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Ambermoon  -  Das große Abenteuer von Lunselin

von Arnold
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
13.08.2020
03.08.2021
49
340.476
4
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22.07.2021 3.011
 
TAG 46:  Der Palast des S’Trog... Ein Hort der Illusionen

Mit dem Erwachen begann die gleiche Prozedur, wie an jedem Tag! Habe ich alles schon einmal erzählt und würde an dieser Stelle sicherlich langweilen. Einzig erwähnenswert ist, dass Selena vor Aufregung kaum Schlaf gefunden hatte, und schon weit vor der Zeit wieder auf den Flügeln war. Sie flatterte munter durch die Gänge und übte fleißig das Fliegen. Nach Verlassen des Palasts fragte ich sie, ob sie vom Fliegen nicht müde werde. Doch schon, antwortete sie, aber nach so langer Zeit sei es für sie eine echte Lust es wieder zu können. Außerdem bedeutete das, dass ihre Flügel endlich kräftig genug waren, um auch die notwendige Magie aufbringen zu können, damit sie durch die Welten reisen konnte. Sie war sich sicher, dass sie es nach Hause schaffen würde. »Hast du es schon versucht?«, fragte ich sie hoffnungsvoll. Sie antwortete: »Noch nicht. Das werde ich auch erst auf Lyramion versuchen. Ich weiß nicht, was an der Stelle, wo Morag sich befindet, in anderen Welten geschieht. Da warte ich lieber noch ein wenig...«

Während unserer Reise zur Stadt S’Angrila hob Selena immer mal wieder ab und flog über uns hinweg. Egil ließ sich derweil mit Sabine zurückfallen, und fragte sie leise, ob er vielleicht auch die eine oder andere Frage zum Thema Sexualität stellen dürfe. Die Heilerin meinte, wenn es ehrliche, ernstgemeinte Fragen wären, dann dürfe er sie gerne stellen, und sie würde sie nach bestem Wissen beantworten. Nur sei jetzt gerade ein schlechter Zeitpunkt dafür. Das sollte lieber in Ruhe und unter vier Augen geschehen. Valdyn schnurrte vergnügt, sagte aber nichts weiter dazu.

Bevor wir die Stadt erreichten, riefen wir die Sylphe zur Ordnung. Da Moraner im Allgemeinen nicht fliegen, sollte sie nun für eine Weile darauf verzichten, um unsere Tarnung nicht zu gefährden. Das machte sie gern, und es tat ihren unglaublichen Glücksgefühlen keinen Abbruch. Dann betraten wir die leere Stadt und gingen zu unserem Luftschiff. Sabine meinte: Da wir alle einige Brandflecken und Ruß abbekommen hatten, könnten wir vielleicht das Wasser aus einem der Fässer zum Waschen nutzen. Tar war nicht begeistert von dem Vorschlag, denn er wollte das Wasser nicht verschwenden, während die Moraner verdursteten. Nachdem Egil ihm in Erinnerung rief, dass unser Wasser ohnehin nicht für die Moraner als Trinkwasser taugte, war er dann einverstanden. Wir rollten gemeinschaftlich ein Fass in einen kleinen Raum, den wir fortan zum Waschraum erklärten. Jeder bekam fünfzehn Minuten Zeit, um sich von Staub, Sand, Schmutz und Ruß zu befreien. Alle nutzten die Zeit, selbst Valdyn führte eine ausführliche Katzenwäsche durch, und in der Zwischenzeit fanden Egil und Sabine auch die Zeit, um ein paar seriöse, wichtige Fragen zu klären.

Etwa 90 Minuten später brachen wir wieder auf und verließen das Luftschiff mit prall gefüllten Mägen und Wasserflaschen. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt hatte ich das unbestimmte Gefühl beobachtet zu werden, konnte es aber nicht weiter definieren, und vergaß es auch prompt, als wir uns auf dem Weg zum nächsten Palast befanden. Leider hatte es sich inzwischen zugezogen, und Wolken verhinderten die Sicht auf den Sternenhimmel. Ich fragte mich, ob man den Heimatstern von Ontaflareth oder von Prokyon von hier aus sehen konnte. Den Erstgenannten wohl eher, schließlich sollte er ja in unmittelbarer Nachbarschaft von Lyramion sein. Was auch immer das in den unendlichen Weiten des Weltalls bedeutete...

Nach weiteren drei Stunden Fußmarsch erreichten wir schließlich den Palast. Den Drachen, der vor dem Gebäude auf uns wartete, ließen wir einfach schlafend zurück. Sofern er keine Türen öffnen konnte, würde er uns nicht mehr behelligen. Auch im Palast selber erwarteten uns zwei Riesenechsen, aber Tar war einfach zu schnell und zu mächtig, so dass wir sie gefahrlos erledigen konnten. Ärgerlich war nur, dass sie einmal mehr den Eingangsraum blockierten. Dann mussten wir eben wieder woanders schlafen, nachdem die Schlacht geschlagen war.

Wir erreichten das Ende eines langen Gangs und stießen auf eine erneute Falle. Es gab drei Wege: Links, rechts oder geradeaus. Dummerweise waren alle drei Wege von schwingenden Pendeln versperrt. Wir suchten die ganze Umgebung vom Eingang bis hin zu dieser Kreuzung nach illusionären Wänden ab, konnten aber keine finden. Egil pfiff durch die Zähne: »Nicht schlecht! Sieht so aus, als hätte dieser Echsenkopp etwas aus dem Versagen der anderen gelernt!« Wohin jetzt? Es war dann meine Idee, mal mit einem langen Gegenstand zu versuchen, ob wir eins der messerscharfen Pendel anhalten konnten. Zu diesem Zweck haben wir Valdyns Brechstange auserkoren, denn sie bestand aus Eisen und würde schon nicht von dem Pendel zerstückelt werden, wie unsere weichen Körper. Also dann. Valdyn nahm die Stange und hielt sie vorsichtig gegen das Pendel. Rechts geprüft... Klong! Geradeaus geprüft... Klong! Links geprüft... Nichts? Das Pendel ging einfach durch die Brechstange hindurch! Sprich... es war gar nicht wirklich da, sondern es war nur eine Illusion! Der Weg war frei und wir konnten weitergehen. »Wie beknackt ist das denn? Für wie behämmert halten die uns eigentlich?« Egil äffte den Tonfall eines arroganten Moraners nach: »Die minderwertigen Trottel werden denken... Mist, alle Wege versperrt, wir gehen besser wieder nach Hause!«

Es wurde sogar noch besser: Hinter der Illusion fand Valdyn eine illusionäre Wand, und dahinter einen Hebel, mit dem er alle drei Pendel abschalten konnte. Egil war kaum noch zu halten: »Wenn man ohnehin von innen den Mist ein und ausschalten kann, wofür braucht es denn dann noch eine Illusion? Die spinnen, diese Moraner...!« Mir sollte es recht sein! Gut gelaunt gingen wir weiter und folgten diversen Gängen, bis wir in einen größeren Raum kamen. Valdyn hielt uns auf, und zeigte auf den Boden. Bei näherer Betrachtung sah ich, dass dort alles voller schlecht getarnter, kleiner Löcher war. Eine Falle, ganz sicher! Vermutlich war es eine Speerfalle, und wenn wir den Boden belasteten, dann würden die Speere uns durchlöchern. Und nun? Valdyn schlug vor, dass wir einen schweren Gegenstand an ein Seil binden und damit versuchen, herauszufinden, ob es einen sicheren Weg über die Platten hinweg gibt. Immerhin muss der Moraner ja auch noch rüberkommen. Tar fragte ihn, ob er eine weitere Illusion vermuten würde, und Valdyn bejahte schnurrend. Dann mischte sich aber Selena ein, die sich hier weitaus besser im Griff zu haben schien, als im Palast zuvor, und meinte, dass es bestimmt auf der anderen Seite einen Hebel geben würde, um alles abzuschalten. Und sie würde eben hinfliegen und danach suchen. Ein toller Plan! Da sie jetzt fliegen konnte, bot sich eine solche Strategie perfekt an. Sabine bat sie, auf jeden Fall vorsichtig zu sein, und dann flog die Sylphe gleich los. Egil wollte dennoch, dass Valdyn den Trick mit dem Seil ausprobiert, denn... »Wenn ich Moraner wäre, und nervtötende Eindringlinge abhalten wollte, dann würde ich die Falle von vorne herein abstellen. Wenn die Schlauberger dann nämlich den Hebel umlegen, stellen sie sich selbst die Falle und werden aufgespießt! He he!« Nicht schlecht, doch das setzte voraus, dass die Echsen wussten, dass einer aus unserer Gruppe fliegen kann und die Falle aktiviert. Für so pfiffig hielt ich sie nicht!

...und ich behielt Recht! Selena fand einen Hebel und änderte seine Stellung. Valdyn warf seine Spitzhacke auf die Bodenplatten, und es geschah nichts. Dann bestieg Egil vorsichtig die Platten, und es passierte ebenfalls nichts. Aber uns fiel auf, dass nach der Deaktivierung der Fallen ein Teil der Bodenlöcher verschwunden war. Sie waren nur eine Illusion gewesen, und damit hätten wir auch ohne Selena eine Chance gehabt, auf die andere Seite zu kommen. »Die haben echt nicht alle Latten am Zaun, diese Echsen!«, nörgelte Egil über die angeblich so fortschrittliche Rasse. Ich hingegen hielt sie einfach für viel zu arrogant!

Hinter einer Tür, die durch den passenden Schlüssel geöffnet wurde, stand S’Trog und wartete bereits zähneknirschend auf uns, gemeinsam mit zwei Hausdrachen. Während sich der Moraner noch seine Kapuze aus der Stirn schob, hatte Tar die beiden Drachen bereits ins Traumland geschickt, und während wir uns verteilten und der Echsenmeister sein Sprüchlein: »Ich, S’Trog, werde euch nun ein Ende bereiten! Es ist mir schleierhaft, wie die anderen Meister sich von Kreaturen wie euch besiegen lassen konnten. Aber jetzt ist Schluss mit eurer Einmischung!« aufsagte, marschierte Egil schon gemessenen Schrittes auf den Moraner zu. Dieser hob die Arme, und ein mörderischer Sturmwirbel erfasste die Gruppe. Valdyn, Tar und ich wurden von dem Wirbel erfasst und erst unangenehm durchgeschüttelt und dann in die Ecke geschleudert. Die draußen wartenden Frauen, sowie Egil blieben davon verschont. Der Krieger hatte die Echse nun fast erreicht und rief: »Was sagst du? Bist’n professionelles Arschloch, oder was?«, und deckte den hilflosen Moraner mit einem Schwerthagel ein, dem er nicht lange standhalten konnte. Die beiden Drachen waren danach nur Formsache, und wieder gehörte uns eine Harfensaite.

Während ich noch versuchte, meine Knochen zu nummerieren, und dabei dankenswerter Weise von Sabine unterstützt wurde, sammelte Selena schon den Schlüssel für den Palast von S’Kat ein. Außerdem kam Valdyn auf die Idee, auch den Morag Dart mitzunehmen, den S’Endar in den Händen gehalten hatte. Immerhin hätten wir zuhause einige Krieger, die diese Waffe gegen die Maschine einsetzen könnten. Ein guter Einfall, und so wanderte der Dart in Egils Rucksack. Tja, das war geschafft, und nun konnten wir uns auf den Rückweg machen. Fünf dahin, zwei im Sinn! Ehrlich? Bisher war es nicht sonderlich schwer gewesen. Das eine oder andere Mal hatten wir etwas Glück gehabt, doch hatte ich mit wesentlich mehr Gegenwehr gerechnet. Scheinbar waren die Ratsmitglieder wirklich nicht davon ausgegangen, dass wir es überhaupt bis hierher schaffen würden. »Na da haben sie sich aber schwer getäuscht!«, sagte Egil genüsslich.

Wir schlugen ein Lager auf und führten die üblichen Handlungen aus. Und noch bevor wir damit fertig waren, schnappte ich mir Tar unter vier Augen und begann das überfällige Gespräch mit ihm.
»Was liegt dir auf dem Herzen, Lunselin?«
»Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich im Turm von S’Krel gehört und gesehen habe. Da war so ein Funkeln in deinen Augen...«
Tar unterbrach mich: »...voller Begierde? Natürlich! Ich habe dir gesagt, dass ich den Weltenteleporter gern studieren würde, und dieser Mann hielt den Schlüssel... nein, sämtliche Schlüssel dafür in den Händen. Meine Zukunft war keinen Schritt entfernt und zum Greifen nah, verstehst du?«
»Aber wir können doch nicht... Ich dachte, du...« Ich fing an zu stammeln, denn ich hatte plötzlich etwas Angst davor, den Vorwurf laut auszusprechen. Zu lebhaft erinnerte ich mich der Blitzattacken des Magiers.
»Was? Du dachtest, dass ich den alten Kerl umbringe und die Kugeln stehle?« Ich hatte den Eindruck, als loderte plötzlich ein unnatürliches Feuer in seinen Augen. Er fixierte mich und ich fürchtete, jeden Augenblick in tausend Scherben zu zerspringen. Doch dann wandte er den Blick ab... »Glaub mir, es gab Zeiten in meinem Leben, da hätte ich keine Sekunde gezögert. Als junger Magier hätte ich ihm die Kugeln augenblicklich entrissen, da wollte ich nur Macht, Macht und noch mehr Macht. Als Lord Tarbos hätte ich den Echsenmann wieder und wieder in kleinste Streifen geschnitten und mich in seinem Blut gesuhlt, nur um danach mit den kleinen Kügelchen Murmeln zu spielen, ebenso beiläufig, wie man als Gott des Chaos eben mit anderen Planeten Murmeln spielt.« Der Magier drehte den Kopf weg und spuckte aus. Dann sagte er mit einer Stimme, die pure Selbstverachtung ausstrahlte: »Diese Zeiten sind vorbei! Ich bin kein junger Magier, und erst recht kein Chaosgott mehr!« Einen Moment lang schwieg er, dann fuhr er etwas versöhnlicher fort: »Ich bin Tar, der dunkle Magier. Ich habe geschworen, persönlichen Interessen zu entsagen und mich ganz um Lyramion zu kümmern. Ich möchte die Welt retten und versuchen, wenigstens ein Prozent des Schadens wieder gutzumachen, den ich angerichtet habe. Deshalb will ich den Weltenteleporter studieren! Ich habe das Gefühl, dass Lyramion von den anderen Völkern sehr viel Gutes lernen könnte. Darum begehre ich die Kugeln.«
Mir tat es inzwischen leid, dass ich ihn mit den Vorwürfen konfrontiert hatte. Dieser Mann hatte mehr als genug durchgemacht und seit seiner Befreiung ausschließlich Gutes getan und sich für unsere Sache aufgeopfert. Wann fing ich endlich an, ihm zu vertrauen?
Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagte er: »Ich wundere mich nicht darüber, dass du mir nicht vertraust, Lunselin! Manchmal vertraue ich mir selbst nicht einmal, denn viel zu viel ist geschehen. Als ich die Kugeln sah, hätte ich beinahe die Kontrolle über mich verloren, und ich konnte mich gerade eben noch beherrschen. Der alte S’Krel weiß gar nicht, wie knapp er mit dem Leben davon gekommen ist. Du hast dich nicht getäuscht, als du das beobachtet hast! Ich bin gefährlich, und leider nicht immer nur für unsere Feinde!« Er schluckte schwer. »Doch meine Meditation und mein unbedingter Wille, Gutes zu tun, halfen mir diesem Drang zu widerstehen. Und ich will, dass es so bleibt! Ich will ein würdiges Mitglied deiner Gruppe bleiben. Ich will dein, und euer aller Vertrauen gewinnen.«
»Danke Tar! Ich kann mir gar nicht ausmalen, wie du dich fühlen musst. Es muss schrecklich sein, einen solchen Albtraum abzuschütteln.«
Er lachte freudlos auf. »Albtraum? Schön wäre es, wenn es nur ein Albtraum wäre, denn dann könnte ich einfach aufwachen. Doch ich habe Chaos, Leid, Tod und Verwüstung über Lyramion gebracht. Meine jetzigen Taten sind nur ein einzelner Wassertropfen im heißen Sand von Morag. Was soll ich tun, wenn unser Abenteuer vorbei ist? Was tue ich, wenn Lyramion gerettet ist? Ihr werdet als Helden gefeiert, aber ich werde weiterhin verachtet, für das, was ich war und was ich tat. Zu Recht! Du kannst nichts daran ändern, selbst die Fürsprache aller Beteiligten an unserer Mission, einschließlich der Zwerge, könnte daran nichts ändern. Ich werde verachtet, und das ist richtig so!«
Ich suchte nach Worten, während Tar eine Pause machte. Dann fuhr er fort: »Weißt du, wo ich nicht verachtet werde? An Orten, wo man mich nicht kennt. Ich kann auf Morag bleiben und den Echsen hier bei den Verhandlungen helfen, ihnen einen Deal mit Lyramion schmackhaft machen. Ich kann auf dem Waldmond in Dor Grestin helfen, könnte die Mine von den Tornaks befreien, das Zwergenvolk beschützen. Oder ich könnte mit Hilfe des Weltenteleporters auf die Suche nach neuen Innovationen für Lyramion, nach neuen Kontakten, neuer Technologie gehen. Vielleicht gibt es da draußen ein Volk, das Wasser herstellen kann, und seine Technologie mit Morag teilt? Vielleicht gibt es Völker, die uns helfen könnten, unsere Ernteerträge zu steigern? Und ich könnte mich auf die Suche danach machen, und auf diesem Wege hoffentlich mehr als ein Prozent meiner Schuld begleichen. Und daher, Lunselin, brauche ich dringend diese Schlüsselkugeln.«
Er warf mir einen entschlossenen Blick zu. Ich suchte schon wieder nach Worten, wollte klarmachen, dass ich keine gewaltsame oder diebische Lösung dulden würde...
Tar schien meinen Konflikt zu bemerken. »Keine Sorge, Lunselin! Ich werde sie ihm nicht stehlen... ich werde sie eintauschen, einen fairen Handel mit ihm eingehen!«
»Aber wie? Was willst du tauschen?«, fragte ich ihn.
»Wasser!«, sagte Tar. »Wasser, sowie eine Perspektive für die Zukunft.«
»Und woher nimmst du das?«, erkundigte ich mich neugierig.
»Selena hat mir gesagt, dass in der Taverne der Stadt jemand erzählt hätte, die hohe Ratsechse hätte Wasser im Überfluss, doch lasse er jeden umbringen, der davon trinkt. Nun, wenn wir mit ihm fertig sind, dann stellt das kein Problem mehr dar. Erstens werde ich S’Krel mit so viel Wasser versorgen, wie unsere Wasserflaschen fassen können. Zweitens werde ich vor unserer Abreise dafür sorgen, dass alle Einwohner S’Angrilas dort ihren Durst stillen können. Und drittens werde ich vorschlagen, S’Krel in den neuen Morag-Rat zu wählen. Dann kann ein weiser Moraner wie er das Volk führen und womöglich antike Technologien wieder aufleben lassen! Als Gegenleistung verlange ich nur die Kugeln und biete ihm an, sie mit ihm zu teilen und von ihm ausgewählte Wissenschaftler auf meine Reisen mitzunehmen. Ich denke, dieser Handel sollte fair sein.«
Das verschlug mir glatt die Sprache. Ein guter Plan... aber auch gefährlich. »Wenn wir uns als Bürger Lyramions zu erkennen geben, könnten wir große Probleme bekommen«, sagte ich zu ihm.
Tar wiegelte ab: »Wir geben ihnen Wasser! Wir geben ihnen, was der Rat ihnen nicht in hunderten Jahren geben konnte oder gar wollte. Wir lösen den aktuellen Mangel und versprechen für die Zukunft weitere Hilfe. Außerdem haben wir den Rat gestoppt. Hast du schon einen einzigen positiven Kommentar über den Rat gehört? Jeder Moraner hasst den Rat, und wir haben ihn beseitigt. Warum sollten sie uns noch angreifen wollen?«
Darauf wusste ich keine wirkliche Antwort mehr... Schließlich stimmte ich seinem Plan zu, überredete Tar aber dazu, dass wir dieses Vorgehen mit Egil, Sabine, Valdyn und Selena absprechen und uns als ganze Gruppe darum kümmern. Der Magier war sofort einverstanden und meinte, ohne dieses Gespräch hätte er uns seinen Plan spätestens nach der Beseitigung von S’Lorwin und dem Fund seines geheimen Wasserreservoirs selbst offenbart. Das reichte mir völlig! Von nun an betrachtete ich den Magier endgültig als Freund!

Wir setzten uns alle zusammen und erörterten den neuen Plan. Es gab die eine oder andere kritische Meinung dazu, oder Dinge, die es zu bedenken galt. Zum Beispiel war sich Sabine nicht sicher, ob die Oberhäupter Lyramions diesem Deal überhaupt zustimmen würden, nachdem die Moraner das Wasser hatten stehlen wollen. Aber wenn wir ihnen klar machten, wie groß die Not der Moraner war, dann hätten wir vielleicht eine Chance. Valdyn meinte, dass wir mit sechs vollen Wasserflaschen wohl kaum die ganze Stadt überzeugen könnten. Egil meinte, wir hätten immerhin sieben Flaschen, wenn wir uns von S’Krel die Flasche zurückholten. Doch Tar sagte, wir hätten dann die Koordinaten von S’Lorwins Wasserreservoir. Das wäre viel wichtiger als sämtliche Flaschen unserer Gruppe. Dann könne sich jeder Moraner selbst holen, was er braucht. Schließlich einigten wir uns darauf, es zu versuchen. Wenn wir schon mal hier oben waren, dann konnten wir den Umsturz und den Beginn von Beziehungen zwischen unseren beiden Welten auch gleich selbst ins Leben rufen.

Das war es für diesen Tag! Ziemlich aufgeregt legten wir uns hin und blickten voller Optimismus und Tatendrang in die Zukunft. Vielleicht würde ich tatsächlich eines fernen Tages einen kleinen Effel sehen, von ihm lernen, und sein weiches Fell streicheln...
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