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Programmierfehler

GeschichteAllgemein / P12
Albus Dumbledore Ben Copper
13.08.2020
13.08.2020
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13.08.2020 1.955
 
Aus stilistischen Gründen habe ich im Text auf den Charakter, den man selbst im Spiel kreieren kann mit [Dein Name] verwiesen und ihn jetzt pauschal einmal männlich dargestellt, auch wenn er ja sonst jegliche Gestalt annehmen kann. Nun ja, ich wollte mit der Geschichte einmal eine neue Idee ausprobieren. Ich hoffe, der Anfang gefällt euch. :)



Programmierfehler
by littlejolie


Kapitel 3
ÄRGER LAUERT ÜBERALL
Nach deiner Begegnung mit der streitlustigen Slytherin Merula Snyde musst du einen Weg finden, die verlorenen Hauspunkte wiedergutzumachen.
[STARTEN]

Neue Quest!
Wir haben gerade Hauspunkte verloren! Du weißt nicht zufällig warum?
Komm zum Gemeinschaftsraum. Befehl vom Vertrauensschüler.
[LOS]


Ben stand in den dunklen Fluren von Hogwarts Kerkern. Er wusste selbst nicht, wie er so plötzlich hierher gekommen war. Gerade eben saß er noch im Klassenzimmer für Zauberkunst und folgte aufmerksam Professor Flitwicks Worten - als hätte er Flohpulver benutzt, ohne dies zu bemerken.

Ben:
„Du bist [Dein Name], richtig?“

Ben hörte seine eigenen Worten von den steinernen Wänden widerhallen, aber er fühlte sich, als hätte er diese nicht selbst formuliert. Er sprach, ohne er selbst zu sein, wie eine Marionette, die man mit dem Imperius-Fluch lenkte. Sein Mund wirkte taub.

Du:
„Ja. Wer bist du?“

Vor ihm stand ein Schüler, den er bereits einige Male im Schulhaus gesehen hatte, ohne aber bisher ein Wort mit ihm gewechselt zu haben. Die plötzliche Konversation überraschte Ben. [Dein Name] war unter allen Schülern in Hogwarts bekannt. Angeblich sollte er nach den Verwunschenen Verliesen suchen.

Ben:
„Ben Copper. Ich bin ein Erstklässler genau wie du. Ich möchte mich dafür bedanken, dass du Merula Snyde die Stirn geboten hast.“

Du:
„Von wem hast du das gehört?“

Wann immer [Dein Name] sprach oder sich in der Nähe befand, begleitete ihn unterschwellig eine Melodie. Anfangs dachte Ben, er würde sich dies lediglich einbilden, doch inzwischen wirkte die Celesten-Musik omnipräsent. Ohnehin erfüllte den Raum eine merkwürdige Atmosphäre, sobald [Dein Name] ihn betrat, als würde er nicht allein kommen, sondern wäre stets von einem unsichtbaren Beobachter begleitet. Und manchmal wirkte es, als würde sich die ganze Welt um [Deinen Namen] drehen. Ihn umgab ein heller Glanz wie ein schützender Kokon. Zufälligerweise fiel das Licht immer auf ihn, selbst wenn er sich im Schatten befand.

Ben:
„Ich habe vom anderen Ende des Korridors zugesehen. Ich bin ihr gefolgt, damit sie sich nicht an mich heranschleichen und ich wenigstens davonlaufen kann, wenn sie mich sieht. Sie hat mich den ganzen Weg im Hogwarts-Express über gequält. Sie hat mich immer wieder bedroht und ein Schlammblut genannt.“

Ben verstand nicht, wovon er selbst sprach. Er kannte Merula Snyde, doch konnte sich nicht daran erinnern, wie er sie vom anderen Korridor aus beobachtet haben sollte. Ein grauer Schleier schien seine Vergangenheit zu bedecken. Sie wirkte vorgefertigt, als hätte Ben diese nicht selbst erlebt, sondern nur aus Erzählungen kennengelernt. Weshalb er in diesem Moment einen solch ängstlichen Charakter wiedergab, erschien ihm zusätzlich suspekt.

Du:
„Tut mir leid, Ben. Das ist furchtbar.“

Ben:
„Merula ist davon besessen, die beste Hexe in unserem Jahr zu sein, und sie zwingt uns ihren Willen auf, um es zu beweisen. Endlich war jemand tapfer genug, ihr die Grenzen aufzuzeigen. Mir fehlt der nötige Mut. Keine Ahnung, warum ich in Gryffindor gelandet bin.“

Natürlich war er ein Gryffindor! Am liebsten hätte Ben seinen Kopf geschüttelt und lautstark widersprochen, doch er konnte sich nicht bewegen. Seine Muskeln reagierten nicht auf seine eigenen Gedanken. Egal, wie stark Ben den Kiefer nach unten zog, um sprechen zu können, er brachte kein Wort hervor. Er atmete tief ein und schloss kurz seine Augen. Etwas stimmte hier nicht.


Änderungen annehmen?
Willst du diese Änderungen wirklich vornehmen?
[LÖSCHEN UND VERLASSEN] [ANNEHMEN]


Als Ben seine Augen wieder öffnete, verstand er die Welt endgültig nicht mehr. Erst vor einer Sekunde sprach [Dein Name] mit ihm. Ben hätte schwören können, dass er dabei noch eine gestreifte Krawatte um den Hals trug und sein blondes Haar sorgfältig nach hinten gekämmt hatte. Nun sah ihn ein dunkelhaariger Junge mit schulterlangen Rastalocken an. Aber noch immer strahlte von ihm ein heller Schein aus. Keine Frage - bei dem Schüler vor ihm handelte sich eindeutig um [Deinen Namen].

Du:
„Jeder hat vor irgendwas Ang — “

Er sprach auch genauso wie [Dein Name]. Ben starrte den Schüler noch immer ungläubig an. Was passierte hier?


Verbindungsfehler
Wir konnten keine Verbindung mit dem Spiel herstellen.
Überprüfe bitte deine Verbindung und versuche es erneut.
[ERNEUT VERSUCHEN]


Und als wäre die Situation nicht schon skurril genug, hörte [Dein Name] in der Mitte des Satzes zu sprechen auf. Nicht etwa in der Art und Weise, wie man eine Pause einlegte, um seine Wortwahl zu überdenken - sondern wie jemand, der plötzlich eingefroren wurde. [Dein Name] war vollkommen erstarrt, bewegte sich keinen Zentimeter und wäre Ben nicht nahe genug herangetreten, so würde er bezweifeln, dass der Schüler noch atmete. „Hallo? Geht es dir gut?“, fragte er und berührte vorsichtig die Schulter seines Gegenübers. [Dein Name] bewegte sich noch immer nicht.

Ben sah sich in den Kerkergängen um und erkannte, dass die anderen Schüler, die sich zuvor auf den kommenden Zaubertränke-Unterricht vorbereitet hatten, ebenfalls erstarrt waren. Selbst das Feuer der Fackeln, die die Räume erleuchteten, züngelte nicht länger. Ben lief durch die Schulflure, um nach Hilfe zu suchen. Doch als er die dutzenden Zauberer sah, die für gewöhnlich in der Großen Halle ihre Speisen einnahmen, überkam ihn ein Schaudern. Auch sie bewegten sich nicht, wirkten wie hyperrealistische Wachsfiguren. Ganz Hogwarts war still.

Doch plötzlich vernahm Ben ein leises Summen, als würde jemand eine Melodie mit geschlossenen Lippen wiedergeben wollen. Der Schüler erkannte, wie Dumbledore am anderen Ende Korridors durch die bewegungslosen Schüler hindurchwanderte. Er war dabei in einen regelrechten Sing-Sang verfallen. „Ach, wie schön ruhig es doch ist, wenn der Nutzer offline geht. Es sollte wirklich öfter Verbindungsprobleme geben!“, murmelte er freudig vor sich hin. Der Professor schien Ben gar nicht zu bemerken.

Ab und zu, wenn Dumbledore sah, dass manche Zauberer auf den Gängen ihre Uniform nicht ordnungsgemäß trugen, richtete er sie wieder. Er trat auch an den jungen Gryffindor-Schüler heran, der sich in seiner Verwirrung nicht rührte. In dem Moment als der Professor seinen Mantel am Kragen höher ziehen wollte, bewegte sich Ben. Dumbledore hielt abrupt inne, ähnelte nun den anderen Charakteren. Er trat einen Schritt zurück. Die Beiden starrten aneinander an, ohne ein Wort zu sagen, als müssten sie zuerst realisieren, dass der jeweils andere in keine Starre verfallen war. „Ben Copper?“, fragte der Schulleiter ungläubig.

Ben nickte. Ihm fiel ein rechteckiger, dünner Kasten in Dumbledores Händen auf, konnte jedoch nicht erkennen, um was es sich dabei handelte. „Professor, was passiert hier? Wurden wir angegriffen? Alle sind erstarrt“, wollte er wissen, „Was ist das für ein Fluch?“

Dumbledore musterte Ben. Er kniff dabei seine Augen zusammen, als würde noch abwägen, ob es sich um eine Halluzination handelte. „Ein weiterer Programmierfehler“, entgegnete Dumbledore abschätzig, nachdem er seine Musterung beendete. Er wandte sich wieder von dem Schüler ab. Wahrscheinlich rechnete er damit, dass Ben jede Sekunde ebenfalls erstarren würde. Dumbledore ging weiter die Schulflure entlang.

Doch Ben konnte nicht zulassen, dass der Professor wieder verschwand. Er wollte Antworten. Dumbledore zeigte keinerlei Anzeichnen von Verwunderung, obwohl diese Situation doch ziemlich merkwürdig war. Der Schulleiter musste mit Sicherheit etwas wissen.

Gerade noch rechtzeitig konnte Ben den Professor einholen, obwohl dieser seinen Schritt zusätzlich beschleunigt hatte. Er zog an Dumbledores weiten Ärmeln, sodass dieser abrupt stoppen musste. Im Affekt fiel sein dünner Quader zu Boden und landete mit der Glasfront nach oben.

Ben sah auf die kleine Oberfläche von Dumbledores Kasten. Er zeigte das Bild einer blonden Gestalt. Das war er selbst! Er erkannte seine Gesichtszügen - die schmale Nase, die breiten Lippen. Doch der Ausdruck in seinen dunklen Augen war ein anderer. Seine Irden waren geweitet, als stände er direkt vor einem Dementoren. Angst durchzog seine Mimik auf dem dünnen Display. „Was ist das?“

„Wenn du dir einen Gefallen tun willst, frage nicht weiter!“, antwortete Dumbledore und hob seinen Quader vom Boden auf. Missgünstig betrachtete er die kleinen Blessuren, den der Gegenstand vom Sturz davontrug.

„Bin ich das?“, Ben wollte nicht nachgeben. Er deutete auf das blonde Abbild, das nun von kleinen Rissen durchzogen wurde.

Mit einem Mal wechselte Dumbledores Gesichtsausdruck. Er wirkte er gerade zu erzürnt, als er zu sprechen begann: „Ja, das bist du! Weil du nur ein Charakter aus einem Handy-Spiel bist. Unsere ganze Welt wurde programmiert, alles ist Bestandteil einer App. Dieser Quader ist ein Handy, er gibt uns wieder. Wir sind nicht reell. Nicht ist hier reell.“

Was war bitteschön eine App? Der rechteckige Kasten sollte ein Handy sein? Ben verstand den Großteil seiner Worten nicht, aber eines wurde ihm bewusst, Dumbledore bezeichnete ihn gerade als erfunden. „Wir sind nicht reell?“, er schüttelte seinen Kopf, „Nein, das glaube ich nicht!“

„Hast du dich nie gewundert, warum sich alles um [Dein Name] dreht? Kaum taucht er auf, bist du dich nicht mehr Herr deiner Sinne. Du handelst, als würdest du gesteuert werden. Und wieso?“, Dumbledore legte eine Pause ein, damit Ben selbst überlegen konnte, „Weil [Dein Name] der Hauptcharakter dieses Spiels ist. Du - nein, nicht nur du, wir alle - wurden nur erschaffen, um ihm zu helfen. Wir können nicht frei entscheiden, unser Handeln und unsere Persönlichkeit wurden vorbestimmt. Du wirst machen, was auch immer die Programmierer für dich festgelegt haben. Jetzt hast du vielleicht die Möglichkeit, dich frei zu bewegen, doch wenn der Nutzer online ist, wirst du wieder zu Marionette.“

Ben erinnerte sich an das Gespräch mit [Deinem Namen]. Plötzlich ergab alles einen Sinn.

Plötzlich wurde ihm ganz schlecht und mit einem Mal musste er wieder die Augen schließen. Er konnte noch erkennen, wie ein Lichtstrahl auf ihn zu schoss.


Update Version 2.8.1
Es ist Zeit, deine besten Manöver in einem Quidditch-Event zu zeigen!


„Das war ein Update“, erklärte Dumbledore, als Ben seine Augen wieder öffnete, „Wenn den Programmierern an unserer Welt etwas missfällt, ändern sie es in einem Update. So wie gerade deine Schuluniform“

Ben sah auf die Kleidung an sich hinab. Ihm gefiel die vorherige Schuluniform wesentlich besser. Die rot-gelb gestreifte Krawatte, die sie nun hinzugefügt hatten, schnitt ihm seine Luftröhre unangenehm ein. Ihm war das Gleiche widerfahren wie zuvor auch [Deinem Namen]. Anscheinend waren die Programmierer mit seinem Aussehen nicht zufrieden gewesen.

Ben seufzte. Am liebsten hätte er sich gewünscht, dass er die Zeit zurückdrehen konnte. Er wollte nichts davon wissen, dass er ein programmierter Charakter war. Ihm wäre eine ahnungslose Nebenrolle viel lieber gewesen. „Professor, ich will nicht in einer Welt leben, in der für mich schon alles vorherbestimmt ist. Kann man denn gar nichts ändern?“

Entsetzt sog Dumbledore die Luft ein. Ben hatte noch nie so einen beängstigten Blick auf den Gesichtszügen seines Schulleiters vernommen. „Ben, wenn du mit dem Gedanken spielst, deine Rolle abzulehnen, so warne ich dich jetzt ein einziges Mal: Lass es! Glaub mir, dieses Schicksal willst du nicht haben“, seine Stimme spiegelte eine gewisse Furcht wieder. Ben erkannte sogar, dass seine Hände zitterten. Schnell wechselte Dumbledore das Thema: „Beeile dich lieber, deine nächste Szene beginnt gleich.“

Kaum hatte der Professor seine Worte beendet, lösten sich all seine Mitschüler wieder aus ihrer Starre. Ben wurde zur nächsten Szene versetzt. Er befand sich nun auf dem Trainingslände außerhalb der Schulmauern. Eine hagere Frau mit weiß-meliertem Haar starrte sie auffordernd an.

Madam Hooch:
Willkommen zu Ihrer ersten Besenflugstunde. Ich bin ihre Lehrerin, Madam Hooch. Sie werden zunächst nur zusehen, bevor Sie in der nächsten Besenflugstunde lernen, Ihren Besen zu sich zu rufen. Worauf warten Sie? Stellen Sie sich bitte auf die linke Seite des Besens.

Ben:
Vor diesem Unterricht habe ich mich den ganzen Sommer gefürchtet …

Innerlich verzog Ben das Gesicht. Er wollte kein ängstlicher Charakter sein. Er wollte selbst über sein Handeln entscheiden können.
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