Flashback

GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
12.08.2020
26.09.2020
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12.08.2020 2.051
 
Hallo zusammen!
Schön, dass ihr hierher gefunden habt, heute einmal zu einer komplett anderen Geschichte als sonst :)

Tatsächlich ist diese Story nicht brandneu, sondern bereits 2016/2017 von mir geschrieben worden, aber ich dachte mir um in dem Papierkorb meines PCs zu verrotten, ist die etwas zu schade. Vielleicht bereitet sie euch ja etwas Freude? Oder bringt euch zumindest zum Schmunzeln :P
Ich muss gestehen, ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an die Story, für mich ist sie jetzt also fast genauso neu wie für euch und ich korrigiere auch nichts mehr dran rum.

Und an alle, die bereits meine letzte FF verfolgt haben, noch ein kurzer aktueller Stand meines Buches: Es befindet sich mitten im Lektorat, ich bin mit der Korrektur fast durch und es soll gegen Oktober im Verlag erscheinen, wenn alles klappt <3

Nun viel Spaß mit dem Prolog :)

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Mit einem lauten Rauschen schoss das Wasser wie ein reißender Fluss durch die unterirdischen Gänge. Durch das Tosen, das durch die Wände gleich mehrfach widerhallte, war es schier unmöglich hier unten irgendetwas anderes zu hören. Schritte verstummten ebenso wie das Quieken der Ratten und das Heulen des Windes.
Neben den strömenden Wassermassen gab es in den dunklen Gängen nur einen schmalen Steig, auf dem man sich hier unten fortbewegen konnte. Hierbei musste man jedoch aufpassen, denn wenn man einen unbedachten Schritt machte oder auf dem vom Gischt feuchten Boden ausrutschte, konnte es schnell passieren das man stürzte und von dem Wasser verschlungen wurde.
„Alles in Ordnung, Ann?“
An einer Stelle befand sich mitten in der Mauer eine kleine Nische. Sie bot gerade genug Platz, dass sich ein Erwachsener dort hineinstellen könnte. In eben dieser Nische hockte ein Junge, die Arme fest um den Körper eines zierlichen Mädchens geschlungen, während sich dieses an ihn krallte und das Gesicht fest gegen seine Brust presste.
„Ja“, antwortete das Mädchen jetzt mit leiser Stimme. „Ich glaube wir können weiter, Nini.“
Leicht nickt der Junge und stand auf, bevor er dem Mädchen auf die Beine half. Sie zitterte stark und hielt ihren Blick ängstlich zu Boden gesenkt. Schmutz klebte an ihrem Kleid und eines ihrer Knie blutete leicht. Auch die Kleidung des Jungen war verdreckt und ließ dieser Dreck sie beide wie verwahrloste Straßenkinder aussehen.
„Es ist nicht mehr weit. Komm!“, flüsterte Nini und schaffte es kaum das lärmende Wasser zu übertönen, doch schien Ann bereits begriffen zu haben. Sie brauchten sowieso nie viele Worte zu wechseln, sondern verstanden sich nahezu blind.
Vorsichtig betraten die beiden wieder den schmalen Steig zwischen Wand und Wasser. Schritt für Schritt tastete sich Nini über den rutschigen Stein voran und Ann folgte ihm. Er konnte ihre Angst spüren, je länger sie durch die von den Wassermassen beherrschten Tunnel liefen. Fest drückte sie seine Hand und schien sich damit für jeden neuen Schritt zu stärken. Es war nicht mehr weit, dort hinten konnte man bereits das Licht des Ausgangs sehen und wenn sie diesen erst einmal erreicht hätten, wäre das schlimmste geschafft. Nur noch ein paar Schritte, dann wären sie frei...
„Wir haben es geschafft, Ann!“
Endlich hatten die beiden die langen Kanalschächte hinter sich gelassen. Frischer Wind blies ihnen um die Nase und die ersten Sonnenstrahlen des Tages begrüßten sie. Vor ihnen lag sich ein großer See, dessen Oberfläche leicht schimmerte, dahinter erstreckte sich ein riesiger Wald und am Horizont konnte man bereits die Berge sehen.
„Endlich“, wisperte das Mädchen erleichtert und Tränen traten in ihre Augen, rollten schon wenige Sekunden später über ihre Wangen und hinterließen eine feuchte Spur in ihrem verdreckten Gesicht. „Jetzt wird alles gut, Nini!“
„Ja“, stimmte er ihr zu und lächelte. „Wir müssen trotzdem weiter, damit sie uns niemals wiederfinden können.“
Eilig wischte sich Ann die Tränen aus dem Gesicht und nickte.
Schnell hatten die beiden auch den See hinter sich gelassen und waren in dem kleinen Wäldchen verschwunden. Verglichen mit dem tosenden Lärm in den Kanalschächten schien hier im Wald eine fast schon unheimliche Ruhe zu herrschen. Mehr als das Singen der Vögel und das Rauschen der Bäume war nicht zu hören und es ließ diesen Wald wie eine wahre Idylle erscheinen.
Auf einer kleinen Lichtung machten sie schließlich Rast. Während Nini die nähere Umgebung noch ein wenig auskundschaftete und auf dem Weg einige Beeren und  Pilze einsammelte, hatte Ann begonnen aus den wunderschön blühenden Wildblumen eine Blumenkette zu flechten. In so etwas war sie wirklich geschickt. Generell lagen ihr feinmotorische Dinge sehr und besaß sie hierzu auch die nötige Ruhe und Geduld.
Ein Rascheln im Unterholz ließ sie von ihrer Arbeit aufblicken. Ihre Augen weiteten sich, als sie mit einem Schrei aufsprang, doch erklang bereits im selben Moment ein lauter Knall, der ihren Schrei im Nichts verklingen ließ.
Auch Nini hörte den Schuss. Mit panisch geweiteten Augen ließ er die bisher gesammelten Pilze und  Beeren fallen und eilte zurück zu der Lichtung, wo er Ann zurückgelassen hatte und von wo der Schuss gekommen war. Als die Lichtung schließlich in Sichtweite kam rammte er automatisch die Beine in den Boden. Pures Entsetzen lag in seinem Blick.
Rund ein Dutzend Soldaten befand sich auf der Lichtung. Sie alle trugen schwere Rüstungen und entweder Schwerter oder aber Bogen und Pfeile, die mit dem Wappen des Königshauses verziert waren. Ein Mann mit einer besonders auffälligen Rüstung saß auf einem langbeinigen Rappen und neben ihm stand ein Soldat mit einem Jagdgewehr in der Hand.
Das Blut gefror ihm in den Adern, als er den leblosen Körper von Ann erblicke. Sie lag vor den Hufen des schwarzen Pferdes und selbst von hier aus konnte er das Blut erkennen, das ihr helles Kleid dunkel färbte. Sie rührte sich nicht mehr und gab nicht einen Ton von sich. Der Geruch von Schießpulver lag noch in der Luft und verriet Nini sofort, was hier geschehen war.
„Ann?“, wisperte er mit tonloser Stimme und schüttele ungläubig den Kopf. Er wollte nicht glauben was er hier gerade sah. Unmöglich hatten sie sie so schnell finden können, sie waren so lange durch die Kanalschächte geirrt und auch der Wald war unübersichtlich und dicht. Es war einfach unmöglich, dass man sie derart schnell gefunden hatte! Und doch sah die Wahrheit anders aus. Ann war tot und das nur, weil er so neugierig gewesen war. Die Soldaten des Königshauses hatten sie umgebracht, weil sie mit ihm zusammen geflüchtet war.
In genau diesem Moment hob der Reiter den Kopf und schaute genau in seine Richtung. Nein, nicht nur genau in seine Richtung, er schaute ihn an! Er sah ihm genau in die Augen, auch wenn das auf diese Entfernung hinweg fast unmöglich schien. Doch Nini konnte den Blick genau spüren, wie er ihn durchbohrte und einen kalten Schauer über seinen Rücken jagte. Und dann verzogen sich die Lippen des Reiters zu einem Grinsen.
„Bogenschützen; Anlegen! Feuer!“
Im selben Moment wo der Befehl über die Lichtung schallte, machte Nini auf dem Absatz kehrt und lief los. Bereits Sekunden später konnte er das Zischen der Pfeile hören und wie diese kraftvoll in die Bäume einschlugen. Es war der Dichte und Unübersichtlichkeit des Waldes zu verdanken, dass ihn die Pfeile nicht jetzt schon erwischten.
Immer wieder geriet er auf seiner Flucht ins Straucheln und stolperte über herausragende Baumwurzeln. Er konnte die Soldaten nicht mehr hören und wusste nicht ob sie ihn überhaupt verfolgen, doch rannte er trotzdem weiter. Sie würden erst aufgeben wenn sie ihn hatten. Er hätte seine Nase niemals in diese Sache stecken dürfen, dann wäre er jetzt nicht in Gefahr und Ann würde noch leben. Wieso nur hatte es so weit kommen müssen? Ann und er waren doch so glücklich gewesen, warum hatte ihm dieses Glück nicht gereicht? Wieso hatte er es so sehr auf die Probe stellen müssen?
Das plötzliche Surren eines weiteren Pfeils entriss ihm seine Gedanken und bereits in der nächsten Sekunde spürte er einen harten Schlag gegen sein Bein. Die Wucht des Aufpralls riss ihm die Beine weg. Ungebremst schlug er auf den Waldboden auf, überschlug sich dabei und blieb schließlich schwer keuchend liegen. Seine Beine zuckten noch immer, als ob seine Muskeln noch nicht mitbekommen hätten, dass er nunmehr am Boden lag und sich so gar nicht mehr fortbewegen konnte. Schmerz breitete sich in seinem Körper aus, während er ungläubig den schwarz gefiederten Pfeil in seinem linken Bein anstarrte. Die Spitze hatte sich tief in sein Fleisch gegraben und ein wenig Blut rann an dieser vorbei ins Freie.
Verzweifelt griff er nach dem Pfeil. Seine Hand zitterte, während er den Schaft umklammerte. Der Schmerz schien zwischenzeitlich ins Unermessliche anzuwachsen. Er wollte diesen Pfeil aus seinem Körper ziehen, doch würde er wohl verbluten sollte er dies tun. Die Wunde sah tief aus. Er musste ihn drin lassen, damit zumindest die Wunde geschlossen blieb. Zumindest solange, bis er einen sicheren Ort gefunden hatte.
„Ann“, wisperte er leise ihren Namen, als gäbe ihm dieser nötige Kraft um trotz der Schmerzen weiterzumachen, während sich seine Finger wieder von dem Pfeil lösten und er stattdessen versuchte aufzustehen. Er musste weiter, der Bogenschütze musste noch irgendwo in der Nähe sein, sie durften ihn nicht bekommen. Anns Tod durfte nicht umsonst gewesen sein!
Doch so sehr er sich auch bemühte, immer wieder knickte ihm sein linkes Bein weg, jagte höllische Schmerzen durch seinen Körper und ließ es ihm schwarz vor Augen werden. Er kam einfach nicht hoch, nicht einmal humpeln konnte er, da die Schmerzen ihm mit jedem versuchten Schritt Kraft nahmen und auch sein anderes Bein lähmten. Schließlich versuchte er kriechend weg zu kommen. Seine Augen glitten unablässig herum und suchten einen Ort an dem er sich verstecken konnte, doch schien es weit und breit keinen zu geben. Es gab keinen ausgetrockneten Graben, keine Höhle und auch keinen hohlen Baum. Nicht einmal einen Wall oder auch nur einen Laubhaufen gab es. Es schien hoffnungslos hier ein Versteck zu finden.
Dumpfer Hufschlag auf dem Waldboden ließ ihn zusammenfahren. Schon im nächsten Moment durchbrach das schwarze Pferd das Unterholz und kam tänzelnd vor ihm zum Stehen. Langsam stieg der Mann mit der glanzvollen Rüstung ab und schaute zu ihm herunter.
„Somit hätten wir auch die zweite Ratte in der Falle.“
Die Stimme des Reiters klang durch den Helm und die Rüstung ein wenig blechern und ließ ihn frösteln. Gleichzeitig wusste er, dass jetzt alles vorbei war. Mit der Wunde würde er nicht weit kommen und jetzt, wo dieser Mann ihn gefunden hatte, war sein Schicksal besiegelt. Er konnte vor diesem Mann nicht weiter fliehen und auch bekämpfen können würde er ihn nicht.
„Es tut mir leid, Ann“, wisperte er leise und krallte seine Finger in das feuchte Gemisch aus Erde und Nadeln. Sein Herz schlug ihm unangenehm laut in den Ohren, als er das Gesicht zu Boden senkte. Tränen schossen ihm in die Augen. Er hatte Ann erst in diese Gefahr gebracht, hatte sie nicht beschützen können und jetzt wäre ihr Tod sogar umsonst gewesen. Er hatte überhaupt nichts erreicht.
„Es ist eure eigene Schuld, auf alle Ratten des Ostens wartet der Tod. Keine Gnade den Sündern!“ Mit diesen Worten zog der Reiter sein blankpoliertes Schwert aus der Scheide und richtete es auf ihn.
Zitternd lag Nini am Boden. Er wusste, dass er dem Unvermeidlichen jetzt nicht mehr entkommen konnte. Dass jetzt alles vorbei war, und er versuchte sich zu wappnen. Gegen den Schmerz und gegen den Frust seines eigenen Versagens.
Nur einen Augenblick später bohrte sich die Schwertspitze auch schon in seinen Rücken. Schreiend bäumte sich sein Körper auf, als der Schmerz mit geballter Ladung auf ihn einschlug. Mit einem Ruck wurde ihm das Schwert dann auch schon wieder entzogen. Blut rann aus der Wunde und er hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Seine verzweifelten Atemzüge liefen ins Leere, dafür konnte er plötzlich den Geschmack von Blut in seinem Mund wahrnehmen. Hitze schien währenddessen jede Pore seines Körpers einzunehmen, während er immer verzweifelter nach Luft rang.
„Auf Nimmerwiedersehen, Spy!“
Es waren die letzten Worte, die er in diesem unrealistischen Gefühl aus Schmerz und Panik wahrnahm, bevor alles um ihn herum schwarz wurde und sich seine Augen für immer schlossen...

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Oje oje, lasst euch von diesem Prolog bitte nicht zu sehr aufs Glatteis führen und gebt dem ersten Kapitel eine Chance, ja? XD
Ich denke die neuen Kapitel werden wöchentlich erscheinen, die Story ist ja schon lange fertig, sodass es keine Verzögerungen geben dürfte ;)

Bis dahin und einen schönen Abend
eure Blue <3
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