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Ein Fjord im Sommer

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
16.08.2020
16.08.2020
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16.08.2020 660
 
13. 7. 2019 (Sa)

Tatsächlich ist es schon ein Weilchen her, dass ich mit der Mein Schiff-Flotte in See gestochen bin. Und da das bisherige Jahr eher so lala lief, wären ein paar Tage Entspannung auf hoher See mit Papa ein fairer Preis. In der kommenden Woche wird es darum gehen, das uns noch fremde Norwegen kennenzulernen. Dies wird ganz entspannt an Bord der "neuen Mein Schiff 1" (die alte existiert ja nicht mehr) geschehen. Die Anreise ist ein kleines Déjà-vu der letzten Kreuzfahrt: Mit dem Zug nach Kiel. Gedanken machten wir uns etwas über die dortige Kreuzfahrt-Demo, die sich somit auch gegen uns richtete. Scheinbar zog sie nicht viel Aufmerksamkeit auf sich. Jedenfalls bekamen wir davon null mit, ergo stellte der Weg von zu Hause bis zum Schiff keine Probleme dar. So schritten Papa und ich zur Mittagszeit über die Gangway in den Schiffsbauch. Kulturschock - Fehlanzeige. Vom ersten Moment fühlte es sich an, als wäre ich nie weg gewesen. Der nächste Ort war die TUI-Bar, wo in einem großen Sitzbereich schon viele weitere Passagiere Platz genommen hatten. Wir zwei erkoren zwei freie Hocker direkt an der Theke und bestellten schon mal flüssige Nahrung. Das Angebot war gleich geblieben, demnach konnte ich nach wie vor einen Dolce Vita genießen. Als Nächstes wollten wir unsere Kabine kennenlernen. Sie liegt ganz unten in Deck 3. Fahrstuhl und Atlantik-Restaurant sind in greifbarer Nähe. Auch optisch überbietet sie unsere bisherigen. Alles war in Blau und Weiß gehalten, was ein angenehmes Gefühl der Ruhe und noch mehr Vorfreude auf diese Reise in mir auslöste. Das konnte nur eines toppen: Ein Mittagessen im Anckelmannsplatz. Der wird nie langweilig und sättigt meinen mittlerweile knurrenden Magen. Das Buffet bewegte mich dazu, gleich zwei Teller für meine Verhältnisse blitzschnell zu leeren. Wir verließen die Örtlichkeit komplett voll, aber positiv gestimmt. Papa wollte mir jetzt das Schiff zeigen, er kannte es ja schon. Doch weit kamen wir nicht, da uns die Eisdiele aufhielt. Ich habe selbst keine Ahnung, wie diese zwei Kugeln noch reinpassten. Enden tat unser Trip in der Bar, 10 Meter weiter. Also ein weiteres Mal anstoßen. Nun sind wir zur Ausflugs-Abteilung gegangen, um ein paar offene Fragen zu klären. Den späten Nachmittag verbrachten wir auf der Kabine, richteten sie ein und testeten das Bett im lesenden, bzw. schlafenden Zustand. Was könnte da noch stören? Die Antwort: Sieben kurze Pieptöne, ein langer. Die Seenotrettungsübung. Die nahm aber weder viel Zeit noch viel Bewegung in Anspruch. Schon kurz darauf legte das Schiff ab. Mit Getränken in der Hand schlenderten wir auf dem Außendeck 12 umher, während die Reling üblicherweise belagert wurde. So beobachteten wir Wasser, Himmel, Bäume, Gebäude und Menschen. Das Schiff ist wirklich freundlich und hell und ich musste mich an nichts mehr gewöhnen. Auch die Crew hat ihre lockere und fröhliche Art beibehalten. Während wir Kiel an uns vorbeiziehen ließen, beschloss Papa, eine dritte Bar aufzusuchen. Ein älteres Ehepaar gesellte sich an unseren Tisch, woraufhin wir uns innerlich seufzend detailliert seine komplette Lebensgeschichte anhören durften. Die Erlösung brachte das Abendessen. Papa war heiß auf das Fischrestaurant, wo unsere Nerven gleich wieder auf die Probe gestellt wurden: Unser Essen kam einfach nicht, und die mehrmalige Ankündigung, es sei gleich soweit, änderte daran auch nichts. Nach einer knappen Stunde konnten wir endlich zulangen. Meine Fish and Chips, stilecht in der Zeitung serviert, entschädigten die Warterei. Nichtsdestotrotz hatten wir so Einiges verpasst. Auf dem Außendeck fand die Willkommensfeier gerade ihr Ende. Das jetzige Bild: Farbige Lichtspiele, dröhnender Bass und eine volle Tanzfläche. Ein vielleicht 4-jähriger Junge hat dabei allen die Show gestohlen, indem er sich allein auf die Bühne stellte und den Dirigent spielte. Papa und ich bestaunten die Szenerie erst stehend, dann sitzend. Ohropax hätte mir jetzt gut getan, doch so sah ich mich gezwungen, recht schnell in die Kabine zu gehen und dort zu bleiben. Papa schlief wie ein Murmeltier, auch ich begrüßte die erste Nacht dieser Kreuzfahrt.
 
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