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Wish of my heart

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
13.08.2020
28.07.2021
11
81.868
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Dieses Kapitel
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29.11.2020 5.307
 
Okay, weil ich so lange wieder nichts von mir hören lassen hab, und es der erste Advent ist, gibt es außer Kapitel fünf und dem ersten meiner Adventsgeschichte auch gleich noch das sechste Kapitel.
Viel Spaß dabei ;-)




Wunsch 06 - Ich wünschte, es wäre nicht wahr



~Claude~
"Na, du strahlst ja! Hast du etwa im Lotto gewonnen?"
"Besser", grinse ich Olga an. "Ich hatte gestern eine wunderschöne Nacht."
Olgas linke Augenbraue flippt nach oben.
"So so. Hoffentlich ist dein Hintern zum Tanzen heute auch fit genug."
"Ist er!" Und wie! "Ich könnte um die gesamte Welt tanzen!"
"Das ist schön", brummt Betty hinter mir und patscht mir auf den Po. "Dann tanz mal los. Heute muss alles sitzen."
"Jawohl, General Betty!" Ich salutiere vor ihr, was sie amüsiert schnauben, und den Kopf schütteln lässt.
Wie könnte es mir nach der letzten Nacht auch nicht gut gehen? Es war einfach himmlisch!
Nein, Dante und ich haben nicht schon wieder miteinander geschlafen. Was denkt ihr versauten Dinger nur wieder von mir, eh? Wir zwei sind brav geblieben und haben bloß geschlafen. Na ja, schon etwas mehr als 'nur' geschlafen haben wir schon. Wir haben uns geküsst, gestreichelt, kleine versaute Dinge ins Ohr geflüstert und in den Armen gelegen. Aber alles oberhalb der Gürtellinie, was beinahe noch intimer war, als aller Sex der Welt.
Und dann der Morgen danach … Es war so schön mit ihm. Das Frühstück, die Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Als würden wir jeden Morgen zusammen aufwachen und in den Tag starten. Wir haben sogar Nummern ausgetauscht. Ganz offiziell und dieses mal richtig, was heißt, ich kann meinen süßen Dante jederzeit anrufen, wenn ich Sehnsucht nach ihm habe.
Hach! Ich bin so glücklich!
Ich fliege förmlich über die Tanzfläche, als unsere Probe beginnt. Ich weiß zwar nicht, ob meine Schritte auch wirklich sitzen, aber ich bin mir sicher, mit meiner Ausstrahlung mache ich das schon wieder wett. Jedenfalls hat Bettys strenger Blick an meiner Performance nichts auszusetzen, als die Probe vorbei ist.
"Sehr fein", meint sie an uns alle gerichtet. "Wir sind so gut wie bereit für unseren Auftritt." Die Mädels um mich herum klatschen begeistert. "Bis morgen."
"'Tschau Betty!", verabschieden sich alle brav von unserer Chefin und laufen plappernd zu den Umkleiden. Nur ich bleibe noch etwas länger und helfe ihr beim Aufräumen.
"Du musst nicht jedes Mal mithelfen", brummt Betty mich mit ihrer tiefen Bassstimme an.
"Das mache ich doch gerne", winke ich ab.
"Hmhm", macht sie und lächelt mich schräg an. "Dann hat deine Hilfsbereitschaft heute mal ausnahmsweise nichts damit zu tun, dass du dich mit mir über einen gewissen jemand unterhalten möchtest?"
"Hn … Nö", lüge ich. Natürlich würde ich ihr gern entgegenträllern, wie wundervoll es gestern mit Dante gewesen ist und wie happy ich deswegen bin, aber wenn sie schon so damit anfängt, behalte ich es erstmal für mich. Man mag es vielleicht nicht vermuten, aber ich kann mich auch ganz allein und stumm freuen.
"Komm schon", lacht sie und stemmt ihre breiten Pranken in die Hüften. "Du glühst wie Amor persönlich und willst mir nichts von deiner leidenschaftlichen Nacht mit deinem Göttergatten verraten?" Göttergatte? Wie passend! Dante mein Göttergatte. Wie göttlich!
"Nein, möchte ich nicht", lüge ich ein weiteres Mal.
"Das bedeutet also, du kommst erst wieder zu mir, wenn du Liebeskummer schiebst." Pöh!
Ich baue mich groß vor Betty auf, was bei ihrer Größe gar nicht so leicht ist. "Meine liebste Betty", flöte ich. "Ich werde nie wieder, in meinem gesamten Leben, jemals wieder Liebeskummer haben." Und zwar, weil ich meinen Göttergatten gefunden habe, der mich ein Leben lang glücklich machen wird. Und natürlich auch ich ihn selbstverständlich. Ist doch logisch.
"Und was macht dich da so sicher?", fragt sie mich in bester Drag-Mutter-Manier.
"Weil letzte Nacht einfach nur traumhaft war."
"Jetzt sprichst du doch von letzter Nacht."
"Tue ich nicht. Das war nur eine Feststellung. Und jetzt lass uns endlich aufräumen, damit ich wieder zu meinem Göttergatten komme."
"Fein", grinst sie und wirft mir einen Luftkuss zu, den ich natürlich sofort erwidere.

~Dante~
"Was machst du denn hier?"
"Darf ich dich nicht mal besuchen?"
"Nein" blafft mir Emilie entgegen und legt den Kopf schief. Ich verdrehe bloß die Augen. Weiber! "Guck nicht so. Du weißt ganz genau, dass du mich noch NIE von dir aus besucht hast."
"Das stimmt doch gar nicht!"
"Stimmt wohl!"
"Dein letzter Geburtstag. Du erinnerst dich?"
"Da hat dich Colin mitgeschleift." Ich hasse es, aber sie hat recht.
"Ach egal. Kann ich rein kommen?", gebe ich klein bei. Mit dieser engstirnigen Frau zu streiten hat sowieso keinen Sinn.
Ihre Augenbrauen rollen nach oben.
"Egal was es ist, bequassel es mit jemand anderen. Mit Colin zum Beispiel."
"Ich kann nicht mit Colin reden."
"Warum? Ist er taub und stumm geworden?"
"So ähnlich", knurre ich. Das bringt wohl Emilies Alarmglocken zum Klingen. Sie lässt mich stirnrunzelnd eintreten.
Sie scheucht mich ins Wohnzimmer, wo wir uns auf der kleinen Couch niederlassen. Ich befinde mich in einer typischen Studentenbude.
Emilie lebt hier mit Ulli und Sonja zusammen in einer WG. Dementsprechend bunt und chaotisch sieht es überall aus. Müsste ich hier leben, ich hätte schon die Krise bekommen. Oder einen Müllcontainer herbestellt. Oder beides.
"Jetzt erzähl. Was ist mit Colin?" Sie sieht mich gar nicht an, sondern schnappt sich ihr Strickzeug und fängt an, mit den Stricknadeln wild herumzuwirbeln.
"Hast du ihn in den letzten Tagen mal zu Gesicht bekommen?"
"Nö. Aber das ist nichts Ungewöhnliches. Wir sehen uns manchmal wochenlang nicht."
"Ach so." Das wusste ich nicht.
"Hat er Stress?"
"Liebeskummer", antworte ich.
Die Stricknadeln hören auf herumzuwirbeln.
"Liebeskummer?" Emilie guckt mich an, als würde sie mir nicht glauben.
"Und der Kerl, in den er verknallt ist, ist ein Arschloch, der ihn bloß ins Bett zerren will."
Emilie bläst und strickt weiter an ihrem … Was auch immer das werden soll.
"Willkommen in der Wirklichkeit, Colin."
"Colin hat sich in den Kopf gesetzt, ihm eine Lektion zu verpassen."
"Ha! Guter Colin." Sie grinst hinterlistig.
"Das finde ich nicht witzig", keife ich sie an.
"Ich schon." Diese Frau ist unfassbar! Unfassbar nervig. Aber ich muss ruhig bleiben. Sonst kann ich ihre Hilfe vergessen.
"Du kennst Colin, Emi. Das wird nicht gut ausgehen", rede ich auf sie ein.
"Und? Was soll ich jetzt deiner Meinung nach tun?"
"Rede mit ihm und rede ihm diesen Mist aus!", flehe ich sie an.
"Mein lieber Dante", grunzt sie und legt das Strickzeug endlich beiseite. "Colin ist ein großer Junge. Er muss selbst seine Erfahrungen sammeln. Du musst ihn nicht mehr beschützen." Giftig blickt sie mich an.
Ihr ging es schon immer gegen den Strich, dass ich mich um Colin gekümmert habe. Zudem kann sie mich nicht leiden. Warum auch immer. Ich habe dieser Frau noch nie etwas angetan.
Doch was sie kann, kann ich schon lange. Ich starre wütend zurück.
"Hast du überhaupt eine Ahnung, wie weh es tut, wenn dir das Herz gebrochen wird?", frage ich sie.
"Ja, das habe ich, auch wenn du es mir nicht glauben magst." Sie steht auf. "Lass Colin endlich in Ruhe und warte einfach ab, bis er wieder zu dir gerannt kommt. Das macht er doch sonst auch immer." Na da schau an. Daher weht also der Wind?
"Du bist eifersüchtig", lache ich trocken.
"Worauf sollte ich eifersüchtig sein?" Emilie verschränkt die Arme vor ihrer Brust. Und wie eifersüchtig sie ist!
"Darauf, dass Colin zu mir kommt, wenn er Probleme hat." Es ist so offensichtlich! Und ich Idiot bemerke das erst jetzt.
Emilie lacht auf. "Gott, wie selbstgefällig du doch bist! Glaubst doch tatsächlich, die ganze Welt würde sich nur um dich drehen, was?"
"Stimmt", erwidere ich, so selbstgefällig wie nur irgend möglich und stehe ebenfalls auf. "Immer schön im Kreis", sage ich und drehe dabei meinen Zeigefinger um meine Schläfe herum, was ihr sagen soll, du hast sie doch nicht mehr alle.
"'Tschau." Nur weg von hier. Ich habe die Nase voll von Emilie. Endgültig.
"Vergiss nicht die Tür hinter dir zu zumachen!" Du mich auch!

Das war ja wohl ein Schuss in den Ofen.
Aber ich habe es mir schon fast gedacht, als ich mir heute Morgen überlegt habe, zu Emilie zu gehen.
Ihre verborgene Abneigung gegen mich ist mir schon lange aufgefallen. Colin weiß davon natürlich nichts. Und er muss es auch nicht wissen. Schließlich habe ich mit Emilie noch nie viel zu tun gehabt. Ich kenne sie ja auch nur durch Colin. Weil er schon lange mit ihr befreundet ist. So trifft man sich halt hin und wieder mal. Wie letztens auf Colins Geburtstag.
Nun ja. Auch wenn der Besuch nicht wirklich von Erfolg gekrönt war, wie ich mir insgeheim erhofft habe, ist er doch vielleicht nicht ganz unnütz gewesen. Vielleicht redet sie ja doch mit Colin, jetzt, wo sie von seinen irrwitzigen Plänen weiß. Denn auch wenn sie mich überhaupt nicht leiden kann, Colin war sie schon immer eine gute Freundin. Und falls nicht, dann muss ich eben damit leben.
Und irgendwie hat sie ja auch recht. Colin muss eigene Erfahrungen sammeln. Trotzdem ist es doch nicht verboten, Ratschläge zu geben, oder?

Seufzend steige ich in mein Auto.
Ratschläge könnte ich jetzt auch gebrauchen. Von Colin darf ich die wohl erstmal nicht erwarten. Obwohl ich seinen Ratschlag sowieso schon kenne. 'Geh ran Dante! Claude mag dich! Worauf wartest du noch?' So, oder so was ähnliches, würde er mir sehr wahrscheinlich um die Ohren hauen.
Wenn er jedoch über letzte Nacht Bescheid wüsste … Ich mag mir gar nicht vorstellen, was er mir dazu sagen würde. Sehr wahrscheinlich ziemlich unangenehme Dinge. So einen Kram über Liebe, Beziehung und sowas alles.
Klar ist es mal wieder schön gewesen, neben jemanden einzuschlafen. Mit jemanden das Bett zu teilen, Vertrautheit zu spüren. Miteinander kuscheln, Zärtlichkeiten austauschen ...
Auch der Morgen danach war schön. Ein gemeinsames Frühstück. Wie lange hatte ich das nicht mehr?
Doch wie man es dreht und wendet, das ist noch lange kein Grund, sich in eine neue Beziehung zu stürzen, oder? Schön reicht mir nämlich nicht.
'Es war aber mehr als schön', höre ich meine innere Stimme sagen. 'Viel, viel mehr …'
"Schwachsinn!", zische ich und trete auf die Bremse. Rote Ampel.
'Oh doch. Und wie schön es war … Seine Küsse, seine weiche Haut, die festen Muskeln und erst die wunderschönen Worte, die er dir ins Ohr geflüstert hat! … Ich liebe dich, mein göttlicher Dante … Du bist so schön … Gott, wie gut du schmeckst und riechst!'
"AHH!" Ich haue auf mein Lenkrad. Die Fußgängerin, die gerade vor mir den Zebrastreifen entlang stampft, guckt mich ganz erschrocken an und geht dann zügig weiter.
Genervt reibe ich mir über die Augen.
"Ich bin nicht verliebt."
'Lügner!'
"Halts Maul!" Kann eine innere Stimme gehässig lachen? Falls ja, dann tut es meine just in diesem Moment.
Die Ampel springt auf Grün und ich fahre weiter. 'Claude …'
Wieso habe ich gestern nur nachgegeben? Ich bin sauer gewesen. Auf Colin, sein dämliches Vorhaben und auf Claude, der ihm dafür auch noch zugejubelt hat. Eigentlich wollte ich Claude nur ein wenig aufziehen, mich sarkastisch über seine Worte äußern, doch irgendwie lief das dann total aus dem Ruder. Wobei es auch noch hätte schlimmer kommen können. Ein weiteres mal Sex mit ihm, das wäre die Katastrophe schlecht hin gewesen.
Oh Mann! Dabei bin ich wirklich wieder kurz davor gewesen, es doch wieder mit ihm zu tun. Wäre Claude mehr zur Sache gegangen, dann hätte ich auf alle Fälle mitgemacht. Willig, notgeil und ohne mit der Wimper zu zucken.
Ich beiße mir auf die Unterlippe. Wenigstens hat er nicht mitbekommen, dass ich … nun ja … Sagen wir, mir ist da ein kleines Missgeschick passiert.
'Ja, ja. Von wegen, nur schön.'
"Ich hab gesagt, du sollst deine Klappe halten!" Dämliche innere Stimme! Falls das noch schlimmer wird, sollte ich vielleicht mal zum Psychiater. Der könnte sich dann auch gleich mit um mein Claude-Problem kümmern, und mir diesen Stuss ausreden!
'Leugnen bringt nichts. Du bist verkna…'
"KLAPPE!" Musik! Ich brauche laute Musik!

~Claude~
"Oh Gott!" Ich hab's getan!
Wie lange habe ich jetzt mit meinem Handy in der Hand auf meinem Bett gehockt, die SMS angestarrt, die ich dort eingetippt habe und überlegt, ob ich sie tatsächlich abschicken soll?
Mindestens zehn Minuten! Aller mindestens. Wenn nicht sogar zwanzig! Oder dreißig!
Ach, wahrscheinlich waren es nur zwei, oder drei. Wie auch immer. Sie ist gerade auf zauberhafte weise davon geschwebt, treibt im deutschen Telefonnetz dahin, auf den Weg zu meinem Göttergatten. Jetzt bleibt mir nur eins zu tun: Auf seine Antwort warten.
Sicher hätte ich das auch stundenlang getan, das heißt, falls Dante so lange für eine Antwort braucht, würde es nicht plötzlich an meiner Haustür klingeln. 'Dante!' Ob er es ist?

"Halli hallo", zwitschere ich in die Sprechanlage und warte angespannt.
/Ich bin's./
"Wer ist ich bin's?" Wer auch immer ich bin's ist, es ist nicht Dante. Das höre ich sofort.
/Ich, du Schaf. Mach auf./ Bei Schaf rasten die kleinen Räderchen in meinem Kopf ein.
"Simon?"
/Glückwunsch Claudi-Mausi. Der Kandidat hat 500 Gummizwerge gewonnen. Mach auf, dann überreiche ich sie dir!/
Ich drücke den Summer und laufe zur Wohnungstür. Kaum stehe ich draußen im Hausflur, saust Simon schon um die Ecke.
"Was machst du denn hier?", begrüße ich meinen alten Freund und strahle ihn dabei erfreut an.
"Na was wohl?", lacht er. "Ich hatte Sehnsucht nach meiner Süßen." Fest nehmen wir uns in die Arme. Bussi links, Bussi rechts. Doch den auf den Mund, den lassen wir lieber.
"Hopla." Simon stutzt.
"Sorry", erwidere ich. "Ich bin jetzt eine verheiratete Frau. … Also fast."
"Ach?" Ich nicke glücklich. "Du auch?" Er wedelt mit seiner linken Hand vor meinem Gesicht herum. Ein Verlobungsring!
"Nein!", japse ich und mache große Augen. "Davon musst du mir aber jetzt erzählen!"
"Klar. Aber du auch."
"Gerne. Komm rein." Wir betreten meine Wohnung.
Simon trabt sofort in mein Wohnzimmer. "Du hast umgeräumt", stellt er fest.
"Ja. Aber schon seit gut einem halben Jahr."
Überrascht sieht er mich an. "War ich so lange schon nicht mehr bei dir?"
"Sieht so aus."
"Ich untreue Tomate."
"Aber wirklich! Schämen solltest du dich!" Simon zieht seine Unterlippe vor, was mich zum Lachen bringt. Er hat sich kein bisschen verändert.
"Aber mal im Ernst. Was machst du hier?" Simon ist vor gut einem Jahr weggezogen. Seine Firma hatte ihn versetzt. Nach Rostock. Zwar blieben wir in Kontakt, aber Simon war schon immer ein Arbeitstier. Unsere Telefonate wurden immer seltener.
"Ich bin wieder hier", strahlt er mich an und setzt sich auf die Couch.
"Wieder hier? Also so ganz?" Er nickt. "Wie geil!" Ich freue mich riesig!
"Bin wieder hier her versetzt worden. Die Filiale in Rostock hat dicht gemacht." Als wäre es selbstverständlich, schnappt er sich die Wasserflasche, die unter meinem Couchtisch steht, und trinkt ein paar große Züge aus ihr. Simon darf das. Aber auch nur er. Und Dante, sollte ihn mal der Durst überkommen. Doch dazu müsste er erst mal wieder bei mir vorbeikommen …
"Du wirst mich ab jetzt wieder häufiger sehen", holt Simon mich aus den Gedanken.
"Das freut mich wirklich", grinse ich. "Wir können endlich wieder zusammen auf Tour!" Was war das früher immer schön gewesen! Er, Benny und ich. Wie die Musketiere. Apropos. "Weiß Benny schon Bescheid?"
"Nein. Den konnte ich nicht erreichen."
"Sicher ist er mit Georg beschäftigt."
"Bestimmt", lacht Simon. "Aber jetzt mal zu dir. Erzähl schon. Wer ist er? Kenne ich ihn? Ist er gut im Bett?"
Ich stürze die Lippen. "Erst du. Schließlich bist du derjenige, der hier mit einem Verlobungsring herumläuft." Ziemlich frech, was? "Wer konnte dich zähmen?"
Simon beißt sich auf die Unterlippe. "Du kennst noch den Typen, mit dem ich mich hin und wieder getroffen habe?"
"Zum Vögeln?" Simon nickt. "Wie könnte ich den vergessen?" Simon ist damals hin und weg von dem Kerl gewesen. Viel hat er uns jedoch nicht über ihn erzählt. Seltsamer weise hatte er sich ziemlich bedeckt gehalten, was Infos über seinen Lover anging. Benny und ich hatten schon Wetten laufen, dass es irgendeine Berühmtheit ist. Grinsend lehne ich mich zurück und schaue Simon an.
"Sag bloß, der ist es."
"Bloß", lacht mein lange vermisster Freund. "Wer sonst?"
Ich klatsche in die Hände.
"Das freut mich so für dich!"
"Danke." Simon bekommt doch tatsächlich einen leichten Rotschimmer auf den Wagen.
"Hast du ein Foto?" Er nickt und zeigt mir sein Handy. "Nice!" Richtig hübsch der Gute. "Und wann ist der Ehrentag?"
"Wissen wir noch nicht. Es ist noch ganz frisch. Ich habe mich immer noch nicht so wirklich an den Ring gewöhnt."
"Ach, das geht bestimmt schnell", winke ich ab.
"Glaube ich auch. … Aber was ist jetzt mit dir und deiner Flamme?" Also gut. Es ist nur fair, wenn ich ihm nun auch von meinem Liebsten erzähle.
"Er heißt Dante. Ich habe ihn vor kurzem vor dem Velvet kennengelernt." Die Erinnerung an diesen schicksalhaften Tag lässt mich seufzen. Ich liebe dich so, meinen Liebesgott.
"Dante?" Simon stutzt.
"Sag bloß, du kennst ihn", grinse ich.
"Nein", meint Simon. "Aber der Ex meines Partners hieß so."
Mir rutschen die Mundwinkel nach unten. "Ach?", fiepse ich und in meinem Hirn beginnt es zu glühen. 'Dante ist kein alltäglicher Name', leuchten mir meine Neuronen zu. 'Ob …?'"Darf ich fragen, wie dein Partner heißt?"
"Michael."

~Dante~
Zuhause brüte ich gerade über der Steuererklärung eines Kunden, da summt mein Handy. Eine SMS.
"Oh nein." Sie ist von Claude.
'Jippie!' Ich brumme und versuche meine dumme innere Stimme wieder zum Verstummen zu bringen.*
*Hey Dante! Sehen wir uns heute wieder? Wie wäre es wieder mit Eis? Oder lieber Kuchen? Ich kann auch für uns Kochen! Oder ich komme einfach mal so bei dir vorbei. Wir könnten auch ins Kino. Ich kenne da eins, das bringt nur alte Klassiker. Meld dich einfach, wenn du magst.
Kuss :-* Dein Vergil ;-)*

"Dieser Idiot", schmunzle ich, wobei ich hier wahrscheinlich der größere Idiot bin, weil ich auch noch über seinen geschriebenen Mist grinsen muss.
Aber die SMS ist so typisch für ihn. Genau so aufgedreht wie er. Aufgedreht und auch ein Stückchen dreist.
'Ich will dich. Und was ich will, das bekomme ich auch.'
"Man bekommt nicht immer das, was man will", brumme ich. "Das wirst du auch noch merken, Claude."
'Er hat dich doch schon längst.'
"Wenn du jetzt nicht still bist, bekommst du eins mit dem Wattestäbchen!"**
Da ich unentschlossen bin, was ich auf Claudes Nachricht antworten soll, bleibe ich ihm erstmal eine Antwort schuldig und arbeite weiter. Doch nach wenigen Minuten: "Das gibt's doch nicht!" Mein Handy summt schon wieder!
Dieses mal ist es allerdings Colin, der mich von der Arbeit abhält.
*Gehe heute Abend in den Club, in den Malik auflegt. Kommst du mit? Emilie ist auch mit dabei.*
"Tse!" Ich schüttle den Kopf und tippe: *Hat sie dir gesagt, was für ein Irrsinn das ist, was du da vor hast zu tun?*
Die Antwort folgt prompt. *Nein. Sie will mich dabei unterstützen.* Ich kann Colins trotzigen Ton geradezu hören.
*Dann soll sie das mal tun. Ich habe Arbeit.* Ich hoffe, das war deutlich genug.
Ich werde ganz bestimmt nicht mitmachen bei seinem bescheuerten Plan.
"Ach Mist!" Steuererklärung adé. Wie soll ich mich bei dem ganzen Drama auch auf die Zahlen konzentrieren?
Ich setze meine Brille ab und wische mir über die Augen. Sie brennen leicht. Ich habe mich immer noch nicht an meine Sehhilfe gewöhnt. Zum Glück brauche ich sie nur zum arbeiten und lesen. Das Ding nervt mich extrem.
Ich laufe zur Küche und stelle den Wasserkocher an. Ein Tee ist jetzt genau das Richtige. Ein Tee und ein heißes Bad.
Vielleicht gar keine schlechte Idee. Heute kümmere ich mich mal nur um mich. Gedacht, getan.
Während das Wasser für den Tee beginnt heiß zu werden, lasse ich Wasser in meine Wanne. Wieder zurück in der Küche, schnappe ich mir einen Teebeutel und übergieße ihn mit dem bereits kochenden Wasser. Danach schlurfe ich in mein Arbeitszimmer, kralle mir mein Handy und tapse zurück ins Badezimmer.
Nachdenklich setze ich mich auf den runtergeklappten Toilettendeckel und lese mir nochmal Claudes SMS durch. Was soll ich ihm nur schreiben?
Am liebsten würde antworten, dass er am besten sofort zu mir kommt, aber ich kann mich einfach nicht dazu überwinden.
'Warum nicht? Schreib: Ich lasse mir gerade ein Bad ein. Magst du mit mir nach Perlen Tauchen? Ich habe zwei Stück für dich. Mal sehen, ob du sie findest.'
"Klappe da oben!" Als Drohung fixiere ich sauer das Plastikkästchen mit den Wattestäbchen.
Ich will mich ja nicht vor der Liebe verschließen, so, wie es Colin mir vorgeworfen hat, aber ich kann mich auch nicht Claude an den Hals werfen. Vor allem, weil es nicht fair ihm gegenüber wäre.
Ich will nichts Festes. Und er liebt mich. Ich würde ihm bloß weh tun …
Der Gedanke erschreckt mich.
Dass Claude wegen mir leiden muss. 'Das will ich nicht.'
Und deshalb weiß ich jetzt auch, was ich ihm schreiben werde. Oder besser gesagt, was ich ihm schreiben muss.

Als ich auf Senden drücke, wird meine Brust eng.
'Du Idiot! Schreibt ihm, dass das nur ein Scherz war! Los! Er soll her kommen!'
"Du hast ab jetzt Sendepause", grolle ich, lege mein Handy weg, ziehe mich aus und steige in die Wanne.
Den Kopf unter Wasser stelle ich mir vor, wie das warme Nass meine innere Stimme aus meinem Hirn schwemmt. Wenn das nur so einfach ginge ...

~Claude~
Ich starre Simon an. Ich muss mich verhört haben!
"Hast du Michel gesagt?"
"Nein. Michael."
"Michelo?"
Simon lacht. "MI-CHA-EL."
"Michael", flüstere ich fassungslos.
"Was ist denn los mit dir?" Simon lächelt noch immer. Mir ist das Lachen allerdings schon lange vergangen. "Claude?"
"Du warst das … Der Typ, mit dem Dantes Ex ihn so lange betrogen hat."
"Was?"
Ich überlege. Simon ist vor einem Jahr nach Rostock. Davor hatte er mindestens zwei, drei Jahre was mit diesem geheimnisvollen Kerl, der …
"Das war Michael!" Drei Jahre!
Ich stehe auf, weil ich einfach nicht mehr ruhig sitzen bleiben kann.
"Claude?"
"Michael ist Dantes Ex! Und tu nicht so, als wüsstest du das nicht!", brülle ich. Er muss es geahnt haben, als ich ihm gesagt habe, wie mein Liebster heißt. Wütend starre ich Simon an. Der wird kreidebleich.
"Wegen dir und deinem Verlobten hat Dante so sehr gelitten und der Liebe abgeschworen! Nur deswegen verschließt er sich vor mir!" Ich bin so sauer und bekomme das drängende Gefühl, Dante vor Simon rächen und beschützen zu müssen.
"Warte mal", stammelt er. "Dante ist wirklich Michaels Ex'? Du bist mit Michas Ex zusammen?"
"Nein! Bin ich nicht! Wegen dir und deinem tollen Michael!" Gleich flippe ich aus. Ich bin schon von Natur aus ein sehr explosiver und emotionsgeladener Typ, doch das, was gerade in mir aufwallt, das spottet jeglicher Beschreibung.
Simon sieht mich beinahe schon entschuldigend an, als er aufsteht und auf mich zu läuft. Seine Hand streckt sich nach mir aus.
"Lass das!" Er soll mich ja nicht anfassen! "Du hast dich an einen verheirateten Mann rangemacht!"
"Michael und Dante waren nicht verheira…"
"Du weißt was ich meine!", unterbreche ich ihn rüde. Simon senkt den Blick. "Hast du uns deshalb nie was über ihn erzählt?" Er nickt. "Warum? Warum hast du das gemacht?"
Wir waren uns schon immer einig: Vergebene Männer sind tabu! Es gibt genug Arschlöcher auf der Welt. Und besonders wir scheinen sie irgendwie magisch anzuziehen. Deshalb keine Spielchen. Die hatten wir schon genug. Und immer waren wir die Verlierer dabei.
"Es ist einfach passiert", flüstert Simon und lässt sich wieder auf meine Couch fallen. Ich bliebe weiterhin stehen. Anklagend schaue ich auf meinen einstmals guten Freund nieder und schnaube verächtlich.
"Wir lernten uns auf einem Seminar kennen und blieben in Kontakt. Nur freundschaftlich! Aber dann … Wir trafen uns plötzlich durch Zufall an einer Tankstelle." Simon lächelt entrückt. Am liebsten würde ich ihm eine verpassen! "Die Spannung zwischen uns war unübersehbar. Es passierte so schnell …" Simon sieht mich schuldbewusst an. "Ich wusste, dass er einen Freund hat. Und glaube mir, er hat sich nicht leicht damit getan, dass wir beide …"
"Fremdgefickt habt?!" Simon lässt abermals den Kopf hängen, nickt aber. "Schön für ihn!", schnaube ich. "Hoffentlich hat er vor lauter Gewissensbissen ein Magengeschwür bekommen."
Nun wird Simon sauer.
"Hör auf so etwas über Michael zu sagen!"
"Das ist meine Wohnung. Da kann ich sagen was ich will!"
"Fein!", brüllt er und steht wieder auf. "Dann lass mich auch mal was sagen, über deinen tollen Dante!"
"Wage es und …"
"Michael sagte, er war eine totale Nullnummer im Bett!"
PATSCH!
"Raus", zische ich meinem besten Exfreund zu.
Er packt sich an die Backe, die von meinem Schlag schön rot aufleuchtet, sieht mich an, als wolle er mir gleich an die Gurgel springen, dreht sich dann allerdings um und verlässt meine Wohnung.

Mir steckt immer noch der Schreck in den Gliedern, als ich in die Küche laufe, das Eisfach öffne, mit ein paar Eiswürfel in ein Glas werfe, zurück ins Wohnzimmer laufe und mir dort eine Flasche Bourbon aus meinem Spiritousenschrank schnappe, sie öffne, und eine großzügige Menge ins Glas gebe.
Brennend bahnt sich der erste Schluck meinen Hals hinab, nachdem ich mich wieder auf meine Couch gesetzt habe.
Simon ist zurück. Und er ist mit Dantes Ex verlobt. Dem Kerl, wegen dem mein geliebter Dante versucht, mir aus dem Weg zu gehen, weil er nicht wieder verletzt werden möchte. Und nicht nur das: Der Kerl ist wieder zurück. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis Dante und er sich über den Weg laufen.
"Ich muss es ihm sagen", flüstere ich.
Es piepst. Mein Handy. Dante hat mir zurückgeschrieben.
*Ich weiß nicht, ob ich dich wiedersehen möchte*, steht in ihr. *Bitte versteh das.* Mir bleibt der letzte Schluck im Hals stecken, als ich das lese.
Verstehen? Scheiße, das tue ich sogar wirklich! Aber ich will es nicht wahr haben. Doch das ist nicht das einzige, von dem ich mir wünsche, es wäre nicht wahr ...

~Dante~
Ich lasse abermals warmes Wasser in die Wanne.
Wie lange ich jetzt schon im Wasser vor mich hin weiche, weiß ich gar nicht. Ist ja auch egal. Fakt ist, ich mag jetzt noch nicht raus.
Könnte sein, dass das daran liegt, da mein Handy vor geraumer Zeit gesummt hat. Ich mag gar nicht wissen, ob es wieder eine SMS von Claude war, die es zum Summen gebracht hat.
Und überhaupt … Die ganze Zeit schon, in der ich in der Wanne sitze, scheint es mich anklagend anzustarren. Dummes Ding! Es ist doch meine Sache, was ich wem schreibe, oder? Und es war ja noch nicht mal gelogen. Ich weiß nicht, ob ich Claude jemals wiedersehen möchte.
Ja gut, ich würde gerne, aber das mit dem würde ist so eine Sache …
Seufzend rutsche ich bis zur Nasenspitze ins Wasser. 'Claude …' Jetzt denke ich schon wieder an ihn!
'Was heißt schon wieder? Du denkst doch pausenlos an ihn. Selbst, wenn du dir Sorgen um Colin machst.'
"Gar nicht wahr!", gurgle ich unter Wasser.
'Belüge dich solange selbst, wie du willst. Doch insgeheim kennst du die Wahrheit.'
Ich atme genervt aus. Wasser sprudelt auf und ich rutsche wieder höher.
"Auch wenn ich ständig an ihn denken muss, das heißt noch lange nicht, dass ich das auch möchte." Meine innere Stimme lacht. "Ich rufe noch heute bei einem Psychiater an", schwöre ich mir.
'Mach doch! Ändert eh nix daran, dass du verliebt bist.'
"AH!" Frustration macht sich in mir breit. "Ich will nicht verliebt sein." Claudes lächelndes Gesicht taucht in meinem Geist auf. "Du Idiot", zische ich ihn an. "Du bist schuld, du und dein einnehmendes Wesen, das einem die Sinne vernebelt, Gefühle heraufbeschwört, die kein Mensch braucht."
Claude lächelt noch breiter. 'Ich liebe dich.'
"Ich dich auch … Fuck!" Ich reiße die Augen auf. Das habe ich jetzt nicht laut gesagt, oder? Oder? ODER?

Wasser schwappt über den Rand der Wanne, so abrupt setze ich mich auf. Mein Herz rast und mir wird schwindelig. Schieben wir es mal auf mein schnelles Aufsetzen und das warme Wasser.
'Willst du dich immer noch länger selbst betrügen? Du hast es laut gesagt, also lebe mit den Konsequenzen.'
"Will ich aber nicht."
'Das musst du aber. Du liebst Claude, er liebt dich. Ist doch alles perfekt!'
"Ist es nicht und das weißt du."
'Garantien gibt es nirgends.'
"Genau! Deshalb muss ich auch schnell wieder diese Gefühle wieder loswerden!"
'Und was ist mit Claude?'
"Was soll mit dem sein?"
'Du tust ihm weh damit.'
"Er wird's überleben", flüstere ich.
'Meinst du? So wie du?'
"Das war was anderes!"
'Liebe ist Liebe.'
"Pff! Von der Liebe habe ich die Schnauze voll!"
'Armer Claude …' Wieder schnürt sich mir die Brust zu. 'Armer, armer Claude ...'

Ich starre auf mein Handy und plötzlich kommt Leben in mich.
Ich steige eilig aus der Wanne, schnappe mir ein Handtuch und trockne mich ab, ehe ich ins Schlafzimmer renne und mir wahllos frische Kleidung raussuche. Bei all der Hektik vergesse ich sogar das Wasser aus der Wanne zu lassen. Egal. Das kann ich auch noch nachher machen.
"Mein Handy!" Das darf ich nicht vergessen.

******

* Kannste nicht! Denn ich bin deine innere Stimme :-PPPPPP
** Sorry, das hab ich von Homer Simpson geklaut xD
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