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DeAged Troubles

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Eri Himiko Toga Hizashi Yamada / Present Mic Izuku Midoriya Shouta Aizawa / Eraserhead Touya Todoroki / Dabi
13.08.2020
21.10.2021
59
121.986
23
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.07.2021 3.322
 
Welcome back! ^__^

Heut gibts was fürs Shipper-Herz! Wer hätte das gedacht, nachdem beim letzten Mal das Kapitel mit Flaschendrehen geendet hat. *guckt verschmitzt drein* Lange lange habe ich überlegt, ob ich hier das Shipping mit reinpacken sollte, aber es trägt so schön zur geplanten Dramatik bei, dass es einfach mit rein musste! Und Teenzawa ist einfach too cute.

Fun Fact! Die FF ist nun tatsächlich ein Jahr und drei Wochen alt! Ich kann es gar nicht fassen, dass ich sie Mitte Juni letzten Jahres angefangen habe und immer noch dabei bin, dran zu schreiben. Mit Pausen leider. Aber ich gebe mein bestes! Oder versuche es zumindest.

Hoffentlich ist noch niemand geschmolzen bei dieser Affenhitze. Ist es krass, wie heiß es werden kann. Da schmort das Hirn :S

Bleibt kühl beim Lesen! Viel Spaß :D

LG Tina

~*~*~*~

Es dauerte ein wenig, bis sich alle zusammengefunden hatten, die mitspielen wollten beziehungsweise dazu gezwungen wurden. Am Ende war es je die Hälfte beider Klassen, die nun im Kreis am Boden beisammen saßen und gespannt auf die Flasche starrten. Auch die anwesenden Lehrer hatte man gefragt, doch die hatten abgelehnt. Wäre der ehemalige Profiheld nicht anwesend gewesen, hätte Kayama wohl mitgemacht, doch Yagi hatte sie mit einem simplen Blick daran erinnert, dass sie immer Erwachsene waren und keine Jugendlichen, und somit lieber alles nur beaufsichtigen sollten.

Nervös sah Shota sich um, der sich mittlerweile neben Ochako und Hitoshi wieder fand. Aus irgendeinem seltsamen Grund hatte Yuga darauf bestanden, gemeinsam mit Yamada einen anderen Platz zu wählen. Dabei hatte der Schwarzhaarige darauf gehofft, dass sein bester Freund ihm in Zeiten dieser Not beistand. Der Junge hatte bisher noch nie jemanden geküsst, außer seine Mutter auf die Wange, aber das zählte natürlich nicht. Wieso hatte Aoyama sie nur in diese verzwickte Lage gebracht? Uraraka neben ihm schien auch nicht gerade so, als ob ihr das Spiel gefiel. Viel eher wirkte sie nervös und als ob sie sich jeden Moment übergeben müsste. Dabei hatte es noch nicht einmal angefangen.

„Ich kann nicht fassen, dass wir uns da hineinziehen haben lassen“, murmelte Shinsou gerade so laut, dass Shota es hören konnte, ehe er seufzte. Sein Blick glitt durch die Runde um herauszufinden, wer denn nun mitmachte. Auch der Undergroundhero sah sich um. Tatsächlich sahen einige sehr nervös aus und versuchten es zu überspielen. Irgendwie gab ihm das Hoffnung. Vielleicht war er doch nicht der einzige, der bisher noch niemals geküsst hatte. Aber vielleicht stimmte das auch gar nicht. Vielleicht war sein erwachsenes Selbst ein begnadeter Küsser. Als er allerdings Kayamas schelmisches Lächeln entdeckte, das sie ihm zuwarf, verwarf er diesen Gedanken wieder. Nach allem, was sie ihm über sein erwachsenes Selbst erzählt hatten, war er wohl eine einsame Jungfrau.

„Vielleicht schaffen wir es hier rauszukommen, wenn wir so tun als wären wir krank!“, fiel Shota plötzlich eine Fluchtmöglichkeit ein. Ob die beiden zu jung dazu waren, einen Herzinfarkt vorzutäuschen? Er erinnerte sich zumindest noch gut an den ersten Hilfekurs, den sie für das Praktikum machen mussten. Dort hatten sie gelernt, die Symptome für so etwas zu erkennen. Wenn er sich noch gut genug daran erinnerte, könnte er es gewiss einfach nachmachen.

Doch Mina, die neben Shinsou saß, hörte seine Worte und schüttelte den Kopf. „Hier wird nicht gekniffen!“, verkündete sie laut und griff mutig nach der leeren Flasche. „Ihr kennt alle die Regeln, oder? Aber nochmal für die Menschen, die bisher in einer Höhle gelebt haben: Beim Flaschendrehen geht es darum, dass man denjenigen küssen muss, auf den die Flasche am Ende zeigt. Damit jeder mal dran kommt, werden wir der Reihe nach vorgehen. Falls uns das dann zu langweilig wird, können wir ja Pflicht, Wahl oder Wahrheit draus machen. Aber jetzt mal die traditionelle Form! Ich fange an!“ Kaum hatte sie das gesagt, legte sie die Flasche in der Mitte des Kreises ab und gab ihr mit einer kurzen Bewegung eine Menge Schwung. Die Flasche drehte sich rasant im Kreis und sorgte dafür, dass die Jugendlichen reihum den Atem anhielten. Erst als das Gefäß langsam zum Stehen kam, schnappten einige hörbar nach Luft. Überraschenderweise zeigte die Spitze jedoch ins Leere. „Ah, Toru!“, freute sich die Pinkhaarige.

Von da an versuchte Shota alles auszublenden, was mit dem Spiel zu tun hatte. Da er zu den Letzten gehörte, die dran waren mit Drehen, hatte er also noch ein wenig Zeit dafür, sich einen Fluchtplan zu überlegen. Es sei denn, dass ihn das Schicksal vorher schon ein Schnippchen schlug. Zumindest Hitoshi hatte das Vergnügen, dass die Verschlusskappe der Flasche plötzlich direkt auf ihn zeigte. Ziemlich perplex starrte er zuerst auf das leere Gefäß und entdeckte denn das überraschte Gesicht eines Blondschopfs im Gegenüber. Der zukünftige Schüler der Heldenklasse war im Gedanken versunken und hatte gar nicht mehr aufgepasst. Erst als Mina ihm in die Seite stieß, bemerkte er, was passiert war.

Vollkommen verlegen setzte Denki sich auf und rutschte ein wenig in die Mitte des Kreises. „Komm schon!“, versuchte Ashido dem Violetthaarigen Mut zu machen. Da er sich jedoch zierte, schubste sie ihn regelrecht auf Kaminari zu, sodass die beiden zusammenstießen und rot anliefen. Aizawa erinnerte sich daran, dass er bereits zuvor beim Kampftraining bemerkt hatte, wie der Elektroheld immer wieder verstohlen ein Auge auf Hitoshi geworfen hatte. Tatsächlich dämmerte Shota in diesem Augenblick, dass Mina dieses Spiel nicht ohne Grund vorgeschlagen haben könnte. Vermutlich wollte sie dafür sorgen, einige Paare heute zu verkuppeln. Aber wieso musste gerade er dabei mitmachen?

Der Kuss zwischen den beiden dauerte kaum zwei Sekunden, ehe sie auseinander stoben, als ob Denki unbeabsichtigt Strom frei gesetzt hatte. Kurzzeitig sah es wirklich danach aus, und die Luft knisterte leicht. Allerdings verflog dieser Moment sehr schnell wieder und die Flasche wurde weiter gereicht. „Alles in Ordnung?“, erkundigte sich der Dunkelhaarige leise bei seinem Nebenmann, der leicht abwesend wirkte, aber nickte. Langsam machte sich Aizawa wirklich Sorgen darüber, ob ihn nicht doch ein Funke getroffen und sein Hirn gebrutzelt hatte. Dabei wollte er den anderen nur zu gerne fragen, ob Küssen schlimm oder schwierig war und wie das eigentlich so funktionierte. Irgendwie stellte er sich das wirklich äußerst eklig vor.

Shota verwarf den Gedanken jedoch sofort wieder, als er neben sich ein Geräusch hörte, das unmenschlich klang. Die Flasche war bereits ein paar Mal weiter gewandert, ohne, dass der Junge es mitbekommen hatte. Diesmal war Izuku am Zug gewesen und neben Aizawa zuckte das braunhaarige Mädchen zusammen und gab einen unnatürlichen Laut von sich, als die Spitze direkt auf sie zeigte. Ihr Kopf lief dunkelrot an und verlieh ihr ein sehr ungesundes Aussehen. Besorgt wollte der Jugendliche ihr eine Hand auf die Schulter legen, doch noch ehe er sich bewegen konnte, war Mina hinter Ochako, um sie auf Midoriya zuzuschubsen, der ebenso eine unnatürliche Gesichtsfarbe angenommen hatte.

Je länger das Spiel ging, umso nervöser wurde Shota. Bisher war er verschont geblieben, dennoch hingen seine Augen stets angsterfüllt an der sich drehenden Flasche. In Momenten wie diesen wünschte man sich einfach eine Macke, mit der man Gegenstände mit einem einfachen Blick beeinflussen konnte. Doch alles was er konnte, war hier nutzloser als sonst. Am liebsten wäre er aufgesprungen, um davon zu laufen. Er wusste nicht, was er tun sollte, wenn er dran käme, oder die Flaschenspitze auf ihn zeigen würde. Vermutlich würde er sich ebenso blamieren wie so viele vor ihm. Nur würden sie ihn das alles vermutlich niemals vergessen lassen. Bei dem Gedanken schluckte Shota.

Blass um die Nase wanderte sein Blick zu Hizashi, der als nächster an der Reihe war. Der kleine Voicehero hatte sich bisher wacker geschlagen. Das Mädchen der B-Klasse, das er bisher küssen musste, sah immer wieder verträumt zu ihm. Ein wenig beneidete er den Blondschopf dafür, mit solchen Peinlichkeiten einfach klar zu kommen. Es schien kein Problem für ihn darzustellen, die Flasche elegant zu drehen und abwartend darauf zu starren. Ein kurzer wandernder Blick verriet Aizawa sogar, dass ein paar Mädchen hoffnungsvoll auf die Flasche starrten. Schon zuvor war ihm dieses Phänomen aufgefallen, das aufkam, immer dann, wenn einer der hübscheren Jungs dran war. Hormone waren einfach furchtbar!

Dennoch hingen seine dunklen Augen an dem Objekt, das sich immer langsamer drehte. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, ehe sie endlich anhielt und preisgab, wer die glückliche Person war, die Hizashi nun küssen durfte. Von Glück konnte allerdings keine Rede sein. Die Verschlusskappe deutete eindeutig auf Shota, dem jegliche Farbe aus dem Gesicht wich. Sein Mund klappte leicht auf, als er überrascht feststellte, dass sein allerbester Freund – neben Oboro – im gesamten Universum nun das verdammte Pech hatte, den Dunkelhaarigen küssen zu müssen. Selbst der Froschkönig war begehrter als er!

Yamada wirkte ebenso erschrocken, fing sich allerdings rasch wieder, als Yuga ihm schief grinsend in die Seite knuffte. Langsam bewegte sich der Blondschopf auf die Mitte des Kreises zu, abwartend, ob Aizawa sich ebenso bewegte. Erst als Shinsou ihm aufmunternd eine Hand auf den Oberarm legte, kehrte Shota gedanklich und geistig wieder in den Raum zurück. Gerade rechtzeitig, ehe Mina sich erheben und ihn unsanft auf Yamada zuschubsen konnte.

Als würde sich alles plötzlich in Zeitlupe bewegen, rutschte der Dunkelhaarige auf Hizashi zu, der sich an einem leichten Lächeln versuchte, um Shota aufzumuntern. „Es hätte mich schlimmer treffen können“, scherzte der Brillenträger kaum hörbar, was Aizawa ein kurzes Grunzen entlockte. Darüber war der Junge jedoch selbst so verwundert, dass er im nächsten Moment eine Augenbraue hochzog. Seit wann war er so leicht zu amüsieren?

„Na kommt schon!“, rief Yuga laut aus um sie anzufeuern, was beide Jungen zusammen zucken ließ.

Hizashi wandte sich kurz zu seinem Freund um und stieß ein nervöses Lachen aus, ehe er sich wieder zu Shota drehte. Er merkte, wie unangenehm dem Dunkelhaarigen die Lage war. „Mach einfach die Augen zu, dann ist es schnell vorbei“, flüsterte er leise, während er sich dem anderen näherte.

Shota dachte jedoch nicht daran, der Aufforderung nachzukommen. Stattdessen konnte er eine Stimme in seinem Kopf laut schreien hören, während er inständig hoffte, dass es wirklich nur in seinen Gedanken war. Yamadas Lippen näherten sich langsam und dennoch traf es Aiazwa unvorbereitet, als sie plötzlich auf seinen eigenen lagen. Obwohl er seine Augen im ersten Moment überrascht aufriss, schloss er sie kurz darauf tatsächlich. Die Haut auf seinen Lippen begann zu kribbeln und er hatte ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Bevor er sich darüber weitere Gedanken machen konnte, war der Augenblick auch schon wieder vorbei.

Als die beiden wieder auf ihren Plätzen saßen, glühten ihre Wangen rot und sie vermieden jeglichen Blickkontakt. Das war auch gut so, denn sonst wäre den beiden aufgefallen, dass Nemuri mit weit offenstehendem Mund neben dem Getränketisch stand und die beiden anstarrte. Ihr Trinkbecher war ihr aus der Hand geglitten, doch sie schien es kaum zu stören, dass ihre Beine nun nass waren. „Hast du das eben gesehen? Ich meine …“ Völlig fassungslos wandte sie sich an Yagi, der ebenso sehr überrascht wirkte. War das gerade wirklich passiert?

„Waren die beiden …?“, wollte Toshinori wissen, doch er brachte den Satz nicht zu Ende. Bisher wäre ihm nie in den Sinn gekommen, dass die beiden Kollegen mehr als nur Freunde waren. Wobei es oft schon sehr schwierig war, die Beziehung der beiden als Freundschaft zu bezeichnen. Natürlich musste so ein aufgezwungener Kuss ja nichts heißen, aber die Tatsache, dass Hizashi nun ebenso ziemlich verlegen wirkte, obwohl er zuvor schon jemand anderes geküsst hatte, war doch recht eindeutig.

Nemuri schüttelte nur den Kopf. „Oboro meinte einmal, dass sein Bauchgefühl ihm sagt, dass die beiden ineinander verknallt sein könnten, aber daraus wurde nie etwas.“ Wie denn auch. Shota hatte sich nach Oboros Tod zurückgezogen und sie aus seinem Leben so gut es ging ausgeschlossen. Nun allerdings kam der Dunkelhaarige langsam aus seinem Schneckenhaus und es konnten so viele Dinge möglich werden, die zuvor niemals passiert waren. „Ich dachte immer, dass es nur einer seiner dummen Scherze wäre, aber … ich bin mir da nicht mehr so sicher“, gab sie von sich, während ihr Grinsen immer breiter wurde. Allerdings erstarb ihre Miene kurz darauf wieder, als sie sah, dass Shota plötzlich aufsprang und den Sitzkreis verließ.

Da niemand ihm folgte und Hitoshi dem jungen Undergroundhero nur unsicher hinterher sah, stieß Kayama sich von der Wand ab, an der sie gelehnt hatte, um die Verfolgung aufzunehmen. Aus Erfahrung wusste sie, dass es besser war, ihn nicht alleine umher streifen zu lassen. Mit ihren langen Beinen holte sie den Jugendlichen bald ein, der vor die Tür getreten war, um frische Luft zu schnappen.

Allerdings hatte Aizawa gar nicht vor, davon zu laufen. Er musste einfach nur raus, weg von allen Menschen. Nach dem Kuss hatte er das Gefühl, dass alle Augen auf ihm lagen und ihn beobachteten. Es machte ihn nervös, was dazu beitrug, dass er das Gefühl hatte, kaum Luft zu bekommen. Deswegen war er aufgesprungen. Ihm war egal, dass Mina zuvor noch verkündet hatte, dass man nicht kneifen durfte. Er wollte nicht noch jemandes Lippen auf seinen spüren. Weil es zu peinlich war. Natürlich war das der einzige Grund. Den anderen Gedanken, versuchte er zu unterdrücken, auch wenn es immer schwerer wurde. Leicht panisch werdend raufte er sich die Haare.

„Sho?“ Besorgt trat Nemuri an ihn heran. „Alles in Ordnung bei dir?“ Die Frage erschien ihr unsinnig, doch sie wollte nicht schweigsam daneben stehen und dabei zu sehen, wie er sich quälte. Es war eindeutig, dass den Jungen etwas beschäftigte. Obwohl sie sich denken konnte, was es war, wollte sie ihn dazu bringen, es selbst auszusprechen. Immerhin war das eines von Aizawas Problemen. Er sprach kaum über die Dinge, die ihn bedrückten.

Kurz hielt der Dunkelhaarige inne, öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Er kam sich dämlich vor, doch er wusste nicht, wie er seine Gedanken aussprechen sollte. Ob es überhaupt etwa gab, was es wert war anzusprechen. Im Augenblick war er verdammt verwirrt. Das seltsame Gefühl im Magen war noch immer da, und wurde schlimmer, wenn er an Hizashi dachte. Eigentlich sollte es doch kein Problem darstellen, seinem besten Freund mal kurz einen Kuss aufzudrücken, weil man so ein dämliches Spiel spielte. Wieso also war er plötzlich so aufgewühlt deswegen? Es war einfach nur unlogisch und bescheuert!

Die Dunkelhaarige merkte, wie schwer es Shota fiel, einen klaren Gedanken zu fassen. Also griff sie nach seinem rechten Arm und zog ihn vorsichtig zu einer Parkbank, die vor dem Wohnheim stand. Nachdem sie sich beide hingesetzt hatten, legte sie einen Arm um ihn, und drückte ihn sachte an ihren Oberkörper. Sie musste ihn beruhigen, bevor er auch noch damit anfing, zu hyperventilieren. Shota war noch nie gut mit irgendwelchen sozialen Interaktionen zurecht gekommen, aber diese Reaktion war ihr neu. „Atme tief ein und dann aus“, wies sie ihn an, „es ist alles gut. Du machst das super.“ Als sie merkte, dass sein Atem wieder gleichmäßig klang, atmete sie erleichtert aus.

Obwohl er sich dämlich vorkam, blieb er an Nemuri gelehnt. Ihre Nähe schenkte ihm ein wenig Geborgenheit und gab ihm Halt. Nach ein paar Minuten des Schweigens fand er schließlich seine Stimme wieder. „Ich glaube ich hab mir den Magen verdorben“, murmelte er vor sich hin. Ja genau. Das musste es sein. Daher kam das seltsame Gefühl in seinem Bauch und deswegen war er auch gerade so ausgeflippt.

Nur zu gerne hätte Nemuri aufgelacht, weil diese Worte das Letzte war, womit sie nun gerechnet hatte. Doch sie versuchte möglichst ernst zu bleiben. Ansonsten würde Shota nur dicht machen und sich nicht helfen lassen. Dabei war es so wichtig über Gefühle zu sprechen. „Wie kommst du denn darauf?“, wollte sie daher neugierig wissen.

„Weil ich so ein seltsames Gefühl habe … ganz kribbelig und so … einfach nur seltsam. Seit … naja, seit eben, halt. Mein Gesicht fühlt sich auch seltsam an. Ich glaub ich werde krank“, erklärte er und klang dabei, als ob er sich mit seinen Worten erst selbst davon überzeugen musste.

Um dabei ein wenig mitzuspielen, legte Kayama kurz eine Hand auf seine Stirn. „Fühlt sich normal an“, stellte sie fest, „aber ich glaube nicht, dass du krank wirst. Du hast Schmetterlinge im Bauch, aber kein Magenproblem.“ Natürlich dachte Aizawa sofort daran, dass etwas mit ihm nicht stimmte, weil er sich so fühlte. Nemuri fragte sich, ob der Erwachsene ebenso denken würde wie der Jugendliche, der sich an sie kuschelte und starr auf seine Schuhspitzen starrte. „Was fühlst du denn, wenn du an Hizashi denkst?“

Nachdenklich runzelte der Dunkelhaarige die Stirn und begann an seiner Lippe herum zu knabbern. „Er ist, neben Oboro, mein allerbester Freund. Er ist immer für mich da, außer als er sauer auf mich war … aber es tat weh, dass er nicht mit mir gesprochen hat und … und … er weiß sofort, wann es mir mies geht und muntert mich auf. Allein seine Anwesenheit erhellt jeden Raum. Ich finde es auch furchtbar doof, dass er jetzt so viel mit Yuga rumhängt und wir nicht so viel Zeit miteinander verbringen!“, sprudelte es aus ihm heraus, bevor er verstummte und sich auf die Zunge biss. So viel wollte er eigentlich gar nicht erzählen. Immerhin war gerade letzteres ziemlich selbstsüchtig. Hizashi konnte doch auch andere Freunde haben, er war schließlich nicht Shotas Eigentum, sondern sein eigener Herr. „In seiner Nähe fühle ich mich einfach wohl und habe das Gefühl, dass wir zusammen alles schaffen und durchstehen können“, fügte er etwas leiser an, „ich will aber nicht, dass das jetzt alles kaputt geht, nur wegen dem dummen Flaschendrehen.“

Nemuri überraschte diese Ehrlichkeit ein wenig. Ihre Mundwinkel wanderten ein wenig nach oben, während sie Aizawa ein wenig mehr an sich drückte. „So wie ich das gesehen habe, geht es Hizashi im Augenblick ähnlich wie dir. Eure Freundschaft steht also bestimmt nicht auf dem Spiel. Es kann sogar noch so viel mehr daraus werden“, erklärte sie, ehe sie leise gluckste, „weißt du, Oboro hat damals so etwas angedeutet. Er hatte das Gefühl, dass du und Zashi füreinander bestimmt seid. Aber ich dachte damals es wäre ein Scherz. Ihr habt euch nie offensichtlich danach verhalten, und trotzdem hat er etwas gesehen, was ich nicht konnte.“ Shirakumo hatte schon immer ein Händchen dafür gehabt, seine Mitmenschen besser zu verstehen als alle anderen. Er wusste immer, was sein Gegenüber brauchte. Dafür hatte Kayama ihn stets beneidet.

Aufmerksam hörte der junge Undergroundhero. „Aber … sind er und ich … sind sie … also sind wir … als Erwachsene …?“ Er wusste nicht so ganz, wie er diese Frage auf den Punkt bringen sollte. Nach wie vor erschien es ihm seltsam über den erwachsenen Eraserhead als sich selbst nachzudenken. Ebenso war es seltsam, ihn als fremde Person zu betrachten, obwohl er genau das für ihn war.

Die Dunkelhaarige schüttelte den Kopf. Er musste den Satz gar nicht ausformulieren, sie wusste auch so, worauf er hinaus wollte. Shota seufzte. Erneut hatte er das Gefühl, dass das alles seine Schuld war. Hatte er sich wirklich so abgekapselt von seinen Freunden, nachdem Oboro verstorben war? Wieso hatte er das nur getan?

Als plötzlich eine Hand auf seinem Haarschopf lag, sah er vorsichtig auf. „Mach dir keinen Kopf darüber, Shota“, meinte Nemuri, als ob sie in seinen Kopf sehen könnte, „du hast jetzt eine zweite Chance bekommen. Nutze sie einfach.“ Immerhin konnte er nun alles nachholen, was er sich damals selbst verweigert hatte, oder wozu er nicht in der Lage war, weil die Trauer und Schuldgefühle ihn fest im Griff hatten. Nun konnte er endlich das tun, was er damals nicht konnte: Seine Jugend genießen und auskosten.

In diesem Moment wurde ihm klar, dass sie damit wohl recht hatte. Auch wenn er es bisher nur als Fluch gesehen hatte, wieder sechzehn zu sein, war es doch ebenso ein Segen. Eine zweite Chance und Möglichkeit, alles besser zu machen. Diese Erkenntnis zauberte ein leichtes Lächeln auf seine Lippen. „Danke Nemuri“, gab er von sich und drückte sie vorsichtig, „du bist richtig weise geworden im Alter.“

„Das hast du gerade nicht gesagt!“, motzte sie sofort beleidigt und stemmte die Hände in die Hüfte, nachdem er sich von ihr gelöst hatte und breit grinste. Sie war doch ganz und gar nicht alt!
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