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Alca - Blut und Erbe

GeschichteAllgemein / P12
12.08.2020
21.11.2020
9
19.392
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27.09.2020 1.972
 
Hallo!
Das mit dem Samstag hat ja fantastisch funktioniert, dank meines wundervollen und hochdurchdachten Zeitmanagements... ich versuche, es beim nächsten Mal am richtigen Tag fertig zu bekommen. Ansonsten will ich auch nicht viel länger stören und wünsche nur noch viel Spaß beim Lesen!
LG, Taura Maril

Der kalte Blick des Königs ruhte geradezu auf aggressive Art und Weise unbewegt auf mir.
Nicht einmal zwei Minuten nach meinem Erscheinen wollte ich auch schon wieder im Erdboden versinken. Dabei hatte mein Stiefvater noch nicht einmal den Mund aufgemacht.
Amüsiert strich Curan sich mit der Pfote das Fell auf seinem Kopf glatt, obwohl es bereits vollkommen ebenmäßig war.
Ein eitler Kater, wieso auch nicht.
Ich wagte es nicht, hilfesuchend zu Elvea zu sehen, die an einem der wenigen Geländer Imladris‘ lehnte und ebenso belustigt wie mein felliger Freund die Szene beobachtete.
Gab es auch nur eine Person zwischen allen Welten, die einem so schnell das Gefühl gab, in jeglicher Hinsicht vollkommen unangemessen zu sein?
Meinen Großvater Livion vielleicht, aber das war ja ein Sonderfall. Severus Snape vielleicht. Aber ansonsten? Niemand. Wirklich niemand.
„Alca Validi“, begann Thranduil plötzlich. Siedend heiß fiel mir ein, dass ich als inferiore Person ja eigentlich zuerst grüßen müsste.
Oder doch warten, bis ich sprechen darf? Durfte ich denn nun sprechen? Er hatte mich ja nicht gegrüßt.
Meine Verunsicherung konnte man vermutlich riechen. Zu allem Überfluss hatte ich mich nicht einmal verbeugt… dann eben nicht. Dann würde ich jetzt die Hüterin-des-Lichts-Schiene fahren. Möglichst ernsthaft gucken wäre schon mal ein guter Anfang.
„Thranduil Oropherion.“
Abgesehen von dem Frosch, der sich hartnäckig in meinem Hals hielt, war das doch ein guter Anfang. Immerhin hatte ich jetzt klar gemacht, dass ich mich selbst als gar nicht so inferior empfand.
Ich konnte beinahe spüren, wie Curan begann, vor Belustigung zu schnurren. Selbst machte er aber nicht die Schnauze auf. Typisch.
Im Hintergrund zog Legolas eine Augenbraue hoch, als wolle er uns ermutigen, endlich über unsere Schatten zu springen. Zuvor jedoch mussten wir erst einmal eine Weile böse starren und in ein unangenehmes Schweigen verfallen. Nicht, dass das eine besonders große Veränderung wäre.
Mit einer Handbewegung bedeutete mir Legolas, dass wir jetzt auch langsam mal zum Punkt kommen durften.
„Ihr… wolltet mich sprechen?“
Natürlich konnte der König es nicht unterlassen, uns noch einmal abschätzig zu mustern. Sein Blick erinnerte mich an Marlon, wenn er versuchte zu beurteilen, ob der Mülleimer schon so voll war, dass er ausgeleert werden musste, oder ob er es noch ein wenig aufschieben konnte. Thranduil entschied sich scheinbar für die erste Variante. „Es ist eher eine rechtliche Angelegenheit, aber du solltest doch informiert werden.“ Das gedachte „Weil du selbst mit Sicherheit nicht drauf kommst und das peinlich wird“, ignorierte ich getrost.
Bevor ich eine meiner hochkreativen und eloquenten, einsilbigen Antworten entgegnen konnte, übernahm Curan, der sich spontan zurückverwandelt hatte, das Ruder.
„Das finden wir super, was Alca?“
In diesem Moment waren wir alle ganz froh, dass nicht alle Düsterwaldelben die Feinheiten der Ironie verstanden.
„Sicher doch.“ Thranduil runzelte die Stirn, als würde ihm irgendetwas an dieser Situation missfallen. Immerhin schien das, was er mich sagen wollte, wichtig oder persönlich genug zu sein, damit er es nicht über einen Boten ausrichtete. „Du wurdest, rechtlich gesehen, als offizielle Erbin Ithilwens anerkannt und somit“, kurz wurde ich durch Elvea abgelenkt, die beide Daumen in die Luft hob, „bist du offiziell und rechtlich gesehen…“
Was machte er es denn so spannend? Was war ich denn, offiziell und rechtlich gesehen?
Der größte Döspaddel Mittelerdes.
Na danke.
„…eine Erbin des Düsterwalds.“
Vor Schreck wuchsen Curan Katzenohren.
Legolas strahlte mich an, zumindest soweit, wie Elben des Düsterwalds strahlen konnten. „Das heißt, dass ich dich jetzt offiziell als Schwester bezeichnen darf.“
Geschockt und ein wenig gerührt öffnete ich meinen Mund, klappte ihn aber wieder zu, als ich sah, dass keine Worte herauskamen.
Soweit ließ Thranduil es auch gar nicht kommen. „Wenn du uns jetzt entschuldigen würdest.“
Und weg waren sie. Vielleicht ein Geburtsvorbereitungskurs?
Kopfschüttelnd rückte Gimli die Axt in seinem Gürtel zurecht, ein subtiler Hinweis darauf, dass wohl Ärger nahte. „Deinen Nachnamen kannst du ruhig beurlauben. Dich wird sicher niemand mehr Validi nennen, ohne dass er Ärger mit elbischen Rechtsanwälten bekommt.“
Man hatte meine Welt kurzerhand aus den Fugen gehoben, umgedreht, kräftig geschüttelt und schief wieder eingesetzt, so fühlte es sich zumindest an.
„Eine exorbitante Verbesserung“, nannte Glorfindel es, der aus irgendeinem Grund das Wort exorbitant kannte. „Letztes Jahr wollte er dich noch umbringen, heute bist du nicht erbberechtigte Erbin des Düsterwaldes.“
Ja, so lief das nämlich. Würde Thranduil von heute auf morgen sterben, würde ich rein gar nichts erben. Einerseits war ich immer noch eine Weltenspringerin und andererseits hatte er wohl doch im Kopf behalten, wie launisch ich sein konnte.
Lindir, der ebenso überrascht über Glorfindels ungewöhnlichen Wortschatz schien, schüttelte verblüfft den Kopf. „Angeblich haben er und Elrond das wenige Wochen nach eurer Abreise ausbaldowert. Vielleicht ist ihm ja Ithilwen erschienen.“
Konnte gut sein, so etwas hatte sie ja schließlich immer mal wieder gemacht. Noch immer versetzte mir der Gedanke an meine leibliche Mutter einen Stich in der Brust. Sie hatten wir ein zweites Mal beerdigen müssen, (sowas kommt schon mal vor bei Weltenspringern) ebenso wie Rhân…
„Gut möglich“, stimmte auf Curan zu, „Wir haben schon Absurderes gesehen.“
„Wohl wahr…“
Immer noch kopfschüttelnd wandte Lindir sich zu mir um. „Und was macht das Weltenspringen ansonsten so?“
Ich war kurz versucht, ihm von Antigone zu erzählen, meiner Dienerin von Licht und Schatten, verkniff es mir angesichts Glorfindels vorheriger Aussagen doch. „Naja… also“, ich grinste, „ich habe meine Ausbildung bei Livion abgeschlossen.“
Keine Reaktion. Das war ja super.
Dann zog Glorfindel schließlich eine Augenbraue hoch. „Und… das ist gut? Was bedeutet das?“
„Ähm…“, verständnislos legte ich den Kopf schief, „Ja-ha! Das bedeutet, mein lieber Glorfindel, dass ich nicht mehr ausgebildet werden muss…“
„Was habt ihr beide denn gedacht? Dass er eingesehen hat, dass in Alcas Kopf sonst nichts reingeht?“ Curan grinste. „Ihr wisst doch, alles, was sie weiß, hat sie von mir.“
Wir hatten uns in Lindirs Büro (Es gab also doch eins!) niedergelassen, um Konversation zu betreiben. Es gab eben doch das ein oder andere zu besprechen.
Während Lindir versuchte, den Wahrheitsgehalt von Curans letzter Aussage herauszufinden, grinste selbiger mich fröhlich an. „Nicht wahr, Leuchtemädchen?“
„Nicht wahr“, entgegnete ich ebenso fröhlich.
„Leuchtemädchen?“, unser aller Lieblingsmusiker legte den Kopf schief, „Was mich dankenswerterweise zu einer Frage bringt, die ich dir gerne schon die ganze Zeit gestellt hätte…“ Glorfindels kritischen Blick angesichts dieser ominösen Frage ignorierend hob ich fragend die Augenbrauen.
„Wie ist das jetzt eigentlich mit den Schatten?“
Curan und ich warfen uns einen bedeutungsschwangeren Blick zu. War ja klar, dass diese Frage irgendwann käme. Um nicht zu viele Worte zu verlieren hob ich lediglich eine Hand. Einatmen, ausatmen. Als die Luft aus meiner Lunge ausströmte, erschien ein Schatten auf meiner Handfläche. Er loderte er wie eine Flamme, die im Wind tanzte, dann formte er sich zu einer ebenmäßigen, tiefschwarzen Kugel. Sie war kalt und mit Sicherheit tödlich, wie Glorfindel gerade wohl einfiel, als er sich erschrocken zurücklehnte, die Augen auf den Schatten gerichtet. Ich spürte, wie Sirion begann, leicht zu vibrieren, wie ein gutes Schattenmordinstrument das eben so tat.
„Oh…“
Als ich Angst bemerkte, die beinahe greifbar im Raum zu schweben schien, schloss ich eilig meine Hand und der Schatten löste sich auf. Sogar Curan, dessen Blick gebannt auf ihn gerichtet gewesen war, musste erst einmal den Kopf schütteln, um ihn zu klären. Schatten hatten schon etwas… Faszinierendes.
„Das ist ja…“ Offenbar hatte es Lindir die Sprache verschlagen. Kein Wunder, dass letzte Mal, dass Mittelerde die Schatten gesehen hatte, waren sie in der Hand Validus‘ gewesen… das hinterließ Spuren. Ich nahm mir vor, sie ein wenig zurückzuhalten, solange wir hier waren. Nein, besser zeigte ich sie niemandem abgesehen von denen, die ich als vertrauenswürdig genug erachtete.
Besser versteckte ich Sirion ebenfalls fürs Erste.
„… beeindruckend.“
Überrascht, denn ich hatte nicht mehr mit einer Beendigung dieses Satzes gerechnet, sah ich auf. „Hm?“
„Beeindruckend, sagte ich“, wiederholte Glorfindel, „Hast du damit schon mal jemanden… hast du sie schon mal eingesetzt?“
Ich nickte. „Selbstverständlich. Um Faran zu besiegen zum Beispiel.“
Vorwurfsvolle Stille.
Wir verbrachten eine unruhige Nacht in Imladris. Unruhig nicht etwa aufgrund Validion, nein, eine Amme hatte sich dankenswerterweise seiner angenommen, da war etwas Anderes, das in meinem Hinterkopf herumkroch und mir verbot, endlich zu schlafen.
Vielleicht sollte es einfach nicht sein. Vielleicht sollte ich einfach nie zur Ruhe kommen, von einem Problem zum nächsten hetzen, bis es mich eines Tages umbrachte…
Spätestens jetzt wusste ich, dass das mit Schlaf einfach nichts mehr werden würde, also warf ich mir meinen Umhang über und tapste barfuß nach draußen.
Den ganzen Tag über hatten mich seltsame Blicke begleitet, absurde Andeutungen und dieses hinter vorgehaltener Hand gewisperte Wort: Schatten.
Nun, ich war in einer riesigen, schwarzen Kugel vom Himmel herabgesunken, um gleich darauf einer Horde Orks zu begegnen, vielleicht sickerte das ein oder andere da einfach durch.
Meine Sicht auf Schatten war mit Sicherheit eine andere als die jener, die selbst den Schatten begegnet waren, denen Schatten das Leben zur Hölle gemacht hatten.
Und diese diabolische, wütende Seite wollte ich ihnen auch gar nicht absprechen, aber… hatte das Licht die nicht auch?
Ganz dünnes Eis, meine Liebe.
Mit Sicherheit hatte man durch Schatten weit mehr Übel verursacht als durch Licht, doch zu viel von Letzterem war ebenso todbringend.
Ohne, dass ich es bemerkt hätte, hatte ich meine Rechte zur Faust geballt. Funken umtanzten sie rot leuchtend.
Eilig löschte ich das Licht. Vielleicht sollte einsehen, dass es einfach ein wenig zu viel Macht war?
„Alca, machen wir einen Nachtspaziergang?“
Vor Schreck sprang ich in die Luft, schon wieder loderte das Feuer auf. Hektisch klopfte ich auf meine Handfläche, bis es wieder erlosch, während ich mich umsah. Wer war denn das gewesen?
„Alca… das kannst du doch besser.“
Konnte ich das? Im Moment war ich mir nicht besonders sicher, als ich über meine eigenen, nackten Füße stolperte und beinahe fiel. Doch als ich meinen Kopf hob, war da immer noch niemand. Langsam wurde ich wütend.
Schritte hinter mir ließen mich herumfahren, nur, um mich erneut mit Leere konfrontiert zu sehen. „Huhu…“, schallte es von überall und nirgends. Da trieb jemand Späße mit mir! Dazu war ich gar nicht in der Laune. „Guck doch mal.“
Jetzt brauchte ich doch ein wenig magische Hilfe. Anstatt wie wild herumzulaufen und jemanden zu suchen, der sich offenbar nicht zeigen wollte, beschloss ich, den Spieß umzudrehen.
Schatten stiegen wie Nebel vom Boden auf und schluckten bald auch das letzte Licht des Mondes und der Sterne. Absolute Schwärze.
Statt nun meine Augen zu verwenden – ging ja offensichtlich nicht – spürte ich mich in die Erde hinein… und fand tatsächlich etwas, beziehungsweise jemanden. Mochten die Schritte noch so leise sein, spürte ich doch die Vibrationen. Opfer erkannt und die Falle schnappte zu.
Der Nebel zuckte regelrecht zusammen, formte einen Käfig und enthüllte die Welt darum. Und als ich mich umdrehte, um durch die Gitter zu sehen, erblickte ich – einen Bart.
Pardon, keinen normalen Bart, einen sehr weißen, sehr langen Weihnachtsmannbart samt dazugehörigem Gandalf.
Milde überrascht glitt ich aus meinem breitbeinigen Stand zurück in meine Ausgangsposition und ließ sie Hände sinken. Mit ihnen senkte ein naher Bach zurück in sein Bett, wo er fröhlich weiterplätscherte.
Mit einer Handbewegung löste ich den Schattenkäfig auf. „Ich bin erfreut, Euch zu sehen. Ein einfaches Hallo hätte es allerdings auch getan.“
Der Zauberer schien aus irgendeinem Grund sehr amüsiert. „Alca, gut, dass du hier bist. Livion hat wirklich nicht zu viel versprochen, du beherrscht deine Fähigkeiten in der Tat exzellent. Beizeiten würde ich gerne einmal einem Duell zwischen euch beiden beiwohnen. Mit Sicherheit wäre das hochinteressant.“
„Livion?!“
Was hatte mein verrückter Großvater jetzt wieder angestellt?
Nickend wandte Gandalf sich um und winkte mir, ihm zu folgen. „Ach Alca, wenn du wüsstest, was sich für ein Sturm zusammenbraut…“
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