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Paul

von oakley
GeschichteDrama, Freundschaft / P18
OC (Own Character) Paul Richter Stephan Sindera
16.08.2020
12.09.2020
5
14.141
1
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12.09.2020 2.999
 
°Paul°


5. Kapitel: Des einen Freud, ist des anderen Leid



"Was grinst du denn so selbstgefällig?", bemerkte Paul mit einem Seitenblick auf seinen Kollegen Stephan Sindera, "war der gestrige Abend ein Erfolg?"
"Ein Gentleman genießt und schweigt", antwortete dieser süffisant, "aber so viel, deine Blumen haben ihre Wirkung nicht verfehlt."
Paul hob die Augenbrauen. "So, so." Er schüttelte leicht den Kopf. "Da bin ich aber froh."
Ein Knacken im Funkgerät unterbrach das freundschaftliche Geplänkel. "Vierzehn fünfundzwanzig für Arnold bitte kommen."
"Das war es wohl mit der Ruhe", bemerkte Stephan und griff nach dem Funkgerät. "Der vierzehn fünfundzwanzig hört."
"Fahrt in die Alte Brühler Straße 10, Streitigkeiten, eine Person verletzt, RTW rollt, Melder anonym, Sonderrechte frei."
Stephan sah zu Paul herüber und runzelte die Stirn. "Das ist doch in der Nähe vom Kölnberg, oder?"
Paul nickte knapp. "Yep." Mit heulender Sirene fuhr er los.
"Vierzehn fünfundzwanzig verstanden", bestätigte Stephan den Einsatz.
"Bin mal gespannt, was uns da erwartet", überlegte er laut, während er sich seine Handschuhe überstreifte.
"Wahrscheinlich nichts Gutes", konterte Paul mit einem gequälten Grinsen, "da brennt doch regelmäßig die Luft."
"Schauen wir mal."
In wenigen Minuten hatten die Polizisten ihr Ziel erreicht. Langsam umkreisten sie den Parkplatz, in Höhe der angegebenen Adresse, doch von den gemeldeten Streitigkeiten oder gar einem Verletzten fehlte jede Spur. "Seltsam", Paul parkte den Wagen auf dem Seitenstreifen, "nichts zu sehen von Streitigkeiten." Er wandte sich seinem Kollegen zu. "Frag noch mal bei Arnold nach."
"Mach ich." Stephan griff sich das Funkgerät und setzte sich mit der Dienststelle in Verbindung. Paul Richter stieg derweil aus dem Wagen und inspizierte die nähere Umgebung.
Wie in den Tagen zuvor strahlte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Die milden Temperaturen lockten viele der Anwohner aus ihren Wohnungen. Pauls Blick huschte über den Parkplatz und die nähere Umgebung, doch es ließ sich nichts Verdächtiges ausmachen.
Er lief eine Weile auf und ab und lauschte, doch außer den normalen Alltagsgeräuschen war nichts Auffälliges zu hören, dort das Zuschlagen einer Autotür, hier das Geschrei von Kindern und das ständige monotone Brummen von vorbeifahrenden Autos, nichts, was auf einen Streit hindeutete.
"Paul", rief Stephan seinen Kollegen aus der Entfernung, "es gibt keine näheren Angaben zu Opfer oder Melder, so, wie es aussieht eine Finte." Er folgte Paul über den Parkplatz. "Arnold sagt, wir sollen die Umgebung checken und falls nichts vorliegt, den Einsatz hier beenden", er zuckte die Schultern, als beide Polizisten einen Hilfeschrei hörten.
"Scheiße", fluchte Paul und hastete in Richtung der Lärmquelle los. Er bog um eine Ecke, als er einige Meter vor sich ein Mann auf dem Boden liegen sah, die Hände zur Abwehr um seinen Kopf geschlungen. Ein andere stand über ihn gebeugt und bereit zu zuschlagen.
"Halt, Polizei", brüllte Paul dem Angreifer entgegen, "treten sie zurück." Seine Hand wanderte zu seiner Waffe.
"Paul", hörte er die Stimme seines Kollegen und in dem sicheren Wissen, dass Stephan ihm den Rücken freihalten würde, trat er näher an den Angreifer heran. "Ich habe gesagt, treten sie zurück", wiederholte er mit Nachdruck, die Waffe jetzt schussbereit angehoben.
Der angesprochen Mann blickte auf, ein selbstgefälliges Grinsen im Gesicht. Paul bemerkte eine lange Narbe, die sich über seine rechte Gesichtshälfte zog und etwas sagte ihm, dass er diesen Mann kannte, die Narbe war einfach zu prägnant, um sie zu verwechseln, aber ein Name wollte ihm nicht einfallen.
"Und wenn nicht", spie ihm der Mann entgegen.
"Zwingen sie mich, von der Schusswaffe gebrauch zu machen."
"Oh je, jetzt habe ich aber Angst", gab sich der Übeltäter unbeeindruckt und grinste breit. Dennoch hob er seine Hände beschwichtigend an.
"Zurück", forderte Paul erneut und trat gleichzeitig näher an das Opfer heran. Sein Blick wanderte zwischen dem bewegungslosen Mann auf dem Boden und dem vermeintlichen Angreifer hin und her.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte er endlich Schritte hinter sich und in dem festen Glauben, Stephan sei endlich eingetroffen, wandte er den Kopf in Richtung des Kollegen. "Da bist du ja", kam ihm noch über die Lippen, bevor er seinen Fehler in der nächsten Sekunde erkannte.
Ein Faustschlag traf ihn mit voller Wucht am Kinn und er taumelte zurück, direkt in die Arme des Angreifers. "Na, was haben wir den hier", flüsterte dieser gegen sein Ohr, "einen angeschlagenen Bullen." Der Mann lachte hämisch auf.
Paul spürte den warmen Atem des Mannes unangenehm auf seiner Haut. Der Angreifer roch nach billigem Fusel und kaltem Zigarettenrauch.
Der Magen des jungen Polizisten zog sich krampfhaft zusammen. Übelkeit stieg in seiner Kehle auf und der bittere Geschmack von Galle breitete sich in seinem Mund aus.
Paul versuchte sich mit aller Kraft loszureißen, als ihn ein weiterer harter Schlag in seinen Magen traf. Der Polizist krümmte sich nach vorne. Ein unbeschreiblicher Schmerz durchströmte seinen Körper. Er konnte nicht mehr Atmen, seine Lungen schrien nach Luft. Er begann unkontrolliert zu zittern. Die Waffe entglitt seiner Hand und fiel scheppernd zu Boden. Ein diffuser Schleier legte sich über seine Augen. Die Welt um ihn herum begann sich zu drehen und hätte ihn sein Angreifer nicht gehalten, Paul wäre zu Boden gegangen.
Er steckte knietief in der Scheiße.
Eine Hand griff in seine Haare und zog seinen Kopf nach oben. Er stöhnte auf. "Scheiß Bulle", hörte er noch, bevor ihn der nächste Schlag im Gesicht traf. Schwarze Punkte tanzten vor seinen Augen und woben ein Netz aus Dunkelheit. "Stephan", krächzte er mit letzter Kraft, "ich ..."
Der nächste Hieb traf seine Rippen und beraubte ihm der letzten Luft zum Sprechen. Der Angreifer ließ von ihm ab und er fiel haltlos auf seine Knie. Intuitiv versuchte er, sich mit seinen Armen abzustützen. Blut tropfte aus mehreren Wunden in seinem Gesicht und kreierten ein surreales Muster auf dem grauen Asphalt. Mehrere harte Tritte trafen ihn an seinen Beinen und der junge Polizist ging endgültig zu Boden. Paul krümmte sich hilflos zusammen.
Seine Wahrnehmung trübte sich mehr und mehr ein. Eine undurchdringliche Schwärze breitete sich in ihm aus und zog ihn mit sich.
"Hey! Aufhören! Weg da!" Stephans Schreie erfüllten plötzlich die Luft.
Ein leichtes Lächeln zuckte an Pauls Lippen. 'Endlich', dachte er noch, bevor er endgültig das Bewusstsein verlor.
"Arrivederci", sandte einer der Angreifer einen letzten Gruß an den angezählten Polizisten und verschwand mit seinen Komplizen, bevor Stephan auch nur in Schussweite kommen konnte.
"Paul", atemlos erreichte Stephan seinen Freund und fiel neben ihn auf die Knie. Vorsichtig drehte er der Verletzten auf den Rücken. Der Anblick ließ ihn zusammenzucken. "Oh mein Gott", stieß er mit bebender Stimme aus. Seine zitternden Finger schwebten für ein paar Sekunden über dem zerschundenen Gesicht, so als könnte er so die Blutungen stillen. Er griff nach seinem Funkgerät. "Vierzehn fünfundzwanzig für Arnold bitte kommen."
"Arnold hört."
"Wir brauchen einen RTW an unseren Einsatzort, Polizist verletzt", nur mit Mühe konnte er die nötigen Informationen durchgeben, "Täter flüchtig, drei Männer, dunkel gekleidet, ziemlich groß, möglicherweise bewaffnet und ..." Tränen drohten seine Stimme zu ersticken. Stephan rieb sich mit der Hand über die Stirn. "Beeilt euch, Paul hat es schlimm erwischt."
"Der RTW müsste jeden Moment am Einsatzort eintreffen, wurde schon vom Melder angefordert und Verstärkung ist auf dem Weg."
Stephan ließ das Funkgerät sinken. Richtig, das hatte er total vergessen, aber warum? Das machte alles keinen Sinn. Die Gedanken spielten in seinem Kopf verrückt. Wie konnte das nur passieren? Was war überhaupt passiert? Wie konnte er sich nur von der jungen Mutter, die ihr Kind suchte, ablenken lassen? Warum hatte er Paul im Stich gelassen? Das war alles seine Schuld.
"Verstanden vierzehn fünfundzwanzig?", riss ihn die Stimme aus dem Funkgerät zurück in die Gegenwart. Stephan stieß den Atem aus. "Verstanden", bestätigte er mit rauer Stimme, bevor er sich wieder an seinen Freund wandte. "Hast du gehört Paul, die Kavallerie kommt, alles wird gut."


°°°



Der Telefonanruf hatte Nia in freudige Erregung versetzt. "Alles erledigt", hatte die Stimme am anderen der Leitung kurz und bündig erklärt.
"Großartig", Nias Stimme hatte einen leichten Singsang angenommen, "das Geld liegt am vereinbarten Ort bereit."
"Es war uns eine Freude mit ihnen, Geschäfte zumachen. Vielleicht bis bald?" Der Mann hatte leicht hoffend geklungen, was bei der Bezahlung, die Nia ausgerufen hatte, auch nicht verwunderlich war.
"Man wird sehen", hatte sich die junge Frau nicht festlegen lassen und das Gespräch schließlich beendet.
Zufrieden hatte Nia ihre Hände vor ihrer Brust zusammengefaltet. "Jetzt wird alles gut", hatte sie mit zum Himmel erhobenen Gesicht geflüstert. Paul hatte seine Strafe erhalten und würde jetzt einsichtig sein. Freudig drehte sie sich im Kreis. "Nia und Paul, Paul und Nia", intonierte die junge Frau voller Hingabe. Sie drehte sich immer schneller, ihr Singsang verwandelte sich in ein hysterisches Lachen, das ihr schließlich den Atem raubte. Schwindelig und atemlos stürzte sie zu Boden. "Nia und Paul für immer", stieß sie kurzatmig aus. Sie rollte sich auf den Rücken. Ihre Augenlider sanken nach unten. Bilder von Paul erwachten in ihrer Erinnerung zum Leben. Sie spürte seine Berührung auf ihrer Hand. Sie durchlebte wieder und wieder, wie der Polizist ihre Wunde versorgt hatte, wie er sie umsorgt hatte. Begierde erfasste ihren Körper. Sie stöhnte leise auf. Zärtlich streichelten ihre Hände über ihre Arme hinauf zu ihrer Brust. Sie lächelte versonnen. Nicht mehr lange und Paul würde sie berühren, sie lieben. Er würde sie halten und beschützen und sie glücklich machen.
Paul Richter war ihr Ritter in strahlender Rüstung, ihr Prinz, ihr Held, ihr Mann.

Liam schloss die Haustür auf. Er war wütend auf seine Schwester und dieses Mal würde sie nicht so einfach davon kommen, dieses Mal nicht. Er trat in den Flur und sogleich schlug ihm ein wohlvertrauter und heiß geliebter Duft entgegen. Kindheitserinnerungen erwachten in ihm zu neuem Leben, fröhliche Lieder und Gelächter und Unbekümmertheit.
Liam schluckte schwer, das war der Geruch seiner Kindheit, ein Geruch, der versprach, dass ein gutes Essen alle Probleme lösen konnte und alles Gut werden würde.
"Nia", er stürmte in die Küche, "Nia, was ...?" Er hielt in seinem Schritt inne. Seine Schwester stand am Herd, eine grüne Küchenschürze eng um ihre Hüfte geschnürt und rührte versonnen in einem großen Topf.
Mit ihren roten Locken, dem hellen Teint ihrer Haut, dessen Makellosigkeit nur von einigen Sommersprossen getrübt wurde, wirkte sie, wie das Abbild einer irischen Elfe, die sich der modernen Zeit verlaufen hatte.
Sein Grinsen wurde noch eine Spur breiter. Der wohlige Duft war hier noch viel intensiver und Liam schloss für einen Moment die Augen. "Irish Stew", murmelte er und trat an seine Schwester heran. Er legte seine Hände auf ihre Schultern. "Das duftet fantastisch", schwärmte er und hielt seine Nase in die aufsteigenden Kochdämpfe. Der Geruch des Lammfleisches mit Zwiebeln und frischer Petersilie war unbeschreiblich. Er blickte seine Schwester fragend an. "Du hast lange nicht mehr gekocht und schon gar keinen Eintopf."
"Ich habe gute Laune und da dachte ich mir, ich tue dir einen Gefallen. Ich weiß doch, wie gerne du Irish Stew isst, Bruderherz." Nia lächelte ihn an. Ihre Augen strahlten und in diesem Augenblick war es so, als könnte tatsächlich alles gut werden.

Doch Liam kannte seine Schwester lange genug und ein bedrückendes Gefühl in seiner Magengegend forderte eine Erklärung.
"Hat das einen besonderen Grund", Liam hob fragend seine Augenbraue, "deine gute Laune, meine ich." Er war sich nicht sicher, ob er die Antwort hören wollte, aber er wusste, dass er sie hören musste.
"Paul ist im Krankenhaus", sprudelte es aus Nia heraus. Euphorisch vollführte sie eine Pirouette und wirbelte dabei mit dem Kochlöffel durch die Luft. "Ist das nicht großartig?"
Liam runzelte die Stirn. "Ich verstehe nicht." Der junge Mann schüttelte den Kopf. "Was hast du getan? Warum? Ich.."
Nia lachte auf. "Keine Sorge", sie legte ihre Hand auf die seine, "ich habe gar nichts getan."
"Du meinst, er wurde bei einem Einsatz verletzt und du bist vollkommen unschuldig, hast nichts mit der Sache zu tun?" Liam konnte diese Aussage einfach nicht glauben.
"Na ja", Nia fühlte sich ertappt und kaute auf ihrer Unterlippe. Ihr Blick wanderte zu Boden. "Nicht ganz", gestand sie leise.
Liam packte seine Schwester an den Schultern, zog sie näher an sich heran und zwang sie, ihn anzusehen. "Was hast du getan?" Die Worte hingen bedrohlich in der Luft.
Die junge Frau schrie überrascht auf. "Was soll das? Da koche ich dir dein Lieblingsessen und du machst mir eine Szene?" Erbost riss sie sich los und knallte den Kochlöffel auf den Boden. "Mach deinen Scheiß doch alleine", brüllte sie und stürmte aus der Küche.

Liam fand seine Schwester schließlich im Wohnzimmer. Sie saß auf der Couch, die Beine bis zum Kinn hochgezogen und ins Leere starrend.
Behutsam ließ er sich neben seiner Schwester auf dem hellen Ledersofa nieder. "Was hast du getan?", forderte er mit ruhiger, aber bestimmter Stimme erneut zu wissen. Sein Blick legte sich auf ihr zartes Gesicht und er fragte sich wohl zum tausendsten Mal, wie in dieser anmutigen Gestalt solch ein brutales Monster hausen konnte. Tränen wallten in seinen Augen auf und nur mit Mühe konnte er seine Fassung wahren.
"Er hat meine Geschenke missachtet", Nias Hände ballten sich zu Fäusten, "und ich habe ihn dafür büßen lassen. Er sollte den gleichen Schmerz fühlen, wie ich." Sie schlug mit ihren Fäusten auf die Couch ein. "Ich habe ein paar Schläger engagiert, die ihn in eine Falle gelockt haben und ..."
"Du? Du hast ein paar Typen dafür bezahlt ... ", die Worte rissen ab. Liam musste das Gehörte erst einmal verarbeiten.
"Nia", Liam schnappte nach Luft, "dieser Mann ist Polizist. Er hat Freunde, die ebenfalls Polizisten sind, glaubst du, die nehmen diesen Anschlag einfach so hin? Sie werden Fragen stellen, ermitteln", fassungslos rieb er sich mit der Hand über die Stirn. "Das hier ist anderes, nicht wie bei all den anderen, wo keiner so genau hingeschaut hat. Ich fasse es nicht." Er schüttelte den Kopf. "Einen Polizisten."
Liam packte die Hände seiner Schwester und hielt sie fest. "Und wie soll es jetzt weitergehen?" Eigentlich wollte er es gar nicht wissen, aber welche Wahl bleib ihm.
"Ich werde ihm eine zweite Chance geben, was sonst", sprudelte es übermütig aus Nia heraus. Sie riss ihre Hände los und legte sie sanft auf Liams Wangen. "Ich werde ihm Blumen schicken und Schokolade und ..." Die grünen Augen der jungen Frau glänzten vor Vorfreude. "Schon bald wirst du deinen zukünftigen Schwager kennenlernen", schwelgte sie in ihrer Fantasie, "und wir werden eine Familie sein."
Liam spürte einen Stich in seinem Herzen. Er kam sich plötzlich verloren und alleine vor. Am Liebsten wäre er aufgesprungen und weggerannt, aber wer fragte schon, was er wollte. Er räusperte sich und vertrieb die Wehmut aus seiner Stimme. "Und du glaubst, nachdem du ihm ein paar blaue Flecken verpasst hast, wird alles besser?"
"Du bist ein Miesepeter." Nia boxte ihren Bruder gegen die Schulter. "Ich liebe ihn und er liebt mich und nur, weil du das nicht siehst, musst du mir nicht alles verderben." Tränen der Wut glänzten in ihren Augen. "Er ist der Richtige und das wird er auch noch einsehen und du auch." Die Tränen liefen jetzt über ihre Wangen.
Liam seufzte leise auf, er konnte seine Schwester einfach nicht weinen sehen. "Schon gut Nia." Er ergriff ihre Hände und hielt sie fest umklammert. "Vielleicht hast du recht und ..."
"Nicht vielleicht", neue Hoffnung untermalte ihre Stimme mit einem ungewohnt sanften Ton, "ich habe Recht, ganz bestimmt."
"Sicher." Liam zog seine Schwester näher zu sich heran und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Alles wird gut werden", flüsterte sie in sein Ohr und schmiegte sich in seine Arme.

"Was machst du eigentlich schon hier?", fiel ihr nach einigen Minuten auf, "ich dachte, du wärst heute bis abends unterwegs." Sie schob sich ein Stück zurück und sah ihren Bruder fragend an.
"Ach ja, das hätte ich fast vergessen." Ein Lächeln umspielte seine Lippen, der Anlass für sein frühzeitiges Erscheinen kam ihm plötzlich so unbedeutend vor.
"Nun sag schon", drängte ihn seine Schwester.
"Der Jaguar", brachte er schließlich zögernd heraus, "oder besser gesagt, sein Lenkrad ist total ruiniert. Das Leder ..."
"Ist das dein Ernst?" , fiel Nia ihm ins Wort und schüttelte schmunzelnd den Kopf.
"Was meinst du? Das Lenkrad ist voller Kerben. Der Wagen ist brandneu und ..." Liam redete sich in Rage.
"Ach Bruderherz", Nia strich ihrem Bruder über die Wange und legte ihren Zeigefinger über seine Lippen. "Das ist nur ein Auto", begann sie,"nichts, was man nicht reparieren kann, also reg dich nicht auf."
Die kleine Geste ließ jeden Protest verstummen.
"Ich hol dir jetzt einen Whiskey und dann kümmere ich mich um das Stew." Nia schob sich von der Couch. "Du wirst sehen, danach sieht die Welt schon wieder schöner aus."
Liam lehnte sich zurück. Er konnte nicht anders, als lächeln, denn wo seine Schwester recht hatte, hatte sie einfach recht.


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