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Fluchmagie - Im Bann der Königin

GeschichteRomance, Familie / P18 Slash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Henry Mills jr.
16.08.2020
21.11.2020
15
50.727
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16.08.2020 2.400
 
Fluchmagie – Im Bann der Königin


1. Kapitel – Ach, wie schlecht, dass jemand weiß …



Sie war versucht, ihn zu töten. Sein schlagendes Herz hatte bereits in ihrer Hand gelegen und es hatte nicht mehr viel gefehlt, es endgültig zu Staub zu zerdrücken. Doch ihre Panikreaktion hatte sich gelegt und sie hatte davon abgesehen, ihn zu töten. Es war gefährlich, dass er sich erinnerte, zumal sie nicht mit Sicherheit wusste, an was er sich erinnern konnte. War es sein ganzes Leben aus dem Zauberwald oder waren es nur Bruchstücke? Sie war fest entschlossen, es herauszufinden. Töten konnte sie ihn jederzeit. Vorerst hatte sie sein Herz dazu benutzt, ihm ins Gedächtnis zu rufen, wer am längeren Hebel saß. In dieser Welt gab es nicht viel Magie, aber einen Menschen mithilfe seines Herzens zu kontrollieren, funktionierte auch hier. Ihm blieb keine andere Wahl, er musste ihr gehorchen. Vorerst hatte sie ihn wieder unter Kontrolle. Was für ein Glück, dass sie zu Hause gewesen war, als er Rat bei Henry gesucht hatte. Jetzt stellte sich nur die Frage, warum er sich plötzlich erinnerte. Sie hatte keine Zweifel, dass es mit Emma Swan zu tun hatte. Seit die leibliche Mutter ihres Sohnes und Dorn in ihrem Fleisch einen Fuß in ihre Stadt gesetzt hatte, zeigte der Fluch Schwäche. Leider war bisher jeder Versuch, sie zu vertreiben, fehlgeschlagen. Sie musste sie dringender denn je loswerden, wenn sie nicht wollte, dass sich bald noch mehr an ihr früheres Leben erinnerten. Ihr musste etwas einfallen und zwar schnell.
Zuerst wollte sie jedoch unbedingt herausfinden, ob die offenstehende Tür ihres Mausoleums auch etwas mit Emma Swan zu tun hatte oder ob es tatsächlich ein anderer gewagt hatte, es zu betreten. In diesem Fall konnte sich die Frau endlich einmal nützlich machen, um den Schuldigen zu finden. Aus genau diesem Grund stand sie nun vor Snow Whites Appartement. Zugegeben, es war faszinierend, wie Mutter und Tochter zusammengefunden hatten, ohne zu wissen, wer die jeweils andere war.
Sie hob die Hand, um anzuklopfen, hielt aber in der Bewegung inne, als sie hörte, dass Snow White ihren Namen nannte. Anstatt zu klopfen, trat sie näher an die Tür. Sie wollte hören, was die beiden über sie redeten. Etwas Gutes war es sicher nicht.
„Natürlich geht es um Regina. Es dreht sich immer alles um Regina. Die Frau macht mich wahnsinnig“, schnappte Emma. Regina kräuselte die Lippen. Das beruhte dann wohl auf Gegenseitigkeit. „Warum versteht sie nicht, dass ich ihr Henry nicht wegnehmen will? Ich will doch nur Zeit mit ihm verbringen. Ich hätte nicht einmal etwas dagegen, wenn wir etwas zu dritt unternehmen.“

„Warum schlägst du ihr das nicht vor?“, hörte sie Snow White fragen und schnaubte leise.
Emma lachte. „Na klar. Hey, Regina, haben Sie Lust, mit mir und Henry Eis essen zu gehen? Wach auf, Mary Margaret, warum sollte ich fragen, wenn ich die Antwort bereits kenne? Es gibt keinen Grund, warum sie zustimmen sollte. Sie ist Regina, die Bürgermeisterin, und wenn es nach Henry geht, sogar eine Königin. Warum sollte sie mit mir Eis essen gehen? Ich habe nichts vorzuweisen, ich bin nun mal nur Emma, ich … ach verdammt.“
Ein Knall war von drinnen zu hören und gleich darauf ein verzagtes Stöhnen von Snow White. „Warum immer der Toaster? Und was soll das heißen: du bist nur Emma?“
Vor der Tür nahm Regina eine entspannte Haltung an. Dieses Gespräch zwischen Mutter und Tochter wurde von Minute zu Minute interessanter. Wie es schien, war die liebe Emma nicht nur daran interessiert, mit Henry Eis essen zu gehen. Wer hätte das gedacht?
„Vergiss es, es spielt keine Rolle.“
„Emma?“ Für einen Moment herrschte Stille und Regina erwischte sich dabei, wie sie gespannt die Luft anhielt. „Oh, mein Gott, du bist verliebt!“
„Was? Nein!“, wehrte Emma vehement ab, doch ihre nächsten Worte klangen nicht überzeugend. „Nein. Ich weiß es nicht. Vielleicht?“
Regina entließ die Luft, die sie angehalten hatte. Das kam überraschend. Sie hatte bisher nicht den Eindruck gewonnen, dass Emma Interesse an Frauen hegte. Zudem wäre sie nie im Leben darauf gekommen, dass sie das Objekt der Begierde war. Wenn sie sich bisher begegnet waren, stachelten sie sich solange gegeneinander auf, bis es sprichwörtlich knallte. Sie hatte Emma wahrlich keinen Grund gegeben, sie auf irgendeine Weise zu mögen.
„Oh, Emma.“
„Schau mich bitte nicht so an, Mary Margaret.“
„Wie schaue ich denn?“
„Als wäre alles ganz einfach“, murrte Emma. „Glaub mir, es ist nicht einfach. Angefangen bei Henrys Theorie, von der jetzt auch schon Graham überzeugt ist, bis hin zu der Tatsache, dass Regina eine Affäre oder was auch immer mit ihm hat. Andererseits hat er das letztens geleugnet, was aber nicht der Punkt ist. Der Punkt ist, Regina steht auf Männer. Männer haben keine Brüste, so wie ich. Zumindest sollten sie keine haben. Männer haben einen Penis und ich bin mir verdammt sicher, dass mir in den letzten Sekunden keiner gewachsen ist. Außerdem bin ich mir sehr sicher, dass Regina mich hasst und … Warum lachst du?“

„Dafür, dass das alles keine Rolle spielt, machst du dir reichlich Gedanken darüber“, stellte Snow White lachend fest. Reginas Mundwinkel verzogen sich zu einem angedeuteten Lächeln. In ihren Ohren klang es sogar nach ein wenig Eifersucht. Was immer es war, das Emma dazu brachte, sie nicht nur feindselig zu mustern, ließ sich fördern. Plötzlich kam ihr eine ganz andere Idee. Bisher hatte sie versucht, Emma loszuwerden. Aber hieß es nicht, man sollte seinen Feinden näher sein als seinen Freunden? Ihr Lächeln nahm etwas Hinterlistiges an.
„Und glaub mir, wenn ich dir sage, Regina hat nicht nur eine Schwäche für Polizisten mit Dreitagebärten. Hast du je gesehen, wie sie deinen Hintern mustert? Zumindest für den hat sie etwas übrig.“
„Wirklich?“ Emma klang hoffnungsvoll. Es gefiel Regina nicht, doch sie musste gestehen, dass Snow White recht hatte. Doch nur, weil sie die Frau nicht in ihrer Stadt haben wollte oder in der Nähe ihres Sohns, hieß das nicht, dass sie sie nicht attraktiv fand. Wenn ihr sich neu formender Plan aufging, konnte sie durchaus ein wenig Spaß haben, bevor sie Emma vernichtete.
„Frag sie das nächste Mal einfach“, schlug Snow White vor. „Mehr als eine Abfuhr kannst du dir nicht einhandeln und wer weiß, vielleicht überrascht dich ihre Antwort. Ich gebe zu, sie ist sehr verschlossen und aufgrund eurer speziellen Situation ist es sicherlich nicht einfacher für sie, aber vielleicht könnt ihr das Kriegsbeil begraben, wenn du nur hartnäckig genug bist.“
„Vielleicht hast du recht“, überlegte Emma. „Ich versuch’s.“
Oh, Emma machte es ihr wirklich zu einfach. Sie würde nicht viel tun müssen, damit Emma sich von ihr einlullen ließ. Wenn sie es dann am wenigsten erwartete, würde sie ihr das Herz auf eine Weise brechen, so dass Emma nur noch die Flucht blieb. Dann würde Henry endlich sehen, dass Emma sich nicht als Mutter eignete. Die Idee gefiel ihr immer mehr.
„Und jetzt zu Graham“, drängte Snow White. „Was genau meinst du damit, dass er Henry glaubt?“
Eine Frage, auf die auch Regina eine Antwort haben wollte.

„Genau das. Aus heiterem Himmel heraus erklärt er mir, dass er endlich wieder etwas fühlen will, küsst mich – und das war wirklich schräg und absolut nicht mein Ding – und faselt plötzlich etwas von einem Wolf. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, er hat etwas eingeworfen. Später behauptete er noch, er müsse unbedingt in Reginas Mausoleum, weil er davon überzeugt ist, sein Herz dort zu finden. Es hat mich alle Mühe gekostet, ihn dort wieder herauszuziehen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir natürlich nichts gefunden haben und dem Himmel sei Dank, dass Regina nicht plötzlich auftauchte. Ich will mir gar nicht vorstellen, was dann passiert wäre.“
Dafür konnte es Regina umso besser. Natürlich war Emma dafür verantwortlich. Wie hatte sie überhaupt jemand anderen in Erwägung ziehen können? Sie erwog, umzukehren, da die Frage, wegen der sie hergekommen war, nun beantwortet war, aber schlussendlich klopfte sie doch an die Tür. Warum ihr Spiel mit Emma nicht jetzt schon beginnen? Sie musste nicht lange darauf warten, dass ihr Snow White die Tür öffnete.
„Regina.“ Überraschung spiegelte sich in dem Gesicht ihrer Stieftochter wieder. „Was machen Sie denn hier?“
„Ich wünsche Ihnen auch einen guten Abend, Miss Blanchard“, schnarrte Regina. Es fiel ihr jedes Mal schwer, der Frau nicht einfach das Herz herauszureißen, wenn sie vor ihr stand. Zu ihrem Glück – oder Pech – gab es in dieser Welt nicht genügend Magie, um das zu bewerkstelligen. „Ist Miss Swan da?“
„Ja, natürlich. Kommen Sie rein.“ Snow White trat zur Seite, um sie hereinzulassen und schloss hinter ihr die Tür.
„Deputy“, grüßte Regina, als sie Emma hinter der Küchentheke stehend sah. Vor ihr auf der Arbeitsplatte stand ein ramponierter Toaster, in dem ein Schraubenzieher steckte. Sie wollte wahrlich nicht wissen, wie es dazu gekommen war. Flüchtig sah sie sich um. Vom Eingangsbereich aus hatte man einen Blick über das gesamte Appartement. Lediglich die Räumlichkeiten, zu der die eiserne Treppe vor ihr führte, konnte man nicht einsehen.
„Frau Bürgermeisterin“, gab Emma zurück, konnte ihre Überraschung aber nicht ganz verbergen. „Ich bin zwar nicht im Dienst, aber was kann ich zu dieser späten Stunde für Sie tun, was Graham nicht auch könnte?“

Regina warf einen Blick zu ihrer rechten Seite, wo Snow White stehen geblieben war, nachdem sie die Tür geschlossen hatte. „Oh, ich wollte gerade …“ Sie gestikulierte in Richtung Badezimmer und verschwand dann eilig darin.  
„Ich wollte mich bei Ihnen erkundigen, ob Ihnen bekannt ist, warum die Türen des Grabs meines Vaters offen standen, als ich heute Blumen vorbeibrachte“, erklärte Regina in einem neutralen Ton. Ihr entging nicht, dass Emma bei diesen Worten etwas blasser um die Nase wurde. „Ich hoffe, dass Sie den Störenfried ausfindig machen.“
„Also, um ehrlich zu sein, war ich das“, gestand Emma und trat hinter der Kücheninsel hervor. „Ich war auf Patrouille und dachte, jemanden gesehen zu haben. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass alles okay war, muss ich vergessen haben, die Tür richtig zu schließen. Tut mir leid.“
Es war erstaunlich, wie dreist diese Frau ihr ins Gesicht log. Sie musste ihr allerdings zugutehalten, dass die Wahrheit in diesem Fall nicht zu ihren Gunsten ausgefallen wäre. „Verstehe.“ Regina bemühte sich um ein freundliches Lächeln. „Das nächste Mal informieren Sie mich, bitte.“
„Natürlich.“
„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend, Miss Swan.“ Langsam wandte sich Regina zur Tür. Gedanklich begann sie zu zählen. Eins, zwei, drei …
„Regina!?“
Es war wirklich zu einfach. Emma ergriff tatsächlich die erste Gelegenheit. Sie drehte sich zu ihr herum. „Ja?“
„Ich habe gehört, morgen soll es sehr sonnig werden“, begann Emma zögerlich. Für gewöhnlich war sie frei heraus, doch immer, wenn die Sprache auf Henry kam, hielt sie sich zurück, um den Zorn der Bürgermeisterin nicht auf sich zu ziehen. Wenn sie konnte, wollte sie jeden Streit vermeiden. „Ich dachte mir, dass ich Henry morgen von der Schule abholen könnte, um mit ihm ein Eis essen zu gehen. Und ich frage mich, ob Sie Lust haben, mitzukommen.“

Regina tat erstaunt. Sie konnte nicht sofort zustimmen. Für Emma musste es so aussehen, als würde sie darüber nachdenken. Des Weiteren musste sie Emma gegenüber aufpassen, was sie sagte. Aus unerklärlichen Gründen wusste die Frau, wenn sie sie anlog. Als hätte sie einen sechsten Sinn. Wie auch immer ihr Spiel ab hier weiterging, sie musste es ernst meinen, wenn sie nicht wollte, dass Emma etwas merkte. „Warum nicht?“, sagte sie schließlich. „Dann treffen wir uns vor dem Café?“
„Ja.“ Das Lächeln, das Emma ihr nun schenkte, war so strahlend, dass es sie blenden würde, wären sie tatsächlich in einem Disney-Film gefangen. Glücklicherweise war sie das nicht, denn dann wäre das wohl der Moment, in dem sie sich unsterblich verlieben müsste. Aber das hier war kein Märchen. Ihr Leben war noch nie eines gewesen.
Sie erwiderte das Lächeln zögernd. „Bis morgen, Miss Swan.“ Bevor Emma sie noch einmal zurückhalten konnte, verließ sie die Wohnung. Ihr nächstes Ziel war Graham. Damit ihre Scharade glaubhaft war, musste sie ihre Affäre mit dem Sheriff beenden.

***


Emma blinzelte, als Regina die Tür hinter sich zuzog. Ihre rechte Hand wanderte zu ihrem linken Oberarm, um kräftig hineinzukneifen. „Autsch!“ Sie rieb die schmerzende Stelle. Sie war also definitiv wach. Sie hatte Regina tatsächlich zum Eisessen eingeladen und, was noch unglaublicher war, Regina hatte eingewilligt! Sicher, sie hatte skeptisch gewirkt, aber im Gegensatz zu Emmas Erwartung hatte sie sie nicht ausgelacht.
„Das lief doch gut“, kommentierte Mary Margarete, die sich aus dem Bad traute, sobald sich die Wohnungstür geschlossen hatte. „Jetzt kannst du ihr zeigen, dass du nicht die Absicht hast, ihr Henry wegzunehmen.“
Emma nickte abwesend. Sie machte sich bereits Gedanken darüber, über was sie sich mit Regina unterhalten sollte. Sie konnte nicht behaupten, dass sie irgendwelche Interessen teilten. Zumindest keine, von der sie wusste. Sie konnte nur hoffen, dass Regina sich nicht langweilte und vorzeitig ging, während Emma versuchte, ein Thema zu finden, an dem sie beide Gefallen fanden. Immerhin blieb es ihr erspart, zu überlegen, was sie anziehen sollte. Sie holte Henry direkt nach ihrer Schicht ab. Ihre selbstgewählte Arbeitskleidung musste also reichen. Es war kein offizielles Date. Sie trafen sich nur in einem Café und außerdem war Henry dabei.

Henry. Emma seufzte. Er war sicherlich alles andere als begeistert von der Idee, dass sie Gefallen an seiner Adoptivmutter fand. Sie verstand es ja selbst nicht wirklich. Regina war alles andere als nett zu ihr und doch war da etwas, was Emma davon abhielt, zurückzuschrecken. Es war nicht nur die Tatsache, dass Regina äußerst attraktiv war, nein, Emma wusste einfach, dass Regina nicht die kalte und herrische Frau war, die sie spielte. Sie wollte erfahren, was Regina dazu gebracht hatte, so zu werden. Wie sagte Niccolò Machiavelli schon so schön: Jeder sieht was du vorgibst zu sein, wenige erleben, wer du wirklich bist. Emma war fest davon überzeugt, dass diese Böse Königin – wie Henry sie nannte – nur eine Rolle war und sie war fest entschlossen, Regina dahinter hervorzulocken.
Sie würde nicht von jetzt auf gleich Erfolg haben, aber sie war geduldig und hartnäckig. Vielleicht hatte Mary Margarete recht und sie war ein wenig verknallt, aber was machte das schon? Entweder sie kam auf den Boden der Tatsachen zurück und sie und Regina könnten zumindest Freundinnen werden oder sie hatte tatsächlich einmal Glück in ihrem Leben und Regina erkannte, dass sie mehr war als nur ein Eindringling, der drohte, ihr den Sohn zu rauben.
Entschlossen, das Beste daraus zu machen, wandte Emma sich wieder dem lädierten Toaster zu.
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