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Das Versprechen II

von ReScripta
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bohne Böser Bill Klapperschlangen Jake OC (Own Character) Rango
14.08.2020
12.09.2020
44
84.529
1
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14.08.2020 877
 
So, willkommen zur Fortsetzung von “Das Versprechen” mit Rango, Bohne, Jake, Bill und seiner Gang und noch vielen anderen. Viel Spaß beim Lesen. :)



1. Harter Kerl



Priscilla packte ihre Wasserspielsachen zusammen, mit denen sie heute am See gespielt hatte. Wieder neigte sich ein Tag dem Ende zu. Und es war ein großartiger Tag am Strand gewesen. Wie so oft. Manchmal war es langweilig, aber besser ein langweiliger Tag mit Wasser als einer ohne Wasser. Als die Nacht über die Stadt hereinbrach, verließen die Stadtleute nach und nach den Strand und zogen sich in die Stadt zurück. Einige von ihnen machten es sich in ihren Häusern gemütlich, während andere den Saloon aufsuchten. So pflegte die Stadt es Tag für Tag zu tun. Zumindest an gewöhnlichen Tagen. Doch heute war es ungewöhnlich, dass Priscilla eines ihrer Spielsachen vergaß, als sie sie zuhause nochmal durchzählte. Aus diesem Grund war sie gezwungen nochmal zum Strand zurückzukehren um nach ihrem verlorengegangenen Spielzeug zu suchen. Sie wollte nicht bis morgen warten. Während sie draußen auf der Straße ging, hörte sie die Stimmen aus dem Saloon. Der See lag dunkel und still in seinem Wasserbecken. Die Oberfläche war glatt und unbewegt. Im Gegensatz zum Tag.
Sie spazierte am Ufer zwischen den Liegestühlen und zusammengeklappten Sonnenschirmen, ständig Ausschauhaltend nach ihrem Spielzeug.
Sie hielt inne, als sie die Silhouette einer Figur erblickte, die nicht weit entfernt von der Stadt stand. Diese trug Cowboy Sachen und einen Hut. Ihr Blick schien auf den Mond gerichtet zu sein.
Das Eye-Eye Mädchen machte in paar Schritte nach vorne und beobachtete die dunkle Gestalt, die sich nicht von der Stelle rührte.
Das Kind hatte keine Angst. Sie wusste, wer da stand.
Es war ein alltägliches Bild geworden in den letzten sechs Tagen.

Priscilla gähnte müde. Sie aß wie jeden Morgen ihr Frühstück und stand anschließend an der Vordertür des Bestattungsinstituts. Ein neuer Tag begann. Vielleicht sogar mit neuen Leuten. Doch weit und breit konnte sie zwischen den bekannten Gesichtern auf der Straße keinen Fremden ausfindig machen.
Ihr Blick blieb über dem Gefängnis hängen, wo eine vertraute Person die Tür öffnete.
Sie verließ ihren Beobachtungsposten und sprang rüber auf die Gefängnisterrasse.
Die Person hob den Hut.
„Gutem Morgen, kleine Schwester“, begrüßte Rango sie mit einem warmen Lächeln.
Sie erwiderte den Gruß nicht. Stattdessen beäugte sie ihn nachdenklich mit neutraler Miene.
Seine Augen wirkten müde. Das erkannte sie sofort. Seine Haltung war leicht gebeugt, doch Rango korrigierte sie sehr schnell und hielt den Kopf so stolz hoch wie er nur konnte. Und…
Sie musste kichern.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte Rango unsicher.
„Äh… vielleicht solltest du das nach deinem nächsten Toiletten-Gang korrigieren.“
Sie deutete an ihm runter. Er schaute nach unten. Mit geröteten Wangen schloss er hastig den Reißverschluss.
„Tschuldigung… hab ich übersehen.“
Ihr Gesicht wechselte zu mitleidigen Zügen über. „Alles in Ordnung?“
„Natürlich. Wieso fragst du?“
„Ich hatte gedacht…“
„Mir geht es gut. Sag mir, gibs was Neues in der Stadt?“
Er beugte sich zu ihr runter und sah sie neugierig an. „Irgendwelche bösen Buben in der Umgebung, die das Gefängnis besichtigen wollen?“
Sein Lächeln war gespielt. Wie die meiste Zeit. Priscilla wusste das, doch sie sagte nichts.
„Keine Fremden zu sehen“, antwortete sie schlicht.
„Okay. Sag mir Bescheid, wenn du eine verdächtige Person entdeckst. Wünsch dir noch einen schönen Tag.“
Schweigend beobachtete sie wie er den Bürgersteig entlang spazierte. Alles schien normal zu sein. Aber sie wusste er spielte eine Komödie.
Die Gespräche im Saloon fanden ein sofortiges Ende, als Rango eintrat.
Einige Gäste räusperten sich und setzten ihren Informationsaustausch fort. Rango schenkte ihnen keine Beachtung. Er ging rüber zur Bar und klopfte auf die Holzplatte.
„Buford. Einen Doppelten Kaktus.“
„Schon ein recht starkes Gesöff am frühen Morgen“, meinte die Kröte überrascht. „Ist etwas passiert?“
„Äh… nein. Nichts. Ich dachte nur, ich starte den Morgen mal mit etwas anspruchsvollem, um für den restlichen Tag gewappnet zu sein.“
Der Barkeeper hob die Augenbrauen, sagte aber nichts weiter dazu. Er brachte ihm das Getränk und Rango nahm es dankbar entgegen.
„Wollen Sie heute ausreiten?“, fragte Buford, während er ein Glas putzte.
„Mmm, wahrscheinlich nicht“, gab Rango zur Antwort. „Ist im Moment nichts los. Keine Fremden, keine Überfälle, nichts.“
Er leerte das Glas in einem Zug aus. Dann stellte er es ab, wandte sich ab und verließ den Raum.
„Falls jemand nach mir fragt, ich bin im Büro.“
Mit einem Augenzwinkern verschwand er über die Türschnelle nach draußen.
Elgin und Löffel wechselten verstohlene Blicke.
„Es scheint ihm heute wirklich gut zu gehen“, murmelte Löffeln.
„Harter Kerl.“

Erleichtert erreichte Rango das Gefängnisbüro. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, lehnte er sich dagegen und nahm einen tiefen Atemzug. Anschließend verschränkte er die Hände auf den Rücken und betrachtete den Fußboden.
Ein neuer Tag, aber ein gewöhnlicher Tag. Ein gewöhnlicher Tag seit er Sheriff dieser Stadt geworden war. Aber etwas war anders als bei seinem ersten Sheriff-Tag. Irgendwie war es leer. Leer außerhalb. Ein leeres Haus. Und ein leerer Platz in seinem Inneren.
Er hob den Kopf und ging zu einem Spiegel. Mit neutraler Miene blickte er hinein.
Er seufzte tief.
Das Leben geht weiter. Das ist das Beste was du jetzt machen kannst.
Er lächelte, aber musste selber zugeben, dass es nicht real war. Es war ein vorgetäuschtes Gesicht…
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