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Saved // Der letzte Tag auf Erden

GeschichteDrama, Angst / P16 / Mix
Negan OC (Own Character)
16.08.2020
17.05.2021
11
31.310
3
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16.08.2020 1.608
 
Hallo und herzlich willkommen!

Es freut mich wirklich sehr, dass du dich hierher verirrt hast.

Vorab werde ich die Dinge, die ich vor dem Beginn dieser Geschichte noch sagen möchte, in diesem kurzen Vorwort zusammenfassen.

„Saved – Der letzte Tag auf Erden“ ist meine erste The Walking Dead Fanfiction und soll unabhängig vom Original spielen. Sie ist in ihrem Verlauf nicht an den Plot der Serie oder des Comics gebunden, enthält jedoch Charaktere, die erst am Ende der sechsten Staffel der Serie vorgestellt werden. Da es sich hierbei um eine „Alternate Universe“-Fanfiction handelt, wird sie voraussichtlich wenige, beziehungsweise gar keine Spoiler zur Handlung des Originals beinhalten.

Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass lediglich die Auferstandenen, deren Aufenthaltsort und Hintergrundgeschichte, sowie einige wenige Mitglieder der Erlöser aus meiner eigenen Feder stammen. Den Rest werde ich mir zum Zweck dieser kleinen Geschichte nur kurz „ausleihen“.

Ich freue mich außerdem riesig über Feedback jeder Art und möchte dich dazu ermutigen, mir mitzuteilen, wenn du meine Geschichte magst und Fragen oder etwas zu bemängeln hast. Ich bin schon gespannt darauf, deine Gedanken und Reaktionen bezüglich meiner Geschichte zu lesen.

Nun denn! Ich hoffe, dass du beim Lesen und Eintauchen in eine Welt voll lebendiger und toter Feinde genauso viel Spaß hast, wie ich beim Schreiben.

Wir sehen uns auf der nächsten Seite, in einem düsteren, verlassenen Schulkorridor!

Alice






○ Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel - die Katastrophe. ○ - Christian Morgenstern






Die atemlose, fast greifbare Stille hatte sich wie eine weiche, alles erstickende Daunendecke über den Korridor gelegt, den sie nun langsam entlangging. Die Schritte ihrer schweren Stiefel wurden kalt von den speckig glänzenden, grauen Wänden zurückgeworfen und durchschnitten das Schweigen wie kurze, blecherne Gewehrschüsse.

Wie passend.

Sie glaubte, das Blut in ihren Ohren rauschen zu hören und ihr bleichen, zitternden Finger krallten sich noch fester um das kühle Metall in ihren Händen, dass sich trotz der fiebrigen Hitze in ihren Körper nicht von selbst aufwärmen wollte. Der Lauf des Revolvers streifte kurz ihren Oberschenkel und sie erschauerte.

Der Augenblick war gekommen. Endlich. Der Augenblick der Wahrheit. Wie lange hatte sie auf diesen Augenblick gewartet? Monate? Jahre? Auf diesen Moment der Befreiung, der Genugtuung. Und nun war er hier, direkt vor ihr. Sie brauchte nur die Schritte zu beschleunigen, die Hand ausstrecken und könnte ihn ergreifen. Es kam ihr unwirklich vor, als befände sie sich in einem Traum, in dem sie gleichzeitig Zuschauerin und Protagonistin war. In einem Traum, von dem sie noch nicht so recht wusste, ob es ein Schöner oder Schlechter werden würde. Als würde sie jede Sekunde von grellen Sonnenstrahlen geweckt und von dem Gesang der Vögel begrüßt werden.

Sie horchte. Doch da war nichts. Kein Vogelgesang, keine Windböe, nicht das Geräusch von raschelnden Bettlaken, nichts. Nur Stille und das Geräusch ihres immer schneller werdenden Atems, der ihr selbst so fremd war, wie das Metall in ihren Händen.

Das blasse Mädchen blieb abrupt stehen. Im düsteren Gang wirkte sie beinahe wie ein, am Ende eines langen, dunklen Tunnels stehender Geist. Reglos. Die hellblonden, fast weißen Haare wurden von einem Windstoß zerzaust, der aus einem Lüftungsgitter drang und eine Strähne fiel ihr ins Gesicht, kitzelte ihre Nase, ihre Lippen. Sie wischte sie nicht weg, ja, bemerkte sie nicht einmal. Stattdessen betrachtete sie eine der dicken, bemalten Säulen, die sie gerade passiert hatte.

Ein breit grinsender, hellblauer Wal räkelte sich unter einer krakelig gemalten, grellorangen Sonne in einem, azurfarbene Wellen schlagenden Meer während er einen parodistisch hohen Wasserstrahl aus dem Loch an seinem Rücken presste. Eine graue Robbe balancierte wenige Zentimeter von ihm entfernt auf einer weißen Schaumkrone, einen bunten Wasserball auf der freundlichen Schnauze mit den fast fingerdicken Schnurrhaaren.

Ihr Griff lockerte sich. Sie senkte den Kopf. Ihre Vorderzähne bohrten sich in ihre trockene Unterlippe und sie hob den Blick erst wieder, als sie Blut schmeckte, das in einem winzigen Rinnsal in ihren Mund tröpfelte. Der unvergleichlich metallische Geschmack breitete sich augenblicklich auf ihrer Zunge aus und sie schluckte.

Es war bereits zu spät. Nun gab es kein Zurück mehr. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen und konnte sie nicht mehr zurücknehmen.

Erneut betrachtete sie die bunte Säule, die in dem grauen, unfreundlichen Gang so sehr fehl am Platz erschien, wie eine Tulpe im Salatbeet und da erkannte sie es. Jemand hatte mit schwarzer Farbe ein profanes Schimpfwort in eine der weißen Wolken gemalt, die langsam über die ganze Szenerie schwebte. Winzig, fast unerkennbar und doch schaffte der unbekannte Künstler es, etwas Höhnendes, Zynisches aus dem unschuldigen Kinderbild zu machen.

Ein heißes Brennen breitete sich in ihrem Magen aus, schien sie von innen heraus zu verzehren wie ein wütender, pulsierender Tumor. Sie hatte ihren Entschluss gefasst, die unwiderrufliche Entscheidung getroffen. Sie fasste den Revolver fester, sicherer. Ihre Finger hatten aufgehört und das leise Klick des kleinen Hammers ließ sie nicht mehr zusammenfahren, als sie ihn mit sanfter Gewalt zurückschob, verwundert, wie viel einfacher es ging als bei den letzten, ersten beiden Malen.

Sie setzte sich wieder in Bewegung, die Schritte fest und sicher, den Kopf hoch erhoben. Ihr Atem hatte sich beruhigt, nur ihr Herz schlug ihr noch immer bis zum Hals. Sie kannte ihren Weg. Ja, den kannte sie durchaus. Noch nie war sie sich so sicher gewesen wohin der Weg, den sie gewählt hatte, sie führen würde, als in diesem einen, köstlichen Moment.

Ein einzelner Lichtstrahl fiel durch ein viel zu kleines Fenster und brach sich auf der silbern glänzenden Waffe in ihrer Hand. Der Strahl wurde reflektiert und malte einen kleinen Punkt auf eine grau-blaue Tür am Ende des Ganges, auf die sie direkt zusteuerte. Als wollte die Welt sie ermutigen, sie in ihrem Entschluss bestärken.

Eine Glastür hinter ihr klirrte, doch sie drehte sich nicht um. Die Gedanken in ihrem Kopf rasten, doch ihr Atem ging immer noch ruhig, entspannt. Ihre Lippen zuckten und formten sich zu einem erleichterten, siegessicheren Lächeln.

Bald hatte sie es geschafft.

Sie schloss die Augen, während sie die letzten Meter zurücklegte, wie ein Kind auf dem Weg zu seiner Geburtstagsüberraschung, vor Vorfreude bebend. Die hellen, fast weißen Wimpern strichen über die Haut unter der Augenpartie. Ihre Zunge benetzte die trockenen Lippen. Der Speichel brannte auf der schmalen, aufgeplatzten Wunde.

Sie öffnete die Augen, die in einem so durchdringend vollkommenen Blau schimmerten, dass sie beinahe violett wirkten. Sie schienen unnatürlich, zu hell für das Gesicht eines Menschen zu sein. Beinahe wie der kitschigen Illustration eines ebenso kitschigen Märchens entsprungen. Sie fixierte das kleine Eisenschildchen, das mit drei kleinen Schrauben an der Tür angebracht war.

E27.

Ein Buchstabe, zwei Zahlen. So simpel und doch so bedrohlich, dass sie ihr in mehr als einem düsteren Alptraum und verwirrten Gedanken einer schlaflosen Nacht erschienen war. Wiederkehrend wie ein Mantra und beunruhigend wie ein Donnergrollen.

Weiße Finger griffen nach der silbernen Türklinke, den geladenen, entsicherten Revolver im Anschlag. Keine Spur des Zögerns, dass sie noch vor wenigen Minuten befallen hatte, war mehr zu spüren. Stattdessen war eine eisige Kälte an dessen Platz getreten. Eine entschlossene, nichts fürchtende, mitleidlose Kälte.

Doch bevor sie die Klinke hinunterdrücken konnte, drang ein Rauschen durch den roten Schleier ihrer eigenen Entschlossenheit und ihres Zorns an ihr Ohr. Verwirrt wandte sie den Kopf um und ließ unwillkürlich die Waffe sinken. Die blasse Hand verweilte auf der Türklinke.

„Achtung, eine Durchsage!“

Die atemlose Stimme dröhnte keuchend aus einem Lautspreche, der über ihr auf der anderen Seite des Ganges angebracht war. Dem Echo nach zu urteilen plärrte die Stimme auch durch jeden anderen Lautsprecher, der irgendwo im Gebäude angebracht war. Panik schwang mit jedem Wort mit, das scheppernd den kleinen Metallkasten verließ.

„Bitte, bewahrt alle Ruhe. Wir bitten jeden Lehrer darum, mit seiner jeweiligen Klasse das Gebäude unverzüglich zu verlassen oder einen sicheren Ort aufzusuchen.“ Ein heiseres, panisches Husten, das in einem scheppernden Störgeräusch unterging. „Dies ist keine Übung, ich wiederhole…“ Der Mann beendete den Satz nicht, der in einem schmerzerfüllten Aufstöhnen endete. „… ah, der Biss, John…“ Dumpfes Poltern. Das Rauschen verstummte kurz. Wenige Momente später meldete sich eine zweite Männerstimme:

„Sie sind hier. Lauft um euer Leben. Ich…“

Seine letzten Worte gingen in einem atemlosen, verzweifelten Schluchzen unter.

In diesem Moment klirrte die Glastür hinter de Mädchen mit den hellen Haaren erneut und diesmal wirbelte sie herum.

Blankes Entsetzen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sie beobachtete, wie eine Gruppe von nicht identifizierbaren Gestalten sich mit lechzenden Gesichtern gegen die Glasscheibe presste und dabei zu einem einzigen riesigen Wesen mit unendlich vielen Gliedmaßen, Augen und Mündern zu verschmelzen schien. Das Mädchen stand wie versteinert da. Mit langsamen Schritten und hypnotisiertem, von verabscheuender Faszination geprägtem Blick lief sie von der grau-blauen Tür mit dem E27 Schildchen weg und immer weiter auf die Glasscheibe zu.

Doch bevor sie einen näheren Blick auf die Gestalten erhaschen konnte, zerbrach das dicke Glas mit einem schaurigen Klirren in große, scharfkantige Splitter und die augenscheinlich männlichen Gestalten purzelten übereinander in den grau getünchten Gang.

Direkt auf das reglos dastehende, nun auf einmal wieder zerbrechlich wirkende Mädchen. Tiefes, kehliges Knurren, Stöhnen und Röcheln erfüllte die Mauern. Das Kratzen von Fingernägeln und Zähnen auf frisch geschrubbtem Fliesenboden erzeugte eine Gänsehaut auf dem Rücken eines jeden Zuhörers.

Erst als die Tür hinter ihr mit einem dumpfen Knall aufgerissen und eine der Kreaturen bereits mit einen langen, sehnigen, verrottenden Arm nach ihr ausstreckte, erwachte das Mädchen aus ihrer Schockstarre.

Die Gestalt hatte sich inzwischen aufgerappelt und ging mit ausgestreckten, in ein zerrissenes Hemd gekleideten, gelblichen Armen auf sie zu. Das Wesen kam immer näher, die furchterregend menschenähnlichen Augen weit aufgerissen und mit dicken, zähflüssigen Speichelfäden, die aus seinem Mund träge zu Boden tropften.

Sie blickte in seine trüben, leblosen Augen und drückte ab.
 
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