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Empfindlich sein

von kuroo-kun
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Data Geordi LaForge
13.08.2020
13.08.2020
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»Und du bist dir sicher, dass du das tun willst?« Geordi sah Data an, seine Stimme klang ernst und angespannt.

Data saß auf dem Sofa in Geordis Quartier. Sein Uniformoberteil lag neben ihm, sein Oberköper war nur von einem schwarzen Untershirt verhüllt. Leichte Anspannung zog sich auch durch seinen Körper, aber er konnte sie als angenehm und erwartungsvoll identifizieren.

»Geordi, ich habe das neue Bioplast selbst getestet, soweit es möglich war«, erklärte er nüchtern. »Es ist nicht dasselbe wie taktiler Input von einer anderen Person. Ich muss lernen, wie sich körperlicher Kontakt mit dem empfindlicheren Bioplast anfühlt, um nicht Gefahr zu laufen, bei einer zufälligen Berührung überwältigt zu werden. Du bist der einzige, dem ich diesen Versuch anvertrauen möchte.«

Nachdem Data ein Phaser in der rechten Hand explodiert war und seinen halben Unterarm abgerissen sowie diverse Schäden in seinem Bioplast angerichtet hatte, hatte Geordi vorgeschlagen, die beschädigten Stellen mit empfindlicherem Bioplast zu versehen, das ihn fast so fühlen lassen sollte, wie es menschliche Haut tat. Seither besaß Data an Gesicht, Hals, Oberkörper und dem rechten Oberarm das neue Bioplast und hatte damit experimentiert, aber schnell gemerkt, dass er allein an Grenzen stieß, die nur eine andere Person erweitern konnte.

»Das ist wirklich persönlich, Data«, erwiderte Geordi und rutschte neben ihm auf dem Sofa hin und her. »Ich will nicht, dass es sich unangenehm für dich anfühlt. Dein Emotionszentrum hat sicher auch für Berührungen schon Bewertungen eingerichtet.«

»Das ist korrekt. Allerdings werde ich nur herausfinden, wie sich etwas anfühlt, wenn ich es ausprobiere. Meine eigenen Berührungen sind von neutraler Bewertung und Intensität.«

Geordi seufzte. Es war ihm unangenehm, diesen Test vorzunehmen, auch wenn Data nicht verstand warum. So wie er nie verstanden hatte, warum es Geordi unangenehm war, das Aufleuchten von Datas Aura zu sehen, wenn sein Belohnungszentrum ihm einen besonders starken Impuls für besonders positive Erlebnisse gab. Solang es Geordi war, war es für ihn immer akzeptabel gewesen.

»Also gut«, sagte Geordi endlich. »Aber sag sofort Bescheid, wenn irgendwas komisch ist.«

»Natürlich, ich werde dir Rückmeldung bei jeder Berührung geben.«

Geordi nickte. »Wo soll ich anfangen? Am Arm? Das ist am wenigsten intim.«

»Wie du meinst, Geordi.«

Er streckte die Hand nach Data aus, zögerte noch einmal, dann berührte er seinen Unterarm. Dort war noch das alte Bioplast vorhanden, da sie die Kopie des Unterarms bereits vor einigen Monaten angefertigt hatten. Er fühlte die Wärme und den Druck von Geordis Fingern, mehr nicht. Die Berührung zog sich seinen Arm hinauf und plötzlich überfluteten ihn die unterschiedlichsten Wahrnehmungen. Ein zarter Druck auf seinem Arm. Eine kühle Feuchte auf seinem Bioplast. Ein sanftes Kribbeln seiner Nerven. Eine leichte Kontraktion seiner Muskulatur.

»Alles okay, Data?« Geordis Hand verharrte, die Fingerspitzen waren bereits unter den Ärmel des schwarzen Shirts gerutscht.

»Ja. Es ist wie erwartet ein Unterschied, wenn ich von einer anderen Person berührt werde. Es ist angenehm. Bitte, fahre fort.«

Geordi atmete hörbar aus. »In Ordnung. Dann … als nächstes das Gesicht?«

Data nickt und wandte sich ihm mehr zu, damit Geordi einen guten Zugang zu seinem Gesicht hatte. Die dunklen Finger zitterten leicht, als sie sich seiner Wange näherten. Wieder spürte er leichte Kühle und Feuchte, dann einen sanften Druck. Geordis Fingerspitzen strichen zart über sein Bioplast von der Schläfe hinab zum Kiefer und ein Kribbeln breitete sich aus in der Innenseite seiner Wange bis zur Außenseite seiner Zunge.

Data atmete scharf ein – mit dieser Reaktion seines Körpers hatte er nicht gerechnet. Das Kribbeln blieb, auch als Geordi die Hand wegzog.

»Data?« Geordi klang alarmiert und wieder musste sich Data daran erinnern, eine verbale Rückmeldung zu geben

»Es ist alles in Ordnung, Geordi«, sagte er und zog die Augenbrauen zusammen. »Entschuldige, die Eindrücke sind sehr … ablenkend. Bitte, fahre fort.«

Geordi nickte. Er legte die Hand gegen Datas Wange und seine Finger streichelten sanft über das Bioplast. Datas positronische Matrix löste einen Belohnungsimpuls aus, der durch seinen ganzen Körper pulsierte. Er lächelte, sah direkt in Geordis Visor und wünschte, er könnte hindurch in seine Augen sehen.

»Das ist … sehr angenehm.« Data lehnte den Kopf in die Berührung und schloss die Augen. Geordis linke Hand legte sich an seinen Hals, sein Daumen strich Datas Kinn entlang hinauf zu seiner Unterlippe. Ohne zu wissen warum, öffnete Data den Mund ein wenig und Geordis Finger fuhr seine Lippe entlang. Eine Gänsehaut breitete sich auf dem neuen Bioplast aus, die ihn zusammenzucken und stoßartig ausatmen ließ.

»Sehr … angenehm«, wiederholt Data und öffnete die Augen. Geordis Gesicht war nur 11,7 Zentimeter von seinem entfernt. Der warme Atem seines Freundes prickelte auf seinen Lippen und sein Blick rutschte hinunter zu Geordis Mund. Ein warmes Pulsieren setzte sich in seinem Oberkörper fest und erhöhte die Temperatur seines Hauptprozessors um 18,74 Prozent.

»Data«, Geordis Stimme klang rau und etwas atemlos, »entweder, wir hören jetzt auf, oder-«

Data sah wieder direkt in Geordis Visor, sein Freund brach den Satz ab und schluckt.

»Oder?« Seine eigene Stimme klang eine halbe Oktave tiefer und Geordis Finger an seinem Gesicht zitterten stärker.

»Oder du lässt mich dich küssen.« Die Worte kamen ohne Pause aus Geordis Mund, sein Puls war so sehr erhöht, als hätte er einen Sprint hinter sich.

»Erlaubnis erteilt.«

Einen Sekundenbruchteil später fühlte Data die vollen Lippen auf seinen. Das warme Pulsieren strahlte bis in seinen Kopf und brachte seine positronische Matrix ins Stolpern. Er schloss die Augen und seine Hände umfassten Geordis Oberarme, als wollte er ihn daran hindern, loszulassen. Er versuchte die zarten, kleinen Bewegungen nachzuahmen und seinen Mund dabei zu entspannen. Er benötigte ganze elf Versuche, bis es sich für ihn auch nur annähernd so anfühlte, als würde er Geordi ein ähnlich angenehmes Erlebnis bereiten, wie der ihm.

Geordis Hand fuhr von Datas Hals hinab über seine Brust und zu seinem oberen Bauch. Ein Schauder durchfuhr Datas Körper bis in seinen Unterleib und er erkannte die Bedeutung dieser Wahrnehmung fast zu spät.

Sanft aber bestimmt schob er Geordi ein wenig auf Abstand, sodass er sich um sein Problem kümmern konnte. Sie atmeten beide schwer und als Data wieder auf sah, hatte Geordi die Augenbrauen fragend zusammengezogen. Erst da erinnerte sich Data, dass er seinem Freund keinerlei Erklärung für sein Verhalten gegeben hatte.

»Entschuldige, Geordi. Mein Programm für sexuelles Verhalten hat sich selbstständig eingeschaltet. Ich hätte es nicht ausschalten können, während wir uns küssten, ich war zu abgelenkt.«

Geordi lachte peinlich berührt und Data glaubte auch Erleichterung zu hören. »Mein biologisches Äquivalent hat mir auch zu schaffen gemacht.«

Data blinzelte. »Das heißt … wir empfinden dasselbe … füreinander?«

»Oh, Data.« Geordi streichelte seine Wange – liebevoll, wie Data nun erkannte. »Mir ist schon so lange klar, dass ich dich liebe. Mehr als einen engen Freund.«

»Geordi«, Datas Erstaunen klang deutlich in dem Namen mit, »du hast nie etwas gesagt.«

Nun senkte Geordi den Kopf und die Temperatur seiner Wangen stieg um 2,74 Grad. »Ich dachte, dass du erst deine eigenen Gefühle entdecken und verstehen müsstest, bevor ich dir meine offenbaren kann. Ich wollte dich damit weder überfordern noch in eine Richtung drängen, die du eigentlich nicht willst.« Geordi seufzte, beide Hände glitten Datas Arme hinab und umfassten sanft Datas. »Wahrscheinlich war ich einfach nur feige. Liebe ist eins der wundervollsten und gleichzeitig furchterregendsten Gefühle überhaupt.«

Data dachte 2,48 Sekunden über diese Erklärung nach und glich sie mit seinen Datenbanken zu menschlichem Verhalten ab. »Ich verstehe, Geordi. Trotzdem fühle ich mich … ich denke, das Gefühl ist Enttäuschung?«

Geordi nickte und sah wieder auf. »Es tut mir leid, Data.« Er hob eine Hand an seinen Mund und küsste Datas Finger. Sie sahen einander an und so gut sich Data vor wenigen Sekunden auch gefühlt hatte, so nachdenklich machten ihn die Entwicklungen nun.

»Geordi, ich bin mir nicht sicher, ob es Liebe ist, die ich für dich empfinde, ich weiß zu wenig darüber. Ich weiß, dass es ein sehr intensives, angenehmes Gefühl ist, dessen Wahrnehmung ich gern verlängern würde. Wärst du daran interessiert, mit mir daran zu arbeiten, meine Gefühle besser zu verstehen? Ich habe die Vermutung, es gibt Empfindungen, die nur du in mir hervorrufen kannst.«

Geordi zögerte – etwas, das Data nicht erwartet hatte. Dann lächelte er. »Weißt du, im Grunde will ich sofort ja sagen. Ich hab dich bis hierher begleitet, ich hab all deine bisherigen Entwicklungen gesehen. Aber das macht mir tatsächlich Angst, so sehr ich es auch will.«

Data neigte leicht den Kopf. »Angst wovor genau?«

»Davor … dass du entdeckst, dass du nicht so für mich empfindest wie ich dich.« Geordi seufzte und schüttelte kurz den Kopf, als könnte er den Gedanken so aus dem Kopf bekommen. »Entschuldige, das ist furchtbar egoistisch.«

»Und doch verständlich. Es könnte passieren.«

»Es könnte uns an die Grenze unserer Freundschaft bringen.«

»Das ist mir bewusst, Geordi.« Data drückte Geordis Finger ein wenig fester. »Ich empfinde stark genug für dich, dass ich es versuchen möchte. Und wenn ich es richtig einschätze, gab es in dem Moment kein Zurück mehr, als wir uns küssten.«

Geordi ließ ein holperiges Lachen hören. »Nicht in unserem Fall, du hast recht.«

Sie sahen einander an, beide schwiegen und Data fragte sich, was in diesem Moment das angemessene Verhalten sein mochte. Dann lehnte er sich vor und drückte seine Lippen auf Geordis. Er fühlte, wie sich dessen Mund zu einem Lächeln formte.

»Gute Idee«, murmelte er an Datas Lippen und küsste ihn wieder. Geordis Finger streichelten über Datas Wange, was wieder dieses anregende Kribbeln in seinem Mund auslöste. »Lass uns noch ein wenig üben.«
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