauso mutig war wie Leila, ob sie so lachen konnte wie sie und ob sie ihre Stärke besaß. Ob sie so gütig war wie sie und ihr Leben jemanden anderem aufopfern würde. Leila spukte in meinem Kopf herum und gab mich nicht frei. Und nur deswegen saß ich hier heute, am Tag der Liebe alleine. Wünschte ich mir sie herbei oder doch einfach nur eine Frau, die ich lieben könnte?

Meine Mutter trauerte noch immer um meinem Vater. Sie vermisste ihn immer noch, nach all den Jahren. Er war die Liebe ihres Lebens gewesen und hatte sie viel zu früh verlassen. Auch heute trägt sie wieder eines ihrer schwarzen Kleider und zeigt damit, dass sie noch immer trauert. Ich hatte sie schon oft versucht dazu zu bewegen, sich wieder etwas Farbiges anzuziehen und sich vielleicht sogar wieder neu zu verlieben. Doch sie blockte ab. Ich versuchte wirklich meinem Vater das Versprechen zu erfüllen, doch sie machte es mit echt schwer.

Dann saß an unserem Tisch noch Hildegard. Sie war schon immer die Haushälterin unserer Familie gewesen. Sie war eine gute Seele und doch alleine. Sie hatte eine Tochter. Ein paar Mal hatte ich sie gesehen, sie war etwas jünger als ich, aber lebte schon lange bei ihrem Vater in den USA. Ich wusste, dass Hildegard sie vermisste, ich hatte Hildegard ein paar Mal auf ihre Tochter angesprochen, doch sie sagte nie was dazu. Sie sah mich nur jedes Mal traurig an.

Meine Großeltern waren schon lange tot und meine Tante und meine Cousine waren hier. Tante Sarah war schon drei Mal verheiratet gewesen und nun hatte sie den Männern abgeschworen, außer mir, ihrem Lieblingsneffen und einzigem Neffen.

Charlotte, meine Cousine war zwei Jahre älter als ich und liebte es durch die Welt zu touren und die Männer auf der ganzen Welt kennen zu lernen. Ich liebte sie, aber ich verstand sie nicht so recht, wir waren das genaue Gegenteil von einander, aber die einzigen Kinder in dieser Familie gewesen und das hatte uns zusammen geschweißt.

Heute an Weihnachten sah man uns allen an, was uns bewegte. Wir vermissten alle eine Person, die wir liebten, die uns liebte.

Leila Sicht

Es war Weihnachten. Das Fest der Liebe. Ich hatte dieses Jahr meinen Schwestern erklärt was dieses Fest war und worum es ging. Ich wollte es auch feiern und so waren wir in die Kirche gegangen. Fast hätte ich es bereut, als ich dort alle in ihren feinen Anziehsachen sah und unsere besten Anziehsachen aussahen, als ob sie aus der Mülltonne gezogen worden sind. Aber eben nur fast. Sie erfreuten sich an der Musik und dem tollen Gebäude, sie hörten dem Pastor gespannt zu und fanden das Krippenspiel wunderschön. Ich war stolz auf meine beiden Mädchen. Jedes Kind hier in der Kirche wartete auf das Ende und auf ihre Geschenke. Meine Schwestern sogen die Atmosphäre in sich auf und hofften, dass die Messe noch länger dauert. Und als das Ende kam, waren sie die einzigen, die traurig waren. Ich lächelte selig.

Zu Hause hatte ich eine Kleinigkeit zu Essen vorbereitet und für jede der beiden ein kleines Geschenk. Ich weiß, wir besaßen nicht viel Geld, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, beiden ein Geschenk zu machen. Für Louisa hatte ich eine Puppe gekauft und auf einem Flohmarkt hatte ich noch einen alten Puppenwagen gefunden, ich hoffte, es würde ihr gefallen. Für Hanna hatte ich eine Spielesammlung gekauft und ein neues Buch, dass es noch nicht in der Bücherei gab. Die Geschenke lagen auf dem gedeckten Tisch, bereit ausgepackt zu werden.

Als ich am Abend in meinem Bett lag, war ich unendlich glücklich, wirklich. Schon lange hatten wir drei nicht mehr einen so schönen Tag verbracht. Nach dem Essen haben wir noch einige Runden Mensch-Ärger-dich-nicht gespielt, und uns dabei geärgert und noch mehr gelacht. Fast hatte ich das Gefühl, dass wir drei normale Kinder waren, aber eben nur fast.

Nicks Sicht

Ich stand vor ihrem Foto, wollte sie vergessen, doch es ging nicht, ich versuchte mich zu zwingen, nicht mehr an sie zu denken. Es war vorbei, sie war verschwunden, hatte mich zurück gelassen, sie wollte mich nicht mehr sehen! All das versuchte ich mir ein zu reden. Doch alles was ich wahrnahm, waren ihre traurigen Augen, als der Zug losfuhr und wir getrennt wurden.